Wider den Kleingeist in der politischen Linken

Arbeiterklasse damals in der Sowjetunion und heute im kapitalistischen Rußland…
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Klassenstandpunkt? Das ist das Dilemma der Linken: Man diskutiert – und zwar endlos, analysiert die Niederlage des Sozialismus und den heutigen Imperialismus, streitet über Lenin und Stalin, mißversteht und mißdeutet, redet übereinander, statt miteinander. Man gründet Initiativen, schreibt Aufrufe. Nach langem Hin und Her wurde die Losung Klarheit vor Einheitdurch die Losung „Einheit durch Klarheit“ ersetzt. Und was geschah dann? Nichts. Wie klar ist es denn nun eigentlich, das Denken? Und wo bleibt das Handeln? Auf angeblich „linken“ Seiten wird auch weiter versucht, die Leninschen Lehren als unzulänglich und unzeitgemäß abzutun. Da ist beispielsweise die Rede davon, daß man heute unmöglich den „westlichen Imperialismus mit dem angeblichen (!) ‚Imperialismus‘ Rußlands und anderer BRICS-Länder“ gleichsetzen könne. Oder es wird behauptet, daß „eine auf der Strukturanalyse des Imperialismus vor 100 Jahren stehengebliebene Strategie national-beschränkter ‚Übergänge zum Sozialismus‘ scheitern und erfolglos bleiben“ müsse. Das kleinkarierte Denken ist eine der verheerendsten Folgen des modernen Revisionismus! Man darf die Geduld nicht verlieren, sagt Genosse Dr. Gossweiler, aber man darf auch nicht zu lange warten!

AUFS GANZE GEHEN

Gegen den Kleingeist der politischen Linken

Hochmut kommt vor dem Fall, heißt es. Kleinmut hingegen kniet freiwillig, wenn auch oft unbewußt: Der Kleingeist verklärt dieses Knieen als Bescheidenheit oder Besonnenheit. Notwendig wäre aber der aufrechte Gang. Die Knieenden wie die Gefallenen müssen sich aufrappeln.

Von Stefan Klingersberger

Die politische „Linke“ [1] befindet sich in Europa seit über einem Vierteljahrhundert in einer historischen Defensive. In die Ecke gedrängt von den Siegern des Kalten Krieges, die den Kapitalismus seither sehr erfolgreich als das Ende der Geschichte verkaufen, hat es die Linke auf unserem Kontinent bisher nicht geschafft, sich aus dieser Ecke wieder herauszuringen. Die Gleichschaltung der westlichen Medien, Bildungssysteme und sonstiger bewußtseins-prägender Institutionen zugunsten der vermeintlichen Unausweichlichkeit des Kapitalismus sowie die Unsichtbarkeit historischer Alternativen haben zu einer fatalen Orientierungslosigkeit in der europäischen Linken geführt.

Grundsätzlich werden! Die notwendige Umgestaltung der Gesellschaft von Grund auf wurde seither kaum mehr zu träumen gewagt und in der Regel auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Folglich schien es überflüssig, sich darüber Gedanken zu machen, wie diese grundlegende Umgestaltung am besten herbeizuführen sei, wie der Kapitalismus analysiert werden solle, und wo sich seine Bruchstellen befinden könnten, an denen angesetzt werden muß.

Dabei wäre die radikale Umgestaltung der Gesellschaft heute so dringend wie – eh und je? Oder wie noch nie. Millionen Menschen werden von der kapitalistischen Krise, deren Ende nicht abzusehen ist, in Armut, Elend und Arbeitslosigkeit gedrängt. Die rechten Rattenfänger kriechen aus ihren Löchern, um die Völker zu spalten und dadurch beherrschbar zu machen. Die EU entlarvt sich immer offensichtlicher als Instrument der europäischen Hauptmächte, um die Ausbeutung und Unterdrückung der eigenen Bevölkerung sowie der abhängigen Länder zu perfektionieren. Die Kriegstreiber haben Waffen im Gepäck, mit denen ein dritter Weltkrieg der letzte wäre. Die Natur, deren Teil, aber nicht Eroberer wir sind, wird in rasantem Tempo zerstört, und damit auch unsere eigene Lebensgrundlage.

