
Das Manifest der Kommunistischen Partei schließt mit dem Aufruf: „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ Schon Karl Marx und Friedrich Engels wußten, daß die Einigkeit der Arbeiterklasse eine entscheidende Voraussetzung ist, um die Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnisse der kapitalistischen Gesellschaft zu überwinden. Wie ist das nun heute? Kann man von einer Einigkeit der Arbeiter aller Länder sprechen? Gibt es denn heute noch eine Arbeiterklasse? Und wenn ja, ist diese Arbeiterklasse überhaupt noch revolutionär? Wenn man sich die heutige Situation in Europa ansieht, so hat man eher noch den Eindruck, als habe die herrschende Klasse die Lage voll im Griff. Das Leben verläuft nach dem Grundsatz Ludwigs XI. (1461-83), der da sagte: „Diviser pour régner“ (Teile und herrsche) [1]. Im übrigen scheint es ja auch nicht allzu schwer zu sein, das gemeine Volk – wie dereinst im alten Rom – mit Brot und Spielen bei guter Laune zu halten. Doch man darf sich vom Augenschein nicht täuschen lassen. Der Klassengegensatz existiert, und ebenso die Klassen. Und so gerät der scheinbar objektiv urteilende Betrachter, der nur die Äußerlichkeiten wahrnimmt, leicht in die Rolle eines Apologeten der morschen kapitalistischen Gesellschaft. Hubert Laitko schreibt:
Mit der Arbeiterklasse bildet sich bereits im Kapitalismus eine soziale Kraft, die Träger einer neuen Qualität der Gesetzeserkenntnis und des darauf gegründeten rationalen Handelns ist. Ihre grundlegenden Interessen sind auf den Sturz der kapitalistischen Macht und die Herstellung sozialistischer Produktionsverhältnisse gerichtet und befinden sich in voller Übereinstimmung mit den Erfordernissen der historischen Entwicklung. Die Parteilichkeit der Arbeiterklasse begründet eine neue Stufe der wissenschaftlichen Objektivität, die eine uneingeschränkte Erkenntnis gesellschaftlicher Gesetze ermöglicht und erfordert, weil die Praxis des Kampfes der Arbeiterklasse dieses Wissens bedarf.
Lenin charakterisiert den Gegensatz des Marxismus zum bürgerlichen Objektivismus mit folgenden Worten: „Wenn der Objektivist die Notwendigkeit einer gegebenen Reihe von Tatsachen nachweist, so läuft er stets Gefahr, auf den Standpunkt eines Apologeten dieser Tatsachen zu geraten; der Materialist enthüllt die Klassengegensätze und legt damit seinen Standpunkt fest … Auf diese Weise ist der Materialist einerseits folgerichtiger als der Objektivist und führt seinen Objektivismus gründlicher, vollständiger durch. Er begnügt sich nicht mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit des Prozesses, sondern klärt, welche sozialökonomische Formation diesem Prozeß seinen Inhalt gibt, welche Klasse diese Notwendigkeit festlegt … Anderseits schließt der Materialismus sozusagen Parteilichkeit in sich ein, da er dazu verpflichtet ist, bei jeder Bewertung eines Ereignisses direkt und offen den Standpunkt einer bestimmten Gesellschaftsgruppe einzunehmen.“ [1]
In dem Maße, wie sich die Arbeiterklasse unter Führung ihrer marxistisch-Leninistischen Partei zum Subjekt des politischen Kampfes entwickelt, durchbricht sie im Klassenkampf (nicht im Arbeitsprozeß, solange die kapitalistischen Verhältnisse andauern) bereits die Fesseln der Spontaneität und bildet Formen der Bewußtheit des gesellschaftlichen Handelns heraus, und zwar gerade deshalb, weil sie in ihrer Ideologie die kapitalistischen Verhältnisse bereits geistig überwunden hat und im Klassenkampf darum ringt, sie auch materiell zu überwinden.
Mit der Eroberung der politischen Macht errichtet die Arbeiterklasse Produktionsverhältnisse, die grundsätzlich bewußt gestaltet werden müssen. Die gesellschaftlichen Verhältnisse bedingen nun nicht mehr die Aufspaltung des Effekts sozialer Handlungen in ein rational angestrebtes Ergebnis und eine entgegengesetzte Folge. Uneingeschränkte Rationalität des Handelns ist nicht anders als in der Form sozialistischer Bewußtheit möglich und kann nur vom Standpunkt der Arbeiterklasse aus erfolgen.
