Ljubow Pribytkowa: Meine sowjetischen Erinnerungen

Objektiwnaja Gaseta
Meine Erinnerungen und meine größte Hochachtung

Ljubow Pribytkowa

In unserem Land wird alljährlich am 9. Mai der „Tag des Sieges“ des sowjetischen Volkes im Großen Vaterländischen Krieg gefeiert. Wir gedenken der Zerschlagung Hitlerdeutschlands und des militaristischen Japan durch unsere heldenhafte Rote Armee. Das Bündnis der Sozialistischen Sowjetrepubliken ging im Jahre 1945 als Sieger aus der blutigen Schlacht gegen den Faschismus hervor.

pribytkova   Irkutsk / UdSSR  Lenin Irkutsk

Für mich ist es einer der wichtigsten Feiertage überhaupt. Doch wir begehen diesen Tag heute immer mit Tränen in den Augen. Zu den Tränen der Trauer an den Gräbern unserer Verwandten und der uns Nahestehenden, die an den Fronten des 2. Weltkriegs ums Leben kamen und die an ihren Verwundungen starben, kommen nun noch die Tränen der Erbitterung und des Schmerzes hinzu. Unsere Väter haben unsere Heimat vor den äußeren Feinden geschützt, und wir, die wir heute leben, haben sie nicht vor der Ausplünderung und der Zerstörung durch die verborgenen inneren Feinde bewahrt, die sich im Gewand von Demokraten und Volkswohltätern feiern lassen. Von 1985 an waren wir nur noch Zeugen des Wütens der Barbarei in unserem schönen Land, und wir haben nichts unternommen, um unseren sowjetischen Staat zu verteidigen. Bis heute plündern und veruntreuen diese Markt-Raubtiere unsere nationalen Reichtümer. Sie entweihen unsere Heiligtümer. Sie reißen die Denkmäler der bedeutenden Menschen unseres Landes von den Sockeln. Sie bespucken alles, was uns teuer ist. Und wir haben uns kaum hörbar dagegen aufgelehnt. Bis heute schweigt ein großer Teil der Menschen. Doch solange das Volk schläft, werden uns diese Untiere beherrschen.

Nur wenige der Helden des Großen Vaterländischen Krieges leben noch…

Jeder Mensch wird an diesem bedeutenden Tag über die Seinen weinen. Ich habe meine Lieben schon nicht mehr – den Vater und die Mutter. Doch es hätte sein können. Denn, noch gibt es Überlebende des Großen Vaterländischen Krieges. Sie legen am Tag des Sieges ihre Orden und Medaillen an. Sie gehen auf die Straßen hinaus. Beim Treffen mit ihnen, den Unbekannten, wird uns so warm und froh um die Seele. Man möchte stehenbleiben, sie umarmen und ihnen danken. Und zu ihnen sagen: Leben Sie noch lange, lange! Sie sollen bis zu jenem Tag erleben, wenn wir, Ihre Kinder und die Enkel, Sie rächen werden, und wir die Herrschaft der Kapitalisten zerschlagen, wir die Gerechtigkeit wieder herstellen werden. Nur wenig Gesundheit und Kräfte blieb den Veteranen übrig, um an künftigen Schlachten teilzunehmen und bis zum neuen Sieg zu leben. Leider gehen sie, einer nach dem anderem, aus dem Leben weg…