Wer sich vor diesem Hintergrund mit Kleinigkeiten begnügt, ohne sie mit ebendiesem Hintergrund zu verknüpfen, verkennt die Realität. Wer Reformen [2] und Reförmchen propagiert, ohne gleichzeitig Perspektiven einer grundlegenden Umgestaltung aufzuzeigen, lenkt von ihr ab. Und wer abstrakt von solch grundlegenden Umgestaltungen schwärmt, ohne sich die konkreten Bedingungen der Möglichkeit ihrer Verwirklichung klarzumachen [3], über sie aufzuklären und zu ihrer Erfüllung beizutragen, kann nur als heuchlerisch bezeichnet werden.

„Keiner oder alle. Alles oder nichts.“ (Bertolt Brecht) Tatsächlich geht es heute um alles oder nichts: Die Selbstvernichtung der Menschheit beziehungsweise zumindest der menschlichen Zivilisation, oder auch die Einzementierung der Klassenherrschaft dergestalt, daß ein emanzipatorischer Bruch unmöglich wird, sind als realistische Optionen noch gar nicht lange denkbar, dafür werden sie jetzt immer bedenklicher [4]. Der Kapitalismus wird aufgrund seiner inhärenten Gesetzmäßigkeiten immer wieder und immer weiter in diese Richtungen treiben. Die einzige Rettung bestünde folglich darin, den Kapitalismus zu überwinden.

Erforderlich wäre, aufs Ganze zu gehen, in revolutionärer Theorie wie Praxis, jegliche Scheuklappen abzulegen und die grundlegenden Strukturen und Zusammenhänge der Gesellschaft und der Welt zu verstehen versuchen. Und zwar auf eine Weise, die es ermöglicht, ebendiese Strukturen und Zusammenhänge bestmöglich in eine positive Richtung zu beeinflussen, um sodann der berühmten „elften Feuerbachthese“ [5] gerecht zu werden und genau das aktiv zu tun.

Dieser Anspruch, im Denken und Handeln aufs Ganze zu gehen, hat nichts mit eingangs erwähntem Hochmut zu tun, sondern basiert auf nichts Geringerem als der persönlichen Integrität eines aufgeklärten Menschen. Das Ziel ist der aufrecht gehende Mensch in solidarischer Gemeinschaft, der selbstbewußt und vorausschauend eine bessere Zukunft gestaltet und zu diesem Zweck die eine Welt als ein Ganzes denkt, dessen grundlegende Veränderung ebenfalls nur aufs Ganze geht.

[Ein Artikel von Stefan Klingersberger in der uni:press der ÖH Salzburg, April 2014, S.46.]

http://issuu.com/unipress/docs/up676online/41?e=4694436/7946402

Quelle: rotes-salzburg.at

Anmerkungen:

[1] Verstanden als jene Kräfte, die die Forcierung des Fortschritts, vor allem des sozialen, versuchen.

[2] Die ja heutzutage bezeichnenderweise schon fast eine negative Konnotation haben, weil sie unter der Fuchtel der derzeit etablierten Parteien so gut wie immer, wenn auch großteils sicher beabsichtigt, nach hinten los gehen.

[3] Wozu nüchterne Kapitalismusanalyse eine zentrale Voraussetzung ist.

[4] Insofern könnte der Kapitalismus tatsächlich das Ende der Geschichte bedeuten, wenn er die Menschheit mit sich in den Tod reißt. So war das von den Apologeten des Kapitals aber nicht gemeint.

