Was ist Politische Ökonomie?

Breughel_BlindeWohin führt uns die heutige Gesellschaft? Ist es wie auf diesem Bild bei Pieter Breughel, daß wir wie die Blinden allesamt in den Sumpf tappen? Gehen wir auf den Abgrund zu? Nun, es ist an der Zeit, sich Gedanken zu machen, warum in unserer Gesellschaft immer wieder neue Krisen auftreten, warum die Widersprüche ständig größer werden und warum es immer wieder neue Auseinandersetzungen und Klassenkämpfe gibt?

Die sogenannte „soziale Marktwirtschaft“ (ohnehin ein verlogener Begriff!) ist keineswegs der Weisheit letzter Schluß, ist keineswegs die beste aller möglichen Gesellschaften, ist keineswegs „alternativlos“ – wie uns das die Bourgeoisie so gerne glauben machen will. Was davon heute noch sozial ist, das sind die Errungenschaften aus jener Zeit, als es noch zwei Weltsysteme gab: den realen Sozialismus und den absterbenden Kapitalismus. Nach der zeitweiligen Niederlage des Sozialismus gibt es nunmehr fast nur noch den letzteren. Doch die Demonstrationen zum 1. Mai 2012 in aller Welt bezeugen, daß es nicht nur in der Arbeiterklasse eine große Einigkeit darüber gibt, daß der Kapitalismus ein Auslaufmodell ist. Und wir leben heute im Imperialismus, im brutalsten und letzten Stadium des Kapitalismus. Man muß also verstehen, warum das so ist – und man muß lernen, wie man das verändern kann. Damit es uns nicht so geht, wie den Blinden in Peter Brueghels unvergänglichem Gemälde…

Ist die Wirtschaft durchschaubar?

In der Welt werden gegenwärtig mehrere Millionen verschiedene Erzeugnisse hergestellt. Dazu gehören Schiffe, Flugzeuge, Autos, elektronische Geräte, Software und Tausende kleiner Dinge des täglichen Bedarfs. Die Entwicklungen der letzten 20 Jahre brachten nicht nur gewaltige soziale Veränderungen mit sich, sondern auch einen enormen technischen Aufschwung. Während gleichzeitig jährlich in der Welt über 30 Millionen Kinder verhungern und sogar in einem der reichsten imperialistischen Länder, der BRD, jedes sechste Kind von Kinderarmut betroffen ist. Wie konnte es z.B. sein, daß ein ehemaliger unscheinbarer KGB-Mitarbeiter aus Dresden zum Präsidenten Rußlands wurde? Vom Tellerwäscher zum Millionär? Nein, nein – das funktioniert nicht! Und warum verschwand die souveräne DDR, und mit ihr alle sozialen Errungenschaften, wie Vollbeschäftigung, kostenlose medizinische Betreuung, vorbildliche Schulbildung, Gleichberechtigung der Frau, geringe Kriminalitätsrate und, und, und? Wenn man Ursachen all dieser Erscheinungen begreifen will, muß man sich mit der politischen Ökonomie befassen.

Womit beschäftigt sich die politische Ökonomie?

Die politische Ökonomie befaßt sich mit den gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen in der materiellen Produktion, mit der Art und Weise der Verteilung und des Austausches sowie mit der Konsumtion und dem Wechselverhältnis dieser Prozesse. Engels gab eine genaue Definition des Gegenstandes der Politischen Ökonomie:
Politische Oekonomie
Wenn von den Gesetzen der Produktion die Rede ist, so geht es nicht um Gesetze der Physik, der Mechanik und andere, soweit sie in der Produktion Anwendung finden. Es handelt sich vielmehr um die gesellschaftlichen Beziehungen, die dabei eingegangen werden, um die Produktionsverhältnisse und deren Wechselbeziehungen zu den Produktivkräften (Abbildung 1). Da sich Produktionsverhältnisse, Produktivkräfte und auch die Wechselbeziehungen zwischen ihnen in den verschiedenen Gesellschaftsformationen unterscheiden, hat sich eine politische Ökonomie des Kapitalismus und eine politische Ökonomie des Sozialismus herausgebildet. Die politische Ökonomie ist einer der drei Bestandteile des Marxismus-Leninismus, der wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse. Marx, Engels und Lenin haben der politischen Ökonomie stets besonders große Aufmerksamkeit geschenkt. Lenin bezeichnete die politische Ökonomie als den Hauptinhalt des Marxismus:
Leninzitat
Marx wies darauf hin, daß die politische Ökonomie eine Wissenschaft ist und daher wie eine Wissenschaft, das heißt sorgfältig studiert werden muß.
Marxzitat

Herrschen in der menschlichen Gesellschaft Zufall oder Gesetzmäßigkeit?

