Vorsicht vor den Sjuganowleuten!

In kämpferischer Pose: Sjuganow – der oberste „Kommunist“ Rußlands (Foto: kprf). In einem interessanten Artikel analysiert die russische Publizistin Ljubow Pribytkowa die Rolle der russischen KPRF. Sie schreibt: „Im heutigen Rußland beansprucht die KPRF, geleitet von Gennadi Sjuganow, die Rolle einer kommunistischen Partei. Ja, sie ist die mitgliederstärkste Partei. Aber sie ist im strengen wissenschaftlichen Sinn dieses Begriffes keine kommunistische Partei, obwohl sie bis jetzt bei diesem Namen blieb. Bestenfalls kann diese Partei dem rechtsopportunistischen Flügel der kommunistischen Bewegung zugeordnet werden.“ Wem nützt diese Partei und wem schadet sie?

Ljubow Pribytkowa

Vorsicht vor den Sjuganow-Leuten der KPRF

Die internationale kommunistische und Arbeiterbewegung erlebt gerade nicht die besten Zeiten. Beim Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert wurde das sozialistische Weltsystem gestürzt. Die Sowjetunion zerfiel. Und die größte kommunistische Partei unseres Planeten, die KPdSU kam mit der Krankheit des rechten Opportunismus nicht zurecht und wurde selbst der Hauptfaktor der Konterrevolution in der UdSSR und den anderen Ländern der sozialistischen Gemeinschaft. Das führte zur Krise in der internationalen kommunistischen Bewegung, zur Abweichung der Führungen vieler kommunistischer Parteien nach rechts, zur Aufgabe ihrer marxistischen Positionen. Der rechte Opportunismus, die Orientierung auf das Versöhnlertum und die Zusammenarbeit mit der bürgerlichen Macht begannen in der kommunistischen Bewegung zu dominieren.

Die Situation der Arbeiter nach der Konterrevolution

Die Konterrevolution in der UdSSR und den Ländern Osteuropas und die in den vergangenen Jahren beginnende Wirtschaftskrise des Imperialismus führte zur Schließung vieler Betriebe, zur Verschlechterung der Lage der Arbeiter, zum Verlust vieler ihrer sozialer Errungenschaften, zum Anwachsen der Arbeitslosigkeit. Die Monopole kommen aus der Krise immer nur heraus auf Kosten der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Werktätigen und der Liquidierung sozialer Garantien. In seinem Artikel für „Internationale kommunistische Übersicht“ betonte das Mitglied des Nationalrates der Partei der Arbeit Belgiens (PTA) Herwig Lerouge: „Nach dem Verschwinden der UdSSR kennt die Arbeiterbewegung in Europa nichts außer Abweichungen. Unsere Kinder werden nach 90 Jahren die erste Generation sei, die schlechter leben wird als ihre Eltern. Den 8-Stunden-Tag, die 5-Tage-Arbeitswoche, die sichere Arbeit – alles das blieb in den Erinnerungen … In einigen Ländern, die einst sehr reich waren, wie Deutschland, bis muß man heute 67 arbeiten, um die volle Altersrente zu bekommen.“ Die Verschärfung der sozialen Widersprüche konnte keine Zunahme des Klassenkampfes bewirken. Und im Zusammenhang damit, daß die internationale Arbeiterbewegung tatsächlich ohne kommunistische Führung blieb, tragen die Protestaktionen des Volkes im Nahen Osten, in Afrika, in Lateinamerika, in der Regel spontanen Charakter. Sie sind schlecht organisiert, werden nicht von marxistisch-leninistischen Parteien geleitet und sind deshalb in der Regel zur Niederlage verurteilt…

