Anarchismus oder Sozialismus?

Lenin: AnarchismusEs ist nun schon über 100 Jahre her, da sah Lenin sich genötigt, ein paar kurze Zeilen über den Anarchismus und über die Theorien von Bakunin zu schreiben, und man müßte eigentlich meinen, schon damit sei das Thema nun endlich erledigt, es habe sich an den Schuhsohlen abgelaufen. Doch nichts ist zu dumm, als daß man es nicht wieder ausgraben könnte, wenn es nur gegen den Marximus verwendbar ist. Solche seltsamen, fortschrittsfeindlichen Vorstellungen findet man u.a. bei der sogenannten Piratenpartei. Es gibt eben immer wieder Leute, die über diesen Embryonalzustand ihrer Erkenntnis noch nicht hinausgestiegen sind. Lenin schrieb:

Thesen:

  1. Der Anarchismus hat in den 35-40 Jahren (Bakunin und die I. Internationale 1866–) seines Bestehens (seit Stirner aber sind es noch viel mehr Jahre) nichts gegeben außer allgemeinen Phrasen gegen die Ausbeutung. Mehr als 2000 Jahre sind diese Phrasen im Schwange. Es fehlt (α) das Begreifen der Ursachen der Ausbeutung; (ß) das Begreifen der gesellschaftlichen Entwicklung, die zum Sozialismus führt; (γ) das Begreifen des Klassenkampfes als schöpferische Kraft zur Verwirklichung des Sozialismus.
  2. Das Begreifen der U r s a c h e n der Ausbeutung. Das Privateigentum als Grundlage der Warenwirtschaft. Das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln. Nil* beim Anarchismus.
    Anarchismus ist umgestülpter bürgerlicher Individualismus. Der Individualismus als Grundlage der gesamten Weltanschauung des Anarchismus.
    – Verteidigung des Kleineigentums und des Kleinbetriebs auf dem Lande.
    – Keine Majorität.**
    – Verneinung der vereinigenden und organisierenden Kraft der Staatsmacht.
  3. Nichtbegreifen der gesellschaftlichen Entwicklung – Rolle des Großbetriebs – Entwicklung des Kapitalismus zum Sozialismus.
    (Der Anarchismus ist ein Produkt der Verzweiflung. Die Mentalität des aus dem Geleise geworfenen Intellektuellen oder des Lumpenproletariers, nicht aber des Proletariers.)
  4. Nichtbegreifen des Klassenkampfes des Proletariats.
    Unsinnige Negierung der Politik in der bürgerlichen Gesellschaft. Nichtbegreifen der Rolle der Organisation und der Erziehung der Arbeiter.
    Panazeen aus einseitigen, aus dem Zusammenhang gerissenen Mitteln.
  5. In der neuesten Geschichte Europas, was gab da der Anarchismus, der früher einmal in den romanischen Ländern herrschte?
    – Keinerlei Doktrin oder revolutionäre Lehre, keine Theorie.
    – Zersplitterung der Arbeiterbewegung.
    – Völliges Fiasko bei Versuchen der revolutionären Bewegung (Proudhonismus 1871, Bakunismus 1873).
    – Unterwerfung der Arbeiterklasse unter die bürgerlicbe Politik, verhüllt als Negierung der Politik.

Geschrieben im Jahre 1901. [1]
—————————–
* Nihil – nichts. (Die Red.)
** Gemeint ist, daß die Anarchisten die Unterordnung der Minderheit die Mehrheit verwerfen. (Die Red.) „Keine Majorität“ bei Lenin deutsch. (Der Übers.) 


