Die Intellektuellen und die Partei

Fahne

In diesem Essay wendet sich der kommunistische Dichter Johannes R.Becher an seinesgleichen – an die Intellektuellen. Bekanntlich haben heute viele bürgerliche Intellektuelle Schwierigkeiten mit dem Marxismus/Leninismus, sofern sie keine Kommunisten sind und nicht praktisch, d.h. im wirklichen Leben, auf der Seite der Arbeiterklasse stehen. Es läßt sich heute schön philosophieren über das wenn und hätte, wo man doch alles besser weiß und schon gar in der DDR längst erkannt hatte, warum der Sozialismus scheitern mußte. Ach, Ihr Kleingeister und bürgerlichen Schlaumeier! Was hattet Ihr denn dafür geleistet, daß der Sozialismus sicherer würde. Was tut Ihr denn heute für den Sozialismus? Philosophieren, wie er einmal aussehen sollte? Nein, ohne das Proletariat wird es keinen Sozialismus geben. Und ohne eine proletarische Revolution, und ohne die Diktatur der Arbeiterklasse auch nicht! Erst wenn sich die Produktionsmittel unumkehrbar in den Händen des arbeitenden Volkes befinden, gibt es die Hoffnung auf dem Kommunismus! Und er wird kommen – ohne jeden Zweifel!

Intellektuelle und Partei
von Johannes R.Becher

Der Intellektuelle, der zum Proletariat kommt, muß den größten Teil dessen, was er seiner bürgerlichen Abstammung verdankt, verbrennen, bevor er in Reih und Glied mit der proletarischen Kampfarmee mitmarschieren kann. Es erscheint beinahe so, daß er alles verbrennen muß, was er früher verehrte, alles verehren muß, was er früher verbrannte. Er muß auf seine Individualität, auf seinen Bildungsdünkel verzichten, er muß eine Unmenge falscher Theorien, falscher Vorstellungen aufgeben, die ihm seine Herkunft, seine Hochschule eingeprägt haben. Er muß von vorne anfangen.

Die proletarische Persönlichkeit

Es gibt keine Ausrede, kein Herumkriechen um die Probleme. Gefordert wird: Unbedingtheit. Der Intellektuelle zieht durch keine Triumphpforte in die Partei ein. Untergehen muß die vielgepriesene, die heilig und hochgehaltene „Persönlichkeit“. Untergehen muß die künstliche innere und äußere Aufmachung, das Übersteigerte und Paradoxe, all das Launenhafte und Stimmungsmäßige, womit sich eine „Persönlichkeit“ großtut. Untergehen muß der genialische Schlendrian, die geistreiche Verantwortungslosigkeit. Erst dieser Untergang schafft die wahre Persönlichkeit.

Wer die kleinen Mühen scheut, kann Großes nicht schaffen!

Der Verschmelzungsprozeß des Intellektuellen mit dem Proletariat ist ein verzweifelter und langwieriger. Das, was die meisten Intellektuellen von der Partei abstößt: das Mitgehen mit dem Proletariat, nicht nur in den großen und heroischen Augenblicken, sondern auch in den kleinsten Alltagsfragen: gerade diese Kleinarbeit ist es, die unmerklich und dauernd den Intellektuellen umformt, ihn restlos von der alten Vergangenheit ablöst, ihn immer unlösbarer, zwingender mit der neuen Klasse, in deren Dienst er sich gestellt hat, verbindet.

Der Rückfall-Täter

Wer diesen Grund, unseren Lebensgrund: die Massen verläßt, der tut unbewußt schon den ersten Schritt aus der Partei hinaus. Dem ersten Schritt folgt der zweite. Dann gibt es keine Halten mehr. Die Flucht, das „Zurück“ in die Bourgeoisie beginnt …

Jeder von uns, der einmal längere Zeit hindurch keine Parteiarbeit geleistet hat, kann es an sich selbst beobachten. Man fängt an zu „rutschen“, gewöhnlich damit, daß einem der Kapitalismus imponiert, daß man staunt, wie ringsrum alles in die Höhe spritzt, man kommt sich abseits, vereinsamt vor, die Revolution verwandelt sich in einen blutleeren abstrakten Begriff, das bürgerliche Panorama tut sich immer großartiger und lockender auf, die Aussicht dem Proletariat zu vermauert sich, die Angst ist da, im Aussichtslosen zu versinken. Eine Weile noch hämmern Resolutionen und Thesen nach, dann siegt das Leben, das man mitlebte, das einen widerstandsunfähig gemacht hatte, ohne daß man sich darüber klar war. Das ganze Feuer der Kritik wird auf die Partei konzentriert, alles was die Partei, die Revolution, die Arbeiterschaft angeht, wird ironisiert, zynisch belächelt. Ein Sprung – man ist „drüben“. …