Quelle:
Hubert Laitko: Einleitende Bemerkungen, in: Gesetz, Erkenntnis, Handeln – Beiträge zum marxistisch-leninistischen Gesetzesbegriff, Dietz Verlag Berlin, 1972, S.20f.
Zitate:
[1] lateinisch: Divide et impera
[2] W.I. Lenin: Der ökonomische Inhalt der Volkstümlerrichtung und die Kritik an ihr im Buch des Herrn Struve. In: Werke Bd.1, S.414.
Anmerkung: Da der letzte Absatz möglicherweise schwer verständlich ist, hier noch eine kleine Erklärung. Hubert Laitko schreibt zuvor folgendes: „Wenn man in der bürgerlichen Gesellschaft eine bestimmte Tätigkeit für sich, außerhalb des gesellschaftlichen Zusammenhangs bеtrachtet (sozusagen von ihrer technologischen Seite), dann kann sie vollkommen rational erscheinen; das gilt besonders für alle jene Tätigkeiten in der materiellen Produktion, in denen naturwissenschaftliche und technische Gesetzeserkenntnisse zur Anwendung kommen. Sowie aber der gesellschaftliche Zusammenhang in Betracht gezogen wird, zeigt sich, daß die Rationalität – die Fähigkeit, ein Ziel auf der Basis erkannter objektiver Gesetze zu erreichen – überall eingeschränkt ist, denn jegliches Handeln im Interesse der Bourgeoisie ist, seit der Kapitalismus keine progressive Gesellschaftsordnung mehr ist, seinem grundlegenden Klassenziel nach ein Handeln wider den historischen Fortschritt.“ (H.Laitko, ebd. S.19) – und im übrigen: Der Marxismus ist kein Dogma, sondern eine Anleitung zum Handeln! (Lenin)
„Die Überwindung des Kapitalismus unter Beibehaltung des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs“ wurde ursprünglich für Marxisten (Staatskapitalisten) geschrieben, was den für denkende Menschen unlogischen Titel erklärt. Ein selbständig denkender Mensch weiß, dass nur die Entfesselung des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs den Kapitalismus überwindet, während ein marxistischer Sozialist das Denken lieber dem Politbüro überlässt. Für alle, die weniger an Staatskapitalismus und mehr an sozialer Gerechtigkeit interessiert sind, sollte es jedoch nie zu spät sein, mit dem selbständigen Denken anzufangen:
Überwindung des Kapitalismus
Wer wie Sie, Herr Wehmeier, die Leser mit längst vergangenem, verstaubten Schrott wie Adam Smith, Keynes, Silvio Gesell, Proudhon, Le Bon, Karl Walker und eigenen Marx-Interpretationen zutextet, der braucht sich nicht zu wundern, wenn er irgendwann bei esoterischen „Lösungen“ landet. Und beim guten, alten Kapitalismus bleibt. Da fragt sich doch selbst der gebildete Leser: Was will der Mann mit dem Wirrwarr seiner Gedanken überhaupt? Ein derartiges pseudo-intellektuelles Chaos hinterließ uns auch schon der selige Karl Held mit seinen geistigen Ergüssen. Und was hat sich seither durch ihn an der Welt geändert? Nichts… (So könnten wir hier noch endlos diskutieren!)
„…mit längst vergangenem, verstaubten Schrott“…
Irrtümer des Marxismus
…braucht sich in der Tat niemand mehr zu befassen. Es blieb allein die Frage zu klären, warum der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation erst heute verwirklicht werden kann, obwohl das in rein technischer Hinsicht schon seit Silvio Gesell möglich gewesen wäre:
Der Jüngste Tag
Oh, weh,
oh, weh,
oh, wehe der meier, stefan und sein Salm – er, der einzige der Denken kann.
Ihre Markt Entfesselung mit den dazugehörigen esoterischen – und super teuren – Räucherstäbchen haben wir ja seit über 30 Jahren. Genau die Zeit, in der die Kapitalistenklasse mit ihren privilegierten Lakaien immer FETTER und der Bevölkerungsrest zu Pfandflaschensammlern wurde.Hat sich Ihre Entfesselung durch Alkohol, Esoblödik, Drogen oder billigen Lösungsmitteln ereignet ?
Wenn Sie ehrliche Fragen haben, hilft Ihnen dieser Blog. Auch ich habe durch Studium der hiesigen Beiträge meine kleinbürgerlichen Schwärmereien zu überdenken gelernt.
