Der Faschismus an der Macht…

Faschisten
Der Faschismus in der Ukraine wird von der deutschen Regierung verschwiegen und in den Medien heruntergespielt, geleugnet und verharmlost. Doch es sind nicht nur einzelne radikalisierte Idioten, nicht nur ein paar außer Rand und Band geratene Söldner, gedungene Mörder oder Terroristen, die in den derzeit vom Faschismus betroffenen Ländern die Menschen terrorisieren, bedrohen, einschüchtern und ermorden. Der faschistische Staat in der Ukraine, die faschistischen Strafkommandos in Syrien und auch die faschistischen Tendenzen in anderen imperialistischen Ländern sind eine gesellschaftliche Erscheinung des fortgeschrittenen Imperialismus. Wer das nicht versteht, der wird auch die gesellschaftlichen Ursachen für die Massenmorde in der Ukraine und in Syrien nicht begreifen. Im Jahre 1976 hielt der Historiker Dr. Kurt Gossweiler zu diesem Thema an verschiedenen Universitäten in Japan einen vielbeachteten Vortrag. Hier davon einige Auszüge:

Warum wird der Faschismus heute verharmlost?

Wir sind Zeugen einer auf den ersten Blick seltsamen Erschei­nung: Je weiter wir uns vom Jahre 1945, dem Jahr der Zerschlagung der faschistischen Kriegskoalition, entfernen, desto umfas­sender, aber auch kontroverser wird die Auseinandersetzung über den Faschismus. Die Gründe dafür sind zahlreich. Die wichtigsten von ihnen scheinen mir die folgenden:

l. Die Tatsache, daß der Faschismus in unserer Gegenwart nicht nur als Gefahr, sondern als furchtbare, hassenswerte Wirk­lichkeit in nicht wenigen Ländern des imperialistischen Teils der Welt mitten unter uns existiert, weshalb der antifaschistische Kampf also nach wie vor eine aktuelle, erstrangige Menschheitsaufgabe darstellt.
2. Die Tatsache, daß die Wesensbestimmung des Faschismus aufs engste mit der Frage nach der moralischen und politischen Existenzberechtigung des Kapitalismus verbunden ist. Der ame­rikanische Historiker H.A. Turner jr. kleidet diese Tatsache in die Worte: „Entspricht die weitverbreitete Ansicht, daß der Faschismus ein Produkt des modernen Kapitalismus ist, den Tatsachen, dann ist dieses System kaum zu verteidigen.“ [1] Er zieht daraus die praktische Schlußfolgerung, daß, wer den Kapitalismus verteidigen will, diese „weitverbreitete Ansicht“ widerlegen muß. Dieser Zielsetzung eines „klassenbewußten“ bürgerlichen Ideologen verdankt nicht nur sein Buch, sondern die überwältigende Mehrzahl aller bürgerlichen Faschismustheorien ihre Entstehung.
3. Seit einigen Jahren schon werden die Versuche immer deut­licher und offener, den Begriff des Faschismus zu „neutralisieren“. Der Faschismus soll nicht mehr länger als hassenswerte monströse politische Erscheinung gewertet und bekämpft wer­den, er soll vielmehr als eine „allgemein-menschliche“ Erschei­nung, der man sogar Sympathie entgegenbringen müsse, deren Führern sogar eine gewisse historische Größe und auch positive Wirksamkeit nicht abgesprochen werden dürfe, aus dem poli­tischen Tageskampf herausgenommen und nur noch zum Gegenstand „wissenschaftlicher“, um „Verständnis“ bemühter Untersuchungen werden.

Die allmähliche Rehabilitierung des Faschismus und seiner Führer

Kurz gesagt handelt es sich also darum, daß die Diskussion um den Faschismus einen neuen Impuls erhalten hat durch zwar noch verdeckte und vorsichtige, aber in der Tendenz ganz eindeutige Versuche zur zumindest teilweisen Rehabilitierung des Faschismus und seiner Führer. Diese außerhalb der offen faschistischen oder neofaschistischen Kreise neue Tendenz korrespondiert mit Anzeichen verstärkten Unbehagens bestimm­ter Kreise der herrschenden Klasse in den imperialistischen Län­dern mit der bürgerlich-parlamentarischen Demokratie und ihrer Suche nach einer „strafferen“ Form der Herrschaftsbehauptung.

