Der erste Weltkrieg war kein Zufall…

Um den deutschen Imperialismus von seiner Schuld am Weltkrieg reinzuwaschen, werden in in diesem Jahr, dem 100. Jahrestag des Beginns des 1. Weltkriegs, von den Auftragsschreibern der Bourgeoisie zahlreiche Versuche unternommen, die Geschichte zu fälschen und diesen verheerenden Krieg, der insgesamt rund 17 Millionen Menschenleben kostete, quasi als ein Natuerereignis, als eine »vermeidbare Katastrophe« hinzustellen. Das dies angesichts der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland eine dreiste Lüge ist, wird sichtbar, wenn man sich einmal die Zeit von der Jahrhundertwende bis zum Beginn des 1.Weltkriegs ansieht. Hier also noch einmal ein Überblick über die tatsächlichen Ereignisse jener Zeit…

Die Vorkriegszeit von 1900 bis 1914

Die im Jahre 1900 einsetzende Wirtschaftskrise beschleunigte den Konzentrationsprozeß in Industrie und Bankwesen ganz außerordentlich. Die kapitalistischen Monopole standen an erster Stelle in der Volkswirtschaft wie in der Politik, »der Imperialismus hat sich aus den Ansätzen zum herrschenden System entwickelt« [1]. Die deutsche Wirtschaft machte so stürmische Fortschritte, daß es ihr gelang, binnen 15 bis 20 Jahren die englische zu überholen. Der Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschland bestätigte die Leitsätze des 1915 von Lenin entdeckten Gesetzes der ungleichmäßigen Entwicklung des Kapitalismus unter den Verhältnissen des Imperialismus in besonders drastischer Weise.

  Gründe für die Aggressivität des deutschen Imperialismus

Im Jahre 1892 wurden in Deutschland 4,9 Mill. t Roheisen hergestellt, in England 6,8 Mill.; 1912 bestand bereits ein Verhältnis von 17, 6 Mill. t zu 9,0 Mill. t. »Es fragt sich«, schreibt Lenin, »welches andere Mittel konnte es auf dem Boden Kapitalismus geben außer dem Krieg, um das Mißverhältnis zwischen der Entwicklung der Produktivkräfte und der Akkumulation des Kapitals einerseits, der Verteilung der Kolonien und der Enflußsphären des Finanzkapitals andererseits zu beseitigen« [2]. Die Politik der deutschen Regierung wurde so immer reaktionärer und agressiver.

Worin zeigte sich die deutsche Aggressivität?

Die erste Amtshandlung des Reichskanzlers v.Bülow, der 1900 Hohenlohes Nachfolger wurde, war die Intervention in China zur Unterdrückung der nationalen Befreiungs-bewegung (des Ngi-ho-t’uan-Aufstandes). Bestrebt, das Bündnis des Monopolkapitals mit den Junkers zu festigen, setzte Bülow 1902 im Reichstag die Annahme eines Zolltarifs durch, der eine beträchtliche Erhöhung der Getreidezölle mit sich brachte und sich auf die Lage der Werkätigen nachteilig auswirkte. Im Jahre 1903 kam es zu einem 6 Monate dauernden Streik der Textilarbeiter in Crimmitschau (Königreich Sachsen). Aber da sich die opportunistischen Gewerkschaftsführer mit den Unternehmern verständigen konnten, endete er mit einer Niederlage der Arbeiter. …
Stahlwerk
Stahlwerk: Diese Industrie ist ein Moloch…

Die Wirtschaftskrise 1907 beschleunigte das Anwachsen der Monopole. Sämtliche materiellen Hilfsquellen des Landes waren in der Hand von 300 Kapitalmagnaten konzentriert. … Die sozialdemokratischen Führer gaben die Parole aus »Gleiches Recht für alle Staaten in den Kolonien!« Sie wollten dadurch faktisch die räuberische Politik des deutschen Imperialismus rechtfertigen. Im Wettstreit mit der englischen Regierung ließ sich die deutsche Regierung von 1911 an jedes Jahr höhere Beträge für den Heeres- und Marinehaushalt vom Reichstag bewilligen. Die Ausgaben des Deutschen Reiches für Heer und Flotte waren von 1879 bis 19145, in 35 Jahren, auf das Fünffache gestiegen.

