Über das Wesen der Moral

Morality DefinitionWarum ist es für uns so wichtig, sich mit der Frage der Moral auseinanderzusetzen? Die Frage ist so alt wie die Menschheit selbst. Immer wieder versucht die herrschende Ausbeuterklasse, jeglichen Versuch des Umsturzes der sozialökonomischen Verhältnisse als unmoralisch zu abzuqualifizieren. Es ist daher notwendig zu erklären, warum es einander entgegengesetzte Moralvorstellungen gibt, und warum die Enteignung der Kapitalisten und der Großgrundbesitzer, der Bankinhaber und der Aktionäre, derer die von fremder Arbeit leben, keine Frage der Moral ist, sondern eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Die Beseitigung des Privateigentums an Produktionsmitteln und Abschaffung des Kapitalismus ist aus der Sicht der ausgebeuteten und unterdrückten Massen keine unmoralische Forderung!

1) Wer nicht weiß, was unter Moral zu verstehen ist, oder genauer gesagt, wer ihre Bedeutung für gesellschaftliche Entwicklung nicht kennt, der wird vieles falsch machen und vielen Irrtümern unterliegen.
2) Die Ablehnung bürgerlicher Moralvorstellungen ist nicht identisch mit einer Ablehnung von Moral überhaupt (was letztlich nichts anderes wäre als Idealismus im „progressiven“ Gewand).

Fangen wir an.

► Erster Punkt: Was ist eigentlich Moral?

Die Moral ist ein Gebilde aus Tugenden und Lastern, das dazu dient, das Verhalten der Individuen innerhalb der Gesellschaft zu regeln. Sie ist also das Produkt der zwischenmenschlichen Beziehungen. Folglich sind moralische Prinzipien, die unabhängig von der Gesellschaft definiert werden, leere Abstraktion, Unfug, also Idealismus.

Aus diesem Grunde sind auch sämtliche Spinnereien über eine „absolute Moral“, über die „einzige“ und „allein seligmachende Moral“ nichts anderes als schwülstiges Gerede. Es gibt auf der Welt Tausende verschiedener ethischer Systeme. Und worum geht es da? Geht es um Vergleichbarkeit, um ihre Bedeutung für uns? Durchaus nicht! Der Gedanke ist einfach lächerlich. Die Vielfalt der moralischen Autoritäten weist uns lediglich auf die Tatsache hin, daß bestimmte „Moralprinzipien“ nichts angeborenes sind, sondern ein Produkt der zwischenmenschlichen Beziehungen. Das ist durch die Geschichte der Menschheit belegt.

Nehmen wir beispielsweise einmal die Kategorie des Egoismus, der in der Urgesellschaft als ein Laster galt, im Kapitalismus dagegen für eine Tugend gehalten wird. Warum ist das so? Weil jede Moral der Regulierung des Verhaltens dient, folglich auf die Aufrechterhaltung der bestehenden Ordnung, der gegebenen Hierarchie gerichtet ist. Wenn Egoismus für die Urgesellschaft schädlich ist, die wie ein einheitliches Ganzes, wie ein einheitlicher Organismus existiert, so ist für den Kapitalismus der menschliche Egoismus einer seiner Grundpfeiler, der die existierenden Ausbeutung und die Ungleichheit zementiert.

So sind wir zu einer wichtigen Schlußfolgerung gekommen:
Die Moral ist etwas Zweitrangiges, ist eine Folge, ein Ergebnis des Systems. Und das volkstümliche Märchen „Jeder muß bei sich selbst anfangen, dann wird es für alle besser!“ ist daher kleinbürgerlicher Unsinn.

Setzen wir fort!

► Der zweite Punkt: Die Ablehnung der bürgerlichen Moral ist keinesfalls gleichzusetzen mit der Ablehnung von Moral überhaupt.

Na, gut. Aber an welcher Moral soll dann ein Kommunist festhalten?