„…hilft Ihnen dieser Blog.“
Warum sollte das Unterbewusstsein von Staatskapitalisten für mich interessant sein?
… ich hatte es mir bereits gedacht. Sie ist nicht revolutionär.
… und all überall „geduldig sein“, „still halten“, „warten“, „nicht in Aktivismus verfallen“
… wurde mir 40 Jahre gepredigt, und weil es die „Kirche“ sagt muss es wahr sein. Klar doch!
… nä, nicht mehr mit mir, von niemanden mehr. Punkt.
Sie ist revolutionär! Niemand anderes hat das Potential dazu. Doch es ist möglich, Georg, daß das zu kleine Dimensionen sind, wenn wir das hier feststellen. So wie es Dir geht, geht es Millionen (!) anderen auch. Man muß genauestens wissen, was daraus folgt. Einzelaktionen sind zwar spektakulär, aber sie bewirken oft das Gegenteil. 1917 – vor der Oktoberrevolution war die Situation ziemlich eindeutig, vielleicht auch einfacher, aber heute ist der Imperialismus mit allen Wassern gewaschen. Es ist ein zäher Prozeß – aber er wird erfolgreich sein!
„…..Arbeiterklasse unter Führung ihrer marxistisch-Leninistischen Partei zum Subjekt des politischen Kampfes entwickelt…..“
Wo oder wer ist diese Partei in Deutschland?
Gute Frage, tommmm, wenn wir diese führende Partei schon hätten, wären wir einen Schritt weiter. Es bringt jetzt auch nichts, zu sagen, wer diese Partei nicht ist. Es gibt viele parteilose Kommunisten, aber leider auch viele, die vom rechten Weg abgekommen sind. Man muß sich heute mit denen verbünden, die sich zum Kommunismus, d.h. zu Marx, Engels, Lenin und Stalin bekennen, die die DDR als sozialistischen Staat anerkennen, die bereit sind, sich auch weiterhin mit dem Marxismus-Leninismus zu beschäftigen und zu lernen, und die die Verbindung zur Arbeiterklasse suchen…
Hat dies auf Forum Politik rebloggt und kommentierte:
Arbeiterklasse
Tja – die „sociale Frage“ ist … wie der unvergeßliche Georg Büchmann bereits 1898 (und dies in tiefster Ehrfurcht vor seiner Majestät Wilhelm II.) bekennt, wie von Treitschke in einer Vorlesung „Über den Sozialismus“ am 5. März 1879 lehrte, eine von Napoléon I. erfundene und später auch von Napoléon III. angewendete Phrase, die zum Klappern der demokratischen Tyrannei gehörte. (Quelle: Georg Büchmann:Geflügelte Worte, Berlin, 1898, S.491) – Da haben wir’s.
Und was Herr Wehmeier hier so großspurig als die „Irrtümer des Marxismus“ erkannt haben will, führt uns letztenendes doch wieder zum intensiven Studium der Bibel. Da werden wir nun wohl noch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten müssen, wenn wir dereinst mit Engelsflügeln im hohen Himmel residieren, bis uns das „Jüngste Gericht“ Aufschluß darüber geben mag, daß KARL MARX hienieden doch Recht gehabt haben dürfte…
(Ach, und der arme Freud kann ja nun wirklich nichts dafür, wenn in einigen bürgerlichen Köpfen eine derartige Verwirrung herrscht.)
„führt uns letztenendes doch wieder zum intensiven Studium der Bibel. Da werden wir nun wohl doch noch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten müssen, wenn wir dereinst mit Engelsflügeln im hohen Himmel residieren, bis uns das “Jüngste Gericht” Aufschluß darüber geben mag, daß Marx hienieden Recht gehabt haben dürfte.“ LOL
Mann darf den Pfaffen und ihren Opfern natürlich nicht mit deren eigener Demagogie kommen.
Und das intensive Studium der Bibel habe ich ja bereits absolviert. 😉 und weiß, wie das was und sogar warum so sprachlich übersetzt wurde, wie wir das heute so vorliegen haben.
Da braucht also keiner bis zum “Jüngste Gericht” warten. Aufschluß darüber, dass Marx Recht hatte, gibt die Bibel zuhauf. Im heutigen wissenschaftlichen Verständnis können ihre Aussagen zur Wirtschaft nämlich durchaus als wissenschaftlich bezeichnet werden. 😉