Das Bildungsprivileg der Bourgeoisie brechen

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Erst im Sozialismus ist es möglich, daß jeder Mensch – unabhängig von seinem sozialen Hintergrund – seine Begabungen, seine Talente und Fähigkeiten voll entfalten kann. Das hat die Volksbildung der DDR klar bewiesen. Im Jahre 1951 erschien in der DDR ein sehr umfangreiches, und für Pädagogen in jener Zeit sehr wertvolles Buch, das nach Gründung unserer Republik und der Überwindung des braunen Gedankengutes aus der Nazizeit einmal mehr die Grundlagen der pädagogischen Psychologie aus marxistischer Sicht für die Schule erschloß, das Buch von Kornilow/Smirnow/Teplow: Psychologie. Im Vorwort dazu schrieb der Herausgeber Prof. Hans Siebert u.a. folgendes:

Nehmen wir nur das Beispiel der Fähigkeiten. Die bürgerlichen Psychologen wollen uns weismachen, daß es nur unveränderliche, durch Erbmasse und Milieu bestimmte Kenntnisse und Fertigkeiten der Kinder gibt, die keine Entwicklung von Fähigkeiten zulassen. Demgegenüber weisen die Sowjetpsychologen im Kapitel XVII nach, daß es der Klassenideologie der bürgerlichen Psychologen entspricht, die Unterschiede zwischen Kenntnissen und Fertigkeiten und Fähigkeiten zu verdecken und sie als „ewig“ geltend zu erklären. Nach ihrer Auffassung sind bestimmte Kenntnisse und Fähigkeiten das Privileg der Herrschenden. Die Kinder der Werktätigen haben keine Fähigkeiten und Talente.

Lenin antwortet diesen Bourgeois-Ideologen: „Organisatorische Talente sind unter dem ‚Volke‘, das heißt unter den Arbeitern und den Bauern, die keine fremde Arbeit ausbeuten, in Menge vorhanden; sie wurden vom Kapital zu Tausenden zertreten, zugrunde gerichtet und weggeworfen. Und auch wir verstehen es noch nicht, sie zu finden, zu ermutigen, auf eigene Füße zu stellen, emporzuheben. Aber wir werden es lernen, wenn wir mit dem ganzen revolutionären Enthusiasmus, ohne den es keine siegreiche Revolution gibt, darangehen werden.“ [1]

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Mit dieser Frage hängt auch eng das Problem der Begabung zusammen. Die Entwicklung der Fähigkeiten der Kinder gibt die Möglichkeit der Entfaltung ihrer Begabungen. Beides vollzieht sich im gesellschaftlichen Arbeitsprozeß – und für das Kind vor allem im Unterricht und in der Erziehung – und hängt ab von der Klassenlage des Kindes. Mit zynischer Offenheit und einer kaum noch zu überbietenden dummdreisten Arroganz erklärt ein westdeutscher Studienrat, Dr. W. Hartnacke, daß „die große Masse der Weniger-Geistfähigen und -Geistwilligen“ aus den sozial schlechter gestellten Schichten nicht in die höhere Schule gehören, da sie die hochbegabten Söhne der besseren Schichten, zu denen er auch seinen zehnjährigen Enkel – neben Goethe und Lessing (!) – stellt, in ihrer Begabung drosseln würden. „Man soll einsehen, daß eine allgemeine Bremsung der geistigen Erfüllungsmöglichkeiten, wie sie mit dem Handikap der Begabten (Grundschulverlängerung) gegeben ist, nichts mit sozialer Versöhnung zu tun hat, sondern nur mit geistiger Zwangswirtschaft östlichen Einschlages.“ [2]

Dieser hochnäsige Lakai seiner Herren, der einem Roosevelt glaubt mangelhafte Schulbildung vorwerfen zu müssen, weil er nichts von der Oder-Neiße-Linie verstanden habe, nennt die Brechung des Bildungsprivilegs der herrschenden Schichten „die Rache der letzten Bank“. Die Zerschlagung der Schulreform in Westberlin und ihre Abschreibung in Westdeutschland ist eine Illustration zu diesem „Bildungsideal“ westlichen „Einschlages“, um mich der so forschen militärischen Ausdrucksweise des Herrn Studienrats Hartnacke zu bedienen. Dem­ gegenüber halten wir es mit dem Wort von Karl Marx, „daß jeder Mensch das Recht hat auf die volle Entwicklung seiner Fähigkeiten“ [3].

