Gibt es heute noch eine Arbeiterklasse?

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von sascha313 @ 23. Aug 2011 – 11:56:41

Es herrschen harte Zeiten. In zunehmendem Maße machen sich darüber vor allem diejenigen Gedanken, die ein Mindestmaß an Bildung genossen haben, und die gewohnt sind, Erscheinungen zu hinterfragen, die versuchen, den Dingen auf den Grund zu gehen. Doch das ist keineswegs selbstverständlich, denn die Masse der Arbeiter wird das nicht tun. (Siehe: Vom Arbeiter zum Arbeitsuntertan) Und man mag darüber rätseln, ob es nun heute eine Arbeiterklasse gibt, oder ob sie gar verschwunden ist. Tatsache ist: Die Struktur und das Format der Klasse hat sich verändert. Ebenso ihr Organisationsgrad und vor allem auch das Klassenbewußtsein. Wie frei ist unser Leben? – fragt das von Vera Achenbach und Peter Katzer 1980 herausgegebene Handbuch „Grundwissen für junge Sozialisten“. Man sieht, die Geschichte ist also keineswegs neu.

»Soziale Marktwirtschaft« oder Klassengesellschaft?
Kein Tag vergeht, ohne daß man zu hören bekommt, was die Gesellschaft der Bundesrepublik alles ist: eine »Wohlstandsgesellschaft«, eine »Mittelstandsgesellschaft«, eine »Freizeitgesellschaft«, eine »moderne Industriegesellschaft«. Aber zu allererst ist sie, folgt man Presse, Funk und Fernsehen, eine »soziale Marktwirtschaft«. »Soziale Marktwirtschaft« – das ist die Grundlage aller aufgezählten Gesellschaftsbegriffe, das ist das besondere, was die Bundesrepublik gerade unterscheidet von dem, was es laut Schulbüchern und Zeitungen vielleicht im 19. Jahrhundert gegeben haben mag: eine Klassengesellschaft. Darin sind sich alle einig – die Politiker der Bundestagsparteien, die Repräsentanten der Unternehmerverbände, der Boß vom Großbetrieb und der kleine Krauter von nebenan. Und sogar viele Arbeiter und Angestellten sind der Meinung: Klassengesellschaft? Heute doch nicht! Früher, ja, aber jetzt ist das anders. Zwar gibt es ohne Frage viel Ungerechtigkeit, Vermögensunterschiede, Bildungsunterschiede, denen man mit Reformen und Kampf um »Chancengleichheit« zu Leibe rücken muß. Aber mit Klassengesellschaft, mit Ausbeutung hat das nichts zu tun. Das ist die weitverbreitete Meinung; auch unter Jugendlichen – denn schließlich ist das die Auffassung, die man täglich liest und in der Schule zu hören bekommt.

In einem Rundbrief eines Unternehmerinstituts heißt es dazu: »Gewiß wäre es falsch, die vorhandenen Interessengegensätze zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu leugnen. Aber nicht minder falsch wäre es, sie zu verabsolutieren, wie die Marxisten es tun. « (Egon Tuchfeldt, Vortragsreihe des Instituts der deutschen Wirtschaft, Nr. 33/1977; Die soziale Dimension der Marktwirtschaft, S.2)

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Gibt es heute eigentlich noch Klassengegensätze? Die mehr oder minder rhetorisch gemeinte Frage dürfte sich erübrigen, wenn man danach fragt, wodurch sich Klassen unterscheiden.

»Arbeitnehmer« und »Arbeitgeber« — wer nimmt und wer gibt?
Alles wird in unserer Gesellschaft gehandelt, für alles gibt es einen Markt: Brot und Gemüse, Kleider, Autos, Maschinen, Gebäude und Fabrikanlagen. Auch mit Arbeitskräften, also der Arbeitskraft von »Arbeitnehmern«, wird gehandelt; für sie gibt es einen besonderen Markt, den Arbeitsmarkt. Heute ist dieser Arbeitsmarkt mit dem früherer Zeiten freilich nicht zu vergleichen. In der Antike, oder später in den USA, war das ein richtiger Markt, auf dem Sklaven verkauft wurden. Vor dem Kauf konnten die Sklavenhalter sich von der »Güte« der Ware überzeugen: die Muskeln prüfen und feststellen, wie lange dieser oder jener Sklave wohl auf ihren Landgütern würde arbeiten können. Konnten sie ihn gebrauchen, so kauften sie ihn – mit Haut und Haar im wortwörtlichen Sinne. Sklaven galten daher im alten Griechenland auch nicht als Menschen, sondern sie waren eine Sache, die man kaufen konnte, um sie zu verbrauchen.

