Warum wurde Dresden zerstört?

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Als am 13.-15.Februar 1945 die sächsische Kultur- und Kunstmetropole Dresden von den anglo-amerikanischen Bombengeschwadern in Schutt und Asche gelegt wurde, war der Krieg militärisch längst entschieden. Die Sowjetarmee war auf dem siegreichem Vormarsch. Zu diesem Zeitpunkt brauchten die Bombenflieger bei ihren Terrorangriffen gegen deutsche Städte schon nicht mehr mit der faschistischen deutschen Luftabwehr zu rechnen. Ungehindert konnten sie ihre Bombenlast abwerfen, wohin es ihnen beliebte. Der Krieg kehrte in das Land zurück, von dem er ausgegangen war. Das Großkapital und die deutschen Faschisten trugen die Schuld an diesem Kriege. Die nun folgend beschriebenen Ereignisse sind wohl kaum in Worte zu fassen. Dennoch hat der gelernte Buchdrucker und spätere Ministerprasident von Sachsen, Prof. Max Seydewitz, den Versuch unternommen, die grauenvollen Ereignisse jener Tage wiederzugeben. 1956 erschien in der DDR sein Buch „Die unbesiegbare Stadt“.

Die Stadt war vollgestopft mit Flüchtlingen

An diesem denkwürdigen Faschingsdienstag des Jahres 1945 spielten sich in Dresden dramatische Szenen ab. Noch bis in die frühen Abendstunden waren, wie schon an den vergangenen Tagen und Wochen zuvor, große Flüchtlingsströme erschöpfter und verzweifelter Menschen mit Lastwagen, Pferdefuhrwerken und Handwagen in die Stadt gekommen. Die Bahnstrecken und Landstraßen waren verstopft. Darum hatten die Nazis die täglich größer werdenden Ströme der Evakuierten nach Dresden dirigiert. Auf den Bahnhöfen drängten sich die Flüchtlinge. Die Wartesäle waren mit Menschen so vollgestopft, daß es unmöglich war, neu ankommende Flüchtlinge noch hineinzunehmen. Kranke lagen stöhnend herum, Frauen schluchzten leise und von überallher war das Weinen und Heulen der Kinder und Säuglinge zu vernehmen. Zu Tausenden waren die Menschen vor der herannahenden Front geflüchtet.

Ein höllisches Inferno mit Ansage

Obwohl Dresden bereits am im Oktober 1944 und im Januar 1945 angegriffen worden war, hatte es in den letzten Monaten fast täglich Fliegeralarm gegeben. Doch deutete an diesem Abend des 13. Februar 1945 nichts auf das herannahende Unheil hin. Um 21.55 hörten dann Zehntausende Menschen in Dresden die Stimme des Rundfunkansagers, die warnend und deutlich viermal „Achtung!“ rief. Kurz darauf, und noch auf dem Weg hörten die erschreckt in die Luftschutzräume flüchtenden Menschen dann das immer lauter werdende Dröhnen der Flugzeugmotoren, das sich mit dem Krachen der Bomben auf die von Leuchtbomben nunmehr taghell erleuchtete Stadt vermischte. Nach den ersten Bomben herrschte tiefste Stille, doch dann setzte ein infernalisches Dröhnen und Krachen ein. Welle um Welle der todbringenden Bombengeschwader, nach damaligen amtlichen Meldungen über 800 Flugzeuge, luden in dieser Nacht mehr als 300.000 Brand-, Flammstrahl- und Flüssigkeitsbomben auf die Stadt ab.

Das ist kein Krieg mehr – das ist Mord!

Binnen weniger Minuten hatte sich die sächsische Kulturstadt in eine brennende Trümmerwüste verwandelt. Der entsetzliche Anblick ließ sich mit Worten nicht beschreiben. Verzweifelt versuchten Überlebende sich aus den brennenden Ruinen zu retten. Eine Mutter mit einem in ein Bettlaken gewickelten Kind stieg über die Trümmerberge und wurde vom Feuersturm erfaßt. Überall lagen verkohlte und zusammengeschrumpfte Leichen. Dem ersten Angriff folgte ein zweiter und ein dritter. Rücksichtslos bombardierten die Flugzeuge Wohngebäude, Kirchen, Schulen, Brücken und die berühmten Kulturbauten der Stadt. Ja, sogar die mit einem weithin sichtbaren Roten Kreuz auf weißem Grund gekennzeichneten zahlreichen Krankenhäuser und Lazarette Dresdens wurden bis auf wenige Ausnahmen gezielt bombardiert, und Tiefflieger veranstalteten Zielschießen auf das Krankenhauspersonal.