Anarchismus: kleinbürgerliche pseudorevolutionäre politische Strömung, die jede staatliche und politische Organisation prinzipiell ablehnt. Infolge seiner Mißachtung des politischen Kampfes der Arbeiterklasse um die Staatsmacht, seiner feindlichen Haltung gegenüber der marxistisch-leninistischen Partei der Arbeiterklasse und seiner Ablehnung der Diktatur des Proletariats als Instrument zum Aufbau der sozialistischen Gesellschaft spielt der Anarchismus eine negative, hemmende Rolle in der Arbelterbewegung. … Die soziale Grundlage des Anarchismus war der durch die kapitalistische Entwicklung verur­sachte Zerfall des kleinbürgerlichen Privateigentums. Der ökonomische Ruin brachte den Kleineigentümer gegen den kapitalistischen Staat auf; zugleich fürchtete er aber auch den Sozialismus, weil er in ihm keine Perspektive für sein Privateigentum sah. »Der Anarchismus ist ein Pro­dukt der Verzweiflung. Die Mentalität des aus dem Geleise geworfenen IntellektuelIen oder des Lumpenpro­letariers, aber nicht des Proletatariers.« (Lenin, 5, S. 334/337) … Das strategische Handeln der Monopolbourgeoisie fördert Illusionen und Irrtümer und steigert zugleich den Wunsch, den Gang der Geschichte künstlich zu beschleunigen. Objektiv dient der Anarchismus der Spaltung der antiimperialisti­schen Bewegung, dient damit den Interessen des Monopolkapitals und wird von ihm politisch und ideolo­gisch genutzt. Der Kampf gegen den Anarchismus in allen heutigen Erscheinungsformen ist eine wichtige Aufgabe der marxistische-leninistischen Parteien. (siehe auch: Linksradikalismus) [2]


Sozialismus und Kommunismus: die zwei Phasen der Entwicklung der klassenlosen Gesellschaft. Die kommunistische Gesellschaft bedeutet, im Gegensatz zu den vorangegangenen gesellschaftl. Formationen, eine grundsätzliche Veränderung in eine völlig neue Ära des menschlichen Lebens überhaupt. Daher ist der direkte Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus nicht möglich, sondern er benötigt einen längeren Prozeß mit verschiedenen Entwicklungsstufen. Die materiellen Vor­aussetzungen für den Übergang zum Aufbau der neuen Gesellschaft werden durch den Kapitalismus vorbereitet. Durch die proletarische Revolution erfolgt der gewaltsame Sturz der Macht der Bourgeoisie, der zur Errichtung des Sozialismus führt. Das ist die auf der Grundlage der politischen Herr­schaft der Arbeiterklasse (s. Diktatur des Proletariats) geschaffene Gesellschaftsordnung, in der das Privateigentum an den Produktionsmitteln liquidiert ist und deren ökonomische Grundlage durch das genossenschaftlich kollektivwirtschaftliche System in der Landwirtschaft und das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln in der Industrie gebildet wird. Durch die Beseitigung der antagonistischen Klassen ist die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen aufgehoben und die Voraussetzung für die schnelle Entwicklung der Produktivkräfte gegeben. [3]

Quellenangabe:
[1] W.I. Lenin: Anarchismus und Sozialismus, in: Werke, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1955, Bd. 5, S.334ff.
[2] Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1986, S.38ff.
[3] Lexikon A-Z in einem Band, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1953, S.937

Sozialisten 385Sozialisten 386
(aus: Grundwissen für junge Sozialisten, Weltkreis Verlag Dortmund, 1980, S. 385f.)


P.S. Es wäre eine unverzeihliche Nachlässigkeit, hier nicht auch auf J.W. Stalin hinzuweisen, der 1906 ebenfalls einen sehr ausführlichen Artikel über die Frage »Anarchismus oder Sozialismus?« (nebst Anhang) schrieb und bis ins Detail begründete, was Lenin im oben ziterten Text nur andeutete.
(Danke an Nadja für den Hinweis!)

Hieraus nun folgender Ausschnitt:
Wie muß das Proletariat handeln, welchen Weg muß es einschlagen, um sein Programm bewußt zu verwirklichen, den Kapitalismus zu stürzen und den Sozialismus zu errichten?