Wie sieht der heutige Arbeitsmarkt aus?
Arbeiter und Angestellte sind keine Sklaven, auch wenn sie manchmal so behandelt werden. Arbeiter und Angestellte sind kein Eigentum des Unternehmers. Aber sie sind an ihren Arbeitsvertrag gebunden. Den müssen sie einhalten und der sieht vor, daß sie für eine bestimmte Zeit – etwa acht Stunden am Tag oder vierzig oder zweiundvierzig Stunden in der Woche – in der Werkhalle oder dem Büro, am Schreibtisch oder hinter dem Verkaufsstand arbeiten müssen und daß sie in dieser Arbeitszeit den Anweisungen ihrer Vorgesetzten Folge zu leisten haben. Dafür erhalten sie als Entgelt Lohn oder Gehalt. Wer ist bei diesem Handel auf dem Arbeitsmarkt Käufer, wer Verkäufer und was wird gehandelt?

Vertauschte Begriffe
Die Begriffe »Arbeitgeber« und »Arbeitnehmer« legen nahe, daß der Unternehmer »Arbeit gibt« und Arbeiter und Angestellte »Arbeit nehmen«. Auch in der Umgangssprache sagt man: »Jemand nimmt eine Arbeit an«. Aber diese Begriffe stellen das Verhältnis gerade auf den Kopf. Arbeiter und Angestellte »nehmen« nicht Arbeit, sondern sie verkaufen dem Unternehmer ihre Arbeitskraft, ihre Fähigkeit, Arbeit zu verrichten. Der Preis, den der Unternehmer für diese Ware, für die Arbeitskraft, bezahlen muß, ist der Lohn oder das Gehalt. Der Arbeitsvertrag ist sozusagen die Verkaufsurkunde, in der festgelegt wird, was (die Arbeitskraft) in welcher Menge (für welche Arbeitszeit) und zu welchem Preis (Lohn- oder Gehaltshöhe) verkauft wird. Mit dem Kauf der Arbeitskraft geht an den Unternehmer das Recht, diese Arbeitskraft zu seinem Nutzen zu gebrauchen, sie zu konsumieren.

Schematisch zusammengefaßt: Arbeiter und Angestellte, also alle, die von nichts anderem als Lohn oder Gehalt leben müssen, verkaufen ihre Arbeitskraft. Das ist die Befähigung, Arbeit zu verrichten. Der Unternehmer kauft diese Arbeitskraft und bezahlt sie mit Lohn oder Gehalt. Dies ist der Preis, die Arbeitskraft die Ware. Nachdem dieses Geschäft abgeschlossen ist, also der Arbeitsvertrag unterzeichnet ist, gehört das von Arbeitern und Angestellten in ihrer Arbeitszeit hergestellte Produkt oder die ausgeführte Dienstleistung dem Unternehmer. Der Unternehmer eignet sich das Arbeitsprodukt an.

Ein Einwand
An dieser Stelle hört man oft einen gewichtigen Einwand. Er lautet: der Unternehmer bezahlt nicht, wie behauptet, die Arbeitskraft der Lohn- und Gehaltsempfänger, sondern er bezahlt ihnen exakt das, was sie geleistet haben: ihre Arbeit. Wer mehr leistet, bekommt mehr, wer weniger leistet, weniger. Dieses Argument stimmt scheinbar mit dem alltäglichen Erleben überein: Du gehst für acht Stunden in den Betrieb und bekommst deine Arbeit bezahlt. Wer würde schon umsonst arbeiten, sich seine Arbeit nicht bezahlen lassen?

Aber dieser Einwand ist nicht stichhaltig. Warum?
Wenn der Kapitalist dem Arbeiter genau das bezahlte, was ihm der Arbeiter – angeblich – verkauft, nämlich seine Arbeit, wie sollte man dann die gewaltigen Besitz- und Eigentumsunterschiede unter den Menschen in der Bundesrepublik erklären?

Wie wäre dann zu erklären, daß eine von der Bundesregierung selbst in Auftrag gegebene Untersuchung 1971 sozusagen amtlich feststellte, daß ganze 1,7 Prozent der privaten Haushalte rund drei Viertel des Produktivvermögens in Händen hielten.

Wie sollte man sich dann erklären, daß es heute auf der einen Seite fast sechs Millionen Menschen in der Bundesrepublik gibt, deren Einkommen nach offiziellen Angaben unter den Bedarfssätzen der Sozialhilfe liegt, während sich andererseits in der Zeit von 1963 bis 1972 die Zahl der trotz aller steuerlichen Manipulationsmöglichkeiten noch erfaßten Vermögensmillionäre auf rund 22.000 verdoppelte?

Würden Arbeiter und Angestellte wenigstens in der Regel und im Durchschnitt den Wert ihrer Arbeit bezahlt bekommen, niemand könnte sich an ihrer Arbeit bereichern, niemand könnte auf ihre Kosten leben, niemand könnte Millionen anhäufen. Wo sollten sie schließlich herkommen? Alle Werte, die erzeugt würden, flössen an die zurück, die sie schaffen. Aber daß dem nicht so ist, daß es auf der einen Seite Millionäre gibt und auf der anderen Seite Millionen von Familien, die mit ihrem Einkommen »gerade so klar kommen«, die am Monatsletzten nichts mehr im Portemonnaie oder auf der Sparkasse haben und auf jede größere Anschaffung sparen müssen, das weiß eigentlich jeder.