Der Opportunist Sjuganow und die KPRF

Im heutigen Rußland beansprucht die KPRF, geleitet von Gennadi Sjuganow, die Rolle einer kommunistischen Partei. Ja, sie ist die mitgliederstärkste Partei. Aber sie ist im strengen wissenschaftlichen Sinn dieses Begriffes keine kommunistische Partei, obwohl sie bis jetzt bei diesem Namen blieb. Bestenfalls kann diese Partei dem rechtsopportunistischen Flügel der kommunistischen Bewegung zugeordnet werden. Doch selbst eine solche Position muß man dieser Partei im Grunde absprechen, da bei der KPRF viele Argumente gänzlich dafür sprechen, daß sie einer linken sozialdemokratische Partei nach dem westeuropäischen Muster gleicht. Und die gegenwärtige Sozialdemokratie ist eine bürgerliche ideologische und politische Plattform. Wir wollen versuchen, das unvoreingenommen zu betrachten. Über den ständigen Führer der KPRF, Gennadi Sjuganow, wurde schon viel geschrieben. Es ist überflüssig in „Glasnost“ und „Der gewöhnliche Bourgeois“ von G. Gorjatschenkow oder im Buch „Anti-Sjuging“ von Ljubow Garifullina nachzulesen. Doch buchstäblich mit dem Bleistift muß man die seriöse analytische Arbeit W.A. Saprykins „Der rechte Opportunismus hinter der Maske der Marxismus-Fälschung“ , den Artikel von S. Bobrow auf der Website der RKRP über „Die Transformation der Ideologie der KPRF“ studieren. Auch die Arbeiten der bekannten Publizisten Wladimir Buschin und Konstantin Kowaljow sind nützlich. Der Artikel von Alexander Golowenko „Wer erntet die Lorbeeren des Popen Gapon? Gennadi Sjuganow – der Lakai der Bourgeoisie“ hat ebenfalls nichts an Aktualität eingebüßt.

… bei Lenin nachlesen !

Man muß eben auch immer wieder die Arbeiten Wladimir Iljitsch Lenins durchlesen, sich in seine Einschätzung des Opportunismus als Verrat an der Arbeiterklasse und in seinen Kampf hineindenken. „…Die Opportunisten (Sozial-Chauvinisten) arbeiten mit der imperialistischen Bourgeoisie zusammen, … die Opportunisten verkörpern objektiv einen Teil des Kleinbürgertums und einiger Schichten der Arbeiterklasse, bestochen mit Mitteln der imperialistischen Superprofite und umgewandelt in Wachhunde des Kapitalismus, in Verderber der Arbeiterbewegung.“ Und um die Hauptsache nicht zu vergessen: „Ohne den entschlossenen, schonungslosen Kampf gegen diese Parteien auf der ganzen Linie – oder, gleichviel, diese Gruppen, Strömungen und dgl. m. – kann weder die Rede sein vom Kampf gegen den Imperialismus, noch von Marxismus, noch von der sozialistischen Arbeiterbewegung.“

Ist Sjuganow noch ein Kommunist?

In seinem Artikel „Die Zeit erweicht die Steine“ in der Zeitung „Molnija“ nannte Konstantin Kowaljow, der nette Publizist aus New York, Gennadi Sjuganow einen „hundertprozentigen Antikommunisten“. Das ist ein ernstzunehmender Vorwurf, eine ganz und gar unfreundliche Einschätzung eines Politikers, der sich selbst einen „Verteidiger des Volkes“ nennt. Aber es ist schwierig, mit ihm hier nicht übereinzustimmen! Heute stehen weder Sjuganow, noch die gesamte Führung der KPRF mehr auf marxistischen, kommunistischen Positionen. Aber „Nicht-Kommunist“ und „Antikommunist“ ist nicht ein und dasselbe. Jeder nur wenig gebildete Spießbürger, der sich in der Politik nicht zurechtfindet, der nicht bekannt ist mit dem wissenschaftlichen Kommunismus, ist natürlich kein Kommunist. Aber wer vom Standpunkt des bürgerlichen Nationalismus aus den Marxismus bekämpft, seine Lebensuntauglichkeit „beweist“, wer nicht auf die Barrikaden verweist, sondern zur Buße auf die Kirche – der ist ein Antikommunist.

