War die SED eine kommunistische Partei?

     Vereinigung   SED_Mitgliedsbuch

Im Jahre 1946, nach dem Sieg der Sowjetunion über den deutschen Faschismus, wurde in der DDR, dem ersten sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden, aus dem Zusammenschluß von KPD und SPD die Sozialistische Einheitspartei Deutschland (SED) gegründet. Sie war die stärkste und führende Partei unserer Republik. Sie ließ sich in ihrer Politik leiten von der Weltanschauung des Marxismus-Leninismus. Unter Führung der SED entstand die DDR und wurden die Ideen von Karl Marx, Friedrich Engels und Wladimir Iljitsch Lenin (anfangs auch noch von J.W. Stalin) verwirklicht und der Sozialismus aufgebaut. Damit erfüllte sich, wofür die besten Vertreter der deutschen Arbeiterbewegung jahrzehntelang gekämpft hatten und große Opfer brachten. Lange Jahre war die deutsche Arbeiterklasse gespalten. Das ist sie auch heute wieder. Und davon hatten und haben nur die Feinde der Arbeiter Gewinn. So gelang es den Faschisten 1933 in Deutschland ihre Macht zu errichten. Die Kommunistische Partei wurde veboten und ihre Mitglieder wurden verfolgt, eingekerkert und ermordet. Warum? Weil die herrschende Klasse, die deutsche Monopolbourgeoisie, fürchtete, ihre Macht und die Grundlage ihrer Existenz, nämlich ein Leben auf Kosten der ausgebeuteten und unterdrückten Klassen, zu verlieren.

Was ist Kommunismus?

Der Kommunismus ist eine sozialökonomische Gesellschaftsformation, in der alle Produktionsmittel einheitliches Volkseigentum und sämtliche Mitglieder der Gesellschaft sozial völlig gleichgestellt sein werden; in der alle Mitglieder der Gesellschaft ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten allseitig entwickeln und zum Wohle der Gesellschaft einsetzen. Im Kommunismus gibt es keine Klassen. Klassen sind große Menschengruppen. Sie unterscheiden sich bekanntlich nach ihrer Stellung zu den Produktionsmittel, folglich nach der Art der Erlangung und dem Umfang ihres Anteils am gesellschaftlichen Reichtum. Der Kommunismus – so steht es im Programm der SED – „das ist die Gesellschaft, die die Menschen in die Lage versetzen wird, kraft ihrer wissen­schaftlichen Weltanschauung und ihrer geistigen Potenzen die Produktivkräfte, die Produktionsverhältnisse und das geistig-kulturelle Leben planmäßig zu entwickeln und in zunehmendem Maße zu Beherrschern der Natur und ihrer eigenen gesellschaftlichen Entwicklung zu werden.“ [1] Dieses Ziel (und nicht nur dieses!) hatte sich die SED auf dem IX.Parteitag 1976 gestellt und war bemüht es zu verwirklichen. Das ist ein langer Weg voller Hürden und Hindernisse! In der DDR wurde der Sozialismus aufgebaut, die erste Phase der kommunistischen Gesellschaft. Doch schließlich setzte die Konterrevolution im Jahre 1989 dem ein Ende.

Was ist eine kommunistische Partei?

Darauf gibt das Manifest der Kommunistischen Partei eine klare Antwort: „Die Kommunisten unterscheiden sich von den übrigen proletarischen Parteien nur dadurch, daß einerseits sie in den verschiedenen nationalen Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalität unabhängigen Interessen des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen, andererseits dadurch, daß sie in den verschiedenen Entwicklungsstufen, welche der Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie durchläuft, stets das Interesse der Gesamtbewegung vertreten. Die Kommunisten sind also praktisch der entschiendeste, immer weiter treibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.“ [2]

Welche Aufgaben erfordert der Kampf gegen parteifeindliche Ideologien?

Dazu sagte Otto Grotewohl, der der Ministerpräsident der DDR war, und bis 1954 gemeinsam mit Wilhelm Pieck Vorsitzender der SED,  auf einer Rede im Jahre 1951: „Der Kampf gegen … den Sozialdemokratismus als einer parteifeindlichen Ideologie, die Aufgaben der Verbesserung der sozialen Zusammensetzung der Partei und der Organisationsmethoden, der weitgehenden Entwicklung der innerparteilichen Demokratie, der Kritik und Selbstkritik: der Verteilung und Prüfung der Kader, der Propaganda und Agitation erfordern eine ständige ununterbrochene Höherentwicklung der Partei.* Eine entscheidende Maßnahme, die Partei auf diese Höhe zu heben, bedeutete der Auftrag des Parteitages an das Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, zu gegebener Zeit einen Umtausch der Parteimitgliedsbücher als Mittel zur Erziehung der Partei und zur Verbesserung ihrer Zusammensetzung durchzuführen.“ [3]

Was ist der Sinn der Überprüfung der Parteimitglieder?

„Der Sinn dieser Überprüfung ist die Herbeiführung eines engen Verhältnisses der Partei zu jedem einzelnen Mitglied, die Förderung der Entwicklung jedes Mitgliedes und die Hilfe der Partei für die Mitglieder, damit sie ein bestimmtes hohes ideologisches Niveau erreichen und ihre Parteiarbeit besser durchführen können. Der Umtausch der Parteimitgliedsbücher ist jedoch nicht nur ein Mittel zur Erziehung der Parteimitglieder, sondern auch ein Mittel zur Verbesserung der sozialen Zusammensetzung der Partei und zur Entfernung von klassenfremden, feindlichen, moralisch unsauberen Elementen aus der Partei. Dabei ist es notwendig, das versöhnlerische Verhalten gegenüber Fehlern und Schwächen in der Arbeit der Partei zu bekämpfen. Die Durchführung der überprüfung der Parteimitglieder und Kandidaten erfordert einen entschiedenen ideologischen Kampf gegen alle bürgerlichen Einflüsse in der Arbeiterbewegung, gegen Kosmopolitismus, Objektivismus und Sozialdemokratismus und eine Verbesserung der Wachsamkeit der Parteimitglieder. Eine wesentliche Hilfe für die Partei war die Einführung des einheitlichen Parteilehrjahres, das ein planmäßig gegliedertes Studium der marxistisch-leninistischen Theorie einleitete. An diesem Parteischuljahr ist die ganze Partei beteiligt. Jung und alt lernen und schaffen so einen in der deutschen Arbeiterbewegung nie gekannten politischen Reifegrad.“ [3] Wäre diese Überprüfung regelmäßig durchgeführt worden, hätten sich parteifeindliche Elemente (wie z.B. Biermann, Krawczyk u.a.) nicht in die Partei einschleichen können bzw. wären aus ihr rechtzeitig entfernt worden.

Was ist eine kommunistische Partei neuen Typs?

