Didaktische Konzeptionen der politischen Bildung in der BRD

von Ursula Drews

Die Widerspiegelung neuer taktischer Varianten imperialistischer Globalstrategie zeigt sich in der Pädagogik der BRD besonders sinnfällig am Beispiel einiger Tendenzen in der Didaktik der politischen Bildung. Die Propagierung einer tiefgreifenden Ideologisierung, eines verfeinerten Antikommunismus und neuer Positionen zur Unterrichtsgestaltung verbinden sich hierbei zu einem brauchbaren Konzept für die umfassende Manipulierung der Kinder und Jugendlichen durch den „politischen Unterricht“ in der BRD.

Die neue Erziehung: „mit klassischem Salz

Die neuen Bemühungen sind teils mit einem Abrücken von alten Positionen, teils mit einer Modifizierung ihres Inhalts verbunden. Letzteres gilt auch für einen der tragenden Gedanken imperialistischer Erziehungskonzeptionen, die Erziehung zur Partnerschaft. So sah Oetinger in der Partnerschaft „die aussichtsreichste Möglichkeit … , … eine politische Gesellschaft zu bilden, die haltbarer ist als die staatsbürgerliche und menschlicher als die kommunistische“ [1]. Seit kurzem wird nun aber der Gedanke der Erziehung zur Partnerschaft in der von Oetinger u.a. gemeinten Weise der Kritik unterzogen, und zwar insofern, als die Erziehung hiernach „überwiegend eine Erziehung zur kritiklosen Anerkennung der bestehenden gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse“ [2] gewesen sei, der es an „klassischem Salz“ gemangelt, die alle Fugen und Ritzen „mit Sirup“ [3] verstopft und die „kritischen Energien“ der jungen Menschen „auf die kommunistischen Nachbarländer“ [4] abgelenkt habe.

Nun könnte man sagen, damit seien doch wohl wesentliche Ziele in der imperialistischen Schule erreicht worden: Billigung der bestehenden Klassengesellschaft, antikommunistische Gesinnung – so war es doch beabsichtigt. Das schon, aber das allzu schöngefärbte Imperialismus-Bild mußte zwangsläufig die jungen Menschen in Konflikt zur Wirklichkeit bringen. So schreibt Siebert: „Mit diesen Klischees entließ die Schule junge Menschen, die der jüngsten politischen Entwicklung verständnislos gegenüberstehen und die möglicherweise ungewollt zu einer politischen Resignation oder zum Radikalismus erzogen wurden.“ [5]

Ein verfeinerter Antikommunismus

Die Schüler- und Studentenunruhen des Jahres 1968 waren der praktische Beweis, wie bisher gepflegte Erziehung sich ins Gegenteil verkehrte. Die jungen Menschen wandten Maßstäbe, nach denen man sie gelehrt hatte, die sozialistischen Länder zu beurteilen und natürlich abzuwerten, auf die Bundesrepublik selbst an. Sie erkannten die tiefen Widersprüche und handelten, richteten ihre Aktivität gegen das imperialistische System. Das in seiner bisherigen Form relativ problemlose, harmonisierende, allzusehr vereinfachende Partnerschaftskonzept hatte sich damit als nur bedingt brauchbar erwiesen. Die Didaktik der politischen Bildung wurde mit für das Versagen der imperialistischen Erziehungskonzeption verantwortlich gemacht. Das war ihren Vertretern eine „bittere Lehre“.

Die bisherigen Prämissen der politischen Erziehung mußten überdacht [6], neue Inhalte oder auch nur Formen gesucht werden, um den neuen Ansprüchen des imperialistischen Staates besser genügen zu können. Der Partnerschaftsgedanke wurde bzw. wird hierbei nicht aufgegeben, sondern erfährt eine stärkere politische Akzentuierung, und es wird noch mehr Mühe auf die Verschleierung der tatsächlichen Besitz- und Machtverhältnisse und einen sogenannten verfeinerten Antikommunismus verwendet.

Ziel:   Anpassung durch „systemimmanente Erneuerung“

Insgesamt wird der Ausweg gegenwärtig in einer stärkeren Ideologisierung der Ziele und Inhalte sowie in einer geschickteren Manipulierung auf verdecktem Wege gesehen. Ziel ist, „eine Theorie der politischen Bildung zu erarbeiten, die Anpassung durch systemimmanente Erneuerung ermöglicht“ [7]. In dem zukünftigen „Sozialpartner“, der „mobil, bildungsfähig und anpassungsbereit sein soll“ [8], will man dabei das Bestreben wecken, selbst an der „Erneuerung“ des staatsmonopolistischen Herrschaftssystems mitzuwirken, um ihn um so fester an dieses zu binden. Der Imperialismus erscheint nicht mehr nur harmonisch, sondern im Detail – aber nur im Detail – durchaus der Verbesserung bedürftig, wie andererseits auch der Sozialismus nicht mehr ausschließlich negativ betrachtet wird. Sinn und Zweck ist, ein stärkeres Engagement der Schüler und Studenten für den imperialistischen Staat zu erreichen, indem ihnen Möglichkeiten der Mitwirkung an der Bewältigung von Problemen in Aussicht gestellt werden, um ihr Nachdenken über eine grundlegende Veränderung des staatsmonopolistischen Systems zu paralysieren.