[5] „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern.“, Karl Marx (Thesen über Feuerbach, http://bit.ly/1hB0rYu ). Verallgemeinert gesehen handelt es sich bei diesem Satz um einen der zentralen spekulativ-philosophischen Sätze der gesamten Philosophiegeschichte. Ihm geht es um die Herstellung der Einheit von Theorie und Praxis, wobei sich Marx in Zusammenhang mit der Kritik bisheriger Philosophie vor allem zur Forderung nach dem Praktisch-Werden der Philosophie und dem Sprung vom Denken zum (theoriegeleiteten) Handeln gedrängt sah.

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10 Antworten zu Wider den Kleingeist in der politischen Linken

  1. Vorfinder schreibt:

    „Keiner ist so blind, dass er letzten Endes nicht doch noch sehend werden könnte. Auch die Verblendetsten sind nicht verloren.“ … „Auch die Kleinbürger werden eines Tages noch gezwungen werden, ihrem Feind ins Auge zu sehen. Herunter mit den Scheuklappen, aus ist’s mit dem Sichherumdrücken, Schluss mit jedem Dem-Kampf-Ausweichen, Farbe bekennen, heißt es…“
    (Johannes R. Becher DER EINZIG GERECHTE KRIEG)

    Dieses Buch ging ich gerade wieder durch. Bechers Worte sind in vielem uneingebüßt aktuell. Nimmt bei der politischen Linken jemand so ein Buch in die Hand? Weshalb konnte soviel vergessen gemacht werden, was in unseren Reihen schon einmal gewusst worden war?

  2. sascha313 schreibt:

    Danke, Vorfinder, ein wichtiger Hinweis! – und ein Aufruf zum Handeln: „Kämpft gegen den Welt-Unsinn, gegen den Welt-Wahnsinn, gegen den Menschenmarkt, gegen das Menschen-Zuchthaus, gegen das Menschen-Schlachthaus! Kämpft gegen die im Interesse der Profitwirtschaft künstlich gezüchtete Menschendummheit, kämpft für Menschenfreiheit! Kämpft für die Wiedergeburt des Menschen aus der Menschen-Gemeinschaft!“ (Johannes R.Becher: Levisite, Achtes Kapitel/1)

  3. Rolf Preil schreibt:

    Das, was Klingersberger anspricht sind keine falschen Feststellungen – doch an wen sendet er seinen Ruf – an “ …Kräfte, die die Forcierung des Fortschritts, vor allem des sozialen, versuchen.“ („Linke“ genannt). Das behaupten Sozialdemokraten, PDL, Grüne, AfD, CDU… mehr oder weniger mit verschiedenartigen Formulierungen auch in ihren Sonn-, Bundes- und Festtagsreden. Doch bisher sind alle an der Umsetzung ihrer Ideen gescheitert – und eine Änderung dieses Scheitern ist nicht in Sicht.
    Es sei denn, wir richten unsere Worte an die, denen Becher, Brecht, Marx, Lenin einiges ins Stammbuch geschrieben haben – an die Proleten und deren revolutionäre Vorhut – den Kommunisten. Doch nein – wir geben uns mit seitenlangen Analysen ab – um die Klein- und Spießbürger auf Linie zu bringen und mit Becher, Brecht, Lenin und Marx zu bekehren – von denen sie sich schon längst unaufgefordert öffentlich losgesagt haben.
    Kleingeister, kniende und gefallene aber können den aufrechten Gang nur erkennen und wieder übernehmen, wenn Kommunisten sich zum Kommunismus bekennen und selbst aufrecht schreiten.
    Kommunisten, die sich in „Linken“ Parteien, Vereinen und Gruppierungen verkriechen, haben durch ihr Verhalten das Recht vergeben, Kommunist zu sein.
    Kommunisten in kommunistischen Parteien in diesem Land sind schuldig, eine marxistisch – leninistische Partei neuen Typs in den zurückliegenden über zwei Jahrzehnten verhindert zu haben.
    Kommunisten sind die Avantgarde des Proletariats – ihre Pflicht ist es, diese Verantwortung endlich wieder zu tragen und zu ertragen – mit allen Konsequenzen.
    Dazu müssen sie lernen, lernen, lernen.
    Doch das können sie nur in der sachlichen Diskussion – einer Auseinandersetzung, die die Schaffung einer marxistisch – leninistischen Partei neuen Typs zum Ziel hat.
    Wir müssen uns die ISKRA zum Vorbild nehmen. Mit der Möglichkeit einer wissenschaftlich fundierten Diskussion bieten wir die Möglichkeit endlich wieder eine Kommunistische Partei neuen Typs zu schaffen.