Mein Vater, der Kommunist Andrej Michajlowitsch Pribytkow

Meinen Vater, den Frontkämpfer, Kommunisten und wunderbaren Menschen Andrej Michajlowitsch Pribytkow, gibt es nicht mehr. Sein Leben lang hat er in Sibirien gewohnt. Er wurde 1916 im Dorf Ikej des Tulunsker Rayons im Gebiet Irkutsk geboren. Mit 16 Jahren kam er auf die Betriebsberufsschule des Kujbyschewer Schwermaschinenbaus, die wie auch die Innokentjewsker BBS, Fachkräfte für das im Bau befindliche Irkutsker Flugzeugwerk ausbildete. Er erlernte den Beruf eines Schlossers und Montagearbeiters und wurde dann im Februar 1934 im Betrieb №104 in Irkutsk II eingestellt, der später Irkutsker Flugzeugwerk genannt wurde. Er war im Betrieb ein „Aktivist der sozialistischen Arbeit“, und er nahm rege am Leben des Kommunistischen Jugendverbandes (Komsomol) teil. In Februar 1935 freute er sich zusammen mit den anderen über den ersten Flug des ersten, in der ostsibirischen Flugzeugfabrik gebauten Flugzeugs – es war ein Jagdflugzeug, der Monoplan I-14. Noch lange war er später darauf stolz, daß auch er sein winziges Scherflein zu diesem historischen Ereignis beigetragen hatte.

Das berühmte Flugzeugwerk in Irkutsk

Und es gab etwas, worauf man stolz sein konnte. Aus dem ganzen Land kamen die Ingenieure, Meister und Arbeiter nach Irkutsk, um an diesem grandiosen Bau des Flugzeugwerks teilzunehmen. Wassili Fjodorow, der später ein berühmter Dichter wurde, war noch als bartloser Knabe mit seinen Freunden auf die Baustelle delegiert worden, arbeitete als Meister in einer der Abteilungen des Betriebs und schrieb für die Betriebszeitung. Später hat er in dem Poem „Der siebte Himmel“ dem Betrieb seine Dankbarkeit, und den Genossen seine Anerkennung erwiesen für seinen Werdegang – als Staatsbürger und Poet.

Es flog durch die dreißiger Jahre
Die strebend motorische Zeit,
Land der Schlitten und Leiterwagen
Wollte beflügelt sein.

Ende Oktober 1935 war der Vater nach einem Aufruf des Komsomol an die Irkutsker Fliegerschule delegiert, die Militärtechniker für die sich entwickelnde sowjetische Luftfahrt ausbildete. Auf ihrer Grundlage entstand die Irkutsker technische Berufsschule für das militärische Flugwesen, die später in die Irkutsker Militärhochschule für Flugingenieurwesen umgewandelt wurde. An dieser Hochschule wurden viele Jahre lang hochrangige Spezialisten für das Militärwesen ausgebildet. Ende 2008 hörte sie auf zu existieren, wie im übrigen auch andere Militärhochschulen des Landes…

Als Flugzeugtechniker an der Ostgrenze

Nach Abschluß der Fliegerschule erhielt der Vater 1937 den Titel als Militärtechniker der zweiten Kategorie. Er wurde im 32. Bombenflugregiment in der 5.Staffel der 12.Fliegerarmee eingesetzt, die nach deren Rückführung aus Spanien von Oberst G.I. Tchor geführt wurde. An der Ostgrenze unseres Landes war es schon unruhig geworden. Vom technischen Dienst hing vieles ab. Man mußte die volle Kampfbereitschaft der Flugzeuge R-5, R-6, TB-1 und TB-3 sichern. Besonderer Gunst erfreute sich Schnellbomber SB, der schon im Spanienkrieg sehr geschätzt worden war und für seine Teilnahme am Kampf der spanischen Republikaner gegen das faschistische Franco-Regime den Spitznamen „Katjuscha“ erhalten hatte.

Japanische Grenzprovokationen 

Im Frühjahr 1939 begann das militaristische Japan mit aggressiven Kriegsoperationen gegen die Mongolische Volksrepublik, obwohl die Grenzprovokationen schon 1935 angefangen hatten. Japan rüstete offenbar zum Krieg. Am 12. März 1936 wurde zwischen der UdSSR und der Mongolischen Volksrepublik der Vertrag über die gegenseitige Hilfe unterschrieben. In der Mongolei wurde das 57. Sonderkorps stationiert. In Mai 1939 wurde G.K. Shukow das Kommando über das Korps übertragen. Den ganzen Juni hörten die heftigen Kämpfe nicht auf. Das Westufer des Flusses Chalchin-Gol und der Berg Bajan-Zagan waren von den Samurai besetzt. Es wurde bekannt, daß am 1. Juli 1939 entsprechend dem Befehl des Generals Ujeda, der die Kwantung-Armee befehligte, und auf Befehl des Kommandeurs der 26.Infanteriedivision, General Komatsubara, ein Generalangriff der japanisch-mantschurischen Truppen im Raum des Flusses Chalchin-Gol geplant war.