Und so begann der 1. Weltkrieg

In der Nacht zum 1. August 1914 erklärte das Deutsche Reich Rußland den Krieg, wobei es die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand von Österreich durch serbische Nationalisten am 28. Juni dieses Jahres und den anschließend begonnenen Angriff Österreich-Ungarns gegen Serbien zum Vorwand nahm. Am 3. August 1914 wurde Frankreich vom Deutschen Reich der Krieg erklärt. Am 4. August 1914 folgte die Kriegserklärung Englands an Deutschland. Dem Dreibund stand somit die englisch-französisch-russische Entente gegenüber. Deutschland verfügte vor Ausbruch des Krieges über 51 Infanteriedivisionen, 11 Kavalleriedivisionen (bis zum 1. September 1914 waren 120 Infanteriedivisionen aufgestellt), etwa 240 Flugzeuge und eine starke Flotte. Die Entfesselung des Krieges durch das Deutsche Reich war durch die provokatorische Politik Englands während des österreichisch-serbischen Konfliktes begünstigt worden, da sie Deutschland zu der Erwartung berechtigte, England werde in dem bevorstehenden Kriege neutral bleiben. So begann der erste Weltkrieg 1914-1918.

Der Verrat der Sozialdemokraten durch Bewilligung der Kriegskredite

Am 4. August 1914 stimmte die sozialdemokratische Reichstagsfraktion für die Kriegskredite und damit für die Unterstützung des imperialistischen Krieges. Ihren Verrat am Proletariat suchte sie mit dem verlogenen Hinweis auf den fortschrittlichen Charakter eines Krieges gegen die russische Selbstherrschaft als den Gendarm Europas zu rechtfertigen, während gleichzeitig die wirklichen Gendarmen Europas, die über genügend Kräfte und Mittel verfügten, um tatsächlich Gendarmen sein zu können, nicht in Petrograd, sondern in Berlin, Paris und London saßen [3], Die rechten Sozialdemokraten nahmen eine offen sozialchauvinistische Stellung ein, während die Zentristen ihren Sozialchauvinismus mit allen Mitteln zu tarnen suchten. Die deutschen linken Sozialdemokraten bekämpften zwar die Sozialchauvinisten entschlossen und rückhaltlos, aber sie brachen nicht sofort mit ihnen und begingen Fehler in Fragen, die sich auf den damals geführten imperialistischen Krieg und die nationale Befreiungsbewegung bezogen.

Kommunisten gegen den Krieg

Lenin und Stalin entlarvten die Sozialchauvinisten als die Handlanger des Imperialismus und übten scharfe Kritik an den Fehlern der linken Sozialdemokraten. Sie brachten diese Gruppe auf den richtigen Weg, der zur Festigung des revolutionären Flügels der Sozialdemokratie und später zur Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands führte. Die deutsche Arbeiterklasse beantwortete die Kriegserklärung der Regierung durch Protestversammlungen und -demonstrationen, Am 31. Oktober 1914 veröffentlichten Karl Liebknecht. Rosa Luxemburg, Klara Zetkin und andere linke Sozialdemokraten in der »Berner Tagewacht« eine Erklärung gegen die Unterstützung des Krieges durch die Führung der deutschen Sozialdemokratie.

Der gescheiterte Blitzkriegsplan v. Schlieffens

Bei der Kriegserklärung hatte die deutsche Regierung damit gerechnet, daß der Krieg gemäß dem Plan des Generals Grafen v. Schlieffen in acht Wochen beendet sein werde. Aber bereits nach der Niederlage der deutschen Truppen in der Marne-Schlacht (3.-10. September 1914), die durch den Angriff der russischen Armee auf Ostpreußen hervorgerufen worden war, ergab es sich, daß der Plan eines Blitzkrieges mißlungen war.
chateauwood 1914
Zerschossener Wald in Frankreich 1914

Die Lage Deutschlands verschlechterte sich, als die besten Streitkräfte des mit Deutschland verbündeten Österreich-Ungarn im September 1914 von den Russen in Galizien vernichtend geschlagen wurden und der andere Bundesgenosse, Italien, im Mai 1915 auf die Seite der Entente trat. Die deutsche Regierung mobilisierte jetzt immer größere Massen (insgesamt wurden während des Krieges 13 Mill. Mann zum Heer einberufen). Im Laufe des Krieges verdoppelte sich die Gesamtstärke der bewaffneten Macht Deutschlands von 4,5 Mill. Mann im Jahre 1914 stieg sie auf 8 Mill. im Jahre 1918 an.

