Rafik Kulijew: Einige Gedanken zur Vereinigung der Kommunisten zu einer kommunistischen Partei

noreforma

„Es kann sich für uns nicht um Veränderung des Privateigentums handeln, sondern nur um seine Vernichtung, nicht um Vertuschung der Klassengegensätze, sondern um Aufhebung der Klassen, nicht um Verbesserung der bestehenden Gesellschaft, sondern um die Gründung einer neuen.“  [1] (Karl Marx) 

Wie oft wird heute über die Vereinigung der zahlreichen kommunistischen Parteien zu einer einheitlichen kommunistischen geredet! Das ist oft nur leeres Geschwätz! Denn bei all den allgemeinen Phrasen wird das Wesentliche oft vernachlässigt. Und nach all den wortklauberischen Aufrufen, man müsse „planmäßig“ die regionalen Strukturen zu „einheitlichen Strukturen“ machen, wird es wohl ewig bei derartigen Aufrufen bleiben.

Durch Klarheit zur Einheit!

Das Wesen der Sache besteht doch darin, daß ohne ein einheitliches, vereinigendes Ziel alle diese Aufrufe zur Vereinigung nichts als leeres Gerede bleiben. Um die verschiedenen kommunistischen Parteien zu einer einheitlichen kommunistischen Partei zu vereinigen, ist es notwendig, daß diese Parteien in Bezug auf das Ziel der kommunistischen Bewegung zu einem einheitlichen Standpunkt gekommen sind.

1) Was ist das Ziel der kommunistischen Bewegung? Die Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Doch unter welchen Bedingungen entsteht die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen? Sie entsteht durch das Vorhandensein des Privateigentums. Das Vorhandensein des Privateigentums spaltet die Gesellschaft unvermeidlich in zwei entgegengesetzte Klassen: die eine Klasse besitzt Grund und Boden und die Produktionsmitteln, und der anderen Klasse sind sie entzogen, was die Ausbeutung der letzteren durch die Besitzer von Grund und Boden und Produktionsmitteln erst möglich macht. Das Privateigentum ist unvermeidlich verbunden mit einer Beziehung von Herrschaft und Unterordnung, deshalb kann das Reformieren der Gesellschaft bei Erhaltung des Privateigentums nicht von der Ausbeutung befreien. Die Ausbeutung kann nur beseitigt werden durch die Liquidierung des Privateigentums. Die wesentlichste Bedingung für die Vereinigung der zahlreichen kommunistischen Parteien zu einer einheitlichen kommunistischen Partei ist also die Anerkennung der Notwendigkeit einer Liquidierung des Privateigentums, vor allem an Grund und Boden und an Produktionsmitteln.

2) Aber das ist noch zu wenig. Da die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen mit unterschiedlichen Beziehungen zu Grund und Boden und zu den Produktionsmitteln verbunden ist, müssen alle in gleicher Beziehung zur Liquidierung von Grund und Boden und zu den Produktionsmitteln stehen. Was ist damit gemeint? Das bedeutet, daß eine notwendige Vorbedingung für die Liquidierung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und die Umwandlung von Grund und Boden und Produktionsmitteln in Gemeingut der ganzen Gesellschaft, oder anders gesagt in gesellschaftliches Eigentum erfolgt. Wie aber aus der historischen Erfahrung bekannt ist, verzichtet die Bourgeoisie niemals freiwillig auf das Privateigentum an Grund und Boden sowie an Produktionsmitteln. Der Bourgeoisie wird es niemals in den Sinn kommen, das Privateigentum an Grund und Boden und an Produktionsmitteln durch gesellschaftliches Eigentum zu ersetzen. Demzufolge bedarf es einer gesellschaftlichen Kraft, die dazu fähig ist, das zu tun. Eine solche Kraft kann nur die Staatsmacht sein, die in die Hände des von der Arbeiterklasse geführten werktätigen Volkes übergangen ist. Das wurde bewiesen durch die Große Sozialistische Oktoberrevolution im Jahre 1917 und durch die nachfolgende Errichtung eines Staates der Diktatur (der Demokratie) des Proletariats. Die Anerkennung der Notwendigkeit des Übergangs der Staatsmacht in die Hände des von der Arbeiterklasse geführten werktätigen Volkes ist die unwiderlegliche Vorbedingung für die Vereinigung der zahlreichen kommunistischen Parteien in eine einheitliche kommunistische Partei.