Erstens ist für einen Kommunisten, der sein Gedächtnis um das Wissen aller Reichtümer bereichert hat, das die Menschheit hervorgebracht hat, keine Gesetzestafel, kein Gesetzbuch, kein universelles Gesetz erforderlich. Einfach deswegen, weil die Fähigkeit des dialektischen Denkens den Menschen von veralteten Dogmen wie „Du sollst nicht töten!“, „Du sollst nicht stehlen!“, „Du sollst nicht betrügen“ usw. befreit hat. In den extremen Situationen, wie Krieg, die Straßenschlachten u.a.m., funktionieren diese Gebote nicht, da die Menschen von ihrem Lebenserhaltungsinstinkt beherrscht sind. Und in angenehmen und ruhigen Zeiten sind eine solche speziellen Anweisung ganz einfach nicht erforderlich.

Zweitens bilden sich im Zusammenhang mit dem materialistischen Verständnis von Natur und Gesellschaft im Verlaufe der historischen Entwicklung und der persönlichen Erfahrung ohnehin Vorstellungen darüber heraus, was gut ist und was schlecht. Ein Kommunist wird also seiner Umgebung keinesfalls wegen persönlicher Vorteile, wegen des Glaubens an einen Gott oder aus Angst vor dem Gesetz des Karmas schaden. Im Gegenteil, nur die materialistische Weltanschauung ermöglicht eine wissenschaftliche Vorstellung über die Natur und die Gesellschaft, d.h. über die Klassenstruktur einer Gesellschaft, der der Geist des Kollektivismus eigen ist.

Man kann also aus oben Gesagten zwei Schlußfolgerungen ziehen:
1. Die Einschätzung der sozial-ökonomischen Formationen ausschließlich aus moralischer Sicht ist unmöglich, weil sie subjektiven Charakter trägt.
2. Die moralischen Vorstellungen sind ein Produkt der gesellschaftlichen Beziehungen. Eine Moral außerhalb der Gesellschaft, wie auch eine Gesellschaft außerhalb der Moral, ist eine sinnlose Abstraktion.

Quelle: WKPB


Hier nun noch die wissenschaftliche Erklärung:

Moral: Form des gesellschaftlichen Bewußtseins; Gesamtheit der sittlichen Anschauungen und Normen, Werte und Maximen, von denen sich die Menschen in ihrem praktisch-sittlichen Verhalten zueinander und im gesellschaftlichen Handeln leiten lassen. Die Moral wurzelt in den mate­riellen gesellschaftlichen Verhältnissen der Menschen, widerspiegelt diese und verändert sich zusammen mit diesen. Es gibt keine ewigen, unveränderlichen Moralprinzipien. In der Klassengesellschaft (→ Klasse) trägt die Moral stets Klassencharakter. Die in einer Klassengesellschaft herr­schende Moral ist die Moral der herrschen­den Klasse, die in der antagonisti­schen Klassengesellschaft dazu dient, die Ausbeutung und die Herrschaft der besitzenden Klassen zu schützen und zu rechtfertigen.

Friedrich Engels: Moral ist stets eine Klassenmoral

Dieser Moral stel­len die unterdrückten und ausgebeu­teten Klassen ihre eigene Klassen­ Moral entgegen, eine Moral der Empörung gegen die bestehenden Verhältnisse, eine Moral, die zur gegenseitigen Hilfe, zur Solidarität im Klassenkampf ver­pflichtet. „Wie die Gesellschaft sich bisher in Klassengegensätzen be­wegte, so war die Moral stets eine Klassenmoral, entweder rechtfertigte sie die Herrschaft und die Interessen der herrschenden Klasse, oder aber sie vertrat, sobald die unterdrückte Klasse mächtig genug wurde, die Empörung gegen diese Herrschaft und die Zukunftsinteressen der Unterdrückten.“ (Engels)

Grundfrage: Wem gehören die Produktionsmittel?