„Leute, laßt uns friedlich miteinander leben!“

Wenn man ein wenig in die Zukunft schaut, so wird die Arbeiterklasse unvermeidlich früher oder später, die „Steine des bürgerlichen Staates erweichen“, sie muß sich vorbereiten auf den unversöhnlichen Klassenkampf gegen ihrem Feind, einschließlich des ideologischen. Wenn es ohne Theorie keine Praxis gibt, wenn es nur zwei unversöhnliche Ideologien gibt: die proletarische und die bürgerliche – dann ist das so, auch wenn man die Dinge heute nie bei ihrem Namen nennt. Im ideologischen Kampf ist es geradezu verbrecherisch, dem Ratschlag des Katers Leopold zu folgen: „Leute, laßt uns friedlich miteinander leben!“ Lenin sagte nicht umsonst: Opportunisten muß man bekämpfen, sie sind Feinde! Dieser Kampf wird der Arbeiterklasse helfen, ihre Lage in der kapitalistischen Welt zu verstehen, sich ihrer historischen Mission als revolutionärer Hauptkraft der Gegenwart bewußt zu werden. Er wird ihr helfen, von dem parlamentarischen Kretinismus geheilt zu werden – dieser Illusion, daß „ehrliche“ bürgerliche Wahlen alle ihre lebenswichtigen Probleme lösen werden. Und er wird ihr helfen zu verstehen, daß „materielle Gewalt nur mit materieller Gewalt überwunden werden kann“.

Sjuganows Marx-Korrekturen

Im Jahre 1996 gab Gennadi Sjuganow unter dem Einfluß des zügellosen „demokratischen“ Antisowjetismus, der bald ein ganzes Jahrzehnt im Lande tobte, in seinem Buch „Rußland – meine Heimat, Ideologie eines staatlichen Patriotismus“ der Überzeugung Ausdruck, daß „unter der neuen historischen Situation im großen und ganzen die Idee des proletarischen Sozialismus, die von Marx und Engels und ihren Anhängern (wen hatte er im Sinn, Lenin? – L.P.) entwickelt wurde, für viele unsere Zeitgenossen ihre Attraktivität in bedeutendem Maße verloren“ habe. Er behauptete dort, daß „in der marxistischen Doktrin vieles (!), darunter sogar die Lehre von der kostenlosen Aneignung des Mehrwertes durch die Kapitalisten, die absolute und relative Verarmung der Arbeiterklasse, die Theorie der proletarischen Revolution mit ihren Schlußfolgerungen – der Diktatur des Proletariats – der Präzisierung und der Korrektur“ bedürfe. Und noch 1993, einen Monat nach der Entmachtung des Parlaments durch Jelzin, verkündet er auf den „Seiten der politischen Autobiographie“, zu Tode erschrocken durch das „Drama der Gewalt“, den Lesern sein intimstes Geheimnis: „Unser Land hat genug von den Revolutionen und allen übrigen Erschütterungen. Zum Kampf sind wir jetzt nicht mehr tauglich. Gott sei Dank.“

Die aalglatte Biographie eines Karrieristen

Um zu verstehen, warum der „Oberste Kommunist“ des Landes sich so seiner „Untauglichkeit“ zum Kampf erfreut, muß man seine Biographie kennen lernen. Die Menschen sollen wissen, wem sie gedankenlos, die Hosen und die Röcke gerafft, ohne auf den Weg zu achten hinterherlaufen, für wen sie bei den „demokratischen“ Wahlen zur Abstimmung gehen… Die Schule schloß Gennadi mit der Silbermedaille ab. An der Hochschule erhielt er später ein Rotes Diplom. Charakterlich war er ehrlich und selbstbewußt, und er blieb es auch. Er hatte einen scharfen Konjunkturinstinkt. Zwar holte er keine Sterne vom Himmel, doch erklomm er erfolgreich die Karriereleiter. Sjuganow war kein schlechter Parteiapparatschik der Breshnew-Gorbatschowschen Schule. Viele Jahre war er Mitglied der KPdSU, aber niemals war er Kommunist. Er verstand es, sich nützlich zu machen, sich gefällig zu erweisen, er wußte, wo, wann und wie zu handeln ist… So trat er überall in Erscheinung – wie der ihn gut kennende Professor W.A. Saprykin schreibt – in der Russisch-Amerikanischen Universität, bei den „Geistigen Erben Podbereskins“, im Koordinierungsausschuß der nationalpatriotischen Kräfte Rußlands, in der Front zur Nationalen Rettung. Und so erfreute Sjuganow, wenn es unter den Bedingungen des situativen Durcheinanders eines Kommunisten bedurfte, diejenigen, welche beim KPRF-Parteitag für seine Wahl zunächst als ZK-Mitglied stimmten – bis es ihm 1993 endlich gelang, auf dem Plenum zum Vorsitzenden der KPRF gewählt zu werden.