Der Krieg – ein profitables Geschäft für Krupp & Co.

Im Jahre 1915 warfen Deutschland und Osterreich-Ungarn ihre Hauptkräfte gegen Rußland, um es aus dem Kriege auszuschalten. Die Russen waren, obwohl sie etwas zurückgehen mußten, noch genügend stark, um dem Gegner hartnäckigen Widerstand zu leisten und dadurch die Pläne der deutschen Obersten Heeresleitung zu vereiteln. Deutschland vermochte mit seiner strategischen Hauptaufgabe, Rußland aus dem Kriege auszuschalten, nicht fertig zu werden. Das russische Heer hatte die Hauptmacht des Gegners auf sich gezogen und dadurch England und Frankreich eine Atempause verschafft, die beide Mächte zur Vorbereitung militärischer Operationen gegen Deutschland benutzten. Der Krieg führte einerseits zur Profitsteigerung für die Imperialisten und andererseits zur Verelendung der werktätigen Massen.
Die dicke Berta
Krupp-Kanonenproduktion: die »dicke Berta«

Während die Profite Krupps von 33,9 Mill. Mark im Jahre 1913 auf 86,4 Mill. Mark im Jahre 1914 anstiegen, war der Reallohn der Arbeiter bereits gegen Mitte 1915 um die Hälfte gesunken. In der Produktion wurden die Dienstpflicht und der Zwölfstundentag eingeführt, die Ausbeutung der Frauen, Halbwüchsigen und Kinder wurde in verstärktem Maße betrieben, Streiks wurden verboten. Für die wichtigsten Nahrungsmittel gab es jetzt ein Kartensystem. Im März 1915 setzten wieder Straßendemonstrationen der Arbeiter sowie Streiks ein. Die Bewegung unter den Arbeitern veranlaßte auch einen Teil der Zentristen, zusammen mit den linken Sozialdemokraten an den Weltkonferenzen der Internationalisten teilzunehmen, die im September 1915 in Zimmerwald und im Frühjahr 1916 in Kienthal stattfanden. Diese Konferenzen waren, da auch Lenin an ihnen teilnahm, von großer Bedeutung für den Zusammenschluß der linken Sozialdemokraten und ihre Abgrenzung gegenüber dem Sozialchauvinismus.

Der gescheiterte Krieg vor Verdun

Das deutsche Heer vermochte, da es in den Kämpfen an der russischen Front geschwächt worden war, keinen entscheidenden Angriff zu unternehmen, der die gesamte Westfront aufgerollt hätte, sondern sah sich genötigt, sich auf die Lösung einer Teilaufgabe zu beschränken, die Einnahme des Festungsrayons von Verdun. Am 21. Februar 1916 trat die deutsche Armee zum Sturm auf Verdun an, der (mit geringen Unterbrechungen) zehn Monate währte. Der Versuch der Obersten deutschen Heeresleitung, den Sieg durch Zermürbung des Gegners bei Verdun zu erringen, schlug fehl.
Douaumont 1917
Douaumont 1917: Die Hölle kann nicht furchtbarer sein…

Die Deutschen erlitten dabei weit höhere Verluste als die Franzosen. Sie verloren im Verlauf der Kämpfe bei Verdun ungefähr 600.000 Mann. Von großer Bedeutung für den Gesamtverlauf des Krieges waren die Operationen der Russen. Im Juni 1916 durchbrachen sie die Südwestfront, wodurch die Lage der Franzosen und Engländer an der Westfront bedeutend erleichtert wurde. Infolge des Durchbruchs der russischen Armeen an der Südwestfront mußte die deutsche Oberste Heeresleitung ungefähr 24 Divisionen von der französischen Front an die Ostfront werfen und die Angriffe bei Verdun einstellen. Der deutsche Imperialismus konnte die Blockade weder im Osten noch im Westen, weder im Südosten noch zur See durchbrechen.