Und hier sind die Stalinschen Bedingungen für eine Partei neuen Typs:
1. Es ist notwendig, daß die Partei sich nicht als Anhängsel des parlamentarischen Wahlapparats betrachtet, wie es im Grunde genommen die Sozialdemokratie tut, und auch nicht als Gratisbeilage zu den Gewerkschaften, wovon zuweilen gewisse anarcho-syndikalistische Elemente faseln, sondern als die höchste Form der Klassenvereinigung des Proletariats, die berufen ist, alle übrigen Formen der proletarischen Organisationen, von den Gewerkschaften bis zur Parlamentsfraktion, zu führen.
2. Es ist notwendig, daß die Partei, besonders ihre führenden Elemente, sich der revolutionären Theorie des Marxismus, die mit der revolutionären Praxis untrennbar verbanden ist, voll bemächtigen.
3. Es ist notwendig, daß die Partei die Losungen und Direktiven nicht auf Grund eingelernter Formeln und geschichtlicher Parallelen, sondern als Ergebnis einer sorgfältigen Analyse der konkreten Bedingungen der revolutionären Bewegung im Lande und im internationalen Maßstab ausarbeitet, wobei die Erfahrungen der Revolutionen aller Länder unbedingt mit in Rechnung gestellt werden müssen.
4. Es ist notwendig, daß die Partei die Richtigkeit dieser Losungen und Direktiven im Feuer des revolutionären Kampfes der Massen überprüft.
5. Es ist notwendig, daß die gesamte Arbeit der Partei, besonders wenn in ihr die sozialdemokratischen Traditionen noch nicht überwunden sind, auf neue, revolutionäre Art umgestellt wird, darauf berechnet, daß jeder Schritt der Partei, jede ihre Aktion naturgemäß zur Revolutionierung der Massen, zur Vorbereitung und Erziehung der breiten Massen der Arbeiterklasse im Geiste der Revolution führt.
6. Es ist notwendig, daß die Partei es in ihrer Arbeit versteht, die höchste Prinzipienfestigkeit (nicht zu verwechseln mit Sektierertum!) mit einem Maximum an Verbundenheit und Kontakt mit den Massen (nicht zu verwechseln mit Nachtrabpolitik!) zu verbinden, da es ohne diese Bedingung für die Partei unmöglich ist, nicht nur die Massen zu lehren, sondern auch von ihnen zu lernen, nicht nur die Massen zu führen und sie auf das Niveau der Partei emporzuheben, sondern auch auf die Stimme der Massen zu lauschen und ihre brennendsten Nöte zu erkennen.
7. Es ist notwendig, daß die Partei es versteht, in ihrer Arbeit eine unversöhnliche revolutionäre Einstellung (nicht zu verwechseln mit revolutionärem Abenteurertum!) mit einem Maximum an Elastizität und Manövrierfähigkeit (nicht zu verwechseln mit Anpassungspolitik!) zu verbinden, da es ohne diese Bedingung für die Partei unmöglich ist, alle Formen des Kampfes und der Organisation zu meistern, die Tagesinteressen des Proletariats mit den grundlegenden Interessen der proletarischen Revolution zu verbinden und in ihrer Arbeit den legalen Kampf mit dem illegalen Kampf zu verknüpfen.
8. Es ist notwendig, daß die Partei ihre Fehler nicht verhüllt, daß sie die Kritik nicht fürchtet, daß sie es verstellt, ihre Kader an Hand ihrer eigenen Fehler zu verbessern und zu erziehen.
9. Es ist notwendig, daß die Partei es versteht, in die grundlegende führende Gruppe die besten Elemente der fortschrittlichen Kämpfer aufzunehmen, die genügend Hingabe besitzen, um wahrhafte Vertreter der Bestrebungen des revolutionären Proletariats zu sein und die genügend Erfahrung haben, um wirkliche Führer der proletarischen Revolution zu werden, die fähig sind, die Taktik und die Strategie des Leninismus anzuwenden.
10. Es ist notwendig, daß die Partei die soziale Zusammensetzung ihrer Organisationen systematisch verbessert und sich von zersetzenden opportunistischen Elementen reinigt, wobei sie die Erreichung einer maximalen Einheitlichkeit als Ziel vor Augen haben muß.
11. Es ist notwendig, daß die Partei eine eiserne proletarische Disziplin entwickelt, die auf der Grundlage der ideologischen Einheit, der Klarheit der Ziele der Bewegung, der Einheit des praktischen Handelns und des bewußten Verhaltens der breiten Parteimassen zu den Aufgaben der Partei erwächst.
12. Es ist notwendig, daß die Partei die Durchführung ihrer eigenen Beschlüsse und Direktiven systematisch überprüft, da ohne diese Bedingung die Gefahr besteht, daß sie sich in leere Versprechungen verwandeln, die nur geeignet waren, das Vertrauen der breiten proletarischen Massen zur Partei zu untergraben. [4]

Warum ist ein hohes kulturelles Niveau so wichtig?

Eine hohe Bildung der Volksmassen war stets das oberste Ziel der Kommunisten. So sagte Otto Grotewohl weiter: „Eine große Bedeutung kommt den grundlegenden Aufgaben der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands auf kulturpolitischem Gebiete zu. Die Partei hat im Kampf gegen die amerikanische Kulturbarbarei, gegen Formalismus in Kunst und Literatur auf dem III. Parteitag richtunggebende Beschlüsse gefaßt. Eine neue demokratische Kultur muß geschaffen werden, die – auf dem großen deutschen Kulturerbe aufbauend – die neuen gesellschaftlichen Verhältnisse in der Deutschen Demokratischen Republik zum Ausdruck bringt und dem werktätigen Volke hilft, den Weg zum Frieden, zur fortschrittlichen Entwicklung und zur demokratischen Einheit Deutschlands zu beschreiten. Die Demokratisierung der Grund-, Mittel- und Hochschulen muß weitergeführt, die Wissenschaft von dem Einfluß reaktionärer und friedensfeindlicher Kräfte befreit werden. Bei allen diesen Aufgaben ist es von größter Bedeutung für alle Kulturschaffenden, die großen Erfahrungen der Sowjetunion, der fortschrittlichsten Kultur der Welt, auszunutzen und das deutsche Kulturerbe zu wahren.“ [5]

Welche Rolle spielte die SED?

Um nun die Frage zu beantworten: War die SED eine kommunistische Partei? Ja, die SED war eine kommunistische Partei. Sie geriet allerdings nach 1956 immer mehr in den Strudel des Revisionismus und wich von den Grundprinzipien des Marxismus-Leninismus ab. Dennoch – Otto Grotewohl begründete das damals wie folgt: „Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands leistete durch ihren Kampf um die Schaffung eines friedliebenden, demokratischen Staates einen historischen Beitrag zur Sicherung des Friedens in Europa. Die errungenen Erfolge dokumentieren die Kraft und die großen Möglichkeiten, die in einer einheitlichen Arbeiterbewegung wirksam sind. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands erwies sich als der Motor der gesamten gesellschaftlichen Entwicklung und eröffnete dem deutschen Volke durch ihren Kampf weite Perspektiven für seine nationale und soziale Entwicklung.“ [6]

Quelle:
[1] Programm der SED, Dietz Verlag Berlin, 1976, S.105
[2] Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest de Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1953, S.23.
[3] Otto Grotewohl, Fünf Jahre SED – fünf Jahre Erfolg, in: Otto Grotewohl, Im Kampf um die einige Deutsche Demokratische Republik, Reden und Aufsätze, Auswahl aus den Jahren 1950-1951, Dietz Verlag, Berlin 1959, S.369f.
[4] J.W. Stalin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1952, Bd.7, S.32-34.
[5] Otto Grotewohl, a.a.O. S.370
[6] ebd. S.371.

Korrekturhinweis (Danke, Nadja!):
* Mit den Referenzen auf Otto Grotewohl, Fünf Jahre SED – fünf Jahre Erfolg, in: Otto Grotewohl, Im Kampf um die einige Deutsche Demokratische Republik, Reden und Aufsätze, Auswahl aus den Jahren 1950-1951, Dietz Verlag, Berlin 1959, S.369f. klappt es nicht, weil die Ausgabe von 1959 umgearbeitet wurde. Zahlreiche STALINZITATE wurden gelöscht:   „Die SED stand keineswegs auf dem Standpunkt…“ Seite 369 ist in der Ausgabe von 1954 auf Seite 363. Das andere Zitat wurde geändert. Vergleiche selbst:
„Der Kampf gegen den Sozialdemokratismus als einer parteifeindlichen Ideologie, gegen die trotzkistischen und titoistischen Banditen, die Aufgaben der Verbesserung der sozialen Zusammensetzung der Partei und der Organisationsmethoden, der weitgehenden Entwicklung der innerparteilichen Demokratie, der Kritik und Selbstkritik: der Verteilung und Prüfung der Kader, der Propaganda und Agitation erfordern eine ständige ununterbrochene Höherentwicklung der Partei.“ (1954, Bd V, S.384)
Es wurde weggelassen: „gegen die trotzkistischen und titoistische Banditen“

Siehe auch:
Gab es einen Sozialismus in der DDR?
Über Perspektiven im gesellschaftlichen Leben
Hermann Matern: Bedingungen für eine neue KPD
Marxismus-Leninismus – eine Wissenschaft mit revolutionärer Perspektive
Der Bruch in der kommunistischen Bewegung
Das Märchen vom „Strukturwandel“ der kapitalistischen Gesellschaft
Mr.Kerry und das Recht auf Dummheit

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32 Antworten zu War die SED eine kommunistische Partei?

  1. monopoli schreibt:

    Das Problem mit den Parteien ist, das sie mittlerweile komplet abgelehnt werden, weil es immer wieder Parteimitglieder gab und gibt die ihre Position missbrauchen. Es fragt sich also ob man überhaupt noch auf das Konzept einer Partei setzen sollte? Letztendlich nehmen ja Parteien nur die Vermittlerrolle zwischen Volk und Regierung ein. Diese Vermittler haben den Anschluss der DDR an die BRD beschlossen. Hätten alle mitgeredet wäre das vielleicht anders ausgefallen.