    Wie sagte Kurt Gossweiler? Siehe oben!

    • Harry 56 schreibt:

      Rolf Preil schreibt:
      10. Juni 2014 um 15:12

      „Das, was Klingersberger anspricht sind keine falschen Feststellungen – doch an wen sendet er seinen Ruf – an “

      Sehr gute Frage! 🙂
      Ich persönliche fürchte, er sendet diesen Ruf vor allem an Leute seines Schlages, schon fast ein ganzes Leben viel gelesen, viel gesagt und kommentiert, andere damit mächtig zu belehren versucht, aber ebenso „mächtig“ absolut nichts erreicht, vorzuweisen, keinen einzigen Hund so hinter dem Ofen hervorgelockt!

      Bis auf das Aufwärmen dieses ewigen alten und nun wirklich doch schon beinahe weltweit gescheiterten bürgerlichen „Partei“ – Gedankens ( und da hilft auch dieses „neuen Typus“ seligen Angedenkens nichts!), finde ich alle übrigen Aussagen dieses Kommentars sehr gut und nachdenkenswert.
      Ob man hier nicht mal wirklich über effektivere Organisationsformen nachdenken sollte?
      Und zwar ganz in Hinblick darauf, von vorherein Karrieristen und Schaumschläger, aber auch Agenten und Provokateure auszuschließen, eventuell doch durch die „Maschen“ geschlüfte schnell und umstandslos wieder loszuwerden?

      • Rolf Preil schreibt:

        Hallo Harry 56,
        Recht hast Du – es geht genau darum – um andere Organisationsformen für eben diese Partei neuen Typs – oder wie immer dieses Konstrukt auch heißen soll – zu formieren. Vor Zeiten habe ich mal was von der Einheit von „Form-Inhalt-Methode“ gehört und seit dem nie wieder vergessen – weil es richtig ist. Neue Inhalte – und die Gedanken Lenins waren und sind bis heute NEU – verglichen mit den verschrobenen, verbrauchten Ideen der bürgerlichen Ideologien (der Plural ist hier angebracht – die bürgerlichen Gedanken, Politiken usw. sind so abstrus vielseitig, wie die Zahl ihrer Apologeten – dabei sind sie nicht einmal neu, sondern werden von ihren Verkündern nur erneuert).
        Darüber sollten wir mal in Ruhe reden…

    • rheinlaender schreibt:

      Tatsächlich werden Millionen Seiten und 90 Prozent Energie in Zänkereien mit bürgerlich linken Strömungen investiert. Die restlichen 9 Prozent dienen dem pausenlosem inhaltsleeren Wiederkauen von erklärungsbedürftigen Begriffen : wie Monopole (keine Konkurrenz ?), Maximalprofit (kostenbewusstes Wirtschaften ist laut K. Gossweiler auch im Sozialismus super), Grosskapitalisten (ist das Herr Ackermann, Schlecker oder Herr LIDL BITTE um NAMEN?), Überakkumulation (da hat einer zu viel Knete und weiss nicht wohin damit ?), Reproduktion (Urlaub, Freizeit, Kinder und Lieblingsbegriff revisionistischer 68ger ?) , Kapitalvernichtung (leerstehen Immobilien oder Neuwagen die auf Halde verrotten ?).
      Und das restliche 1 Prozent der persönlichen Eitelkeit. ….
      Diese Begriffe bzw. oft inhaltsleeren Phrasen sind übrigens sehr problematisch, da jeder Spitzel Blödmann vom Verfassungsschmutz sich diese schnell aneignen und einen auf Kommunist machen kann.
      NULL Prozent werden dafür verwendet dem Normal Arbeitenden nahezubringen, warum wir gegen arbeitsloses Kapitaleinkommen und gegen Raubkriege sind.

