Der Raubfriede von Brest-Litowsk und die deutschen „Interessen“ im Osten…

Dies ist nun mal wieder ein längerer „Ausflug“ in die Geschichte. Man wird die Vorgänge um die Ukraine und den faschistischischen Putsch in Kiew nur verstehen, wenn man auch die Vorgeschichte kennt. Schon vor hundert Jahren hat der deutsche Imperialismus versucht, sich der Reichtümer und der Bodenschätze dieser Länder im Osten Europas zu bemächtigen…
Karte Sowjetunion 1918
Nach dem Sieg der Oktoberrevolution

Mit der Errichtung und Ausbreitung der Sowjetmacht über das ganze Land ging die Zerschlagung der alten Staatsmaschinerie, des bürgerlichen Machtapparates, und die Schaffung des neuen Sowjetapparates Hand in Hand. Konterrevolutionäre suchten die Beamten des alten Apparates zur Sabotage zu bewegen. Zur Schaffung des neuen Staatsapparates wurden Arbeiter, Soldaten und Matrosen herangezogen. Draußen im Lande vollzog sich die Bildung der örtlichen Organe der Sowjetmacht – der Dorfsowjets, der Wolost-, der Kreis- und Gouvernementsvollzugsausschüsse der Sowjets der Arbeiter-, Soldaten und Bauerndeputierten. Die Menschewiki und die rechten Sozialrevolutionäre suchten dem Aufbau der Sowjetmacht in jeder Weise Hindernisse in den Weg zu legen. Die Bolschewiki waren gezwungen, gegen Opportunisten und Feinde in den eigenen Reihen (Kamenew, Sinowjew, Rykow u.a.) zu kämpfen, ebenso gegen die vom Allrussischen Vollzugsausschuß der Eisenbahner („Wikshel“) gebildete „einheitssozialistische Regierung“ unter Beteiligung der Menschewiki, Sozialrevolutionäre und anderer unter einer „sozialistischen“ Maske getarnten Feinde der Sowjetmacht.

Verteidigung der sozialistischen Sowjetrepublik

Bereits wenige Tage nach dem Sieg des Petrograder Aufstandes gingen die deutschen Truppen an einem Abschnitt der Westfront zum Angriff über. Der Vormarsch der deutschen Truppen gegen die Sowjetrepublik stieß jedoch auf die entschlossene Abwehr der revolutionären Soldaten. Wie das Volk in seiner Gesamtheit, so hatte auch die Armee erkannt, daß es jetzt galt, die sozialistische Sowjetheimat zu verteidigen. „Wir sind jetzt, d.h. seit dem 7. November (25. Oktober) 1917, Vaterlandsverteidiger“, hatte Lenin gesagt (Werke, Bd. XXII, S.291; deutsch: ebenda, Zürich 1934, S. 315). Nach Aushebung des konterrevolutionären Hauptquartiers tat die Sowjetregierung alles, um die Armee schlagkräftig zu erhalten. Die bolschewisierte alte Armee hielt die Front trotz Massenflucht ihrer Offiziere. Den Deutschen gelang es daher nicht, die Zeit des Kampfes um den Sieg der Revolution für einen neuen Angriff auszunutzen.

Friedensbemühungen der Sowjetregierung

Am 8. November schlug die Sowjetregierung in einer Note abermals vor, sofortige Friedensverhandlungen aufzunehmen. Am 14. November wurde dieser Vorschlag wiederholt. Die deutsche Regierung und ihre Verbündeten wie auch die ehemaligen Verbündeten Rußlands ließen jedoch das am 26. Oktober durch Rundfunk bekanntgegebene sowjetische Friedensdekret unbeantwortet. Die ehemaligen Verbündeten Rußlands, England. Frankreich und die im April 1917 auf Seiten der Entente in den Krieg eingetretenen USA, hofften die Sowjetrepublik in einen Krieg gegen Deutschland hineinziehen zu können, um später die Sowjetmacht vernichten und die Herrschaft der Bourgeoisie wiederherstellen zu können. …