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Woher kommt also die ungleiche Verteilung des Reichtums?
Die menschliche Arbeitskraft hat eine besondere, nützliche Eigenschaft: Sie kann einen größeren Wert erzeugen, als zu ihrer Erhaltung notwendig ist. Sie schafft neue Werte. Ein Industriearbeiter mit einem Nettolohn von 1.300 € im Monat stellt durch seine Arbeit Produkte her, deren Wert nach Abzug der verbrauchten Roh- und Hilfsstoffe und der Maschinenabnutzung weitaus höher liegt. Aber er bekommt nicht diesen höheren Wert seines Arbeitsproduktes (oder seiner Arbeit), sondern nur seinen Lohn von 1.300 € – den Gegenwert seiner Arbeitskraft. Denn so viel Euro braucht er etwa, um sich (und, mit seiner Frau, die voraussichtlich auch arbeiten wird, die Familie) zu ernähren, die Wohnung zu bezahlen usf.

Was verstehen wir unter Ausbeutung?
Diese nützliche Eigenschaft der menschlichen Arbeitskraft – einen größeren Wert zu erzeugen, als zu ihrer Erhaltung notwendig ist – interessiert den Unternehmer. Er kauft die Arbeitskraft, erhält somit das Recht, sie zu verbrauchen (den Arbeiter oder Angestellten arbeiten zu lassen), und kann sich die verrichtete Arbeit und deren Produkt aneignen. Sie gehören ihm, sind Quelle seines wachsenden Reichtums. Der wissenschaftliche Begriff für diese Aneignung lautet Ausbeutung – dieser Begriff ist also keineswegs ein politisches Schimpfwort, sondern eine sachliche, nüchterne Bezeichnung.

Und was ist Kapital?
Das Geld, das der Unternehmer für Rohstoffe, Maschinen und Arbeitskräfte ausgegeben hat, sein Kapital, wird durch die menschliche Arbeit vermehrt. Denn der von Arbeitern und Angestellten erzeugte Wert ist größer als der Wert ihrer Arbeitskraft, die der Unternehmer mit Lohn und Gehalt bezahlt hat. Man bezeichnet den Unternehmer daher als Kapitalisten, als Eigentümer von Kapital, mit dessen Hilfe er sich das Produkt der Arbeit seiner Beschäftigten aneignet.

Quelle:
V.Achenbach / P.Kratzer, Grundwissen für junge Sozialisten, Herausgegeben vom Bundesvorstand der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ), Weltkreis-Verlag Dortmund, 1980, S.11-18.

P.S. Natürlich ist die Arbeiterklasse heute nicht mehr so organisiert, wie vielleicht vor 50-70 Jahren, natürlich gibt es heute keine Arbeiterpartei mehr, die dieses Namens würdig wäre, und natürlich ist das Proletariat gespalten von Arbeiteraristokratie bis Lumpenproletariat *. Der oftmals verwendete Begriff „Prekariat“ sagte nicht über die Klassenzugehörigkeit aus – er ist einfach eine Bezeichnung für die verarmten Bevölkerungsschichten. Doch nach wie vor bleibt das Proletariat die (zumindest potentiell) revolutionärste Klasse. Denn sie ist die am meisten ausgebeutete und mit der materiellen Produktion unmittelbar verbundene Klasse. Auch wenn die Proletarier durch ein raffiniertes Schichtsystem gezwungen sind, nach der Schicht einzeln oder nur in kleinen Gruppen ihren Betrieb zu verlassen, auch wenn sie sich heute nicht mehr versammeln, um sich über ihre Probleme auszutauschen. Sozialistisches Bewußtsein (so sagte Stalin) muß man erst in die Klasse hineintragen. Klassenbewußtsein und die Macht der Arbeiterklasse erweist sich erst in den Klassenkämpfen der Zeit…

Siehe dazu:
Wer gehört eigentlich zur Arbeiterklasse?
Kleines Politisches Wörterbuch: Was ist eine Klasse?
Bilder des Proletariats: Protestdemonstrationen zum ersten Mai 2012
Klassenbewußtsein: Woher kommt sozialistisches Bewußtsein?
Woher kommt der Reichtum?

* Eine sehr gute Begriffserklärung findet sich auch hier:
Deutschlandleaks: Was ist Lumpenproletariat?

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23 Antworten zu Gibt es heute noch eine Arbeiterklasse?

  1. Fazit, es ist eine Sklaven-Gesellschaft aus „Eigentümern“ und Besitzlosen, die das Einzige, was sie haben – ihre Arbeitskraft – unter „Wert“ zu einem schändlichen Preis verkaufen müssen. In den Niederdeutschen Sprachen heißt arbeiten unter anderem auch „huren“, weshalb in den Kapitalisten-Gesellschaften auch in jedem Ort ein Bordell steht. „Nichts kommt von Nichts.“

    Eine Sklaven-Gesellschaft bestehend aus Kapitalisten und der Arbeiterklasse, einer Klasse, die sich ihres Zustandes weitestgehend nicht Bewusst ist, während die Kapitalisten genau wissen, „wo der Hase im Pfeffer liegt

    Danke, Sascha für deine unermüdliche Aufklärungsarbeit.

