Mr.Kerry und das „Recht auf Dummheit“

KerrySein blütenweißes Hemd, die edle Seidenkrawatte und sein makelloses Äußere mögen vielleicht darüber hinwegtäuschen – aber mit Weisheit und mit Bildung scheint der neue Staatssekretär nicht gerade reichlich gesegnet zu sein. In einer Rede vor Studenten äußerte dieser (wie in ähnlicher Weise vor ihm auch schon ein anderer Demagoge), daß man gerade um der Freiheit willen die Dummheit des Volkes für gerechtfertigt halte. Und eben deshalb sei das „Recht auf Dummheit“ so wertvoll…

Nach den Worten von Kerry „lebt und atmet“ die amerikanische Gesellschaft „die Idee der religiösen Freiheit und der religiösen Toleranz“, von welcher Art der Standpunkt auch immer sei. Und der Staatssekretär fügte hinzu, daß die Menschen es häufig nicht fassen können, warum das Oberste Gericht des Landes dieser oder jener Gruppe erlaube, auf die Straße zu gehen, obwohl es wie eine Provokation und Beleidigung anderer Menschen wahrgenommen wird (und er meinte damit die Aufmärsche der Neo-Faschisten in seinem Land!). „Der Grund ist die Freiheit, die Meinungsfreiheit“, betonte er. „In Amerika sind Sie berechtigt, ein Dummkopf zu sein, wenn Ihnen das wünschenswert erscheint“, ergänzte Kerry unter dem Gelächter der Anwesenden. „Und wir ertragen es. Wir leben irgendwie damit. Und ich denke, daß das wertvoll ist. Ich denke, daß das etwas ist, wofür man kämpfen muß“, schloß der Chef des Amtes für Auswärtige Angelegenheiten.

Und der Staatssekretär versäumte es in diesen Tagen auch nicht, für das Recht und die freie Meinungsäußerung in dem (von ihm offensichtlich neu erfundenen) mittelasiatischen Land „Kyrsachstan“ einzutreten. Später beim offiziellen Entziffern der Rede wurde dann die Äußerung Kerrys auf der Webseite des Staatsdepartaments korrigiert.

Allerdings ist Dummheit ja nun wirklich keine Tugend. Vor allem dann nicht, wenn es um so ernste Themen geht, wie um den Faschismus. Und es ist schon sehr eigenartig, wenn ein hoher Regierungsbeamter (unter dem Vorwand der Meinungsfreiheit) das „Recht auf Dummheit“ für so wertvoll hält, daß es bestehen bleibt, anstatt alles dafür zu tun, daß alle Menschen seines Landes die nötige Bildung erhalten… Wie sieht es denn nun aus mit der Freiheit in den USA?

Was ist denn Freiheit?

Ist das nicht merkwürdig? Es ist als hätten sie sich abgesprochen, der Gauck und der Kerry. Nur darf man das Volk nicht für so dumm halten, als ob es nicht wüßte, was Freiheit wirklich ist, nämlich…

► Freiheit von kapitalistischer Ausbeutung
► Freiheit von sozialer Unterdrückung durch die Kapitalisten
► Freiheit der Mitbestimmung in allen gesellschaftlichen Fragen
► Freiheit der Bildung und Entfaltung der Persönlichkeit für alle Kinder des Volkes
► Freiheit von Meinungsmanipulation durch die Massenmedien
► Freiheit von imperialistischen Kriegen und militärischer Gewalt
► Freiheit von Angst um den Arbeitsplatz und existenziellen Nöten
► Freiheit von Hartz4, von Leiharbeit und ungleicher Entlohnung von Mann und Frau
► Freiheit von nazistischen Provokationen
► Freiheit von religiöser Verblödung (wie z.B. Kreationismus)
► Freiheit von der Abhängigkeit durch die Großkonzerne, die Pharmaindustrie, die Lebensmittelmafia, die Energieriesen, die Atommächte usw.

Nur ein Beispiel: Wie wählt man in „Gottes eigenem Land“?

