Anatomie des Faschismus

Wie sich doch die Bilder gleichen!
(oben: der deutsche Faschismus 1933-45, unten: ukrainischer Faschismus 2014)
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Schon dem deutschen Faschismus gelang es, die Jugend mit demagogischen Parolen zu begeistern. Für den Krieg als Kanonenfutter, für Mord und Totschlag, für den Terror und für die Freiheit des Kapitals… Fragen wir uns also zunächst:

Was ist eigentlich Faschismus?

Ist er eine Weltanschauung, steht er für Ausländerfeindlichkeit, für Judenverfolgung, für Russenhaß oder für  Terror? Ist er eine Regierungsform oder eine Diktatur?
Zunächst, in der ersten Etappe der Krise des Kapitalismus, war der Faschismus eine reaktionäre Bewegung und eine ideologische Strömung, die den Klasseninteressen der Monopolbourgeoisie entsprach. Später dann, unter den Bedingungen des besonders aggressiven staatsmonopolistischen Kapitalismus wurde daraus die „offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.“ [1] Heute unter den Bedingungen des globalen Imperialismus hat der Faschismus verschiedene Erscheinungsformen. Doch eines ist ihnen allen gemeinsam: Der Faschismus ist Ausdruck des Unvermögens des Finanzkapitals, die unzufriedenen Volksmassen, insbesondere die Arbeiterklasse, mit den bisherigen Mitteln der bürgerlich-parlamentarischen Demokratie seinen Klasseninteressen unterzuordnen.

Was sind die Klasseninteressen der Oligarchen?

Die Oligarchen haben wie alle anderen Kapitalisten auch, ob sie nun in den USA, in Rußland, in der BRD, in China oder in der Ukraine leben,  in erster Linie Interesse daran, ihren Kapitalbesitz höchstmöglich zu vermehren. „Im Kapitalismus wirkt das Interesse der Bourgeoisie an der Erzielung von Mehrwert und Profit als Triebkraft und  Produktion.“ [2] oder noch drastischer gesagt: „Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit, oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft: 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren.“ [3]

Was verstehen wir unter faschistischer Ideologie?

In der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Imperialismus kommt der Ideologie heute eine immer größere Bedeutung zu. Mit Ideologien werden Menschen beeinflußt, und sie handeln heute so, wie sie es gelernt haben, so wie sie es verstehen. „Die Ideologie des Faschismus, deren Kern der Antikommunismus ist, stellt ein Konglomerat extrem chauvinistischer, rassistischer, irrationaler, mystizistischer und sozialdemagogischer ‚Theorien‘ dar.“ [4] Die faschistische Ideologie ist keineswegs aus dem Nichts heraus entstanden. Oder etwa aus dem Wunsch nach Ordnung, Sauberkeit und Disziplin. „Wer dem BRD-Fernsehen Glauben schenkt,“ schreibt der Historiker Joachim Petzold, „der muß fast zwangsläufig zu der Überzeugung kommen, der Faschismus auf deutschem Boden wäre eine Schöpfung Adolf Hitlers gewesen. In vielen Sendungen wurde schon rein optisch dieser Eindruck erweckt. Immer stand der »Führer« im Mittelpunkt.“ [5] Doch Hitler war noch gar nicht geboren, als sich bereits die Grundelemente der faschistischen Ideologie entwickelten. Der vorgebliche „Ruf nach einem starken Mann“ ist also eine reine Erfindung zur Entlastung derjenigen Kräfte, deren Interessen der Faschismus zum Ausdruck bringt.

Wie wird der Faschismus in einem Land installiert?

Es gibt mehrere Möglichkeiten. Eine davon haben wir kennengelernt mit der massiven Eimmischung durch Botschafter und durch die Geheimdienste der USA, und durch Politiker der NATO-Staaten. Eine andere ist das Einschleusen ausgebildeter Banditen. Eine dritte Art besteht darin, die Demonstranten darin zu unterrichten, wie man friedliche Proteste zur Eskalation und zum Umsturz führt. Und letztlich gibt es auch noch die Methode der ideologischen Diversion. Was ist das? Die ideologische Diversion ist eine Hauptform des Klassenkampfes und Bestandteil der psychologischen Kriegführung. Sie ist Ausdruck des sich verschärfenden ideologischen Kampfes zwischen den einander entgegengesetzten Klassen, zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat.

Die ideologische Diversion zielt darauf ab, im breiten Umfang die bürgerliche Ideologie zu propagieren, den Einflußbereich revolutionärer Anschauungen zu begrenzen, revolutionäre Bewegungen zu spalten und zu zersetzen, dem Sozialismus fremde und feindliche Lebens- und Verhaltensweisen zu verbreiten und so jeglichen antifaschistischen Widerstand im Keim zu ersticken. „In der ideologische Diversion des Imperialismus gegen den Sozialismus ist der Antikommunismus mit seinem Kernstück, dem Antisowjetismus, die alles beherrschende Dominante. … Das antikommunistische Gift wird durch die Massenmedien (Presse, Rundfunkt, Fernsehen) systematisch verbreitet (–> geistige Manipulierung). Die Propagandazentrale des USA-Imperialismus, die International Communcation Agency (ICA), wirkt z.B. mit ihren Missionen, Informationszentren, Rundfunk- und Fernsehstationen usw. ideologisch auf über 100 Länder ein.“ [6]

Woher kommt der ukrainische Faschismus?

