Wer schlichtet den Streit zwischen den Völkern?

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Родина-мать – Mutter Heimat,  Statue von E.W.Wutschetitsch und N.W.Nikitin

Die Bibel verheißt gar Freundliches, Bequemes – denn es steht geschrieben: «Gott selbst schlichtet den Streit zwischen den Völkern, und den mächtigen Nationen in weiter Ferne spricht er Recht. Dann schmieden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen um und ihre Speere zu Winzermessern. Kein Volk wird mehr das andere angreifen; niemand lernt mehr, Krieg zu führen.» (Micha, Kapitel 4, Vers 3). Schwerter zu Pflugscharen? Ach nee, und wann und wo? Irgendwann? In weiter Ferne? Ha, ha – kann man da nur sagen!

Und es ist ganz und gar nicht erfreulich, wenn man dann auf einem christlichen Internetportal liest: „Unsere heutigen Schwerter heißen F-18, Mig-29, Mil Mi 24 oder Leopard 2. Aus dem längsten Kriegsschiff der Welt, dem Flugzeugträger ‚USS Enterprise CVN-65‘ könnte man 94.630 Pflüge herstellen – zwei- bis dreischarige Traktorpflüge von etwa 800 Kilogramm.“ [1] Was soll diese Rechnung? Als ob nicht bekannt wäre, daß die Bedrohung nicht von den Waffen selbst, sondern von den hochgerüsteten und aggressiven imperialistischen Ländern, von deren herrschender Klasse ausgeht: von den USA, von Israel und von der NATO, von den bewaffneten Banditen, den Kopfabschneidern in Syrien und von den ukrainischen Faschisten.

Wo sind sie denn, die ganzen „Friedenskämpfer“ der DDR, mit ihrer angeblichen „friedlichen Revolution“? Was hört man noch von ihnen? Wenn sie nicht gestorben sind, so werden sie vielleicht inzwischen erkannt haben: Es war ein großaufgemachter Betrug! Es gab keine „friedliche Revolution“ in der DDR! Die Vernichtung unserer Heimatlandes, wie auch der anderen sozialistischen Länder, war eine Konterrevolution. Es war die Abschaffung der Macht der Arbeiterklasse, die Beseitigung des Volkseigentums an den Produktionsmitteln, die Einverleibung der DDR in die imperialistische BRD. Und was geschieht heute? Wie ist das mit dem Frieden in der Welt? Ist die Welt friedlicher geworden seitdem? Hat Gott inzwischen gehandelt? Hat er den Streit zwischen den Völkern geschlichtet? Nein, das hat er nicht. Und es ist müßig, darauf zu warten! Hören wir also nicht auf das Geschwätz der Pfaffen!

Worum geht es eigentlich?

Geht es hier nur um den „Streit zwischen den Völkern“? Geht es um den Krieg? Oder geht es geht um etwas ganz anderes, etwas viel tiefer liegenderes? Ja, es geht um etwas anderes, tieferes! Es geht um die unlösbaren, antagonistischen Widersprüche in der kapitalistischen Gesellschaft, welche letztlich die Ursache sind für den „Streit zwischen den Völkern“. Sie sind die Ursache für die sozialen Auseinandersetzungen, für Streitigkeiten, Verbrechen und Gewalt innerhalb unserer kapitalistischen Gesellschaft. Und der Grundwiderspruch des Kapitalismus, der Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit, hat sich seitdem, seit der sogenannten „Wende“,  immer mehr zugespitzt. Die Reichen wurden reicher, und die Armen wurden immer ärmer. Die kriminelle Gewalt nahm zu, und es kam erneut zu Kriegen und Faschismus. Das sehen wir aktuell in Syrien, in der Ukraine und in wiederum auch Palästina.

Kann man den „Streit zwischen den Völkern“ beilegen?

