Ljubow Pribytkowa: Sieben Millionen für einen Fälscher…

Viele werden es kennen: „Der Hase im Rausch” – ein beliebtes und gern rezitiertes Gedicht von Sergej Michalkow. Wußte Eberhard Esche nicht, als er diese Strophen vortrug, wer der Autor war? Wußte er nicht, daß der Verfasser ein ebenso witziger, wie wendiger und anpassungsfähiger Poet war, der auf Wunsch seiner jeweils neuen Herren die Nationalhymne dreimal umgedichtet hatte: erst ein untertänigstes Lob auf Stalin, dann ‚Stalin raus und Chruschtschow rein‘, schließlich ein Hoch auf die russische Nation und dafür einen Orden aus der Hand des Oligarchen Putin. Seine adlige Natur machte es ihm möglich. Nicht weit vom Stamme fiel der Apfel: auch der künstlerische Sohn wußte, was er den Oligarchen schuldig ist…

Ljubow Pribytkowa

WARUM DER RUSSISCHE REGISSEUR NIKITA MICHALKOW
DIE LEIBEIGENSCHAFT SO IN DEN HIMMEL HEBT…

Im Juli 2013 teilte der bekannte russische Schauspieler und Regisseur Nikita Michalkow seinen Lesern hocherfreut mit, daß die russische Regierung seinem geplanten Historienfilm über die Leibeigenschaft in Rußland einen Zuschuß von 300 Millionen Rubeln (fast sieben Millonen Euro) gewährt hat. „Die Bolschewiki haben eine furchtbare Sache gemacht“, sagte er, „sie haben unser kulturelles Erbe aus dem Bewußtsein des Volkes gelöscht, die Erinnerung an alles Gute und Helle, das es im russischen Volk gab, einschließlich der Erinnerung an die Leibeigenschaft. Es ist unsere Aufgabe, die historische Wahrheit wiederherzustellen.”

russGeschichte1Und den Begriffsstutzigen erklärt er: „Was war eigentlich Leibeigenschaft? Leibeigenschaft – das ist dokumentierter Patriotismus. Der Mensch war mit Mütterchen Heimat nicht nur durch sein Pflichtgefühl, sondern auch dokumentarisch verbunden. Die Leibeigenschaft ist eine Volksweisheit, es sind vierhundert Jahre unserer Geschichte. Und wenn mir jetzt jemand vorschlägt, diese 400 Jahre aus unserer Geschichte zu streichen, so ich sage, Brüder, denkt ihr etwa, daß unsere Vorfahren Dummköpfe waren?”

Michalkow träumt davon, im Film zu zeigen, welche „wertvollste“ Eigenschaft es in der Geisteswelt der russischen Bauern war: seine Liebe „zur festen Hand”. „Seit dem Abtritt der Bolschewiki denkt man in Rußland jetzt, daß die Leibeigenschaft so etwas ähnliches war wie die nordamerikanische Sklaverei. Aber es war durchaus nicht die Beziehung eines Sklaven zu seinem Gutsherrn, sondern vielmehr die eines Sohnes zu seinem Vater. Viele Bauern wollten keine ‚Freiheit‘. Ja, manchmal prügelte der Gutsbesitzer den Bauern; wie auch ein Vater sein ungehorsames Kind prügelt.“

Ist Michalkow nur ein armer Irrer?

Über das Gelesene sprach ich mit einem bekannten Irkutsker Kunstwissenschaftler. Erstaunt bemerkte er: „Na, bei dem Nikita ist wohl einfach das Dach weggeflogen.“ Damit war ich nicht einverstanden. Es ist wohl kaum anzunehmen, daß bei Michalkow in Zusammenhang mit seiner umfangreichen gesellschaftlichen Tätigkeit (er ist Leiter irgendeines Bündnisses und Vorsitzender irgendwelcher Fonds, Mitglied irgendeines Präsidiums und sogar der Präsident von irgendsoeinem Gremium usw.) und im Zusammenhang mit seinen regelmäßigen Streitereien im Verband der Filmschaffenden irgendwelche psychischen Anomalien begonnen haben. Und es ist auch kaum anzunehmen, daß er über die Geschichte unseres Vaterlandes in der Schule nichts gelernt hat, und daß er im vorgerückten Alter unsere gesamte klassische Literatur vergessen hat… Unwissenheit kann man ihm nicht vorwerfen. Er erinnert sich an alles. Er weiß alles.