Die Erziehung zur „gelenkten Aktivität“

Das Bestreben nach verschärfter Ideologisierung und Manipulierung hätte jedoch wenig Aussicht auf reale Erfolge, würde man nicht in weitaus stärkerem Maße als bisher die Aktivität des Schülers in die theoretischen Erwägungen einbeziehen. Es wird von vornherein mit dem Schüler als Subjekt gerechnet, der Schüler soll aktiviert werden, um ihn um so zuverlässiger mißbrauchen zu können. Das liest sich dann beispielsweise so: „So lange die Schüler im Halseisen der Disziplin steckten, konnten wir ihnen den Lehrstoff in die Kehle würgen, wie man ihn uns selbst in die Kehle gewürgt hatte. Heute kann man die Schüler zu nichts mehr zwingen. Ich muß sie irgendwie für mich gewinnen, ihnen Appetit machen, ihnen das Wort lassen – und sie dennoch unterrichten.“ [9] Mit anderen Worten: An der prinzipiellen Linie wird nichts geändert, aber die Aktivität der Schüler wird mit in Betracht gezogen, und sie sollen von vornherein in solche Bahnen gelenkt werden, die dem Imperialismus genehm sind und keinesfalls unerwünschte Formen (wie beispielsweise im Jahre 1968) annehmen.

Professor Giesenke’s   „Didaktik der Konflikte“

Für diese Zielrichtung bot sich Hermann Gieseckes Didaktik der politischen Bildung in besonderem Maße an. Giesecke verzichtet auf ein harmonisierendes Partnerschaftskonzept und entwickelt demgegenüber eine „Didaktik der Konflikte“ [10]. Seine Didaktik schließt jedoch die Erziehung zur Partnerschaft nur scheinbar aus, denn es geht nach wie vor um die Erziehung des zukünftigen „Sozialpartners“, nur soll er kritischer, konstruktiver sein, sich bewußter für den imperialistischen Staat engagieren, und hierfür entwickelt Giesecke sehr brauchbare Ansatzpunkte. Ausgehend von der Zielstellung der Erziehung zur politischen Beteiligung [11], fordert er die Hinwendung zu aktuellen Konflikten, zu Problemsituationen, fordert er „das Üben des politischen Urteils an Ernstfragen des öffentlichen Lebens“ [12].

Gieseckes Didaktik ermöglicht damit zweierlei:
► eine tiefere Aneignung der politisch aufgeladenen Unterrichtsinhalte durch vielseitige Auseinandersetzung mit ihnen, wobei auch das bisher erworbene Wissen der Schüler angewendet und, überprüft werden soll;
► eine sehr geschickte Täuschung des Schülers. Der Schüler erliegt dem Eindruck, sein Urteil sei aus einer allseitigen Analyse der Situation erwachsen, sei gründlich überlegt, sei „objektiv“. Dadurch kann er, ohne daß ihm dieses bewußt wird, um so wirkungsvoller zum Engagement für den imperialistischen Staat geführt werden.

Die scheindemokratische „Schülermitverantwortung“

In ihren neuesten Arbeiten gehen Giesecke u.a. sogar noch weiter. Sie erstreben eine „Verschränkung von Lernprozessen und politischer Aktion“ [13]. Die Aktivität der Schüler soll über Schülermitverantwortung, Schülerzeitungen, ästhetische Darstellungsformen u.a. in unmittelbare politische Aktion einmünden, und zwar ausdrücklich – wie es heißt – „zum Nutzen unseres demokratischen Staates“ [14] und innerhalb des „gesellschaftlich zugelassenen Spielraumes“ . Damit soll nichts anderes bewirkt werden, als die jungen Menschen in Gegenwart und Zukunft von wirklichen, von revolutionären Aktionen, die außerhalb des „gesellschaftlich zugelassenen Spielraumes“ liegen, fernzuhalten und sie für die innen- und außenpolitischen Ziele des Imperialismus zu aktivieren. Die Verbindung von politischem Lernen und politischer Aktion erweist sich damit als ein außerordentlich brauchbares Mittel zur vermeintlichen Systemstabilisierung. Die „Didaktik der Straße“ – wie sie auch noch genannt wird – ist realiter eine Didaktik gegen die Straße und alle fortschrittlichen Bestrebungen.

Verfeinerte Formen des Antikommunismus

In den neueren Bemühungen zur Anpassung der Didaktik der politischen Bildung an die Erfordernisse des imperialistischen Staates wird auch verstärkt das Bestreben deutlich, den offenen, aggressiven Antikommunismus durch verfeinerte Formen zu ersetzen. Dabei stößt man auf das Paradoxon, daß sich Antikommunisten gegenseitig des Antikommunismus bezichtigen. Hilligen kritisiert z.B., daß in der vergangenen Zeit der Antikommunismus „vielfach als bequemes Mittel zur Verschleierung von Mißständen in der eigenen Gesellschaft“ [16] diente. Hugo Andreae, der in seiner „Didaktik der Gemeinschaftskunde“ [17] den neuen Trend noch nicht so recht erfaßt hat, wird sogar ausdrücklich deshalb kritisiert, daß er sich politisch am Antikommunismus orientiere. Daher wird sein Buch als „unzeitgemäßer Beitrag zur Didaktik der politischen Bildung“ [19] bezeichnet. Es ist aber nur etwas unzeitgemäß geworden, den Sozialismus ausschließlich offen ins Visier zu nehmen; man paßt sich der neuen taktischen Variante imperialistischer Globalstrategie immer besser an!

