Die sozialistische Volksbildung in der DDR nach 1945

Gerade in Zeiten wie heute, wo die Kinder im Geiste des herrschenden Kapitalismus erzogen werden, ist es sinnvoll, daran zu erinnern, mit welchem Optimismus, mit welcher Zuversicht  und mit welchem großen Vertrauen sich die Lehrer in den ersten Jahren nach der Gründung der DDR an die völlig neue Aufgabe heranwagten, ein sozialistisches Bildungswesen aufzubauen.  In unserem Land war das Bildungsprivileg der Bourgeoisie abgeschafft worden, und erstmals hatten auch Arbeiter- und Bauernkinder uneingeschränkt Zugang zu höheren Schulen und Universitäten. Das schrieb man 1953:

In Deutschland bestehen zwei Bildungssysteme: das demokratische, fortschrittliche System in der Deutschen Demokratischen Republik und das volksfeindliche, seinem Wesen nach faschistische System in Westdeutschland.

Die Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone

Nachdem die Sowjetunion die Vernichtung Hitler-Deutschlands besiegelt hatte, wurden in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands sämtliche Hochschulen und Volksbildungsorgane von ehemaligen Mitgliedern der Nazipartei gesäubert. Die Sowjetische Militäradministration befahl, den Schulunterricht ab 1. Oktober 1945 wieder aufzunehmen. Die nazistisch verseuchten Lehrbücher wurden aus den Schulen entfernt, es wurden neue Lehrpläne und Programme aufgestellt und neue Lehrbücher herausgegeben.

Bild
Im Juni 1946 trat in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands das in Weimar und allen anderen Hauptstädten der insgesamt 5 Länder beschlossene Schulgesetz in Kraft. Dieses Gesetz verkündete das demokratische Prinzip des Schulaufbaus. Die Schule wurde von der Kirche getrennt und dem Staat unterstellt. Das gleiche Recht auf Bildung für alle Bürger wurde später in Artikel 35 der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik festgelegt. Bis Oktober 1949 oblag die Verwaltung der Schule in der Sowjetzone der Deutschen Verwaltung für Volksbildung. Mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik ging diese Aufgabe in den Bereich Ministeriums für Volksbildung über.

Der Schulaufbau in der DDR

Das erste Glied im System der Volksbildung in der DDR sind die Vorschuleinrichtungen (Kindergärten, die es früher in dieser Form nicht gab). Es ist für alle Länder der Republik (Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg), die bei der Entscheidung von Bildungsfragen örtlicher Bedeutung eine gewisse Selbständigkeit genießen, einheitlich geregelt. Alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 6-18 Jahren unterliegen der Schulpflicht. Der Unterricht ist kostenlos. Vom 6.-14. Lebensjahr lernen die Kinder in der Grundschule, anschließend besuchen sie bis zum 18. Lebensjahr die Berufsschule. Schüler, die nach Abschluß der Grundschule in die Oberschule (ebenfalls 4 Jahre) eintreten, sind von der Berufsschulpflicht befreit. Den Berufsschülern steht die Möglichkeit offen, nach ihrem Abschluß noch 2 Jahre eine Fachschule zu besuchen. Die Absolventen der Oberschule dagegen werden zum Studium an den Universitäten und anderen Hochschulen zugelassen. Die Kinder der Werktätigen werden bevorzugt in die Oberschule aufgenommen, während man sozial bedürftigen Kindern Unterrichtsbeihilfen in Form von Stipendien gewährt.

Ferienlager
Fröhliches Treiben im Zeltlager
der Pionierrepublik „Ernst Thälmann“
in der Wuhlheide bei Berlin

Besondere Bedeutung für die erfolgreiche Durchführung der Schulreform auf dem Lande hat die Schaffung sog. Zentralschulen. Diese Schulen, die eigene Internate besitzen, geben der Landjugend die Möglichkeit, in einer vollständigen 8-Klassen-Grundschule zu lernen, sie bilden eines der wirksamsten Mittel, um die Rückständigkeit der Dorfschule gegenüber der Stadtschule zu überwinden.

Die folgende Tabelle vermittelt einen Überblick über die Zahl der allgemeinbildenden Schulen in der DDR im Schuljahr 1950/51.
Volksbildung

Welche Neuerungen gab es im DDR-Schulsystem?

Sowohl in den ländlichen als auch in den städtischen Grundschulen wurde von der 5. Klasse ab Russisch als Pflichtfach eingeführt. Ferner wurde der Unterricht in Rechnen und Biologie verbessert. Der russische Sprachunterricht ist für die Bildung und Erziehung der deutschen Jugend von ausgesprochen großer Bedeutung; er hilft ihr, sich mit den Erfolgen der UdSSR beim Aufbau des Sozialismus sowie mit den wissenschaftlichen, künstlerischen und kulturellen Leistungen der Sowjetunion näher vertraut zu machen. Der Unterricht in Geschichte, Literatur und anderen Fächern weckt bei den deutschen Schülern das richtige Verständnis für das gesellschaftliche Leben, er lehrt sie, den Faschismus sowie die Feinde des Friedens und des Fortschritts zu hassen, trägt dazu bei, die große Rolle der UdSSR bei der Befreiung Deutschlands zu klären, und stärkt die Ergebenheit gegenüber der demokratischen Ordnung.
Lehrplan 1951
Große Aufmerksamkeit widmen die Schulen der Deutschen Demokratischen Republik den naturwissenschaftlichen Fächern und der Anerziehung der Grundlagen einer wissenschaftlichen Weltanschauung. Deutsch, Heimatkunde, Geschichte, die fortschrittliche deutsche Literatur, Musik und Kunst erziehen die deutsche Jugend zum nationalen Selbstbewußtsein im Gegensatz zum reaktionären Kosmopolitismus, den die amerikanischen Imperialisten zu verbreiten suchen.