Verschiedene Theorien über den Faschismus

Zunächst und auf den ersten Blick lassen sich die zahllosen Faschismustheorien in solche einteilen, die einen wesentlichen und bedeutsamen Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Faschismus leugnen, und solche, die diesen Zusammenhang als gegeben ansehen. Innerhalb jeder dieser beiden Gruppierungen gibt es die verschiedensten Versionen und Varianten. Uns sollen hier die ganz offen apologetischen Theorien nicht interessieren, sondern nur die anderen. Die verschiedenen Fa­schismustheorien, die einen wesentlichen Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Faschismus anerkennen oder ausdrücklich feststellen, gehen in ihren Ansichten über die Art und Weise dieses Zusammenhanges weit auseinander.

Die Totalitarismustheorie und andere reaktionäre Konstruktionen

Gewissermaßen auf der untersten Stufe stehen jene Theorien, nach denen der Kapitalismus nur insofern etwas mit dem Faschismus zu tun hat, als er den Mutterboden abgibt, aus dem er erwächst, oder den allgemeinen Rahmen, innerhalb dessen der Faschismus – nicht anders als der Liberalismus oder der Bolschewismus – die Bedingungen für seine Entwicklung zu einer autonomen Kraft findet. Von dieser Stufe aus ist der Übergang zu einer offen apologetischen Faschismustheorie nicht nur möglich, sondern sogar die Regel.

Tatsache ist: Kapitalismus und Faschismus hängen eng zusammen

Anders bei jenen Theorien, die zwar auch davon ausgehen, daß der Faschismus eine autonome Kraft ist, die aber als Bedingung für den Machtantritt des Faschismus den Abschluß eines Bündnisses der Kapitalistenklasse mit dem Faschismus ansehen, somit dessen Verantwortung für den Faschismus anerkennen. Hierher gehören u. a. die verschiedenen Varianten der „Bonapartismustheorie“, die sich als „marxistische“ Theorien verstehen.

Die konsequent marxistische Definition des Faschismus

Am konsequentesten im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Faschismus ist die marxistisch­ leninistische Faschismustheorie, wie sie seit 1922 in verschiede­nen Etappen von der Kommunistischen Internationale entwickelt wurde und auf ihrem VII. Weltkongreß im Referat Georgi Dimitroffs bis heute ihre gültige Formulierung und Erläuterung gefunden hat. Die Theorie identifiziert keineswegs, wie ihr oft aus Unkenntnis oder bösem Willen nachgesagt wird, Kapitalis­mus und Faschismus, aber sie betrachtet bekanntlich den Faschismus als Instrument und Herrschaftsform der reaktionärsten Kreise des Finanzkapitals.

Woher kommt diese unterschiedliche Einschätzung?

Die entscheidende Differenz zwischen der marxistisch-leninistischen und den anderen erwähnten Theorien besteht in der unterschiedlichen Einschätzung des Klassencharakters, der Klas­sennatur des Faschismus. Diese unterschiedliche Einschätzung ergibt sich aus den unterschiedlichen Kriterien, die an die Wesensbestimmung des Faschismus angelegt werden. Die nicht-marxistisch-leninistischen Theorien bestimmen den Klassencharakter der faschistischen Bewegungen und faschistischen Regime gewöhnlich nach der sozialen Zusammensetzung ihrer Massenbasis und ihrer Führungskader sowie nach ihrer Ideologie bzw. ihren Propagandalosungen.

Dementsprechend gelangen sie zu dem Ergebnis, der Faschismus sei eine Bewegung bzw. eine Diktatur der abstiegsbedrohten Teile des Mittelstandes und des Lumpenproletariats [6], ein „Extremismus des Mittelstandes“ [7] u.ä.  Die marxistisch-leninistische Faschismustheorie dagegen geht davon aus, daß die einzig mögliche, einzig wissenschaftliche Methode, den Klassencharakter einer politischen Bewegung festzustellen, darin besteht, diese Bewegung nach ihrer Tätigkeit, nach ihrer Politik zu beurteilen, also danach, die Interessen welcher Klasse diese Politik zum Ausdruck bringt und verficht. Sie betrachtet also als entscheidendes Kriterium für die Bestimmung des Klassencharakters des Faschismus seine Politik.