Die Antwort ist klar: das Proletariat kann nicht durch Versöhnung mit der Bourgeoisie zum Sozialismus gelangen, – es muß unbedingt den Weg des Kampfes beschreiten, und dieser Kampf muß ein Klassenkampf, ein Kampf des gesamten Proletariats gegen die gesamte Bourgeoisie sein. Entweder die Bourgeoisie mit ihrem Kapitalismus, oder das Proletariat mit seinem Sozialismus! Darauf müssen die Aktionen des Proletariats, sein Klassenkampf beruhen.

Aber der Klassenkampf des Proletariats hat mannigfaltige Formen. Klassenkampf ist z.B. der Streik – ganz einerlei, ob er ein Teilstreik oder ein Generalstreik ist. Klassenkampf sind zweifellos der Boykott und die Sabotage. Klassenkampf sind auch Kundgebungen, Demonstrationen, Teilnahme an Vertretungskörperschaften u. a. – ganz einerlei, ob dies Landesparlamente oder örtliche Selbstverwaltungen sind. Alles dies sind verschiedene Formen ein und desselben Klassenkampfes. Wir wollen hier nicht untersuchen, welche dieser Kampfformen für das Proletariat in seinem Klassenkampf von größerer Bedeutung sind, wir bemerken nur, daß das Proletariat jede von ihnen zur rechten Zeit und am rechten Ort unbedingt braucht als das notwendige Mittel zur Entwicklung seines Selbstbewußtseins und seiner Organisiertheit. Selbstbewußtsein und Organisiertheit aber braucht das Proletariat so notwendig wie die Luft. Es muß aber auch bemerkt werden, daß für das Proletariat alle diese Kampfformen nur vorbereitende Mittel sind, daß keine dieser Formen, einzeln genommen, ein entscheidendes Mittel ist, mit dessen Hilfe das Proletariat dem Kapitalismus den Garaus machen könnte. Man kann den Kapitalismus nicht durch den Generalstreik allein aus der Welt schaffen: der Generalstreik kann nur einige Voraussetzungen für die Abschaffung des Kapitalismus vorbereiten. Es ist undenkbar, daß das Proletariat den Kapitalismus nur durch seine Beteiligung am Parlament stürzen könnte: mit Hilfe des Parlamentarismus können nur einige Voraussetzungen für den Sturz des Kapitalismus vorbereitet werden.

Worin besteht dann das entscheidende Mittel, mit dessen Hilfe das Proletariat die kapitalistische Ordnung stürzen wird? Dieses Mittel ist die sozialistische Revolution. Streiks, Boykott, Parlamentarismus, Kundgebungen, Demonstrationen – alle diese Kampfformen sind gut als Mittel, die das Proletariat schulen und organisieren. Aber kein einziges dieser Mittel ist imstande, die bestehende Ungleichheit zu beseitigen. Es ist notwendig, daß alle diese Mittel zu einem entscheidenden Hauptmittel konzentriert werden, das Proletariat muß sich erheben und zu einem entschlossenen Angriff auf die Bourgeoisie übergehen, um den Kapitalismus bis auf den Grund zu zerstören. Eben dieses entscheidende Hauptmittel ist die sozialistische Revolution.

Die sozialistische Revolution darf nicht als plötzlicher und kurz dauernder Schlag betrachtet werden, – sie ist ein lang andauernder Kampf der proletarischen Massen, die der Bourgeoisie eine Niederlage beibringen und ihre Positionen besetzen. Da nun der Sieg des Proletariats gleichzeitig die Herrschaft über die besiegte Bourgeoisie ist, da während des Zusammenstoßes der Klassen die Niederlage der einen Klasse die Herrschaft der anderen bedeutet – so wird die erste Stufe der sozialistischen Revolution die politische Herrschaft des Proletariats über die Bourgeoisie sein.

Sozialistische Diktatur des Proletariats, Ergreifung der Macht durch das Proletariat – damit muß die sozialistische Revolution beginnen.

