Welches ist das beste Bildungssystem der Welt?

PuskinDE Nachhilfe

D.E. Puskin – Nachhilfestunde

Zugegeben, die Frage ist rein rhetorischer Art. Denn jedes Ding hat seine Entwicklung, und die schreitet fort vom Niederen zum Höheren, vom Einfachen zum Komplizierten. Manchmal aber auch umgekehrt, um dann von Neuem zu beginnen. Dieses „beste Bildungssystem“ der Welt ist bereits Geschichte. Es existiert nicht mehr. Es WAR einmal das beste Bildungssystem der Welt, ein besseres gab es nicht und gibt es nicht: Es handelt sich um DAS SOWJETISCHE BILDUNGSSYSTEM. Es wurde 1991 mit der Konterrevolution in der Sowjetunion beseitigt. Und warum? Weil diejenigen, die jetzt dort an der Macht sind, die Volksbildung nicht mehr benötigen.

Da muß man weiter fragen: Wem nützt eigentlich die Bildung? Was haben die Menschen davon, wenn sie die Zusammenhänge der Natur, der Wissenschaft, der Technik und der Gesellschaft erkennen? Oder andersherum gefragt: Wer könnte ein Interesse daran haben, wenn die Menschen keine Fragen mehr stellen, sondern sich zufrieden geben mit dem, was ihnen zugebilligt wird? Wenn sie alles glauben, was man ihnen erzählt? Wenn sie ihr Schicksal für unabänderlich halten? Die Unbildung nützt der Ausbeuterklasse. Denn ein dummes Volk läßt sich leichter regieren. In der Großen Sowjet-Enzyklopädie von 1952 heißt es:

VOLKSBILDUNG NACH DER OKTOBERREVOLUTION

Die ersten Verfügungen der Sowjetmacht galten der Beseitigung der alten und der Schaffung neuer Bildungseinrichtungen. Es wurden leitende Organe für das Bildungswesen geschaffen: das Volkskommissariat für Bildungswesen und die Staatliche Kommission für Bildungswesen. Die Staatliche Kommission für Bildungswesen begann ihre Tätigkeit mit dem Aufruf vom 11. November 1917 an die Bürger Rußlands, in welchem der Volkskommissar für Bildungswesen die Pädagogen „auf der Arena der glänzenden und ehrenvollen Tätigkeit der Aufklärung des Volkes – des Herrn des Landes –“ willkommen hieß und den Organen des Bildungswesens in erster Linie die Aufgabe stellte, die materielle Lage der Lehrer zu verbessern. Er sprach von der Notwendigkeit, in kürzester Zeit alle lesen und schreiben zu lehren und den Bildungshunger der Erwachsenen zu befriedigen, er sprach über die Schaffung einer einheitlichen, absolut weltlichen Schule und über die weitgebende Demokratisierung des Volksbildungswesens.

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Schülerinnen der 1. Klasse einer Mittelschule in Moskau

Eine der zentralen Aufgaben war die völlige Ausschaltung der Kirche aus allen Bildungsfragen. Das historische Dekret „Über die Trennung der Kirche von Staat und Schule“, das am 5. Februar 1918 veröffentlicht wurde, lautete: „Die Schule wird von der Kirche getrennt. Der Unterricht in religiösen Glaubenslehren ist in allen staatlichen und gesellschaftlichen wie auch in allen privaten Lehranstalten, in denen allgemeinbildende Fächer unterrichtet werden, verboten“ (Sammlung von Gesetzen…, 1918, Nr. 18, Ziff. 203). Das Dekret hatte für die Bildungsarbeit große politische Bedeutung. [1]

DIE ALLGEMEINBILDENDE SCHULE IN DER UdSSR

Die Hauptaufgaben der sowjetischen Schule bestehen darin, den Schülern die notwendigen Kenntnisse über die Grundlagen der modernen Wissenschaft zu vermitteln, die Jugend im kommunistischen Geiste zu erziehen und die Schüler auf die Hochschule und auf die Mitarbeit am sozialistischen Aufbau vorzubereiten. Die feststehende Struktur der Schulen und der einheitliche Lehrplan all ihrer Typen in den entsprechenden Klassen gibt den Schülern die Möglichkeit, von einer beliebigen Schule ohne Schwierigkeiten in die entsprechende Klasse eines anderen Schultyps überzuwechseln.

