Der „Kalte Krieg“ der Oligarchen

Oligarchentreffen

Oligarchentreffen in Minsk

Quelle: Gazeta Kommunistitscheskaja
http://compaper.info/?p=6189

Im diesem Jahr „begehen“ wir den 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs. Dieses wenig erfreuliche Jubiläum ist für die russische Regierung und den Präsidenten seit den letzten Jahrzehnten verbunden mit einem beispiellosen Gegensatz zwischen Rußland und dem Westen, hauptsächlich wegen des bewaffneten Konflikts in der Ukraine. Die lautstarken Erklärungen, die Sanktionen, das Waffengerassel von beiden Seiten läßt an Zeiten des „Kalten Krieges“ erinnern. Es wäre jedoch mehr als unkorrekt, da es sich damals um zwei unterschiedliche Gesellschaftsordnungen handelte, während es heute lediglich um einen Konflikt zwischen den Oligarchen verschiedener Länder im Kampf um Gewinne und um die Neuverteilung der Einflußsphären geht.

Die verlogene Propaganda

Die jetzige gegen den Westen gerichtete Propaganda der russischen Machthaber in den Massenmedien unterscheidet sich erheblich von der entsprechenden Propaganda, welche die russische Regierungspresse vor 15-20 Jahren über den Westen veröffentlichte. Damals wurde der Westen als Beispiel zur Nachahmung, als Ideal hingestellt, nach dem Rußland streben soll, sobald es „die Schaufel beiseite geworfen hat“. Gerade das Märchen vom „idealen Europa“ und vom „idealen Amerika“ war einer der wesentlichsten ideologischen Tricks der neuen russischen Bourgeoisie, als sie die UdSSR zerstörte und den Sozialismus liquidierte. Der Traum „wie im Westen“ zu leben, hatte die Massen unter den Bedingungen der ideologischen Schwäche der KPdSU ergriffen und dazu geführt, daß die sowjetischen Menschen keinen ausreichenden Widerstand gegen die Wiederherstellung des Kapitalismus geleistet haben.

Vom westlichen Paradies zum wilden Westen

Im Vergleich zu den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat sich der russische Kapitalismus gefestigt, seine Kraft zusammengenommen und den gleichen Konkurrenzkampf gegen den westlichen Kapitalismus aufgenommen. Und, siehe da – Mitte der 2000er Jahre kam in der russischen Propaganda ein neuer Trend auf, der bezüglich der Sicht auf das Leben im Westen, genau das Gegenteil der früheren Richtung war. Das besagt, daß die russischen Oligarchen begonnen haben, sich für ihren wachsenden Appetit die entsprechende Ideologie zurechtzulegen. Die Bilder vom „westlichen Paradies“ wurden ausgetauscht durch Bilder der „westlichen Hölle“, wo die Wirtschaft sich in einer permanenten Krise befindet, wo die Asylanten und die Araber die Städte zerstören und wo wegen des „Ansturms der Moslems“ das Christentum fast verboten ist und bald die Scharia eingeführt wird. Wo die Homosexuellen eine Übermacht haben, und sich die „Normalen“ unterwerfen. Wo Jugendgerichtsbarkeit Millionen Kinder den Eltern wegnimmt, und später den Homosexuellen zur Unzucht übergibt.

Dem russischen Spießer wurde der Kopf verdreht

Was ist der Grund für eine solche Wandlung? Er besteht darin, daß die liberalen, westlich orientierten Märchen deren sich die Kompradorenbourgeoisie bediente, für die russische Monopolbourgeoisie nun nicht mehr benötigt werden. Der Unsinn vom westlichen Paradies, das den Einwohnern der UdSSR die Köpfe verdummte, hatte nach der Zerstörung des Sozialismus ausgedient und war abgeschrieben. Die westlichen Oligarchen und die multinationalen Gesellschaften wurden zu Konkurrenten der russischen Monopolbourgeoisie. Und Konkurrenten muß man diskreditieren, um die notwendige Unterstützung der Massen zu bekommen. Deshalb wurden einzelne Episoden des westlichen Lebens bis ins Absurde aufgebläht. Und diese Episoden waren nach dem einfachen Prinzip aufgebaut, daß sie die russischen Spießbürger am meisten ärgern. Denen gefallen die Schwulenparaden nicht, die Jugendgerichtsbarkeit und die „illegalen Einwanderer“. Deshalb wurden sie Ziel der antiwestlichen Propaganda.

Der Zank der Oligarchen um die Reichtümer der Ukraine

Besonders hat sich diese Propaganda gesteigert, je mehr der Krieg in der Ukraine entbrannte. Schon seit mehr als zehn Jahren kämpfen die russischen und europäisch-amerikanischen Oligarchen um ihren Einfluss in diesem Land. Im Februar dieses Jahres organisierten die westlichen Kapitalisten in der Ukraine einen Putsch, dessen Instrument die liberale und nationalistische Opposition wurde. Infolge des Sturzes des prorussischen Präsidenten Janukowitsch wurde ein politisches Regime errichtet, das die Neonazis offen unterstützt und auf die „Ukrainisierung“ des östlichen russischsprachigen Teiles der Ukraine gerichtet ist, in der Hauptsache, um die ukrainische Wirtschaft vollständig der Herrschaft der EU und der USA zu unterwerfen.