Dies bedeutet aber, daß, solange die Bourgeoisie nicht völlig besiegt ist, solange ihr Reichtum nicht beschlagnahmt worden ist, das Proletariat unbedingt über eine militärische Macht verfügen muß, es unbedingt seine „proletarische Garde“ haben muß, mit deren Hilfe es die konterrevolutionären Attacken der sterbenden Bourgeoisie zurückschlagen wird,  genau so, wie dies beim Pariser Proletariat während der Kommune der Fall war.

Die sozialistische Diktatur des Proletariats aber ist notwendig, damit das Proletariat mit ihrer Hilfe die Bourgeoisie expropriieren, damit es mit ihrer Hilfe der ganzen Bourgeoisie den Boden, die Waldungen, die Fabriken und Werke, die Maschinen, die Eisenbahnen usw. abnehmen kann. Expropriation der Bourgeoisie – dazu muß die sozialistische Revolution führen. Dies ist das wichtigste und entscheidende Mittel, mit dessen Hilfe das Proletariat die heutige kapitalistische Ordnung stürzen wird.

Deshalb sagte Karl Marx schon im Jahre 1847, daß „…der erste Schritt in der Arbeiterrevolution die Erhebung des Proletariats zur herrschenden Klasse… ist. Das Proletariat wird seine politische Herrschaft dazu benutzen, der Bourgeoisie nach und nach alles Kapital zu entreißen, alle Produktionsinstrumente in den Händen … des als herrschende Klasse organisierten Proletariats zu zentralisieren…“ (Siehe „Kommunistisches Manifest“ [deutsche Neuausgabe, Berlin 1948, S. 31].) Diesen Weg muß das Proletariat gehen, wenn es den Sozialismus verwirklichen will. Aus diesem allgemeinen Grundsatz ergeben sich alle übrigen taktischen Anschauungen. Streiks, Boykott, Demonstrationen, Parlamentarismus sind nur insoweit von Bedeutung, als sie die Organisierung des Proletariats, die Festigung und Erweiterung seiner Organisationen zwecks Durchführung der sozialistischen Revolution fördern.

Also, für die Verwirklichung des Sozialismus ist die sozialistische Revolution notwendig, die sozialistische Revolution aber muß mit der Diktatur des Proletariats beginnen, d. h. das Proletariat muß die politische Macht in seine Hände nehmen, um mit ihrer Hilfe die Bourgeoisie zu expropriieren. Für alles dies aber sind die Organisiertheit des Proletariats, der Zusammenschluß des Proletariats, seine Vereinigung, die Schaffung starker proletarischer Organisationen und ihr unaufhörliches Wachstum notwendig.

(J.W. Stalin, Werke, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1950, Bd.1, 299ff.)


Siehe auch:
J.W. Stalin: Anarchismus oder Sozialismus?
Warum man den Anarchismus bekämpfen soll

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15 Antworten zu Anarchismus oder Sozialismus?

  1. Nadja schreibt:

    Genosse Norbert,
    Wenn schon, denn schon!
    Hinweis auf die Jugendschrift des Genossen J.W. Stalin „Anarchismus oder Sozialismus“ (1906-1907), in STALIN „Werke“ Band 1, S.257-323 und Notiz 84 dazu. Viel Erfolg wünscht,
    Nadja

    (Anm.des Blogautors: Danke sehr für den wichtigen Hinweis!)

  2. hehe, andere Meinungen werden hier nicht veröffentlicht, zeigt mal wieder den Totalitären freiheitsfeindlichen Charakter dieser Stalinisten. Nur die eigene Meinung zählt, andere Meinungen werden bekämpft und unterdrückt.

  3. Doed schreibt:

    So richtig hat mir keiner den Anarchismus erklären können bzw. was der Unterschied zwischen Kommunismus und Anarchismus ist. Einzig die Art des Weges zur klassenlosen Gesellschaft erkenne ich. Aber selbst unter den Anarchisten gibt es ja etliche Strömungen. Ich frage mich allerdings ob nicht das Kernproblem der weiterexistierende Wettbewerb ist.