Der Inhalt der Schulbildung und des Schulunterrichts.

Nach einem Hinweis W.I. Lenins soll „unsere Schule … der Jugend die Grundlage des Wissens vermitteln, sie soll sie befähigen, sich selbständig kommunistische Anschauungen zu erarbeiten, aus ihnen gebildete Menschen machen“. Die Schule soll die Lernenden „mit allen jenen Wissensschätzen bereichern, die die Menschheit erarbeitet hat“ (Lenin, Werke, Bd.20, S.413 und 407; deutsch: Lenin, Ausgewählte Werke in 2 Bd., Bd.II, Moskau 1947, S.792 und 785). Die Sowjetschule bildet bei den Schülern die marxistisch-leninistische Weltanschauung heraus und vermittelt ihnen die Allgemeinbildung auf der Basis einer gediegenen Kenntnis der Grundlagen der modernen Wissenschaft, wobei die Allgemeinbildung der Schüler untrennbar mit einer polytechnischen Ausbildung verbunden ist, die das Bekanntwerden mit den Grundlagen der modernen Industrie schlechthin erfordert.

In der 28.Gewerbeschule in Moskau

In der 28.Gewerbeschule in Moskau

Die Schule vermittelt ein reiches Allgemeinwissen und entwickelt zu gleicher Zeit bei den Schülern die kommunistische Gesinnung und die kommunistische Moral, die bolschewistischen Willens- und Charakterzüge sowie die Gepflogenheiten des gesitteten Umgangs- und sorgt für die körperliche Entwicklung der Lernenden. Die Sowjetschule bildet bewußte Sowjetbürger heran, sie erzieht in den Schülern den Patriotismus, die Liebe zur sozialistischen Heimat, zum sowjetischen Aufbau, sie hilft, die kameradschaftlichen Beziehungen der Schüler untereinander, die notwendigen gesellschaftlichen Gepflogenheiten und die sozialistische Einstellung zur Arbeit zu entwickeln.

Den erwähnten Aufgaben entsprechend ist die Unterrichts- und Erziehungsarbeit der Schule aufgebaut. Der Inhalt der Lehrtätigkeit ist in den Lehrplänen und -programmen niedergelegt. Diese werden für die Schulen der Sowjetrepubliken von ihren Ministerien für Volksbildung unter Berücksichtigung der nationalen Besonderheiten ausgearbeitet. Der Unterricht wird in der Muttersprache erteilt, jedoch ist der russische Sprachunterricht in allen Republiken obligatorisch, um die Festigung der brüderlichen Bande zwischen den Völkern der UdSSR zu gewährleisten. In den nicht-russischen Elementarschulen ist der Unterricht in russischer Sprache von der 2. Klasse ab Pflichtfach, in den Mittelschulen von der 3. Klasse ab. Die Lehrpläne der Sowjetschule, die auf der Basis des dialektischen Materialismus aufgebaut sind, vermitteln die grundlegenden Tatsachen der modernen Wissenschaft. Sie setzen für den Schulunterricht ein obligatorisches, genau umrissenes Maß an Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten für jedes Lehrfach und für jedes Unterrichtsjahr unter Berücksichtigung des Alters der Schüler fest.

