Die faschistische „Schwarze Internationale“

Verbrechen der Faschisten

Der Ausdruck „Schwarze Internationale“ gehört heute zum politischen Vokabular des modernen Faschismus. Hier sei bemerkt, daf die große internationale Dachorganisation der Neofaschisten erst Anfang der siebziger Jahre entstand. Bis dahin hatten die Neofaschisten in Westeuropa und anderen Teilen der Erde einige Modelle der „Intemationale“ „durchgespielt“, die jedesmal am „Lokalpatriotismus“ einzelner neofaschistischer Bewegungen oder Organisationen scheiterten.

Nazigelder wurden ins Ausland transferiert

Während die faschistischen Truppen unter den wuchtigen Schlägen der Sowjetarmee bis an die Grenzen Deutschlands zurückwichen, die Alliierten unter dem Kommando Marschall Montgomerys endlich in der Normandie landeten und die zweite Front eröffneten, fand am 10. August 1944 im Strasbourger Hotel „Maison Rouge“ ein Geheimtref­fen zwischen deutschen Großindustriellen. maßgeb­lichen Herren des Außenministeriums und hohen Militärs des Dritten Reiches statt. Es ging nur um eine Frage: das Überleben des Nazismus und der Nazis nach der Niederlage Deutschlands. Nach lan­gen Debatten wurde ein Plan zur Rettung der Währungsreserven des Dritten Reiches ausgearbeitet, der das Transferieren eines großen Teils der Devisen ins Ausland vorsah. Die NSDAP selbst sollte in die Illegalität gehen und dort auf den Tag „X“ warten. Sobald sich das Blatt wendete, sollte sie aus dem Untergrund auftauchen und die geheimen Mittel für den allmählichen, kontinuierlichen Wiederaufbau der Partei verwenden. Man ging sofort an die Realisierung dieses Geheimplans. Auf Bankkonten in der Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Portugal, Spanien, Argentinien und einigen anderen Ländern, die gegen Deutschland keinen Krieg führten, wurden etwa 500 Millionen Dollar eingezahlt.

Unterschlupf für Kriegsverbrecher

Sofort nach Kriegsende wurde ein Teil dieser Mittel flüssig gemacht, um die Aktienmehrheit in einigen hundert Aktiengesellschaften verschiedener Länder, z.B. der Schweiz, Portugals, Spaniens, Argentiniens und der Türkei, zu erwerben. Dieses Geschäft sicherte den Altnazis, die in den genannten Ländern Unterschlupf fanden, Arbeit und Geld und bot ihnen schließlich die Möglichkeit, an die Verwirklichung der Hauptaufgabe, die Wiedergeburt des Na­tionalsozialismus, zu gehen. Das ganze Unterneh­men lief streng geheim. Aber nach dem Sturz des Peron-Regimes in Argentinien wurden die Umtriebe dieser Herren bekannt. Die von der neuen Regierung eingeleitete Untersuchung ergab, daß die Gewährung des Asylrechts an Tausende deutsche, österreichische, italienische, kroatische und slowaki­sche Faschisten nicht einfach eine „freundschaftliche Geste“ des Diktators gegenüber dem internatio­nalen Faschismus, sondern auch ein einträgliches Geschäft war. Die durch Dokumente belegten Zeugenaussagen brachten äußerst wichtige Fakten ans Licht. So haben die argentinischen Behörden die Ausstellung von mehr als 7.000 falschen Personal­ausweisen, für die aus Europa geflüchteten „Freun­de“ Perons genehmigt. Für jeden Ausweis zahlten diese ein erkleckliches Sümmchen.

