Philosophisches: Was ist Wahrheit?

wahrheitNicht selten gibt es prinzipielle Unklarheiten über elementare philosophische Begriffe. Das liegt im allgemeinen daran, daß die herrschende Klasse weder in den Schulen noch in Bildungsanstalten ein besonderes Interesse daran hegt, daß die Jugend die Hintergründe und Zusammenhänge gesellschaftlicher Prozesse begreift. Im Gegenteil: es werden Lügen verbreitet und es wird Verwirrung erzeugt. Deshalb wenden wir uns hier einmal einem grundlegenden Begiff zu, dem Begriff der WAHRHEIT, und zwar aus Sicht der marxistisch-leninistischen Philosophie…

1. Allgemeines

Die Frage nach der Wahrheit gehört zu den zentralen Problemen der Philosophie und wurde von den verschiedensten Schulen und Denkern unterschiedlich beantwortet. Es sind die Fragen nach dem Begriff von Wahrheit (Wahrheitsdefinition) und nach deren Kriterium zu unterscheiden: Bei der Frage nach dem Begriff der Wahrheit kann man in einem ersten alltagssprachlichen Zugang die „Wahrheit“ grundsätzlich von der Falschheit, der Lüge oder dem Irrtum abgrenzen. In der Aussagenlogik ist jeder Aussage ein Wahrheitswert zugeordnet, eine Aussage ist entweder „wahr“ oder „falsch“. Bei zusammengesetzten Aussagen kann dieser Wahrheitswert nach formalen Regeln aus den Wahrheitswerten der Teilaussagen ermittelt werden. Doch zuerst muß man natürlich die Frage stellen: Ist die Welt überhaupt erkennbar oder nicht? Diese Frage ist die Grundfrage aller Philosophie. Und danach entscheidet sich, ob jemand einen materialistischen oder einen idealistischen Standpunkt einnimmt. Aus der Sicht des dialektischen Materialismus ist die Welt erkennbar. Sie existiert außerhalb und unabhängig von uns Menschen. Und wir verfügen über die Fähigkeit, unsere Umgebung wahrzunehmen, zu erkennen und praktisch zu verändern. Das ist – kurz gesagt – auch der Sinn und Zweck unseres Daseins.

Karl Marx: „Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme – ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. In der Praxis muß der Mensch die Wahrheit, i.e. Wirklichkeit und Macht, Diesseitigkeit seines Denkens beweisen. Der Streit über die Wirklichkeit oder Nichtwirklichkeit des Denkens – das von der Praxis isoliert ist – ist eine rein scholastische Frage.“ Karl Marx: Thesen über Feuerbach. MEW Bd.3, S.5. oder: Marx/Engels, AW6, Bd.1, S.196)

2. Definition der Wahrheit

Wahrheit ist eine philosophische Kategorie, welche die Adäquatheit der Erkenntnis, d.h. ihre Übereinstimmung mit dem Erkenntnisobjekt charakterisiert. Im Erkenntnisprozeß gibt es verschiedene Stufen. Zunächst gibt es die sinnliche, dann die rationale Erkenntnisstufe. Sinnliche Abbilder, d.h. Empfindungen und Wahrnehmungen, sind infolge ihres unmittelbaren Charakters, bedingt durch die Gesetzmäßigkeit ihrer Entstehung, ihrer Natur gemäß immer adäquat. Anders gesagt: Sie sind eine relativ adäquate Widerspiegelung der objektiven Realität im Bewußtsein des Menschen. Diese Abbilder können folglich auch nicht falsch sein. Erst auf der Ebene der rationalen Erkenntnis (begriffliche Ebene) gibt es sowohl adäquate als auch nichtadäquate Abbilder, da sich die Erkenntnis bei der weiteren Verarbeitung der Sinneseindrücke, durch Abstraktion und Verallgemeinerung, allmählich von ihrer unmittelbaren Verbindung mit der objektiven Realität löst. Im Unterschied zu Empfindungen und Wahrnehmungen können Aussagen (und alle hierauf beruhenden Erkenntnisformen wie Begriffe, Urteile oder Schlußfolgerungen) wahr oder auch falsch sein. (siehe G.Klaus/M.Buhr, Hrsg.: Philosophisches Wörterbuch, VEB Biblographisches Institut Leipzig, 1975, Bd.2, S.1273f.)

3. Zwei Aspekte des Wahrheitsproblems

Es gibt eine relative und die absolute Wahrheit. W.I. Lenin charakterisierte diesen Zusammenhang wie folgt: „1. Gibt es eine objektive Wahrheit, d.h. kann es in den menschlichen Vorstellungen einen Inhalt geben, der vom Subjekt unabhängig ist, der weder vom Menschen noch von der Menschheit abhängig ist? 2. Wenn ja, können dann die menschlichen Vorstellungen, die die objektive Wahrheit ausdrücken, sie auf einmal, vollständig, unbedingt, absolut oder nur annähernd, relativ ausdrücken? Diese zweite Frage ist die Frage nach dem Verhältnis von relativer und absoluter Wahrheit.“ (Lenin, Werke Bd.14, S.116 oder: Materialismus und Empiriokritizismus) Die Erkenntnis schreitet also im Laufe der Zeit immer weiter fort, wird genauer, tiefgründiger und nähert sich immer mehr der Wahrheit an. In dem Verhältnis von relativer und absoluter Wahrheit kommt also der historische Charakter des Erkenntnisprozesses zum Ausdruck.

4. Was ist das Kriterium der Wahrheit?

Woran können wir feststellen, ob eine Behauptung wahr ist? René Descartes meinte, Klarheit und Deutlichkeit sei bereits ein hinreichendes Kriterium der Wahrheit. Doch oft genug in der Geschichte der Wissenschaft schienen Thesen klar und deutlich, die sich später als falsch herausstellten. Die Überprüfung der Wahrheit erfordert unbedingt den Vergleich der Erkenntnis mit dem Erkannten, also mit der objektiven Realität. Wie können wir einen solchen Vergleich vornehmen? Wir könnten es tun, indem wir die Übereinstimmung zwischen Erkenntnis und Erkenntnisobjekt zum Gegenstand eines speziellen Erkenntnisvorganges machen. Dieser erfordert seinerseits die gleiche Überprüfung, der nächste ebenso usw., das heißt, wir würden uns auf ein unendliches Unternehmen einlassen, ohne zur Entscheidung zu kommen. Die Wahrheit von Aussagen und Thesen kann folglich nur in einem Prozeß überprüft werden, der das Bewußtsein des Subjekts mit der Welt der Objekte direkt verbindet. Das geschieht aber nicht im Bewußtsein, sondern in der gesellschaftlichen Praxis des Menschen.(siehe: Hahn/Kosing, Studienjahr der FDJ, Marxistisch-leninistische Philosophie, Bln. 1978, S.249)

Lenin: „Die Herrschaft über die Natur, die sich in der Praxis der Menschheit äußert, ist das Resultat der objektiv richtigen Widerspiegelung der Erscheinungen und Vorgänge der Natur im Kopfe des Menschen, ist der Beweis dafür, daß diese Widerspiegelung (in den Grenzen dessen, was uns die Praxis zeigt) objektive, absolute, ewige Wahrheit ist.“ (W.I. Lenin, Materialismus und Empiriokritizismus, LW, Bd. 14, S.187)

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