„ … in der DDR war auch nicht alles schlecht!“

Der neue Trend wird besonders deutlich, wenn es um Aussagen über die DDR geht. So werden sehr beflissen aus neuen Schulbüchern prominenter Vertreter der politischen Bildung beispielsweise zur Sozialkunde vordergründig antikommunistische Parolen gestrichen. In der 6. Auflage des Sozialkunde-Lehrbuches von Gustav Adolf Süss „Der junge Staatsbürger – Grundzüge der Sozialkunde“ wird man z.B. vergebens die noch in der 5. Auflage vorhandene Feststellung suchen, daß die Wahl in der DDR „allenfalls als Mittel zur Blendung des Auslandes, Beruhigung des Volkes und Überprüfung seiner politischen Ergebenheit von Wert“ sein könne. Diese Aussage wurde in der neuen Auflage gestrichen.[2O] Auch Hilligen hat, wie Horst Siebert uns mitzuteilen weiß, der 1968 erschienenen 12. Auflage seines Lehrbuches „Sehen, beurteilen, handeln“ 1969 eine völlige Neubearbeitung folgen lassen. Über 12 Auflagen hinweg wurde die DDR verteufelt, nunmehr ändert der Autor seine Meinung, und die DDR erscheint „nicht mehr als negative Alternative zur BRD, sondern es werden die Vorteile und Leistungen des anderen deutschen Staates angemessen berücksichtigt“ [21]. Und weiter heißt es: „Zur Zeit läßt sich nicht sagen, ob sich das politische System in der DDR in Richtung auf mehr demokratische Freiheiten, Freizügigkeit und Meinungsfreiheit entwickeln wird, oder ob die stalinistischen Kräfte die Oberhand behalten werden.“ [22] Man sieht zwar, daß es noch nicht ganz gelingt, auf das vertraute Vokabularium zu verzichten, aber ansonsten sind die „leisen“ Töne, der Deckmantel einer Scheinobjektivität unverkennbar. Und unverkennbar wird auch gerade in den letzten Worten die Hoffnung deutlich, die sie recht eigentlich hegen und die sie gegenwärtig nur geschickter zu verbergen suchen. Sind sie weniger antikommunistisch geworden? Nein, sie sind es nur auf eine andere Weise!

Eine variantenreiche imperialistische Erziehung

Die hier genannten Tendenzen zusammenfassend (wobei es nicht unsere Absicht war, ein auch nur annähernd vollständiges Bild der gegenwärtigen Bestrebungen in der Didaktik der politischen Bildung zu geben), läßt sich feststellen, daß die Vertreter der Didaktik der politischen Bildung ein variantenreiches Vorgehen bei der imperialistischen Erziehung der jungen Menschen – ohne das Ziel aus dem Auge zu verlieren, vielmehr um es um so zuverlässiger erreichen zu können – immer stärker in den Mittelpunkt rücken. Stellvertretend für viele drückt Hilligen das so aus:

„Sie (die politische Bildung, U.D.) findet sich oft unversehens zwischen den Vertretern des formierten (oder naiven) Ja und des unreflektierten Nein zur gegenwärtigen Gesellschaft; sie hat heute die Offenheit, den Widerstand, die Kritik gegen die raffinierten (oder naiven) Status-quo-Prediger, morgen den Grundkonsensus gegen idealistische Reformer zu verteidigen, sie muß übermorgen … die Erhaltung der Funktionsfähigkeit des die Gegensätze übergreifenden Ganzen gegen die unbedachte – d.h. den Preis nicht einkalkulierende – Revolution in Schutz nehmen und sich tags darauf für das einsetzen, was die Revolutionäre wollen.“ [23]

Alter Wein in neuen Schläuchen…

Trotz Veränderung im taktischen Vorgehen, trotz des Abgehens von alten Positionen, trotz eines aufgesetzten Schein-Objektivismus hat sich am Wesen der Konzeption politischer Didaktik nur insofern etwas geändert, als sie sich eben noch besser in neue Linien der bürgerlichen Ideologie einpaßt und den gegenwärtigen Bedingungen des Imperialismus angemessener ist. Lenin äußerte sich 1909 zu den Philosophen: „Man beurteilt einen Menschen nicht danach, was er über sich spricht und denkt, sondern nach seinen Taten. Man darf auch über die Philosophen nicht nach den Aushängeschildern urteilen, die sie sich selber umhängen, … sondern danach, wie sie die theoretischen Grundfragen tatsächlich lösen…“ [24] Gleiches gilt heute noch. Es gilt auch für die Didaktiker der politischen Bildung in der BRD.

Zitate:
[1] F. Oetinger: Partnerschaft. Die Aufgabe der politischen Erziehung. J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung. Stuttgart 1953. S.89.
[2] R. Schmiederer: Die Rebellion der Jugend und die politische Bildung. In: „Gesellschaft, Staat, Erziehung“, Stuttgart/Frankfurt am Main, H. 1/1970, S.24.
[3] K. Hornung: Die politische Bildung und die Rebellion in der Jugend. In: „Gesellschaft, Staat, Erziehung“, Stuttgart/Frankfurt am Main, H. 1/1970, S. 11.
[4] H. Giesecke: Didaktische Probleme des Lernens im Rahmen von politischen Aktionen. In: H. Giesecke u, 8.: Politische Aktion und politisches Lernen. Juventa Verlag, München 1971, S. 12.
[5] H. Siebert: Die DDR in neuen westdeutschen Schulbüchern. In: „Gesellschaft, Staat, Erziehung“; Stuttgart/Frankfurt am Main, H. 3/1971, S.164.
[6] Vgl. A. Görlich: Zu einer Theorie der politischen Bildung. In: „Gesellschaft, Staat, Erziehung“, Stuttgart/Frankfurt am Main, H. 6/1970, S. 349.
[7] Ebenda.
[8] Ebenda, S. 350.
[9] Buricz, Patrice: Ich kann nicht mehr unterrichten. In: „Neues Forum“, Wien XVI.Jahr, H.184 II. April 1969. S.315f. Zitiert nach R. Schmiederer: A.a.0. S.35. Hervorbebung im Zitat von mir, U.D.
[10] Vgl. H. Giesecke: Didaktik der politischen Bildung. Juventa Verlag, München 1965.
[11] Vgl. eben da, S. 65 und H. Giesecke: Einführung in die Pädagogik. Juventa Verlag, München 1969, S.114.
[12] H. Giesecke: Didaktik der politischen Bildung. A.a.0., S. 63.
[13] Vgl. H. Giesecke u.a.: Politische Aktion und politisches Lernen. A. a. 0., S. 8.
[14] D. Baacke: Reflexion und Aktion als Spannungspunkte politischer Bildung. In: Ebenda, S.85.
[15] H. Giesecke: Didaktische Probleme des Lernens im Rahmen von politischen Aktionen. In: Ebenda, S.39.
[16] w. Hilligen: Zu einer Didaktik des Konflikts. In: „Gesellschaft, Staat, Erziehung“, Stuttgart/Frankfurt am Main; H. 2/1971, S.93.
[17] H. Andreae: Zur Didaktik der Gemeinschaftskunde. Verlag Julius Beltz, Weinheim, (West-)Berlin 1968.
[18] Vgl. W. Gagel: Sozialwissenschaften und politische Bildung. Buchbesprechungen. In: „Gegenwartskunde“, Opladen, H. 4/1970, S.430.
[19] Ebenda, S.429.
[20] Vgl. H. Siebert: A.a.0., S.160.
[21] Ebenda, S.162.
[22] W. Hilligen: Sehen, beurteilen, handeln. Hirschgraben Verlag, Frankfurt am Main 1969, S.95. Zitiert nach ebenda , S.163.
[23] W. Hilligen: Anmerkungen zu einem Forschungsbericht. In: „Gesellschaft, Staat, Erziehung“, Stuttgart/Frankfurt am Main, H. 4/1967, S.238. Zitiert nach K. Hornung: A.a.0., S.23.
[24] W.I. Lenin: Die philosophischen Idealisten. In: Werke. Bd.14, Dietz Verlag, Berlin 1964, S. 215.