Die Pläne der Nazis für den „Tag danach“

Entsprechend dem Plan, der in Strasbourg ein Jahr vor dem Zusammenbruch des Faschismus ausgearbeitet wurde, sollte das außer Landes gebrachte Kapital für folgende Ziele verwendet werden
1) Evakuierung jener Nazis aus Deutschland, Österreich und anderen westeuropäischen Ländern, die wegen der im zweiten Weltkrieg begangenen Verbrechen vor Gericht gestellt werden konnten;
2) Schaffung von „Flüchtlingssiedlungen“ in Ländern, deren Regierungen dies billigten;
3) Rechts­hilfe für Nazis, die vor Gericht gestellt wurden (das Stellen von Bürgen, die Ernennung von Verteidigern usw.).
4) Gründung von Vereinigungen und Verbänden ehemaliger Kriegsgefangener;
5) Durchführung von Propagandakampagnen zur Rehabilitierung faschistischer Kriegsverbrecher, insbesondere der SS-Angehörigen;
6) das Einholen von Garantien der Regierungen der Länder Westeuropas zur Haftentlassung der Kriegsverbrecher;
7) Wiederlegung der Schuld Hitlerdeutschlands an der Entfesselung und Führung des Krieges;
8) Finanzierung neuer fa­schistischer Gruppen und Organisationen.

Warum gibt es heute noch faschistische Organisationen?

Heute kann mit Bestimmtheit gesagt werden, daß alle diese Aufgaben praktisch erfüllt wurden. Wie bereits erwähnt, wirken die neugegründeten neofaschistischen Parteien, Gruppierungen und Organisa­tionen in fast 60 Ländern der kapitalistischen Welt. Zehntausende Kriegsverbrecher entgingen ihrer Strafe. Trotz umfangreichen Beweismaterials. das die über den Nürnberger Prozeß herausgegebenen 42 Bände enthalten, wird in der BRD eine breite Kampagne zur Rehabilitierung der Wehrmacht und der Waffen-SS durchgeführt. Jungen Deutschen wird der Gedanke suggeriert, daß die SS-Banditen echte Verteidiger der westlichen Zivilisation waren, ob­wohl erwiesen ist, daß in der Zeit der Nazibarbarei rund 100.000 Polizeibeamte, Angehörige der Waf­fen-SS, der SD, der Abwehr und der Wehrmacht persönlich an Massenmorden von Zivilisten teilnahmen. Etwa die Hälfte dieser Verbrecher haben die Alliierten im ersten Nachkriegsjahrzehnt dingfest gemacht. Abgeurteilt wurden jedoch lediglich 5.025. Seit 1954 fallen die Ermittlungen von Naziverbrechen in die Kompetenz bundesdeutscher Gerichte. Laut einem UNO-Sonderbericht wurden nach dem Stand vom 7. Juli 1970 insgesamt 6.215 faschisti­sche Kriegsverbrecher zu unterschiedlichen Gefängnisstrafen verurteilt. In den siebziger Jahren wurde diese Liste lediglich um einige Dutzend Namen er­weitert. Somit sind nach annähernden Schätzungen der Stockholmer Zeitung „Aftonbladet“ (22. Februar 1977) rund 90.000 Kriegsverbrecher von den Gerichten überhaupt nicht behelligt worden. Viele von ihnen sind noch am Leben und entziehen sich weiterhin der gerechten Strafe.

Faschistische „Hilfsorganisationen“ schossen wie Pilze aus dem Boden

Zu bemerken wäre noch, daß es weder einzelne Personen noch vereinzelte Organisationen waren, die den im August 1944 ausgearbeiteten Plan in die Tat umsetzten. Gleich nach dem Krieg schossen die sogenannten Hilfsgemeinschaften wie Pilze aus der Erde. Diese suchten nach legalen Mitteln und Wegen, um die am Leben gebliebenen faschistischen Verbrecher zu retten. Der wohl größte Verein dieser Art war die „Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen“ (ODESSA). Sie wurde nach Kriegsende von SS-Obersturmbannführer Otto Skorzeny und Luftwaffenoberst Hans Ulrich Rudel in Bremen ge­gründet. Zur „Evakuierung“ der Nazis aus Deutschland hatte „ODESSA“ mehrere Routen festgelegt. Eine davon führte über Italien und wurde im Fach­jargon „Die BB-Linie“ (Bremen-Bari) genannt. Über diese Route erfolgte die Flucht des Henkers der westeuropäischen Juden Adolf Eichmann zunächst nach Italien und dann nach Argentinien. Den 2.500 Kilometer langen Fluchtweg zwischen Bremen und Bari sicherten rund 250 Agenten Otto Skorze­nys ab.

