Wissen – Kenntnisse – Meinungen – Meinungsfreiheit … und wo steckt da die Wahrheit?

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Sind wir heute durch die Informationsflut überfordert?

In der BRD herrscht Meinungsfreiheit… tatsächlich? Was ist eigentlich Meinungsfreiheit? Woher kommt eine Meinung? Es werden oft Meinungen geäußert im tiefsten Brustton der Überzeugung. Es finden Diskussionen statt, wo jeder seine Meinung sagen kann. Und es gibt Menschen, die streiten oft bis aufs Messer, um schließlich recht zu behalten. Aber wer hat nun recht? Wer am lautesten schreit, oder derjenige, der die besten Argumente anbringt? Und was stimmt denn nun wirklich? Die Meinung, eine Überzeugung – oder nicht vielmehr: das Wissen, die Sachkenntnis? Fragen wir also weiter: Stimmt die vermeintliche Sachkenntnis mit der Wirklichkeit überein? Ist sie eine adäquate Widerspiegelung der objektiven Realität? Ist sie richtig, ist sie wahr? Und was ist Wahrheit? Sind wir überhaupt in der Lage, die Wahrheit herauszufinden? Alle diese Fragen wollen wir hier noch einmal aufgreifen. Damit nähern wir uns zugleich auch der Grundfrage aller Philosophie, nämlich: Ist die Welt erkennbar? Doch beginnen wir zunächst bei der Meinung:

Was ist eine Meinung? Was ist die öffentliche Meinung?

Die öffentliche Meinung ist eine spezifische Seite des gesellschaftlichen Bewußtseins, die zum Unterschied von der individuellen Meinung kollektives Urteilen der Menschen zum Ausdruck bringt. Charakteristisch ist für die öffentliche Meinung, daß sie sich zu Fragen herausbildet, die das Interesse der Öffentlichkeit, der Allgemeinheit berühren. In der öffentlichen Meinung kommt ein bestimmtes gesellschaftliches Verhältnis von Klassen und Gruppen zur gesellschaftlichen Umwelt zum Ausdruck. Sie widerspiegelt das Allgemeine, das Wesentliche jener Klassen- und Gruppeninteressen, die die öffentliche Meinung formen.

Woher kommt, und wer bestimmt die öffentliche Meinung?

Die öffentliche Meinung ist in unserer Epoche Klassenmeinung. Sie wird im wesentlichen durch das Klasseninteresse der jeweils herrschenden Klasse geprägt. Ausgangspunkt der öffentlichen Meinung ist die individuelle Meinung. In ihr widerspiegelt sich die objektive Realität durch eigene Anschauungen sowie durch übernommene Informationen. Die Meinungsäußerung, eine Form des Urteilens, erfolgt meist als Zustimmung Ablehnung, Wunsch oder Forderung.

Entspricht die Meinung immer der Wirklichkeit?

Wenn auch die Herausbildung einer Meinung im wesentlichen durch die Wirklichkeit determiniert wird, hängt die Frage, wie sich die Wirklichkeit in der Meinung widerspiegelt, von einer Reihe von Faktoren ab, die den Inhalt der Meinung in die Richtung der Annäherung oder des Sich-Entfernens von der Wirklichkeit beeinflussen. Als bedeutendste Faktoren sind dabei die Klassenzugehörigkeit, die weltanschauliche Position, das Erkenntnisniveau, Erfahrungen, emotionale Ansprechbarkeit des Individuums sowie der Informationsumfang zu nennen.

Wer seine Meinung äußert, der urteilt über Probleme…

Nicht jede Äußerung ist als als Meinung zu werten. Gemeint sind damit solche Aussagen, die keinerlei Deutung zulassen, wie z.B. zwei und zwei und ist gleich vier. Die Äußerung einer solchen Tatsache ist nicht als Meinung zu werten. Eine Meinung ist stets mit einer Wertung von Ereignissen verbunden. Meinen ist ein Urteilen über Probleme, zu denen es verschiedene Auffassungen geben kann. Die Äußerung einer Meinung ist der Ausdruck einer subjektiven Erkenntnisgewißheit, d.h., der Vertreter einer Meinung ist von seiner geäußerten Ansicht überzeugt. Inwieweit die geäußerten Meinungen aber wahr sind, hängt davon ab, ob die Aussagen, die in den Meinungen zum Ausdruck kommen, mit dem Sachverhalt, den sie widerspiegeln, übereinstimmen.