Der ukrainische Faschismus ist nichts anderes als der deutsche, der ungarische, der italienische, der litauische Faschismus auch. Seine Ursachen sind jedoch nicht allein in der Krise des Imperialismus und dem Streben der ukrainischen Oligarchen nach immer höheren Profiten zu suchen, sondern sie führen zurück in die Geschichte, zu den alten weißgardistischen Verbindungen aus der Bürgerkriegszeit der Sowjetunion bis hin zum faschistischen Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion. Er beruht nicht zuletzt auf dem politischen und ideologischen Einfluß der Nazis während der faschistischen Okkupation. Die Wurzeln des Faschismus sind also nicht psychologischer Art, sondern sie liegen in den gesellschaftlichen Verhältnissen des immer aggressiver werdenden Imperialismus begründet. In dem folgenden Film sehen wir den ukrainischen Faschisten Alexander Musytschko, einen ehemaligen Tschetschenienkämpfer. Man beachte sein ungezügeltes Herrschaftsgebaren und seine dümmlich-aggressiven Allmachtsallüren mit der Kalaschnikow in der Hand. Er ist ein gefährlich dummer Vertreter des Faschismus, für den ein Mord keine Rolle spielt. (Vergleichbar nur mit dem Deutschen „Kongo-Müller“, nur der war dagegen ein „Schöngeist“, er verehrte Mozart und spießte mit Vorliebe die Köpfe von Afrikanern auf.)

(An dieser Stelle befand sich ein antifaschistisches Video, es wurde möglichweise von youtube bereits in den USA gelöscht, wie alles, was den Faschismus entlarvt!)

Der Faschismus ist also ein Instrument der Verteidigung des Kapitals gegen eine mögliche revolutionäre Bewegung der Volksmassen. Zugleich aber geht er in die Offensive. So verschärft sich der unlösbare Widerspruch zwischen demokratischen Bestrebungen der Arbeiterklasse und dem die Demokratie negierenden Imperialismus. Die Faschisten kombinieren ihren maßlosen Nationalismus mit skrupelloser sozialer Demagogie und Versprechungen bei gleichzeitiger schärfster Bekämpfung der Arbeiterbewegung. [7] Der Faschismus ist schließlich eine von den reaktionärsten Kreisen der Großbourgeoisie inspirierte, gesteuerte und finanzierte Bewegung. (Beweis: 5 Milliarden Dollar für einen Putsch!) Sehen wir uns nun an, wohin der Faschismus führt.

Die Folgen der deutsch-faschistischen Okkupation 1941-45

Zur Situation 1941: „Die deutsch-faschistischen Eindringlinge fügten der Ukraine unermeßlichen Schaden zu. Aus der Zivilbevölkerung wurden mehr als 2,5 Millionen Menschen umgebracht. Infolge der schweren Bedingungen während der Okkupation sind 1,5 Millionen umgekommen. Rund 3 Millionen Menschen wurden nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt. Die Wirtschaft des Landes, das die Deutschen bei ihrem Weggang in eine ‚Wüstenzone‘ zu verwandeln trachteten, wurde aufs schwerste getroffen. Es sei nur erwähnt, daß die Kohleförderung während der Besatzungszeit pro Tag nicht mehr als 10.000 t betrug gegenüber 226.000 t im Juni 1941. Die Schächte wurden unter Wasser gesetzt; nach der Befreiung mußten 300 Millionen m³ Wasser ausgepumpt werden. Die Elektrizitäts- und Hüttenwerke sowie die Maschinenbaubetriebe, die Zuckerfabriken u.a. waren zerstört. … In den Städten der Ukraine wurden mehr als 38 Millionen m² Wohnraum zertört, also rund 50% des Gesamtwohnraums vor dem Kriege.“ [8] In dieser Situation erfolgte der Wiederaufbau des zerstörten sozialistischen Landes. Die Zerschlagung des deutschen Faschismus und der Sieg der Sowjetunion waren nur möglich, weil die Völker der Sowjetunion einmütig und selbstlos ihre sozialistische Heimat verteidigten. Das war einer der bedeutendsten Siege des Sozialismus, die unter der genialen Führung Stalins erfolgte! Hier erwies sich die Überlegenheit des Sozialismus!

Ist Rußland ein antifaschistischer Staat?

Nein. Rußland ist kein antifaschistischer Staat, sondern ein imperialistischer Staat, in dem die Oligarchen die Macht haben. Und Putin ist auch kein Antifaschist, sondern ebenfalls ein Oligarch. Putin verehrt noch nicht einmal die Helden des Großen Vaterländischen Krieges. Er verachtet sie, und er mißbraucht sie. Er mißbraucht das hehre Angedenken an die Opfer des Faschismus und an den heldenhaften antifaschistischen Widerstand gegen den deutschen Faschismus. Putin entwertet damit auch die sowjetischen Heldendenkmäler und macht sie zu billiger Folklore. In der Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und Rußland geht es nur um den Kampf zweier imperialistischer Staaten um den größeren Anteil der Beute. Mehr nicht.