Warum ist die marxistische Definition die einzig Richtige?

Ein solches Vorgehen müßte eigentlich selbstverständlich und allgemein akzeptiert sein, pflegt man doch auch einen Menschen nicht danach zu beurteilen, wofür er sich selbst hält oder ausgibt, sondern danach, wie sein Handeln beschaffen ist. Aber die Feststellung von Marx in der „Deutschen Ideologie“ hat leider noch immer Geltung: „Während im gewöhnlichen Leben jeder Shopkeeper sehr wohl zwischen Dem zu unterscheiden weiß, was Je­mand zu sein vorgibt, und dem, was er wirklich ist, so ist unsere Geschichtsschreibung noch nicht zu dieser trivialen Erkenntnis gekommen.“ [8]

Es klingt plausibel, ist aber falsch!

Die Theorien vom Faschismus als Bewegung radikalisierter Kleinbürger und deklassierter Proletarier wirken auf den ersten Blick recht plausibel, weil sie den Augenschein der überwiegend kleinbürgerlichen und lumpenproletarischen Herkunft der Anhänger faschistischer Massenbewegungen für sich haben. Diese Theorien fördern auch nicht wenig Zutreffendes zutage bei der Beschreibung der Mentalität dieser Massen und bei der Analyse der Bedingungen und Umstände, die zu dieser Mentalität geführt haben. Ihr Grundfehler liegt jedoch darin, daß sie aus alledem den Schluß vom kleinbürgerlichen Klassencharakter des Faschismus ziehen.

Die Theorien vom Faschismus als Bewegung radikalisierter Kleinbürger und deklassierter Proletarier wirken auf den ersten Blick recht plausibel, weil sie den Augenschein der überwiegend kleinbürgerlichen und lumpenproletarischen Herkunft der Anhänger faschistischer Massenbewegungen für sich haben. Diese Theorien fördern auch nicht wenig Zutreffendes zutage bei der Beschreibung der Mentalität dieser Massen und bei der Analyse der Bedingungen und Umstände, die zu dieser Mentalität geführt haben. Ihr Grundfehler liegt jedoch darin, daß sie aus alledem den Schluß vom kleinbürgerlichen Klassencharakter des Faschismus ziehen.

Über den Klassencharakter des Faschismus

Der Marxismus-Leninismus stellt demgegenüber einen antago­nistischen Widerspruch zwischen dem imperialistischen (monopolkapitalistischen) Klassencharakter des Faschismus und seiner kleinbürgerlichen sozialen Basis fest. Die Einwände gegen die „Mittelstands“theorien lassen sich kurz in folgenden Punkten zusammenfassen:

1. Die soziale Basis der Faschismus. Der Widerspruch zwischen Klassencharakter und sozialer Basis ist ein Widerspruch, der alle großbürgerlichen Parteien mit Massenanhang kennzeichnet: Dieser Anhang stammt zum über­ wiegenden Teil aus dem Kleinbürgertum, der Bauernschaft und aus Teilen der Arbeiterklasse, die Politik dieser Parteien dient jedoch den Interessen des Großkapitals. Bei diesen Parteien – wie etwa den Christdemokraten in der BRD und in Italien – kommt niemand auf die Idee, ihren Klassencharakter als Parteien der Großbourgeoisie mit dem Hinweis auf ihre kleinbürgerlichen Anhänger- und Wählermassen zu leugnen. Würde man aber das gleiche Kriterium wie bei den faschistischen Parteien anlegen, dann würde man zu dem grotesken Ergebnis gelangen, daß es fast nur noch kleinbürgerliche und Arbeiterparteien gibt und die Großbourgeoisie nahezu ohne politische Repräsentation ist.