  4. sascha313 schreibt:

    Der Artikel ist zweifellos gut gemacht. Man muß allerdings sehen, in welchem Milieu er entstand. Er erschien in einer Studentenzeitschrift. Die Erkenntnis ist also nicht neu, sie bestätigt genau das, was der Marxismus schon immer erklärt hat. Jedoch sollte der Hinweis auf die „Bruchstellen“ des kapitalistischen Systems nicht übersehen werden. Es wird mit Sicherheit keine „permanente Revolution“ geben, sondern die einmal entstandenen Brüche (denen schnellstens nachzuhelfen ist!) werden weitere Brüche nach sich ziehen.

    Was allerdings von entscheidender Bedeutung ist, das sind die „Motoren“ der Bewegung, die jene Brüche verschärfen und letztlich zur Revolution führen: die Arbeiterklasse. Hier spielt das subjektive Moment eine entscheidende Rolle. Das ist a) die Klassenzugehörigkeit und b) das Klassenbewußtsein. Und hier ist das, was „Rolf Preil“ schreibt („Lernen…“), die absolute Voraussetzung für effektives und zielgerichtetes Handeln. Lenin schrieb in seinen Thesen zur Revolution: „…daher kann unsere Aufgabe nur in geduldiger, systematischer, beharrlicher, besonders den praktischen Bedürfnissen der Massen angepaßter Aufklärung … bestehen.“ (LW24,7) Wobei man sich nicht zu fürchten braucht, denn – auch hier wieder Lenin: „Müssen wir es nicht verstehen, eine gewisse Zeit lange gegen den ‚Massen’taumel in der Minderheit zu sein?“ (Briefe über die Taktik, LW24,37). Hier sind also gute Hinweise gegeben, wie das praktisch ablaufen muß, um zum Erfolg zu gelangen.

    Und um auch noch mal Stalin zu zitieren (der das Ziel der Aufklärung nannte:
    1. den Weg der Arbeiterbewegung beleuchten
    2. die Wahrheit über Freunde und Feinde der Arbeiterklasse verbreiten und
    3. die Interessen der Arbeitersache treu hüten). Stalin schrieb also:
    „Indem wir uns solche Ziele setzen, beabsichtigen wir durchaus nicht, die Meinungsverschiedenheiten zu vertuschen, die es unter sozialdemokratischen Arbeitern gibt. Noch mehr: wir glauben, daß eine mächtige und lebensvolle Bewegung ohne Meinungsverschiedenheiten undenkbar ist, – nur auf dem Friedhof ist die ‚völlige Identität der Ansichten‘ zu verwirklichen!“ (Stalin. Unsere Ziele, in: SW2,226). Langer Text, aber ich denke, damit reicht’s erst mal!

    P.S. @rheinlaender: wenn das so ist mit den vergeudeten 90 Prozent, dann sollte man schleunigst auf die eigentlichen „Motoren“ der sozialen Bewegung zugehen und das tun, was Lenin sagte: geduldige usw. Aufklärung!

  5. Harry 56 schreibt:

    Aufklärung tut Not, in der Tat!