Die Verhaftung von Karl Liebknecht

Je länger sich der Krieg hinzog, um so mehr verschlechterte sich die Lage der werktätigen Massen. Deutschland litt, wie Lenin feststellte, »glänzend organisierten Hunger«. Die Ernährung der Bevölkerung war 1916 gegenüber der Vorkriegszeit um das Dreifache zurückgegangen. Am l. Mai 1915 veranstaltete eine Gruppe der deutschen linken Sozialdemokraten, die »Internationale« (1918 in »Spartakusbund« umbenannt), eine Demonstration auf dem Potsdamer Platz zu Berlin, obwohl diese von den opportunistischen sozialdemokratischen Führern sabotiert wurde. Während dieser Demonstration wurde Karl Liebknecht verhaftet und anschließend zu Zuchthaus verurteilt.
Liebknecht
Karl Liebknecht

Als Antwort auf die Verurteilung Karl Liebknechts traten 60.000 Berliner Arbeiter und Zehntausende von Arbeitern einiger anderer Städte Deutschlands in den politischen Streik. Die Streikbewegung wuchs. Unvollständigen Angaben des Statistischen Reichsamts zufolge beteiligten sich im zweiten Halbjahr 1914 21.000 Personen an Streiks, 1915 wurden 137 Streiks mit 47.000 Beteiligten registriert. 1916 fanden 240 Streiks mit 422.000 Teilnehmern statt. Die militärischen Mißerfolge, die äußerste Erschöpfung der wirtschaftlichen Hilfsquellen Deutschlands und das Wachstum der Arbeiterbewegung gaben den deutschen Regierungskreisen Veranlassung, im Herbst 1916 Versuche zum Abschluß eines imperialistischen Separatfriedens zu unternehmen, die aber fehlschlugen.

Der vergebliche Versuch des uneingeschränkten deutschen U-Boot-Krieges

Lenin durchschaute die Taktik des deutschen Imperialismus. Im November 1916 schrieb er: »In Deutschland macht sich in letzter Zeit bei der Bourgeoisie (und nach ihr auch bei den Sozialchauvinisten) auf der ganzen Linie ein Umschwung bemerkbar, und zwar zur Russenfreundlichkeit, zum Separatfrieden mit Rußland, ein Bestreben, Rußland zu begütigen, um dann mit ganzer Kraft gegen England loszuschlagen« [4]. Im Feldzug des Jahres 1917 lag die Initiative auf Seiten der Entente. Die deutsche Koalition befand sich in einer schwierigen Lage. Im Hinblick darauf gingen die deutsche Oberste Heeresleitung und ihre Bundesgenossen auf dem Festland zur Defensive über, um durch den uneingeschränkten U-Boot-Krieg der Wirtschaft des Hauptfeindes England einen schweren Schlag zu versetzen. Der deutsche Plan eines uneingeschränkten U-Boot-Krieges scheiterte jedoch, Auf dem Festland gelang es der deutschen Koalition, unter großen Verlusten die Angriffe der Entente abzuweisen und den Zerfall Osterreich-Ungarns durch erfolgreiche Operationen an der italienischen Front (Caporetto) hinauszuzögern.

Eine revolutionäre Situation in Deutschland

In Deutschland wuchs die revolutionäre Bewegung. Unter dem Einfluß der russischen bürgerlich-demokratischen Revolution vom Februar 1917 zog sie noch weitere Kreise. In diesem Jahr stieg die Anzahl der Streiks in Deutschland auf 561 an, die Zahl der Streikenden auf 1.467.000. Am 6.April 1917 traten 300.000 Arbeiter der Rüstungsbetriebe Berlins in den Streik. Der Streik dehnte sich auf zahlreiche andere Städte Deutschlands. So streikten in Leipzig 18.000 Arbeiter. Außer Brot und Kohle forderten sie einen Frieden ohne Annexionen und ohne Kontributionen sowie die Wahl eines Rates der Arbeiterdeputierten.
Deutsch-russische Soldatenverbrüderung
Deutsch-russische Soldatenverbrüderung an der Ostfront

An der Front begannen sich die Soldaten zu verbrüdern, und in der Flotte bahnte sich eine revolutionäre Bewegung an. Von den Matrosen wurden auf den Schiffen nach dem Vorbild der während der Revolution in Rußland gebildeten Sowjets Kommissionen eingesetzt. Die Bewegung erfaßte 12 Kriegsschiffe, wurde aber brutal unterdrückt. Die Regierung verurteilte die Führer und aktiven Teilnehmer der revolutionären Aktionen zu Zuchthaus- und Gefängnisstrafen.