2. Die Rolle des Kleinbürgertums. Die „Mittelstands“theorien sind in geradezu absurder Weise anachronistisch. Sie schreiben dem Kleinbürgertum die Fähigkeit zu, sich die ganze Gesellschaft zu unterwerfen, als ob diese Gesellschaft noch dieselbe sei wie zur Zeit der französischen Revolution, und nicht die spätkapitalistische Gesellschaft, in der die ökonomische Allmacht der Monopole „mit absoluter Unvermeidlichkeit alle Gebiete des öffentlichen Lebens“ durchdringt, „ganz unabhängig von der politischen Struktur“ [9], eine Gesellschaft, in der das Kleinbürgertum längst die Fähigkeit verloren hat, sich selbst politisch als Klasse zu organisieren, geschweige denn einen Kampf um die Macht zu führen und sichsowohl Monopolkapital wie Arbeiterklasse unterzuordnen. [10] Der Sarkasmus, mit dem Arthur Rosenberg diese These der Lächer­lichkeit preisgibt, ist nur zu berechtigt; Rosenberg schrieb 1934: „Die Dilettanten der Soziologie fanden meistens, daß die Kleinbürger jene geheimnisvolle Klasse wären, mit deren Hilfe Hitler und Mussolini ihre Siege erfochten haben. Der Gemüsehändler Fritz Schulze wuchs empor zu dämonischer Größe. Mit der einen Hand hält er das Proletariat nieder und mit der anderen den Kapitalismus. Er verkörpert die Nation und beherrscht das neue Jahrhundert … Daß die Kleinbürger, als Klasse, Deutschland, Italien, Polen, Österreich und ein halbes Dutzend anderer Länder erobert haben sollen, und daß die übrige Welt gleichfalls in der Gefahr schwebt, ‚kleinbürgerlich‘ zu werden, ist etwas wunderlich.“ [11]

3. Die fabelhaften Fähigkeiten des Keinbürgertums. Die Mittelstandstheorie gerät mit sich selbst in einen unlösbaren Widerspruch. Sie spricht dem faschistischen Kleinbürger die fabelhafte Stärke und Fähigkeit zu, sich Monopolkapital und Arbeiterklasse gleichermaßen zu unterwerfen; angesichts dessen muß es aber völlig unverständlich bleiben, wieso die Wirtschaftspolitik des Faschismus eindeutig das Monopolkapital favorisiert und die Existenzgrundlagen des Kleinbürgertums so brutal untergräbt wie kein anderes Regime vor ihm. Die Vertreter der Mittelstandstheorie müssen zu den verzweifeltsten, künstlichsten Konstruktionen Zuflucht nehmen, um auf diese entscheidende Frage so etwas wie eine Erklärung zu finden. [12] In die gleiche Verlegenheit geraten sie, wenn sie Vorgänge, wie den 30. Juni 1934, also die blutige (oder anderswo, z.B. Italien, auch unblutige) Abrechnung des Faschismus mit seinen kleinbürgerlichen Prätorianergarden deuten sollen, Vorgänge, die vom marxistisch-leninistischen Standpunkt aus betrachtet geradezu gesetzmäßig sind. Diese Mittelstandstheorie ist also untauglich zur rationalen Erklärung der Politik des an der Macht befindlichen Faschismus.

4. Den Ausgangspunkt für die Gefahr erkennen! Diese Theorie ist aber auch untauglich als Anleitung zu antifaschistischem Handeln. Gerade dies ist aber die in der Gegenwart wichtigste Aufgabe einer Faschismustheorie: Indem sie uns sagt, was Faschismus wirklich ist, wer und was ihn hervorbringt, worin die Bedingungen seines Aufstiegs bestehen und welches sein Klassencharakter ist, gibt sie uns die Möglichkeit richtiger Schlußfolgerungen für eine erfolgreiche Faschismusverhinderungs-Strategie und -Taktik.