Quelle:
Die marxistisch-leninistische Pädagogik – eine streitbare Waffe im Kampf gegen den Antikommunismus, Volk und Wissen, Volkseigener Verlag Berlin, 1972, S.264-269.

(Dr. Ursula Drews war Abteilungsleiter an der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR)

Anmerkung:
In der Zeit vom 16. bis 18. November 1971 fand in Berlin eine gemeinsame Konferenz der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR und der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der UdSSR statt. Das Ziel dieser Konferenz war es, gemeinsame ideologische Positionen herauszuarbeiten, um dem verschärften Antikommunimus seitens der BRD entgegenzutreten, der nach dem verräterischen XX. Parteitag der KPdSU den sozialistischen Länder entgegenschlug. Fast alle dieser Beiträge treffen heute noch genauso zu, zumal sich der Imperialismus in seinem Wesen kaum verändert hat. In dem vorliegenden Beitrag wird deutlich, wie sich der Antikommunismus immer mehr hinter der Fassade einer scheinbaren, kritischen Offenheit und hinter scheindemokratischem Gehabe zu verstecken sucht.

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16 Antworten zu Didaktische Konzeptionen der politischen Bildung in der BRD

  1. monopoli schreibt:

    Hat dies auf monopoli rebloggt.

  2. jauhuchanam schreibt:

    Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    Wer nichts versteht, wird es nicht begreifen. Leider werden die meisten Menschen Dumm geboren; so ist das halt. Aber dumm bräuchte der Mensch nicht bleiben, doch gibt es nur wenige gute Lehrer und diese enden meistens auf dem Scheiterhaufen, weil dies eben eine Notwendigkeit ist, um die Sklavengesellschaften selbsttragend als solche zu erhalten.

    • Harry 56 schreibt:

      Menschen werden – Gott sei Dank! – keinesfalls „dumm“ geboren (von rein pathologisch bedingten Ausnahmen mal abgesehen) sondern werden dumm gemacht, teils von jenen Menschen, welche diese neuen Erdenbürger selbst in die Welt gesetzt haben (Eltern, Familien, Verwandschaften etc….) und ZUVOR bereits ebenfalls GESELLSCHAFTLICH verdummt wurden, und dann, später weiter durch das Bildungswesen (Schulen, Unis…)und die Manipulationsmedien der ausbeutenden herrschenden Klassen und deren Staat.
      SO EINFACH LIEGEN DIE DINGE, UND NICHT ANDERS!

  3. sascha313 schreibt:

    Nunja, die theoretischen Fragen …wenn es um die Philosophen geht, dann sind es allerdings die theoretischen Fragen, welche da zu lösen sind. Und nehmen wir Marx, Engels, Lenin oder Stalin – die allesamt keine ausschließlichen Philosophen waren -, so ist es doch die Praxis, welche uns immer wieder bestätigt, daß ihre Theorien richtig waren und immer noch sind. Oder nehmen wir die Pädagogen (um die es hier geht), so ist es doch die Frage, wozu und wem die Erziehung in der BRD letztlich dient.

    Indem sie die Falschheit und den versteckten Antikommunismus der bürgerlichen Pädagogik entlarvt, trägt die Autorin U.Drews doch bei zur Klärung der Angelegenheit: Nämlich, daß die didaktischen Konzepte der BRD-Pädagogen eben nicht zu kritischem und letztlich revolutionärem Denken führen, sondern zur Anpassung, und zu dem, was man gern der DDR vorzuwerfen pflegte, zur „Beruhigung des Volkes“ und zu „politischer Ergebenheit“ – und das ist ja bisher größtenteils auch gelungen…
    Darin liegt der versteckte oder auch offene Antikommunismus!

    • jauhuchanam schreibt:

      Vielen Dank für deine Antwort sascha313!