Planmäßige Schulentwicklung

Die führende Rolle bei der Erziehung der jungen Generation in der DDR spielen die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, die unter ihrer Führung arbeitende Freie Deutsche Jugend sowie die Pionierorganisation. Im Zusammenhang mit der Erfüllung des Zweijahrplanes von 1949/50 schnitt die SED das Problem an, wie die Ausbildung der technischen Intelligenz zu verbessern ist. Berufs- und Fachschulen sind die unterste Stufe dieses Bildungssystems. Ihre Zahl wuchs zwischen 1945 und 1950, d.h. innerhalb von fünf Jahren, von 673 auf 1.477; die Zahl der Schüler stieg von 283.000 auf 787.000. Durch das Gesetz vom 8. Februar 1950 wurden die Investitionen für Berufsschulen sowie für die Einrichtung von Jugendheimen beträchtlich erhöht.

Die Erwachsenenbildung in der DDR

Große Bedeutung wird in der Deutschen Demokratischen Republik der Erwachsenenbildung beigemessen. Im Januar 1946 ordnete die sowjetische Militäradministration die Wiedereröffnung von Volkshochschulen an. Bereits im Jahre 1950 waren hier 200.000 Hörer eingeschrieben. Außerdem wurden Abendlehrgänge und Abendhochschulen ins Leben gerufen.

Ausbildung der Pädagogen und Erzieher

Für die Ausbildung der Lehrer wurden an den Universitäten Pädagogische Fakultäten gegründet. In der Zeit von 1945-49 wurden 44.600 Grundschullehrer und 4.500 Berufsschullehrer ausgebildet. Hinzu kommen noch 4.000 Lehrkräfte für Russisch, die zwischen 1945 und 1948 ihre Erziehertätigkeit aufgenommen haben. Im Jahre 1951 begann man Pädagogische Institute zu errichten. Drei Jahre dauert hier die Ausbildung. Ferner wurde das pädagogische Zentralinstitut gegründet, eine wissenschaftliche Forschungsinstitution, in der die Grundsätze einer neuen Pädagogik ausgearbeitet werden. In den Instituten ist man eifrig dabei, die Erfahrungen der sowjetischen Schule und die Errungenschaften der Sowjetpädagogik zu studieren und sich anzueignen.

Hochschulen und Universitäten

In der DDR wurden die Hochschulen allen Arbeitern, Bauern und Angehörigen der schaffenden Intelligenz zugänglich gemacht. Das gesamte System der Hochschulbildung wird von Grund auf umgestaltet. Die soziale Struktur der Studentenschaft einer Hochschule bietet heute ein völlig verändertes Bild. Über 25% aller Studenten stammen aus Arbeiter- und Bauernfamilien (1941 waren es nur 2,4%). Durch Gewährung von Stipendien und anderen Vergünstigungen wird den Werktätigen der Eintritt in die Hochschule erleichtert. An den Universitäten wurden Arbeiter- und Bauernfakultäten gegründet, in denen begabte Töchter und Söhne des Volkes innerhalb von vier Jahren die Reifeprüfung ablegen können. 1950 lernten an diesen Fakultäten 7500 Personen. Auf allen Universitäten richtete man Seminare ein, deren Teilnehmer die Grundlagen des Marxismus Leninismus studieren. In den biologischen Disziplinen hielt die Lehre Mitschurins und I. P. Pawlows ihren Einzug. An sämtlichen Hochschulen bestehen Gruppen der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. In der DDR gibt es 6 Universitäten und 13 andere Hochschulen, an denen im Jahre 1950 insgesamt 27.700 Studenten immatrikuliert waren. Im Fünfjahrplan zur Entwicklung der Volkswirtschaft der DDR für 1951-55 ist eine beträchtliche Erhöhung der Ausgaben für die Volksbildung vorgesehen. 1955 sollen für diese Zwecke 40% mehr Mittel bereit gestellt werden als 1950.