Gab es im vorrevolutionären Rußland Sklaverei? – Ja, es gab sie!

russGeschichte2Und am besten weiß er natürlich darüber Bescheid, daß die wahrheitsgemäße Interpretation der realen Geschichte unseres Landes heute nicht gerade in Mode ist. Auch weil man mit einer forcierten Fälschung der historischen Tatsachen angefangen hat. Und auch, weil man aus den Schulprogrammen die Werke der Klassiker der Literatur hinausgeworfen hat. Heute werden sie nicht mehr verehrt, jene bedeutenden Persönlichkeiten der russischen Kultur, die russischen Schriftsteller Radischtschew, Gribojedow und Ostrowski, Lermontow und Turgenew, Herzen und Tschernyschewski, Belinski und Dobroljubow. Im Kino, auf den Theaterbühnen und im Fernsehen sind Werke des kritischen und sozialistischen Realismus nur noch äußerst selten zu sehen.

Und Michalkow, der von Kindheit an im Lichte der Autorität seines berühmten Vaters glänzte, der selber von der Sowjetmacht verwöhnt wurde, kann sich vom Ruhm des bekannten Schauspielers, des produktiven Regisseurs, einer an die Macht gelangten Persönlichkeit des öffentlichen Lebens nicht lösen oder aus seiner Haut klettern, wenn er seinen Status quo nicht verlieren will. Er hat sehr gut begriffen, was man jetzt von ihm verlangt. Und er ist zu vielem bereit, um die neuen Herren des Lebens zufriedenzustellen. Er braute einen lästerlichen Film nach dem anderen über den Großen Vaterländischen Krieg zusammen, und nun kriecht er mit seinen schmutzigen Gedanken in die Geschichte unseres Vaterlandes hinein. Er hat seine vorhandene Begabung wunschgemäß einer speichelleckerischen Leidenschaft untergeordnet und wurde, wie ein kluger Mensch sagte, zum keineswegs unbekannten „Flaggschiff der Entsowjetisierung“.

Die Bourgeoisie und ihre intellektuellen Lakaien

Die heutigen Schüler und Studenten lernen schon nach Lehrbüchern, in denen die echten historischen Tatsachen verzerrt dargestellt und die realen Ereignisse verfälscht und gefälscht wurden. Meinungsfreiheit besitzen jetzt die Dunkelmänner der Russisch-Orthodoxen Kirche und solche Typen mit einer Pseudokultur wie Michalkow und Schwydki, Swanidse, Weller und Hunderte ihnen ähnlicher Leute. Sie sind bezahlte Agenten der Bourgeoisie. Man hat sie gemietet, um junge menschliche Seelen zu verbilden. Die wahren Bücher hat man aus den Bibliotheken hinausgeworfen, und andere wurden einfach verbrannt. Ihren Platz nimmt heute übersetzter und gedruckter westlicher Abfall ein, minderwertige Massenschmöker und Unterhaltungslektüre. Für die Jugend wurde es mit jedem Jahr schwieriger an wahrhafte Kultur zu gelangen und zur Wahrheit über Geschichte unseres Vaterlandes vorzudringen.

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Rußland um 1870: leibeigene Arbeitssklaven an der Wolga

Doch es wird der Bourgeoisie und ihren intellektuellen Dienern wohl kaum gelingen, die Wahrheit durch die Lüge zu töten. Selbst unter den Bedingungen der grausamsten Reaktion, der staatlichen Verfolgung von Atheismus und marxistischer Weltanschauung, selbst bei Bildung eines superperfekten Systems der totalen Bespitzelung und Massenspionage, werden sich in der menschlichen Gesellschaft immer wieder Menschen finden, für die der Kampf für die Wahrheit höher steht als das Wohlwollen ihrer Herren. Und die Wahrheit ist doch folgende: Die vierhundertjährige Existenz der Leibeigenschaft in Rußland gehört zu den schwärzesten Kapiteln der russischen Geschichte.