    Doch womit anfangen, in welcher Richtung?
    Marx sagte mal an einer Stelle in seinen Schriften (fällt mir gerade nicht ein, wo), um die Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft zu verstehen, muss man zuerst die politische Ökonomie dieser Gesellschaft verstehen.
    Viele einfache Menschen sagen z.B., dass die moderne Technik, zunehmend auch der Internet-Handel, mehr und mehr Arbeitsplätze vernichtet.
    Ähnliche Erfahrungen (Maschinen) machten bekanntlich schon die Maschinenstürmer im frühen 19.Jahrhundert.
    Viele einfache Leuten machen sich Sorgen um die immer riesigere Staatsverschuldung, in ihrer Folge Sorgen um ihre Ersparnisse, Lebensversicherungen, Inflation.
    Viele einfache Leute machen sich Sorgen um die zunehmende Umweltverschmutzung, um immer giftigere Lebensmittel, gefährliches Gen-Food.
    Viele einfache Leute sind besorgt über die immer riesigeren Flüchtlingsströme rund um den Planeten, den damit oft verbundenen widerlichen Menschenhandel.
    Viele einfache Leute versuchen sich die ständigen weltweiten Kriege und Bürgerkriege zu erklären.
    Und schließlich, viele einfache Leute fürchten sich vor einem möglicherweise atomar geführten 3.Weltkrieg!
    Und man könnte noch viele weitere Fragen, Sorgen und Nöte vieler unserer ganz normalen Mitmenschen anführen…..

    Doch was bekommen alle diese vielen einfachen fragenden, sich zuweilen empörenden, sich oft auch sorgenden Leute von so vielen Linken und Kommunisten bzw. Leuten, die sich für Kommunisten halten oder ausgeben, zu hören?
    Zumeist die immer gleichen abstrakten Worthülsen, rein bürgerlich abstraktes „Mächte“- Denken, vor dicker Moral-Tunke oft nur so triefende Verurteilungen, simpelste Einteilungen der heutigen Welt in Gut und Böse usw….. – aber nur sehr selten die Bemühung, alle diese Erscheinungen aus der politischen Ökonomie des heutigen kapitalistischen Weltsystems wissenschaftlich-sorgfältig abzuleiten.
    Es gibt keinen Kapitalismus oder „Volkswirtschaft“ der „BRD“ oder „USA“ oder „EU“ oder bloß EU-„Südschiene“ oder „BRICS“ oder sonst für einen.
    Es gibt EIN kapitalistisches Weltsystem, einen Weltmarkt, einen Weltmarkt für Waren, Rohstoffe, Wissen und Erfindungen, Kommunikation,und seit einiger Zeit zunehmend auch für die Proletarier, also auch einen internationalen „Arbeitsmarkt“.
    Mit Hilfe von Marxens grundlegenden ökonomischen Schrifen und einigen sehr guten Beifügungen und Verständlichmachungen von Engels ließe sich der heutige Weltkapitalismus mit den meisten seiner Erscheinungen sehr wohl für jedermann und ohne jeglichen ideologischen oder moralischen Schaum vorm Mund verständlich darlegen.
    Doch wie, wenn sich viele dieser „linken“ IDEOLOGEN mit wenigen angelesenen, schon auswendig gelernten Begriffen zufrieden geben?
    Wie kann jemand aufklären, der selbst nur höchst dürftig, rudimentär über das wesentlichste des Kapitalismus, seine politische Ökonomie, aufgeklärt ist?
    Alle wirkliche Aufklärung hat sich also keinesfalls und vordergründig mit abstrakter Politik, moralisch-heuchlerischer „Arm und Reich“- Jammerei, „Geldsystem“ und „Zinseszins“, Gar „Zinsknechtschaft“ zu befassen, sondern mit politischer Ökonomie, diese gilt es heute ebenso penibel zu studiern wie es Marx und Engels zu ihrer Zeit bereits erfolgreich taten.
    Die nötigen Werkzeuge haben sie uns ja zur Hand gegeben.
    Benutzen wir sie endlich!

    Der 2.Punkt zum Thema Aufklärung wäre natürlich die Frage nach geigneten, effektiven Organisationsformen, Mitteln und Wegen.

    Soweit mal erst…….