Die Verhandlungen von Brest-Litowsk

Rußland befand sich zur Zeit der Brest-Litowsker Verhandlungen in einer äußerst schwierigen Lage. Das Land erlebte einen beispiellosen Verfall. Als Erbe der zaristischen und der Provisorischen Regierung übernahm die Republik eine zerstörte Industrie, ein zusammengebrochenes Verkehrswesen und eine ruinierte Landwirtschaft. Die alte Armee fiel auseinander, begann sich zu demobilisieren. Angesichts dieser Lage wäre bei einer Fortführung des Krieges die Existenz der jungen Sowjetrepublik in Frage gestellt gewesen. Dabei waren die von den Deutschen gestellten Friedensbedingungen sehr hart. Polen, Litauen, ein Teil Lettlands und Belorußlands sollten in deutscher Hand bleiben. Die Besetzung der Rigaer Bucht hätte eine ständige Bedrohung Petrograds bedeutet. Gleichwohl trat W.I. Lenin um des Weiterbestehens der Sowjetmacht willen entschieden für den Abschluß eines Friedens mit Deutschland ein. Eine Atempause war notwendig geworden.

Verschwörung der Feinde der Sowjetunion

Alle Feinde der Sowjetmacht, von den eingefleischten Monarchisten bis zu Trotzki und Bucharin, die sich in die Partei eingeschlichen hatten, vereinigten sich in der Frage des Friedensabschlusses gegen Lenin. Sie verlangten die Fortführung des Krieges gegen die Deutschen, in der Erwartung, dieser Krieg werde den Untergang der Sowjetordnung bedeuten. Unterdessen war in Brest-Litowsk auch eine Delegation der konterrevolutionären Ukrainischen Zentralen Rada erschienen, die vom ukrainischen Volk aus dem Lande vertrieben worden war. Sie trat in Verhandlungen mit den Deutschen und bot ihnen für die Besetzung der Ukraine und die Beseitigung der ukrainischen Sowjetregierung Millionen Tonnen von Getreide, Zucker und Vieh. Die deutschen Imperialisten nahmen das Angebot der Zentralen Rada mit Freuden an.

Eine Rote Arbeiter- und Bauern-Armee wird aufgestellt

Sowjetregierung und Bolschewistische Partei setzten die Friedensverhandlungen fort und drängten weiterhin auf den Abschluß eines Friedens, trafen jedoch gleichzeitig alle Maßnahmen gegen einen eventuellen Überfall seitens der deutschen Truppen. Da die alte russische Armee nicht mehr kampffähig war, entschloß man sich zwecks Verteidigung der Sowjetrepublik zur Aufstellung einer neuen Armee. Am 15. Januar 1918 erging das Dekret über die Errichtung einer Arbeiter- und Bauernarmee, am 14. Februar die Verordnung des Rates der Volkskommissare über die Schaffung einer Roten Flotte. Die ersten Korps der Roten Armee wurden aufgestellt.

Die verräterische Rolle Trotzkis

Nach der Verhandlung mit den Vertretern der Zentralen Rada stellten die Deutschen ein Ultimatum mit erheblich härteren Friedensbedingungen. Im Namen des Zentralkomitees wurde nunmehr Trotzki, der Vorsitzende der sowjetischen Delegation, von Lenin und Stalin mit der Unterzeichnung der Friedensbedingungen beauftragt. Trotzki ignorierte jedoch in verräterischer Weise die Direktiven der Partei, indem er erklärte, die Sowjetrepublik werde zwar keinen Krieg mehr führen, aber auch keinen Friedensvertrag unterzeichnen.

Die heimtückische deutsche Invasion vom Februar 1918

Den deutschen Imperialisten kam das sehr gelegen. Unter Verletzung der Waffenstillstandsbedingungen begannen sie am 18. Februar 1918 ihren Vormarsch an der ganzen Front, von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Ihr Ziel ging dahin, die Sowjets zu stürzen, Rußland zu ihrer Kolonie zu machen, das Baltikum, Belorußland, die Ukraine, die Krim und Kaukasien hingegen dem Deutschen Staat einzuverleiben. 30 deutsche Divisionen rückten jetzt auf sowjetisches Gebiet vor, davon 15 über Narwa und Pskow in Richtung auf die sowjetische Hauptstadt Petrograd. Die Reste der alten Armee, die im Begriff war, sich zu demobilisieren, hielten nicht stand. In drei Tagen ihres Vormarsches besetzten die Deutschen ein riesiges Gebiet, und zwar mehr als das Dreifache des Territoriums, das sie in 3 ½ Kriegsjahren zu erobern vermocht hatten. Riesige Vorräte des für die Rote Armee bestimmten Kriegsmaterials fielen in Feindeshand. Später stellten die Deutschen diese Waffen- und Munitionsvorräte den weißgardistischen Armeen der Generäle Krasnow und Denikin sowie den Haidamaken Skoropadskis zur Verfügung.

