N.I. Kondakow: Lenin und der Wert des logischen Denkens

Lenin_sIn der Zeitung „Arbeiterstimme“ war 1903 ein Artikel erschienen, mit dem W.I. Lenin sich in der „Iskra“ kritisch auseinandersetzte. Bekanntlich maß Lenin dem logischen Denken eine außerordentlich große Bedeutung bei. Und Lenin zitiert (auch noch auf Deutsch) den folgenden Satz aus Goethes „Faust“: „Mein teurer Freund, ich rat‘ euch drum zuerst Collegium Logicum!“  – In dem folgenden Aufsatz untersucht nun der sowjetische Philosoph und Logik-Professor Nikolai Iwanowitsch Kondakow an Hand zahlreicher Beispiele, wie sich Lenin die Gesetze der Logik zunutze machte, um Widersprüche und Denkfehler in verschiedenen Veröffentlichungen seiner Gegner aufzudecken und Klarheit über Fragen des Marxismus zu schaffen. 

LENIN, Wladimir Iljitsch, 1870-1924: Fortsetzer der revolutionären Lehre von MARX und ENGELS, Gründer der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Führer der größten sozialen Revolution und Gründer des ersten sozialistischen Staates der Geschichte, Führer der internationalen Arbeiterklasse und aller Werktätigen. Mit dem Namen und der Tätigkeit von Lenin ist eine ganze revolutionäre Epoche im der Menschheit verbunden. Er gab Antworten auf die aktuellsten Fragen, die die historische Entwicklung stellte. In den Thesen des ZK der KPdSU zum 100. Geburtstag Wladimir Iljitsch Lenin heißt es: „W.I. Lenin ist ein Politiker von neuem Typus: Gelehrter, Volkstribun und Propagandist, Organisator breiter Volksmassen. Ihn zeichnen aus: tiefe Wissenschaftlichkeit bei der Analyse der vor sich gehenden Ereignisse; nüchterne Einschätzung des Kräfteverhältnisses und der Gruppierung der Klassenkräfte; Konsequenz und Härte bei der Verteidigung der marxistischen Prinzipien; Zielstrebigkeit im Handeln, Elastizität in der Taktik des Kampfes, selbstloses Dienen für die Interessen und Ziele der proletarischen Bewegung“ (Dietz Verlag, Berlin, 1970, S.4).


I. DIE ERSTEN JAHRE BIS ZUR GRÜNDUNG DER SOWJETUNION

Seit dem Jahre 1888 studiert Lenin eingehend die Lehre von MARX, wird zum überzeugten Marxisten. In demselben Jahr wurde er wegen aktiver Beteiligung an der revolutionären Bewegung der Studenten verhaftet, aus der Universität ausgeschlossen und unter Polizeiaufsicht in das Dorf Kokuschkino im Gouvernement Kasan verbannt. Lenin organisiert in Samara den ersten marxistischen Zirkel. 1893 steht er an der Spitze der Petersburger Marxisten. In seiner ersten großen Arbeit „Was sind ‚Volksfreunde‘ und wie kämpfen sie gegen die Sozialdemokraten?“, geschrieben 1894, kritisiert Lenin Taktik und Theorie der Volkstümler, skizziert das Kampfprogramm der Arbeiterklasse gegen die zaristische Selbstherrschaft, für die Befreiung von der Ausbeutung und für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft und zeigt die Rolle der Bauernschaft als die eines Verbündeten der Arbeiterklasse.

1.1. Marxistische Zirkel und Verbannung
1895 schuf Lenin auf der Grundlage der marxistischen Arbeiterzirkel den Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse, der der Keim der revolutionären proletarischen Partei in Rußland war. Die zaristische Regierung, in Angst versetzt durch den wachsenden Einfluß von Lenin, verhaftete ihn im Dezember 1895, warf ihn ins Gefängnis und verbannte ihn nach 14monatiger Gefängnishaft für drei Jahre nach Sibirien in das Dorf Schuschenskoje.