Deutschland vor dem militärischen Fiasko

Im Mai 1917 unternahmen die Sozialchauvinisten in der Rolle von offiziellen Diplomaten der imperialistischen Regierung Versuche, mit den Sozialchauvinisten der anderen kriegführenden Länder über einen Friedensschluß zu verhandeln. Durch Vermittlung des dänischen Sozialdemokraten Borgbjerg machten sie den Vorschlag, eine sog. Sozialistenkonferenz nach Stockholm einzuberufen. Lenin entlarvte damals die deutschen Sozialchauvinisten als imperialistische Agenten. Während die deutsche Arbeiterbewegung immer mehr an Boden gewann – ein Beweis für die Krise in den unteren Schichten des Volkes begann die Krise auch in den »oberen Schichten. Am 14. Juli 1917 erhielt Bethmann-Hollweg seine Entlassung als Reichskanzler. Sein Nachfolger Michaelis war politisch ohne Bedeutung. Die Macht war faktisch in der Hand der Militärdiktatoren v. Hindenburg und Ludendorff konzentriert. Deutschland erstickte in wirtschaftlicher Zerrüttung, Hunger, Arbeitslosigkeit, Teuerung und Elend.
Krieg
Das Elend des Krieges

Die Verluste an Menschen waren hoch. Der Krieg raubte Millionen Menschenleben: allein die Zahl der Gefallenen und der während des Krieges Verschollenen betrug ungefähr 2 Millionen, zusammen mit den Gefangenen und Verwundeten waren es 7,5 Millionen.

Erneuter Verrat der deutschen Sozialdemokratie

Die rechten Sozialdemokraten und Zentristen suchten mit allen Mitteln zu verhindern, daß die revolutionäre Situation in eine Revolution überging. Da die Arbeitermassen den rechten Sozialdemokraten den Rücken kehrten, machten die Zentristen ein Manöver: um die Arbeiterklasse ihrem Einfluß nicht entgleiten zu lassen, inszenierten sie einen Bruch mit den rechten Sozialdemokraten und gründeten die reformistische Unabhängige Sozialdemokratische Partei« (9. April 1917). Dadurch erschwerten sie die Schaffung einer wahrhaft revolutionären deutschen Arbeiterpartei.

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution, die die Ära des Zusammenbruches des Kapitalismus eröffnete, übte einen entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der revolutionären Bewegung in Deutschland aus. Am 25. November 1917 kam es in Berlin zu einer Massendemonstration der Arbeiter. Das Volk begrüßte die Errichtung der Sowjetmacht in Rußland und forderte die unverzügliche Einstellung des Krieges.
Oktoberrevolution
Die Große Sozialistische Oktoberrevolution

Der Raubfrieden von Brest-Litowsk

Als Antwort auf die räuberischen Friedensbedingungen, die von der kaiserlichen deutschen Regierung bei den Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk Sowjetrußland gestellt wurden, brach am 28. Januar 1918 in Berlin ein politischer Streik aus. »Das Verbrechen«, schrieb Wilhelm Pieck, »das in Brest-Litowsk gegen die junge Sowjetregierung begangen wurde, war auch gleichzeitig ein Verbrechen gegen das deutsche Volk selbst«. Binnen kurzem erfaßte der Streik die wichtigsten Zentren des Landes. Es streikten mehr als eine Million Arbeiter, die den unverzüglichen Abschluß eines Friedensvertrages mit Sowjetrußland ohne Annexionen und Kontributionen sowie die Demokratisierung des politischen Lebens in Deutschland forderten.

Der Januarstreik in Deutschland 1917

In Berlin und in einer Reihe anderer deutscher Städte wurden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. Während der Streikperiode entstand die Einrichtung der »revolutionären Obleute«, Zwischen den streikenden Arbeitern und der Polizei kam es zu Zusammenstößen. Die sozialdemokratischen Führer, die sich an die Spitze des Streiks gestellt hatten, nur um ihn abzuwürgen, gaben am 3. Februar 1918 seinen allgemeinen Abbruch bekannt. Nach den Worten Ernst Thälmanns war der Januarstreik ein Zeichen dafür, daß »die Welle der russischen Revolution, der siegreiche Oktober, nicht an der Grenze Rußlands halt machte, sondern auch andere Länder erfaßte«.

