Was kann man den westlichen Medien, oder besser gesagt: Was kann man Antikommunisten eigentlich glauben?

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Noch immer scheint es Illusionen darüber zu geben, was die Mitteilung der Wahrheit durch die westlichen Massenmedien betrifft. Was kann man glauben und was nicht? Viele Leser orientieren sich oft kritiklos an Veröffentlichungen durch Zeitungen und Zeitschriften, an seriös aufgemachten Berichten mit möglichst vielen Quellenangaben, besonders wenn Rundfunk oder Fernsehen dies wiederholen. Doch ohne einen klaren proletarischen Klassenstandpunkt wird man sich der Wahrheit nicht nähern, sondern sich eher noch von ihr entfernen. Und man wird sich im Wirrwar der Informationen verlieren. So zum Beispiel über den Nazimord im Wald von Katyn:

In einem Leserbrief schreibt N.N.

Liebe Genossen,
habt Ihr die Studie von Grover Furr gelesen, die ich Euch zugeschickt habe? Er zitiert eine ganze Reihe von Originalquellen und natürlich die neuesten Entdeckungen in der Ukraine von polnischen Archäologen; aber das Problem besteht darin, daß viel Archivmaterial bisher unter Verschluss ist, und daß auch noch nicht geklärt ist, wie das entscheidende Dokument, wonach Beria bzw. Stalin angeblich den Befehl zur Ermordung 1940 unterschrieb, zustande gekommen ist. Es ist vermutlich eine Fälschung. Das wird zur Zeit noch untersucht und auf diesem Gebiet ist man inzwischen auch schon weitergekommen. Aber als abgeschlossen kann man die Sache nicht bezeichnen. Das wäre verfrüht meiner Ansicht nach. Furr hat auch zwei bemerkenswerte Bücher geschrieben: ‚Khrushchev Lied‘ und neuerdings auch ein sehr gutes, exzellent recherchiertes Buch zum Mord an Kirow. Beide Werke sind auch noch nicht übersetzt worden. Gibt es sowjetische Originalquellen, die eine weitere Untersuchung des Katyn-Massakers erübrigen würden? Könnt Ihr mir diese Quellen angeben? Und ist es bewiesen, daß Prof. Iljuchin umgebracht wurde? Wenn ja, hätte ich auch dazu gern die Quellen. Mit vielen Dank im Voraus verbleibe ich mit
solidarischen Grüßen
N.N.

Darauf die Anwort:

Lieber N.N.
kürzlich erhielt ich Deine Anfrage bezüglich des Massakers bei Katyn und einiger Bücher von Grover Furr. Du fragst außerdem, welche Quellen es gibt, wer da welchen Befehl unterschrieben hat und ob es sich lohnt ein solches Buch aus dem Englischen zu übersetzen. Natürlich sind uns nicht alle Bücher bekannt, die bisher zu dieser Thematik geschrieben wurden, aber eine bestimmte Kategorie von Neuerscheinungen hat sich schon sehr schnell erledigt hat, wenn man weiß, wer der Autor ist, bzw. wenn man die Diktion des Buches erkannt hat. Das heißt mit anderen Worten, mit antikommunistischer Lektüre werden wir uns verständlicherweise nicht befassen.

Bekanntlich nahm die Konterrevolution, die mit der Zerstörung des sozialistischen Lagers und der Sowjetunion endete, ihren Ausgang im verräterischen XX.Parteitag der KPdSU und der sog. Geheimrede Chruschtschows. „Schon die äußeren Umstände ihrer Veröffentlichung“, schreibt der Historiker Dr. Kurt Gossweiler, „waren geradezu suspekt: Veröffentlicht wurde der Wortlaut durch Geheimdienstquellen der USA.“ (K.Gossweiler: Die Taubenfußchronik, Bd.1, S.17) Ebenso suspekt waren dann auch die ‚plötzlichen, unerwarteten Todesfälle‘ wie die von Gottwald 1953, Bierut 1956, Thorez 1964 und, kurz danach ebenfalls 1964, Togliatti. Auf gleiche (unerwartete) Weise kam 2011 Prof.Iljuchin ums Leben (nachdem bereits zuvor seine Tochter bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war). Genauso „unerklärlich“ war das eben auch mit Stalin 1953. Nachzulesen ist das beispielsweise auch hier:

https://sascha313.wordpress.com/2013/12/19/der-politische-mord-im-auftrag-der-bourgeoisie/

Nun muß man kein Kriminalist sein, um den Zusammenhang zwischen der Bedeutung der genannten kommunistischen Persönlichkeiten und den möglichen Beweggründen für ihre Beseitigung herzustellen. Bei Prof. Iljuchin war der unmittelbare Anlaß beispielsweise der, daß er ein öffentliches Tribunal vorbereitete, in dem Putin für eine Reihe von Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden sollte, für die es handfeste Beweise gab. Prof. Iljuchin war übrigens promovierter Jurist. Kurz zuvor hatte sich bei ihm eine unbekannte Person gemeldet, die umfangreiches Material aus russischen Fälscherwerkstätten vorlegte. Darüber hatte Prof. Iljuchin dann auch in der Duma berichtet. Siehe hier:
http://kommunisten-online.de/Archive/blackchanel/berija2.htm
http://sascha313.blog.de/2011/09/01/faelscher-russischen-staatsarchiv-11760997/