In einer kleinen Broschüre schreibt Herbert Steiniger über die Freiheit:
Wie es mit der Freiheit der Wahl in den imperialistischen Ländern aussieht, wird auch bei einer näheren Untersuchung des Wahlsystems in den USA deutlich. In „Gottes eigenem Land“ ist eine große Zahl von Menschen von der Wahlbeteiligung ausgeschlossen. So unglaublich es klingt – es ist nachprüfbare Wirklichkeit: in 13 Staaten der USA haben arbeitslose Unterstützungsempfänger nicht das Recht, in die Wahlliste eingetragen zu werden; in 8 Staaten besitzen die Indianer kein Stimmrecht; in 7 Staaten, kann nur derjenige wählen, der jährlich seine Wahlsteuer zahlt; in 20 Staaten darf nur derjenige wählen, der englisch lesen und schreiben kann. Wie sich diese Wahlbestimmungen für große Teile der arbeitenden Bevölkerung auswirken, sei an einigen Zahlen gezeigt: In 11 Südstaaten waren im Jahre 1948 7,7 Millionen Bürger von der Wahl ausgeschlossen, weil sie die Wahlsteuer nicht bezahlt hatten; 2,8 Millionen durften nicht wählen, weil sie nicht englisch lesen und schreiben konnten; 2 Millionen durften nicht wählen, weil sie (vorwiegend Arbeitslose) noch nicht lange genug an einem Ort wohnten und die gesetzlich vorgeschriebene „Aufenthaltszeit“ noch nicht erreicht hatten. In 11 Staaten allein 12,5 Millionen Wähler von der „Freien Wahl“ ausgeschlossen! Was für Wähler? Die Monopolkapitalisten? Die oberen Zehntausend? Sie natürlich nicht, auf sie trafen die genannten Wahlbestimmungen nicht zu. Betroffen wurden und werden Arbeiter, kleine Bauern, Handwerker, Gewerbetreibende; betroffen wurden und werden Arbeitslose, Neger, Indianer. (Wer glaubt da, daß das heute anders ist??? Man darf sich natürlich auch nicht der Illusion hingeben, daß man durch Wahlen in dem Land etwas verändern könnte.)

Im Kapitalismus sind die „Gaben der Freiheit“ einseitig verteilt

Wir sehen, die Gaben der Freiheit, wählen zu dürfen, wen man will, sind unter Bedingungen, wo Imperialisten und Militaristen herrschen, einseitig verteilt. Es gibt eine solche allgemeine Freiheit in den kapitalistischen Ländern nicht, ebensowenig wie eine allgemeine Rede- und Pressefreiheit, ebensowenig wie alle jene anderen allgemeinen Freiheiten, die zu preisen die Verteidiger der kapitalistischen Welt nicht müde werden. Aber es gibt dort ein raffiniertes System der Gewährung bestimmter Freiheiten und Scheinfreiheiten für das Volk – Freiheiten und Scheinfreiheiten, die

erstens sorgfältig abgestuft sind und denen am meisten gewährt ‚werden, von denen die Imperialisten und Militaristen am wenigsten zu fürchten haben, und die denen weitgehend oder vollständig vorenthalten werden, die unter schwierigsten Bedingungen für demokratische Freiheiten und Rechte der Werktätigen eintreten und die die Imperialisten und Militaristen entlarven und bekämpfen; die
zweitens ihre Grenze finden in den Klasseninteressen der Imperialisten und Militaristen und die deshalb
drittens immer dann eingeschränkt oder weitgehend beseitigt werden, wenn die Imperialisten und Militaristen um ihre Herrschaft fürchten, wenn sie um das Weiterbestehen der schändlichsten aller ihrer Freiheiten fürchten: der Freiheit, andere Menschen auszubeuten, andere Menschen für sich arbeiten zu lassen, auf Kosten der Werktätigen ein Schmarotzerleben zu führen.

Um dieses raffinierte System der Beherrschung der Menschen zu verschleiern, lassen die Imperialisten ihre Ideologen, ihre Schreiberlinge, ihre Lobredner ununterbrochen und mit gewaltiger Lautstärke über die allgemeine und unübertreffliche Freiheit der „freien Welt“ reden. Man kann hier mit Bertolt Brecht („Flüchtlingsgespräche“) sagen: „ … es ist verdächtig, wenn wo viel von Freiheit die Rede ist. Es ist mir aufgefallen, daß so ein Satz ,bei uns herrscht Freiheit‘ immer kommt, wenn jemand sich über Unfreiheit beschwert.“

„Bei uns herrscht Freiheit!“, lassen die Imperialisten tagtäglich tausendmal lauthals verkünden. Nachdem wir uns nun näher angeschaut haben, was es mit dieser Herrschaft der Freiheit auf sich hat, gestatten wir uns zu fragen:
Für wen herrscht Freiheit, wofür herrscht Freiheit bei den Imperialisten?

Quelle:
Herbert Steiniger, ABC des Marxismus-Leninismus. Was ist Freiheit? Dietz Verlag Berlin, 1964, S.17-19


Nachtrag:
Manchmal ist es ja so, daß man sich bald die Finger fusslig schreibt, und am Ende doch der Eindruck bleibt, daß Dummheit unheilbar ist. Ein neuerliches Beispiel von himmelschreiender Dummheit der Amerikaner (selbst derer, die sich für einigermaßen intelligent halten!) ist die neueste Umfrage nach der geografischen Lage der Ukraine. Die Trefferquote ist ausgesprochen gering: nur einer von sechs Befragten tippte richtig. Und es gibt tatsächlich einige, die verorten die ehemalige Sowjetrepublik im brasilianischen Urwald, einige in Afrika und der Rest irgendwo in der Pampa. Wenn Dummheit qietschen würde, dann hätten die Amerikaner wohl alle schon einen Hörsturz bekommen. Achja, übrigens fast die Hälfte der USA-Bürger hält Astrologie für eine Wissenschaft… na, dann Prost, Ihr Dummköpfe! (siehe:
Liegt die Ukraine in Brasilien?)