    Wenn Anarchisten Institutionen ablehnen, wie organisieren diese sich? Sprechen diese sich ab, wird dadurch doch trotzdem eine Institution geschaffen. Oder wie soll das Ganze aussehen? Und wenn keine Absprache herrscht, dann entstehen die Grundlagen für Konkurrenz. Wenn nur Teile der Anarchisten sich absprechen, dann konkurrieren eventuell diese „losen Verbindungen“. Dazu kommt außerdem, dass kapitalistische Organisationen parallel erstmal weiterexistieren werden und feindlich gegenüber Anarchisten handeln oder aber auch im wirtschaftlichen Wettbewerb stehen. Der Egoismus ist ja noch nicht aus den Köpfen.

    So richtig blicke ich also beim Anarchismus nicht durch und ich hätte gerne erklärt, wie diese Gesellschaft aufgebaut werden soll. Ein Anarchist den ich spontan getroffen habe, kam mir eher mit allgemeinen Erklärungen, dass der Weg zum Kommunismus „immer“ zur Autorität neigt, mit Verweis auf die früheren sozialistischen Staaten. Leider vergessen die Anarchisten in ihrem weiter andauernden Kreuzzug gegen Kommunisten, dass dieser unter widrigsten Umständen erreicht werden sollte. Von dem einen Versuch den Sozialismus aufzubauen eine Regelmäßigkeit festzustellen ist nicht nur doof, sondern steckt leider in vielen Köpfen fest verankert drin.

    Oft wird außerdem noch die Unterdrückung der Anarchisten im Spanischen Bürgerkrieg durch Stalin vorgebracht. Vielleicht hast du, Sascha, etwas über die damalige Situation und etwaige Gründe parat?

    • sascha313 schreibt:

      Wie sich die Anarchisten das mal vorstellen, da mußt Du sie schon selber fragen. Oder – frag sie besser nicht. Du könntest Deine Zeit besser verwenden. Um von der Anarchie und dem Chaos der kapitalistischen Produktionsweise wegzukommen, bedarf es einer strengen Übergangszeit, und die läßt sich nur über eine Diktatur des Proletariats (also über die uneingeschränkte Herrschaft der bisher ausgebeuteten Klassen) lösen. Kapitalismus mit Anarchismus zu bekämpfen ist ebenso, wie wenn man den Teufel mit dem Beelzebub austreiben will…

      • Doed schreibt:

        Schade. Hatte jetzt eigentlich Argumente erwartet. Das klingt sehr resigniert im Gegensatz zu deinen üblichen informativen Blog-Artikeln auf dieser Seite. Hier in Leipzig sind viele vom Anarchismus überzeugt. Vor allem Westdeutsche neigen zu dieser Einstellung. Ich bin nicht überzeugt vom Anarchismus, möchte mich aber auch nicht so sehr voreingenommen mit ihm auseinandersetzen. Was mir jedenfalls auffällt, ist: Die Anarchisten auf ihren Webseiten greifen oftmals den Kommunismus an und schönen ihre Anschauung indem sie einen starken Kontrast zu ihm (Kommunismus, der ja zu Diktaturen führt) setzen. Ich glaube diese Menschen sind etwas zu verträumt oder blauäugig, im Anbetracht der Reaktion die sie bei einer Revolution erwartet.

      • sascha313 schreibt:

        Nein, Doed, das klingt nicht resigniert (ist es auch nicht). Im Gegenteil, der Anarchismus ist langweilig und ausgesprochen kindisch. Diejenigen, die immer noch glauben, daß die unbegrenzte „Freiheit“ zur Ordnung führt, die verhalten sich wissenschaftsfeindlich und – Du hast recht! – sie sind sehr naiv und dumm! Freiheit ist imer noch die auf die Einsicht in die (gesellschaftlichen) Gesetzmäßigkeiten gegründete Fähigkeit, mit Sachkenntnis entscheiden zu können! Und wenn es (einfach gesagt) überall durcheinandergeht und jeder macht, was er will, kann man keinen Sozialismus aufbauen!