Wie in der Naturwissenschaft, so wurde auch für die Wirtschaftswissenschaft seit langer Zeit von fortschrittlichen Denkern die Frage aufgeworfen, durch welche Kräfte, durch welche Gesetze die Entwicklung in der Gesellschaft, speziell in der Wirtschaft, bestimmt und bewegt wird, welche inneren Zusammenhänge bestehen. Können wir Aufgaben und Ziele der wirtschaftlichen Entwicklung einfach festlegen oder müssen wir dabei objektiv wirkende Zusammenhänge, Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten berücksichtigen?

Vor mehr als zweihundert Jahren kam man zu dem Ergebnis, daß sich auch die Wirtschaft nach bestimmten Gesetzen entwickelt. Für die Untersuchung der ökonomischen Gesetze und ihre Bewegung haben bürgerliche Ökonomen während der Herausbildung des Kapitalismus einen wichtigen Beitrag geleistet. Aber die Klasseninteressen der Bourgeoisie hinderten sie daran, das Wesen der kapitalistischen Produktionsweise und ihre geschichtlichen Perspektiven aufzudecken. Je mehr sich der Klassenkampf zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie entwickelte, um so mehr trat an die Stelle der objektiven Forschung die Apologetik, die ausschließliche Verteidigung des Kapitalismus. Marx und Engels schufen – ausgehend von den Interessen der Arbeiterklasse – zum erstenmal in der Geschichte eine politische Ökonomie, in der das Wesen, der Charakter und die Besonderheiten der ökonomischen Gesetze wissenschaftlich begründet wurden. Sie deckten die Rolle der ökonomischen Gesetze für den gesetzmäßigen Verlauf der menschlichen Geschichte auf. Insbesondere untersuchten sie ökonomische Gesetze im Kapitalismus und begründeten die wichtigsten ökonomischen Gesetze des Sozialismus. Von grundlegender Bedeutung ist das Hauptwerk von Marx, »Das Kapital«. Er schrieb, »es ist der letzte Endzweck dieses Werks, das ökonomische Bewegungsgesetz der modernen Gesellschaft zu enthüllen«4 – das war damals die kapitalistische Gesellschaft. Obwohl dieses Werk vor mehr als 100 Jahren geschrieben wurde, sind seine Erkenntnisse nach wie vor Grundlage und Kernstück der marxistisch-leninistischen politischen Ökonomie und Schlüssel für das Verständnis der Wirtschaft.

Zur Erklärung der Begriffe: (Abbildung 1)
Gliederung

Quelle:
Otto Reinhold/Karl-Heinz Stiemerling, Politische Ökonomie – geschrieben für die Jugend, Dietz Verlag Berlin, 1985, S.6-11. Gemälde: Pieter Brueghel – Die Blinden. (Das Gemälde scheint mir eine treffende Allegorie für die heutigen Verhältnisse zu sein. N.G.)

Zitate:
1 Friedrich Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft (»Anti-Dührung«). In: MEW, Bd.20, S.139/136.
2 W.I.Lenin: Karl Marx. In: Werke Bd.21, S.48.
3 Karl Marx: Das Kapital, Erster Band. In: MEW, Bd.23, S.31.
4 ebd. S.15/16.

Nachbemerkung:
Wie oft schon wurde versucht, Marx auf den Kopf zu stellen oder zu widerlegen. Doch die Unwissenschaftlichkeit solcher Versuche zeugt nur von mangelhaftem dialektischen Denken oder aber von einer idealistischen Herangehensweise. (siehe: Marxfälscher unserer Zeit) Beides ist nicht zu akzeptieren. Zum Verhältnis der Produktivkräfte zu den Produktionsverhältnissen sagte Karl Marx: „Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um.“ – Karl Marx, Zur Kritik der Politischen Ökonomie. Vorwort, 1859, MEW 13, S.9.  (Marx hatte recht: Da stimmt jedes Wort!)

Siehe:
Zu Fragen der Politischen Ökonomie
Stalin: Zehn Fragen – zehn Antworten
Prognosen über die Gesellschaft
Eine interessante Wissenschaft mit revolutionärer Perspektive

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  1. Pingback: Das Wertgesetz im Sozialismus | Sascha's Welt

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