      Vielleicht sollte ich zunächst vorausschicken, dass ich vom Kommunismus nichts weiß. Sicher, ich habe von Marx, Engels, Nexø, Lenin, Pieck, Stalin, Thälmann, Ho Chi Minh, Ulbricht, Mao, Pol Pot und Castro gehört und vernommen, dass die Menschen gewesen sein sollen, die als Kommunisten oder Revolutionäre bezeichnet werden. Ich habe zwar keine Schriften oder Bücher von ihnen gelesen, aber einiges, was diese Leute so als „Politiker“ „gemacht“ haben. Ohne wirklich zu wissen, was denn Mao wirklich wollte, habe ich ihn innerlich seit meinem 15. Lebensjahr irgendwie „bewundert“. Ich habe eine kindliche Affinität zu China seit dem ich 12 bin und hatte mich in der Schule deshalb zu einem Referat, das ich mit einem Freund drei Wochen lang erarbeitete, entschieden.
      Nun hier in der BRD habe ich in meiner Schulzeit nicht mitbekommen, dass da mal irgendetwas über Philosophie im Unterreicht dran kam und wenn, nur, dass es „so etwas wohl auch noch gibt.“

      Der letzten Kommunistin bin ich 1983 begegnet. Ich kann mich an sie erinnern, weil sie mir Ditte Menschenkind von Martin Andersen Nexø zum Lesen gab, während ich meinen Kriegsdienst (als sogenannter Zivi) im Krankenhaus-Nachtdienst leistete. Von einem im Krankenhaus hieß es „Der sei ein Kommunist“. Vermutlich war er einer, aber so wurde auch einer auf dem kleinen Dorf in Hessen, wo ich aufwuchs, genannt. Ja, und dann hatte ich mal eine Frau zu einem Treffen überlebender Gefangener eines Konzentrationslagers bei Bergen Belsen begleitet. Da sollen auch Kommunisten gewesen sein, die sich einer Gruppierung, die sich ANTIFA nannte, organisiert hatten.

      Gut, jedenfalls haben die mir auch nie erzählt, was denn der Kommunismus überhaupt sei. „Man“ redete zwar über den und warnte auch, wie gefährlich das sei, aber ich hielt das irgendwie für eine Art Gerücht über Menschen oder Anschauungen, die ich nicht kenne und habe das unter „Propaganda“ gegen andere Menschen mit anderen Auffassungen „abgelegt“ und mich weiter nicht darum gekümmert. Irgendwann in den letzten 12 Monaten, dachte ich mir, dass es wohl mal Zeit wird, „mich mit deren Ideologie zu beschäftigen“, von der ich annahm, dass es sich wohl um eine Philosophie handeln muss, weil es wohl keine Religion sein kann, obwohl ich rein äußerlich viele Parallelen beobachtet habe, was mich jedoch gefühlsmäßig abstieß.

      Von daher sagen mir die Begriffe, wie Klassengesellschaft, Klassenkampf, revolutionäre Theorien oder Kommunismus eigentlich so gut wie gar nichts. Ich würde sagen, da handelt es sich in meinem Denken darüber, um bloße Vermutungen und das meiste dabei werden sicher reine Fehlannahmen sein, weshalb ich da dann auch gar nicht weiter drüber nachdenken wollte. Tja, hinzukommt außerdem, dass ich, soweit ich mich erinnern kann, weiß das ‚Gott‘ ist und versucht wurde, mich sehr stark in meinem Denken „religiös“ zu manipulieren (was sicher auch zu einem nicht unerheblichen Teil gelungen war), was aber nur bedingt gelang, da ich wohl schon seit dem 13. Lebensjahr die Bibel lese, was aber zu logischen Widersprüchen in meinem Denken führte, die mich zu der Frage veranlasste, „wie so etwas denn überhaupt sein kann.“

      Und, wenn es stimmt, dass die Lehre von Marx, „keinen ‚Gott‘ oder keine ‚Metaphysik‘ nicht mal als Annahme oder theoretische Möglichkeit zulässt (soweit jedenfalls, dass was von der Propaganda hängengeblieben ist), ist es natürlich überhaupt schon schwierig mit Menschen, die eine grundsätzlich andere Auffassung von der Realität haben, überhaupt ins Gespräch zu kommen, weil – das ist meine Erfahrung – sich der eine dann schnell in der Position des dummen ahnungslosen Deppen wiederfindet, während der andere recht schnell die arrogante Art eines Klugscheißers bezieht, was leider jede fruchtbare Diskussion oder Argumentationsanalyse von vornherein verhindert – ich bin ja zudem meistens in meinem Leben ausgesprochenen Propagandisten des Schuld-Kultes begegnet, wobei ich mich immer fragte, „ob die eigentlich wirklich nicht merken, was sie denken und sagen und dass das meiste jeder Logik entbehrt, weil es sich – meiner Auffassung nach – doch nur um Hirngespinste, also Denk-Halluzinationen, handeln kann.

      Ich will das an einem Zitat, dass ich hier auf dem Blog gelesen habe, verdeutlichen.
      „Wie der Wilde mit der Natur ringen muss, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muss es der Zivilisierte, und er muss es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produktionsweisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse sich erweitern; aber zugleich erweitern sich die Produktivkräfte, die diese befriedigen. Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehen, daß der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden;“
      Mir fallen dabei sofort die Worte „Wilder“ und „Zivilisierter“ auf. Damit assoziere ich „Freie“ und „Sklaven“, also den in der Natur überlebenden Menschen und den in der aufgezwungenen Gefangenschaft zum Überleben gezwungen Menschen.
      Welche „Entwicklung“ da stattfinden soll, welches „Reich“ (meint er die verschiedenen Gesellschaftsformen der Sklaverei, die sich herausbilden oder entwickeln müssen mit ihren unterschiedlichen Produktionsweisen oder das „Naturreich“?)
      Was soll „Naturnotwendigkeit“ sein? Es ist doch alles „physikalisch-materielle“ vorhanden, was für die Natur notwendig ist, was soll sich da „erweitern“? – Alles ist doch da; es wird nichts dazu kommen, da wird nichts von weggehen. Kein Mehr, kein Weniger. Wie kann sich da was „zugleich erweitern“? – Und in meinem Denken, beginnt sofort ein „Gedanken-Wurm“: so ein Quatsch mit Soße, Käse-Kram, albern, absurd …
      Und wenn ich „vergesellschaftete“ Mensch lese, fallen mir nur die Leute ein, die doch schon von der Religion versklavt wurden, das ist doch auch nichts anderes als Viehhaltung, Menschen-Dressur – das ganze jetzt „wissenschaftlich“ „philosophisch“ gerechtfertigt, weil es „keinen Gott mehr gibt“, der einem die Viehhaltung, sprich die Herrschaft des Menschen über den Menschen gestattet???