Meinungen entstehen, und sie ändern sich…

Ausgangspunkt der Meinungsbildung ist das Bedürfnis, durch das das Interesse geweckt wird. Das Interesse erregt die Aufmerksamkeit, um Informationen aufzunehmen, die als Grundlage der Meinungsbildung dienen. Eine Meinung bildet sich dann, wenn die Gegenstände, Probleme, Ereignisse, über die man sich eine Meinung bilden kann, über eigene Anschauung oder über vermittelte Information ins Bewußtsein gerückt sind. Da der Mensch ständig neue Informationen aufnimmt, ist er unablässig einem mehr oder weniger intensiv ablaufenden Prozeß der Meinungsbildung unterworfen. Die sich neu herausbildenden Meinungen werden dabei von den bereits vorhandenen Meinungen beeinflußt und modifiziert. Aus Gründen der psychischen Kräfteökonomie ist der Mensch jedoch nicht in der Lage, alle auf ihn einwirkenden Informationen zu verarbeiten.

Meinungen werden zunehmend „von außen“ bestimmt

Somit steht der Mensch ständig unter dem Zwang, aus dem Informationsangebot eine Auswahl zu treffen. Was er jedoch auswählt, hängt im wesentlichen von der Prädisposition des einzelnen, seinen Bedürfnissen und dem sich daraus ergebenden Intensitätsgrad des Interesses ab. Der ständig stärker werdende Informationsfluß, besonders gefördert durch die technischen Systeme der Massenommunikation, schafft die Voraussetzungen dafür, daß sich die Grundlagen der Meinungsbildung von der eigenen Anschauung immer stärker zur übermittelten Information lagern. Diese Informationen aus zweiter Hand (über die Massenmedien, von anderen Menschen) bestimmen damit im wesentlichen die inhaltliche Richtung, in der sich der Prozeß der Meinungsbildung bewegt. Diese Tatsache, besonders ausgeprägt in hochentwickelten Industrieländern, macht die übermittelte Information und die mit ihr betriebene Politik (Nachrichtenpolitik) zu einem entscheidenden Faktor bei der ideologischen Beeinflussung der Menschen.

Eine „öffentliche Meinung“ ganz so, wie die Bourgeoisie es braucht

Man kann die öffentliche Meinung nicht als die Summe der Meinung von einzelnen bezeichnen. Sie zeigt sich jedoch in der Einzelmeinung, soweit sich der einzelne mit seiner Meinung in Übereinstimmung mit den Interessen seiner Klasse oder Gruppe befindet. Entsprechend der gegebenen sozialökonomischen Struktur der Gesellschaft kommen in der öffentlichen Meinung die unterschiedlichsten und differenziertesten Klassen- und Gruppeninteressen zum Ausdruck. Die von bürgerlichen Kommunikationsforschern oft verbreitete Auffassung, die öffentliche Meinung sei der Extrakt aller im Volke vorhandenen Meinungen und repräsentiere die Durchschnittsmeinung aller, ist eine Fiktion, um von den unterschiedlichen Klassen- und Gruppeninteressen abzulenken.

Warum sind die Meinungen und Ansichten oft so verschieden?

Eine einheitliche öffentliche Meinung kann es nur dann geben, wenn eine Interessenübereinstimmung von Klassen und Gruppen vorhanden ist. Diese Interessenübereinstimmung ist unter den Bedingungen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung durch die objektiv vorhandenen Klassenwidersprüche in der Regel nicht gegeben. Da die ökonomisch herrschende Klasse auch über alle Mittel verfügt, ihre Ideen und Meinungen durchzusetzen, entspricht die unter den Bedingungen der kapitalistischen Klassengesellschaft vorherrschende öffentliche Meinung den Auffassungen der herrschenden Klasse und vertritt deren Ziele.

Was ist denn nun wirklich die „Meinung des Volkes“?

Da die herrschende Klasse aber nicht mehr in der Lage ist, ihre Politik, die gegen die objektiven Erfordernisse der Gesellschaft gerichtet ist, ohne Zustimmung breiter Teile der Werktätigen durchzuführen, wird mit Hilfe der von der Bourgeoisie gesteuerten öffentlichen Meinung eine Interessengleichheit aller Klassen und Schichten vorgetäuscht, um so die Werktätigen für die Interessen der herrschenden Klasse einspannen zu können. Die wirksamste Methode, um bei den Werktätigen die Illusion von der Interessengleichheit von Bourgeoisie und werktätigen Massen zu erreichen, besteht darin, die von den Massenmedien verbreiteten Ideen der herrschenden Klasse als die Meinung des Volkes, als öffentliche Meinung zu proklamieren.

Meinungen werden im Interesse der Bourgeoisie manipuliert

Damit soll erreicht werden, daß die Werktätigen die von der Bourgeoisie verbreitete „öffentliche Meinung“ als ihre Meinung betrachten und sich mit ihr identifizieren. Diese von der Bourgeoisie angewandte Methode der Steuerung und Manipulierung der Bewußtseinsentwicklung breitester Teile der Bevölkerung zeigt sich auch in der theoretischen Bestimmung des Begriffs „öffentliche Meinung“ durch die bürgerlichen Ideologen.

