Stalins letzte Rede am 14. Oktober 1952

J.W. Stalin

Es war Stalin gewesen, der die Initiative für die Ausweitung des Politbüros ergriffen hatte, um neues, frisches Blut in die Adern des schon kränkelnden und verbürokratisierten Parteikörpers fließen zu lassen, und es war Stalin, der schon Mitte der dreißiger Jahre vorhatte, die Rolle der Partei auf Erziehung und Propaganda zu beschränken, sie von der unmittelbaren Leitung der Wirtschaft auszuschließen und freie Wahlen mit Gegenkandidaten zum Obersten Sowjet zuzulassen – zum blanken Entsetzen der Ersten Sekretäre der Partei. Zu diesen Ersten Sekretären gehörte damals auch der spätere Parteichef Chruschtschow

Quelle: Kommunisten-Online

(Als Genosse Stalin an das Rednerpult tritt, wird er von den Delegierten mit stürmischem, lang anhaltendem Beifall begrüßt, der in eine Ovation übergeht. Alle erheben sich von den Plätzen. Es erschallen Rufe: ‚Dem Genossen Stalin – Hurra!‘, ‚Es lebe Genosse Stalin!‘, ‚Ruhm dem großen Stalin!‘)

Genossen!

Gestatten Sie mir im Namen unseres Parteitages allen Bruderparteien und Gruppen, deren Vertreter unseren Parteitag mit ihrer Anwesenheit beehrt oder die dem Parteitag Grußbotschaften gesandt haben, den Dank auszusprechen für die freundschaftlichen Grüße, für die Wünsche weiterer Erfolge, für das Vertrauen. (Stürmischer, anhaltender Beifall, der in eine Ovation übergeht.)

Für uns ist dieses Vertrauen besonders wertvoll, das die Bereitschaft bedeutet, unsere Partei in ihrem Kampf für eine lichte Zukunft der Völker, in ihrem Kampf gegen den Krieg, in ihrem Kampf für die Erhaltung des Friedens zu unterstützen. (Stürmischer, anhaltender Beifall).

Es wäre ein Irrtum zu glauben, daß unsere Partei, die zu einer mächtigen Kraft geworden ist, keiner Unterstützung mehr bedarf. Das wäre falsch. Unsere Partei und unser Land brauchen stets das Vertrauen, die Sympathie und die Unterstützung der Brudervölker jenseits der Grenzen unseres Landes und werden sie immer brauchen.

Die Besonderheit dieser Unterstützung besteht darin, daß jede Unterstützung der Friedensbestrebungen unserer Partei seitens einer jeden Bruderpartei gleichzeitig die Unterstützung ihres eigenen Volkes in seinem Kampf für die Erhaltung des Friedens bedeutet. Als die englischen Arbeiter in den Jahren 1918/19, zur Zeit des bewaffneten Überfalls der englischen Bourgeoisie auf die Sowjetunion unter der Losung ‚Hände weg von Rußland!‘ den Kampf gegen den Krieg organisierten, war das eine Unterstützung vor allem des Kampfes ihres eigenen Volkes für den Frieden und dann auch eine Unterstützung der Sowjetunion. Wenn Genosse Thorez oder Genosse Togliatti erklärt, daß ihre Völker keinen Krieg gegen die Sowjetunion führen werden (stürmischer Beifall) , so ist das eine Unterstützung vor allem für die Arbeiter und Bauern Frankreichs und Italiens, die für den Frieden kämpfen und dann auch eine Unterstützung der Friedensbestrebungen der Sowjetunion. Diese Besonderheit der gegenwärtigen Unterstützung erklärt sich daraus, dass die Interessen unserer Partei nicht nur den Interessen der friedliebenden Völker nicht widersprechen, sondern im Gegenteil mit ihnen verschmelzen. (Stürmischer Beifall). Was die Sowjetunion betrifft, so sind ihre Interessen von der Sache des Friedens in der ganzen Welt überhaupt nicht zu trennen.

Es versteht sich, daß unsere Partei den Bruderparteien gegenüber ihre Schuldigkeit tun und ihrerseits sie und die Völker in ihrem Kampf um die Befreiung, ihn ihrem Kampf für die Erhaltung des Friedens unterstützen muss.