„Das sozialistische Vaterland ist in Gefahr!“

Am 21. Februar 1918 wandte sich der Rat der Volkskommissare mit dem von W.I. Lenin unterzeichneten Aufruf „Das sozialistische Vaterland ist in Gefahr!“ an das Volk. Dieser Aufruf appellierte an das Sowjetvolk, unter Einsatz des Lebens die sozialistische Heimat gegen die deutschen Okkupanten zu verteidigen. Am gleichen Tage wandte sich J.W. Stalin an das ukrainische Volk mit der Aufforderung, dem Beispiel der russischen Arbeiter und Bauern zu folgen und sich zum Kampf gegen die deutschen Eroberer zu erheben. Der Überfall der deutschen Imperialisten führte zu einem gewaltigen revolutionären Aufschwung im ganzen Lande. In kurzer Zeit wurden Truppenformationen der Roten Armee aufgestellt. Hinter der Front der vorrückenden Deutschen entstanden Partisanentrupps. Petrograd rüstete zur Verteidigung. Die jungen Formationen der Roten Armee brachten am 23. Februar in den ersten Kämpfen bei Pskow und Narwa den Vormarsch der Deutschen zum Stehen.

Räuberische Forderungen der Deutschen

Da es diesen offenbar klar geworden war, daß sie mit der Einnahme von Petrograd kein leichtes Spiel haben würden, bequemten sie sich zur Fortführung der Friedensverhandlungen. Jetzt stellten sie jedoch noch härtere Friedensbedingungen. Sie verlangten zusätzlich, daß die russischen Truppen und die Rote Armee ganz Lettland, Estland, Finnland und die Ukraine räumten und diese Gebiete von deutscher Polizei besetzt würden, daß auch die Ukrainische Zentrale Rada in den Friedensvertrag einbezogen würde, und daß es bei dem für das Land äußerst ungünstigen Handelsvertrag bleiben sollte, der von der zaristischen Regierung im Jahre 1904 abgeschlossen worden war.

Der Friedensvertrag kommt dennoch zustande

Das Allrussische Zentralexekutivkomitee nahm mit erdrückender Stimmenmehrheit alle Friedensbedingungen an und entsandte eine neue Delegation nach Brest-Litowsk mit G.I. Petrowski an der Spitze. Am 3. März unterzeichnete die sowjetische Delegation den Friedensvertrag mit Deutschland, ohne die räuberischen Friedensbedingungen zum Gegenstand einer nochmaligen Erörterung zu machen, jedoch mit dem besonderen Hinweis auf ihren gewalttätigen Charakter. Der VII.Parteitag der Bolschewiki billigte den Friedensschluß mit den Deutschen, und der danach einberufene IV. Sowjetkongreß bestätigte ihn.

Lenin: „Ein ’schamloser‘ Frieden!“

Der Friede von Brest-Litowsk war zwar ein schwerer Frieden, ein „schamloser“ Frieden, wie ihn Lenin nannte, er war jedoch von gewaltiger Bedeutung, denn er gab der Sowjetrepublik die dringend erforderliche Atempause für die Schaffung einer neuen, der Roten Armee. Der Brester Frieden bedeutete einen Zeitgewinn. Die Sowjets vermochten sich zu festigen, die Wirtschaft des Landes in Ordnung zu bringen und Kräfte für den weiteren Kampf zu sammeln.

Der Aufbau der sowjetischen Wirtschaft kann beginnen

Nach Abschluß des Brester Friedens galt es für die Sowjetrepublik vor allem, das Fundament den sozialistischen Wirtschaft zu errichten. In seinem Aufsatz „Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht“ stellte W.I. Lenin die Forderung, in der Industrie den sozialistischen Wettbewerb zu entfalten, den Stücklohn einzuführen und kleinbürgerliche Gleichmacherei, Bummelantentum und Spekulation zu bekämpfen. Aus der alltäglichen praktischen Arbeit der Millionenmassen der Werktätigen, sagte Lenin, erwächst eine neue Disziplin, die Disziplin der Arbeit und der Kameradschaft, eine sowjetische Disziplin.