1.2. Von der Gründung der „Iskra“ bis zur Oktoberrevolution
Nach der Verbannung fährt Lenin zu Beginn des Jahres 1900 ins Ausland. Dort beginnt er mit der Herausgabe der ersten gesamtrussischen marxistischen Zeitung, der „Iskra“, die bei der geistigen Zerschlagung des „Ökonomismus“ und bei der Schaffung einer marxistischen Partei, einer Partei neuen Typus, eine große Rolle spielte. Die von Lenin geführte bolschewistische Partei, die im Jahre 1903 auf dem II.Parteitag der RSDAP gebildet wurde, führte den Kampf des Proletariats und der werktätigen Bauernschaft für die Beseitigung der zaristischen Selbstherrschaft und die Schaffung einer sozialistischen Gesellschaftsstruktur, der nach der bürgerlich-demokratischen Revolution 1905 und der bürgerlich-demokratischen Revolution vom Februar 1917 durch den Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution von 1917 gekrönt wurde.

1.3. Die Imperialismustheorie
Das große Verdienst von Lenin besteht darin, daß er aufgrund der Erfahrung der russischen Revolutionen und der internationalen revolutionären Bewegung in der Periode nach dem Tode von MARX und ENGELS die marxistische Lehre in Anwendung auf die neuen historischen Bedingungen schöpferisch weiterentwickelte. Lenin entdeckte die Gesetzmäßigkeiten der ökonomischen und politischen Entwicklung des Kapitalismus in dessen höchstem Stadium, im Imperialismus. Er entwickelte die Theorie der sozialistischen Revolution, in der er nachwies, daß die verschiedenen Länder nicht gleichzeitig zum Sozialismus kommen und daß die Front des Imperialismus nicht unbedingt in dem am weitesten entwickelten Land durchbrochen werden muß, daß unter den neuen Bedingungen der Sozialismus zuerst in einem einzigen Land oder in mehreren Ländern siegen kann.

1.4. Diktatur des Proletariats  und sozialistischer Aufbau
Lenin erarbeitete die Lehre von der Partei des Proletariats als der führenden und organisierenden Kraft, ohne die die Erringung der Diktatur des Proletariats und der Aufbau der kommunistischen Gesellschaft nicht möglich sind. Nach dem Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution stand Lenin an der Spitze des ersten proletarischen Staates. Unter seiner Führung verteidigte das Volk die Existenz des Sowjetlandes im Kampf gegen innere und äußere Feinde und begann den erfolgreichen Aufbau des sozialistischen Staates. Gestützt auf die marxistische Theorie und die Erfahrung der ersten Jahre des Bestehens des Sowjetischen Staates erarbeitete Lenin ein konkretes Programm für den sozialistischen Aufbau der UdSSR.


II. LENIN ALS PHILOSOPH

Der Einfluß der Ideen von Lenin auf die Entwicklung der Wissenschaft vom logischen Denken ist gewaltig. In Anlehnung an ein Wort von Lenin über MARX kann man sagen: Lenin hinteriieß ebenso wie MARX keine „Logik“, d.h. keine spezielle Arbeit zur Logik und kein Lehrbuch der Logik, aber er hinterließ die Logik seiner Werke. 1908 schrieb Lenin sein philosophisches Hauptwerk „Materialismus und Empiriokritizismus“, in dem er nicht nur die theoretischen Grundlagen der marxistischen Partei – den dialektischen und historischen Materialismus – im Kampf gegen den reaktionären subjektiven Idealismus durchsetzte, sondern auch die marxistische Philosophie und ihre Erkenntnistheorie weiterentwickelte.

2.1. Lenins Beitrag zur materialistischen Philosophie
In den Jahren des ersten imperialistischen Weltkrieges trug Lenin sehr viel zur Weiterentwicklung der Philosophie des Marxismus bei. Notizen, Fragmente und Konspekte zu Problemen der Philosophie, die in diesen Jahren von Lenin angefertigt wurden und in den Sammelband „Philosophische Hefte“ aufgenommen wurden, sind ein unschätzbarer Beitrag zur Philosophie des Marxismus. In ihnen sind das Wesen der materialistischen Dialektik, die philosophische Lehre der Entstehung, Entwicklung und Veränderung des Denkens, die Grundlagen der marxistischen Interpretation der Logik und des Erkenntnisprozesses umfassend dargelegt. Ein reiches philosophisches Erbe in der Erforschung des Denkprozesses, seiner Gesetze, Formen und Methoden ist nicht nur in den philosophischen Werken von Lenin enthalten, sondern auch in seinen Arbeiten zur Ökonomie, Politik, Soziologie, zur Parteiarbeit u.a.