Karrieristen können wir nicht gebrauchen

Wer zur Partei kommt, um in ihr seinen Ehrgeiz zu befriedigen, den Führer zu spielen, sich als Kommunist interessant zu machen, sich um jeden Preis in Szene zu setzen, dem wird und kann die Partei nichts bieten. Wer zur Partei stößt im festen, unerschütterlichen Glauben an die Kraft des Proletariats, wer bereit ist, gleichgültig an welcher Stelle, mitzuarbeiten am Sieg der sozialen Revolution, für den wird die Partei ein neues Leben bedeuten, für den wird die Partei alles sein. Aber Hände weg von der Partei, ihr Geschäftemacher und Karrieristen! Ladet euer jämmerliches Nichts ab, wo ihr wollt! Bringt euch in Stellung dort, wo es euch gelingt, und wo es euch wohlgefällt! Belästigt mit eurem individualistischen Dreck die, die masochistisch genug sind, sich von euch dauernd belästigen zu lassen. Ach, ich höre schon euren Jammer: „Partei ohne Köpfe, Denken verboten.“

Gegen die jämmerlichen Individualisten

Daß gerade Sie Gedankenfreiheit* schreien, werter Genosse in Gänsefüßchen, der Sie sich prinzipiell nur um Ihre eigenen Gefühle und Gedanken kümmern, nur sich selbst gelten lassen wollen, das macht Sie noch besonders widerwärtig und verächtlich. Ihr werdet es bald genug erfahren, wie außerhalb der Partei euer Herz leer und leerer wird, euer Gehirn sich zu Ende denkt: armselige Räsoneure ohne Schwungmasse und Stoßkraft. Denn brecht ihr mit der Partei, zerbrecht ihr alles das in euch selbst, was euch damals, als ihr in die Partei eingetreten seid, erst zum Menschen gemacht hat.

Was bedeutet die Partei? Jeder von uns weiß, daß unsere Partei keine Partei im üblichen Sinne ist. Kommunistische Parteien sind Keimzellen der kommenden sozialistischen Gesellschaftsordnung. Die Disziplin, die wir in der Partei halten, ist unser Bekenntnis zum kollektiven Willen, der die zukünftige Gesellschaft ordnet und verwaltet.

Wenn wir zurückblicken: was ist aus dem und jenem geworden? Unter welchen „radikalen“ Phrasen haben sie nicht alle die Partei verlassen! Wie schnell wurden sie aus Gegnern der Partei zu erbitterten, verstockten Feinden der Arbeiterschaft! Laßt laufen, was läufig ist! Unsere Sache, die beste Sache der Welt, ist stark genug, hat genügend Anziehungskraft, daß sich über kurz oder lang auch die besten und lebendigsten Kräfte uns zuwenden.

Herein in die Partei, ihr, die ihr die Hohlheit und Inhaltslosigkeit des bürgerlichen Lebens erkannt habt. Die ihr erlebt habt, wie es mit eurer „Freiheit“ steht: Daß ihr diese eure Freiheit nur verteidigen und erobern könnt im Gleichschritt mit den Massen, im Gleichschritt, dem die Straße der Zukunft gehört! Herein in unsere Reihen, die ihr ernsthaft gewillt seid, mit all dem Schluß zu machen, was den Menschen vertiert, erniedrigt, vergewaltigt. Herein in die Partei, alle ihr ehrlichen, aufrechten Kämpfer für die Zukunft der Menschheit!

Quelle:
„Die Rote Fahne“, 25. November 1928, Nr.278. Aus: Zur Tradition der sozialistischen Literatur in Deutschland, Berlin und Weimar, 1967. (Zwischenüberschr. von mir, N.G.)

Anmerkung: Hier spricht der Dichter die sog. „Freiheit der Andersdenkenden“ an. Was damit gemeint ist, lesen Sie hier.

Siehe auch:
Mr. Kerry und das Recht auf Dummheit
Stalin: Im Streit mit nicht-kommunistischen Strömungen
Nur die Wahrheit führt uns zur Erkenntnis

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