  2. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Forum Politik rebloggt und kommentierte:
    Gibt es noch eine Arbeiterklasse?

  3. Werner Scheidtweiler schreibt:

    Vielen Dank für die Links und dass sie die Frage nach der Existenz der Arbeiterklasse in Ihrem neusten Artikel aufgegriffen haben.
    Da Marx als einer der Begründer der Soziologie gilt habe ich natürlich einiges zum Marxismus gelesen und auch Marx im Original hat mich einige Jahre beschäftigt. Trotzdem ist es für mich sehr erhellend, die basics des Marxismus nochmal aufzufrischen.
    Ich bin dennoch, nach wie vor der Ansicht, dass die Reichweite der Marxschen Theorie für die Erklärung der modernen Gesellschaft sehr begrenzt ist.

    Erlauben Sie mir hier, kurz einen Betrachtung des Marxismus aus einer Metaperspektive um meine Präferenz für modernere Gesellschaftsforschung folgendermaßen darzustellen: vielleicht versuchen Sie einmal, eine wirklich präzise und absolut trennscharfe Antwort auf die Frage zu finden, was genau „Gesellschaft“ überhaupt ist. Sie werden wahrscheinlich feststellen, dass Sie in allgemeinen Aufzählungen, halbherzigen Beschreibungen und unscharfen Definitionen hängen bleiben. Marx hat eine Antwort darauf geliefert indem er eine zentrale Differenz, nämlich die Differenz von Kapital/Proletariat, als Leitdifferenz seiner Theorie zu Grunde gelegt hat. Man könnte also etwas plakativ sagen, Marx hat alles, was Gesellschaft erklären soll auf der Basis dieser beiden Begriffe erklärt. Zwei Seiten einer Medaille und diese Medaille ist die komplette Gesellschaftstheorie von Marx.
    (Im Übrigen kann jede Theorie auf eine zentrale Leitdifferenz heruntergebrochen werden, Marx bildet dabei keine Ausnahme).
    Das Problem ist: Diese Leitdifferenz ist nicht allgemein genug, sie schließt letztendlich zu viele Aspekte aus.
    Modernere Gesellschaftsforschung bringt dagegen eine extrem trennscharfe Definition von Gesellschaft zustande. Man hat festgestellt, dass man sämtliche Fragestellungen und Phänomene der Gesellschaft erklären kann, wenn man Kommunikation als das zentrale Element von allem was als Gesellschaft ist betrachtet. Gesellschaft ist also nur und ausschließlich Kommunikation.
    Die Konsequenzen aus dieser Weichenstellung sind beträchtlich, würden aber den Rahmen hier mehr als sprengen.
    Sie kämen dem auf die Spur, wenn sie im Hinblick auf Gesellschaftsforschung den Stichworten Systemtheorie, Kybernetik und Differenzlogik folgen.

    Ich möchte hier nicht zu weit ausholen, aber ich kann ihnen versichern, dass sie hier andere Erklärungen für die von ihnen völlig zu Recht kritisierten Phänomene, wie beispielsweise die gnadenlose Ausbeutung und Überforderung des Menschen durch ein rücksichtsloses Wirtschaftssystem, finden würden.
    Desweiteren möchte ich betonen, dass die marxsche Theorie dadurch nicht für falsch erklärt werden soll. Ihre Reichweite ist nur eben begrenzt, weshalb es sich lohnt über den Tellerrand hinaus zu blicken.

  4. sascha313 schreibt:

    Ich verstehe schon Ihre Argumentation, Herr Scheidtweiler. Die Kybernetik war in den 70er Jahren in der DDR mal Bestandteil unseres Studiums, und die Informationstheorie ist ja auch erst mit der rasanten Entwicklung der Computertechnik so weit aufgerückt. Der marxistische Philosoph Georg Klaus schrieb damals: „Die materialistische Erkenntnistheorie ging in ihrer jahrtausendealten Geschichte niemals von irgendwelchen apriorischen Gegebenheiten des menschlichen Erkenntnisvermögens aus, sie stand vielmehr stets in einem engen Abhängigkeitsverhältnis zu den Natur- und Gesellschaftswissenschaften und ließ sich von ihnen leiten und befruchten. Mit der Entstehung des dialektischen Materialismus hielt – historisch erstmalig – die Kategorie der Praxis Einzug in die Erkenntnistheorie, und zwar als Ausgangspunkt, Ziel und Wahrheitskriterium der Erkenntnis.“ (Georg Klaus: Kybernetik und Erkenntnistheorie, Berlin, 1972, S.IX) – Und somit sind wir wieder bei MARX, besser gesagt, bei ENGELS, der da schrieb, der historische Materialismus ist diejenige „Auffassung des Weltgeschichtsverlaufs, die die schließliche Ursache und die entscheidende Bewegungskraft aller wichtigen geschichtlichen Ereignisse sieht in der ökonomischen Entwicklung der Gesellschaft, in den Veränderungen der Produktions- und Austauschweise, in der daraus entspringenden Spaltung der Gesellschaft in verschiedne Klassen und in den Kämpfen dieser Klassen unter sich.“ (F.Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, Einleitung, in: Marx/Engels, Ausg.Werke in sechs Bänden, Bd.V, S.416) Es ist eben immer wieder das materielle Sein, das das Denken usw. bestimmt, und nicht umgekehrt. Alles andere ist philosophischer Idealismus.