Man kann sich vorstellen, daß dies einigen Leuten, die derzeit in Rußland an der Macht sind, sehr unangenehm war. Die Ironie der Geschichte will es, daß hier ein Teil der Fälschungen so schludrig hergestellt wurde, daß man den Verdacht nicht loswird, die Fälscher hätten es geradezu darauf angelegt, daß die Fälschung eines Tages ans Licht kommt. Also, auch das gibt es: Fälscher mit Gewissen.

Es würde hier zu weit führen, wenn ich Dir all die Hintergründe der Todesumstände darlegen wollte. Ebenso ist es mit den Details in der Katyner Sache. Nun mögen einige Hobby-Archäologen und gewisse bürgerliche Historiker nach all den vorliegenden Untersuchungsberichten wohl gerne noch ein paar neue Sensationen herausfinden, die aus ihrer Sicht dazu geeignet sind, plötzlich die ganze Geschichte auf den Kopf zu stellen. Man geht nicht fehl, dahinter sehr unmittelbare pekuniäre und politische Interessen derjenigen (oder ihrer Auftraggeber) zu vermuten, die sich auf eine solche „Spurensuche“ begeben.

Vielleicht wird damit deutlich, daß es hier nicht so sehr um die kriminalistischen Details geht, sondern um den politischen Effekt. Und es gibt auch heute – insbesondere in Rußland – eine ganze Anzahl profunder Kenner der Geschichte, Historiker und Publizisten, die beispielsweise sehr genau über die Vorgeschichte und die Zusammenhänge der Ermordung Kirows Bescheid wissen und darüber geschrieben haben. Ich weiß nicht, ob Grover Furr die russische Sprache beherrscht, doch dies sollte Voraussetzung dafür sein, sich überhaupt mit einer derartigen Frage zu befassen. Zweitübersetzungen sind da wenig hilfreich, gezielte Recherchen nahezu unmöglich. Ebenso verhält es sich mit den Quellenangaben, die im übrigen wohl am ehesten den entsprechenden russischen bzw. sowjetischen Veröffentlichungen zu entnehmen sind. Ob es sich also lohnt, das Buch von Grover Furr zu übersetzen, kann ich hier nicht beurteilen. Ich hoffe aber, daß ich Dir damit ein bißchen was erklären konnte.
Mit kommunistischem Gruß
T.K.

Foto: Burdenko-Kommission bei der Untersuchung des Verbrechens von Katyn.

Hier ein paar Links zum Thema Katyn:

https://www.facebook.com/antiimperialistische.aktion/posts/442611719159849/
http://sascha313.blog.de/2013/03/22/katyn-antisowjetische-faelschung-15656032/
http://sascha313.blog.de/2013/03/22/katyn-dokumente-gefaelscht-15657621/
http://sascha313.blog.de/2012/11/01/wahrheit-luege-katyn-15156110/
http://sascha313.blog.de/2013/03/22/nazimorde-wald-katyn-15657080/

Nachbemerkung: Oft merkt man ja schon an der Wortwahl, wes Geistes Kind der Autor eines Artikels oder eines Buches ist. Kommunisten werden wohl niemals solche Begriffe wie Ostblock, Ostzone, stalinistisches Regime, Mauerfall usw. verwenden. Revisionisten und Verräter (von Bernstein bis Gorbatschow)  sind da schon etwas subtiler, um nicht zu sagen: betrügerischer! Man muß also genauer hinschauen, um die Lüge zu erkennen. Wohlgemerkt, das muß freilich auf den o.g. Autor Grover Furr alles nicht zutreffen! – Kurze Antwort auf die eingangs gestellte Frage: Was kann man den westlichen Medien, oder genauer: bürgerlichen Historikern und Publiziten glauben? Wenig – sie sind voller Vorurteile. Und was kann man Antikommunisten glauben? Nichts! Sie lügen und fälschen, um ihre Macht zu erhalten. Und sie verbergen die Wahrheit hinter einem Schleier kluger Worte. Wie lange vermochte bspw. der Betrüger Gorbatschow, seine angeblichen Freunde in der DDR zu täuschen! Am 16.4.1986 schrieb dieser Ganove ins Gästebuch des Stadtkommandanten am Brandenburger Tor:
„Am Brandenburger Tor kann man sich anschaulich davon überzeugen, wie viel Kraft und wahrer Heldenmut der Schutz des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden vor den Anschlägen des Klassenfeindes erfordert. Die Rechnung der Feinde des Sozialismus wird nicht aufgehen. Das Unterpfand dessen sind das unerschütterliche Bündnis zwischen der DDR und der UdSSR sowie das enge Zusammenwirken der Bruderländer im Rahmen des Warschauer Vertrages. Ewiges Andenken an die Grenzsoldaten, die ihr Leben für die sozialistische DDR gegeben haben. 16.04.1986 M. S. Gorbatschow.“  Quelle: NEUES DEUTSCHLAND vom 17.April 1986
 