Unterrichtsgrundsätze

In der Sowjetschule liegen dem Unterricht folgende Prinzipien zugrunde: die Erziehung zur bewußten Aufnahme und Aneignung des Lehrstoffes, die Systematik und Folgerichtigkeit des Unterrichts, Anschaulichkeit, die Anpassung des Lehrstoffes an die Altersstufe der Schüler, Aktivität der Schüler, die dauerhafte Verankerung des Wissens, die Erziehung zu der Fähigkeit, das erworbene Wissen in der Praxis anzuwenden. Im Unterricht gebührt dem Lehrer die führende Rolle, er ist für das Wissen seiner Schüler voll verantwortlich; der Unterricht trägt erzieherischen Charakter. Der Kampf gegen den Formalismus im Unterricht ist eine charakteristische Besonderheit des sowjetischen Unterrichtssystems.

Welche Unterrichtsmethoden gab es in der sowjetischen Schule?

Die Unterrichtsmethoden, deren sich die Schule bedient, haben das Ziel, die Aktivität der Schüler, ihre bewußte Einstellung zum. Lehrfach zu wecken, ihre Initiative zu entfalten, in ihnen die Fähigkeit zum selbständigen Arbeiten zu entwickeln sowie die Fähigkeit, Theorie und Praxis zu verbinden und ihre Arbeit richtig zu organisieren. Die Kenntnisse der Schüler werden mit 5 Noten bewertet. Von der 4. Klasse an werden die Schüler beim Übergang in die nächstfolgende Klasse einem Examen unterworfen, ebenso bei Beendigung der Schule. In diesem Falle legen die Schüler die Examina für den ganzen Lehrgang ab. Nach Ablesung der Abschlußprüfung in der Mittelschule erhalten sie das Reifezeugnis, das ihnen das Recht zum Eintritt in die Hochschule gibt. Für die besten 5chüler ist die Verleihung goldener und silberner Medaillen vorgesehen. Schüler, die im Besitz der goldenen oder silbernen Medaille sind, werden ohne Aufnahmeprüfung zur Hochschule zugelassen. Die Grundlage, auf der sich der Unterricht in der Elementar- und der Mittelschule aufbaut, ist die Unterrichtsstunde, die vom Lehrer in einer bestimmten Klasse mit einer konstanten Schülerzahl durchgeführt wird.

Die Erziehungsarbeit

Haus der Pioniere in Moskau

Haus der Pioniere in Moskau

Erziehung, Bildung und Unterricht stellen einen einheitlichen dialektischen Prozeß dar und sind in der praktischen Arbeit der Schule untrennbar miteinander verbunden. Die Didaktik der Sowjetschule beruht auf dem Prinzip des erziehenden Unterrichts. Die Schule hat die Aufgabe, allseitig entwickelte Menschen heranzubilden, die einmal fähig sein werden, am Aufbau der kommunistischen Gesellschaftsordnung mitzuwirken. Diese stellt an die Erziehungsarbeit der Schule folgende Grundforderungen: Erziehung der Kinder zur kommunistischen Moral und Ideenwelt, zum Sowjetpatriotismus, zur grenzenlosen Liebe zur sozialistischen Heimat, zur Kommunistischen Partei und ihren Führern; Erziehung zur bolschewistischen Wachsamkeit; atheistische und internationalistische Erziehung; sie zu mutigen, ausdauernden, zähen und disziplinierten Menschen zu erziehen; in ihnen künstlerisches Verständnis, die Freude an allem Schönen zu wecken und – nicht zuletzt – für ihre körperliche Ertüchtigung zu sorgen. Das alles geschieht durch den Unterricht, und den gleichen Aufgaben dienen die gesamte Schulordnung, die außerschulische Arbeit, die Tätigkeit in den Pionier- und Schülerorganisationen sowie die Elternausschüsse.

Für das Verhalten der Schüler gelten folgende Regeln: Die Disziplin ist streng einzuhalten; den Lehrern, Kameraden und Älteren gegenüber ist höfliches Benehmen geboten; Schul- und gesellschaftliches Eigentum überhaupt sind sorgsam zu behandeln; gegen Rowdytum und gemeinschaftsfeindliche Handlungen der Jugend ist entschieden vorzugehen.