Der Übergang der Staatsmacht in die Hände des werktätigen Volkes und die konkrete Art und Weise dieses Übergangs können in den verschiedenen Perioden unterschiedlich sein. Die Macht kann sowohl auf friedlichem Wege in die Hände des werktätigen Volkes übergehen, als auch auf dem bewaffneten Weg; im Oktober 1917 mußten die russischen Werktätigen die Macht mittels eines bewaffneten Aufstandes übernehmen, während in Ungarn 1919 die Macht völlig ohne einen bewaffneten Aufstand in die Hände des Arbeitsvolkes überging. Hier hängt alles vom Kräfteverhältnis zwischen Bourgeoisie und Proletariat ab, von den Klassen, die um die Staatsmacht kämpfen. Es gibt jedenfalls nicht das berüchtigte „Hineinwachsen der Macht“, sondern ausschließlich einen revolutionären Übergang, d.h. einen Übergang mit dem Ziel der Liquidierung des Privateigentums und der Errichtung des gesellschaftlichen Eigentums an Grund und Boden und an Produktionsmitteln, wobei die Staatsmacht in den Händen des von der Arbeiterklasse geführten werktätigen Volkes, die obligatorische Voraussetzung für die Vereinigung der zahlreichen kommunistischen Parteien in eine einheitliche kommunistische Partei ist.

3) Und schließlich hat die Bourgeoisie im Verlaufe von über hundert Jahren ihrer Herrschaft in der Gesellschaft zwei Methoden des Kampfes um ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen hervorgebracht. Das ist erstens die Methode der Gewalt. Zweitens ist das die Methode der Beeinflussung des Bewußtseins der arbeitenden Massen. Die Bourgeoisie geht erst dann zur ersten Methode über, wenn es ihr scheint, daß sie die Macht verliert. Derzeit ist die Lage der Bourgeoisie in der russischen Gesellschaft mehr oder weniger stabil. Deshalb wendet sie zur Zeit zur Festigung ihrer Herrschaft in der Gesellschaft die zweite Methode an, die Methode der Beeinflussung des Bewußtseins der arbeitenden Massen. Für die Bourgeoisie ist zu diesem Zeitpunkt die Erhaltung des sozialen Friedens in der Gesellschaft wichtiger als sonst, was man in erster Linie mit moralischen Mitteln durch eine Beeinflussung des Bewußtseins der Werktätigen gewährleisten kann. Das erste moralische Mittel, mit dem man das Bewußtsein der Werktätigen beeinflussen kann, ist die Religion, welche den Werktätigen die bedingungslose Unterordnung unter die Ausbeuter, die Ergebenheit in ihr Schicksal predigt, und die dadurch bei ihnen jegliche politische Aktivität unterdrückt. [2]