Heftige Kämpfe gegen das Großbauerntum

Ein heftiger Kampf spielte sich im Frühjahr und Herbst 1918 auf dem Lande ab. Es galt, das konterrevolutionäre Großbauerntum zu beseitigen, das eine antisowjetische Haltung eingenommen hatte. Am 11. Juni 1918 erging das Dekret über die Schaffung von Komitees der Dorfarmut. Im Kampf gegen die Großbauern wurden diesen etwa 50 Mill. ha Land genommen und der Dorfarmut und den Mittelbauern übergeben. Die Komitees der Dorfarmut verteilten das bei den Gutsbesitzern konfiszierte Inventar und beschlagnahmten einen Teil der Produktionsmittel der Großbauern, um sie gleichfalls der Dorfarmut zu übergeben. Eine große Rolle spielten diese Komitees auch bei der Getreidebeschaffung auf dem Lande zur Versorgung der Arbeiter und der Roten Armee. Es wurde eine „Verpflegungsdiktatur“ proklamiert.

Arbeiter und Soldaten helfen auf dem Land

Tausende von Arbeiterabteilungen aus den Industriezentren begaben sich auf das Land, auf die Dörfer. Sie halfen der Dorfarmut beim Aufbau der Sowjetmacht auf dem Lande und beschlagnahmten den Getreideüberschuß der Großbauern. Eine weitere Aufgabe der Komitees der Dorfarmut bestand darin, Truppenformationen der Roten Armee auf dem Lande aufzustellen. Sie festigten die Sowjetmacht auf dem Lande und trugen wesentlich zur Gewinnung der Mittelbauern für die Sowjetmacht bei. Gegen Ende des Jahres 1918 gingen sie nach Erfüllung ihrer Aufgabe in den Dorfsowjets auf.

Die militärische Intervention des Auslandes und der Bürgerkrieg in der UdSSR in den Jahren 1918-1922

Bereits seit dem ersten Tage des Bestehens der Sowjetrepublik zog die gesamte kapitalistische Welt gegen sie zu Felde. Als erstes imperialistisches Land begann Deutschland die Intervention und den bewaffneten Kampf. Die ehemaligen Verbündeten Rußlands, England, Frank reich und die USA, schreckten im Kampf gegen die Sowjetrepublik vor keinem Mittel zurück. Am 10. Dezember 1917 schlossen die Regierungen Englands und Frankreichs ein Geheimabkommen über die Abgrenzung ihrer Aktionssphären gegen die Sowjetrepublik: die englischen Truppen sollten in Kaukasien, am Kuban und am Don operieren, die französischen Truppen in der Ukraine, auf der Krim und in Bessarabien.

Ein feindlicher Ring um die Sowjetunion

Die Regierungen der Entente brachen zwar ihre Beziehungen zu Sowjetrußland nicht ab, ihre Botschaften folgten jedoch gleichwohl der Sowjetregierung nicht nach Moskau, das zur Hauptstadt der Sowjetrepublik erklärt worden war, sondern begaben sich von Petrograd nach Wologda, von wo sie auch den antisowjetischen Kampf leiteten. Die Bildung des tschechoslowakischen Korps und sein Einsatz gegen die Sowjetrepublik war ihr Werk. Die Folge war die Entstehung einer Front im Osten. Die Entente rechnete immer noch damit, daß Deutschland, dessen Truppen sich auf russischem Gebiet befanden, unter Ausnutzung der schwierigen Lage der Sowjetrepublik die Sowjets stürzen würde. Und Deutschland benutzte in der Tat den Brester Frieden als Deckmantel, um auf breiter Front gegen die Sowjetrepublik vorzugehen, mit dem Ziel ihrer Beseitigung.

Vormarsch der deutschen Truppen nach Osten

Zwei Wochen nach Unterzeichnung des Friedensvertrags versuchten die deutschen Militärs, sich der in Helsingfors überwinternden Ostseeflotte zu bemächtigen. Auf Befehl des Rates der Volkskommissare unternahm diese Ende März/Anfang April 1918 vor den Augen des deutschen Geschwaders, das sich auf Helsingfors zubewegte, eine heroische Überfahrt durch das Eis von Helsingfors nach Kronstadt. Die Landung deutscher Truppen in Finnland unter dem Kommando des Generals von der Goltz ermöglichte es der finnischen Bourgeoisie, der Revolution in Finnland ein Ende zu bereiten. Deutschland bewaffnete die finnische Armee und trieb sie in den Kampf gegen Sowjetrußland. Deutsche Truppen besetzten Estland, Lettland, Litauen, Belorußland und die Ukraine. Die Demarkationslinie verlief über die Eisenbahnstation Orscha und weiter den Dnepr entlang.