Gerade das tut sie bekanntlich auch. (Stürmischer Beifall). Nach der Ergreifung der Macht durch unsere Partei im Jahre 1917 und nachdem unsere Partei reale Maßnahmen zur Beseitigung des Jochs der Kapitalisten und Gutsbesitzer getroffen hatte, gaben ihr die Vertreter der Bruderparteien, begeistert von der Kühnheit und den Erfolgen unserer Partei, den Namen ‚Stoßbrigade‘ der revolutionären Bewegung und der Arbeiterbewegung der Welt. Damit gaben sie der Hoffnung Ausdruck, daß die Erfolge der ‚Stoßbrigade‘ die Lage der unter dem Joch des Kapitalismus schmachtenden Völker erleichtern werden. Ich denke, daß unsere Partei diese Hoffnungen gerechtfertigt hat, besonders in der Zeit des Zweiten Weltkriegs, als die Sowjetunion die deutsche und japanische faschistische Tyrannei zerschmetterte und die Völker Europas und Asiens von der Gefahr der faschistischen Sklaverei befreite. (Stürmische r Beifall.)

Natürlich war es sehr schwer, diese ehrenvolle Aufgabe zu erfüllen, solange es nur eine einzige ‚Stoßbrigade‘ gab und solange sie diese Aufgabe des Vorkämpfers fast ganz auf sich allein gestellt erfüllen musste. Aber das war einmal. Jetzt ist es ganz anders. Jetzt, da von China und Korea bis zur Tschechoslowakei und Ungarn neue ‚Stoßbrigaden‘ in Gestalt der volksdemokratischen Länder auf den Plan getreten sind, jetzt ist der Kampf für unsere Partei leichter geworden und auch die Arbeit geht munterer voran. (Stürmischer, anhaltender Beifall.)

Besondere Aufmerksamkeit gebührt jenen kommunistischen, demokratischen oder Arbeiter- und Bauernparteien, die noch nicht an die Macht gelangt sind und die ihre Arbeit unter dem Joch der drakonischen bürgerlichen Gesetze fortführen. Natürlich haben sie es in ihrer Arbeit schwerer. Aber sie haben es in ihrer Arbeit nicht so schwer, wie wir russischen Kommunisten es schwer hatten in der Zeit des Zarismus, als der kleinste Schritt vorwärts zum schwersten Verbrechen erklärt wurde. Die russischen Kommunisten jedoch hielten stand, sie schreckten vor Schwierigkeiten nicht zurück und errangen den Sieg. Ebenso wird es mit diesen Parteien sein.

Warum werden es diese Parteien in ihrer Arbeit nicht so schwer haben, wie es die russischen Kommunisten zur Zeit des Zarismus hatten?

Weil sie erstens solche Beispiele des Kampfes und der Erfolge vor Augen haben, wie es sie in der Sowjetunion und in den volksdemokratischen Ländern gibt. Folglich können sie aus den Fehlern und den Erfolgen dieser Länder lernen und sich so ihre Arbeit erleichtern.

Weil zweitens die Bourgeoisie selbst, der Hauptfeind der Freiheitsbewegung, eine andere geworden ist, die Verbindungen zum Volk verloren und sich damit geschwächt hat. Es ist klar, daß dieser Umstand die Arbeit der revolutionären und demokratischen Parteien ebenfalls erleichtern muß. (Stürmischer Beifall.)

Früher leistete es sich die Bourgeoisie, sich liberal aufzuspielen; sie trat für bürgerlich-demokratische Freiheiten ein und erwarb sich damit Popularität im Volke. Jetzt ist von Liberalismus auch nicht eine Spur geblieben. Es gibt keine sog. Freiheit der Persönlichkeit mehr – die Rechte der Persönlichkeit werden jetzt nur noch bei denen anerkannt, die Kapital besitzen. Alle übrigen Bürger aber werden als menschlicher Rohstoff betrachtet, der nur zur Ausbeutung taugt. In den Staub getreten ist das Prinzip der Gleichberechtigung der Menschen und Nationen; es ist ersetzt durch das Prinzip der vollen Rechte der ausbeutenden Minderheit und der Rechtlosigkeit der ausgebeuteten Mehrheit der Bürger. Das Banner der bürgerlich-demokratischen Freiheiten ist über Bord geworfen. Ich denke, daß Sie, die Vertreter der kommunistischen und demokratischen Parteien, dieses Banner werden erheben und vorantragen müssen, wenn sie die Mehrheit des Volkes um sich sammeln wollen. Es gibt sonst niemand, der es erheben könnte. (Stürmischer Beifall.)