  5. Werner Scheidtweiler schreibt:

    Die Leitdifferenz der Marxschen Theorie ist also die Differenz von Kapital und Proletariat, darüber scheint ja Einigkeit zu herrschen.
    Für meine Begriffe handelt es sich dann um eine ökonomische Theorie, die den Anspruch hat, alle Lebensbereiche vollständig unter ökonomischen Gesichtspunkten beschreiben zu können.
    Kann es dann in der von Marx beschriebenen Welt, beispielsweise eine Wissenschaft geben, die einzig der Suche nach der Wahrheit verpflichtet ist und völlig unabhängig ist, von den ökonomischen Verhältnissen? Ist die Marxsche Theorie selbst dann noch reine Wissenschaft?
    ….
    Ihr Hinweis auf den Praxisbezug bzw. die materiellen Verhältnisse als Ausgangspunkt des Denkens, verstehe ich so, dass sie die direkte, praktische Reaktion auf Missstände, philosophisch-idealistischen Theorien und Überlegungen vorziehen. So gut, so verständlich. Aber wo landen wir, wenn wir das Marxsche Werk als reine Handlungsanweisung auffassen? Ich kann es ihnen sagen: 2000 Jahre Christentum mit einigen düsteren Kapiteln der Verfolgung, Verbrennung, Vertreibung der „Ungläubigen“ sind das beste Beispiel dafür. Der islamische Fundamentalismus bzw. Islamismus zeigt, dass das Prinzip auch heute noch funktioniert.
    Ich möchte es folgendermaßen auf den Punkt bringen: Der Marxismus ist entweder eine Wissenschaft, dann muß er sich seiner wissenschaftlichen Überprüfbarkeit auch im Sinne eines philosophischen Idealismus stellen, oder er ist eine Sache des Glaubens und damit der Religion nicht so fern wie er behauptet.

  6. sascha313 schreibt:

    Hmmm – das sind ein paar Dinge, die nicht so recht zusammenpassen…
    – der „Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit“ ist nicht die „Leitdifferenz der Marxschen Theorie“, sondern lediglich der Hauptwiderspruch des Kapitalismus. NB. Die Theorie des Marxismus-Leninismus umfaßt weit mehr als das, nämlich den dialektischen und historischen Materialismus (also die marxistische Philosophie), die politische Ökonomie und den wissenschaftlichen Kommunismus.
    – was ist denn eine „reine Wissenschaft“? Der Marxismus als materialistische Weltanschauung sieht die Welt so wie sie ist: nämlich in ihrer Komplexität, in ihren Gesetzmäßigkeiten, in ihrer Dialektik. Und die marxistische Philosophie geht eben davon aus, daß das Sein das Bewußtsein bestimmt, und daß die Welt erkennbar ist. Das heißt im Denken widerspiegelt sich die materielle Welt. Und ob die Theorie, die wir darüber anstellen, auch stimmt, dazu benötigen wir ein Kriterium. Dieses Kriterium ist die Praxis. Also, wenn wir wissen wollen, ob die Theorie richtig (d.h. wahr) ist, brauchen wir sie nur in der Praxis zu überprüfen. Die Materie ist dabei immer das Primäre, das Bestimmende. Ohne Materie, d.h. ohne diese objektiv und unabhängig von unserem Bewußtsein vorhandene Realität ist kein Denken möglich. Soweit Marx oder auch Lenin usw.
    – Ja, und was ist eine Anleitung zum Handeln? Es sind doch die erkannten Gesetzmäßigkeiten, die uns das Handeln ermöglichen, oder nicht?
    – Idealismus (wie bei Berkeley, Hume oder Kant) und Materialismus (wie bereits bei Demokrit, Helvétius oder Feuerbach) sind zwei grundverschiedne Weltanschauungen. Während bei jedem (philosophischen) Idealismus das Denken das Sein bestimmt, ist es beim Materialismus genau umgekehrt.

    So ist der Marxismus-Leninismus (deshalb weil Lenin diese wissenschaftliche Weltanschauung von Marx und Engels weiterentwickelt hat) als dialektischer und historischer Materialismus eben die theoretische Grundlage für die praktische Tätigkeit der Kommunisten und der revolutionären Arbeiterklasse. Und das um so besser, je genauer die Wirklichkeit erkannt ist. Die Überprüfbarkeit geschieht also in der Praxis und nicht in der Theorie oder in der Idee. Und damit sind wir von der Religion weg!