    Kommunismus soll jedoch die Herrschaft des Volkes, das bedeutet nicht zwangsläufig das es dazu einen Vermittler (Partei) braucht.
    Vielleicht sollte man über ein anderes Konzept nachdenken.

    • sascha313 schreibt:

      Eine Partei ist immer eine organisierte politische Vereinigung aktiver Vertreter einer Klasse bzw. einer Klassenfraktion, die deren Klasseninteresse zum Ausdruck bringt. Es ist falsch, daß Parteien eine „Vermittlerrolle zwischen Volk und Regierung“ ausüben. Der Staat ist immer das Machtinstrument der herrschenden Klasse. In der BRD ist das die Monopolbourgeoisie. Die bürgerlichen Parteien bezeichnen sich nicht offen als Klassenpartei, sondern nennen sich in demagogischer Absicht demokratische, republikanische, christliche oder auch Volks-Partei. Auch reformistische Parteien, wie Die Linke, sind Bestandteil des kapitalistischen Staates. Die Differenzen zwischen den Parteien im Bundestag widerspiegeln lediglich die spezifischen Interessen der jew. Klassenfraktionen der Bourgeoisie. Was die einzelnen Parteimitglieder tun oder lassen ist in dem Zusammenhang völlig irrelevant. Marxistisch-leninistische Parteien unterscheiden sich davon grundlegend. Infolge des Revisionismus hatte die SED ihre führende Rolle verloren. Insofern war sie am Ende nur noch formal die Vertreterin der Arbeiterklasse. Übrigens – der Kommunismus ist bspw. nicht die „Herrschaft des ganzen Volkes“.

  2. Harry 56 schreibt:

    Hallo Norbert und Monopoli,
    darüber, inwiefern Parteien, und selbst Gewerkschaften als Vertreter oder „Klassenorganisationen der Werktätigen“ nach allen (späteren) Desastern aller dieser „Arbeiterparteien“ und aller dieser „Gewerkschaften“ seit weit über 100 Jahren heute noch als braucbare Einrichtungen angesehen werden können, darüber habe auch ich mir schon häufiger Gedanken gemacht.
    Eines ist mir aber klar: Ob Parteien oder Gewerkschaften, sie sind nur so viel wert wie a, ihre Mitgieder, und b, sie es verstehen, auch die Interessen weiterer Schichten aus ihrer Klasse erfolgreich zum Ausdruck zu bringen, tatsächlich auch etwas zu „bewegen“.
    Reformistischen „Massen“Parteien als auch ideologisch „reine“ Sekten sind ebenso nutzlos bis schädlich wie „Massen“Gewerkschaften à la IG Metall oder Ver.di, überhaupt „DGB,s“ als auch winzige Splittergewerkschaften kleiner Grüppchen hoch qualifizierter Proletarier in für das Funktionieren der Klassengesellschaft sehr sensiblen Bereichen, wo die Ausbeutenden im Falle des Falles mal ein paar Krümelchen mehr zum Verteilen bereit sind.(Allgemein gesagt: das Thema der Arbeiteraristokratie…)
    Die Frage nach Parteien und Gewerkschaften ist insbesondere für die Lohnabhängigen weniger eine formale als vielmehr ein inhaltliche.
    Bei den bürgerlichen Parteien spielen Formalitäten gegenüber Inhalten naturgemäß eine wichtigere Rolle, denn die Mitglieder und häufig auch Wähler befinden sich jeneseits ihrer „politischen Rolle“ in der Späre des „Überbau“ ganz real als zumeist sozial ohnehin priviligierte Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft ganz jenseits aller Eskapaden oder „Skandale“ ihrer jeweiligen Parteiführer in einer angenehmen kompfortablen, gesellschaftlich privlegierten Lage.
    Alle „Rücktritte“, „Skandale“, alle üblichen Gaunereien und Karrierismus, Mogeleien, Flunkereien „ihrer Politiker“ können sie am Ende immer „generös“ irgendwie „lösen“: Mit komfortablen Rücktritten ganz ohne „Sanktionen“, also weiterer fettester Staats“Versorgung“ dieser „Ertappten“…!, denn sie selbst, diese „braven Bürger“ sind in den Auswirkungen aller dieser skandalträchtigen Geschichtchen ohnhin nur selten persönlich schwer betroffen, bestenfalls mal benachteiligt im gegenseitigen konkurrenzgeiernden Hauen und Stechen, Abluxen um möglichst große Anteile am Einstreichen des den Werktätigen – und zwar inzwischen weltweit! – abgepressten Mehrproduktes gesellschaftlicher Arbeit.

    Hier noch ein sehr guter Beitrag von Karl Marx zur formalen bürgerlichen Demokratie, ihrer sehr unterschiedlichen Bedeutung für „einfaches Volk“ und die Privilegierten, Herrschenden:

    http://www.mlwerke.de/me/me08/me08_342.htm

    Viel Gewinn beim Lesen! 🙂

    • sascha313 schreibt:

      @ Harry: „Bei den bürgerlichen Parteien spielen Formalitäten gegenüber Inhalten naturgemäß eine wichtigere Rolle, “ Du irrst, Harry! Die Erscheinung ist keineswegs identisch mit dem Wesen!

      • Harry 56 schreibt:

        Lieber Norbert und Alle, worin besteht eigentllich der inhaltliche Unterschied in der Finanzpolitik eines sozialdemokratischen Peer Steinbrücks, der heute gegen obzöne Honorare durch das Land tingelt und im September 2008 zusammen echt sozialdemokratisch „Seit‘ an Seit‘ mit dem berühmten Josef Ackermann von der noch berühmteren und altehrwürdigen Deutschen Bank die Finanzkrise „managte“ und unserem heutigen netten christlichen Finanzminister Wollfgang Schäuble bei der „Lösung“ der heutigen Finanz- und Schuldenkrisen, also jenes Herrn Schäuble und Christdemokraten als „Hüter der Finanzen“ von fast 82 Millionen Menschen, der bis heute „vergessen“ hat, wo jene 100 000 DM eines internationalen Waffenhändlers verblieben sind , welche dieser Herr Schreiber (Soll zuvor auch recht unrühmlich in Leipzig aufgefallen sein)Herrn Schäuble mal in einem Köfferchen persönlich diskret überreicht hat – für was, wofür auch immer!

        Hier:

        Einfach mal köstlich! 🙂

        Oder: Worin besteht der inhaltliche Unterschied der Politik einer heutigen sozialdemokratischen „Arbeitsministerin“, welche in ihrem ganzen bisherigen Leben noch nie einer festen beruflichen Tätigkeit nachgegangen ist und der heutigen Verteidigungsministerin, welche nachweislich nie beim Mlitär war, wohl noch nicht mal eine Pistole abgeschossen hat?

        Ist es nicht vollkommen klar, dass bei fast total gleichen Politik-Inhalten aller dieser bürgerlichen und sozialreformistischen Parteien Formalitäten, Theater, reinste Konkurrenzgeierei , „Opposition“-Spielerei in den Vordergrund treten müssen?
        Dies meinte ich mit meinen Beitrag der überrgenden Bedeutung formaler Kinkerlitzchen bei allen diesen Systemparteien!

  3. Vorfinder schreibt:

    Hallo „Sascha“, eine Angebrachte Frage und am Schluss auch mit der richtigen Antwort die SED betreffend.

    In dem wundervollen Buch, „Am Ende verstehen sie es“, von Hacks/Gossweiler schreibt Peter Hacks ein „Natürliches System der Linken“. Diese Aufstellung ist bündig und bis heute aktuell. Hacks trifft eine Unterteilung in 15 Punkte. (S. 50-52)

    „1. Kommunisten. Marxisten-Leninisten, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Ablösung der monopolkapitalistischen Gesellschaftsformation durch die sozialistische Gesellschaftsformation zu befördern. Parteien: KPdSU bis 1953. SED bis 1971. KPD. Auch: Allunions Kommunistische Partei Bolschewiki.“

    Dieser Zuordnung kann weiterhin zugestimmt werden.