Früher galt die Bourgeoisie als das Haupt der Nation; sie trat für die Rechte und die Unabhängigkeit der Nation ein und stellte sie ‚über alles‘. Jetzt ist vom ‚nationalen Prinzip‘ auch nicht eine Spur geblieben. Jetzt verkauft die Bourgeoisie die Rechte und die Unabhängigkeit der Nation für Dollars. Das Banner der nationalen Unabhängigkeit und der nationalen Souveränität ist über Bord geworfen. Ohne Zweifel werden Sie, die Vertreter der kommunistischen und demokratischen Parteien, dieses Banner erheben und vorantragen müssen, wenn Sie Patrioten Ihres Landes sein, wenn Sie die führende Kraft der Nation werden wollen. Es gibt sonst niemand, der es erheben könnte. (Stürmischer Beifall.)

So liegen die Dinge gegenwärtig.

Es versteht sich, daß all diese Umstände die Arbeit der kommunistischen und demokratischen Parteien, die noch nicht zur Macht gelangt sind, erleichtern müssen.

Es gibt also allen Grund, auf Erfolge und auf den Sieg der Bruderparteien in den Ländern der Herrschaft des Kapitals zu rechnen. (Stürmischer Beifall.)

Langes Leben und Gesundheit den Führern der Bruderparteien! (Anhaltender Beifall.)

Es lebe der Frieden zwischen den Völkern! (Anhaltender Beifall.)

Nieder mit den Kriegsbrandstiftern!

(Alle erheben sich von den Plätzen. Stürmischer, lang anhaltender Beifall, der in eine Ovation übergeht. Es erschallen Rufe: „Es lebe Genosse Stalin!“ „Dem Genossen Stalin – Hurra!“ „Es lebe der große Führer der Werktätigen der Welt, Genosse Stalin!“ „Dem großen Stalin – Hurra!“ „Es lebe der Friede zwischen den Völkern!“ Rufe: „Hurra!“)

Anmerkungen

[1] XIX. Parteitag der KPdSU(B), 5.-14. Oktober 1952, in: ‚Neue Welt‘, Halbmonatszeitschrift, Heft 22 (158), 7. Jahrgang / November 1952, S. 2868ff.
[2] Grover Furr, ‚Stalin and the Struggle for Democratic Reform’: http://clogic.eserver.org/2005/furr.html. (Teil eins) sowie
http://clogic.eserver.org/2005/furr2.html. (Teil zwei).
[3] W.B.Bland, ‚Der Ärzteprozeß und der Tod Stalins‘, London 1991, deutsche Übersetzung 2002: http://www.red-channel.de/mlliteratur/sowjetunion/aerzteprozess.htm.
[4] Grover Furr, ‚Khrushchev Lied – The Evidence That Every ‘Revelation’ of Stalin’s (and Beria’s) ‘Crimes’ in Nikita Khrushchev’s Infamous ‘Secret Speech’ to the 20th Party Congress of the Communist Party of the Soviet Union on February 25, 1956, is Probably False*’ – Corrected Edition, Kettering/Ohio/USA 2011.
[5] Die Bezeichnung ‘Chruschtschowianer’ lehnt sich an Enver Hoxhas Buch ‘The Khrushchevites – Memoirs‘, (Die Chruschtschowianer – Erinnerungen‘) an, Tirana 1980. Er meint damit die Verschwörer, die nach dem Tod Stalins die Macht in der Partei an sich rissen, darunter vor allem Nikita Chruschtschow, Anastas Mikojan u.a.
[6] Enver Hoxha, ebd., S. 389: „At one time, together with Khrushchev we had considered organizing a pokuschenje (Attentat) against him (Stalin), but we gave up the idea because we were afraid that the people and the party would not understand” (Es gab eine Zeit, als wir mit Chruschtschow zusammen vorhatten, ein Attentat auf ihn (Stalin) zu verüben, aber wir nahmen wieder davon Abstand, weil wir befürchteten, daß die Menschen und die Partei das nicht verstehen würden).
[7] XIX. Parteitag der KPdSU(B), 5. – 14. Oktober 1952, in: ebd., S. 2839, A. Mikojan: „Als Leuchte der Wissenschaft erhellt Genosse Stalin unser Leben; er gibt uns ein Aktionsprogramm und lenkt unsere siegreiche Bewegung vorwärts zum Kommunismus.“
[8] Ebd., S. 2865ff.