Der deutsche Plan zur Kolonialisierung der Sowjetunion

Nach der Besetzung der Ukraine begannen die deutschen Truppen auf Befehl Wilhelms II. mit der Inbesitznahme des Don-Gebietes und der Krim. Gleichzeitig versuchten sie auch, das Gebiet am Kuban und am Terek zu besetzen. Das bedeutete einen offenen Verstoß gegen den Frieden von Brest Litowsk, da diese Gebiete zur RSFSR gehörten und nicht der deutschen Okkupation unterlagen. In allen besetzten Gebieten bewaffneten die Deutschen sofort die örtlichen weißgardistischen Kräfte. Unter Führung der deutschen Okkupanten suchten die Generäle Krasnow und Denikin in Nordkaukasien sowie General Sulkewitsch auf der Krim den deutschen Plan einer Zertrümmerung Sowjetrußlands und seiner Verwandlung in eine deutsche Kolonie zu verwirklichen.

Die Türkei – Bundesgenosse des imperialistischen Deutschland

Nach der Besetzung einiger Gebietsteile der RSFSR bemächtigte sich Deutschland im Sommer 1918, gestützt auf ein Übereinkommen mit den Volksverrätern in Transkaukasien – den grusinischen Menschewiki, Daschnaken und Mussawatisten –, auch Grusiniens, wo zu jener Zeit die grusinischen Menschewiki an der Macht waren. Der Bundesgenosse des imperialistischen Deutschland, die Türkei, begann mit Hilfe Deutschlands und unter seiner Leitung den Angriff auf Armenien und Aserbaidshan, in jenen Tagen die einzigen Stützpunkte der Sowjetmacht in Transkaukasien. Türkische Divisionen unter dem Kommando deutscher Offiziere bewaffneten die konterrevolutionären mussawatistischen Banden in Aserbaidshan und veranstalteten eine Metzelei unter den Aserbaidshanern und Armeniern.

Zur Plünderung der sowjetischen Erdölgebiete

Deutschland gedachte auch, mit Hilfe der Türkei die Erdölgebiete von Baku und Grosny an sich zu reißen. Türkische Offiziere drangen, als Mullas verkleidet, in das Innere Nordkaukasiens und Dagestans ein und versuchten mit Unterstützung ihrer Helfershelfer aus den bürgerlich-nationalistischen Kreisen der Bergvölker und in der mohammedanischen Geistlichkeit, einen „Bergstaat“ unter der Ägide des türkischen Sultans zu errichten. Die deutsche Intervention in Transkaukasien war gleichfalls ein glatter Bruch des Brester Friedens, der die Nichteinmischung Deutschlands in die Beziehungen Sowjetrußlands zu den in Transkaukasien geschaffenen Staatenbildungen vorsah.

Die türkische Armee bedroht das sowjetische Dagestan

Um die Mitte des Jahres 1918 drangen die deutschen Truppen bis an den Kuban vor, stießen aber im Gebiet von Kustschewka auf Widerstand und mußten den weiteren Vormarsch einstellen. Sie besetzten jedoch die Krim, setzten über die Enge von Kertsch und begannen nach der Landung auf der Taman-Halbinsel ihren Vormarsch auf Jekaterinodar. Dieser mißlang zwar, aber ein beträchtlicher Teil der Taman-Halbinsel blieb in ihrer Hand. Nach der Besetzung Grusiniens und – mit türkischer Hilfe – auch Armeniens und Aserbaidshans suchten sie über die Grusinische Heerstraße nach Nordkaukasien vorzudringen, wurden aber von den sowjetischen Truppen 30 km vor Wladikawkas aufgehalten. Reguläre Divisionen der türkischen Armee unter dem Kommando des Generals Izzet-Pascha bedrohten Dagestan.