    • Werner Scheidtweiler schreibt:

      Ich muß Ihren Mitstreiter rheinländer leider enttäuschen, der Ansatz, dem ich hier folge hat mit dem, vornehmlich gesellschaftskritischen, von Friedensbewegung und Umweltschutzhysterie geprägten soziologischen Unsinn ungefähr soviel zu tun, wie Keppler und Newton mit der Quantenmechanik.
      Ich spreche hier von der Systemtheorie Niklas Luhmanns, die insbesondere nach der autopoietischen Wende 1989 einen Quantensprung in der Theorieentwicklung der Sozialwissenschaften bewirkt hat.
      Unsere Standpunkte hier könnten kaum gegensätzlicher sein, dennoch ist das einzige, was uns hier vereint zugleich das Wichtigste: Die Suche nach einer Gesellschaftsordnung, die der Wirtschaft und dem Geld nicht mehr die alles bestimmende Position einräumt und die den Menschen ein Leben ermöglicht, in dem der Kampf ums wirtschaftliche Überleben keine Rolle mehr spielt.
      ….
      Sie gehen hier offenbar von Kräften aus, die bedacht und absichtlich die Geschicke der Massen in Richtung Ausbeutung lenken. Ich hingegen bin überzeugt davon, und habe dieser Frage einen Großteil meines Studiums gewidmet, dass es unmöglich ist, über Jahrzehnte und Jahrhunderte, den Verlauf und die Entwicklung von Gesellschaften, die aus Millionen von Individuen bestehen, gezielt in eine bestimmte Richtung zu lenken. Diese Art von politischer Steuerung ist absolut unmöglich. Und dies ist nicht das Ergebnis von mehr oder weniger überzeugenden Argumenten, einleuchntenden, weil geschickt formulierten Behauptungen sondern es ist das Ergebnis von mathematisch-logischen Herleitungen, die auf zu hohem Abstraktionsniveau ablaufen, als dass sie von propagandistischer Realitätsverzerrung geprägt sein könnte.
      Die gesellschaftlichen Verhältnisse, gegen die Sie hier ankämpfen wollen sind Produkte von, sich verselbständigen Kommunikationssystemen. Wir haben die Kontrolle über das Kommunikationssystem Wirtschaft verloren und finden uns in einer Welt, in der wir uns den Bedingungen des wirtschaftlichen Überlebens ausgeliefert fühlen. Aber da ist niemand, der im Verborgenen die Strippen zieht, glauben Sie mir. Es mag sogar Menschen geben, die sich einbilden, sie wären diese Strippenzieher, aber dahinter steckt mehr Größenwahn als Realität.
      ….
      Wie wollen Sie, wie will der Marxismus, das anstellen: „Der Marxismus als materialistische Weltanschauung sieht die Welt so wie sie ist“? Aus dem Fenster schauen?
      Es dürfte mittlerweile bekannt sein, dass jede Geschichtsschreibung, jede Religion, jedes Milieu, jede Zeitepoche und jeder Einzelne von uns ihre bzw. seine eigene Welt konstruiert. Die objektive Weltsicht gibt es nicht. Polykontexturalität ist der Schlüssel zum Verständnis der Welt.
      Der Materialismus geht noch von einem mechanistischen Weltbild aus, wo wir längst die Relativität der Dinge erkannt haben.

      • sascha313 schreibt:

        Wie schön, daß wir jetzt wissen, daß die „Polykontexturalität“ der „Schlüssel zum Verständnis der Welt“ ist! Und nun wollen Sie uns vielleicht erklären, daß wir alle noch im Dunklen tappen? Ach, wissen Sie, da sind Sie an der falschen Adresse. Sie können hier gerne noch ein bißchen lesen, aber darüber werden wir hier nicht diskutieren. Apropos: Mitstreiter … wessen Mitstreiter sind Sie? Auf welcher Seite stehen Sie? Auf der Seite der Bourgeoisie oder auf der Seite der ausgebeuteten Klassen?

  7. rheinlaender schreibt:

    Bingo ! Herr Scheidtweiler ist auf die künstlich geschaffenen Begriffe der kapitalistischen Propagandaorgane reingefallen. Die Lügen von der Informations-, Wissens- , Dienstleistungsgesellschaft wurden in den 80gern erfunden, um von der Massenarbeitslosigkeit abzulenken. Zwischen 1980 und 1984 hatten sich die Arbeitslosen weit mehr als verdoppelt und es herrschte nackte Existenzangst. Es wurden massenhaft arbeitslose Facharbeiter zu noch arbeitsloseren Informatikern und Bürokräften umgeschult. Fabrikarbeiter wurden auf einmal Dienstleister, weil sie für einen Hungerlohn bei einer Leiharbeitsfirma unterkamen. Zusätzlich wurden die Menschen mit Märchen von Jobsharing- und Arbeitszeitkonten Modelle betrogen. Diese Märchen erzählten, dass es neue hochbezahlte Arbeitsplätze geben wird, wo man nur noch 25 Stunden Wochenstunden arbeitet und dann genug Zeit für Familie, Reisen und Weiterbildung hat. An diesen Propagandamythen haben viele Soziologen als Auftragsschreiber mitgewirkt. Heute arbeiten viele 50 Stunden in Billigstjobs und andere haben viel Zeit zum Sammeln von Pfandflaschen oder Sperrmüll. Komisch, dass Marx schon vor 150 Jahren gezeigt hatte, dass die Arbeitslosigkeit der einen, die Mehrarbeit der anderen bedeutet. Vielleicht sollten Soziologen die Kapitalbände mal studieren und nicht immer nur die unausgegorenen Äusserungen des jungen Marx.
    PS: Ich denke, die Soziologie kann auch im Sozialismus eine sehr wichtige Theorie sein. Zb. um die Voraussetzungen für das Aufkommen von Revisionismus zu erkennen.