Man muß schon sehr blind sein, wenn man nicht bemerkt, daß diesem Mr.Kerry die Dummheit mehr als gelegen kommt. So schlagen diese Leute zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie sparen sich das Geld für die Volksbildung, die dem Staat nur Kosten verursacht, und überlassen sie der Privatwirtschaft. Zugleich „genehmigen“ sie reaktionären, volksfeindlichen Extremisten (wie Neofaschisten, Ku-Klux-Clan usw.) ihre keineswegs „dummen“ Aufmärsche. Und wer das nicht erträgt, der wird eben (unter dem Vorwand von „religiöser Toleranz“ und „Meinungsfreiheit“) bekämpft. So ist das in dem „freiesten Land der Welt“! Dummheit des Volkes: ja! Aber der Faschismus ist keine Dummheit, sondern ein Verbrechen! Und seine Rädelsführer und Gefolgsleute sind Verbrecher! Und wer Verbrecher unterstützt, und sei es „nur“ mit Worten, der gehört dazu.

Siehe auch:
Mißbrauch der Gefühle
Über die „Freiheit der Andersdenkenden“
Gehirnwäsche durch Fernsehen
Nur die Wahrheit führt uns zur Erkenntnis
Gegen die religiöse Verblödung der Menschheit
Rußland: Vom Leseland zum Land der Idioten
USA: Generation Doooof…

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10 Antworten zu Mr.Kerry und das „Recht auf Dummheit“

  1. jauhuchanam schreibt:

    Keiner sollte über die „dummen“ Amerikaner die Nase rümpfen.

    Hier sieht es kaum besser aus.

    Auch wenn wir hier ein von den USA errichtetes faschistisches System haben, hat die USA während der Metamorphose ja bereits das Stadium der Faschistischen Diktatur durchlaufen und ist als Ekel-Falter bloßer Tyrannei aus der Verpuppung erwacht und hatte überall auf der Welt seine Eier gelegt, denen mittlerweile Milliarden Raupen entschlüpft sind, die den Garten Gottes fressen.

    „Doch Washington plustert sich auf und skandiert „Freiheit und Demokratie“, während es die gewalttätigsten Tyrannen-Systeme der menschlichen Geschichte durch ihre eigene Tyrannei verdrängt.“ Paul Craig Roberts
    sicher nicht als Marxist-Leninist zu identifizieren, aber von dem vielleicht gelernt werden könnte, dass kaum einer im „Westen“ den zur Theorie verkommenen Begriff „Bourgeoisie“ versteht, von der Aussprache und Rechtschreibung ganz zu schweigen.
    Der Mensch, der etwas nicht versteht, wird sich, und seien die Ideen noch so gut, davon abwenden und nicht zuhören können, weil er immer „zu macht“ und selbst am Sonntag Morgen im Gottesdienst sein Nickerchen macht …
    also kurz, heute sagt man „Elite“ nicht „Bourgeoisie“, jedenfalls, wenn Unterstützung für die Revolution erwartet werden sollte, es sei denn, „die zu befreiende Sklaven“ sind einem genauso egal, wie der Elite die US-Tyrannei.

    Der wahre Feind: deine eigene Regierung
    http://seidenmacher.wordpress.com/2014/04/14/der-wahre-feind-deine-eigene-regierung/

    • sascha313 schreibt:

      Das Bild mit dem Ekelfalter ist gut, wenngleich ich glaube, daß die Leute bei uns doch nicht ganz so dumm sind wie in den USA (zumindet diejenigen nicht, die noch eine ordentliche Schule besucht haben – DDR-Schulen z.B.) – und „Elite“ ist ja nun auch wieder ein ganz und gar falscher Begriff. Es gibt z.B. eine proletarische, eine sportliche, eine künstlerische Elite (wobei das letztere auch schon wieder eine sehr zweifelhafte Sache ist!). Elite ist eine Auswahl, es sind die Besten. Und das kann man ja von der Bourgeoisie (den Ausbeutern) ja bei weitem nicht immer behaupten. Daß viele den Begriff Bourgeoisie nicht kennen, liegt eben genau an der fehlenden Bildung. Einen besseren Ausdruck gibt es nicht. …und das mit der eigenen Regierung hat Liebknecht schon gesagt: „Der Feind steht im eigenen Land!“

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