Leben in der DDR – Lebensweise und Familie

soz5Oft wird die Frage gestellt: Was war eigentlich so anders im Leben der DDR-Bürger? Wie war der Alltag in der Familie? Und warum erinnern sich die meisten, die die DDR noch erlebt haben, trotz aller Probleme so gerne an dieses Land? Wie frei waren eigentlich die Bürger dieses Landes? Und – konnte man offen seine Meinung sagen?*

Es ist die Frage der neuen Lebensweise unter den Bedingungen des sozialistischen Aufbaus, der grundlegend anderen Beziehungen, die den Umgang der Menschen untereinander prägten. Natürlich gab es – wie überall, wo Menschen miteinander umgehen – auch Egoismus, Neid, Herzlosigkeit und andere menschliche Schwächen. Es gab Bevormundung und es gab Unterdrückung. Aber es gab eben auch unvergleichliche berufliche Entwicklungsmöglichkeiten für alle Kinder des Volkes. Es gab soziale Sicherheit und Geborgenheit, ein hervorragendes Bildungswesen und kostenlose medizinische Betreuung. Es gab den Schutz von Mutter und Kind, die Fürsorge im Alter. Und vor allem – es gab das Recht auf einen Arbeitsplatz. Arbeitslosigkeit war in der DDR ein Fremdwort. Hier also nun etwas über die sozialistische Lebensweise:

Sozialistische Lebensweise und Familie

In der sozialistischen Gesellschaft entstehen neue Bedingungen für die Entwicklung der Persönlichkeit des Menschen, für die Gestaltung seines persönlichen Lebens und der Familie. „Die Ausprägung der sozialistischen Lebensweise bestimmt auch die Gestaltung von Ehe- und Familienbeziehungen, die sich auf Liebe und gegenseitige Achtung, Verständnis und gegenseitige Hilfe im Alltag und die gemeinsame Verantwortung für die Kinder gründen.“ [1]

Diese Orientierung bringt zum Ausdruck, daß die Familie in ihrem Inhalt und ihrer Funktion von den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen geprägt wird. Erst in der sozialistischen Gesellschaft befinden sich die Grundinteressen der Familie mit denen der Gesellschaft in Übereinstimmung. Sicherung des Friedens, umfassende soziale Sicherheit, das Glück der Menschen und die ständige Entfaltung ihrer Fähigkeiten und Talente sind grundlegende Ziele und Aufgaben der sozialistischen Gesellschaft, die zugleich der Entwicklung und Festigung der Familie voll entsprechen. „Die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Deutschen Demokratischen Republik sind die feste Grundlage für die sozial gesicherte Existenz der Familie. Mit dem Aufbau des Sozialismus entstanden gesellschaftliche Bedingungen, die dazu führen, die Familienbeziehungen von den Entstellungen und Verzerrungen zu befreien, die durch die Ausbeutung des Menschen, die gesellschaftliche und rechtliche Herabsetzung der Frau, durch materielle Unsicherheit und andere Erscheinungen der bürgerlichen Gesellschaft bedingt waren.“ [2]

soziale-fursorge

Im Prozeß der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft sind die Familien maßgeblich an der Festigung des Bildungs- und Kulturniveaus der Familienangehörigen beteiligt; sie tragen große Verantwortung für eine gesunde Lebensführung, für eine sinnvolle Gestaltung der Freizeit. Von dem Milieu in der Familie gehen starke Impulse für die Persönlichkeitsentwicklung aus. Stabile Familien sind für die Verwirklichung sozialer Sicherheit und Geborgenheit unersetzbar, wie die soziale Sicherheit und Geborgenheit im Sozialismus eine wesentliche Grundlage dafür ist, daß sich die Familien dauerhaft und harmonisch entwickeln können. Welche prinzipielle Bedeutung soziale Sicherheit und Geborgenheit für die Entwicklung stabiler Familienbeziehungen besitzt, wird allein an solchen Tatsachen sichtbar, daß die Familie in der sozialistischen Gesellschaft weder den Druck der Arbeitslosigkeit, noch die Angst arbeitslos zu werden, noch Mietwucher, Inflation und die Sorge, für die Kinder eine gesicherte Berufsausbildung zu finden, kennt. Der Sozialismus hat im Verlaufe seiner geschichtlichen Entwicklung die Familienbeziehungen von diesen traditionellen Gebrechen der kapitalistischen Gesellschaft für immer befreit. Das bedeutet allerdings nicht, daß die Herausbildung und Festigung eines neuen Typs der Familie unkompliziert, konfliktlos oder reibungslos verläuft.