http://stalinsite.org.ua/volume-16/415-16-47.html

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5 Antworten zu Stalins letzte Rede am 14. Oktober 1952

  1. Nadja Norden schreibt:

    Hallo Genosse Norbert,
    Vielen Dank um das „politische Testament“ J.W. Stalins zu bringen, mit Video dazu. Nur schade um die begleitende Revolver- und Räubergeschichten.
    Eine Analyse des Rechenschaftsberichtes G.M. Malenkows wäre meines Erachtens nützlicher gewesen.
    Aber auch so: den Namen des Genossen L.P. Berija, der doch auch eine Schlüsselfigur war, ist in diesen Spekulationen nicht ein einziges Mal erwähnt. Dagegen bekommt man vollständigkeitshalber Enver Hoxha serviert…
    Mit sozialistischen Grüße,
    Nadja

    • sascha313 schreibt:

      Hallo Nadja,
      danke für den Kommentar. Ja – ich bin auch nicht so ganz mit dieser Einleitung einverstanden, zumal sie nicht aus kommunistischer Sicht heraus geschrieben wurde. Außerdem ist diese Übersetzung eine zweifache: aus dem Russsichen ins Englische und dann ins Deutsche. Da schleichen sich Fehler ein. Natürlich sind da viele Vermutungen enthalten, denen alte bürgerliche Denkweisen anhaften (z.B. „Gegenkandidaten“, „Chefideologe“). dennoch ich lasse es so stehen, da der Grundtenor richtig ist. Zumal auch bekannt ist, welchen heftigen Anfeindungen der Autor Grover Furr seitens der Bourgeoisie ausgesetzt ist. Es gibt von russichen Autoren (Prudnikowa, Muchin usw.) zahlreiche Bücher, die dies bestätigen. Davon ist leider keines bisher auf Deutsch übersetzt worden.
      Norbert.

  2. Harry 56 schreibt:

    Diese Rede des Genossen Stalin ist für mich aus zwei Gründen bemerkenswert.
    Erstens, dass Genosse Stalin trotz aller gegenteiliger verleumderischer Behauptungen bis an sein Lebensende ein proletarischer Internationalist, ein wirklicher Bolschewik blieb.
    Zweitens wird gerade in jenem, fett hervorgehobenen Teil, unsere jetzige Welt genauestens beschrieben, ob es sich da um die Innenpolitik wie auch die Außenpolitik aller imperialistischen Bourgeoisien dieses Planeten handelt.
    Man kann den damals und heute antihumanen verbrecherischen Charakter dieses Systems kaum besser beschreiben.
    Noch immer höchst aktuell!

    • rheinlaender schreibt:

      Ja Harry,
      das meiste von dem fettgedruckten klingt wie von heute. Ich werde das mal – wenns thematisch passt und aktuell passt es fast immer – mal in paar Truther Blogs versuchen unterzubringen. Mal sehen wie die reagieren. Vor allem wenn ich erst nach der Veröffentlichung Stalin als Quelle angebe. Optimistisch ist mir aufgefallen: einige Truther machen sich jetzt schon Gedanken über Zitate Maos, Begriffe wie Friedensstaat DDR oder Maximalproft.
      Zwei mir persönlich bekannte Zinseszins- / Währungs- Verschwörungsfans konnte ich dazu gewinnen sich begeistert mit DDR/UDSSR Errungenschaften zu beschäftigen .

      • sascha313 schreibt:

        Prima, rheinlaender! Da kann ich nur sagen: wir fangen jetzt alle an, wieder ein bißchen zu lernen – wie Lenin uns geraten, und wie Stalin uns vorgelebt hat. Kurt Gossweiler (96) sagte mal ganz trocken: „…ja, aber der Sozialismus wird siegen!“ Der Marxismus-Leninismus ist die einzige Wissenschaft, die die Gesetzmäßigkeiten der menschlichen Gesellschaft analysiert und uns Hinweise geben kann, wie wir diese Gesetze wieder beherrschen lernen und die Produktionsverhältnisse zugunsten der übergroßen Mehrheit des Volkes verändern können!

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