Der Sieg der jungen Sowjetarmee bei Narva und Pskow

Nachdem die Friedensverhandlungen in Brest durch den Verrat der Trotzkisten unterbrochen worden waren, ging Deutschland an der gesamten Ostfront zum Angriff über, besetzte einen bedeutenden Teil sowjetrussischen Territoriums und bedrohte Petrograd. Die deutschen Imperialisten verfolgten dabei das Ziel, die Sowjetmacht zu stürzen und Rußland in eine deutsche Kolonie zu verwandeln. Als aber die Rote Armee am 23. Februar 1918 den deutschen Okkupanten bei Narwa und Pskow eine entscheidende Abfuhr erteilte, ging Deutschland im März 1918 auf die Unterzeichnung des Friedensvertrages mit Sowjetrußland ein.

Die Abtrennung der Ukraine von Sowjetrußland

Trotz des bestehenden Friedensvertrages setzten die deutschen Imperialisten jedoch alles daran, das Sowjetland zu isolieren, zu schwächen und zugrunde zu richten. Unter Berufung auf einen »Vertrag« mit der ukrainischen Rada trennten sie die Ukraine von Sowjetrußland ab, ließen auf Grund von Abmachungen mit grusinischen und aserbaidshanischen Nationalisten deutsche und türkische Truppen in Transkaukasien einmarschieren und begannen, sich in Tiflis und Baku als Herren aufzuspielen. In den von den deutschen und österreichischen Truppen besetzten Gebieten entbrannte der vaterländische Krieg des Sowjetvolkes gegen die Eindringlinge, der mit der Vertreibung der deutschen Okkupanten endete.

Die Interventionspläne der deutschen Imperialisten

Die deutsche Oberste Heeresleitung beabsichtigte, durch die Intervention gegen den Sowjetstaat ihre Hilfsquellen für den Kampf im Westen zu vermehren. Diese Pläne schlugen jedoch fehl. Anstatt neue Ressourcen zu gewinnen, waren die deutschen Imperialisten gezwungen, starke Kräfte nach Osten abzuziehen; so konnten sie sich nicht einmal von dem Zweifrontenkrieg freimachen. Die deutsche Truppenführung, die erkannt hatte, daß dem kaiserlichen Deutschland durch Verlängerung des Krieges der Zusammenbruch drohte, unternahm im Verlauf des Frühjahrs und des Sommers 1918 eine Offensive an der Westfront. Diese abenteuerlichen Angriffsoperationen konnten die hoffnungslose militärische Gesamtlage Deutschlands nicht verbessern. Am 8. August 1918 gingen die Truppen der Entente an der gesamten Westfront zur Offensive über. Die Armeen Deutschlands und seiner Verbündeten waren durch die langen, erfolglosen Kämpfe erschöpft und erlitten eine Niederlage.

Die USA mischen sich ein …

Am 29. September 1918 kapitulierte das mit Deutschland verbündete Bulgarien und am 3. November das auseinanderfallende Österreich-Ungarn. Die militärische Niederlage beschleunigte die Entwicklung der politschen Krise in Deutschland. Die herrschende Clique nahm zu einem Manöver Zuflucht. Um sich vor der Revolution zu retten, bildeten die deutschen Imperialisten am 3. Oktober 1918 unter Prinz Max von Baden eine Koalitionsregierung. In dieser sogenannten »demokratischen« Regierung war die Sozialdemokratie mit ihren Führern Scheidemann und Bauer vertreten. Die Bildung dieser neuen Regierung war von dem Präsidenten der USA, Woodrow Wilson, diktiert worden. Die amerikanischen Monopolherren  traten bereits damals offen als Retter des deutschen Imperialismus auf. In der Nacht zum 5. Oktober wandte sich die neue Regierung an den Präsidenten der USA mit der Bitte, Waffenstillstand zu schließen und Friedensverhandlungen einzuleiten.