    Völlig klar ist ferner, dass wir die Revolution nur siegreich führen und den Sozialismus nur umfassend errichten können unter Führung einer echten marxistisch-leninistischen Partei (welche sowohl die Lehren Stalins in sich trägt). Ohne m/l Partei ist die Bourgeoisie nicht zu schlagen. Es ist falsch zu meinen („monopoli), es ginge ohne Partei. Es ist doch so: nur weil wir diese echte m/l Partei noch nicht haben, bestimmt die Bourgeoisie noch die herrschende Gesellschaftsformation.

    Lenin schreibt: „Das Proletariat besitzt keine andere Waffe im Kampf um die Macht als die Organisation.“ Und Lenin spricht immer von der Notwendigkeit unser Partei. (Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück).

    Wer Sozialismus will, muss für die Schaffung einer wirklichen m/l Partei wirken!

  4. rheinlaender schreibt:

    Was Monopoly in seinem sicher sehr edlen, sozialen aber kapitalistischem Denkmuster angesprochen hat, ist ein wirklich schmerzhafter Punkt, wenn man mit Menschen über den Sozialismus spricht. Viele Leute auf der Strasse sagen, Sozialismus wäre ja gut, aaaaber nicht die Parteibonzen, die noch nie ne Fabrik oder betriebswirtschaftliche Zahlen von innen gesehen haben. Nur zur Not entscheiden die sich dann doch lieber für nen unternehmerischen Kapitalisten, der angeblich Ahnung vom wirtschaften hat. Nach dem Motto ein schlechter Parteibonze bleibt und schadet UNS, aber ein guter Kapitalist wird von einem noch besseren besiegt und nützt UNS. Man sollte nach meiner Erfahrung, immer wieder herausstellen, dass der Wohlstand im Sozialismus letzten Endes besser war. Auf die unterschiedlichen Startbedingungen, blutigste dritte Welt Beraubung durch den Westen kann man ja sicher noch mal eingehen. Auch darauf, dass es selbst in den reichsten Länder nicht mal ein dutzend Jahre Wohlstand für alle gab.
    Lenin hat in seiner Kurzbroschüre über den Staat sehr einfach erklärt, warum die Diktatur des Proletariats tausendmal demokratischer ist als eine Pseudo Mehrparteien Demokratie, die NUR den brutalen Willen der oberen einpromille durchsetzt.
    Aber die Frage bleibt, was man im Sozialismus gegen Parteibürokraten tun kann.Meine Frage verehrter Sascha/Harry/Vorfinder ist : Wenn man eine im positiven, strikte sozialistische Verfassung hat (Volkseigentum, Antiimperialismus, Wehrhaftigkeit, Reisebeschränkung von Verrätern, Verbot von konterrevolutionärer Propaganda …) usw. Wäre es dann nicht sinnvoll mehrere solcher Parteien zur Wahl zu haben ??? Auch im Sozialismus wird es HOFFENTLICH Menschen geben die auf konservative Familie stehen, andere HOFFENTLICH mehr auf Party, Drogen, häufig wechselnde Geschlechtspartner. Wieder andere wollen als schuftende Hilfsarbeiter einen höheren Lohn als eine faule Ärztin oder Bürokrat. Einige sind für Abtreibung, andere für die lebenslängliche Ehe oder für das Rauchverbot in der Stammkneipe. Wären da verschiedene sozialistische, besonders regionalspezifische Parteien nicht besser, als nur die eine WAHRE ?

    • sascha313 schreibt:

      Was Du sagst, rheinlaender, ist sicherlich richtig: so ein „Parteibonze“ (wer auch immer damit gemeint sein soll) hat freilich keine Ahnung von Wirtschaft. Aber, guck Dir die kapitalistischen Manager an: Obermann, Mehdorn, Zetsche oder sonstwer – haben die etwa „Ahnung“? Nein, sie haben keine „Ahnung“! Sie vertreten allein die Interessen der Bourgeoisie – also eigne, die der Besitzer, der Aktionäre, der Anteilseigner etc. Das Dilemma der „Ahnung“ – sprich: im Sozialismus – der volkswirtschaftlichen Kompetenz! – hatte Stalin bereits 1952 im Auge, als er die strikte Trennung von Parteiämtern und Wirtschaftsführung anstrebte. Wer im Politbüro war, der sollte nicht gleichzeitig Minister oder Wirtschaftsfunktionär sein. Daß dies natürlich teils auf heftigen Widerspruch bei einigen Wirtschaftsfunktionären stieß, war vorherzusehen. Andererseits ist es nicht die Aufgabe der kommunistischen Partei, Entscheidungen darüber zu treffen, wie betriebliche (z.B. technologische) Angelegenheiten geregelt werden. Es gab in der DDR genügend Möglichkeiten, um ökonomische Kader auszubilden. Und es gab hervorragende Generaldirektoren! Und es gab den sozialistischen Wettbewerb! Die Zeiten des „Kriegskommunismus“ waren ja längst vorbei! Und was das letztgenannte betrifft: moralische Fragen, und Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens sind dem nachgeordnet. Bekanntlich waren solche Themen (Drogen, faule Ärztin, Promiskuität, Rauchverbot in der Stammkneipe usw.) nie ein „Staatsakt“ – sind sie aber heute, um das Proletariat von den wesentlichen Dingen abzulenken!

      P.S. die Abweichung vom Marxismus-Leninismus erkennst Du schon daran, daß 1959 (sicherlich auf Drängen revisionistischer Kreise!) die Warnung vor dem Trotzkismus und Titoismus aus Otto Grotewohls Originaltext entfernt wurde. Das ist ja nun mehr als eindeutig!

  5. monopoli schreibt:

    Also ich denke nicht das ich ein kapitalistisches Denkmuster habe, sondern ich versuche vielmehr neue Wege zu finden um nicht wieder in alte Fehler zu verfallen. Egal ob ihr es nun so seht oder nicht, die Menschen empfinden Parteiführer immer als Bonzen.
    Ich finde das ist eine sehr interessante Diskussion wie man aus der Stellvertreter-Politik heraus kommt und zu einer direkten Volksbeteiligung kommt.

    So zeigt sich z.B. der Trend das Personen die sympathischer wirken, bessere Chancen haben, ihre Position also eher zur Nebensache wird. Das Problem entsteht vor allen Dingen durch Medien die den einen oder anderen besser oder schlechter aussehen lassen. Daher wäre es vielleicht gut die Kandidaten garnicht erst in die Medien zu bringen, bzw. die Medien ganz aus der Politik rauszunehmen. Damit verliert sie ihre Rolle als „fünfte Macht im Staate“, die sie ja nachweislich nur zur Hure der Reichen macht. Dem Bürger reicht ein „Staatliches Medium“ das ihn informiert, er braucht keine 3000 privaten Zeitschriften und 10 private TV Sender die sich an dem Erstbesten verkaufen.

    Als zweites fiel mir z.b. bei einem Wahlbarometer der Parteipositionen auf, das 80% der Bevölkerung zwar den Antworten dem Programm der Linken zustimmte, sie aber aus persönlichen Vorurteilen nicht wählte. Wenn sie aber nun nicht wüssten, das diese Position von den Linken kam, hätte die Linke vermutlich die absolute Mehrheit, vorrausgesetzt die Bürger hätten keine Idee was die anderen 80 Mio bevorzugen.
    In dem Falle käme es zu einer direkten Volksentscheidung, weil dieses ganze Links/Rechts-Denken garnicht mehr zum Tragen käme. Selbst ein Unternehmer würde in dem Falle womöglich Linke Positionen wählen, was er jetzt nie tun würde, weil er doch die Rechten für Unternehmerfreundlich hält. Dabei ist die „Unternehmerfreundlichkeit“ für Kleinstunternehmer eher fragwürdig.
    Also wenn nur noch Positionen zu bestimmten Themen zur Auswahl stehen würden,
    die man dem Volk neutral und anonymisiert zur Wahl anbietet wie hier z.b.
    https://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2013/main_app.php?restart=1
    Es würde also nicht mehr eine Partei oder einen Vertreter wählen, sondern es würde direkt
    die Politik zu diesem Thema wählen. In dem Fall könnte man auf ein Parlament ganz verzichten.
    Man bräuchte nur noch eine repräsentative Regierung und bindet den Bürger viel mehr in die alltäglichen „Staatsgeschäfte“ ein. Das Volk selbst wäre das Parlament was dadurch wieder transparent wäre. Es wäre selbst „Staat“.
    Und nebenbei gesagt wäre das auch billiger und würde Millionen sparen.
    Natürlich würden nicht alle immer mitmachen, aber ein paar Tausend würden sich sicher Tag Zeit nehmen, um „mitzuregieren“ und damit wären volksfeindliche Beschlüsse auch nicht so leicht durchsetzbar, denn der Lobby wäre der Einfluss entzogen und die Medien wären auch draußen.
    Mit anderen Worten, keine Partei, keine Vertreter, keine Lobby, keine Medienpolitik.

