Welchen Einfluß haben die Motive auf das Handeln?

21402501_mEs ist schon eigenartig und auch zum Teil erschreckend, wenn man sieht, wie engstirnig und kleinkariert manche Menschen denken. Überfliegt man die Themen, worüber sich einige Verfasser von Blogs im Internet Gedanken machen oder auch nicht, so wird sichtbar, daß bei einigen im Laufe der letzten zwanzig Jahre schon ein solches Desinteresse und eine derartige Verblödung eingesetzt hat, daß sie sich nur noch im Dunstkreis der von den Medien, von der Werbung und von religiösen oder politischen Einflüsterern verbreiteten Prioritäten bewegen, und kaum mehr imstande sind, etwaige Hintergründe und Zusammenhänge zu erkennen oder gar eigene Wahrnehmungen dialektisch zu verallgemeinern. Das eigene Denken und Abstrahieren, was die Voraussetzung für jegliche wissenschaftliche Tätigkeit bildet und eigentlich auch zu den Selbstverständlichkeiten des gesunden Menschenverstandes gehören sollte, ist in den letzten Jahren gründlich abhanden gekommen. Wir fragen uns nun, was motiviert Menschen, sich für eine andere, für eine gerechtere Gesellschaftsordnung einzusetzen, als es der Kapitalismus ist?

Wir wissen natürlich auch, daß die Feinde des Sozialismus, inbesondere die Faschisten, ebenfalls Motive für ihr Handeln haben. Und wir stellen erneut fest, daß es keine größere Gefahr für die Menschheit gibt, als wenn reaktionäre, faschistische oder kriegstreiberische Motive die Oberhand gewinnen. Insbesondere dann, wenn Soldaten — wie es bspw. in Syrien ist und in der Ukraine — mittels Drogen dazu „motiviert“ werden. Was charakterisiert nun eigentlich die Haltung eines Kommunisten? Was sind die Motive seines Handelns? Und wie sollte dieses Handeln heute aussehen?

Wer weiter sieht, hat stärkere Motive

Die Beziehung des Menschen zu seiner Tätigkeit und der Art ihrer Ausführung ist vor allem dadurch bestimmt, in welcher Perspektive er seine Aufgaben sieht. Sind die Motive für die Tätigkeit des Menschen nicht nur durch die nächsten, son­dern durch entferntere, größere, prinzipiellere Aufgaben bestimmt, so sprechen wir von einer Fernmotivierung der Tätigkeit. Ist der Mensch zur Tätigkeit nur durch die nächsten Aufgaben angeregt, die nicht in ein System breiterer und prinzipieller Aufgaben einbezogen sind, so sprechen wir von einer Kurzmotivierung. F­ür die letztere ist die Beziehung zur Wirklichkeit durch das Fehlen einer Perspektive durch die Enge des Horizonts und durch mangelnde Prinzipien charakterisiert. Erst die Fernmotivierung gibt dem Menschen den Wunsch und die Kräfte, mit der Schwierigkeiten zu kämpfen und sie zu überwinden, weil sie dazu zwingt, in ein besonderen Tätigkeit eine notwendige Stufe zur Erreichung des Endziels sehen, eine Stufe, die es um jeden Preis zu bewältigen gilt, weil sonst das Erreichen dieses Zieles unmöglich ist.

Wer siegen will, der muß große Ziele haben!

Die Fernmotivierung beeinflußt auch die Einstellung des Menschen zu seiner Leistungssteigerung, zum Erfolg und zum Siegen. Für den Menschen mit kurz Motivierung wird ein Erfolg in der Lösung einer Einzelaufgabe als Enderfolg und als Beendigung der auf dem Spiele stehenden Sache erlebt, und darum schläfert sie ihn ein, wobei sie das Gefühl der Beruhigung hervorruft. Bei der Fernmoti­vierung wird der Erfolg bei der Lösung einer Einzelaufgabe nur als Auftrieb einer weiteren Stufe erlebt, auf der sich nun alsbald die Perspektiven der folgenden Stufen öffnen. Das Gefühl des Erfolges macht also den Menschen wacher, da es in das Streben nach neuen Errungenschaften übergeht, um derentwillen man arbeiten und kämpfen muß.

Lenin war überzeugt vom Sieg des Sozialismus

Genosse Stalin beschreibt die Haltung Lenins gegenüber Niederlagen und Sieg folgendermaßen: „Das zweitemal traf ich Lenin im Jahre 1906 auf dem Stockholmer Parteitag unserer Partei. Es ist bekannt, daß die Bolschewiki auf diesem Parteitag in der Minderheit geblieben waren und eine Niederlage erlitten hatten. Damals sah ich Lenin zum erstenmal als Besiegten. Nicht im geringsten glich er jenen Führern, die nach einer Niederlage lamentieren und den Mut sinken lassen. Im Gegenteil, die Niederlage verwandelte Lenin in geballte Energie, woraus seine Anhänger Begeisterung zu neuen Kämpfen, zum künftigen Siege schöpften.“ (Hervorhebung von mir. B.Teplow.) [1]

Nach dem Sieg war Lenin besonders wachsam und vorsichtig!