In der sozialistischen Gesellschaft ist die Familie eine auf der Gleichberechtigung von Mann und Frau beruhende Gemeinschaft. Diese Gleichberechtigung der Geschlechter beruht auf der Verwirklichung neuer sozialer Verhältnisse. Natürlich werden auch im Kapitalismus Hunderttausende Familien gegründet mit dem Ziel, die Beziehungen zwischen Mann und Frau nach hohen moralischen Werten zu gestalten, die Kinder zu anständigen Menschen zu erziehen. Dennoch trifft dieses subjektiv ehrliche Bemühen der Ehepartner immer wieder auf gesellschaftliche Schranken: auf das Privateigentum an den Produktionsmitteln und die darauf beruhenden Klassengegensätze, die die Familienbeziehungen mit sozialer Unsicherheit, Existenzangst vor dem morgigen Tag belasten; Standesvorurteile bewirken vielfach eine Erniedrigung der Ehefrau, und die Ehe wird zu einer „finanziellen Versorgungseinrichtung“. In der sozialistischen Gesellschaft verlieren Eigentums- und Standesinteressen, lebensfremde Tabus und überkommene Vorurteile nach und nach ihre Gültigkeit für die Gründung einer Ehe und Familie. Für die Ehe bleibt dann, wie Engels schrieb, „… kein andres Motiv mehr als die gegenseitige Zuneigung“ [3]. Die Liebe zwischen Mann und Frau kann so zum entscheidenden Motiv für die Gründung einer Ehe und Familie werden.

hochzeitNeue Familienbeziehungen entwickeln sich nicht unabhängig von den praktischen gesellschaftlichen Aufgaben. Berufstätigkeit und die berufliche Entwicklung, gesellschaftliche Arbeit und Qualifizierung, die Erziehung der Kinder zu hoher Allgemeinbildung und zu solchen täglichen Verhaltensweisen im Leben wie Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit und Achtung vor dem Alter stellen große Anforderungen an beide Ehepartner, an ihre gegenseitigen Beziehungen. Verantwortungsbewußte Erfüllung der Erziehungspflicht, das eigene Vorbild, die übereinstimmende Haltung der Eltern gegenüber den Kindern haben für ein harmonisches Familienleben, für die Erziehung der Kinder unersetzbare Bedeutung, Die Familie erfüllt mit der Erziehung der Kinder zu bewußten sozialistischen Staatsbürgern, mit der Herausbildung und Festigung solcher Familienbeziehungen, die die Verbundenheit zwischen sozialistischer Gesellschaft und Familie festigen, mit der Schaffung eines inhaltsreichen und kulturvollen Lebens in der Familie, das sich nachhaltig günstig auf die Haltung der Familienmitglieder in der Arbeit, im Lernprozeß, in der Gesellschaft überhaupt auswirkt, eine bedeutsame staatsbürgerliche Aufgabe und Verantwortung.