Leibeigenschaft in Rußland: Es herrschte finsterste Sklaverei

Nicht zufällig schrieb der bedeutende russische Dichter Michail Lermontow 1841, als er sich in den Kaukasus begab: „Lebe wohl, du schmutziges Rußland – Land der Sklaven und der Herren…” Und viel früher, im Jahre 1790, schrieb der hervorragende russische Schriftsteller Alexander Radischtschew das unsterbliche Buch „Eine Reise von St. Petersburg nach Moskau“, das er anonym verlegte. Darin berichtete er als erster über das schwere Leben und die Rechtlosigkeit der Leibeigenen, über die Willkür und das politische Joch der in Rußland herrschenden Gutsbesitzer. „Ich blickte umher“, schrieb er, „und meine Seele war bedrückt von all dem menschlichen Leid.“ Ringsumher herrschte finsterste Sklaverei. Das war das Wesen der adeligen, auf der Leibeigenschaft beruhenden, zaristischen Monarchie. Die Mehrheit der Bauern war versklavt. Und dieses öffentliche Übel – die adelige Selbstherrschaft und die Leibeigenschaft – konnten erst durch die Volksrevolution ausgerottet werden. Der Thron mußte erst zerstört, und die Zaren hingerichtet werden.

Bitterer Frondienst unter zaristischer Herrschaft

Nachdem die zu dieser Zeit herrschende Zarin Katharina das Buch Radischtschews gelesen hatte, war sie empört. Eigenhändig bereitete sie die Anklage vor. Und ohne Zögern verurteilte die Strafkammer des Petersburger Gerichtes den Schriftsteller zum Tode. Man rief: „Hinrichten … den Kopf ab!” Aber die Zarin galt in Europa als „gebildete Herrscherin”, und so ließ sie sich zur Begnadigung herab, „schlug ihn in Ketten und verwies ihn zur Zwangsarbeit nach Nertschinsk“.

1902 erschien dann, zuerst in London und später auch in Rußland, von Pjotr Kropotkin das bemerkenswerte Buch „Aufzeichnungen eines Revolutionärs“. Aufgewachsen in der Familie eines Großgrundbesitzers, beschrieb er mit enzyklopädischer Wahrheitstreue das Leben des russischen Adels und die Leibeigenschaft der Bauern. Bei der Leibeigenschaft besaß der Gutsbesitzer den Boden, und die darauf wohnenden Bauern waren faktisch vom Gutsbesitzer abhängig. Es herrschte Frondienst – kostenlose Zwangsarbeit in der Wirtschaft der Gutsherrn an einigen Wochentagen. Der Gutsbesitzer war berechtigt, die Bauern zu verkaufen, zu kaufen und einzutauschen.
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Moskau um 1800: „drei Mädchen zu verkaufen“ – „Witwe, 33 Jahre, zu verkaufen“

Kaum eine Ausgabe der Moskauer „Wedomosti“ erschien, ohne daß nicht Anzeigen veröffentlicht wurden wie: „Zwei Knechte zu verkaufen, von den einer ein Hundeknecht, der andere ein Musikant ist” oder „Weber zu verkaufen, 35 Jahr alt, mit Frau und Tochter, sowie ein tüchtiger Hengst, 6 Jahr alt“. Der Gutsbesitzer konnte die ihm zwangsweise untertanen Bauern gegen ein Paar Windhundwelpen eintauschen. In einem der Museen Moskaus, wird das Gemälde eines der bekanntesten Maler um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20.Jahrhundert, von N.A. Kassatkin, aufbewahrt. Es trägt den Titel „Eine in Ungnade gefallene leibeigene Schauspielerin nährt an ihrer Brust die herrschaftlichen Welpen”. Beim Blick auf diese Leinwand füllt sich die Seele mit Haß auf die Unterdrücker.