  4. rheinlaender schreibt:

    Hallo Doed,
    die Haufen anarchistischer, verträumter Splittergrüppchen wirken auf Jugendliche und Politikverdrossene sicher sympatisch. Aber in der Realität träumen ALLE von einer Nische im Kapitalismus. SO sieht es dann auch in der Realität aus. Meine persönlichen Erfahrungen : Einige fahren illegal Giftmüll, andere bieten sich als Streikbrecher den Bonzen an, andere betreiben erfolglos Studenten Kneipen oder Buchläden für Schundliteratur, wieder andere werden esoterische Wahrsager, Yoga Gurus, Künstler, Kiffer, Liedermacher oder gleich Selbstmordkandidaten. Auf jeden Fall ist es doch verdächtig, dass die Anarchisten so putzig ins Weltbild der Kapitalisten passen. „Anarchismus“ / antiautoritär mag ja ein netter / witziger Charakterzug sein, hat aber mit Wissenschaft im politisch / ökonomischen Sinne nichts zu tun.

    • sascha313 schreibt:

      Danke, rheinlaender!

      • Tobi schreibt:

        Guter Beitrag. Mir fällt auch auf. Oder ich sehe das so, dass die heutige „Antifa“ in der Bundesrepublik völlig von Anarchisten und den Antideutschen unterwandert ist. Vor allem sind die Grenzen zwischen den beiden Splittergruppen fließend. Was ich mal auf einer anarchistische Facebook-Seite gelesen habe. Anarchisten wollen sich aber von den antideutsch-zionistischen und als Antifaschisten verkleideten Faschos abgrenzen. Trotzdem unterscheiden sich die Anarchisten da kaum, weil es wie in obigen Beitrag schon erwähnt eben um kleinbürgerliche pseudorevolutionäre Strömung handelt. Und somit die nützlichen Idioten des internationalen Finanzkapitals darstellen.

  5. Rafa schreibt:

    So viele Unwissenheit über das Wesen der Anarchie habe ich noch nie gehört. Man muss sich natürlich schon besser informieren, wenn man das Wesen des der HERRSCHAFTSFREIEN Gesellschaft besser verstehen will. Marxisten/Kommunisten wollten keine herrschaftsfreie Gesellschaft: Das haben sie mit der brutalen Durchsetzung ihrer unterdrückenden, mörderischen Ideologie bewiesen. Das Perfide an der Geschichte ist, dass sie damit die Dauer des Kapitalismus verlängert haben.
    Auch die Geschichte der Anarchie darf selbstredend kritisch betrachtet werden. Doch so einfach kann man es sich nicht machen.
    Eine herrschaftsfreie Gesellschaft benötigt hohes ethisches Bewusstsein und Ordnung. Aber von unten nach oben und nicht umgekehrt.

    • sascha313 schreibt:

      Sie scheinen ja alles, was nicht Ihren Ansichten entspricht, als „Unwissenheit“ abzuqualifizieren. Gibt es überhaupt andere Sichtweisen, die Sie gelten lassen? Wenn ja welche? Ich hätte da schon ein paar Fragen:
      1. Welche „brutale Durchsetzung“ einer „unterdrückenden, mörderischen Ideologie“ meinen Sie denn? Und wie kommen Sie darauf, daß die Marxisten/Kommunisten „die Dauer des Kapitalismus verlängert“ hätten? Inwiefern? Können Sie das mal erklären?
      2. Gibt es denn ein Beispiel oder einen Beweis dafür, daß die Anarchie – sagen wir – in den letzten funfhundert Jahren irgendwo auf der Welt schon mal funktioniert hat?
      3. Wenn Sie darauf bestehen, daß sich „ethisches Bewußtsein und Ordnung“ von „unten nach oben“ verwirklichen – wie soll das geschehen? Ist damit gemeint, daß man seine Hausschuhe immer ordentlich am gleichen Platz abstellt? Und den Abfall nicht auf die Straße wirft?