Man kann den Streit zwischen den Völkern nicht beilegen, ohne die Wurzel allen Übels zu beseitigen. Und das sind die kapitalistischen Produktions- und Eigentumsverhältnisse, die Gesellschaftsordnung, in der Ausbeutung und Unterdrückung herrscht, wo der Drang zur Eroberung und Beherrschung fremder, rohstoffreicher Länder die Außenpolitik bestimmt, wo Aggression, militärische Gewalt und Faschismus zum Machterhalt gehören.
Nagasaki  An explosion is seen after an Israeli air strike in Rafah in the southern Gaza Strip
Links: Nagasaki nach dem US-Atombombenabwurf 1945, rechts: Die Stadt Rafah im Gazastreifen nach einem israelischen Luftangriff 2009

Ist der Pazifismus eine geeignete Methode, um den „Streit“ zu beseitigen?

Der Pazifismus ist eine bürgerliche politische und ideologische Strömung in der Friedensbewegung, die Aufrüstung und Krieg von einer falschen, klassenneutralen Position aus betrachtet und nicht deren sozialökonomische und politische Grundlagen im Imperialismus aufdeckt und bekämpft. Der Pazifismus erkennt nicht an, daß der Kapitalismus, welcher schuld ist am „Streit zwischen den Völkern“, nicht von allein verschwinden wird, und daß der militärische Schutz souveräner Staaten, wie der KVDR, gegen eine imperialistische Aggression der Sicherung des Friedens dient. Unter der Losung des „Friedens um jeden Preis“ lehnt er auch revolutionäre Kriege fortschrittlicher Klassen und nationale Befreiungskriege ab.  Der Imperialismus, der im Pazifismus ein Hindernis für seine aggressive Politik sieht, versucht, ihn mit Hilfe der Bedrohungslüge zurückzudrängen. [2] Noch einmal: Der Kapitalismus mit all seinen Widersprüchen wird nicht von alleine verschwinden. Auch nicht durch Appelle, Petitionen und friedliche, gewaltfreie Demonstrationen. Wer also heute noch die Position vertritt, man könne den Kapitalismus quasi durch „Überzeugungsarbeit“, durch Pazifismus,  aus der Welt schaffen, der spielt mit dem Schicksal und den Hoffnungen von Millionen Menschen.

Wie kann man den Kapitalismus denn nun überwinden?

Wir hatten bereits festgestellt, daß die kapitalistischen Produktionsverhältnisse, und in ihnen das Privateigentum an den Produktionsmitteln, die Ursache sind für den „Streit zwischen den Völkern“. Friedrich Engels stellte die Frage so: „Wird die Aufhebung des Privateigentums auf friedlichem Wege möglich sein? Antwort: Es wäre zu wünschen, daß dies geschehen könnte, und die Kommunisten wären gewiß die letzten, die sich dagegen auflehnen würden. Die Kommunisten wissen zu gut, daß alle Verschwörungen nicht nur nutzlos, sondern sogar schädlich sind. Sie wissen zu gut, daß Revolutionen nicht absichtlich und willkürlich gemacht werden, sondern daß sie überall und zu jeder Zeit die notwendige Folge von Umständen waren, welche von dem Willen und der Leitung einzelner Parteien und ganzer Klassen durchaus unabhängig sind. Sie sehen aber auch, daß die Entwicklung des Proletariats in fast allen zivilisierten Ländern gewaltsam unterdrückt und daß hierdurch von den Gegnern der Kommunisten auf eine Revolution mit aller Macht hingearbeitet wird. Wird hierdurch das unterdrückte Proletariat zuletzt in eine Revolution hineingejagt, so werden wir Kommunisten dann ebensogut mit der Tat wie jetzt mit dem Wort die Sache der Proletarier verteidigen.“ [3]

Und was geschieht mit den „Tätern“, den Nazi- und Kriegsverbrechern, den Massenmördern aus der imperialistischen Zeit? Wird es Todesstrafen geben?

