Wohin mit all den Miesmachern?

Wolken„Wir haben viel erreicht und unser Ziel ist klar. Deutschland soll ein starkes und erfolgreiches Land bleiben” …so tönt es aus der CDU-Zentrale. Oh, ja – überall nur noch blühende Landschaften und zufriedene Gesichter, wohin man auch schaut! Und doch gibt es bei all dem Positiven, das wir erreicht haben, immer wieder einige Nörgler und Miesmacher, die nur das Negative sehen wollen und nicht die vielen positiven Veränderungen der letzten 23 Jahre. Ist es nicht so? So reden sie, die Vertreter der herrschenden Klasse, die CDU-Wähler, die ‚Jungunternehmer auf Erfolgskurs‘, die Regierungstreuen… Doch was soll man machen? Wohin mit all den Miesmachern, den Nörglern und Kritikastern???

Als Siegmund Freud 1923 sein ‚Strukturmodell der Psyche‘ auf den Markt warf, dauerte es nicht lange, da griffen bürgerliche Ideologen begierig nach der vermeintlichen Lösungsformel für alle entstandenen sozialen Probleme jener Zeit, obgleich deren Ursache, wie wir wissen, freilich nicht in der „unglaublichen Macht des Unterbewußtseins” zu suchen ist, sondern vielmehr in den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen. Ganze Heerscharen bürgerlicher Soziologen, Psychologen, Psychiater und Sozialtherapeuten haben sich seither dieser Methode bedient, wohl wissend und auch akzeptierend, daß sich die Verhältnisse damit ohnehin nicht ändern lassen würden. Man therapierte, manipulierte und diskutierte. „Though this be madness, yet there is method in it.” [1] („Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode.”) – jedenfalls war und ist es immer noch ein gutes Geschäft.

Eine tiefe Gärung geht durch’s Volk…

Im Jahre 1934 stellte Georgi Dimitroff fest: „In Deutschland geht eine tiefe Gärung gegen die Herrschaft der Braunhemden durch die werktätigen Massen und einen großen Teil der Intelligenz. Die Äußerungen des Widerstandes der werktätigen Massen nehmen trotz allen Terrors zu. Die Mißstimmung greift auf breitere Volksschichten über und dringt bis in die Reihen der Nationalsozialisten selbst. Die Zahl der ‚Nörgler, Kritikaster und Konfessionshetzer‘ wächst derart, daß der Herr Göbbels sich gezwungen sieht, seine Predigten über die einmütige Harmonie des ganzen Volkes und seine Treue zum ‚Führer‘ zu unterbrechen, und einen ganz groß angelegten Feldzug gegen die ‚Miesmachertum‘ ankündigt.” [2] Als alles das nicht zu fruchten schien, griffen Goebbels, Göring und Konsorten zu brutaleren Mitteln, indem sie damit drohten (und dies auch taten!), jegliche ‚Miesmacher‘ einem Konzentrationslager zuzuführen.
Arbeitslose 1929ohne ArbeitStempeln 1929ohne Lohn
Arbeitslosigkeit (1929)

Und nun: Die heraufziehende „Gefahr” des Marxismus?

Es gärte also im Volk. Natürlich (und das wußte auch schon der Lügenzwerg Goebbels!) waren daran nicht die ‚Miesmacher‘ schuld, nicht die Kommunisten und nicht die Juden, sondern die verschärfte Ausbeutung, der international immer aggressiver agierende Imperialismus. Die Konzernherren brauchten also die blutige, faschistische Diktatur zur Unterdrückung der Massen. Denn das leuchtende Beispiel der Sowjetunion, wo ein ganzes Volk sich von den kapitalistischen Blutsaugern befreit hatte, war nicht ohne Wirkung geblieben. Nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution hatte sich auch in Deutschland eine revolutionäre Stimmung breit gemacht. Man darf nicht vergessen: die KPD hatte noch bevor die Nazis an die Macht kamen etwa 6 Millionen Wähler hinter sich. Sechs Millionen , die den Kapitalismus nicht wollten, die für ein besseres Deutschland gestimmt hatten. Sechs Millionen ‚Miesmacher‘?