Mit gefälschten Papieren untergetaucht…

An Geld mangelte es Skorzeny offenbar nicht. Die italienische Stadt Bari war nur eine Zwischen­station. Agenten Otto Skorzenys wirkten in Spanien, Argentinien und in vielen Städten des Nahen Ostens überall dort, wohin die Nazi-Kriegsverbrecher flüchteten. Hier wurden sie mit gefälschten Papieren und Geld versehen. Von Bremen aus erfolgte auch der Abtransport der Flüchtigen auf dem Seeweg. U-Boote brachten sie nach Genua. Von dort ging die Reise auf geheimen Wegen weiter. Begehr­te „Reiseziele“ waren Spanien, Südafrika und be­sonders Lateinamerika. In den dort geschaffenen Stützpunkten fanden die Flüchtlinge Unterschlupf und Hilfe. Bald entstanden in jenen Ländern, die die Nazis so gastlich aufnahmen, große deutsche Siedlungen, die heute in Argentinien, Bolivien, Paraguay, Chile und der Republik Südafrika eine bedeutende Rolle spielen.

Die faschistische HIAG in der BRD eine „nützliche“ Vereinigung

Während Skorzeny seine „ODESSA“ aufzog, gin­gen viele ehemalige SS-Generale, darunter die zum Tode verurteilten und später aus der Haft entlassenen Kurt Meyer und Sepp Dietrich, an die Grün­dung legaler Verbände ehemaliger SS-Angehöriger. Wie bereits erwähnt, wurden solche Verbände zunächst in der BRD und später auch in anderen europäischen Ländern gegründet. Die „Hilfsgemein­schaft ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS“ (HlAG), der größte SS-Verband, etablierte sich offi­ziell als Suchdienst der im Krieg vermißten SS-An­gehörigen und Hilfswerk für die Familien der Ge­fallenen. Übrigens hat die Bundesregierung die Arbeit der HIAG als eine für die Gesellschaft nützliche Tätigkeit gewürdigt …

Der braune Sumpf blüht …

Unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit entfalteten die SS-Anghörigen 1950 völlig legal eine breite Kampagne für die Rchabilitierung und mate­rielle Entschädigung der „unschuldig Leidenden“. Ihre Sprachrohre waren „Der Freiwillige“, „Wiking­ Ruf“ und „Deutsche Soldaten-Zeitung“. Das Ziel der in diesen Gazetten veröffentlichten Beiträge war die Manipulierung der öffentlichen Meinung. Bald gelang es Tausenden ehemaligen SS-Angehörigen mit Unterstützung verschiedener „Hilfsgemeinschaften“, wichtige Posten im Verwaltungsapparat, u.a. in der Polizei einiger westeuropäischer Staaten, zu besetzen. Viele von ihnen trugen wieder Richter­robe, traten in den Schuldienst ein oder wurden Bürgermeister. In einem 1977 vom Bundesamt für Verfassungsschutz veröffentlichten Bericht wurden neben legal bestehender Vereinigung ehemaliger Soldaten und Offiziere des Dritten Reiches 142 Extremistenorganisationen faschistischer Prägung mit rund 18.300 Mitgliedern genannt. Sie geben 109 Zei­tungen, Zeitschriften und Informationsblätter in einer Gesamtauflage von 178.000 Exemplaren heraus. 588 Mitglieder dieser Organisationen sind als Beam­te im öffentlichen Dienst – im Bildungswesen, in der Justiz, Polizei u. ä. – tätig. In der Nachkriegs­zeit bildeten sie das Rückgrat des weitverzweigten und gutorganisierten Netzes der politischen Mafia, die mit allen Mitteln die Fahndung und strafrecht­liche Verfolgung der Nazi-Kriegsverbrecher erschwert.