Derselbe Gorbatschow verkündete 1999 in Ankara, daß sein Lebensziel die Zerschlagung des Kommunismus gewesen sei.  Siehe auch: Kurt Gossweiler, Die vielen Schalen der Zwiebel Gorbatschow, in: Niederlagenanalyse, S.184ff.  ( http://www.offen-siv.net/Bucher/Niederlagenanalyse.pdf?id=78 )

 

Siehe auch:
Stalin – Lüge und Wahrheit (Teil 4: Das Massaker von Katyn)

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5 Antworten zu Was kann man den westlichen Medien, oder besser gesagt: Was kann man Antikommunisten eigentlich glauben?

  1. Vorfinder schreibt:

    WAS KANN MAN DEN WESTLICHEN MEDIEN GLAUBEN? hätte die Artikelüberschrift auch lauten können.

    Außer Datum und paar gültige Tatsachen und Belanglosigkeiten, sollte, wer sich selbst ernst nimmt, den westlichen Medien UNGEPRÜFT gar nichts glauben!

    Buch-Neuerscheinungen haben sich meist erledigt „wenn man weiß, wer Autor ist, bzw. wenn man die Diktion des Buches erkannt hat.“ Eine kluge und alltagstaugliche Erkenntnis.

    Die westlichen Medien sind Instrument der herrschenden Klasse. Wenn man davon ausgeht, dass die ihre Arbeit machen, und anderes können die sich nicht leisten(!), dann wird man nicht annehmen, dass die uns die Wahrheit vermitteln.

    Bei dem Nazimord von Katyn eben schon deshalb nicht, weil da schon die Gründerväter drin verstrickt waren. Heutige Medien laben sich von dem Geld, was die Lügenpropaganda über die Jahrzehnte eingespielt hat. Und Lügen müssen in diesem System weitergetrieben werden, weil in den Medien damit Wahrheiten der Platz genommen wird. Und die paar Wahrheiten die da gemeldet werden, sind nur das Katapult für die Lügen die sich bei uns festsetzen sollen. Dieser Kapitalismus ist letztlich ein fortgesetzter Faschismus. In deren Kellern liegen nicht nur die Leichen von Katyn, der Imperialismus wird weiter morden, solange die Menschheit ihn nicht zu Geschichte macht. In sein Grab wird er dann auch seine Lügenmedien mitnehmen müssen…

    Wenn ihr Wahrheiten sucht, auch zum Nazimord von Katyn, so findet ihr in Artikeln und Links hier
    im Blog gesicherteres als in irgendeinem Buch westlicher Propaganda. Ein paar Quellen von Wahrheit und Wahrhaftigkeit gibt es, die kann man sehen, so man sich nicht von den westlichen Medien indoktrinieren lässt.

    PS: Wer noch ein Weihnachtsgeschenk sucht: Kurt Gossweiler, Wider den Revisionismus, Verlag zur Förderung der wissenschaftlichen Weltanschauung

    • sascha313 schreibt:

      Danke, vorfinder, für die gute Empfehlung des Buches von Kurt Gossweiler. Ich hab‘ die Überschrift geändert. Freilich hast Du recht: Was kann man den westlichen Medien überhaupt noch glauben???

  2. Inson schreibt:

    Einer der es wissen muß schrieb in einem Leserbrief an die „Abiturienten-Bild“ auch „Spiegel“ genannt am 05. Mai 1965: „Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“ (Paul Sethe, ein Altnazi, der, wie kann es in diesem antikommunistischen Wunderland anders sein, für die „FAZ“, „Die Welt“, „Die Zeit“ und den „Stern“ arbeitete.)

  3. sascha313 schreibt:

    Genau. Das sollte man hervorheben: “Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.”

  4. Vorfinder schreibt:

    Ja. Das die reich sind, ist aber nur Folge des herrschenden Systems. Der Reichtum macht die auf dieser Ebenen mächtig, das Widerliche und Gefährliche jedoch ist deren Gesinnung, Ideologie. Auch wenn einige von denen meinen gar keine zu haben.

    Der aktuelle Papst hat gerade Spaß eine „arme“ Kirche zu predigen. In die kommunistische Partei wird der aber wohl nicht eintreten :). Marx war genial, als er den Kapitalismus „Schwindelsystem“ nannte. Das dort nun sogar Teile versuchen Armut als chic zu vermitteln, heißt andererseits die hören durchaus die Signale …

    Damit hat man als Kommunist doch Lust aufs neue Jahr!

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