Das Massaker im Großen Garten und auf den Elbwiesen

Tausende Menschen waren von Bomben zerfetzt oder von den Trümmern der einstürzenden Häuser erschlagen worden, sie erstickten in den Lufztschutzkellern oder verkohlten im Höllensturm der Feuersbrünste. Die einst so unvergleichlich schöne Stadt bot ein Bild der Verwüstung und des Grauens. Sogar weithin bis ins Chemnitzer Land hatten die Einwohner den Feuerschein der brennenden Stadt bemerkt. Während viele Quadratkilometer der Stadt immer noch brannten, hatten mehr als zehntausend Männer Frauen, Kinder und Greise in der naßkalten Februarnacht in den Parkanlagen des Großen Garten Schutz gesucht.
Und dann geschah etwas, was niemand für möglich gehalten hätte. Ein Augenzeuge berichtet: „Die Flieger, die bei dem zweiten Angriff in das Flammenmeer der Stadt neue Sprengbomben geworfen hatten, flogen über das dunkle Quadrat des Großen Gartens und warfen dort Bomben mit Aufschlagzündern, Brand- und Flüssigkeitsbomben, Phosphor- und Benzinkanister ab.“ [1]

Denn sie wußten was sie taten!

„Die Flieger wußten, daß es im Großen Garten nur Wiesen, Anlagen und Bäume gab und keine kriegswichtigen Ziele und Gebäude. Die Flieger wußten, daß sie ihre Bomben jetzt über Zehntausenden gehetzten unglücklichen Menschen abluden, die im Großen Garten Schutz gesucht hatten. Ein Schrei aus Tausenden Kehlen gellte in die Luft, als die schon in den Bäumen explodierenden Bomben in einem tausendfachen Splitterregen niederfielen und den wehrlosen Menschen furchtbare Wunden schlugen, Die Bäume brannten im Handumdrehen lichterloh, es brannten die Wiesen, und es brannten auch die Menschen.“ [2] Danach gingen die anglo-amerikanischen Piloten noch im Tiefflug nieder, um mit ihren Bordwaffen auf alle zu schießen, die von ihren Bomben und dem Feuer verschont geblieben waren. Die gleiche Tragödie ereignete sich auch auf den Elbwiesen.

Die politischen Hintergründe nach der Jalta-Konferenz

Lange hatten die Westmächte in der Hoffnung auf eine Vormachtstellung in Europa die Eröffnung der Zweiten Front hinausgezögert. Durch die große Winteroffensive der Sowjetarmee Anfang 1945 wurde der Kriegsschauplatz nunmehr auf deutsches Territorium verlegt. Max Seydewitz schreibt: „Am 11. Februar 1945, zwei Tage vor dem Terrorangriff gegen Dresden, war die Konferenz von Jalta beendet. Auf dieser Dreimächtekonferenz, die am 3.Februar begonnen wurde, berieten und entschieden Stalin, Roosevelt und Churchill über die letzten Schläge zur endgültigen Niederzwingung Hitlerdeutschlands und über das künftige Schicksal des besiegten Deutschlands. Die Tatsache, daß die drei Staatsoberhäupter damals die Zeit für gekommen hielten, über die Behandlung Deutschlands nach dem Sieg zu entscheiden, ist auch ein Beweis dafür, daß nach der übereinstimmenden Meinung aller drei Alliierten Hitlerdeutschland zur Zeit der Konferenz von Jalta militärisch bereits besiegt war.“

Stalin: Hoffnung auf ein anständiges Leben der Deutschen

„Bei den Beratungen in Jalta hatte Stalin den beiden westlichen Alliierten gegenüber mit besonderem Nachdruck seine während des Krieges wiederholt zum Ausdruck gebrachte Auffassung vertreten, daß zwischen der Hitlerclique und dem deutschen Volk ein großer Unterschied bestände und daß man darum nach dem Sieg über Hitlerdeutschland das deutsche Volk anders behandeln müsse als die verbrecherische Hitlerbande. Auf Veranlassung von Stalin wurde im ersten gemeinsamen Dokument der Verbündeten über die künftige Behandlung Deutschlands, in dem von Stalin, Roosevelt und Churchill unterzeichneten Kommunique über das Ergebnis der Konferenz von Jalta, mitgeteilt:
‚Es ist nicht unsere Absicht, das deutsche Volk zu vernichten; aber erst wenn Nazismus und Militarismus ausgerottet sind, wird es für die Deutschen wieder eine Hoffnung auf ein anständiges Leben und auf einen Platz in der Familie der Nationen geben.’ “

Was war der Grund für die Zerstörung Dresdens?