Dabei kann die kommunistische Partei den Kampf gegen die bürgerlichen Parteien nur unter den Bedingungen der politischen Aktivität der Werktätigen erfolgreich führen. Folglich wird sie zur Erreichung ihrer Ziele vor allem das tun, was sie politisch aktiviert. Um die Werktätigen politisch zu aktivieren, muß nun die kommunistische Partei eine Veränderung in ihrem Bewußtsein anstreben, welches zur Zeit durch die totale Propaganda der Religion und religiöse Unwissenheit deformiert ist. Hier ist es notwendig, der religiösen bürgerlichen Propaganda die kommunistische, antireligiöse Propaganda entgegenzusetzen. Dabei soll die antireligiöse Propaganda nicht einfach der Aufklärung dienen, wie das in der frühbürgerlichen Gesellschaft der Fall war, und auch nicht die moralischen Gefühle der Gläubigen beleidigen, wie das in der modernen, absolut heuchlerischen bürgerlichen Gesellschaft geschieht. Sie soll vor allem Elemente des Klassenkampfes der Arbeiterklasse gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung in sich tragen, welche die Grundursache der Unterdrückung, der Armut und des Elends der Werktätigen, die Grundursache für die Wirtschaftskrisen, die chronische Stagnation in der Industrie usw. ist. Die Anerkennung der Notwendigkeit der antireligiösen Propaganda ist der Prüfstein, mit dem man das tatsächliche Verständnis der kommunistischen Bewegung überhaupt erst prüfen kann.

Im Grunde genommen besteht die Lösung des Problems der Bildung einer einheitlichen kommunistischen Partei für alle sich kommunistisch nennenden Parteien in der Anerkennung dieser hier angegebenen Grundprinzipien der kommunistischen Bewegung.

Für die Arbeiterklasse!

Rafik Kulijew

Am 26. Dezember 2013

Anmerkungen:
[1] Karl Marx/Friedrich Engels, Ansprache der Zentralbehörde an den Bund vom März 1850, in: Marx/Engels, Werke in sechs Bänden, Dietz Verlag Berlin, 1987, Bd.II,, S.131.
[2] In der BRD sind das in erster Linie die gleichgeschalteten Massenmedien, welche eine ähnliche Wirkung erzielen, wie die Religion.

Übersetzung: W.Meinhard

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6 Antworten zu Rafik Kulijew: Einige Gedanken zur Vereinigung der Kommunisten zu einer kommunistischen Partei

  1. jauhuchanam schreibt:

    „…nicht um Verbesserung der bestehenden Gesellschaft, sondern um die Gründung einer neuen.“

    Und dazu braucht es keine Vereinigung von vielen kleinen zu einer einzigen Partei, sondern schlicht der Ablehnung der „Matrix“ dieses Systems, welches ist Schulden geben und Forderungen stellen / und das ist im jetzigen, dass der Mensch gezwungen wird, etwas als Tauschmittel zu akzeptieren, was keines ist, sondern ein künstliches Zahlungsmittel, das die „Cleveren“ „sparen“, um dadurch investieren zu können, während die Masse der „Dummen“ nichts begreift und glaubt, dass es tatsächlich Geld sei, was sie als Lohn erhält.

    • rheinlaender schreibt:

      Eigentlich geht es ja um praktische Fragen, was die Grundprinzipien (zB. kein Privateigentum an Produktionsmittel, die derart gestaltet sind, dass jemand von der Arbeit anderer lebt) einer kommunistischen Partei ausmachen. Auch darum, dass die Kapitalisten nicht unbedingt alle fröhlich ihrer Enteignung entgegensehen.
      Geld ist als Zahlungsmittel sicher sinnvoll. Als Mitarbeiter eines Grossbetriebes kann ich ja schlecht 100 Paar Babyschuhe oder 30 BMW Aussenspiegel gegen ein gefliestes Badezimmer oder ein künstliches Kniegelenk tauschen. Wenn ich ein Haus kaufen will werde ich nicht nur im Kapitalismus einen Kredit aufnehmen müssen. Einfach deswegen, weil ich / der Einzelne in ein paar Wochen keine Güter herstellen kann, die den Wert eines Hauses haben. Nebenbei muss ich ja auch noch Essen und meine Kinder und Eltern versorgen. So wie meine Eltern mal mich 20 Jahre versorgt haben und meine Kinder mich mal 20 Jahre lang versorgen werden. Dh. von und für meine 80 Lebensjahren arbeite ich 40 Jahre. Marxisten nennen das wohl Reproduktion der Arbeiter. Zu Zinsen hat ich hier https://sascha313.wordpress.com/2014/03/21/usa-imperialismus geschrieben. Alle satanischen Mythen lassen sich durch Wissenschaft widerlegen. Eine idealistische Philosophie ist hier aber schon deshalb völlig hilflos und kontraproduktiv, da sie ja selber von irgendwelchen immateriellen Göttern ausgeht. Da bekämpft also ein Aberglaube den anderen.
      Wenn Sie mögen kann ich ja gern auf Ihrem Blog das Thema Idealismus / Materialismus weiterverfolgen.