Allerdings vollziehen sich die Herausbildung und Festigung solcher Familien und Familienbeziehungen nicht losgelöst von den Problemen des Alltags. Gleichgültigkeit und Routine bei der Gestaltung des Familienlebens, überholte Anschauungen und Lebensgewohnheiten und auch oberflächliche Maßstäbe bei der Wahl des Ehepartners erschweren die Entwicklung harmonischer Familienbeziehungen oder führen dazu, daß Ehen geschieden werden müssen. Im Familiengesetzbuch der Deutschen Demokratischen Republik wird deshalb die Forderung erhoben, daß sich die künftigen Ehepartner ernsthaft prüfen, ob sie von ihrem Charakter, Interessen, ihrer Gesinnung sowie den gesamten Lebensumständen her die Voraussetzung haben, eine Ehe und Familie zu gründen. Die Verwirklichung dieser Forderung ist wesentlich davon abhängig, inwieweit vor allem junge Menschen ernsthaft prüfen, ob sie diesen Maßstäben in ihrem täglichen Leben auch entsprechen wollen. In der DDR stehen der Zahl der Eheschließungen eine Zahl von Scheidungen in Höhe von etwa 25 Prozent gegenüber (ca. 40.000). Das ist eine beachtliche Zahl, die widersprüchliche Entwicklungsprobleme widerspiegelt und eine verantwortungsvolle, differenzierte Wertung erfordert. Hier zeigen sich Probleme, die unmittelbar mit dem Zusammenleben der Ehepartner verbunden sind und die von ihnen nicht gemeinsam gelöst werden konnten. Das kann zu große Charakterunterschiede, illusionäre Erwartungen betreffen oder die Pflege und Erziehung der Kinder, das Berufsleben der Ehepartner und die sexuellen Beziehungen. Diese Zahl bringt aber auch zum Ausdruck, daß in der sozialistischen Gesellschaft weder die Frau noch der Mann aus Gründen überholter Vorurteile eine Ehe aufrechterhalten müssen, wenn Liebe, gegenseitige Achtung und Verständnis nicht mehr gegeben sind. Die soziale Sicherheit in der sozialistischen Gesellschaft verhindert weitgehend, daß Mann oder Frau eine sinnlos gewordene Ehe gewissermaßen für ihr ganzes Leben „erdulden“ müssen.

Diese und ähnliche Probleme verdeutlichen, daß der Bestand einer Ehe von vielen Bedingungen abhängig ist. Die bewußte Verwirklichung der Gleichberechtigung der Ehepartner, die gleichberechtigte Wahrnehmung der Pflichten für die Pflege und Erziehung der Kinder, für den Haushalt usw. sind entscheidende Voraussetzungen für stabile und harmonische Familienbeziehungen, für die Lösung von auftretenden Konflikten im Ehe- und Familienleben.

Die Entwicklung und Festigung neuer Familienbeziehungen ist ein historischer Prozeß, der an alle Familienmitglieder hohe Anforderungen stellt. Vielfältige Probleme sind zu losen, besonders dann, wenn Mann und Frau berufstätig sind. Viele Ehepartner erlernen neue Berufe, übernehmen höhere gesellschaftliche Verantwortung, verändern ihre soziale Stellung und sind mitunter aus beruflichen Gründen für längere Zeit nicht zu Hause. Gegenseitiges Verständnis, Taktgefühl sowie die Bereitschaft, solche Probleme auch im Interesse der Familie zu lösen, sind Eigenschaften, die zur Behebung von Konflikten beitragen bzw. sie verhindern. Die im Berufsleben, im Arbeitskollektiv gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen bei der Lösung von Widersprüchen sind dabei eine wertvolle Unterstützung, um die Beziehungen in der Familie zu festigen. Gleichzeitig gehen große Einflüsse vom Familienleben auf die Gesellschaft, auf das Verhalten der Familienmitglieder im Arbeitsprozeß, im Kinder- und Lernkollektiv oder in anderen Gemeinschaften aus.

nationaleinkommen

Die sozialistische Gesellschaft hat durch die umfassende soziale Sicherheit und Geborgenheit solche Voraussetzungen geschaffen, daß ein inhaltsreiches und harmonisches Familienleben ermöglicht wird. Die soziale Sicherheit und Geborgenheit gibt auch der Ehe und Familie eine sichere Perspektive. Sie zu nutzen, liegt in der Verantwortung jedes einzelnen.