Die marxistisch-leninistische Faschismustheorie führt zwingend zu der Schlußfolgerung, daß die Hauptgefahr des Faschismus von der Herrschaft des Finanzkapitals ausgeht, daß also die beste antifaschistische Politik eine Politik zur Sammlung aller antifaschistischen, demokratischen und antimonopolistischen Kräfte ist zur Zurückdrängung der Macht der Monopole. Sie zielt also auf breiteste demokratische, antiimperialistische Bündnispolitik mit einer in Aktionseinheit handelnden Arbeiterklasse als Kern und führender Kraft. Sie ist sich darüber klar, daß der Faschismus viele Formen hat und auf vielen Wegen an die Macht gebracht werden kann.

Falsche Theorien über den Faschismus sind gefährlich!

Im Gegensatz dazu engen die Theorien, die den Faschismus als spontane autonome kleinbürgerliche Massenbewegung betrachten, ihr Gesichtsfeld in gefährlicher Weise ein; sie nehmen einen Teil für das Ganze und lassen die Hauptsache außer acht. Für sie ist das Maß für die faschistische Gefahr nicht die Intensität der Demokratiefeindlichkeit des Finanzkapitals und der Grad seiner Entschlossenheit, seine Positionen durch Errichtung einer Form der faschistischen Diktatur zu festigen, sondern die Größe und Stärke faschistischer Parteien und Bewegungen. Sie erwarten also die faschistische Gefahr immer noch auf dem Wege von gestern, obwohl Griechenland und Chile gezeigt haben, daß im Zeichen der imperialistischen Militärpakte der Faschismus auch auf neuen Wegen an die Macht gebracht wird, wenn die kleinbürgerlichen Massen keine (oder noch keine ausreichende) Neigung zeigen, dem Faschismus oder Neofaschis­mus Gefolgschaft zu leisten. Indem diese Theorien fixiert bleiben auf den Faschismus als Massenbewegung, müssen sie versagen bei der Aufgabe, Anleitung zum Handeln zu sein gegen die andersartigen Formen faschistischer Gefahr in unserer Zeit.

Clara Zetkin brachte es auf den Punkt…

Die wichtigsten Äußerungen Clara Zetkins zum Klassencharakter des Faschismus lauten:
„Der Faschismus ist der stärkste, der konzentrierteste, er ist der klassische Ausdruck der Generaloffensive der Weltbourgeoisie in diesem Augenblick.“ [13] Und weiter: „…die meisten ihrer (der Faschisten, K.G.) Führer (standen) von Anfang an – bewußt oder unbewußt – … auf der Seite der Bourgeoisie. Die Bourgeoisie begrüßt selbstverständlich die neuen Bundes­genossen mit Freude. Sie erblickt in ihnen einen starken Machtzuwachs, einen in ihrem Dienste zu allem entschlossenen Ge­walthaufen… Deshalb nimmt die Bourgeoisie nicht nur mit Kußhand die Dienste des Faschismus an und gewährt ihm weiteste Bewegungsfreiheit im Gegensatz zu all ihren geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen. Sie geht weiter, sie nährt und erhält ihn und fördert seine Entwicklung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln des Geldschranks und der politischen Macht.“ [14] Über den faschistischen Staat sagte Clara Zetkin in prinzipieller Übereinstimmung mit der späteren Dimitroff-Definition, wenngleich nicht in gleicher Weise differenziert wie diese, er habe sich erwiesen „als ein Organ der besitzenden Minderheit und insbesondere der industriellen Bourgeoisie“ [15], als „vulgärer, skrupelloser, bürgerlicher Klassenstaat“ [16].

Quelle:
Kurt Gossweiler: Aufsätze zum Faschismus, Akademie-Verlag, Berlin, 1988, S.349-386. Vortrag, gehalten im Oktober vor Studenten verschiedener Tokioter Universitäten; veröffentlicht in japanischer Sprache in dem Sammel­ band: Kurt Gossweiler, Gegenwärtiger Faschismus und Finanzkapital, Tokio 1977; in der DDR veröffentlicht in: Jenaer Beiträge zur Partei­ engeschichte, Nr. 37/38, Mai 1976, S. 95-124.(Zwischenüberschriften und Hervorhebungen von mir, N.G.) 