Die außerschulische Tätigkeit der Kinder

Einen bedeutenden Raum in der gesamten schulischen Erziehungstätigkeit nimmt die Arbeit außerhalb der Schulklasse ein. In der Regel ist eine Schulbibliothek vorhanden, die dem Lesebedürfnis der Schüler zu dienen hat. In Zirkeln verschiedener Art können sie sich neue Kenntnisse erwerben, ihren Gesichtskreis erweitern und auf den verschiedensten Gebieten schöpferisch tätig sein: in Arbeitskreisen für junge Natur- und Heimatforscher, Historiker, Mathematiker, Physiker, Techniker, für Liebhaber der Literatur und Malerei, für Freunde der Laienkunst, des Sports usw.

Arbeitsgemeinschaft junger Naturforscher

Arbeitsgemeinschaft junger Naturforscher

Diese Schülerzirkel werden von den Lehrern der Schule geleitet und gefördert; stützen sich aber zugleich auf ein gut entwickeltes Netz außerschulischer Einrichtungen, die durch die Sowjetmacht geschaffen wurden; Pionierhäuser und -paläste, Klubs, Bibliotheken, Parks, Theater, Schülerherbergen, Sportvereinigungen, besondere Häuser für die Unterweisung der Kinder in Kunst und Technik sowie für die naturwissenschaftliche Tätigkeit der „Jungen Forscher“ u.a. Die gesamte Arbeit, ob inner- oder außerhalb der Schule, dient der gleichen Aufgabe: der Erziehung einer gesunden, allseitig gebildeten heranwachsenden Generation, die fähig ist, aktiv, schöpferisch und bewußt beim Aufbau der kommunistischen Gesellschaftsordnung mitzuhelfen und. tatkräftig und opferbereit deren Feinde zu bekämpfen.

Die Jugendorganisationen

Innerhalb wie außerhalb der Schule spielt der Leninsche Kommunistische Jugendverband (Komsomol) eine große Rolle. Er unterstützt das Lehrerkollektiv bei seiner Arbeit und sucht das Pflichtbewußtsein der Schüler zu stärken, mag es sich nun um ihre Schularbeiten handeln oder um ihr Verhalten im Verkehr mit Kameraden, Erziehern, Erwachsenen überhaupt. Ferner ist der Komsomol bemüht, die älteren Schüler mit den Grundlagen der marxistisch-leninistischen Weltanschauung vertraut zu machen und die gesamte heranwachsende Generation mit einer tätigen kommunistischen Moral zu erfüllen. Er setzt sich für die ständige Hebung des kulturellen Niveaus der Sowjetschüler und für die dauernde Verbindung des Unterrichts mit dem Leben und dem Kampf der Werktätigen ein.

Studentinnen der Universität in Samarkand bei Seminarübungen

Studentinnen der Universität in Samarkand bei Seminarübungen

Endlich wacht der Komsomol nicht nur über seine eigenen Mitglieder, sondern leitet auch die Tätigkeit der Pionier Organisationen, in denen die Kinder im Alter von 9 bis 14 Jahren zusammengefaßt sind. Auch hier ist die kommunistische Erziehung das Ziel der gesamten Arbeit, also die Erziehung zu Mut, Bewußtheit, Prinzipientreue und Hingabe an das Werk des Aufbaus der kommunistischen Gesellschaft. Den besonderen Erfordernissen dieser Altersstufe wird dabei Rechnung getragen.[2]

Quelle:
[1] Große Sowjet-Enzyklopädie, Verlag Kultur und Fortschritt Berlin, 1952, S.1276
[2] ebd. S.1281-1285.
Bilder: ebd. S.1286.

Siehe auch:
Die Schwierigkeiten der Sowjetunion
Der sowjetische Pädagoge Wassili Suchomlinski
Bildung im russischen Kapitalismus
Sowjetunion: Vom Leseland zum Land der Idioten
Seminarfacharbeit an der FH Köln: Die sowjetische Schule (PDF)
Das einheitliche sozialistische Bildungssystem in der DDR

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