Zitate:
[1] Programm der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, S.55.
[2] Familiengesetzbuch der Deutschen Demokratischen Republik mit wichtigen Nebengesetzen, Berlin 1970, S.19.
[3] F.Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats. In: Marx/Engels: Werke, Bd.21, S.82.

Quelle:
Autorenkollektiv, Wissenschaftlicher Kommunismus, VEB Verlag Deutscher Wissenschaften, Berlin 1985, S.410-413.

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Und wer Lust hat zum Weiterlesen: http://www.spurensicherung.org

*Ein kleiner Nachtrag zu den Fragen:
Ja, wir waren frei und wir konnten offen unsere Meinung sagen, auch im Staatsbürgerkunde-Unterricht, im Betrieb oder in der Kneipe. Niemand wurde dafür inhaftiert, weil er eine andere Meinung hatte. Auch wer andere Ansichten hatte, durfte bspw. studieren (wie die heutige Kandesbunzlerin). Wer allerdings offen oder versteckt gegen die DDR konspirierte, wer im Betrieb sabotierte, wer klaute oder betrog, der wurde auch in der DDR strafrechtlich verfolgt. Denn es war das Recht des Volkes, das Volkseigentum zu schützen und den Staat zu verteidigen. Auch in den Haftanstalten galten die Gesetze. Es gab keine Folter und keine Rechtsbeugung. Die Richter und Anwälte, Lehrer und Offiziere kamen meist aus der Arbeiterklasse. Allein durch die fleißige Arbeit der Werktätigen in der DDR und durch das wachsende Nationaleinkommen waren diese umfangreichen sozialpolitischen Maßnahmen möglich. (–> Kommentar „puschkin“)

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Und was waren denn nun die Fehler in der DDR?
Wenn Friedrich Wolff mit seinem Beitrag in ossietzky 11/2012 die „wahren Fehler“ der DDR zu erkennen vermeint, so ist ihm doch in einigen Punkten zu widersprechen. Nicht nur, daß er Erscheinungen für das Wesen nimmt („DDR-Politiker hielten nichts von Psychologie“), er fügt seinen Behauptungen auch noch weitere Unsinnigkeiten hinzu („Glaubwürdig war nur der Westen. Dort gab es Meinungsstreit.“) – Diese Art von „Argumentation“ ist wirklich ein bißchen billig. Ganz so einfach kann man es sich doch nicht machen…  Dazu schreibt E.Rasmus:
„Eine Antwort auf Friedrich Wolff“

Übrigens: Was die „Stasi“ betrifft (sagen wir es lieber richtig: das Ministerium für Staatssicherheit), so war selbst die Anzahl der Mitarbeiter dieses Ministeriums im Vergleich zu westlichen Geheimdiensten lächerlich gering. Von den angeblichen „Verbrechen“ ließ sich bisher nicht ein einziges strafrechtlich verfolgen, da es nämlich keines gab. Dafür werden heute scharenweise Schulklassen und Studenten durch das Hohenschönhausener Gruselkabinett geschleust, in der trüben Hoffnung, die Besucher würden nun endlich auch in den bestellten und bezahlten Chor der Schauderer miteinstimmen und die DDR in Bausch und Bogen als ein Unrechtsregime verdammen. Doch zum Leidwesen der Erfinder dieser Schreckensszenerie ist das nicht der Fall. Im Exkursionsbericht einer solchen Besuchergruppe bleibt von den angeblichen  „Stasi-Verbrechen“ gerade noch die Überschrift übrig. Und im folgenden Text findet sich nicht ein einziges Beispiel für die großmäulig angekündigten Verbrechen der Stasi, sondern nur noch die wahrlich erschütternde Aussage: Es arbeiteten etwa 5,5 Mitarbeiter pro 1000 DDR-BewohnerInnen für das MfS. So, so! Da kann man ja nachträglich noch richtig das Gruseln kriegen!

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