Die Novemberrevolution in Deutschland

Die militärische Katastrophe verschärfte die zu jener Zeit herangereifte politische Krise und beschleunigte den Ausbruch der Revolution. Am 3. November 1918 erhoben sich im Kieler Hafen die Matrosen der Kriegsflotte Im Laufe der ersten Novemberwoche erfaßte der Aufstand nahezu das gesamte Land.
Novemberrevolution
Novemberrevolution: Rote Matrosen

Auf Geheiß der anglo-amerikanischen Imperialisten die die bewaffnete Intervention gegen den Sowjetstaat durchführten, brach die deutsche Regierung am 5. November 1918 die diplomatischen Beziehungen zu Sowjetrußland ab und forderte die Abreise der sowjetischen Botschaft aus Berlin. Unterdessen griff der Aufstand immer weiter um sich. In einigen deutschen Staaten wurden die Dynastien gestürzt. Überall bildeten sich Arbeiter- und Soldatenräte. Der »Spartakusbund« förderte durch seine revolutionäre Propaganda die Schaffung von Räten in ganz Deutschland; er war jedoch organisatorisch schwach und vermochte nicht, sich an die Spitze der revolutionären Massenbewegung zu stellen. Die rechten Sozialdemokraten und die Mitglieder der sog. Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (die »Unabhängigen«), die sich das Fehlen einer einigen revolutionären Partrei zunutze machten, rissen in den Räten die Führung an sich, um mit Hilfe der Räte die Konterrevolution vor der Revolution zu schützen. [5] Am 9. November traten die Arbeiter Berlins nach einem Aufruf des Spartakusbundes in den Generalstreik. Die Arbeiter und mit ihnen die Soldaten besetzten die wichtigsten Regierungsgebäude, die Post, das Telegrafenamt, die Bahnhöfe u.a. Unter dem Druck der revolutionären Massen brach die Monarchie der Hohenzollern zusammen. Kaiser Wilhelm II. floh nach Holland.

Quelle:
J.Kuczynski/W.Steinitz (Hrsg.): Deutschland, Verlag Kultur und Fortschritt Berlin, 1953, S.129-142 (Ausschnitte)

Die Kapitulation des Deutschen Reiches

Am 11.11.1918 Unterzeichnung des Waffenstillstands in Compiégne. Die deutschen Kolonien in Asien und Afrika wurden 1914/16 von den Ententetruppen besetzt bzw. erobert. Reste der deutschen Truppen in Ostafrika kapitulierten November 1918. Zur See besaß die Entente seit 1914 die Überlegenheit.
Gräber 1.Weltkrieg
Das Ende der deutschen Aggression im 1. Weltkrieg

Ergebnisse des 1.Weltkriegs: Durch den ersten Weltkrieg entscheidend mitbeeinflußtes welthistorisches Geschehen war der Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, der die Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus/Kommunismus einleitete. Beginn der allgemeinen Krise des Kapitalismus. Aufschwung der revolutionären und nationalen Bewegung, Gründung kommunistischer Parteien. Verluste: über 10 Mill. Tote, 20 Mill. Verwundete; 1.300 Milliarden Mark. Die imperialistischen Sieger schlossen mit den besiegten Mächten einen Raubfrieden (mit Deutschland: Vertrag von Versailles 28.6.1919). Der Krieg war militärisch durch den Einsatz von Millionenheeren auf ausgedehnten Kriegsschauplätzen und durch neue Kampfmittel (Panzer, deutsches Giftgas, Flugzeuge) gekennzeichnet. (Quelle: Meyer’s Lexikon A-Z, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1980, S.1016)

Zitate:
[1] W.I. Lenin: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. In: Ausg.Werke in 2 Bdn., Dietz Verlag Berlin, 1952, Bd.I, S.857.
[2] ebd., S.848.
[3] Vgl. J.W. Stalin: Über die politische Strategie und Taktik der russischen Kommunisten. In: J.W. Stalin,  Dietz Verlag Berlin (DDR), 1952, Werke, Bd.5, S.63.
[4] W.I. Lenin, Dietz Verlag Berlin (DDR) , Werke, Bd.23, S.118
[5] vgl. J.W. Stalin: Fragen des Leninismus. Dietz Verlag Belrin (DDR), 1951, S.489.

Siehe auch:
2. Weltkrieg: Die Kriegsschuld Deutschlands und die Mitschuld des deutschen Volkes

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2 Antworten zu Der erste Weltkrieg war kein Zufall…

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