„Churchill, der das Abkommen von Jalta mitunterzeichnet hatte, vertrat jedoch ebenso wie die imperialistischen Milliardäre in den USA und in England die Meinung, daß man versuchen müsse, die Grenzen der britischen und der amerikanischen Besatzungszonen weiter nach Osten zu verlegen, als dies auf der Konferenz in Jalta festgelegt war. Um das zu erreichen, wollten Churchill und seine Gesinnungsfreunde, daß die anglo-amerikanischen Heere noch schnell vor Beendigung des Krieges möglichst viel von dem Teil Deutschlands besetzten, der nach den Abmachungen von Jalta zur Besatzungszone der Sowjetunion gehören sollte. Darum wollte Churchill den Vormarsch der anglo-amerikanischen Heere beschleunigen und den sowjetischen Vormarsch behindern.“

Eisenhower bestätigt die geheimen Absichten Churchills

„Daß diese Darstellung richtig ist, bestätigt kein anderer als der damalige Oberkommandierende der anglo-amerikanischen Heeresmacht, der spätere Präsident der USA, General Eisenhower. In seinem Buch ‚Kreuzzug in Europa’ berichtet Eisenhower (Seite 399), Churchill habe ihm gegenüber die Ansicht vertreten,

‚daß die Truppenbewegungen jetzt, da der Feldzug sich seinem Ende näherte, politische Bedeutung erhielten… Er war äußerst beunruhigt, weil nach meinem Plan Montgomery nicht mit Unterstützung aller verfügbaren amerikanischen Kräfte vorstoßen und den verzweifelten Versuch machen sollte, Berlin noch vor den Russen zu nehmen… Der Premierminister wußte natürlich, daß er und der Präsident bereits ihre Zustimmung zur Abgrenzung der britischen und der amerikanischen Besatzungszone, etwa 200 Meilen westlich von Berlin, gegeben hatten, ohne Rücksicht darauf, wie weit die Alliierten noch nach Osten vorstoßen würden. Folglich muß seiner beharrlichen Forderung, all unsere Reserven einzusetzen, um die Einnahme Berlins durch die Westalliierten noch vor Eintreffen der Russen zu garantieren, die Überzeugung zugrunde gelegen haben, daß dieser Erfolg später dem Prestige und dem Einfluß der Westalliierten zugute kommen würde.’ “

Sie wollten Stalin betrügen…

„Damit gibt Eisenhower zu, daß Churchill die britische Besatzungszone über die in Jalta mit seiner Zustimmung festgelegten Zonengrenzen hinaus erweitern wollte. Für die Vergrößerung der britischen Besatzungszone aber war Eisenhower nicht so begeistert, ihm lag wesentlich mehr an der Vergrößerung der amerikanischen Besatzungszone. Darum operierte er mit den seinem Oberkommando unterstellten Truppen so, daß sie bei ihrem Vormarsch, der an der zugunsten der Ostfront geschwächten Westfront kaum noch durch ernsthafte Kampfhandlungen aufgehalten wurde, große Teile von Thüringen und Sachsen besetzten, die nach dem Abkommen von Jalta zur sowjetischen Besatzungszone gehörten.“

Die Amerikaner nahmen mit was sie gerade brauchten…

„Bekanntlich hat es nach Beendigung des Krieges noch besonderer ernsthafter Verhandlungen bedurft, um die Amerikaner zur Einhaltung des Abkommens von Jalta zu zwingen. Sie sind noch ziemlich lange in Leipzig und in den übrigen von ihnen besetzten Teilen Sachsens und Thüringens geblieben. Dort haben sie bei ihrem Abzug alles mitgenommen, was den amerikanischen Imperialisten für ihre Zwecke wichtig erschien, wie zum Beispiel die Pläne der Zeißwerke in Jena und die vom Oberkommando der deutsch-faschistischen Wehrmacht nach Saalfeld in Thüringen verlagerte Gefallenenkartei. In dieser waren nach damaligen amerikanischen Mitteilungen die Namen von anderthalb Millionen gefallener deutscher Soldaten enthalten, von deren Tod die Angehörigen von den Nazis nicht benachrichtigt worden waren. Aber auch die Amerikaner holten das von den Nazis absichtlich Versäumte nicht nach, weil sie mit diesen anderthalb Millionen Toten politische Geschäfte machen und die Sowjetunion verleumden wollten.“

Das also ist des Pudel Kern…

„Aus all dem, besonders aber aus dem Eingeständnis von Eisenhower, geht hervor, daß der wirkliche Grund für den Terrorangriff auf Dresden war, den Vormarsch der Sowjetarmee zu erschweren. Man wollte damit den anglo-amerikanischen Einfluß auf Deutschland vergrößern und verhindern, daß die Sowjetarmee auch noch außerhalb ihrer Besatzungszone liegende Teile von Deutschland befreite. Tatsächlich hat die Zerstörung von Dresden den sowjetischen Vormarsch erschwert.“ [3]

Quelle:
[1] Max Seydewitz, Die unbesiegbare Stadt, Zerstörung und Wiederaufbau von Dresden, Kongreß-Verlag Berlin, 1956, S.134.
[2] ebd. S.134.
[3] ebd. S.214-217.
(Die Bilder sind aus diesem Buch.)

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images Seydewitz: Warum wurde Dresden zerstört?

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