    Wäre doch mal ein überlegenswerter Ansatz, oder?

  6. sascha313 schreibt:

    monopli – wovon reden wir hier eigentlich? Welche Gesellschaftsordnung ist da eigentlich gemeint mit „fünfte Macht“, „Wahlbarometer“ und „transparent“? Ich glaub, ich bin im falschen Film! Wenn das nicht ein bürgerliches („kapitalistisches“) Denken ist, was dann???

  7. Harry 56 schreibt:

    Die Frage der Möglichkeit, der Zweckmäßigkeit mehrerer Parteien in einer soz.Gesellschaft, in einem soz. Staat ist im Grunde von untergeordneter Bedeutung, ist eher eine Frage regionaler und historischer Unterschiede.
    Auch die Bolschewiki haben ja zunächst nach der Oktoberrevolution mit anderen „linken“ Parteien zusammengearbeitet, bis diese die Zusammenarbeit mit den Bolschewiki aufgaben und sich den Konterrevolutionären, den politischen Kräften der alten Eliten des Zarenreiches anschlossen.
    So kam es halt zur „Einparteiendiktatur“.
    In der DDR verlief alles wieder anders, dort fördere die SMAD sofort nach Kriegsende, im Juni 1945, die Bildung neuer demokratischer Parteien in ihrer Besatzungszone.
    Und so kam es zur späteren Blockpolitik, den Blockparteien, so dass die SED als die eigentliche Partei der einfachen Arbeiter und Bauern in der Volkskammer der DDR lediglich, „nur“ 25% aller Abgeordneten stellte.
    Und dieses Mehrparteiensystem dürfen wir auf keinen Fall als Ursache ansehen für die Konterrevolution von 1989.
    Allerdings gab es in dieser Volkskammer, von wenigen Ausnahmen und Widerständen wie dieser Abtreibungssache von 1972/73(?) keine verlogenen „Oppositions“-Gauckeleien á la Bundestag oder…., da diese Parteien bei aller Berücksichtigungen ihrer jeweiligen Klientels eine im Wesentlichen gemeinsame Politik machten.
    Es geht also auch so im Sozialismus, mit mehreren Parteien!
    Im Rückblick sind wir natürlich alle fürchterlich „schlau“ und „wissen“ heute ganz genau, was damals alles hier und da wirklich richtig oder falsch lief…..
    Für meine Vorstellungen braucht ein zukünftiger deutscher sozialistischer Staat auf keinen Fall ein verlogenenes bürgerliches Parlament mit vorgespielten Affentheater, gekauften Polit-Ganoven oder gekaufter Agenten, sondern eine echte geamtnationale Volksvertretung und weitere lokale Volksverretungen (Räten etc…)mit Abgeordneten aus möglichst vielen Schichten und Berufen des Volkes, welche, frei nach Marx und Engels, nicht bloß debattieren, sondern auch arbeiten und vernünftige Sachen beschließen, ihren Wählern gegenüber jederzeit rechenschaftspflichtig, zur Not auch sofort abrufbar sind.
    Natürlich bräuchte so ein Staat auch klare saubere Gesetze, eine klare saubere Rechtsprechung (Wusste Niccolo Machiavelli im Grunde schon vor gut 500 Jahren! siehe: „Der Fürst“), unabhängige, aber volksnahe Gerichtsbarkeit, und natürlich Medien, in denen alle Schichten der Bevölkerung mit ihren Ansichten und Bedürfnissen zu Wort kommen können.
    Kriegs- oder Rassenhetze, Volksverhetzung, Religionshetze sollten selbstverständlich, bei groben nachweislichen Vorsatz*, im Rahmen klarer geltender Gesetze unterbunden werden, ebenso ganz selbstverständlich politische konterrevolutionäre Tätigkeiten, Verschwörungen.
    Das gilt meines Erachtens vorläufig, für den Anfang des Sozialismus, seiner Errichtung und Aufbaus, also in seiner ersten Phase.
    Danach werden kommende Generationen schon weitersehen!

    *Meint: Natürlich darf nicht jede heftige Äußerung innerhalb politischer Diskussionen unverzüglich als vermeintliche „Hetze“ kriminalisiert werden, auch hier gilt der Vorrang zunächst rein politischer Bekämpfung!

  8. Vorfinder schreibt:

    Die Propaganda des Klassenfeindes zu verbreiten, hilft nun gar nicht weiter. Und HIER gehören die „Argumente“ der Bourgeoisie überhaupt nicht hin.

    Das „Argument“ betreff „Parteibonzen“ ist Müll. Das Problem von Parteimitgliedern die den Ansprüchen einer revolutionären, kommunistischen Partei nicht entsprechen ist eines, dem sich schon die Bolschewiki bewußt waren. Lenin wie Stalin haben reichlich Anleitung zum Umgang mit diesem Problem gegeben.

    Freunde, wir sind noch nicht im Kommunismus, wie sollen da bereits alle Widersprüche gelöst sein?!

    Der Klassengegner benutzt, schürt und erfindet solche Themen wie „diese Parteibonzen“. Den Imperialisten ist unsere Notwendigkeit einer m/l Partei völlig klar. Deshalb ist es aus Sicht des Klassengegners das erste Mittel, alles was zu einer schlagkräftigen m/l Partei führen könnte zu diskeditieren. Das Geschwafel über „Parteibonzen“ ist so billig, dass es mit wenig Aufwand in die Massen getragen werden kann.

    Was ist denn das für ein Klassenstandpunkt wenn in Kommentaren, verbreitet wird, es gäbe bei Menschen Vorbehalte gegen „Parteibonzen“? Das es solche Meinungen durchaus verbreitet gibt und das nicht Wenige sind, die der Indoktrination des Klassenfeindes erlegen sind, ist doch keine Überraschung.

    Aber gibt es nur das Gerede über „Parteibonzen“ wie uns die bürgerlichen Medien weiß machen wollen? Ich lebe auch unter Menschen und weiß und höre wie viele positive Erfahrungen Menschen in unserer DDR u.a. mit Parteifunktionären hatten. Es gibt unschätzbar Großes, Selbstloses und Beispielgebendes was Parteifunktionäre fürs Volk getan haben. (Ich will hier jetzt nicht beispielgebend Namen nennen, in diesem Blog wurden viele edle Namen von Kommunisten und Funktionären schon vorgestellt und es gibt unzählige noch). Es gab ungleich mehr edle, aufrichtige, kluge, menschenfreundliche, lebenserfahrene, kampferprobte und kompetente Parteifunktionäre als üble Bonzen.

    Ja, es gab schädigende Parteibonzen. Zu viele! Aber wie gesagt wir waren beim Auf- und Ausbau des Sozialismus, nicht am Ziel einer völlig neuen Gesellschaft mit Menschen mit entwickelten Bewußtsein.

    Überhaupt ist die Diskussion falsch geführt. Die Bourgeoisie mit ihren Parteien hat nur Verräter des Volkes platziert, die hauptsächlich die Interessen der Ausbeuterklasse vertreten. Dies bürgerliche Modell (Schwindelsystem wie Marx es nannte) wird den Menschen aber als bestmögliche Demokratie vorgegaukelt.

    Die SED war in ihren Grundlagen und den Jahren bis mindestens 1971 beispielgebend volksnah und Bewußtseinsbildend. Die Parteimitglieder hatten hohes Ansehen im Volk und die stetige Qualifizierung von Parteikadern machte diese zu kompetenten und gefragten Fachleuten in der sozialistischen Gesellschaft. Selbst unter dem zersetzenden Einfluß der 70er und 80er Jahre des Revisionismus hatten viele aufrechte Parteifunktionäre eine hohe Bindung zum Volk und waren erste Ansprechpartner in gesellschaftlichen Fragen. Das „Bonzentum“ hat erst mit der Schädigung durch den Revisionismus die Oberhand bekommen und hat schließlich die Konterrevolution befördert.