Der deutsche Raubzug im Osten

Den deutschen Truppen folgten deutsche Gutsherren und Kapitalisten. Zur Ausplünderung der besetzten Gebiete wurden Sonderstäbe geschaffen. Alle Unternehmen, die Eisenbahnen, Gruben und Häfen wurden den deutschen Interventen unterstellt. Alle Lebensmittel wurden requiriert und nach Deutschland gebracht. Die besetzten Gebiete wurden zu regelrechten deutschen Kolonien. Wer sich den deutschen Räubern entgegenstellte, wurde erschossen oder gehenkt. Aber der Krieg gegen die Deutschen hörte nicht auf. Im Rücken der deutschen Front wüteten überall Aufstände. Das war ein wahrhaft vaterländischer Krieg des sowjetischen Volkes gegen die deutschen Eroberer.

Widerstand des Volkes gegen die deutschen Eindringlinge

Die deutsche Führung sah sich gezwungen, ihre Garnisonen in den Städten und Dörfern der besetzten Gebiete zu verstärken. Es gelang ihr nicht, die Ostfront zu liquidieren, vielmehr sah sie sich gezwungen, im Osten Truppen in Stärke von etwa 1 Million Mann zu belassen und auf deren Verlegung an die Westfront zu verzichten. Auch die Ernährungspläne brachen zusammen. Der Widerstand des Volkes durchkreuzte die deutschen Ausfuhrpläne für Getreide, Fleisch und sonstige Lebensmittel. Weder die Ablösung der Zentralen Rada in der Ukraine durch den Hetman Skoropadski, einen Söldling des deutschen Militarismus, noch die von den Deutschen in den anderen von ihnen besetzten Gebieten gebildeten Marionettenregierungen konnten hier Abhilfe schaffen.

Der weitere Aufbau der Roten Arbeiter- und Bauern-Armee

Der Krieg gegen die Deutschen ging weiter. In diesem Kampf wuchs und erstarkte die Rote Armee. Das Dekret des Zentralexekutivkomitees vom 22. April 1918 führte die militärische Pflichtausbildung für alle Werktätigen ein. Da man nach der Ausbildung Tausender von roten Kommandeuren und der Schaffung eines Instituts für Kriegskommissare bereits gewisse Erfahrungen gesammelt hatte, konnte nunmehr an die Aufstellung einer millionenstarken Roten Armee herangegangen werden. Am 29. Mai erließ das Zentralexekutivkomitee ein Dekret über die Einführung der allgemeinen Militärpflicht für die Werktätigen. Es begannen die Masseneinberufungen zur Roten Armee. Die ersten Wehrkreise wurden gebildet.

Meutereien und Diversion – organisiert vom westlichen Imperialismus

In den Tagen des V. Allrussischen Sowjetkongresses (4.-10. Juli 1918) veranstalteten die Feinde der Sowjetmacht, die „linken“ Sozialrevolutionäre, im Bunde mit ihren heimlichen Gesinnungsgenossen Trotzki, Sinowjew, Bucharin und Kamenew am 6. Juli eine konterrevolutionäre Meuterei in Moskau. Sie beabsichtigten, die Sowjetregierung zu verhaften, mit den Führern der Sowjetmacht, Lenin, Stalin und Swerdlow, abzurechnen und die Sowjetregierung durch eine andere Regierung zu ersetzen. Am gleichen Tage wurde von ihnen der deutsche Botschafter in Moskau, Mirbach, ermordet. Mit dieser Tat wollten die Feinde der Sowjetmacht von neuem einen offenen Krieg zwischen Deutschland und Sowjetrußland provozieren. Zu gleicher Zeit brachen konterrevolutionäre Meutereien in den Städten der Mittleren Wolga aus, insbesondere im Zentrum dieses Gebietes, in der Stadt Jaroslawl. Diese Meutereien und Diversionsakte waren von den Botschaften der Entente-Staaten organisiert worden, die sich an die Spitze des Kampfes gegen die Sowjetmacht in den von den Deutschen nicht besetzten Gebieten des Landes gestellt hatten. So zogen im Sommer 1918 die Interventen zweier sich noch gegenseitig bekämpfender imperialistischer Gruppen am gleichen Strang.