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Heftige Kämpfe gegen den japanischen Agressor am Chalchin-Gol

Man durfte nicht abwarten. Zu dieser Zeit war in der Mongolei bereits eine zusätzliche Luftflotte stationiert. Hinzu kam eine Gruppe von einundzwanzig Fliegern, Helden der Sowjetunion, die von dem verehrten J.W. Smuschkewitsch geführt wurde. Dazu kamen auch modernisierte Flugzeuge vom Type I-16 „Tschaika“. Das 57. Korps wurde in die Armeegruppierung eingefügt. Eine bewaffnete Abteilung der 8.Mongolischen Kavallerie-Division wurde in der Nähe stationiert. Die heldenhafte 11.Panzerbrigade und die 7.Motorisierte Schützenbrigade war bereit, in den Kampf einzugreifen. Zwei Tage dauerten am 3. und 4. Juli 1939 die heftigen Kämpfe am Fluß Chalchin-Gol. Am Morgen des 5. Juli ging die Schlacht mit der Zerschlagung der Hauptgruppierung der japanischen Truppen am Westufer und auf dem Berg Bajan-Zagan zu Ende. Aber am Ostufer des Flusses dauerten die Kämpfe an. Allein in der Zeit vom 23. Juli bis zum 4. August waren 116 gegnerische Flugzeuge abgeschossen worden.

Die heldenhaften Verteidiger der Sowjetunion im Osten

Am Sonntag, dem 20. August 1939, begannen die sowjetisch-mongolischen Truppen mit einem Generalangriff zur Einkreisung und Vernichtung der japanischen Truppen. 150 Bomber und etwa 100 Jagdflugzeuge erhoben sich in die Luft. Die gut organisierten Operationen der Luftstreitkräfte, der Panzer- und mot. Schützenabteilungen beendeten am 26. August die Umkreisung der gesamten 6. Japanischen Armee. Und am 30. August war sie vollständig zerschlagen. In den „Erinnerungen und Gedanken“ des Marschalls der Sowjetunion G.K. Shukow las ich, daß er den gefallenen Helden des Chalchin-Gol ein literarisches Denkmal gesetzt hat, auf dem wahrlich zurecht die Worte eingemeißelt sind: „Ewiger Ruhm den heldenhaften Kämpfern der Sowjetarmee und den mutigen Helden der Mongolischen Revolutionären Volksarmee, die in den Kämpfen gegen die japanischen Eroberer im Raum des Flusses Chalchin-Gol für die Freiheit und Unabhängigkeit des friedliebenden mongolischen Volkes, für die Welt und die Sicherheit der Völker, gegen die imperialistische Aggression gefallen sind”.

Nachträgliche Ehrung aus der Mongolischen Volksrepublik

Für die Teilnahme an den Kämpfen beim Fluß den Chalchin-Gol bekam mein Vater von der mongolischen Führung eine Medaille. Und im September 1980 berichteten die regionale Zeitung „Ostsibirische Prawda“ und die Zeitung „Bauarbeiter von Angarsk“, wie aus der Mongolei noch eine weitere Medaille in die Stadt Angarsk kam. Zum 40. Jahrestag des Sieges der sowjetischen und mongolischen Truppen am Chalchin-Gol übermittelte der Vorsitzende des Präsidiums Großen Volks-Hurals, der Genosse Jumschagin Zedenbal, dem Ingenieur für Arbeitssicherheit der Angarsker Bauverwaltung Andrej Michailowitsch Pribytkow herzliche Glückwünsche.