2.2. Das logische Denken ist die höchste Stufe der Erkenntnis
In den Werken von Lenin ist die marxistische philosophische Lehre vom Denken, von seinen allgemeinsten, dialektischen Gesetzen der Entstehung, der Entwicklung und der Veränderung tiefgreifend und allseitig weiterentwickelt worden. Aufgrund der wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Zeit und der gesellschaftlichen Praxis bewies Lenin unwiderlegbar, daß das logische Denken ein Prozeß der Widerspiegelung der objektiven Realität ist und die höchste Stufe der menschlichen Erkenntnis darstellt. Die Welt, sagt Lenin, „ist die gesetzmäßige Bewegung der Materie, und unsere Erkenntnis als höchstes Produkt der Natur ist nur imstande, diese Gesetzmäßigkeit widerzuspiegeln“ (L.14, S.165). Erkenntnis, schrieb Lenin in den „Philosophischen Heften“, ist „die Widerspiegelung der Natur durch den Menschen“ (L.38, S.172).

2.3. Was versteht man unter Bewußtsein?
Widerspiegelung ist eine allgemeine Eigenschaft der Materie. Sie ist, wie Lenin zeigt, die objektive Grundlage der Erkenntnis der objektiven Realität durch den Menschen. Durch die Einwirkung der materiellen Gegenstände auf die Sinnesorgane entsteht das Psychische. Anfangsform der psychischen Tätigkeit und Quelle des Denkens ist die Empfindung, die Lenin als das Resultat der Wechselwirkung von Mensch und Gegenstand bezeichnet, als die Umwandlung der Energie des äußeren Reizes in eine Bewußtseinstatsache. Empfindungen, sagte er, „unser Bewußtsein sind nur das Abbild der Außenwelt, und es ist selbstverständlich, daß ein Abbild nicht ohne das Abgebildete existieren kann, das Abgebildete aber unabhängig von dem Abbildenden existiert“ (L.14, S.61), Empfindung ist „ein subjektives Abbild der objektiven Welt“ (L.14, S.113).

2.4. Was sind Empfindungen?
Lenin definierte die Empfindungen als Quelle der gesamten Denktätigkeit des Menschen und betonte: „Anders als durch Empfindungen können wir weder über irgendwelche Formen des Stoffes noch über irgendwelche Formen der Bewegung etwas erfahren“ (L.14, S.304). Aber die Empfindungen sind die erste Stufe der Erkenntnis, die den Prozeß der unmittelbar-sinnlichen Widerspiegelung der Erscheinungen der objektiven Realität darstellt.

2.5. Das Denken und die objektive Realität
Das Denken jedoch, erklärt Lenin, ist vermittelte Widerspiegelung des Wesens der Dinge. Es enthüllt solche Eigenschaften in den Gegenständen und Erscheinungen, die von den Sinnesorganen nicht direkt wahrgenommen werden, und bildet sie ab. Die Vorstellung, schreibt Lenin, „kann nicht die Bewegung im ganzen erfassen, z.B. erfaßt sie keine Bewegung mit einer Geschwindigkeit von 300.000 km in der Sekunde, das Denken aber erfaßt sie und muß sie erfassen“ (L.38, S.220). Im Denkprozeß erkennt der Mensch die wesentlichen Eigenschaften, Zusammenhänge und Beziehungen der objektiven Realität und geht „von der Erscheinung zum Wesen“ über. Das wurde möglich, weil das Denken von den Empfindungen und Vorstellungen über einzelne Gegenstände zu abstrakten Urteilen und Begriffen aufsteigt; sie „spiegeln die Natur tiefer, richtiger, vollständiger wider“ (L.38, S.160).