Was versteht die Bourgeoisie unter „öffentlicher Meinung“?

Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts verstand man unter öffentlicher Meinung die Ansichten und Ideen, die von den Ideologen und Repräsentanten der Bourgeoisie vertreten wurden. Die öffentliche  Meinung war „die Stimme über physische und geistige Bedürfnisse des Volkes, begründet im moralischen Urteil aller Besseren und Verständigen“ (Enzyklopädie der Staatswissenschaften. 1831) Diese These wird auch heute noch von bürgerlichen Ideologen vertreten. (…) Die Soziologie, „die sich bisher am intensivsten dem Problem der öffentlichen Meinung beschäftigte, hat einen brauchbaren und anerkannten Begriff nicht erarbeitet“ (Löffler). „Die öffentliche Meinung ist mich immer noch eine Qualle, ich nicht fassen kann“ (H. Kluthe). Dieses Unvermögen, den Begriff „öffentliche Meinung“ klar zu de­finieren, hindert die Ideologen der Bourgeoisie nicht daran, über­einstimmend zu erklären, die von den Massenmedien und anderen Informationsquellen verbreiteten bürgerlichen Ideen seien der wahre Ausdruck der Volksmeinung. (…)

Die öffentliche Meinung im Sozialismus

Mit der Übernahme der Macht durch die Arbeiterklasse und der mit ihr verbündeten Klassen und Schichten, mit der Schaffung einheitlicher sozialistischer Produktionsverhältnisse entwickeln sich objektive Bedingungen für die Herausbildung einer einheitlichen öffentlichen Meinung, in der sich die Interessen der Arbeiterklasse und der mit ihr verbündeten Werktätigen widerspiegeln. Je mehr es zu einer Übereinstimmung der politischen, materiellen und kulturellen Interessen der Werktätigen und ihrer Kollektive mit den gesellschaftlichen Erfordernissen kommt, um so mehr bildet sich eine einheitliche sozialistische öffentliche Meinung heraus. Im Sozialismus ist die öffentliche Meinung ein bedeutsamer Faktor, der dazu beiträgt, das sozialistische Bewußtsein als Regulator des Gesamtverhaltens des Menschen in der sozialistischen Gesellschaftsordnung planmäßig zu entwickeln.

Quelle:
Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Soziologie, Dietz Verlag Berlin, 1969, S.277-279.

Anmerkung: So geschieht es im Kapitalismus, daß immer mehr Verwirrung herrscht. Die Wirklichkeit erscheint den Menschen als eine fremde, unbeherrschbare Macht. Oder wie Karl Marx sagt: „Die Entäußrung des Arbeiters in seinem Produkt hat die Bedeutung, nicht nur, daß seine Arbeit zu einem Gegenstand, zu einer äußern Existenz wird, sondern daß sie außer ihm, unabhängig, fremd von ihm existiert und eine selbständige Macht ihm gegenüber wird, daß das Leben, was er dem Gegenstand verliehn hat, ihm feindlich und fremd gegenübertritt.“ (Quelle: Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte. In: Marx/Engels: Ausgewählte Werke in sechs Bänden, Bd.I, S.84.)

Nachtrag: Auch wenn diese Erklärung über die Meinungsbildung nunmehr bereits über 45 Jahre alt ist, aus einer Zeit, als es die Computertechnik, hochentwickelte Informationssysteme und das Internet noch nicht gab, sind diese Darlegungen doch noch sehr „heutig“. Natürlich entwickelt sich die Technologie ständig weiter. Ebenso die marxistisch-leninistische Philosophie, die Soziologie, die politische Ökonomie usw. Die wesentlichsten Grundlagen der menschlichen Erkenntnis werden jedoch erst dann zum Allgemeingut, wenn der Klassengegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoise überwunden ist, und wenn nicht mehr eine Minderheit von Superreichen* darüber bestimmt, was die Mehrheit der Menschen, die werktätige Bevölkerung zu glauben, zu denken, zu wissen und für richtig zu halten hat, d.h. wenn die öffentliche Meinung auch den Interessen der werktätigen Bevölkerung entspricht. (* Zum Beispiel hat der Multimilliardär Soros ganz Rußland mit Schulbüchern „versorgt“. Warum wohl? Ist das etwa keine Meinungsbeeinflussung?)

Siehe auch:
Über die Freiheit der Andersdenkenden
Mr.Kerry und das Recht auf Dummheit
Die Geheimnisse der Massenbeeinflussung
Der Kommunist, ein Forentroll und die Zensur…
Ist der Marxismus-Leninismus eine Wissenschaft?
Karl Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte. Die entfremdete Arbeit
In: K.Marx/F.Engels, Werke, Ergänzungsband, 1.Teil, S.465-588, Dietz Verlag, Berlin (DDR), 1968.)

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