Der Sozialismus ist eine humanistische Gesellschaftsordnung, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht. Als 1945 der deutsche Faschismus durch die Sowjetunion besiegt war, wurde ein gewisser Teil der Nazi- und Kriegsverbrecher vom Nürnberger Gericht zum Tode verurteilt. Einige waren geflüchtet. Ein großer Teil von ihnen fand damals Unterschlupf in Westdeutschland. An verschiedenen Beispielen hatten wir nun gesehen, daß die Täter aus der Nazizeit, wie z.B. der Mörder von Oradour, der Mörder Ernst Thälmanns, der Henker von Lwow, sowie Massenmörder und Söldner aus unseren Tagen, wie der berüchtigte „Kongo-Müller“, die Täter von Hiroshima und Nagasaki, die Kriegsverbrecher der USA und die bewaffneten Banditen in Syrien, in Palästina und anderswo, nichts aus der Geschichte gelernt haben. Im Gegenteil: Sie lassen sich sogar als Helden feiern, fälschen die Geschichte zu ihren Gunsten und erziehen die Jugend in ihrem braunen Geiste. Unrechtsbewußtsein ist ihnen fremd. Von Reue und von Mitgefühl den Opfern gegenüber keine Spur. Das Morden gehörte (und gehört auch heute noch) zum Geschäft, und – es wird und wurde gut bezahlt. Diese Verbrecher sind willfährige Diener des verfaulenden imperialistischen Gesellschafts- und Herrschaftssystems. Soll man sie verschonen? Nein, man wird sie hinrichten müssen! (wie 1945)

Die Hinrichtung des vormaligen russischen Zaren Nikolai Romanow

Einer der vor fast 100 Jahren Hingerichteten war der russiche Zar Nikolai Romanow. Seine Hinrichtung war historisch notwendig und moralisch gerechtfertigt. In der sowjetischen Zeitung „Izwestija“ war folgendes zu lesen:

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Links: Zar Nikolaj Romanow, rechts: Zeitungsausschnitt „Izwestija“ vom 24. Juli 1918

Übersetzung: Die Zeitung Nachrichten des Minsker Gebietsexekutivkomitees vergleicht den Tod Romanows mit dem Tod Ludwigs XIV. Die Autor des Artikels schreibt: „Mit dem Beschluß, Nikolaj zu erschießen, hatte der Gebietssowjet des Ural im Sinne, jegliche Möglichkeit monarchistischer Agitation im Osten zu verhindern und ein für alle Mal jene Flagge herunterzureißen, unter welcher fremdländische Söldlinge die Masse der Arbeiter und Bauern beherrschen konnten. Der Gebietssowjet des Ural hat vorweggenommen, wozu früher oder später die Revolution führen muß.“ Es wurde ein Akt der revolutionären Justiz vollzogen. Die Zeiten des Zarismus in Rußlands sind für immer beendet, und „wenn wir Nikolaj, dem Blutigen und Letzten, ein Denkmal errichten müssen, so werden wir keine bessere Symbolik finden, als einen Berg von Totenschädeln, einen Galgen, die Riemenpeitsche und eine Flasche fiskalischen Wodkas. Das ist die vollständige Verkörperung seiner ehrenhaften Historie.“ [4]

Wie ist das nun mit Lynchjustiz und Vergeltung?

Lynchjustiz hat nichts mit Justiz zu tun, sehr wohl aber mit Mord, oft auch mit Auftragsmord. Man versteht darunter die grausame Mißhandlung oder Tötung eines Menschen wegen einer angeblichen Straftat durch eine aufgehetzte Menge. Charles Lynch galt im 18. Jahrhundert als ein barbarisch exekutierender Oberst und Richter. Die Liste der meist unschuldigen Opfer, der später vermutlich nach diesem Mann benannten US-amerikanischen Lynchjustiz ist lang. Sie alle starben eines grausamen Todes durch eine mordgierige und rachsüchtige Meute, einen gewalttätigen Mob aufgehetzter Menschen, die sich weder für Schuld noch für Recht interessierten, und die nur eines wollten: den Tod ihres Opfers. So wurden beispielsweise im Januar 1919 durch konterrevolutionäre Militärs Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ermordet, ihre Leichen warf man in den Landwehrkanal. So ermordeten die Nazis hinterrücks den Genossen Ernst Thälmann.