Anmerkungen und Zitate:
[1] Turner, Henry A.: Faschismus und Kapitalismus in Deutschland, Göttingen 1972, S.7.
[2] Nolte, Ernst: Der Faschismus in seiner Epoche, München 1963, S.34f.
[3] Fest, Joachim: Hitler. Eine Biographie, Frankfurt/M.–Berlin/W.–Wien 1973, S.17ff.
[4] Dazu gehört die von Turner vorgetragene „Modernisationstheorie“ (Turner, S.157 ff.) ebenso wie die Konzeption Ernst Noltes (siehe Nolte, Ernst, Der Nationalsozialismus, Frankfurt/M.–Berlin/W.–Wien, o.J. [1970], Vorwort [S.9 ff.] und Anhang [S.181 ff.]).
[5] „am konsequentesten“ ist nicht gleichbedeutend mit „am weitestgehenden“: am weitesten, nämlich bis zur unsinnigen Gleichsetzung von Faschismus und Kapitalismus, gehen die Faschismus„theorien“ ultralinker Autoren, die jede Gewaltanwendung des kapitalistischen Staates als „Faschismus“ deklarieren, und gleichzeitig die unerhört leichtfertige Behauptung aufstellen, der sogenannte „neue Faschismus“ sei nicht mehr imstande, Massen zu organisieren (siehe Glucksmann, Andre: Der alte und der neue Faschismus, in: Foucault/Geismar/Glucksmann u.a.: Neuer Faschismus, Neue Demokratie. Über die Legalität des Faschismus im Rechtsstaat, Berlin/W., 1972, S.7ff., S.51).
[6] Thalheimer, August: Über den Faschismus, in: Faschismus und Kapitalismus. Theorien über die sozialen Ursprünge und die Funktion des Faschismus, hg. von Wolfgang Abendroth, Frankfurt/M. 1972, S. 31ff.; Bauer, Otto: Der Faschismus, in: ebenda, S. 143ff.; Kühnl, Reinhard: Deutschland zwischen Demokratie und Faschismus, 3.rev.Aufl., München 1971, S.148ff.; und andere.
[7] Lipset, Seymour Martin: Der „Faschismus“, die Linke, die Rechte und die Mitte, in: Theorien über den Faschismus, hg.v. Ernst Nolte, Köln–Berlin/West, 1967, S. 449ff.
[8] Marx, Karl/Engels, Friedrich, Werke, Bd.3, Berlin 1958, S.49.
[9] Lenin, W.I.: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, in: Lenin, Werke, Bd. 2, Berlin 1960, S.241.
[10] In seiner Rede auf dem gesamtrussischen Verbandstag der Eisenbahn­ und Schiffahrtsarbeiter am 27.3.1921 führte Lenin über das Kleinbür­gertum aus: „Aus diesen grundlegenden ökonomischen Tatsachen ergibt sich denn auch, warum diese Kraft sich nicht von selbst geltend machen kann und warum die Versuche, das zu tun … stets mit einem Fiasko geendet haben. Sofern es dem Proletariat nicht gelingt, die Revolution zu führen, stellt sich diese Kraft stets unter die Führung der Bourgeoisie.“ (Lenin, Werke, Bd.32, S.285.)
[11] Rosenberg, Arthur, Der Faschismus als Massenbewegung, in: Faschismus und Kapitalismus, S.75f.
[12] Darüber mehr im vorliegenden Band S.379ff.
[13] Zetkin, Clara: Protokoll der Konferenz der Erweiterten Exekutive der Kommunistischen Internationale, Moskau, 12.-23. Juni 1923, in: Zet­kin, Ausgewählte Reden und Schriften in 3 Bänden, Bd.2: Auswahl aus den Jahren 1918 bis 1923, Berlin 1960, S.689.
[14] Ebenda, S.698f.
[15] Ebenda, S.708.
[16] Ebenda, S.715.

Siehe auch:
Warum der Faschismus auf fruchtbaren Boden fällt
J.Stalin: Was lernt man aus der Geschichte?
Über den faschistischen Massenmord in Odessa
K.Gossweiler: Über die faschistische Gefahr heute
Faschistischer Putsch in der Ukraine unter Federführung der EU und der USA

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Eine Antwort zu Der Faschismus an der Macht…

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