Eine von Massenmördern gegründete Banditenvereinigung

Nach dem Plan O.Skorzenys und H.Rudels sollte die sogenannte Externe Organisation die Rolle eines internationalen Koordinierungszentrums verschiedener SS-Gruppierungen und -Verbände in vielen Län­dern übernehmen. Schlüsselfiguren dieser Organisation waren der ehemalige Himmler-Agent in Italien, SS-0berst Eugen Dollman, der frühere Kommandeur der motorisierten SS-Division „Wallonien“, General Leone Degrelle, und Oberst Johann von Leers, an deren Händen das Blut Tausender und aber Tausender Opfer klebt. Übrigens findet man diese Namen auch in der Gründerliste der neofaschisti­schen „Schwarzen Internationale“, die ursprünglich alle in der Nachkriegszeit entstandenen neofaschistischen Parteien und Bewegungen Westeuropas und Lateinamerikas vereinigen sollten.

Woher kommt das Geld der heutigen Faschisten?

1951 läßt sich die „Externe Organisation“ in Madrid nieder, um eine der größten geheimen Geldquellen der Nazis schnell anzapfen zu können. Seit dieser Zeit kreuzt Skorzeny oft in Kairo. Malmö, Tanger, Buenos Aires. in vielen westdeutschen und österreichischen Städten auf. Seine Besuche lösen meist bei einheimischen Neofaschisten eine rege Betriebsamkeit aus. In diesem Zusammenhang meldete ein Korrespondent der „Washington Post“ am 11. Juli 1956 aus Bonn: „Die Beobachter in Bonn stellen eine wachsende Aktivität ehemaliger Nazis fest, die zwischen Bonn und den Hochburgen der neofaschistischen ‚Internationale‘ Spanien, Schweden, der Schweiz, Ägypten und Argentinien pendeln. In der Regel sind das Angestellte von Firmen und Unternehmen des Exports und Imports oder der westdeutschen Automobilfirmen. Sie haben einen bis ins Detail ausgearbeiteten Plan zur Rückführung der im Ausland gehorteten Nazi-Schätze, die die finanzielle Basis der zunehmenden Aktivitäten der Nationalisten in Westdeutschland bilden.“ Die Wurzeln der Wiederbelebung des Faschismus liegen in der nostalgischen Sehnsucht nach der Zeit des Dritten Reiches.

Quelle:
Alexander Rjabow: Schatten der Vergangenheit, APN-Verlag Moskau,1980, S.45-51.

Siehe auch:
Der Henker von Lwow
Der Massenmörder von Oradour

Chatyn war ein belorussisches Dorf*, das am 22. März 1943 von den Faschisten überfallen wurde. 149 Menschen (darunter 75 Kinder) wurden bei lebendigem Leib verbrannt.
Chatyn
Dieses bestialische Verbrechen wurde vom 118.Polizeibataillon ukrainischer Bandera-Faschisten ausgeführt. Ihre Nachkommen ermordeten am 2. Mai 2014 im Gewerkschaftshaus von Odessa 38 unschuldige Menschen!

*(Chatyn ist nicht zu verwechseln mit Katyn, wo die Nazis ebenfalls tausende polnische Offiziere ermordeten. Die Goebbelsschen Lügen wurden 2011 von Prof.Iljuchin entlarvt!)
siehe:
http://sascha313.blog.de/2013/03/22/nazimorde-wald-katyn-15657080/

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Eine Antwort zu Die faschistische „Schwarze Internationale“

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