Die Bibliotheken in der DDR

Die größten und ältesten Bibliotheken Deutschlands befinden sich in der Deutschen Demokratischen Republik. Hier sind zu nennen: die 1661 gegründete Öffentlich-Wissenschaftliche Bibliothek (die frühere Preußische Staatsbibliothek) in Berlin mit 1½ Millionen Bänden, die aus dem Jahre 1831 stammende Berliner Universitätsbibliothek mit 1.095.000 Bänden, die 1556 ins Leben gerufene Dresdner Bibliothek mit über 700.000 Bänden, die 1543 gegründete Universitätsbibliothek (Bibliotheca Albertina) in Leipzig mit 1,2 Millionen Bänden sowie die Deutsche Bücherei mit 2¼ Millionen Bänden. In der Republik haben zahlreiche Museen, in denen die Schätze der nationalen Kunst und Literatur aufbewahrt werden, die Arbeit aufgenommen. So öffneten u.a. in Leipzig das Städtische Museum für Bildende Kunst sowie das Deutsche Buch- und Schriftenmuseum ihre Pforten.

Das reaktionäre »amerikanisierte« Schulsystem in Westdeutschland

In Westdeutschland wurde das unter der faschistischen Diktatur entstandene Bildungssystem im wesentlichen beibehalten. Die in der amerikanischen, englischen und französischen Besatzungszone lebende deutsche Bevölkerung wird ideologisch im Geiste des Militarismus und der Feindschaft zur Sowjetunion bearbeitet. Reaktionäre Kreise der USA bestimmen die Schulpolitik der Bonner Regierung. Unter der westdeutschen Lehrerschaft befinden sich zahlreiche ehemalige Nazis. Im August 1946 wurde von den Amerikanern die Abteilung für Erziehung und kulturelle Angelegenheiten gegründet, deren Hauptaufgabe darin besteht, Westdeutschland das amerikanische Bildungssystem aufzuzwingen und sein gesamtes kulturelles Leben zu »amerikanisieren«. Die amerikanischen Imperialisten und ihre westdeutschen Handlanger verhindern mit allen Mitteln einen wirklichen Bildungsaufstieg.

Und so war der Unterricht an einer westdeutschen Schule:
Schule in Westdeutschland

Keine Hand rührt sich, um die völlig oder teilweise zerstörten Universitäten in Hessen, Frankfurt, München, Würzburg und an deren Städten sowie die vom Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Schulen wiederaufzubauen. Zahlreiche unversehrt gebliebene Schulen wurden von Einheiten der amerikanischen Besatzungsarmee und von den Bonner Behörden belegt. 30% der benötigten Lehrkräfte fehlen. Vielfach entfallen auf 1 Lehrer über 75 Schüler. Die Besatzungsmächte ließen in Westdeutschland die Konfessionsschule wiederaufleben, unterstützen die kirchliche Reaktion und räumen der Kirche unbeschränkten Einfluß auf die Schule ein. In der französischen Zone sind über die Hälfte der Grundschulen an eine bestimmte Konfession gebunden. Die Lehrer werden vornehmlich in Schnellkursen ausgebildet; die sowohl hierfür als auch für die pädagogischen Colleges erforderlichen Lehrkräfte werden gewöhnlich von den Besatzungsmächten ernannt.

Der aufkommende Neofaschismus in Westdeutschland

Die gesamte Lehr- und Forschungstätigkeit in den westdeutschen Lehranstalten unterliegt einer scharfen Kontrolle durch die amerikanischen, englischen und französischen Besatzungsbehörden; die Wissenschaft entwickelt sich in einer den amerikanischen Kriegstreibern willkommenen Richtung. Um ihren ideologischen Einfluß in Westdeutschland zu festigen, haben die amerikanischen Kolonisatoren mehrere Colleges nach amerikanischern Muster aufgezogen. Unter der Studentenschaft ziehen sie in vermehrtem Maße nazistische Tendenzen groß, wenngleich ihre Versuche, den Nazismus wieder auferstehen zu lassen, bei zahlreichen Studenten auf Widerstand stoßen. Der in Westdeutschland aufblühende Neofaschismus findet bei den reaktionären Kreisen der Studentenschaft Rückhalt, Die sog. »neutralen« Volksuniversitäten, die kosmopolitische und militaristische Konzeptionen propagieren, dienen als Wegbereiter der reaktionären Politik der Wall Street. Eine besondere Rolle bei der Erziehung der westdeutschen Studentenschaft spielen die verschiedenen bürgerlichen Organisationen, die bis zu 25% der Jugend erfassen. Doch die amerikanischen, englischen und französischen Imperialisten müssen immer mehr erkennen, daß sie nicht in der Lage sind, die breite Bewegung der fortschrittlichen deutschen Jugend und der fortschrittlichen Erzieher Westdeutschlands für Frieden und Einheit aufzuhalten.

Quelle:
Jürgen Kuczynski/Wolfgang Steinitz (Hrsg.): Deutschland, Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin, 1953, S.253-259.

Siehe auch:
Das einheitliche sozialistische Bildungssystem

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6 Antworten zu Die sozialistische Volksbildung in der DDR nach 1945

  1. monopoli schreibt:

    Hat dies auf monopoli rebloggt.

  2. Nadja schreibt:

    Wertvoller Eintrag! Dank dafür, Nadja

  3. Pingback: Kinderheime in der DDR | Sascha's Welt

  4. Pingback: Die Wahrheit über das angebliche „Wirtschaftswunder“ in der BRD | Sascha's Welt

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