Spießrutenlauf – eine furchtbare Strafe

Unter Katharina II. verschärfte sich das Joch der Leibeigenschaft. Es war sogar verboten, gegen den Fronherren Klage zu erheben. Der Gutsbesitzer konnte nach eigenem Ermessen heiraten und verkuppeln, für das geringste Vergehen mit Ruten auspeitschen lassen und zu den Soldaten geben, wen immer er wollte. Kropotkin schreibt: „Der Soldatendienst damals war schrecklich: Er dauerte 25 Jahre … und Prügel, Ruten- oder Stockhiebe gab es jeden Tag. Die Grausamkeit übertraf dabei alles, was man sich vorstellen kann. Wer unter das Militärgericht geriet, wurde fast immer zum Spießrutenlaufen verurteilt. Dabei wurden tausend Soldaten in zwei Reihen aufgestellt, die mit Stocken von der Dicke des kleinen Fingers (man gab ihnen die deutsche Bezeichnung „Schlitzruten”) ausgerüstet waren. Die Delinquenten jagte man drei, vier, fünf und mehrere Male durch diese Aufstellung, wobei jeder Soldat jedesmal einen Schlag auszuführen hatte. Die Unteroffiziere achteten darauf, daß die Soldaten nach Leibeskräften schlugen. Nach ein- oder mehreren tausend Stockhieben trug man das bluttriefende Opfer ins Spital, wo es nur behandelt wurde, damit die Strafe zu Ende gebracht werden konnte, kaum daß der Soldat sich ein wenig erholt hatte. … Nikolaj I. und sein Bruder Michail waren unbarmherzig.”

Unzählige Bauernaufstände gegen die zaristische Macht

Jedes Jahr gab es an einem oder dem anderen Ort in Rußland Bauernunruhen. Im 17. und 18. Jahrhundert fanden in Rußland vier Bauernaufstände statt. Im September 1603 flammte bei Moskau ein Aufstand der Bauern und Leibeigenen auf, der von Chlopok angeführt wurde. Zu seiner Niederschlagung schickte Zar Boris Godunow seine Truppen in einige der vom Aufstand erfaßten Städte. Im Jahre 1606 führte der flüchtige Leibeigene des Fürsten Teljatjewski, Iwan Bolotnikow, einen Aufstand an. Er verfügte über das Talent eines hervorragenden Feldherren und Organisatoren. Doch die zaristischen Truppen ertränkten auch diesen Volksaufstand im Blut.

Im Frühjahr 1670 begann am Don ein noch mächtigerer Volkskrieg, der von dem talentierten Anführer Stepan Timofejewitsch Rasin geleitet wurde. Die Aufständischen eroberten Zarizyn, Saratow und Samara … „Die anmutigen Briefe” Stepan Rasins fanden in ganz Rußland Verbreitung. Die Bauern, welche sie erhielten, töteten die Wojwoden, die Gutsbesitzer und ihre Verwalter und erhoben sich zum Kampf. Panikartig verließen die Gutsbesitzer ihre Landsitze. Fürst Juri Dolgoruki unterdrückte daraufhin den Aufstand mit unerhörter Grausamkeit. Doch Stepan Rasin blieb für immer im Gedächtnis des Volkes, das seine Heldentaten in Liedern und Legenden besang.

Im Jahre 1773 nahm die Bewegung Jemeljan Pugatschows gegen Adel und Leibeigenschaft riesige Ausmaße an. In seinen „Manifesten“ versprach er dem Volk „Land, Wasser, Wald, Wohnung, Güter, Flüsse, Fisch und Brot, Gesetze, Ackerland und Lohn, Blei und Pulver…“ „Euren Kindern und Kindeskindern gebe ich Freiheit für ewig.“

Hungerepidemien, Gewalt und Unterjochung der russischen Bauern

Im Volk waren die Unterdrücker verhaßt. Die Aufständischen brannten die Adelsgüter nieder und töteten die Gutsbesitzer. Allein 1820 waren 13 russische Gouvernements von Unruhen erfaßt. Der Hunger in den Jahren 1820-1821 verschärfte sich die Situation. Ganze Dörfer ernährten sich von Spreu, Gänsefuß und Baumrinde. Hungerepidemien mähten die Menschen dahin. Und die Gutsbesitzer erhöhten die Preise für Brot.