Das ukrainische Volk – vom Nationalismus vergiftet

Das alles rief den Protest der Bewohner Donbass hervor, der von den russischen Nationalisten angeführt wurde, welche namens der russischen Regierung durch russische Oligarchen unterstützt wurden. Da es jedoch nicht an die ostukrainischen Werktätigen übergeben wurde, ging ihr Protest auch nicht in die massive Unterstützung für die bewaffnete Opposition über. Die daraufhin geschehene Kriegstragödie mit Tausenden Gefallenen ist eigentlich ein Krieg der Oligarchen um die Aufteilung der Märkte und der Gewinne. Die gewöhnlichen Teilnehmer des Konfliktes sind vom Nationalismus vergiftet und bluten ausschließlich für die Neuverteilung der Gewinne der Unternehmer. Dieser Krieg wird keine anderen Folgen haben, egal welche Seite siegt. Und sowohl die Liberalen mit den Bandera-Anhängern der Kiewer Regierung, als auch die Führer der Lugansker und Slawjansker Republiken stehen, wenn man nach ihren Erklärungen, ihren Verfassungen und Gesetzen urteilt, auf Seiten des Privateigentums und der Interessen der Kapitalisten.

Die gleichen alten Lügen wie 1914

Damals im Jahre 1914 vollzog sich alles nach einem ähnlichen Drehbuch. Nur daß die russischen Kapitalisten anstelle der unterdrückten Bewohner des Südostens der Ukraine als Rechtfertigung des Krieges „serbische Brüder“ hatten, die sich dem Angriff Österreich-Ungarns ausgesetzt sahen. Ebenso sprach die Bourgeoisie in ihrer Propaganda, als die Weltkrieg vom Zaune brach, von „Patriotismus“, von „Demokratie“, vom „Schutz des Vaterlandes“, von „historischer Gerechtigkeit“ und anderen Dingen, welche die Neuaufteilung der Welt bemänteln sollte. Aller das geschieht auch heute, mit einigen Verbesserungen im Maßstab. Um die Herrschaft der Kapitalisten in der Welt aufrechtzuerhalten, trägt fortwährend die Drohung eines neuen Weltkriegs in sich. Das ist die Logik des Geschäfts, welches für Gewinne und für die Neuaufteilung der Welt vor nichts zurückschreckt.

Um mit den Kriegen auf der Erde Schluß zu machen, gibt es keinen anderen Weg als die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln und den Übergang zur wissenschaftlichen und planmäßigen Organisation der Wirtschaft. Die Erfahrung mit der Gründung der UdSSR und der anderen sozialistischer Länder hat gezeigt, daß das mehr als nur möglich ist. Der Kommunismus – die Gesellschaft ohne Privateigentum – liquidiert den Grund aller Kriege. Der Untergang der UdSSR infolge der Fehler der KPdSU ist eine bittere Erfahrung, aus der man heute lernen muß.

Die Kommunisten (nicht zu verwechseln mit der Sjuganowschen „KPRF“) rufen dazu auf, weder an eine „westliche Orientierung“ zu glauben, noch in „antiwestlichen“ propagandistische Mythen zu verfallen, sondern den Marxismus zu studieren und sich dem Kampf für den Kommunismus, eine Gesellschaft ohne Oligarchen und ihre Kriege, anzuschließen.

Quelle:
Kommunisten-online
(Mit freundlicher Genehmigung übernommen.)

Dieser Beitrag wurde unter Faschismus, Kapitalistische Wirklichkeit, Kriminelle Gewalt, Ukraine veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Der „Kalte Krieg“ der Oligarchen

  1. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Europapolitik rebloggt und kommentierte:
    Der Krieg der Oligarchen

  2. rheinlaender schreibt:

    Hallo Sascha,
    was sagst Du zu dem Artikel ?
    1) Ich erlebe seit den 70ern bei Trotzkisten und Sektierern / MLPD diese NERVIGE Gleichsetzung von kriegsführenden USA Imperialisten mit sogenannten Eliten in nichtwestlichen / friedlichen Staaten. Die selben Sekten, die früher die DDR als kapitalistisch diffamierten.
    2) Ist es wirklich wissenschaftlich – nach trotzkistischer Art – , die Staaten NUR in Imperialsten oder „echten Kommunismus“ zu unterteilen ?
    a) Hätte nach dieser Logik, Libyen eine Arbeiterklasse erschaffen müssen ? Das Öl war einfach da, und die Arbeit machten Gastarbeiter !?
    b) Hätte man Kuba / China abschreiben müssen, nur weil es keine Industriekapitalisten mit dazugehöhrigen Proletariat gab ?
    c) Gibt es Hinweise auf einen imperialistischen Iran ?
    3) „Wo Jugendgerichtsbarkeit Millionen Kinder den Eltern wegnimmt, und später den Homosexuellen zur Unzucht übergibt“ . Diese Äusserung des Autors tut mir sehr weh. Ich bin vor knapp 20 Jahren an den fehlenden Väterrechten in der BRD zerbrochen und seit damals Frührentener.

    • sascha313 schreibt:

      Tja, rheinlaender, so hat man’s denen erzählt. Ich weiß auch nicht, wer in Rußland auf diese Propaganda reingefallen ist. Es sind ja auch viele ausgewandert – nach Israel, nach den USA, der BRD usw. Das „Drehbuch“ der imp. Indoktrination ist mehr oder weniger überall das gleiche. Und der Kapitalismus ist ja auch in jedem Land sehr unterschiedlich weit entwickelt. Es gibt da sehr viele Übergangsformen und Varianten (z.B. – ist China nun kapitalistisch oder hat die KPCh „alles im Griff“?) – In der Ukraine beginnt man jetzt bereits in den Schulen mit faschist. Bandera-Propaganda…

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