Wie der Pope – so das Gefolge!

Was das für „Kommunisten“ waren, kann man an der Tatsache ermessen, daß auf dem Kongreß der Volkdeputierten am 12. Juni 1990 einige Hundert Delegierte für die „Deklaration über die Souveränität Rußlands“ abstimmten, die dem Zusammenhalt der UdSSR den Todesstoß versetzte. Ebensolche „Kommunisten“ stimmten auch für die Bildung der Kommunistischen Partei der RSFSR, nachdem sie den monolithischen Block der KPdSU zerstört hatten. So ist es nicht verwunderlich, wenn sie Sjuganow nicht eine gehörige Absage erteilten, der sich an jenem tragischen Tag, am 3. Oktober 1993 dem Telestudio verweigerte, Bevölkerung Rußlands aber dazu aufrief, die „Ruhe zu bewahren und nicht an Kundgebungen und Streiks teilzunehmen“. Mit einem Wort – wie der Pope, so das Gefolge… Die Analyse der Bücher, Artikel und Auftritte des schön redenden Sjuganow befreit die denkenden Leser von Illusionen. Sjuganow und seine Kumpane Jurij Below, Wladimir Nikitin, Iwan Melnikow, und andere haben nicht wie Sergej Obuchow „den Marxismus verloren“, wie ein sehr guter Autor geschrieben hat, sie haben ihn zunächst aus taktischen Erwägungen einer starken Revision untergezogen, und ihn später bewußt aus ihrem ideologischen Alltag und aus dem Parteiprogramm hinausgeworfen. Sie haben den dialektischen und historischen Materialismus, die philosophische Grundlage des Marxismus, bewußt durch subjektiven Idealismus ersetzt. Sie haben die bürgerlich Ökonomie der marxistischen politischen Ökonomie vorgezogen. Sie sind übergegangen auf die Position eines kleinbürgerlichen Sozialismus. Den proletarischen Internationalismus haben durch den bürgerlichen Nationalismus ersetzt, und den Atheismus durch den Fideismus – oder einfacher gesagt: durch das religiöse Dunkelmännertum. Und deshalb sind sie ganz gewöhnliche Antikommunisten.

Sjuganow hält den Marxismus für veraltet

Die Sjoganowleute erinnern sich nicht einmal mehr an die Hauptidee des Manifests der Kommunistischen Partei: „…das moderne bürgerliche Privateigentum ist der letzte und vollendetste Ausdruck der Erzeugung und Aneignung der Produkte, die auf Klassengegensätzen, auf der Ausbeutung der einen durch die andern beruht. In diesem Sinne können die Kommunisten ihre Theorien in dem einen Ausdruck: Aufhebung des Privateigentums, zusammenfassen“ . Statt dessen betonen sie bei jedem ihrer Auftritte, daß die KPRF Wert legt auf eine vielgestaltige Wirtschaft, auf die Gleichberechtigung aller Eigentumsformen, einschließlich Privateigentums. Die KPRF verbindet ihre Hoffnungen nicht mit der Arbeiterklasse, der produktiven Hauptkraft der Gesellschaft, sondern mit den „einheimischen Unternehmern“. Bei jeder Wahlkampagne schwört Gennadi Sjuganow hoch und heilig, daß er das kleine und mittlere Business auf jede Weise unterstützen wird, wenn er an die macht kommt. Den Leninschen Gedanken, daß der Kapitalismus täglich, stündlich durch die kleine privatkapitalistische Produktion hervorgebracht wird, er hält er für veraltet.

