Warum gab es in der Sowjetunion keine Berufssportler?

Sport

In der Sowjetunion gab es tatsächlich keine Berufssportler. In keinem sozialistischen Land hatte je ein Mensch es nötig, mit dem Sport sein Geld zu verdienen. Daher gab es  für die Sportler auch keine Veranlassung für eine zusätzliche Einnahme leistungssteigernder Substanzen (Doping). Im Sozialismus stand der Mensch (und nicht das Geld, nicht der Profit!) im Mittelpunkt. Eine hohe Bildung und Charakterstärke waren für die Partei- und Staatsführung in den sozialistischen Ländern eine ebenso wichtige Angelegenheit wie die körperliche Vervollkommung.

Die Große Sowjet-Enzyklopädie:
Die Körperkultur ist ein fester Bestandteil der kommunistischen Erziehung. Entsprechend den Lehren der großen russischen Pädagogen (Tschernyschewski, Dobroljubow, Pirogow, Uschinski, Lesgaft), ist sie eng mit der geistigen, sittlichen und ästhetischen Erziehung verbunden. Bereits 1866 definierte Marx die allseitige Erziehung als einen Prozeß, der „erstens die geistige Erziehung, zweitens die körperliche Erziehung, wie sie in den Turnschulen und bei militärischen Übungen erfolgt, drittens die technische Ausbildung, die mit den grundlegenden Prinzipien aller Produktionsprozesse vertraut macht“, einschließt. (Marx und Engels, Gesammelte Werke, russ. Ausgabe, Bd. XIII, Teil 1, Seite 199)

W.I. Lenin und J.W. Stalin bauten die Lehre von Marx über die kommunistische Erziehung weiter aus und zeigten ihren künftigen Entwicklungsweg auf. In seinem Beschluß vom 21. April 1931 anläßlich des 10. Jahrestages der Pionierorganisation wies das ZK der KPdSU (B) darauf hin, daß der Kampf um einen gesunden Nachwuchs durchdrungen sein muß von dem Gedanken Lenins, daß es „gerade dieser Jugend beschieden ist, die Sache des Kommunismus zu vollenden, daß gerade ihr noch der Kampf für den Kommunismus bevorsteht und daß sie zu diesem Kampf stark, gesund und mit stählernen Nerven und Muskeln bereit sein muß“.

Dem gesellschaftlichen und politischen Hauptziele der Vorbereitung der Bevölkerung zur Arbeit und zur Verteidigung untergeordnet, hat die Körperkultur folgende Aufgaben zu lösen: richtige körperliche Entwicklung und Erhaltung der Gesundheit, Entwicklung und Vervollkommnung der Bewegungsfähigkeiten, in erster Linie im Gehen, Laufen, Springen, Werfen, Schwimmen, Skilaufen usw., Entwicklung der Kräfte, Schnelligkeit, Ausdauer, Gewandtheit, Förderung der Selbstbeherrschung, des Mutes, der Entschlossenheit und anderer moralischer und Willenseigenschaften, aber auch die Züge der kommunistischen Moral: Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Sowjetpatriotismus, Gemeinschaftsgeist, Freundschafts- und Kameradschaftsgeist.

Die richtige Körperkultur muß in der Jugend die Liebe zu regelmäßiger, sportlicher Betätigung auslösen und ihr gesunde hygienische Gepflogenheiten anerziehen. Die umfangreichen Aufgaben der Körperkultur werden mit Hilfe folgender Mittel erfüllt: verschiedenartige Körperübungen, Ausnutzung der natürlichen Gesundheitsfaktoren – Sonne, Luft, Wasser – und Beachtung der Regeln persönlicher und gesellschaftlicher Hygiene. [1]

Der französische Journalist Georges Soria schrieb:
Der Sport ist in diesem Lande vor allem ein Quell der Freude, der Gesundheit, des körperlichen Wohlbefindens und der körperlichen Leistungssteigerung. Der gesamten Jugend und allen Werktätigen ist es möglich geworden, jede Art von Sport, selbst den teursten (Tennis, Reiten usw.) zu treiben. Gegen Zahlung eines Mitgliedsbeitrages von wenigen Kopeken stehen den Sportlern alle nur vorstellbaren Einrichtungen zur Verfügung. Es genügt, daß man sich in einem Sportklub als Mitglied einschreibt.

Dreißig Millionen junger Menschen, Männer und Frauen, besitzen das Sportleistungsabzeichen. Während des Krieges haben 16.500.000 Jugendliche das Jugendabzeichen erworben, Berufssportler sind unvorstellbar, denn die sportliche Betätigung wird, selbst für einen Champion, niemals zum Beruf. In der Sowjetunion verbringen die Sportler der Spitzenklasse ihre Zeit nicht damit, ihre Talente öffentlich in Wettkämpfen zur Schau zu stellen; alle haben im Zivilleben einen Beruf und üben ihn außerhalb der Ausscheidungskämpfe regelmäßig aus. Als Lohnempfänger genießen sie die in der Sozialgesetzgebung festgelegten Rechte. [2]

Zitate:
[1] Große Sowjet-Enzyklopädie, Verlag Kultur und Fortschritt Berlin, 1952, S.1246.
[2] Georges Soria, Wie lebt man eigentlich in der Sowjetunion?, Paul List Verlag, Leipzig, 1951, S.72f.

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