„Auf dem nächsten Parteitag im Jahre 1907 in London waren die Bolschewiki die Sieger. Damals sah ich Lenin zum erstenmal als Sieger. Der Sieg pflegt manchen Führern zu Kopf zu steigen, macht sie hochmütig und überheblich. Meist beginnen sie in solchen Fällen den Sieg zu feiern, auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Aber Lenin glich nicht im geringsten solchen Führern. Im Gegenteil, gerade nach dem Siege wurde er besonders wachsam und vorsichtig.“ (Von mir hervorgehoben. B.Teplow.) [2]

Welchen Sinn hat das eigene Handeln?

Die Tätigkeit des Menschen hat immer eine bestimmte gesellschaftliche Bedeutung. Selbst wenn sich ein Mensch nur persönliche Ziele steckt, so muß doch seine Tätigkeit durch ihre objektiven Resultate unausweichlich irgendeine – sei es positive oder negative – Bedeutung für die Gesellschaft haben. Die Bewußtheit des Menschen ist vor allem dadurch charakterisiert, in welchem Maße er fähig ist, sich diese objektive, gesellschaftliche Bedeutung seiner Tätigkeit bewußtzumachen.

Das höhere Niveau der Motivierung

Das Niveau beziehungsweise der höhere Wert der Motivierung der menschlichen Tätigkeit ist aber dadurch charakterisiert, in welchem Maße die gesellschaftlichen Aufgaben (das Wohl des Vaterlandes, die Interessen der Klasse, die Aufgaben, die dem Produktions- oder Schulkollektiv gestellt sind) zu persönlichen Zielen des Menschen und Motiven seiner Tätigkeit werden. Je mehr Raum unter den Motiven, die den Menschen anregen, das Bewußtsein der gesellschaftlichen Pflicht einnimmt, desto höher liegt das Niveau seiner Motivierung. Großen Einfluß auf die Tätigkeit des Menschen hat auch die Beurteilung, die er seitens der anderen erfährt, wobei eine wesentliche Äußerung der Bewußtheit die Fähigkeit ist, zu unterscheiden, durch welches Urteil er sich leiten lassen soll. … Das Urteil derer, die das gesellschaftliche Gewissen und die Stimme des Volkes verkörpern, hat für die Tätigkeit des Menschen entscheidende Bedeutung, indem es ihr die Richtung weist und seinen Errungenschaften eine hohe Belohnung zuteil werden läßt.

Anerkennung durch eine bedeutende Persönlichkeit

Der große russische Gelehrte I.W. Mitschurin erhielt an seinem 80. Geburtstag ein Telegramm des Genossen Stalin, das eine hohe Bewertung seiner Tätigkeit enthielt. In seiner Antwort schrieb er: „Ihr Telegramm war für mich die schönste Belohnung für meine ganzen 80 Lebensjahre. Es ist mir teurer als alle anderen Auszeichnungen.“ Schon wenn ein Mensch an ein solches Urteil denkt, kann ihn das manchmal zu Taten begeistern. „John, der englische Fahrer eines Lastautos, brachte auf dem Schlachtfelde in Spanien unter dem Feuer des Gegners den vor Durst erschöpften Soldaten Wasser. Tödlich verwundet, sagte er: ,Wenn das Stalin sehen könnte, so würde er mir auf die Schulter klopfen und sagen: »Du hast dich gut geführt, du bist ein großartiger Kamerad, John.« “ (Aus dem Referat des Genossen Manuilski auf dem XVIII. Kongreß der KPdSU [B].)

Enthusiasmus – eine starke Triebfeder

Der Enthusiasmus, das heißt die emotionale Tönung, häufig auch eine leidenschaftliche Zielstrebigkeit, die verbunden ist mit Entschiedenheit in der Erreichung der gesteckten Ziele – das sind Züge eines festen Charakters. Manche Gefühle können auch einen negativen Einfluß auf den Charakter ausüben, dazu gehören Neid, Verzagtheit, Furcht. In den Besonderheiten gerade der menschlichen Gefühle spricht sich die Eigenart eines Charakters aus. Schon Uschinski betonte das, als er sagte: „Nichts, weder unsere Worte noch Gedanken oder gar Taten drücken für uns selbst so klar und sicher unsere Einstellung gegenüber der Welt aus wie unsere Gefühle. In ihnen ist nicht nur der Charakter eines einzelnen Gedankens oder einer einzelnen Entscheidung fühlbar, sondern der des Gesamtgehaltes unserer Seele und ihrer Struktur.“

Quelle:
K.N.Kornilow/A.A. Smirnow/B.M. Teplow: Psychologie, Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin 1951, S.364f. und 462f.

Zitate:
[1] Stalin über Lenin, Verlag für fremdsprachliche Literatur, Moskau 1943, S.20-21.
[2] ebd. S.21, 29.

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