Der Vaterländische Krieg von 1812 hat allen denkenden Menschen von Rußland gezeigt, daß die Selbstherrschaft und die feudale Leibeigenschaft eine Bremse für die Entwicklung Rußlands darstellte. Die Soldaten der Armee, die für einige Zeit in Europa waren, sahen die Möglichkeit des Lebens ohne Leibeigenschaft. Und sie sagten: „Wir haben unser Blut vergossen, und sie zwingen uns wieder, im Frondienst zu schwitzen. Wir haben die Heimat vom Tyrannen befreit, und dafür tyrannisieren die Herrn uns wieder.“

Der Dekabristenaufstand

Am 14. Dezember 1825 fand auf dem Senatsplatz von Sankt Petersburg der Dekabristenaufstand statt. Die Allerbesten aus der Adelsklasse traten öffentlich auf „gegen Gewalt, Unterjochung und Verhöhnung über das rechtlose Volk durch die Anhänger der Leibeigenschaft“. Leidenschaftlich und mutig deckte der Dekabrist Wladimir Rajewski das Hauptübel Rußlands auf: „Wer hat dem Menschen das Recht gegeben, einen Menschen als sein Eigentum zu betrachten? Mit welchem Recht kann der Körper, das Vermögen und sogar der Geist des einen jemandem anderen gehören? Woher ist dieses Gesetz genommen, daß man einem selbst ähnliche Menschen verkaufen, tauschen, verlieren, verschenken und tyrannisieren kann? Entspringt es nicht aus Quellen der groben, tollen Unwissenheit des Verbrecherischen, viehischer Affekte und aus der Unmenschlichkeit?” Einer der geistigen und politischen Führer des Aufstands, Pawel Iwanowitsch Pestel, sagte einmal: „Die Sklaverei muß entschlossen vernichtet werden, und der Adel muß sich unbedingt für immer von dem schändlichen Vorteil lossagen, über andere Menschen zu verfügen.”

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Petersburg 1825: Junge, talentierte und mutige Männer erheben sich gegen Unterdrückung und Unmenschlichkeit und werden dafür von der zaristischen Regierung einfach niedergeschossen (Aquarell Kolman)

An diesem Tag, dem 14. Dezember, wurde mit der Heldentat der adeligen Revolutionäre gegen den Zarismus ein für allemal abgerechnet. Zar Nikolai I. machte schonungslos Schluß mit ihnen. Die Kanonen donnerten, und 1271 Teilnehmer des Aufstands blieben auf dem Platz liegen. Viele kamen ums Leben, versanken im Fluß beim Versuch, die Newa schwimmend zu durchqueren. Oberst Pestel, Leutnant Rylejew, Oberstleutnant Sergej Murawjew-Apostol, Leutnant Bestuschew-Rjumin und Oberleutnant Kachowski wurden aufgehängt. 121 Dekabristen wurden auf Beschluß des Obersten Gerichtes zu lebenslanger Zwangsarbeit geschickt. Und Nikolai I. versetzte ganz Europa aufgrund seiner „Barmherzigkeit“ in Erstaunen.