  8. rheinlaender schreibt:

    Kurzer Nachtrag zu den Mythen über die angeblich gigantische Finanzindustrie und andere Börsen und Wettgeschäfte. Wenn eine grosse Gruppe Superreicher der anderen Gruppe zB. über die Börse irgenbdwelche Wettobjekte im Wert von 100 Mrd Euro für 300 Mrd Euro verkauft, entsteht ein Gewinn von ca. 200 Mrd für die erste Gruppe.
    a) die zweite Gruppe macht einen Verlust von 200 Mrd. Es ist also gar NICHTS passiert; erst recht KEIN Mehrwert bzw. volkswirtschaftlicher Nutzen entstanden.
    b) die zweite Gruppe verkauft an eine dritte Gruppe die Objekte für 500 Mrd weiter. Wie bei a) ist der Gewinn der einen der Verlust der anderen Gruppe.
    c) die dritte Gruppe ist nicht unbedingt doof, sondern vertraut darauf, dass eine vierte Gruppe vielleicht 700 Mrd. auf den Tisch legt.
    d) wenn die letzte Gruppe dann aus irgendwelchen Gründen (zB weil andere Objekte mehr Wettgewinn versprechen) verkaufen muss und nur die ursprünglichen 100 Mrd bekommt realisiert sich der Verlust endgültig.
    Eigentlich würde niemand von solchen Luftgeschäften Notiz nehmen. Aber die Medien stellen gern den Erfolg der gewinnenden Gruppen und den vielen zwischengeschalteten Händlern / Provisionsempfänger dar. Nach dem Motto : Im Kapitalismus kann jeder mit ein paar Mausklicks reich werden. Deshalb flackern ja die Börsennachrichten bei vielen Nato Hetzsendern permanent über den Bildschirm. Und pseudolinke Spinner bauen sich Theoriegebäude über die GIER und eine weltweite Bankenverschwörung auf. Gejammert wird nur, wenn die Verlustgruppe, ihre überbewerteten Objekte mit Krediten finanziert hat. Und diese dann nicht mehr zurückzahlen kann.

    • sascha313 schreibt:

      Ja, rheinlaender, es sind ja nicht nur pseudolinke Spinner, die einem derartig unsinnige Diskussionen über die Informations-, Wissens- , Dienstleistungsgesellschaft aufdrängen wollen, sondern vor allem die Lakaien der herrschenden Klasse, die es nicht lassen können, ihrer krude Weltsicht überall zu verbreiten… Es lenkt ja so schön vom Thema ab und verhindert die Erkenntnis!

  9. Werner Scheidtweiler schreibt:

    Nein, ich behaupte nicht „die Welt“ erkannt zu haben (Sie vielleicht?) denn ich habe ja versucht zu erklären, dass es „die Welt“ eben nicht gibt. Man kann nur zu Kenntnis nehmen, dass man es bei allen Phantomen, denen sie hinterher jagen, mit Beobachtungskorrelaten zu tun hat, die sich daraus ergeben, welchen Standpunkt Sie in Ihrer Beobachtung eingenommen haben. In Ihrem Fall haben Sie sich dazu entschieden, alles, was Sie beobachten auf den Unterschied zwischen Bourgeoisie und der ausgebeuteten Klasse zu beziehen. Das ist nicht „falsch“ und ich würde nie behaupten, dass meine Sicht der Dinge die „richtige“ ist. Ich tappe ebenso im Dunkeln wie Sie, aber die Taschenlampe, die ihnen zur Verfügung steht, kann nur Dinge im Licht des Marxismus erhellen, also im Prinzip nur Dinge, die sich auf das Kapital oder auf die Arbeiterklasse beziehen. Meine Lampe ist hingegen geeignet, alles was im Lichte der Unterscheidung System/Umwelt erscheint zu erhellen. Auch nur eine Unterscheidung, genau wie Ihre, aber universeller und damit weitreichender.
    Ich stehe auf keiner Seite. Ich bin nur ein Beobachter im Krähennest.