    In der Umgrenzung vom Klassenfeind hat sich der Aufbau des Sozialismus in der DDR entwickelt und wir haben Erfolge im internationalen Maßstab erzielt. An den Entwicklungen und den Leistungen der DDR Gesellschaft waren zahlreich die Menschen, die Fachleute und vorwärtsschreitend Parteifunktionäre beteiligt. All die Errungenschaften, die DDR Bürger noch sehr gut kennen, stehen nicht trotz, sondern auch wegen dem Wirken von Parteifunktionären auf der Seite des Vorteils der sozialistischen Gesellschaftsordnung.

    DDR Bürger haben nicht vergessen, dass Parteifunktionäre Triebfeder bei der Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft waren. Wer in der DDR lebte, spürte das positive Wirken der Partei, ihrer Mitglieder und Funktionäre (dies wurde erst mit dem Umgreifen des Revisionismus vergiftet). Fehlverhalten von Parteimitgliedern wie Funktionären gehört zur Lebenswirklichkeit der soz. Gesellschaft im historisch kurzen Zeitraum nach dem Sieg über den deutschen Faschismus. Stalin hat Anleitung zur stetigen Erneuerung der Partei gegeben. Wir sehen wie bedeutsam solche Erneuerung der Partei ist! Falsch ist persönliches Fehlverhalten einzelner Parteifunktionäre als Dominante in der soz. Gesellschaft zu werten.

    Unsere Parteifunktionäre habe beigetragen und gesichert, dass von der DDR nur FRIEDEN ausging!!! Die DDR war ein Friedensfaktor in der Welt. Allein diese politische Leistung unserer Partei- und Staatsfunktionäre ist ein Fanal in der Weltgeschichte. Und welch Faktor bei der Friedenssicherung die DDR war, zeigte sich schon kurz nach der Konterrevolution. Nach der Beseitigung des Sozialismus wütete sogleich wieder Krieg auch in Europa unter Mitwirkung des imperialistischen Deutschland …

    Der Klassenfeind macht seine Arbeit und versucht alle Ansätze zu einer neuen m/l Partei zu diskreditieren. Dies ist dem Klassengegner immanent. Unsere Aufgabe ist es den Menschen die Wirklichkeit aufzuzeigen. Die Wirklichkeit ist, der Sozialismus ist das historisch überlegene Gesellschaftssystem. Mir haben da nicht bloß Meinung, wir haben unsere wissenschaftliche Weltanschauung!! Der Sozialismus ist menschenfreundlich, Rettung und Zukunft der Menschheit. Aus den Fehlläufen und Fehlern der Vergangenheit müssen wir lernen. Den Revisionismus als Feind dürfen wir nicht mehr unterschätzen. Wir lernen aber nicht, wenn wir die Propaganda des Klassengegners nachsprechen.

    • werwolf1968 schreibt:

      Ich hab die Kommunistenschweine mit dem Bonbon am Jacket immer gehasst. Kenne auch keinen, der fuer die Ostzone war. Du bist einfach ein ehemaliger Funktionaer und jaemmerlicher Luegner.

      • sascha313 schreibt:

        Ist klar, die Nazis bleiben unter sich. Und wie man sieht:
        Der braune Sumpf ist noch immer giftig…
        (IP-Nr. von diesem „werwolf1968“: 84.73.58.190)

      • Harry 56 schreibt:

        Na, Wehrwölfchen, wessen Brot essen wir denn so begierig, um auftragsgemäß so schön gegen den Sozialismus, gegen echten gesellschaftlichen Fortschritt anzuheulen, häääää… ?

        Nun krieg‘ dich wieder ein und zisch ab…., kleines Trollchen, BILD & Co. freuen sich bestimmt schon auf deine „scharfen“ Beiträge, gelle!🙂

  9. sascha313 schreibt:

    Drei Argumente möchte ich noch einmal hervorheben:
    @Vorfinder:
    (1) „Selbst unter dem zersetzenden Einfluß der 70er und 80er Jahre des Revisionismus hatten viele aufrechte Parteifunktionäre eine hohe Bindung zum Volk und waren erste Ansprechpartner in gesellschaftlichen Fragen.“
    (2) „Unsere Parteifunktionäre haben beigetragen und gesichert, daß von der DDR nur FRIEDEN ausging!!! Die DDR war ein Friedensfaktor in der Welt. Allein diese politische Leistung unserer Partei- und Staatsfunktionäre ist ein Fanal in der Weltgeschichte.“
    @Harry56:
    (3) „…braucht ein zukünftiger deutscher sozialistischer Staat auf keinen Fall ein verlogenenes bürgerliches Parlament mit vorgespieltem Affentheater, gekauften Polit-Ganoven oder gekauften Agenten“ (der Bourgeoisie) … sondern eine echte, sozialistische Demokratie (die zunächst nicht anderes sein kann, als die Diktatur des Proletariats!)
    Damit ist eigentlich alles gesagt!

  10. rheinlaender schreibt:

    Der Begriff Parteibonze wurde schon in den 70gern Jahren vom Kapital missbraucht um gegen DDRPolitiker und im Westen gegen scheinbar linke Sozialdemokraten / Gewerkschaftsfunktionäre zu hetzen. Wenn der wirtschaftlich unqualifizierte Führer eines DAX Unternehmens mit über 5Mio Euros 100 mal soviel verdient, wie ein Spitzenpolitiker der DDR, wird klar, wer der wahre Bonze ist. (ein Link, den ich thematisch ganz gut finde http://www.red-channel.de/texte/kritik.htm). Meine Frage geht nicht gegen Organisation/Partei, sondern wie das Volk Typen wie Chrustschow, Gorbatschow, Deng Xiaoping, Merkel, Gauck verhindern kann ? Oder wie funktionierten Wahlen in der DDR ? Hab zwar die DDR Verfassung zu hause, aber trotzdem keine Ahnung.
    Monopoli ist sicher sehr unerfahren, aber kreativ und denkt, dass Großkapital würde sich durch kleinbürgerlich/individuelle Genfood-, AKW-, Stuttgart21-, Flughafen Proteste, Boykottmaßnahmen von Waren und Dienstleistungen, Kauf von angeblichen FairtradeProdukten, und durch soziale Bewegungen /Wahlen – auch ohne straff/strenge Organisation – bezwingen lassen. Wohin solche romantischen dritte Weg Träume grauenvoll führen, sah/sieht man in Iran/Mossadegh, Chile/Allende, ElSalvador, Nicaragua, Jugoslawien, Libyen, Venezuela, Ukraine, BRD/AGENDA2010 …
    Aber kapitalismus-, kriegskritische Monopolis sind zur Zeit eine Massenerscheinung; selbst konservative Gymnasien, UNIS erlauben gezwungenermaßen kritische Äußerungen ihrer Lehrkräfte.
    Man sollte denen doch Antworten geben. Schaden kann das nicht, und man lernt zu argumentieren und auch Wessis zu überzeugen.
    Bei dem Argumentationsmuster des geschätzten Vorfinders frage ich mich allerdings ernsthaft, wo die Solidarität des Volkes für Erich Honecker war, als das deutsche Grosskapital ihn übelst gedemütigt und misshandelt – ja vielleicht getötet – hat. Da hat keine Knastbefreiung oder Abfackelung des Axel Springer Hauses stattgefunden. Für z.B. Hugo Chavez oder Ajatollah Khomeni haben sich dagegen Millionen unter Einsatz ihres Lebens eingesetzt.

  11. Vorfinder schreibt:

    @rheinlaender
    Die Frage nach dem Umgang mit Erich Honecker habe ich mir auch schon gestellt. Allerdings ist es auch da nicht so, dass er ohne Solidarität war. Abgefallen sind die Opportunisten und Revisionisten seines eigenen Kreises, die sich selbst neu unterzubringen hatten. Die Psychologie der Renegaten habe ich mir nicht im einzelnen vorgenommen. Daneben gab es aber auch Hilfen für Honeckers, ganz unaufgeregt, von Leuten, von denen man es nicht gleich erwartet hätte. Das ein Reinhold Andert (Texter, Komponist) sich quasi als „Wohnungsmakler“ für Honekers betätigt, lag nicht am nächsten. Dies zeigt aber eben auch, dass schon noch Leute wenig aufgeregt handelten. Rumänische Zustände hatten wir hier nicht – obwohl der Klassenfeind auch hier kurbelte. Aber insgesamt hielt die humanistische Prägung der DDR Bürger doch dem Anstacheln zum Lynchen stand. Die Entgleisung breiter Teile der Massen mündete in Unappetitlichkeit, Mord immerhin war damals in der sozialistischen Gesellschaft
    aberzogen. Die BRD ging schnell dazu über daran zuarbeiten, die Mordbereitschaft auch bei Menschen mit sozialistischer Biographie wieder zum Bestandteil zu machen .