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Dieses Recht gewährt die demokratische Schulreform in unserer Deutschen Demokratischen Republik. Über diese Zusammenhänge herrscht bei unseren Lehrern bereits Klarheit. Nicht genügend Klarheit gibt es jedoch darüber, daß die Begabung erstens nicht nur eine intellektuelle Seite hat und daß sie zweitens der Veränderung unterworfen ist. Die Sowjetpsychologen zeigen uns im Kapitel XVII ihres Werkes, daß man die Begriffe „Fähigkeiten und Begabung“ als historische Begriffe untersuchen muß und sie nicht wie die bürgerlichen Psychologen als biologische Kategorien betrachten darf.

So versteht man im Deutschland des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts die Begabung nur von der Seite der Kunst, im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert nur von der Seite der Wissenschaft; in bei den Fällen wird sie intellektualistisch und getrennt von der Wirklichkeit betrachtet, was unter anderm auf der Kluft zwischen geistiger und körperlicher Arbeit im Kapitalismus beruht. Diese einseitige künstlerische oder intellektuelle Auffassung der Begabung verführt die bürgerlichen Psychologen auch dazu, sie quantitativ mit mechanischen Testmethoden messen zu wollen und verleitet die bürgerlichen Pädagogen zum Formalismus im Unterricht, wie er in der alten Lernschule zum Ausdruck kam.

Die Sowjetpsychologen erklären demgegenüber, daß die erste Aufgabe der Psychologie die Analyse der qualitativen Unterschiede der individuellen Begabungen verschiedener Menschen sein muß. Die erste Aufgabe eines Lehrers besteht also nicht darin, zu fragen, wie hoch oder wie niedrig seine Schüler begabt sind, sondern, wofür sie begabt sind. Nur durch eine solche qualitative Analyse kann der ganze Reichtum der Begabungen aufgedeckt werden, ergibt sich ihre Verbindung mit der praktischen Tätigkeit des Menschen und zeigt sich im Sozialismus die reiche Möglichkeit der Aufdeckung und Entfaltung der bisher vom Kapitalismus unterdrückten Fähigkeiten und Begabungen der werktätigen Jugend.

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Durch Erziehung und Unterricht, die sich die allseitige theoretische und praktische Bildung der Kinder des Volkes zum Ziel setzen, können also unter den Bedingungen einer neuen gesellschaftlichen Ordnung, die den Interessen der Werktätigen dient, Fähigkeiten und Begabungen erschlossen und völlig neue Fähigkeiten und Begabun­ gen entwickelt werden. Das ist die wichtige Lehre der Sowjet psychologen für unsere Aufgabe der Leistungssteigerung in der demokratischen Schule.

Ein neues Kapitel in der Geschichte der Menschheit

Den überzeugenden Beweis dafür und gleichzeitig für die großartigen Erfolge der Sowjetpsychologie und Sowjetpädagogik erbringt das Schlußkapitel des Werkes über die neuen Charakterzüge der sowjetischen Menschen. In der Sowjetunion hat erst die wirkliche Geschichte der Menschheit begonnen, ist ein neuer Mensch entstanden.