2.6. Die Gesetze der Logik beruhen auf der objektiven Realität
Aber das Denken selbst und seine Gesetze können nicht entstehen, bemerkt Lenin, wenn es, erstens, keine Natur gibt und zweitens, kein Denkorgan, das Gehirn des Menschen als das höchste Produkt der Materie. Lenin schreibt: „Die Gesetze der Logik sind Widerspiegelung des Objektiven im subjektiven Bewußtsein des Menschen“ (L.38, S.174). Als Widerspiegelung der Gesetze der materiellen Welt entsprechen die logischen Gesetze den Naturgesetzen in dem Sinne, daß sie im Bewußtsein der Menschen durch vielfache Beobachtung im Prozeß der gesellschaftlich-produktiven Tätigkeit der gewöhnlichsten, oft auftretenden allgemeinen Gesetzmäßigkeiten des Seins entstanden. Die praktische Tätigkeit Menschen, lehrt Lenin, „mußte das Bewußtsein des Menschen milliardenmal zur Wiederholung der verschiedenen logischen Figuren führen, damit diese Figuren die Bedeutung von Axiomen erhalten konnten“ (L.38, S.181).


III. DAS SEIN BESTIMMT DAS BEWUSSTSEIN

Das Denken ist folglich das Produkt der gesllschaftlich-produktiven Praxis der Menschen. Die Gesetze und alle logischen Denkformen sind die verallgemeinerte Widerspiegelung der Zusammenhänge und Beziehungen der objektiven Realität, die der Mensch im Laufe der gesellschaftlichen Tätigkeit umgestaltet. Bei der Behandlung der Schlußformen bemerkt Lenin z.B.: „Die gewöhnlichsten logischen ‚Figuren‘ … sind … die gewöhnlichsten Beziehungen der Dinge“ (L.38, S.167-168). Einige Seiten weiter kehrt Lenin zu dem Gedanken der logischen Formen zurück und unterstreicht nochmals, daß sie „keine leere Hülle, sondern Widerspiegelung der objektiven Welt sind“ (L.38, S.170). Das trifft auch den Inhalt der Denkformen. So widerspiegeln die Begriffe Zeit und Raum, schreibt Lenin in „Materialismus und Empiriokritizismus“ die reale Zeit und den realen Raum. Denselben Gedanken entwickelt er in den „Philosophischen Heften“ und konkretisiert die These, daß nicht nur die Begriffe als solche, sondern auch ihre Beziehungen, Übergänge, Widersprüche Widerspiegelungen der objektiven Welt sind. „Die Dialektik der Dinge erzeugt die Dialektik der Ideen, und nicht umgekehrt.“ (L.38, S.186).

3.1. Die Logik der Dinge widerlegt sämtliche Irrtümer
An zahlreichen Beispielen zeigte Lenin, daß die Gesetzmäßigkeiten der objektiven materiellen Welt, die er als Logik der Dinge bezeichnet, letztlich die Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung des Denkens bestimmen, d.h. die Logik des Denkens. Die Logik der Dinge, sagte er, ist primär, Logik des Denkens sekundär. „Die höchste Aufgabe der Menschheit“, schrieb Lenin in „Materialismus Empiriokritizismus“, „ist es, diese objektive Logik der wirtschaftlichen Evolution (der Evolution gesellschaftlichen Seins) in den allgemeinen Grundzügen zu erfassen, um derselben ihr gesellschaftliches Bewußtsein und das der fortgeschrittensten Klassen aller kapitalistischen Länder so deutlich, so klar, so kritisch als möglich anzupassen“ (L.14, S.328-329). Lenin weist mehrfach darauf hin, daß im Leben unlogisches Denken durch die Logik der Dinge widerlegt wird. „Keinerlei Vorurteile der Gegner des Marxismus“, sagte Lenin, „werden der unerbittlichen Logik der Ereignisse standhalten“ (L.11, S.187).