Ein fauler, aber durchsichtiger Trick

Am 14. Juli 1918 ersuchte die deutsche Regierung die sowjetische Regierung, angeblich zum Schutze der deutschen Botschaft Truppen nach Moskau entsenden zu dürfen. Das war nichts anderes als der Versuch, Moskau in ihren Besitz zu bringen. Die Sowjetregierung lehnte diese Forderung zwar mit aller Entschiedenheit ab, sah sich jedoch gezwungen, die zusätzliche Forderung der Deutschen auf Zahlung einer Kontribution von ½ Mrd. Mark in Gold sowie von 1 Mrd. in Waren zu bewilligen. Die deutschen Truppen versuchten, den Bereich ihrer Intervention zu erweitern, und zogen deshalb neue Kräfte zum Kampf gegen das Sowjetland zusammen.

Die erste sowjetische Verfassung

Der V. Allrussische Sowjetkongreß bestätigte den Beschluß des Zentralexekutivkomitees über die all gemeine Wehrpflicht der Werktätigen, betonte jedoch die Notwendigkeit, auf militärische Fachkräfte aus dem Offizierskorps der alten Armee zurückzugreifen, falls sie den Wunsch hätten, ihrem Vaterlande treu zu dienen und in die Rote Armee einzutreten. Der Kongreß forderte eine verstärkte Tätigkeit der Kriegskommissare. Am 10. Juli nahm der V. Allrussische Sowjetkongreß die erste sowjetische Verfassung der RSFSR an. Der Entwurf hierzu war von einer Kommission unter Leitung Lenins und Stalins ausgearbeitet worden. Außerdem wurde beschlossen, daß die vom III. Allrussischen Sowjetkongreß im Januar 1918 erlassene „Deklaration der Rechte des werktätigen und ausgebeuteten Volkes“, zusammen mit der vom Kongreß angenommenen Verfassung der Sowjetrepublik, das einheitliche Grundgesetz der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik bilden solle.

Der Kampf ums Überleben der Sowjetunion

Im Sommer 1918 verstärkten die Deutschen den Kampf gegen das Sowjetland. Die junge Sowjetrepublik war von einem Feuerring umgeben. Die Getreidegebiete des Südens und Ostens befanden sich in der Hand der Interventen und Weißgardisten. „Jetzt, im Sommer 1918, stehen wir vielleicht vor einem der schwersten, der schlimmsten, der kritischsten Übergänge unserer Revolution“, sagte Lenin auf einer gemeinsamen Sitzung des Zentralexekutivkomitees und des Moskauer Sowjets (Werke, Bd. XXIII, S. 49; deutsch: ebenda, Moskau 1940, S.61) und rief die Arbeiter zu einem großen „Kreuzzug“ gegen Getreidespekulanten. Großbauern, Ausbeuter und Desorganisatoren auf sowie gegen die Störer einer straffen staatlichen Ordnung in Fragen der Beschaffung, Verfrachtung und Verteilung des Getreides. Der Kampf um das Brot ist der Kampf um den Sozialismus, sagte W.I. Lenin. Mit der Leitung des Feldzuges um das Brot wurde J.W. Stalin beauftragt. … Zarizyn wurde zum Mittelpunkt des Kampfes um das Brot für das hungernde Land wie auch des Kampfes gegen alle konterrevolutionären Kräfte des Landes, welche die Bedeutung dieser sowjetischen Festung im Südosten des Landes sehr wohl erkannt hatten. …

Ein terroristisches Attentat auf Lenin

In jener schweren Zeit, als die Sowjetrepublik rings von Fronten umgeben war, bereiteten die Sozialrevolutionäre mit Unterstützung der Trotzkisten und Bucharin-Leute einen Anschlag auf das Leben W.I. Lenins vor. Am 30. August wurde Lenin durch einen Revolverschuß der Sozialrevolutionärin Kaplan schwer verwundet, als er in einer Versammlung der Arbeiter des früheren Betriebes von Michelson in Samoskworetschje sprechen wollte. Ebenso wurden Attentate auf aktive Mitarbeiter der Bolschewistischen Partei ausgeführt. In Petrograd wurden W. Wolodarski und M. S. Urizki ermordet. Das Attentat auf den Führer der Revolution rief bei den Werktätigen des ganzen Landes Empörung und Haß gegen die Feinde der Sowjetmacht hervor. Am 2. September wurde die gesamte Sowjetrepublik zum Kriegsgebiet erklärt. Dem weißen Terror wurde der rote Terror entgegengesetzt.