Die Röhm-Affäre (1934)

Der Hinweis Putins auf Röhm (auf der Pressekonferenz 54:36) ist schon deshalb bemerkenswert, weil er auf die Geschichte Bezug nimmt. Am 30. Juni 1934 fand u.a. in Berlin, Breslau und München auf Befehl Hitlers ein Blutbad statt, dem höchste Führer der SA und der NSDAP (Röhm) zum Opfer fielen. Im Prozeß der Konsolidierung der faschistischen Diktatur war die Röhm-Affäre Ausdruck der bestehenden Differenzen innerhalb der Großbourgeoisie über die Hegemonie im staatsmonopolitischen System, über die Methoden und Möglichkeiten der Unterdrückung der Volksmassen, über das Tempo der Kriegsvorbereitung u.a. Fragen. [9] Kurt Gossweiler schreibt dazu: „Zweifellos drückten Hitler, Göring und Himmler dem Blutbad des 30. Juni wie den folgenden Untaten des faschistischen Deutschland den Stempel ihrer persönlichen tierischen Grausamkeit, ihres perversen Sadismus und Blutdurstes auf. Aber nicht daher, nicht aus den persönlichen Eigenschaften der faschistischen Häuptlinge erklären sich die unbeschreiblichen und unermeßlichen Greuel, die wilde Barbarei des Faschismus. »Ich frage Sie, Herr Präsident«, rief Dimitroff den faschistischen Richtern in Leipzig zu, »in welchem Land ist der Faschismus nicht barbarisch und wild«? Der 30. Juni bestätigt, daß Deutschland und die Welt nicht deshalb ins Verderben gestürzt wurden, weil Hitler, Göring und die ganze faschistische Brut Verbrecher waren, sondern weil die Pläne und Absichten der herrschenden Klasse Deutschlands derart waren, daß sie mit seiner Durchführung nur die bösartigsten, hemmungslosesten und minderwertigsten Verbrechernaturen, die sich auftreiben ließen, beauftragen konnten, weil also der Imperialismus, seiner innersten Natur zutiefst menschenfeindlich und verbrecherisch, nur noch durch Verbrechen und mit Verbrechern seine Ziele zu erreichen hoffen konnte und kann…“ [10]

Zitate:
[1] Georgi Dimitroff, Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale im Kampf für die Einheit der Arbeiterklasse gegen den Faschismus. In: Ausgewählte Werke in zwei Bänden, Frankfurt/M. 1972, Bd. 2, S.105
[2] Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Soziologie, Dietz Verlag, Berlin (DDR), 1960, S.229.
[3] Karl Marx, Das Kapital, Kritik der politischen Ökonomie, Erster Band, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1983, S.788.
[4] Kleines Politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1986, S.257.
[5] Joachim Petzold: Faschismus – Regime des Verbrechens. Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin, 1984, S.21.
[6] Kleines politisches Wörterbuch, ebd. S.382f.
[7] nachzulesen u.a. bei Kurt Gossweiler: Aufsätze zum Faschismus, Akademie-Verlag, Berlin (DDR), 1988.
[8] Große Sowjetenzyklopädie, Verlag Kultur und Fortschritt Berlin, 1952, Bd.2, S.1896.
[9] Sachwörterbuch der Geschichte Deutschlands und der deutschen Arbeiterbewegung, Dietz Verlag, Berlin (DDR), 1970, S.405f.
[10] Kurt Gossweiler, Der Putsch der keiner war – Die Röhm-Affäre 1934, PapyRossa Verlag, Köln, 2009, S.432

Siehe auch:
Warum der Faschismus auf fruchtbaren Boden fällt
Kurt Gossweiler: Die faschistische Gefahr heute
Ein sowjetischer General und der deutsche Massenmörder Müller
Der US-amerikanische Zynismus
Warum hat die Sowjetunion den deutschen Faschismus besiegt?

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3 Antworten zu Anatomie des Faschismus

  1. Stephan Krützner schreibt:

    Bis auf deine sehr negative Einschätzung Putins: Ein super Artikel!
    Ich sehe Putin eher als einen Nationalisten, der Russland als (Welt)macht erhalten möchte und dafür fast jeden Kompromiss eingeht. Ich denke eines seiner Hauptprobleme liegt darin, der wirtschaftlichen Macht der Oligarchen eine politische Regulierungsmacht entgegenzusetzen. Zum imperialistischen Russland empfehle ich einen ganz alten Klassiker. Lenin: Der Imperialismus …
    Danke noch mal.

  2. sascha313 schreibt:

    Danke Stephan. Der Staat (auch der russische) ist das Machtinstrument der herrschenden Klasse…

  3. Pingback: Über den Faschismus in der Ukraine: Igor Gekko alias Berkut spricht mit der Sprache eines Joseph Goebbels … | Sascha's Welt

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