    Von mir kann ich sagen, dass ich damals eine 3 Zimmer Wohnung hatte und Genossen, mit denen ich bis dahin nichts zu tun hatte, Unterkunft gab, die nicht wußten, wie die „öffentliche Meinung“ mit ihnen umgehen würde. Und solches Handeln, Bereitstellen, Solidarität geben gab es nicht nur vereinzelt.

    Eher albern finde ich Deinen Vergleich mit Kulturen und Ländern wie Venezuela oder Iran etc. Es ist ja nun nicht so, dass in unseren Landen hier sonst „Knastbefreiungen“ etc. zum Brauchtum gehören würden und nur bei Honecker ausgelassen wurden.

    @monopoli
    Solche „Bonzen“ Diskussion ist nicht kreativ. Sie nützt dem Klassengegner. Hat irgendeiner dieser „Bonzen“, und Du meinst ja wohl nur solche in der DDR, hat also irgend einer dieser „Bonzen“ in der DDR eine Gefahr für den Weltfrieden dargestellt oder auch nur am Kriegsschüren Anteil gehabt? Nein!! Die DDR war ein Friedensstaat. Und wenn wir, die DDR, das konnten, dafür Sicherung tragen, dass von deutschen Boden kein Krieg ausgeht und charakterlich missratene Subjekte, sprich Bonzen, in den eigenen Reihen, dies vierjahrzehnte nicht durchkreuzt haben, dann scheint mir dieses „Bonzentum“ nicht das wesentliche Problem. Wesentlich war, dass es mit der DDR den sozialistischen deutschen Staat gab, der unverrückbar gegen Faschismus und Krieg stand. Kaum war die DDR und damit der Sozialismus gestürzt, hatten die imperialistischen Kriegsvorbereitungen freie Bahn, die mit dem Krieg gegen Jugoslawien den Krieg nach Europa zurück brachten.

    Während einige selbst jetzt über „Bonzen“ reden die, ja was, angeblich dem Volk Bananen weggegessen haben, betreiben die Handlanger des Kapitals in den Parteien dieser BRD Langsierungen für Kriege in aller Welt. Und inzwischen ist aus den verdeckten Betreiben offene Kriegsbeteiligung geworden. Die Verräter des Volkes und die Mörder an andere Völkern sitzen hier im Bundestag. Da geht es nicht um gehamsterte Bananen, da geht es um Menschenleben um reale Kriege die diese „Volksvertreter“ auf dem Gewissen haben – nun, Gewissen haben von denen so manche wohl nicht, bei Verbrechern spricht man ja auch eher davon was die auf dem Kerbholz haben.

    Wenn wir mit Menschen reden sollten wir ihnen schon sagen worin der Unterschied zwischen den genannten „Bonzen“ und den Imperialisten besteht. Die einen haben Menschen um Südfrüchte betrogen oder hatten das bessere Zimmer beim FDGB Urlaub, die anderen, die Damen und Herren „Volksvertreter“ in dieser westlichen „Demokratie“, genauer Vertreter der Bourgeoisie gehen den Menschen aus Leben, indem ihr Handeln stetig zu Krieg führt.

    Eine Generalklausel der EU betreff Innerer Notstand führt u.a. den Handlungsgrund: „Widerstrebende Bevölkerungsteile“ auf. Von Politologen wird der Begriff dieses in der EU Verfassung beschriebenen „Widerstrebens“ so erläutert: „Er umfasst schlicht alles, was von der herrschenden Klasse in irgendeiner Weise als Bedrohung für die Existenz der im nationalen wie internationalen Maßstab bestehenden Ausbeutungsverhältnisse wahrgenommen wird!“

    Dies sind unsere Realitäten. Und die Betroffenheit unserer Menschen davon wird sehr real und blutig sein. Ich finde schon sehr exotisch, wenn da dann noch wer mit Bauchschmerzen über „Bonzen“ aus DDR Friedenszeiten kommt.

  12. Vorfinder schreibt:

    Weil es auch passt.

  13. rheinlaender schreibt:

    Entschuldigung Herr Vorfinder,
    ich bin sehr albern. Sie haben vollkommen Recht: da Knastbefreiungen und Proteste nicht zum deutschen Brauchtum gehören, ist es sicher ganz in Ordnung, dass Millionen HOCHORGANISIERTER Ostdeutsche den Genossen Erich Honecker der vollen Brutalität der imperialistischen Nachfolge NSDAP Justiz auslieferten.
    Ja nach deutschem Brauch muss man sich die polizeiliche Erlaubnis einholen, wenn man zwecks Revolution ne rote Ampel übertritt oder den Bahnhof ohne Bahnsteigkarte besetzt. Noch sicherer wird eine Revolution, wenn man sich auch eine schriftliche Erlaubnis vom Ordnungsamt, Gesundheitsamt und den Segen der örtliche Kirche einholt.
    Aktuell sehr traurig, dass paar Ukrainer aktuell einfach morden und brandschatzen ohne sich um solchen Papierkram zu kümmern. Und denen kriechen die Regierenden – ja ich bin neidisch – jetzt schon in den Arsch.
    PS: Es geht mir eben nicht um lumpenproletarisch / kleinbürgerliches Helden- oder Abenteurertum. Aber was Erich Honecker angeht, wart Ihr damals doch organisiert !

    • sascha313 schreibt:

      Deine Ironie, rheinlaender, ist ja ganz passabel. Aber um der Wahrheit die Ehre zu geben: In der DDR (wie auch in der Ukraine) ging es nicht so sehr um das Schicksal des Politbüros (bzw. der Regierung), sondern einzig und allein um die Verlockungen des Kapitals und Versprechungen von Freiheit und Konsum, mit denen die vom abgedrifteten Sozialismus gebeutelten DDR-Bürger (bzw.Ukrainer) für eine Konterrevolution weichgeklopft worden waren. Und die waren nicht alle „organisiert“, sondern verführt. Eine Erfahrung, die auch die Nazis schon kannten.

      Sie alle, die die Banane wollten und den Urlaub auf Teneriffa – wo sind sie heute? Ausgewandert nach dem Westen, den Arbeitsplätzen nachgereist, enttäuscht oder verarmt und demoralisiert. Einige sind auch „angekommen“ im Kapitalismus. Daß in der DDR die Schuld dem Politbüro zugeschoben wurde, war ja nicht unbegründet! Man lese aber Honeckers Feststellung von 1992 „Zu den dramatischen Ereignissen“ – eine Erkenntnis, die ihm sehr zur Ehre gereicht: http://sascha313.blog.de/2012/04/25/erich-honecker-sozialismus-zukunft-13574114/ (viel zu spät!) Oder: E.H.- „Ein Nachtrag“:
      http://sascha313.blog.de/2010/07/15/erich-honecker-nachtrag-8980110/

      (Und was in der Ukraine geschieht ist keineswegs zufällig, oder „Volkszorn“ – es läuft nach „Plan“… nun rate mal von wem aus!)

  14. Vorfinder schreibt:

    Hallo Herr Rheinlaender, „Sascha“ hat schon bündig Hinweis gegeben. Zu Ihrem Scherz, dass die Deutschen auch für eine Revolution auf Erlaubnis warten – der Scherz ist alt – will ich noch sagen, dass man sich die Mentalität des eigenen Volkes nun mal nicht aussuchen kann. Lenin hat dazu auch was gesagt. Ohnehin schrieb ich eher, dass es albern ist historisch-kulturell andere Wurzeln, wie z.B. die von Ihnen aus Mittelamerika oder Asien angeführten Beispiele auf die DDR Bevölkerung anzulegen.