      Und bei mir schleicht sich da sofort der Verdacht ein, dass es sich bei dieser „wissentschaftlichen“ Philosophie dann doch um gar nichts anderes handeln kann, als die Leugnung dessen, dass ich ein Lebewesen aus dem Tierreich bin von dem doch spätestens seit den Veröffentlichungen des Carl von Linné bekannt sein muss, dass der Mensch ein biologisches Lebewesen aus der Familie der Menschenaffen sein muss.

      Welche Religion, welche Philosophie, welche Wissenschaft soll das den überwinden und unter Kontrolle bringen, außer eben eine perfekte Menschenhaltung, also dem Grunde nach Schweinehaltung. „Vergesellschaftete“ Sklaverei, würde ich das nennen, wenn ich denn jetzt überhaupt die theoretischen Ansätze von Marx verstanden habe. Ist das mit der Freiheit des Kommunismus gemeint, oder liegt es schlicht an der Sprache, wie sie vor 200 Jahren gesprochen wurde?
      Die sogenannten „modern denkenden“ Menschen, wissen doch heute schon nicht mehr den Unterschied zwischen „das Gleiche“ und „DASSELBE“, wie sollen die da überhaupt ein solches Zitat analysieren? Denen kann der Kommunismus doch geradezu nur um etwas total verstaubtes vorkommen. Selbst ich werde doch schon von meinen eigenen Kindern, die studieren all drei, darauf aufmerksam gemacht, dass das doch keine Rolle spiele, „da doch jeder wüsste, was gemeint ist.“

      • sascha313 schreibt:

        Vielen Dank, jauhuchanam, für Deine aufschlußreiche Antwort. Ja, es ist tatsächlich viel, was man lernen muß – und die Welt ist ohnehin schon kompliziert genug! Nun habe ich den Vorteil, daß wir in der DDR in der Schule schon mit der marxistisch-leninistischen Weltanschauung vertraut gemacht wurden. Ohne daß uns das aufdringlich erschien – im Gegenteil: es war so selbstverständlich wie die Tatsache, daß man essen und trinken muß, um bei Kraften zu bleiben! Auch haben die Eltern mich nie zu etwas gedrängt. Niemand hat mich je gezwungen. Pflichten gibt es freilich überall!

        Ich habe mir vor einiger Zeit mal bei jemandem in Saarbücken angesehen, was da so im Bücherschrank steht: NICHTS, was ich irgendwie lesen oder gar aufheben würde. Und es war ein ganz normaler Haushalt mit ganz normalen Leuten. Es ist schon klar, daß nicht jeder in seiner Freizeit liest, aber die DDR war zum Beispiel ein richtiges Leseland. Auch die Sowjetunion. Ich habe die Leute dort lesen sehen, auf dem Weg zur Arbeit, in der Metro, im Bus und im Park – und zugleich fand man überall fröhliche und ausgelassene Menschen. Fragt man heute in Rußland eine beliebige Schülerin, was z.B. Marxismus ist, so bekommt man sehr dumme Antworten. Ein dummes Volk läßt sich eben leichter regieren… Das soll aber keine Überheblichkeit sein; es war eben ein Privileg, in einem Bildungsland aufwachsen zu dürfen. Dafür bin ich heute noch dem Arbeiter- und Bauern-Staat DDR unendlich dankbar!

        Tja, und wo soll man da beginnen? Sicher nicht gleich mit dem Schwierigsten. Schon manche Begriffe sind nicht sofort verständlich, wie eben „der vergesellschaftete Mensch“, „Entfremdung“ oder „Klassenkampf“ … was ist eigentlich eine Klasse? Und da ist es natürlich gut, wenn einem das mal erklärt wird – ohne jede Besserwisserei. Ich habe in meinem jugenlichen Leben mit sehr vielen, auch mit älteren Genossen (also mit Kommunisten!) zu tun gehabt. Und ich war und bin heute immer noch stolz darauf, von ihnen lernen zu dürfen! Das waren oft ganz bescheidene Menschen, Arbeiter, Lehrer… Vorbilder eben. Gerade auch im Leben!

        Ein einfaches kleines Buch ist z.B. von ErichHahn/Alfred Kosing: Marxistisch-leninistische Philosophie, geschrieben für die Jugend.
        http://www.booklooker.de/app/result.php?sortOrder=preis_total&setMediaType=0&autor=hahn+Kosing&titel=Marxistisch-leninistische&oldBooks=1&
        Wenn man mal davon absieht, daß es vielleicht 30 Jahre alt ist und vieles nicht mehr stimmt. Aber die wesemtlichen Grundzüge stimmen immer noch. Und dann wird einem beim Lesen vieles klarer…

    • Harry 56 schreibt:

      Jegliche bürgerliche Bildung, bürgerliche Pädagogik hat nur dann Sinn, kann nur dann ihre Aufgaben innerhalb einer kapitalistischen Gesellschaft, einer Gesellschaft mit hochentwickelter Warenproduktion erfüllen, wenn sie die Heranwachsenden vor allem zu einem Selbstverständnis, einem „Selbstbild“ von WARENBESITZERN, dieser Art von bürgerlicher „Freiheit“, erzieht.
      Diese Erziehung schließt daher auch ganz logisch mit ein, dass derartig erzogene heranwachsende Menschen, welche über keine andere Ware als über sich selbst, ihre Arbeitskraft verfügen, sich ganz selbstverständlich als permanente Veräußerer IHRER SELBST den Regeln und Gesetzen einer derartigen Gesellschaft zu UNTERWERFEN haben, sich also ganz und gar „freiwillig“ in die Abhängigkeit, in die Sklaverei aller anderen „wirklichen“ Warenbesitzer und „Arbeitgeber“, oder vornehmer ausgedrückt, des „Marktes“, innerhalb dieser kapitalistischen Gesellschaft zu begeben haben.
      Natürlich bleibt ihnen auch die Möglichkeit, die Freiheit, sich als Kleinunternehmer und Selbstvermarkter den Regeln und Gesetzen dieser „Marktwirtschaft“ zu unterwerfen oder gar selbst zu einem Ausbeuter oder wenigstens gutbestallten Lakaien dieser Klasse „aufzusteigen“, ob als Politiker (rosa-rötlich, schwarz, gelb, grün, braun etc…)Medienbüttel, Lehrer, Professor, Priester, hoher Beamter, Papst, Edel-Prostituierte(r) etc….., etc…..
      Es ist sinnlos und verwirrend, Kategorien wie Freiheit oder Sklaverei als persönliche aufzufassen, sie sind nur als gesellschaftliche zu erkennen und zu verstehen.
      Wissenschaftlicher Sozialismus bedeutet ganz einfach, menschliche Gesellschaften, welcher Art und Zeiträume auch immer, wissenschaftlich zu durchleuchten, zu erkennen – und schließlich natürlich umzugestalten, also wissenschaftlich auch praktisch, „zur Tat“ zu werden.
      Inwiefern hier ein LENIN als wissenschaftlicher Sozialist – wie obiger Kommentator „jauhuchanam“ meint – einem „römischen Schuldkomplex“ gehuldigt haben soll, erschließt sich mir als einen einigermaßen belesenen Lenin-Kenner und Versteher leider ganz und gar nicht!

      Sei`s drum! 🙂

  4. rheinlaender schreibt:

    Finde den Kommentar von Herrn jauchuchanam sehr hilfreich. Er zeigt auf, dass man Standard Begriffen wie … Klassengesellschaft, Klassenkampf, .. auch Materialismus, Monopolkapitalisten ….stets mit Inhalten füllen muss, bevor man mit denen rumschmeisst, wie es selbst angebliche SPDLinke (StamoKapTheorie) tun. Sonst macht man sich im politischen Gepräch nur lächerlich. Sind die Führer (mit rund 5MIO Jahresgehalt) von DAX Unternehmen die nebulösen Monopole bzw. die wahren Herrscher oder sind es die milliardenschweren Eigentümer von sogenannten Einzelunternehmen wie ALDI, LIDL ? Sind es Spekulanten wir Soros ? Sind es die Gemeinschaft der Bilderberger ?
    Was mir zu Materialismus kontra Idealismus einfällt, ist folgendes.
    Wenn ich materiell GESELLSCHAFTLICH arm bin also unter 800 Euro monatlich, kann ich mir noch soviel Bewusstsein und Selbstvertrauen einreden, ich werde mit diesem falschen Bewusstsein in der Praxis zerbrechen. Mit meinen KIK/TAKKO/TEDI/ALDI Billigklamotten, dem gruseligen AOK Zahnersatz und dem Zimmer in der Assozialenunterkunft werde ich auch durch – selbst in teuren Esoterikkursen erlerntes Auftreten, Einstellungsänderung – für die Mitmenschen ein armes Arschloch bleiben, den niemand ernst nimmt . Egal, was ich sage, ich muss mich immer nur rechtfertigen, bis ich dann gar nichts mehr sage und die kleinste Einheit Selbstvertrauen sich in Luft auflöst.
    Bin ich aber materiell GESELLSCHAFTLICH (SEIN) gut aufgestellt : Monatsgehalt über 15.000 Euro monatlich , Porsche als Dienstfahrzeug, Designer Marken Klamotten in limtierter Auflage, Penthouse Eigentumswohnung im angesagten Szeneviertel, Freunde aus dem Künstler-/ Freiberuflermillieu, teure Implantatzähne von besten Privatzärzten usw. spielt es ÜBERHAUPT KEINE Rolle, ob ich ein depressiv, ängstlich, labiler Mensch bin. Die schönsten Frauen umschwärmen mich, wegen meiner liebenswürdigen Schwächen. Hinter meiner dumpfen Allgemeinbildung vermuten die meisten Mitmenschen, eine brilliante Intelligenz gepaart mit anlaytischem Humor und Expertenwissen.
    Kein Wunder, dass ich dann zwangsläufig wirklich zu einem STARKEN Bewusstsein komme.
    Vielleicht sollte man mal so materialistische von idealistischer Philosophie unterscheiden.