  10. rheinlaender schreibt:

    Ich finde das für diesen Blog nicht schlecht, wenn Herr Scheidtweiler etwas beitragen könnte und öfter hier schreibt. Vermisse ganz ehrlich die Meinung von Herrn Vorfinder.
    Aber die Erkennungsfrage : Wie hält er Scheidtweiler und Millionen seines gleichen es mit dem Privateigentum an Produktionsmitteln ?
    Mal vom Handwerker, Arzt, Buchhalter, Kneipenbesitzer oder Wahrsager mit eigener Glaskugel und Räucherstäbchen abgesehen.
    Hab grad mal das „Abschied vom Proletariat“ Buch (1980, also Entstehung paar Jahre vorher) rausgekramt. Ein sympatischer Flachgeist namens Andre Gorz hatte da schon Marx für tot erklärt. Dieser verzweifelte Kleinbürger gehörte den pessimistischen Existentialisten an und brachte sich 2007 dann selber um. Er hat im Grunde davon geschrieben / geschwärmt wie schön die Selbstbestimmungs-, Dienstleistungs-, Informations- und Wissensgesellschaft sein könnte. Alles natürlich mit Ökosiegel und an der Börse gehandelten Nachhaltigkeitspapieren. Diese Spinner haben sich in den Kriegstreiberstaaten seit Mitte der 70er wie Hefebakterien in einem Pizzateig vermehrt. Ausgerechnet zu einer Zeit starker Gewerkschaften / Klassenbewusstsein weltweit auf der einen Seite und tiefster kapitalistischer Krise http://library.fes.de/library/flassbeck/flassb~2.gif , die zu Unrecht Ölpreisschocks genannt wird, auf der anderen Seite. Da sind solche Verräter (meist ohne böse Absicht) natürlich herzlich bei Talkshows und dem Rest der Nato Medien Bertelsmann, Springer, Burda, Bauer …willkommen.
    Allerdings bin ich auch sauer auf Marx-, Lenin-, Stalin-, Hoxa Fans und mittlerweile auf mich selber (ja ich hab von dem sascha313blog mehr gelernt als von 10 BRD KP/ML Sekten und damit auch etwas Verantwortung), dass wir immer noch nicht in einfachen Worten erklären können und in Arroganz flüchten. Der überhebliche deutsche Marxist verachtet natürlich auch Fidel Castro oder das nordkoreanische System als Revisionist / Reformist. Super intelligente Marxisten sind auch oft gegen Verstaatlichung. Na ja, die haben noch nicht mal das Manifest gelesen. Also Herr Scheidtweiler : Was halten sie vom Eigentum an Produktionsmitteln ? Oder träumen Sie noch vom paradiesischen Kapital- / Imperialismus ? Übrigens sind Marx Anhänger die letzten, die glaubern, dass irgendwelche individuen die Strippen ziehen. Das sind eher pseudointellektuelle Faschisten mit ihrem Judenwahn.

  11. rheinlaender schreibt:

    Grafik zeigt die Explosion der Arbeitslosenzahlen an.

  12. sascha313 schreibt:

    Wir werden darauf an anderer Stelle noch einmal zurückkommen. Die Theorie des Herrn Luhmann ist auch „nur“ eine bürgerliche Theorie, die (ohne hier jetzt näher darauf eingehen zu wollen) der entscheidenden Frage aller menschlichen Gesellschaft aus dem Wege geht: Welcherart sind die Produktionsverhältnisse? Und in wessen Händen befinden sich die Produktionsmittel? Was natürlich nicht ausschließt, daß man sich dennoch dazu versteigen kann, die Luhmannsche Theorie für eine metatheoretische, intergalaktische Super-Weltsicht zu halten. Das haben Berkeley, Kant, Hegel, Mach und Bogadanow ihrerseits ja nun auch schon gedacht. Und sie waren keineswegs irgendwelche weltfremden Spinner.

    Dann spielt natürlich die Frage, ob es eine Arbeiterklasse gibt oder nicht, und ob die Welt erkennbar ist keine allzu große Rolle. Damit kann man sich dann fein in seinen Elfenbeinturm (oder von mir aus auch ins Krähennest) zurückzuziehen und abwarten was irgendwann geschieht auf dieser Welt. Und dann sind die Menschen keine Akteure mehr, sondern allenfalls noch Puppen in diesem Spiel, dessen Regeln keiner kennt. …

    Also versprochen, Herr Scheidtweiler, wir kommen darauf zurück!

  13. Pingback: Wer gehört eigentlich zur Arbeiterklasse? | Sascha's Welt

  14. Pingback: Der Weg der roten Fahne | Sascha's Welt

  15. Pingback: Was versteht man unter einer Revolution? | Sascha's Welt

  16. Karl schreibt:

    Das anrüchige Wort „Kapitalist“ wird in Arbeitsgeber verwandelt,die Kapitalistenverbände werden in Arbeitgeberverbände umfrisiert,denn so schrieb Anfang 1952 die amerikanische Zeitschrift „This Week Magazin“; “ Die Ersetzung eines einzigen Wortes kann den Gang der Geschichte ändern…..“ Diese Wort heißt ,Kapitalismus,. Es hat einen negativen Klang,weil es an frühre Fehler und Mißstände erinnert.“Feee Diese Begriffe Arbeitsgeber und Arbeitsnehmer soll auch den wahren Klassencharakter verschleiern. Es wird ja auch der Begriff Faschismus in „Nationalsozialismus“ umgedeutet um den Charakter des Faschismus zu verschleiern.

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