Mein Geburtsort ist die Stadt Tschojbalsan (MVR)

Nach dem Sieg am Fluß Chalchin-Gol begannen unsere Soldaten und Offiziere damit, in der Mongolei „Winterquartiere“ zu errichten. Sie errichteten zuerst Erdhütten, später Baracken. Die Offiziere holten ihre Familien her. Auch der Oberleutnant Andrej Pribytkow brachte seine Frau Sascha mit, die, nachdem sie ihre Ausbildung an der Irkutsker Medizinischen Fachschule abgeschlossen hatte, bereits im Dorf Alexandrowka im Tschitaer Gebiet arbeitete. Ein Jahr später erblickte auch ich das Licht der Welt. In meinem Paß steht als Geburtsort „Tschojbalsan“ (Mongolische Volksrepublik). Und in der Geburtsurkunde ist „Bajan Tumen“ verzeichnet. So hieß die Stadt damals. Nach der Konterrevolution, die Anfang der neunziger Jahre in der Mongolei geschah, erhielt die Stadt wieder ihren alten Namen. Übrigens stießen während dieser Periode die Pseudodemokraten nicht nur bei uns die Nationalhelden von den Sockeln …

Erinnerungen des Marschalls Shukow

Und ich bin stolz, daß in meinem Paß für allezeit die Stadt steht, die nach Tschojbalsan, dem großen Mongolen, dem Erbauer des neuen sozialistischen Staates. Und immer wieder lese ich in den Erinnerungen des Marschalls Shukow darüber: „Das Mongolische Volk verhielt sich mit einer großen Achtung und Zuneigung zu Chorlogijn Tschojbalsan. Ich habe mich mit ihm nahe angefreundet, als er im August zu mir auf den Kommandostützpunkt auf den Berg Chamar-Daba kam. Er war ein außergewöhnlicher Mensch von großer Herzenswärme, ein ergebener Freund der Sowjetunion. Chorlogijn Tschojbalsan war ein wahrer Internationalist, der sein Leben dem Kampf gegen den Imperialismus und Faschismus gewidmet hatte.“ Diesen heldenhaften Namen aus der Geschichte der Mongolei zu entfernen, ist vergleichbar mit jenen gleichgültigen Schafen, die sich der Herde erwehren. Früher oder später werden sie unters Messer kommen, und die Geschichte wird dem Volk alle diese heldenhaften Namen zurückgeben.

Familiäres Glück

In der Mongolei lebten wir anfangs in einer Erdhütte. Später bauten wir ein Holzhaus. Die Mutter erzählte, daß es nichts gab, um mich zu baden. Und so brachte der Vater vom Flugplatz irgendeinem Behälter mit. Darin badeten wir eben. Es war eine ununterbrochene Romantik … Aber das familiäre Glück dauerte nicht lange. Am 22. Juni 1941 begann der Krieg. Alle Offiziersfamilien wurden nach Hause evakuiert. Die Armee blieb, um die östliche Grenze zu sichern und das Flugpersonal für die Westfront vorzubereiten. Das riesige Gebiet der Mongolei war von der mehr als einer Million starken japanischen Armee okkupiert. Der Militärmacht Japans, einem Verbündeten Nazi-Deutschlands, konnte nur mit Macht entgegengetreten werden.

Japan verweigert die bedingungslose Kapitulation

Nach dem Sieg über das faschistische Deutschland wurde von den Regierungen der USA, Großbritanniens und Chinas, am 26. Juli 1945 in Potsdam eine Deklaration verabschiedet, in der die japanische Regierung aufgerufen wurde, sofort die bedingungslose Kapitulation zu unterschreiben. Eine positive Reaktion erfolgte nicht. Am 8. August übergab Molotow dem japanischen Botschafter in Moskau eine Erklärung der Sowjetischen Regierung, in der mitgeteilt wurde, daß sich die Sowjetunion der Potsdamer Deklaration anschließt, und den Vorschlag der USA, Großbritanniens und Chinas annimmt, über die Teilnahme an einem Krieg gegen die japanischen Aggressoren. Am 9. August erklärte die UdSSR Japan den Krieg. Am 10. August folgte dem die Mongolische Volksrepublik.