Sjuganow als Mitarbeiter im Büro eines Antikommunisten

Nein – irgendwelche Kenntnisse über Marx und Engels, Lenin hat Sjuganow natürlich an der Pädagogischen Hochschule mitbekommen, und irgend etwas davon ist auch bei ihm hängengeblieben. Aber die Arbeit in der Abteilung der Propaganda des ZK der KPdSU, die der „Architekt der Perestroika“, der Erz-Antikommunist Alexander Jakowlew leitete, hat ihre Sache gemacht. Selbst die dürftigen Kenntnisse des Marxismus hatte er natürlich schon bis zum Ende der Perestroika endgültig „überwunden“, obwohl – nein, nein, seine Eingebungen schmückt er ja hin und wieder mit Zitaten aus den Büchern der Klassiker… Dafür hat er sich gründlich für die westlichen bürgerlichen Philosophen Spengler und Toynbee, und die russischen Danilewski und Berdjajew begeistert. Besondere Hochachtung genießt bei ihm der Religionsphilosoph Iwan Iljitsch, der Ideologe der Weißgardistischen Bewegung in Rußland, die auf die Seite des Hitlerfaschismus überging, und die sich auch nach seiner Zerschlagung nicht von ihm lossagte. Die berühmte Losung „Proletarier aller Länder vereint euch!“ haben die Sjuganowleute hinausgeworfen, um ihre Partner – die Bourgeoisie – nicht zu erschrecken. Sogar der ehemalige Sekretär des Smolnyer Stadtbezirkskomitees der KPdSU Leningrads, Jurij Below, bemerkte irgendwie giftig an die Adresse der RKRP: „Wo sind denn Ihre eisernen Bataillone des Proletariats? So wie es sie nicht gab, gibt es sie auch heute nicht, und man wird sie auch hinter Ihrem Rücken nicht finden.“ Und so wiederholen sie wie die Papageien den Satz der bürgerlichen Ideologen, daß es auch heute in Rußland keine Arbeiterklasse gibt…

Gibt es überhaupt noch ein Proletariat?

Eine organisierte Arbeiterklasse, die sich ihrer Klasseninteressen bewußt ist, gibt es derzeit tatsächlich nicht. Aber es gibt das Proletariat, die Klasse der Lohnarbeiter, die der Produktionsmitteln beraubt wurde und die gezwungen ist, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um leben zu können. Bauen heute wirklich nicht Arbeiter die Eisenbahnen, Brücken, Kraftwerke, Häuser, Schulen und Krankenhäuser, führen sie wirklich nicht die Züge, stellen das Brot her, fördern die Kohle und das Erdöl? Gerade sie schaffen doch durch ihre Arbeit alle materiellen Werte, ohne die eine wissenschaftliche Tätigkeit, die Kultur, ja – das Leben im allgemeinen nicht möglich ist. Gerade durch deren Arbeit, so wie das auch schon vor zweihundert Jahren war, wird heute die Bourgeoisie immer fetter, beutet rücksichtslos die Arbeiter aus und lebt auf deren Kosten. Und es ist völlig belanglos, ob der Arbeiter mit dem Besen die Fußwege in der Stadt ausfegt, oder ob er an einer modernen CNC-gesteuerten Werkbank steht, ob er mit der Straßenbahn oder mit seinem Auto fährt, ob er nach der Arbeit Fernsehen schaut oder sich mit Computerspielen belustigt. Seit jener Zeit, als Karl Marx das berühmte „Kapital“ schrieb, hat sich im wesentlichen nichts geändert. Der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit bleibt die Hauptgesetzmäßigkeit der kapitalistischen Entwicklung, ob die bürgerlichen Ökonomen das nun anerkennen oder nicht, ob es für ihre opportunistischen Lakaien von Bedeutung ist oder nicht. Und dieser Widerspruch kann nur im Klassenkampf gelöst werden, nur durch die Eroberung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse und nur durch die Errichtung der Diktatur des Proletariats. Die Diktatur des Proletariats erwähnen die Sjuganowleute nicht einmal mehr. Von Klassenkampf wird nicht gesprochen. Alle ihre Gedanken sind verbunden mit der parlamentarischen Tätigkeit. Der Gipfel des Kampfes sind ihre Reden auf den Podien der Duma, ihre Anmerkungen zu Korrekturen an den bürgerlichen Gesetzen, mit Hilfe deren die Fraktion von KPRF hofft, den russischen bürgerlichen Staat zu verbessern, ihn – wie jetzt Mode ist zu sagen – „sozial“ zu machen. Und an das Volk erinnern sie sich nur während der Wahlkampagne. Deshalb haben die Arbeiter mit den Sjuganowleuten auch keinen gemeinsamen Weg.