      • jauhuchanam schreibt:

        „Geld ist als Zahlungsmittel sicher sinnvoll. Als Mitarbeiter eines Grossbetriebes kann ich ja schlecht 100 Paar Babyschuhe oder 30 BMW Aussenspiegel gegen ein gefliestes Badezimmer oder ein künstliches Kniegelenk tauschen. Wenn ich ein Haus kaufen will werde ich nicht nur im Kapitalismus einen Kredit aufnehmen müssen. Einfach deswegen, weil ich / der Einzelne in ein paar Wochen keine Güter herstellen kann, die den Wert eines Hauses haben. „

        „Sinnvoll“ – für was? Den Kapitalismus. Nur er braucht „Geld“ als Tausch- und Zahlungsmittel. In einer Welt – frei vom Schulden-Geben, Zinsen-Nehmen und Forderungen-Haben – wird dieser künstlich erdachte Unsinn nicht benötigt.

        Warum willst du ein Haus kaufen? Doch nur deshalb, weil irgendjemand „Eigentümer“ an einer Sache ist, die du in unseren Breitengraden zum Überleben benötigst, die er dir dann in seiner Großzügigkeit und Herzensgüte gegen Lehens-Abgaben zur Verfügung stellt und du darauf dressiert wurdest, dass es günstiger sei, wenn du dir stattdessen einen Kredit besorgst, um an die Sache zu kommen, die du nötig hast. Damit aber tauscht ein Mensch lediglich die eine Abhängigkeit gegen eine andere Unfreiheit aus. Schöne Grüße an den Papst und sein Pack.

        Selbstverständlich „kann jeder Einzelne in ein paar Wochen so viele Güter herstellen“ oder Dienstleistungen erbringen,„die den Wert eines Hauses haben“. Nur im Kapitalismus hat diese Sache, die wir in unseren Breitengraden zum Überleben benötigen, diesen absurden, weil vollkommen künstlich gemachten „Wert“. So kostet das Material für den Rohbau eines Hauses mit einer Nutzfläche von 75 m² kaum 1.200,- Euro. Mit Strom, Wasser und Sanitär ist das für unter 10.000,- Euro machbar, Herr Nachbar. Und wenn die Familie, die Verwandten, Bekannten und Freunde mit anpacken, ist so ein Ding in einer Woche fertiggestellt. Der „Wert“ liegt also im Grad der Selbstorganisation und Arbeitsteilung und nicht in der Sache, wie die eines simplen Hauses. Natürlich wird uns Sklaven des Kapitalismus dies hier verboten, weil dies seinen natürlichen Untergang bedeutet!

    • jauhuchanam schreibt:

      Tja, ich vergleiche mich ja auch nicht mit anderen Menschen, sondern nur mit mir selber und zwar in Bezug wer ich heute bin und einst war. Außerdem identifiziere ich mich mit meinem biologischen Sein und nicht mit irgendwelchen künstlich erdachten Ideologien, Philosophien oder Religionen.

      • jauhuchanam schreibt:

        Wieso Wunder? Die Fähigkeit zu lernen, ist doch eine NATÜRLICHE Veranlagung eines jeden Menschen. Der Mensch wird damit geboren. Materialistisch entspringt es also dem biologischen Sein. Aber vielleicht kennst du ja einen anderen Ursprung, der mir bisher verborgen geblieben ist, weil mir kulturell, philosophisch, soziologisch, religiös und ideologisch das Falsche über mein Sein und meinen Ursprung beigebracht wurde.

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