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Im Fernen Osten begann der Kampf der Sowjetischen Streitkräfte gegen die japanischen Truppen. Es begannen die strategischen Angriffshandlungen der Mandschurischen und der Transbajkalischen Truppen, der 1. und 2. Fernöstlichen Front, der Pazifikflotte, der Amurischen Militärflotille und der Truppen der Mongolischen revolutionären Volksarmee, die bis zum 2. September andauerten.

Die japanische imperialistische Armee wird zerschlagen

Gleichzeitig begann auch die Chingano-Mukdensche Angriffsoperation der Truppen der Transbajkalischen Front. Daran nahm auch die 12. Fliegerarmee teil, in der mein Vater diente. Er sagte oft, daß der Sieg der Luftstreitkräfte auf der Erde geschmiedet worden sei. Bis zum Jahre 1945 hatten die Irkutsker und andere Flugzeugfabriken bereits neuere und modernere Flugzeuge hergestellt. Und das Bodenpersonal und vor allem die Techniker, taten alles, um die Überlegenheit unserer Luftstreitkräfte abzusichern. Und bald darauf wurde die gesamte japanische Armee zerschlagen und gefangen genommen.

Wieder zu Hause in der Sowjetunion

Es blieben die Kindererinnerungen … Nach dem Krieg lebten wir in der Militärgarnison der Stadt Kujbyschewk – im östlichen Amurgebiet. In der Stadt gab es viele kriegsgefangene Japaner. Und ich sah als kleines Mädchen, während ich an den Baracken vorüberging, voller Neugierde diese ungewöhnlichen Menschen, die immer ordentlich ihre Schuhe auszogen und in langen Reihen vor dem Eingang des Gebäudes hinter dem Stacheldraht aufstellten. Später kamen wir in andere Städte und andere Garnisonen. Bis zu seiner Demobilisierung war der Vater viele Jahre als Stabsoffizier bei den strategischen Luftstreitkräften. Wir wohnten in der Stanzia Mansowka in der Region Primorje. 1961 wurde mein Vater im Rang eines Majors demobilisiert. 26 Jahre lang war er im Dienst bei den Streitkräften und wurde dafür mit drei Orden – dem Orden des Roten Sternes, dem Rotbannerorden, dem Orden des Großen Vaterländischen Krieges der zweiten Stufe und vielen Medaillen ausgezeichnet. Über die zahlreichen Auszeichnungen in der Friedenszeit will ich nicht reden, der Vater arbeite gern und verstand es, zu arbeiten.

Der Vater – ein warmherziger und wunderbarer Mensch

Ins Zivilleben zurückgekehrt, arbeitete er noch viele Jahre als Ingenieur für Arbeitssicherheit in der Angarsker Bauverwaltung. Und auch hier hatte er ein gutes Verhältnis zu allen Kollegen, die ihn kannten. Er liebte das Leben und mochte die Menschen, mit denen er zusammentraf, und er liebte seine Arbeit. Wie auch viele andere sowjetische Menschen, arbeitete er überall gut, weil die Arbeit ihm ein Lebensbedürfnis war. Die Arbeit befriedigte sein Interesse an der Sache, die er übernahm, und das Interesse an den Menschen, mit denen zusammenarbeitete. Er äußerte sich immer voller Wärme über die Menschen, und in jedem entdeckte er etwas Gutes und Wertvolles.