Der Eckpfeiler der bürgerlichen Moral ist der Schutz des privatkapitalistischen Eigentums und der kapitalistischen Ausbeutung. Vom Standpunkt der Arbeiterklasse und der sozialistischen Moral ist gerade die Beseitigung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und damit der Ausbeutung sowie Schaffung, Schutz und Mehrung des gesellschaftlichen Eigentums die höchste moralische Pflicht.

Was ist sozialistische Moral?

Das qualitativ neue Wesen der sozialistischen Moral liegt vor allem darin, daß die sozialistische Moral auf einer für alle Mitglieder der Gesellschaft im wesentlichen gleichen ökonomi­schen und sozialen Grundlage beruht, auf den sozialistischen Produktionsverhältnissen mit dem für alle gemeinsamen Ziel, dem Sozialismus und Kommunismus. Auf der Grundlage der sozialistischen Produktions­verhältnisse entwickelt sich ein freundschaftliches Verhältnis zwi­schen den sozialistischen Klassen und Schichten, das auf der Übereinstim­mung ihrer grundlegenden Interessen beruht.

Persönliche Interessen und gesellschaftliche Erfordernisse

Es bildet sich die poli­tisch-moralische Einheit des Volkes heraus, in deren Prozeß die Moral der Arbeiterklasse nach und nach zur Moral aller Mitglieder der sozialistischen Gesellschaft wird. Die Normen der sozialistischen Moral haben eine große erzieherische Bedeutung für die Entwicklung der → sozialisti­schen Persönlichkeit. Sie helfen, das Verhalten der Menschen in Einklang mit den Erfordernissen und Interes­sen der sozialistischen Gesellschaft zu bringen und fordern vom einzelnen, sich aktiv an der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft zu beteiligen und auf diesem Wege alle Fähigkeiten und Züge der sozialistischen Persönlichkeit auszubilden.

Was sagt Lenin zu Moral und Sittlichkeit?

Damit wird die sozialistische Moral zugleich zu einem wichtigen Faktor für die Festigung und weitere Entwicklung des → Sozialismus und Kommunismus. W.I. Lenin betonte die Bedeutung der sozialistischen und kommunistischen Moral in seiner Rede über „Die Aufgaben der Jugendverbände“ auf dem III. Komsomolkongreß: „Die ganze Erziehung, Bildung und Schulung der heutigen Jugend muß eine Erziehung zur kommunistischen Moral sein.“ Lenin begründete in dieser Rede, daß wahre Moral und Sittlichkeit immer den Interessen des proletarischen Klassenkampfes untergeordnet sein muß, daß die kommunistische Moral in ihrem Wesen darin besteht, den Kampf gegen die Ausbeutergesellschaft zu führen und den Zusammenschluß aller Werktätigen um die Arbeiterklasse zum Aufbau des Sozialismus und Kommunismus zu fördern.

Das Wesen der sozialistischen Moral

Dabei ist die Erziehung der Jugend zur sozialistischen Einstellung zur Arbeit, zum sozialistischen Patriotismus und → proletarischen Internationalismus, zur Solidarität mit der revolutionären Arbeiterbewegung in den kapitalisti­schen Ländern und mit allen um ihre Freiheit, gegen den Imperialis­mus kämpfenden Völkern sowie zum Haß gegen die Feinde des Sozialis­mus und des Friedens eine wichtige Aufgabe (→ gesellschaftliches Bewußtsein).

Quelle: Wörterbuch zur sozialistischen Jugendpolitik, Dietz Verlag, Berlin, 1975, S.188f.
(Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Siehe auch: Helvétius und die Moral der Banditen

Dieser Beitrag wurde unter marxistisch-leninistische Philosophie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Über das Wesen der Moral

  1. Pingback: Gibt es ein soziales Gewissen? | Sascha's Welt

  2. Pingback: Ljubow Pribytkowa: JE ZIVILISIERTER, DESTO UNMENSCHLICHER… | Sascha's Welt

  3. Pingback: Was ist gut und was ist böse? Gibt es ewige Moralgesetze? | Sascha's Welt

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s