    • Doed schreibt:

      Rafa,
      die Argumente der Anarchisten kenne ich und dienen meines Erachtens der Spalterei. Dass Sie behaupten, die Kommunisten wollen keine herrschaftsfreie Gesellschaft, zeugt eigentlich von ihrer Blödheit. Auf der vergangenen Geschichte reiten die Anarchisten ja gerne rum, leider völlig ohne Bezug zum historischen Rahmen, also mit Hinweis auf die Feindschaft der liberalen und monarchistischen Regierungen. Diese Feindschaft, die die Sowjetunion schon seit Anbeginn ihrer Existenz erlebt hat, haben schon Marx und Engels in weiser Voraussicht beschrieben, und zwar anhand voriger gesellschaftlicher Umbrüche. Von daher kann man ihren Einwurf nur mit dem Prädikat „peinlich“ versehen.

      Im Falle einer anarchistisch geprägten Revolution wird diese meines Erachtens gnadenlos an mangelnder Diszplin/Organisation scheitern, weil die Anhänger trotz ihrer radikalen Anti-Establishment-Haltung scheinbar von der Gutmütigkeit der herrschenden Eliten ausgehen.

  6. Hanna Fleiss schreibt:

    Wenn ich davon ausgehe, dass der Mensch ein gesellschaftliches Wesen ist, ergibt sich für mich zumindest die Notwendigkeit einer Ordnung, damit die Menschen friedlich zusammenleben können. Der Anarchismus hat seine guten Zeiten sehr lange schon hinter sich, er war mal revolutionär zuzeiten des ausgehenden Feudalismus, hat aber der heutigen Zeit nichts mehr zu bieten mit seinem Antikommunismus. Und zwar der Zeit, als sich die Arbeiterklasse eine wissenschaftliche Theorie gab, um dieses friedliche Zusammenleben auf menschliche Weise organisieren zu können. Meiner Ansicht nach kann es keine menschlichen Zusammenschlüsse geben, sei es als Staat, sei es als lose Gruppe, in der jeder Staatsbürger oder Kumpel genau das machen kann, was er will, weil ihm niemand sagt, was das Richtige ist. Und darauf zu vertrauen, dass „die unten“ von selbst ethische und moralische Normen (wozu ich auch die Produktionsverhältnisse zähle) ausbilden, die von „denen oben“ dann akzeptiert werden, so dass die Welt ein einziger Kuss der Brüderlichkeit wird, das ist nun wirklich eine Wunschvorstellung, die noch nicht mal im Zeitalter der Gens existierte. Auch die Gens, wie Engels schreibt, wurde geleitet, hatte für die ganze Gens verantwortliche Personen bestimmt oder gewählt, es war also keinesfalls so, wie sich die vormarxistische Wissenschaft die „Steinzeit“ vorstellte. Solltest du mal eine klare Stunde haben und von dem ganzen Anarchismus-Blödsinn wegkommen wollen, greif zum Buch und lies „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“, und du wirst feststellen, dass deine ganzen bisherigen „Theorien“ auf Sand gebaut sind. Übrigens, in diesem Buch fällt nicht ein einziges Wort, das man selbst mit bösestem Willen als „kommunistisch“ bezeichnen könnte, das ist auch kein trockenes Zeug, sondern Engels schreibt in einer sehr verständlichen Sprache, die jeder verstehen kann. Du erfährst, wenn du es aufmerksam gelesen hast, wie es, ausgehend von der Stammesgesellschaft, zur Bildung von Staaten kam und warum es überhaupt ein Privateigentum an Produktionsmitteln gibt. Ich wünsche dir diese klare Stunde.

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