Auf, auf … zur Kirche!

Nicht zum Kampf ruft der oberste Kommunist Rußland die Arbeiter auf, sondern in die Kirche. Seine ganze Hoffnung setzt Sjuganow auf die Kirche: „Wir rechnen mit der Hilfe der Russischen Ostkirche … die wiederauflebende Kirche wird in unserer dunklen, zerrissenen Gesellschaft einer der Hauptbürgen der nationalen Einheit, dem Anwalt der Heiligtümer und der Traditionen des Volkes…“ „Wir werden auch weiterhin unbeirrt unseren Kurs einer größtmöglichen Zusammenarbeit zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und der gläubigen Welt fortsetzen“, sagt er. Nicht nur einmal beschuldigte er Lenin und die Bolschewiki der „Gottlosigkeit“ und der „Zerstörung der kirchlichen Heiligtümer“ … Im Atheismus sieht er den „Grund der Zerfalls der UdSSR und aller unserer jetzigen Übel“. Und heute unternimmt er nicht wenig, um die ihm unterstellte Partei vom Atheismus zu reinigen. Schon seit langem achtet die Parteispitze streng auf religiöse Rituale. Und sie rät den einfachen Mitgliedern der Partei, dies auch zu tun. Das Internet heutzutage geradezu gespickt mit antiatheistischer Propaganda. Man lese, was Sergej Obuchow, der Partei- und Fraktionskollege Sjuganows, schreibt: „Die Anwesenheit der religiösen Ethik in den Schulen ist erforderlich“. „Der Atheismus ist keine notwendige Komponente des Kommunismus.“ „Die Initiative der Abgeordneten von ‚Einheitliches Rußland’, die auf die Vorprüfung aller Gesetzesentwürfe durch die Russische Ostkirche gerichtet ist, soll von der Staatsduma gebilligt werden.“ Für die Sjuganowleute ist Patriarch Kyrill „ein nachahmenswertes Vorbild“.

Sjuganowleute – unter falschem Namen!

Wahre Kommunisten bezeichnet Sjuganow als „Trotzkisten“ oder „extremistische Bolschewisten“… Die Sjuganowtruppe ist eine widerwärtige Erscheinung – sie ist unverhüllter Antikommunismus. Das ist gefährlicher als die bürgerliche Ideologie. Gefährlicher deshalb, weil sie das öffentliche Bewußtsein geschickt manipuliert, weil sie raffiniert lügt, weil sie die politische Kurzsichtigkeit der Menschen ausnutzt, weil sie auf ihre Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit spekuliert und mit ihrer sozialistischen Phraseologie von der Wahrheit wegführt. Es wird nicht die kommunistische Idee, sondern die Religion als wesentlicher geistiger Wert vermittelt, die Menschen werden aufgefordert, mit der orthodoxen Religion alle ihre lebenswichtigen Hoffnungen zu verbinden. Sie werden dazu verführt, mit dem Lesen aufzuhören und auf mittelalterliche, mystische Weise zu denken. Schon vor mehr als zehn Jahren wurde allgemein über die KPRF gesagt: „Die Führer sind keine Kommunisten und die Partei ist nicht kommunistisch!“ – und das Volk wird auf keine Weise über die Rolle als Wählerschaft hinauskommen, solange alle ihre Hoffnungen mit der Sjuganowtruppe verbinden… Unglückliches Rußland!

Ljubow Pribytkowa

Irkutsk, am 22. Mai 2012
(Übersetzung: Max Schmidt)

Quelle: komunisten-online

⇒ Herunterladen des Textes: Pribytkowa Vorsicht Sjuganowleute

Siehe auch:
Ljubow Pribytkowa: Die Demontage

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