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Pribytkow A.M. – Angarsk (Kinotheater um 1960)

Und für sein ganzes Leben ist mir niemals etwas eingefallen, von dem, was in der Welt geschah, das dem Vater gleichgültig geblieben wäre. Er lebte 77 Jahre. Und er lernte lebenslang. In jeder arbeitsfreien Minute las er viel. Es verging kein Tag ohne die neueste Zeitung. Oft wurde in unserer Familie über die Ereignisse im Kongo oder in Albanien gesprochen. Den Vater beunruhigte der Krieg in Korea. Es empörte ihn die Aggression der Amerikaner in Vietnam. Er war begeistert vom heldenhaften Kampf der Kubaner auf der Insel der Freiheit. Immer war er voller Mitgefühl für die Unterdrückten, für das afrikanische Volk in diesem oder jenem Land, das gegen die englischen Kolonisatoren kämpfte. Niemals war mein Vater unpolitisch. Mit seinem Leben bestätigte er die Weisheit, die der altgriechische Philosoph Aristoteles hinterließ, daß der Mensch ein „homo politicos“ ist.

Die schönsten Jahre meines Lebens

Wenn ich heute einen Blick auf die Vergangenheit werfe, auf die 50er, 60er und 70er Jahre des 20.Jahrhunderts, und am Beispiel des Lebens meiner Eltern analysiere, was da war, beginne ich zu verstehen, in welcher schönen Zeit wir lebten. Der Mensch hatte gerade erst begonnen, ein politisches Wesen zu sein. Er lebte nicht vom Brot allein. Er nahm teil am Schicksal der ganzen Menschheit, er war nicht gleichgültig gegenüber allem, was in der Welt geschah. Er fühlte mit, litt mit und empfand mit! Welch’ eine hohe Moral hatte doch der einfache sowjetische Mensch!

… und die Tragik unserer Gegenwart

Und wenn ich jetzt in die Gegenwart sehe, dann blutet mir das Herz. Ich denke, es war gut, daß der Vater die Tragik unserer Tage nicht erlebt hat, jetzt – wo die Menschen in einen solchen flachen, tierischen, merkantilen und egozentrischen Strudel geworfen werden. Wo die Werwölfe und moralischen Mißgeburten das Ruder in der Hand haben, wo die Geschäftemacher und Konjunkturritter regieren, wo alles Hehre und Hohe bespuckt und das Finstere und Platte gefeiert wird. Nicht alle Frontkämpfer konnten diese Tragödie ertragen. Oder sind es etwa nur wenige Helden des Krieges, die freiwillig aus dem Leben schieden, die all die Scheußlichkeiten des jetzigen Daseins nicht ertrugen? Ihr vorzeitiger Tod lastet auf dem Gewissen der jetzigen russischen Machthaber.

Man soll den Toten keinen Vorwurf machen, aber man soll sich auch nicht das Leben nehmen, wenn der Feind im eignen Hause steht. Vernichte den Feind, und erst dann – geh’ selbst hinweg. Aber die schwarzen Wolken über unserem Land bleiben nicht für ewig. Bald wird eine Zeit kommen, und das Leben wird alle wieder auf verschiedene Seiten der Barrikade voneinander trennen, und dann muß man wählen: sie oder wir. Und dann wird man wieder zu den Waffen greifen müssen. Unvermeidlich werden die Enkel das Banner des Heroismus ihrer Vorfahren wieder aufnehmen. Und es wird einen neuen Sieg geben!

Übersetzung: Bernd Friedrich

Mit freundlicher Genehmigung übernommen von Kommunisten-Online

Не дело – упрекать мертвых, но и не дело – убивать себя, когда враг в твоем доме. Уничтожь врага, а потом – уходи сам. Но не вечны черные тучи над страной. Скоро придет время, когда жизнь снова всех разведет по разные стороны баррикад и придется выбирать, мы или они. И снова взяться за оружие. Неизбежно знамя героизма ушедших поднимут их внуки. И тогда – новая ПОБЕДА!

http://www.og.com.ua/Pribytkova_otec.php

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