Das Banner der Revolution ging niemals unter

Die besten Menschen Rußlands wußten, daß in den Kerker geworfen würden, daß ihnen alle Titel und Anerkennungen entzogen würden, daß sie aufs Schafott gehen würden oder Dutzende Jahre zur Zwangsarbeit geschickt würden, aber sie sagten die Wahrheit über die Selbstherrschaft, sie brandmarkten die Schande der Leibeigenschaft, um die junge Generation „zu neuem Leben zu erwecken“. Die Dekabristen waren gefallen, doch ihr Kampfbanner nahm der große russische, revolutionäre Demokrat Alexander Herzen auf, und er entfaltete eine revolutionäre Agitation. Anläßlich des hundertjährigen Geburtstages dieses Denkers sagte der Führer des russischen Proletariats Lenin: „Herzen hat die freie russische Presse im Ausland geschaffen – darin besteht sein großes Verdienst.“ Die Zeitung „Nordstern“ hob die Tradition der Dekabristen auf. Die Zeitung „Kolokol“ (1857-1867) nahm entschlossen Partei für die Befreiung der Bauern. Das Schweigen der Sklaven war gebrochen. Herzen hatte die revolutionäre Agitation entfaltet. Sie wurde von den verschiedensten Revolutionären aufgegriffen, weiterverbreitet, bestärkt und gefestigt, angefangen von Tschernyschewski bis hin zu den Helden „Narodnaja Wolja“.

Der Regisseur Michalkow – ein erbärmlicher Speichellecker der russischen Bourgeoisie

Und der kleine Nikita Michalkow wird nun für 300 Millionen Rubel aus dem Volksvermögens mit großem Aufwand über unsere nationale Geschichte seine Lügen verbreiten. Er wird zeigen, welche freundschaftlichen Beziehungen die Gutsbesitzer zu ihren Leibeigenen hatten, fast wie die Beziehungen von Vätern zu ihren Söhnen. Den Schauspieler kann man verstehen – was tut er nicht alles in seinem lakaienhaften Eifer. Doch die in die UdSSR geschehene Konterrevolution ist kein Theaterstück. Es ist die grausame Realität. Die an die Macht gekommene Bourgeoisie mag es nicht, wenn man ihr widerspricht. Wenn man etwas sagt, was ihr nicht angenehm ist. Wenn sie dich schon nicht zum Schreiben der Wahrheit an einen fernen Ort schickt, dann wird sie aufhören, deine unzähligen kleinen filmischen Werkchen zu sponsern. Und man will ja oben bleiben, man will ja auf den kostenlosen Futtertrog nicht verzichten…

25. Juli 2013

Übersetzung: Jana Griebling

Originaltext: http://www.og.com.ua/Pribytkova_Mihalkov.php (russisch)

Quelle: Kommunisten-online

Anmerkung:
Fälschungen der Geschichte gehören ja nicht erst seit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution zum Handwerkszeug der untergehenden Bourgeoisie. Und wie man sieht: Die Fälscher werden reichlich honoriert. Daß sich da auch leicht derartiges Gesindel findet, die Geschichte zum eigenen Vorteil und zu Gunsten ihrer bourgeoisen Auftraggeber umzuschreiben und fortschrittliche Entwicklungen zu diskreditieren, ist ebenfalls nicht neu. Albert Norden schrieb 1958 über den Tscherwonzenfälscherprozeß. Und Professor Wiktor Iljuchin deckte 2010 die Fälschungen der Katyner Sache auf. Die Zahl der verlogenen Bücher, Filmchen und Zeitzeugendarstellungen ist schier endlos. Oft mischt sich Wahrheit mit Erfindung, Erlebtes mit Vermutungen, Unterstellungen und dreisten Lügen. Doch die historische Wahrheit läßt sich auf Dauer nicht unterbinden, weil es immer wieder Menschen gibt, die sich gegen Ausbeutung, Unterdrückung, und gegen die Lügen der Apologeten des Kapitalismus zur Wehr setzen. Hier sind dazu einige bisherige Beiträge:

Siehe auch:
Albert Norden: Fälscher…
Das Jucken der Umbennungen
Fälscher im Russischen Staatsarchiv
Die Story der Fälscher

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4 Antworten zu Ljubow Pribytkowa: Sieben Millionen für einen Fälscher…

  1. monopoli schreibt:

    Hat dies auf monopoli rebloggt.

  2. Pingback: Die Begriffe der Kommunisten und ihre Fälschungen durch die Massenmedien der Ausbeuterklasse… | Sascha's Welt

  3. Pingback: Das Massenmord-Instrument Schuldgeldsystem – Wake News Radio/TV | Mywakenews's Blog

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