Die intellektuellen Fortsetzer des Joseph Goebbels

Man wollte keine ‚Miesmacher‘ haben im bürgerlichen Staat. Die Beeinflussung von Stimmungen und Meinungen war daher schon immer ein wichtiges Mittel, um die unterdrückten und ausgebeuteten Volksmassen geistig niederzuhalten. „Aus Gründen der Selbsterhaltung brauchte die imperialistische Bourgeoisie dringender denn je eine wirksame Massenbeeinflussung, die ihre apologetische Funktion zur Erhaltung ihrer Klassenherrschaft erfüllt. Die wirksame Massenbeeinflussung hat sich infolge der tiefen ideologischen Krise des Imperialismus wesentlich verringert. All das führte zu den Versuchen, alle propagandistischen Bemühungen wissenschaftlich zu untermauern. Führend sind darin die USA, wo ein immenser Ausbau der Forschungen in der angewandten Psychologie betrieben wurde. Wesen der imperialistischen Propagandadoktrin ist es, nicht auf den Verstand, sondern ausschließlich auf die Gefühle einzuwirken. Hierbei nutzt man ‚tiefenpsychologische‘ Erkenntnisse aus. Die Kategorien (Werthaltungen und Normen) der Ideologie erfüllen bei der ständig geführten Polemik gegen den Marxismus-Leninismus den Zweck, Gefühle und Instinkte gegen den Kommunismus zu aktivieren.” [3]
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Weltweite Hinterlassenschaften des Imperialismus (2003)

Die Gleichschaltung der Volksmassen

So spielte in der Bewußtseinsmanipulation der Nachkriegszeit nach 1945 bis heute die ganze Industrie des ‚positiven Denkens‘ und der ‚Erfolgsmotivation‘ eine ganz wesentliche Rolle. Eduard Kurka schreibt: „Die für unsere Epoche charakteristischen Umwälzungen im gesamten System der internationalen Beziehungen haben den ideologischen Kampf zu einem wichtigen Instrument der Politik und besonders der Außenpolitik gemacht. (Man denke hier nur an die nazitypischen Propagandareden eines Bush, Obama, Kerry oder Rasmussen vor den militärischen Überfällen auf den Irak, Libyen oder Syrien – N.G.) … Wesentlicher Grundzug der imperialistischen Massenpropaganda ist der Antikommunismus.” [4] 1968 schrieben Wissenschaftler in der DDR: „Die imperialistische Bewußtseinsmanipulation funktioniert um so reibungsloser und vollkommener, je mehr es der Monopolbourgeoisie gelingt, alle Ideologieproduzenten und ideologieverbreitenden Institutionen gleichzuschalten, auf die Propagierung und Rechtfertigung ihrer Zielsetzungen festzulegen und abweichende Meinungen auszuschalten, wobei ihr an einer äußerlichen Vielfalt und Buntheit, an einem Pluralismus der Meinungen in zweit- und drittrangigen Fragen aus Gründen der Tarnung durchaus gelegen ist…” [5]

Jeder Streik, jede Protestaktion, ist ein kleiner Sieg des Proletariats…

Dean Reed: „Wake up America” [6]

Und wie sagte auch schon Bertolt Brecht:

„Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein?
Denn die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen,
Und aus Niemals wird: Heute noch!”
[7]


Quellen:
[1] William Shakespeare: Hamlet 2,2 (nach der Schlegel-Tieckschen Übersetzung)
[2] Georgi Dimitroff: Rettet Thälmann, Verlagsgenossenschaft ausländischer Arbeiter in der UdSSR, Moskau-Leningrad, 1934, S.17.
[3] Eduard Kurka: Wirksam reden – besser überzeugen, Dietz Verlag Berlin 1970, S.68.
[4] Eduard Kurka, ebd., S.68
[5] Manipulation – Die staatsmonopolistische Bewußtseinsindustrie, Dietz Verlag Berlin, 1968, S.426.
[6] Dean Reed, Website: http://www.deanreed.de/deutsch/index.html
[7] Bertolt Brecht: Lob der Dialektik

Siehe auch:
Mißbrauch der Gefühle
Christian Schüle: Die Diktatur der Optimisten, in: Zeit-online, 13. Juni 2001

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