  5. sascha313 schreibt:

    … hmm, rheinlaender, das ist natürlich richtig, eben weil das Sein das Bewußtsein bestimmt. Und warum sollte so ein Bourgeois auch anders denken? Aber man glaubt manchmal gar nicht, wieviel Unsinn in den Köpfen auch weniger betuchter Leute herumspukt. Sie plappern all die Lügen nach, die ihnen jahrzehntelang eingetrichtert wurden, von Goebbels angefangen. Und sie glauben freilich fest daran. Gegen soviel Blödheit kommst du nicht an. – Ein ehrliches Interesse oder Lernbereitschaft findest Du da kaum…

    • Harry 56 schreibt:

      Meine Herren, ginge es hier nur um einfache Lügen oder seltsame(?) Konditionierungen des Gehirnes, bestimmter „Areale“…, wäre die Aufgabe der Aufklärung der Menschen in vielen Fällen relativ einfach.
      Das Problem ist, dass Lügen Kraft gesellschaftlicher materieller Machtverhältnisse zu MYTHEN aufgebaut werden konnten, als solche allmählich „Gemeingut“, zur „Normativen Kraft des Faktischen“ wurden, als urprüngliche Lügen nicht mehr wahrgenommen werden können – oder einfach nicht wollen!
      Derartigen Mythen begegnen wir zu allen Zeiten in allen – wenigstens schriftlich überlieferten – Gesellschaften.
      Diesen Mythen erfüllen ganz selbstverständlich gesellschaftliche/politische wie auch persönliche Stabilisierungsfunktionen.
      Ob der einzelne Mensch Nutznießer oder Ausgebeuteter, Unterdrückter, dennoch brav Mitmachender, oder eben auch die Vertreter des „Allgemeinwohls“, sie ALLE greifen bei jeglichen Bedarf gern auf bestimmte Mythen zurück, ganz einfach, um ihre gegenwärtige, aktuelle Rolle, gesellschaftliche Charaktermaske, unter den gegebenen gesellschaftlichen Machtverhältnissen zu erklären, zu rechtfertigen.
      Auch hier bestimmt ganz klar das Sein das Bewusstesein.(Man muss sich die Leute nur sehr GENAU anschauen, weniger auf ihre Worte denn ihre reale gesellschaftliche Stellung achten)
      Dagegen: Wirkliche Revolutinäre haben immer auch „anerkannte Gewißheiten“, also Mythen, in Frage gestellt.

  6. sascha313 schreibt:

    Danke, Harry. So ist es. In der Schule mußten wir auch erst das kleine Einmaleins lernen, ehe wir mit dem Lehrer dann über Kurvendiskussion sprechen konnten. Um das eigne Lernen kommt eben niemand herum. ))))

  7. jauhuchanam schreibt:

    „geehrter“ / „Herren“

    Ach, weißt du Genosse Harry 56, nenne mich schlicht Bruder Georg und falls dir das zu menschlich klingt, darfst du natürlich auch Bruder Löding zu mir sagen, das hört sich dann formaler an. 🙂

    Herr Hitler und Herr Mao waren bekanntlich keine Leute, die der Sekte der Juristen angehörten und Herr Stalin war nur Jesuit. Bruder Castro hatte hingegen gleich eine Doppelmitgliedschaft.
    Ich finde es so süß, dass gerade ich immer wieder die Gleichen unter Gleichen antreffe.
    Gandhi, Franklin Delano Roosevelt, Nelson Mandela, Dr. jur. Wolfgang Schäuble,
    Dr. jur. Wilhelm Clinton, Dr. jur. Hussein Obama …
    … ja, ja und alle waren auf christlich-kirchlichen Schulen und Universitäten – selbst Herr Mao wurde als Baptist getauft und sogar der Großvater vom jetzigen KP-Vorsitzenden in Korea Kim Il-sung gehörte der gleichen protestantischen Kirche, wie die juten George Bushs an …
    … Handelsbeziehungen und Familienbande … Blut ist dicker als Wasser 😉
    Wie in dieser Religion. Primus inter pares [Griechsisch: Πρῶτος μεταξὺ ἴσων (protos metaxy ison)]

    Mein Tipp, meine Empfehlung daher, sozusagen als Einstieg, weil ich dich nicht überfordern mag, nicht gleich ein ganzer Band, sondern nur vier sehr kurze Kapitel, nämlich Genesis 1-3 – das sind nur 80 Sätze – und Johannes 1 – dies sind sogar nur 51 Sätze. Schnell-Leser schaffen das in weniger als zwei Minuten.

    Danach erzählst du mir, was über Religion und ich werde sofort Welt-Revolutionär, ok?

    Ich plapper meist, wie mir der Schnabel gewachsen ist, Genosse Harry 56, du bist nicht der erste Besserwisser. Daran scheitert auch immer wieder die Weltrevolution. Viel theoretisches Wissen, wie in all den religiösen und philosophischen Sekten, die ich so besucht und beobachtet habe, nennen sich mal katholisch, mal protestantisch, evangelisch, sozialdemokratisch, national, kommunistisch, marxistisch, trotzkistisch, anarchistisch – ein Schwarm – am Schluss, das heißt schon nach kurzer Zeit, hat sie das System der Lüge doch wieder alle, durch all die netten Geschenke, die es verteilt, ins Boot geholt. Und wahrlich für jeden gibt es etwas passendes.

    Gehabt euch Wohl, edler Herr Henry LVI. 😉

    • sascha313 schreibt:

      O je, o je! Ich möchte darauf aufmerksam machen, daß wir uns hier nicht in einem Jesuiten-Seminar befinden. Was ist denn eine Wissenschaft? Bei der Physik oder Chemie ist das alles ja noch recht einfach: da gibt es als Voraussetzung für erfolgreiches HANDELN eben bestimmte Naturgesetze.
      Da der Marxismus-Leninismus aber auch eine Wissenschaft ist, da es in der menschlichen Gesellschaft, genau wie in der Natur, ebenfalls bestimmte Gesetzmäßigkeiten gibt, sollte man, um überhaupt mitreden zu können, darüber schon mal etwas mehr gelesen haben, als nur die Überschrift. Das war bei uns übrigens ein Thema im Staatsbürgerkunde-Unterricht der DDR, Klasse 9. Ohne wissenschaftliche Grundkenntnisse ist alles Gerede darüber nur Zeitverschwendung – was allenfalls auf eine blühende Phantasie schließen läßt, nicht aber auf wissenschaftliches Denken.

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