Der sowjetische Mensch zeichnet sich durch Züge eines festen Charakters aus, der Wissen mit Enthusiasmus und Entschiedenheit zur Erreichung der Ziele der kommunistischen Gesellschaft vereinigt. Er paart bolschewistische Überzeugung mit Prinzipienfestigkeit. Der sozialistische Humanismus erzieht in ihm solche Charaktereigenschaften, wie Feinfühligkeit, Anteilnahme, Bereitschaft zu helfen, Kameradschaftlichkeit, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Geselligkeit und Höflichkeit, wie sie besonders im Kollektiv zur Auswirkung kommen. In der Einstellung zu sich selbst ist der sowjetische Mensch nüchtern, selbstkritisch und bescheiden. „Bescheidenheit ziemt dem Bolschewik“, sagte Stalin. Gleichzeitig ist der sowjetische Mensch in seiner Einstellung zur Arbeit, zur Erfüllung seiner Aufgaben von einer hohen Moral erfüllt. Er ist ein kühner, vorausschauender Neuerer der Produktion und Gestalter der Zukunft. Das verlangt nicht nur gesellschaftliches und fachliches Wissen, sondern auch Standhaftigkeit, Selbstkontrolle, Selbstbeherrschung, Diszipliniertheit und Beharrlichkeit bei der Überwindung von Schwierigkeiten.

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Der Sowjetpatriotismus erfüllt den Sowjetmenschen mit einer tiefen Liebe zur sozialistischen Heimat, die er aufbaut und gegen alle Feinde verteidigt. Der proletarische Internationalismus erzieht ihn zur Solidarität mit den noch vom Kapitalismus unterdrückten werktätigen Menschen anderer Länder und zur Achtung und Freundschaft mit allen friedliebenden Völkern. Es würde zu weit führen, wollten wir diese neuen psychischen Eigenarten des Menschen der sozialistischen Gesellschaft, der sich darin qualitativ vom Menschen der alten kapitalistischen Gesellschaft unterscheidet, am Beispiel der Heroen der Begrüudung der sozialistischen Epoche der Menschheit aufzeigen.

Wir alle lernen jetzt Lenin und Stalin und ihre treuesten und engsten Mitarbeiter durch Studium, Film und Buch kennen. Wir lesen von den Helden des Großen Vaterländischen Krieges, wie Soja Kosmodemjanskaja. und den Helden des sozialistischen Aufbaues, typisiert in Romanen wie Pawel Kortschagin in „Wie der Stahl gehärtet wurde“, Wanja Semnuchow, Wladimir Ragosin, Ulja Gromowa und die anderen Krasnodoner in der „Jungen Garde“, Andrei Doronin in „Bei uns ist schon Morgen“, Woropajew in „Das Glück“, Beridse, Kowschow, Umara Mahomet, Tanja Wassiltschenko in „Fern von Moskau“ usw. usw.  Wir kamen in Kontakt mit den Stachanowleuten wie Pawel Bykow, den Vertretern der neuen sowjetischen Intelligenz wie Ilja Ehrenburg, Konstantin Simonow, Prof. Oparin, Prof. Kairow, Jessipow, Gontscharow und Smirnow, die für uns fortschrittliche Lehrer Vorbilder geworden sind.

Sagen wir also einfach, daß das Sowjetland Menschen hervorgebracht hat, die als Helden des Friedens und der Arbeit uns und unserer Jugend immer mehr als leuchtendes Beispiel des erfolgreichen Kampfes um ein besseres und menschenwürdigeres Leben vorangehen, von denen wir dankbar lernen und die auch uns ständig helfen, zu siegen im Kampfe um den Frieden und die Einheit unseres Vaterlandes.

Quelle:
K.N. Kornilow, A.A. Smirnow, B.M. Teplow: Psychologie. Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1951, S.18-20 (Bilder: Sowjetunion)

Zitate:
[1] W.I. Lenin, Werke, Bd. XXII, S.518.
[2] Die höhere Schule, 1950, Bd. VII, S.5.
[3] Karl Marx, ?

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Eine Antwort zu Das Bildungsprivileg der Bourgeoisie brechen

  1. Rolf Preil schreibt:

    Sascha – so einfach, klar – und wahr..

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