Sieg der Sowjetmacht: Die Zerschlagung der deutschen Interventen

In allen von deutschen Truppen besetzten Gebieten tobte ein erbitterter Kampf gegen die deutschen Interventen. Im Sommer 1918 entfaltete sich ein Volks- und Partisanenkrieg gegen die verhaßten Eindringlinge und Räuber. Überall in der Ukraine brachen Aufstände aus. Besonders hartnäckig schlugen sich die Partisaneneinheiten von Stschors und Boshenko. Aus Partisaneneinheiten stellte Stschors die 1. Ukrainische Division der Roten Armee auf. Bis zum Herbst 1918 mußte die deutsche Führung ihre Truppen in den besetzten Gebieten auf 11 Million Mann erhöhen. Wie die deutschen Heerführer Hindenburg und Ludendorff zugegeben haben, war dieser Umstand von nicht zu unterschätzendem Einfluß auf die Niederlage der Deutschen im Westen.

Das imperialistische Deutschland kapituliert

Als im Herbst 1918 an der Westfront die Offensive der Entente-Truppen begann, hatten die Deutschen keinerlei Reserven mehr. Auf diese Weise hat das Bestehen einer Ostfront im Jahre 1918 nicht wenig dazu beigetragen, daß England, Frankreich und die USA Deutschland niederringen konnten. … Die Revolution vom 9. November 1918 in Deutschland und die Kapitulation des Deutschen Reiches vor der Entente am 11. November trugen zur schnellen Zersetzung der deutschen Truppen bei. Gleichwohl trafen die Deutschen keinerlei Anstalten, ihre Truppen aus dem Sowjetland abzuziehen.

Eine gefährliche Konstellation

Der zwischen den Alliierten und den Deutschen am 11. November im Walde von Compiègne geschlossene Waffenstillstand enthielt die Bedingung, daß die deutschen Truppen in den von ihnen besetzten Gebieten Rußlands bis zur Ablösung durch Truppen der Entente zu verbleiben hätten. Das bedeutete faktisch, daß sich Deutschland gemeinsam mit den Siegern an der Intervention gegen Sowjetrußland beteiligte. Im übrigen gab diese Bedingung der deutschen Regierung die Hoffnung, daß bei den künftigen Friedensverhandlungen die „Verdienste“ Deutschlands im Kampfe gegen die Sowjetrepublik gebührend berücksichtigt würden. Für das Sowjetland war dieser Zusammenschluß der Interventionskräfte des deutschen Blocks und der Entente äußerst gefährlich.

Der zweite Siegeszug der Sowjetmacht: Befreiung der Ukraine, Belorußlands und der Krim

Am 13. November wurde der Vertrag von Brest Litowsk vom Zentralexekutivkomitee annulliert. Die Rote Armee rückte jetzt gegen die deutschen Okkupanten vor. Im Hinterland wirkten die Partisanen. An der Spitze des Revolutionären Kriegsrats der ukrainischen Front gegen die deutschen Truppen stand J.W. Stalin. Die geschlagenen deutschen Truppen warfen ihre Waffen weg und flüchteten nach Westen. Mit ihnen flohen auch die von den deutschen Eroberern eingesetzten konterrevolutionären, bürgerlich-nationalistischen Marionettenregierungen des Baltikums, Belorußlands, der Ukraine und der Krim. Es begann der zweite Siegeszug der Sowjetmacht.

Befreiung des Baltikums und Belorußlands

Am 20. November nahm die Sowjetregierung der Ukraine ihre Tätigkeit auf. Die durch die brüderliche Hilfe der Roten Armee befreiten Völker des Baltikums schufen die Estnische, die Lettische und die Litauische Sowjetrepublik. Am 8. Dezember erkannte die Sowjetregierung die Unabhängigkeit der Estnischen Arbeiterkommune an, am 22. Dezember die der Lettischen und der Litauischen Sowjetrepublik und am 5. Februar 1919 die Unabhängigkeit der Belorussischen Sowjetrepublik. Mit Hilfe des großen russischen Volkes und unter der Führung der Bolschewiki begannen die befreiten Völker nunmehr, die Folgen des imperialistischen Krieges und der deutschen Besetzung zu beseitigen.

Quelle:
Große Sowjet-Enzyklopädie, Verlag Kultur und Fortschritt Berlin, 1952, S.666-682
(Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Eine weitere Erklärung hier zu Polen:

Bürgerkrieg1920

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