    Gerhard Gundermann (Liedermacher, DDR) wunderte sich in Liedtexten, dass z.B. in Leipzig nicht bisschen gehauen und geschossen wurde. Kam dann aber zu dem Schluss, dass es vielleicht doch ganz gut war, dass da nicht gehauen und geschossen wurde – aus rein medizinischer Sicht.
    Gundermann gibt im übrigen gut die Mentalität unserer Bürger wieder. Wenn Sie wollen spüren sie dem nach. Es gibt sehr Hörens- und Bedenkenswertes von Gundermann, z.B. sein letztes Konzert oder die Werkreihe CDs …

    in Bezug auf die Ukraine irren sie sehr. Da ist der „Papierkram“ lange vorher erledigt worden. Was Sie als Spontan und Ungefragt deuten, ist langer Hand vorbereitet, mit Papier, Ausbildungscamps und dglm. Es ist schon sehr naiv das faschistische Treiben dort als unbedarft und spontan anzusehen, die Faschisten tuen auch dort gar nichts ohne Erlaubnis ihrer Herren aus der Bourgeoisie …

    • rheinlaender schreibt:

      Mein aufrichtiger Respekt Herr Vorfinder und mein Dank, da ich ja auch lernen möchte. Vielleicht hätten Sie Ihre Analyse mehr konkretisieren können. Heute weiss man / ich dass der Westen diesen Putsch lang geplant und bis ins kleinste Detail durchführen ließ. Vor allem durch Verräter im eigenen Staatsapparat abgesegnet war. Es ist ja kein Zufall, dass es weder echte Demoverbote (mit Agent Provocateur wie im Westen), echte Polizei-, Militäreinsätze noch Kriegsrecht gab. Ab diesem Zeitpunkt staatlicher Passivität wurde für alle signalisiert, dass der Putsch gewinnt.
      Sascha, was ich im Januar sagen wollte ist, dass eine kommunistische Partei auch von den Menschen lebt, die hinter ihr stehen. Auch in Krisenzeiten. Fidel Castro sagte mal : In guten Zeiten möchte jeder Revolutionär sein. Den wahren Revolutionär erkennt man aber in schlechten Zeiten.

      • sascha313 schreibt:

        Ja, rheinlaender, um so mehr muß man immer wieder den Mut der Kommunisten bewundern, die 33-45 unter Einsatz ihres Lebens für die gute Sache eintraten, und um so mehr Verachtung habe ich vor denen, die in der DDR die große Fresse hatten und 150%ige waren, dann aber ganz schnell das Hemd wechselten. Der Kommunismus ist eben keine „Wohlfühl“-Weltanschauung, sondern eine Herausforderung für mutige, für standhafte, für ehrliche, für charakterfeste Menschen…

  15. Inson schreibt:

    Die Kritik der mangelnden Unterstützung für Erich Honecker ist berechtigt. Auch einigen anderen von der bundesdeutschen Klassenjustiz zu Unrecht eingesperrten Genossen erging es ähnlich.
    1989 dachten viele von uns, daß es um Reformen ginge, tatsächlich aber ging es um die Macht.
    In der Annahme es gehe um Reformen war die Führungsspitze unter Erich Honecker augenscheinlich wenig flexibel. Sie erschienen nicht Willens oder in der Lage, die offen zu Tage tretenden Probleme zu lösen. Aber auch unter dem Aspekt betrachtet, daß die Führung wußte, daß es um die Macht geht, entsprach ihr damaliges Verhalten eher dem Eingeständnis einer Niederlage.
    Nun wissen wir heute auch, daß Erich Honecker bereits damals von seiner rasch fortschreitenden Krankheit gezeichnet war und dies wohl auch zu einer gewissen Lethargie führte.
    Also ein durchaus widersprüchliches Bild, denn zunächst gingen nicht viele davon aus, daß der heutige Louis-Vuitton-Vertreter Gorbatschow und seine Clique den Ausverkauf des Sozialismus und natürlich der DDR betrieben. Erich Honecker hat das zumindest geahnt, aber auf die Gegenkräfte in der KPdSU und den anderen komm. Parteien gehofft. So konnte er sich nicht zu einer offensiveren Haltung durchringen. Den Sozialismus in der DDR ohne die Unterstützung oder gar gegen den Willen der Sowjetunion zu erhalten, erschien offenbar aussichtslos.
    Aber auch wenn die möglichen Optionen gering und deren Aussicht auf Erfolg noch geringer waren, wir hätten kämpfen müssen und dazu hätte es einer starken Führung bedurft.
    Dennoch, Erich Honecker ist unserer Sache treu geblieben, jeder kann es in seiner Rede vor dem Gericht am 03.12.1992 nachlesen.

  16. Harry 56 schreibt:

    Erich Honecker wurde ja durch eine Mehrheit des ZK der SED von seinen Funktionen entbunden. So weit war alles normal und durchaus demokratisch zu nennen, sozialistische Demokratie, wie sie ja so funktionieren sollte. Erst die bald darauf erfolgten persönlichen Distanzierungen und das Ablehnen fast aller bisherigen Politik durch viele seiner bisherigen Mitstreiter in höchsten Funktionen mussten die SED-Kommunisten insgesamt in den Augen vieler Menschen kompromittieren, auch die Basis der Partei selbst verwirren.

    Davon jedoch abgesehen war mit den Grenzöffnungen zunächst in Ungarn und später auch in der CSSR noch vor der DDR-Grenzöffnung am 9.November ’89 der rasche wirtschaftliche Niedergang der DDR-Ökonomie vorprogrammiert, der Staat rasch seiner Souveränität beraubt. Die Würfel waren schon lange vorher gefallen, die Konterrevolutionäre und schlichten Kapitalismus-Fans konnten ganz und gar friedlich siegen.

  17. Marita Kaminski schreibt:

    Es ist eine absolute Freude und ein riesengroßer Gewinn, auf dieser Seite zu studieren – im Grunde die HOHE SCHULE des Dialogs – ich bin total begeistert!!! Großen, großen Dank für all die tatsächlich nachdenkenswerten Schlüsse und Meinungen – eine überaus große Bereicherung!!!
    Herzliche Grüße – Marita.

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Marita, für die Bestätigung. – Der Sozialismus wird siegen!

      • werwolf1968 schreibt:

        Und sowas, wie Ihr lebt? Mann hätte Euch 1989 wie 1953 am nächsten Baum aufgeknüpfen sollen. Meine Meinung, wie Eure über uns. Und Nein, bin kein Kind der „BRD“ oder „BILD“ oder „USrael“. Nur Deutsch-National.
        Bereit für eine ehrliche Diskussion?
        Geboren 68 in Leipzig

      • prkreuznach schreibt:

        Sascha, wieso hast Du den Kommentar von Werwolf freigeschaltet? Sein Kommentar macht mir Angst.

  18. sascha313 schreibt:

    (Ich lasse diesen Kommentar absichtlich stehen!
    neue IP-Nr. von diesem „werwolf1968“: 194.230.155.224)

    Das zeigt, daß der Faschismus in Deutschland immer noch existiert und zwar in derselben extrem menschenfeindlichen Form wie 1933. Wer 1968 geboren ist (also heute etwa 47 Jahre alt ist), der ist kein Nazi aus Dummheit, aus Verblendung, sondern aus Überzeugung; der hat in der DDR lesen und schreiben gelernt. Die DDR war ein antifaschistischer Staat, der ganz im Sinne des Internationalen Nürnberger Militär-Tribunals handelte, das den Faschismus als Verbrechen an der Menschheit geächtet hat. Eben aus diesem Grund waren in Nürnberg einige der Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilt worden.

    Waren wir in der DDR zu milde mit den Anhängern und Nachfolgern dieses geistigen Unrats? Nein, ich glaube nicht. Gerade wir haben diskutiert und auch politische Gegner versucht zu überzeugen, was zum Teil auch gelang. Wer aber den Faschismus (in welcher Form auch immer) vertritt oder verteidigt, der will politische Gegner nicht überzeugen, sondern „aufknüpfen“ (ermorden) – das wird ja in dem Kommentar auch sehr deutlich!
    https://sascha313.wordpress.com/2015/02/16/stalin-uber-den-faschismus/

    • prkreuznach schreibt:

      Ja, so gesehen hast Du allerdings Recht, Sascha. Man muss ja wissen, was für gefährliche Leute unterwegs sind. Aber wenn bei meinen Blogs jemand sowas schreibt, fliegt es in den Papierkorb.

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