Nazimord1  Nazimord2  Nazimord3
Von den Nazis gelynchte sowjetische Krankenschwester und Partisanen

So verhielt sich die SS in den Konzentrationslagern und so handelten die Wehrmachtssoldaten in den besetzten Gebieten der Sowjetunion. Und so wurden in Ungarn 1956 die Kommunisten gelyncht. Daß diese Art von „Hinrichtung“ auch heute noch zu den Traditionen der imperialistischen Banditen gehört, beweisen die zahlreichen Bilder und Videos aus Syrien und aus der Ukraine. In allen Fällen handelten die Täter nicht wie Menschen, sie wüteten wie Bestien. Und sie waren sich ihrer Taten voll bewußt. Ein deutscher Offizier, zurückgekehrt von der Ostfront des 2.Weltkriegs, sagte einmal: »Wenn die ‘Russen’ das gleiche mit uns machen, was wir mit denen gemacht haben, dann bleibt hier kein Stein auf dem anderen!« Und er wußte sehr wohl, wovon er sprach. Daß dies nicht geschah, zeigt, daß die Sowjetunion nach 1945 eben keine Vergeltung übte (wiewohl das nur allzu verständlich gewesen wäre!) denn dies entspricht nicht der sozialistischen Moral.

Solange es den Imperialismus gibt, muß der Friede bewaffnet sein. Und erst dann werden wir die Schwerter zu Pflugscharen umschmieden können, wie dies der sowjetische Bildhauer E.W. Wutschetitsch 1957 mit seiner Plastik verdeutlichte:

E.W. Wutschetitsch - Schwerter zu Pflugscharen

E.W. Wutschetitsch – Schwerter zu Pflugscharen

Quellen:
[1] www.livenet.de
[2] vgl. Kleines philosophisches Wörterbuch, Dietz Verlag, Berlin, 1967, S.486.
[3] Friedrich Engels: Grundsätze des Kommunismus, in: Karl Marx/Friedrich Engels, Ausg.Werke in sechs Bänden, Dietz Verlag Berlin, 1988, Bd.I, S.346.
[4] „Izwestija“, № 155 vom 34. Juli 1817

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3 Antworten zu Wer schlichtet den Streit zwischen den Völkern?

  1. prkreuznach schreibt:

    Hat dies auf Was war die DDR ? rebloggt und kommentierte:
    Ein wichtiger Beitrag von „Sascha“, den ich hier wiedergebe.

  2. rheinlaender schreibt:

    … Wo sind sie denn, die ganzen „Friedenskämpfer“ der DDR, mit ihrer angeblichen „friedlichen Revolution“? Was hört man noch von ihnen? …
    Ganz einfach. Die haben bei den Grünen und in der SPD lauthals für den Nato Überfall auf Jugoslawien gestimmt, dann das Massaker Irak II plus Afghanistan bejubelt, später die Zerstörung Libyens mit ökologischen BIO Schampus gefeiert. Pazifismus nutzt immer nur den Unterdrückern. Erfahrungsgemäß fordern die Pazifisten immer die Unterdrückten zur Waffenabgabe. Egal ob es um Aufstände gegen die heimischen Kapitalisten geht, oder um den bewaffneten Schutz vor imperialistischen Räubern. Mal ganz ehrlich : Auch der naivste Pazifist weiß natürlich, dass die Mächtigen ihre Waffen nicht freiwillig abgeben. Oft steckt der Wunsch dahinter, dass der Unterdrücker vielleicht Mitleid hat, wenn Wir friedlich und WEHRLOS sind.

  3. Harry 56 schreibt:

    Hallo Rheinländer, du hast es einfach voll auf den Punkt gebracht!
    Übrigens, zu allen diesen verlogenen heuchlerischen bürgerlichen Pazifisten, ihrem ganzen jämmerlichen eunuchenhaften Friedens-Gewinsel, deren eierloser Friedens-Bettelei, deren absoluter Ohnmacht und letztlicher Bedeutungslosigkeit hat bereits J.W.Stalin 1952 (!) in „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR“ alles bis heute absolut richtige gesagt. Dennoch, wir müssen auch solche, für uns ganz selbstverständliche Wahrheiten immer, und immer wieder wiederholen, wiederholen…….!

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