  6. rheinlaender schreibt:

    Danke Harry56,
    effektive Organisationsformen, Mittel und Wege gabs im Wessiland bis Ende der 80ger mehr als genug . Aber die 3 Kapiatalbände wurden von 100 Tausenden „BRD Kommunisten“ wohl nie gelesen. Sonst gäbe es wohl eine verständliche Zusamenfassung auf 500 Seiten. Im Kapital 3 ab http://www.mlwerke.de/me/me25/me25_350.htm wird der Zinsmythos zwar entlarvt, ABER
    1) Vieles ist redundant (Wiederholungen ohne zusätzlichen Informationswert oder Verständniserleichterung)
    2) Vieles ist nur verständlich, wenn man die vorherigen 100 Seiten gelesen hat
    3) Ein sehr gutes LEICHT VERSTÄNDLICHES Beispiel gegen den Zinsmythos find ich zum Beispiel hier http://www.marx-forum.de/arbeitswelt/kritik/zinskapital.html
    4) Zum Thema Volksaufstände Made in USA (DDR, Iran, Ungarn, CSSR, Jugoslawien. Libyen, Venezuela, Syrien, Ukraine usw.) finde ich hier einen gutverständlichen Beitrag, vor allem auf das wesentliche reduziert http://einarschlereth.blogspot.de/2014/06/tiananmen-das-massaker-das-es-nie-gab.html
    In der Kürze liegt die Würze.

  7. Harry 56 schreibt:

    Hallo rheinlaender, in DIESEN Fragen helfe ich doch gern, versuche mein Bestes! 🙂
    Das „KAPITAL“ von Marx zu lesen wollten sich schon damals und leider auch noch heute viele dieser sog. „Linken“ nicht antun.
    Eine rühmliche Ausnahme (in der BRD) bildete damals, so in den 70er Jahren die Marxisische Gruppe (München), heute GegenStandpunkt.
    Ich lernte damals persönlich, eher zufällig, einige von ihnen kennen, welche zu jener Zeit an Wochenenden Kapital-Studenkreise bildeten, sich auch andersweitig mit Marx, den Sozialismus und Kommunismus beschäftigten.
    Sie übten schon damals an der revisionisten Politik der sozialistischen Länder eine scharfe Kritik, nicht böse, nicht gehäßig, nicht verleunderisch, niemals hetzerisch, sondern konstruktiv, aufklärerisch, vorwärtsweisend.
    Leider behielten sie recht! (Einige andere Positionen von ihnen, etwa zum bürgerlichen Staat, zu Lenin konnte ich schon damals und kann sie heute noch immer nicht teilen. Da sind sie leidet bis heute stehen geblieben. Schade!)).
    Zum „KAPITAL“ von Marx ist allerdings zu sagen, dass er es nur schaffte, den ersten Band persönlich heraus zu bringen.
    Die Bände II und III wurde von seinem Mitstreiter Engels herausgegeben, natürlich streng nach der Vorlage von Marx seinen Manuskripten.(siehe seine Vorworte)
    Es wurde also nie tatsächlich vollendet, worauf auch Rosa Luxemburg später mal hinwies.
    Dennoch wurde auf alle Fälle der Grundstein gelegt, Vor dem Erscheinen des ersten Bandes bereits mit Marx seiner „Zur Kritik der Politischen Ökonomie“, in den „Grundrissen“, „Lohnarbeit und Kapital“, teilweise schon im „Elend der Philosophie“ etc…(alles sozusagen Vorarbeiten) und nicht zuletzt äußerst brilliant und vor allem verständlich in einem Vortrag, den Marx 1865 in London hielt unter dem Titel „Lohn, Preis und Profit“.
    Ich persönlich würde wirklich allen raten, welche vielleicht vor den umfangreicheren ökonomischen Arbeiten von Marx zunächst noch zurückschecken, sich gerade diese kurze, aber sehr prägnante Arbeit als Einstieg mal reinzuziehen!
    Man findet sie in MEW (Ausgabe 1973), Bd.16, ab S. 103
    Gerade auch unsere „Gewerkschaftler“ sollten sich besonders die Seiten ab 147 genauestens durchlesen und hoffentlich – kapieren (wollen!!!…) und auch endlich entsprechende Schlußfolgerungen ziehen und handeln.

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