Stalin: Über den innerparteilichen Streit der Kommunisten

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J.W. Stalin (1879-1953)

Es gibt nicht nur Einigkeit, sondern mitunter auch ganz heftige Differenzen innerhalb der kommunistischen Parteien, ja sogar zwischen einzelnen Kommunisten, beispielsweise in Bezug auf die Person Stalins, in Bezug auf die „Perestrojka“, in Bezug auf die DDR usw. Der Erkenntnisprozeß schreitet allmählich voran – und es ist eben so, wie auch das Sprichwort schon sagt: „Der Abend ist klüger als der Morgen.“ – Vorausgesetzt, man hat gelernt. Gelernt nämlich, daß die Gesellschaft nicht die Abfolge völlig undurchschaubarer Zustände ist, sondern bestimmten historischen Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Und da empfiehlt es sich eben, mal ein Buch von Marx, von Engels oder Lenin, oder von Stalin in die Hand zu nehmen und zu studieren, bevor über Dinge (wie den Sozialismus) urteilt, die man nicht erlebt hat und nicht kennt. Völlig zu Recht bemerkt ENGELS: „Eine historische Notwendigkeit läßt sich nicht in so kurzer Zeit beweisen wie die Kongruenz zweier Dreiecke…“ [1] Nicht immer kann man beispielsweise diejenigen, die der Meinung sind, daß Stalin dem Sozialismus geschadet habe, davon überzeugen, daß sie einen falschen Standpunkt vertreten (siehe Briefwechsel zwischen Gossweiler und Steigerwald). Mit antikommunistischen Positionen allerdings kann und wird es keine Vereinigung geben. Hier ist nun was Stalin dazu sagte:

J.W Stalin
[Die deutsche Partei wurde, was sie ist, im Kampf der Eisenacher und Lassalleaner]

… die Überwindung der innerparteilichen Meinungsverschiedenheiten auf dem Wege des Kampfes ist ein Entwicklungsgesetz unserer Partei. Man könnte sagen, das sei ein Gesetz für die KPdSU(B), nicht aber für die anderen proletarischen Parteien. Das stimmt nicht. Dieses Gesetz ist ein Entwicklungsgesetz für alle einigermaßen großen Parteien, ganz gleich, ob es sich um die proletarische Partei der UdSSR oder um die proletarischen Parteien des Westens handelt. Wenn man in einer kleinen Partei eines kleinen Landes Meinungsverschiedenheiten mit Hilfe der Autorität eines einzelnen oder einiger Personen so oder anders vertuschen kann, so ist in einer großen Partei eines großen Landes die Entwicklung durch Überwindung der Gegensätze ein unerläßliches Element des Wachstums und der Festigung der Partei. So war es in der Vergangenheit. So ist es in der Gegenwart.

Ich möchte mich hier auf die Autorität von Engels berufen, der zusammen mit Marx jahrzehntelang die proletarischen Parteien im Westen leitete. Es handelt sich um die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als in Deutschland das Ausnahmegesetz gegen die Sozialisten herrschte, als Marx und Engels in London in der Emigration lebten und das illegale Auslandsorgan der deutschen Sozialdemokratie „Der Sozialdemokrat“ faktisch die Arbeit der deutschen Sozialdemokratie leitete. Bernstein war damals ein revolutionärer Marxist (er war noch nicht zu den Reformisten übergewechselt), und Engels stand mit ihm in regem Briefwechsel über die aktuellsten Fragen der Politik der deutschen Sozialdemokratie. Folgendes schrieb er damals an Bernstein (1882):

„Es scheint, jede Arbeiterpartei eines großen Landes kann sich nur im inneren Kampf entwickeln, wie das in dialektischen Entwicklungsgesetzen überhaupt begründet ist. Die deutsche Partei wurde, was sie ist, im Kampf der Eisenacher und Lassalleaner, wo ja die Keilerei selbst eine Hauptrolle spielte. Einigung wurde erst möglich, als die von Lassalle absichtlich als Werkzeug gezüchtete Lumpenbande sich abgearbeitet hatte – und auch da geschah sie unserseits mit viel zu großer Übereilung. In Frankreich müssen die Leute, die zwar die bakunistische Theorie geopfert, aber die bakunistischen Kampfmittel fortführen und gleichzeitig den Klassencharakter der Bewegung ihren Sonderzwecken opfern wollen, sich auch erst abarbeiten, ehe wieder Einigung möglich. Unter solchen Umständen Einigung predigen wollen, wäre reine Torheit. Mit Moralpredigten richtet man nichts aus gegen Kinderkrankheiten, die unter heutigen Umständen nun einmal durchgemacht werden müssen.“ [2] (Siehe Archiv K.Marx und F.Engels, Bd.I, S.324/325.)

Denn, wie Engels an anderer Stelle sagt (1885): „Die Gegensätze werden nie auf die Dauer vertuscht, sondern stets ausgefochten.“ [3] (Ebenda, S.371.) …

Dadurch vor allem ist das Vorhandensein von Gegensätzen innerhalb unserer Partei und die Entwicklung unserer Partei durch die Überwindung dieser Gegensätze auf dem Wege des Kampfes zu erklären.

Aus: „Noch einmal über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei“, Referat auf dem VII. erweiterten Plenum des EKKI, gehalten am 7. Dezember 1926.

Quelle:
J.W. Stalin: [Die deutsche Partei wurde, was sie ist, im Kampf der Eisenacher und Lassalleaner]. In: Marx/Engels/Lenin/Stalin. Zur deutschen Geschichte in drei Bänden, Bd.II, 2. Halbband, S.1021f. oder: Werke, Bd.9, S.8/9 (russ.)
oder: J.Stalin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1953, Bd.9, S.7/8.

Zitate:
[1] Friedrich Engels: Zwei Reden in Elberfeld II. In: K.Marx/F.Engels, Werke, Dietz Verlag Berlin,  1962, Bd.2, S.549.
[2] Friedrich Engels: 102 Engels an Eduard Bernstein, 20.Oktober 1882. In: K.Marx/F.Engels, Werke Dietz Verlag Berlin, 1967, Bd.35, S.374.
[3] Friedrich Engels: 194 Engels an Eduard Bernstein, 8.Oktober 1885. In: K.Marx/F.Engels, Werke Dietz Verlag Berlin, 1967, Bd.36, S.365.

DOWNLOAD: 141124 Stalin Innerparteilicher Streit (pdf-Datei)

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Eine Antwort zu Stalin: Über den innerparteilichen Streit der Kommunisten

  1. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Forum Politik rebloggt und kommentierte:
    Innerparteilicher Streit der Kommunisten

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