3.2. In der Praxis zeigt sich, ob ein Gedanke wahr ist oder falsch
Lenin erfaßte tiefgehend die Rolle der Praxis sowohl als Erstursache der Entstehung des Denkens als auch als Kriterium der Wahrheit und widmete der Weiterentwicklung der marxistischen Lehre von der Rolle der Praxis im Prozeß des Denkens, der Erkenntnis große Aufmerksamkeit. „Der Gesichtspunkt des Lebens“, sagte er, „der Praxis muß der erste und grundlegende Gesichtspunkt der Erkenntnistheorie sein“ (L.14, S.13). Von der subjektiven Idee, so betont LENIN, „gelangt der Mensch zur objektiven Wahrheit durch die ‚Praxis‘ “ (L.38, S.191). Erst wenn die Praxis das Übereinstimmen des Gedankens mit der objektiven Realität bestätigt, kann man überzeugt sein, daß der Gedanke wahr ist. Lenin schreibt, „daß der Mensch durch seine Praxis die objektive Richtigkeit seiner Ideen, Begriffe, Kenntnisse, seiner Wissenschaft beweist“ (L.38, S.181). Und das ist völlig verständlich. „Die Praxis“, sagt Lenin, „ist höher als die (theoretische) Erkenntnis, denn sie hat nicht nur die Würde des Allgemeinen, sondern auch der unmittelbaren Wirklichkeit“, sie ist „die Probe, das Kriterium für die Objektivität der Erkenntnis“ (L. 38. S. 202, 204).

3.3. Der dialektische Weg der Erkenntnis
Lenin entwickelte allseitig die marxistische Lehre von der Wahrheit weiter. Die Wahrheit ist objektiv, da der Inhalt des menschlichen Wissens nicht von Wille oder Wunsch eines Subjekts oder der ganzen Menschheit abhängt. Lenin schreibt: „Die objektive, d.h. vom Menschen und von der Menschheit unabhängige Wahrheit anerkennen heißt auf diese oder jene Weise die absolute Wahrheit anerkennen“ (L.14, S.12). Unter Hinweis darauf, daß das Denken, indem es vom Konkreten zum Abstrakten aufsteigt, wenn es richtig ist, sich nicht von der Wahrheit entfernt, sondern sich ihr nähert, skizziert Lenin aphoristisch in wenigen Worten den Weg der Erkenntnis und den Platz, den das abstrakte Denken in ihr einnimmt. „Von der lebendigen Anschauung zum abstrakten Denken und von diesem zur Praxis – das ist der dialektische Weg der Erkenntnis der Wahrheit, der Erkenntnis der objektiven Realität“ (L.38, S.160).


IV. ÜBER DIE WIDERSPRÜCHLICHKEITEN IM DENKEN

Wie MARX kritisiert auch Lenin nicht nur die idealistische Interpretation des Denkens, sondern auch die Begrenztheit des metaphysischen Materialismus und sein charakteristisches Merkmal – die Kontemplativität. Der Mangel des alten Materialismus bestand darin, sagt Lenin, daß er das Denken als passives, totes Fotografieren der objektiven Realität verstand, aber in Wirklichkeit ist das Denken ein komplizierter und widersprüchlicher Prozeß der Wechselwirkung von Sinnlichem und Rationalem, von psychischer Tätigkeit und gesellschaftlicher Praxis. „Die Widerspiegelung der Natur im menschlichen Denken ist nicht ‚tot‘, nicht ‚abstrakt‘, nicht ohne Bewegung, nicht ohne Widersprüche, sondern im ewigen Prozeß der Bewegung, des Entstehens der Widersprüche und ihrer Lösung aufzufassen“ (L.38, S.185). Und das zeigt Lenin am Beispiel der höchsten Form des Denkens – am Begriff.

4.1. Schwierigkeiten bei der Begriffsbildung
Die Analyse der Begriffe, ihre Untersuchung, zeigt Lenin, „erfordert stets das Studium der Bewegung der Begriffe, ihres Zusammenhangs, ihrer wechselseitigen Übergänge …“ (L.38, S.239). Jeder Begriff, schreibt Lenin, „befindet sich in einer bestimmten Beziehung, in einem bestimmten Zusammenhang mit allen übrigen“ (L.38, S.187). Und das ist verständlich, da die Dialektik der Entwicklung der Begriffe die Dialektik der Entwicklung der objektiven Realität abbildet. HEGEL hat, sagt Lenin, „im Wechsel, in der wechselseitigen Abhängigkeit aller Begriffe, in der Identität ihrer Gegensätze, in den Obergängen des einen Begriffs in den anderen, in dem ewigen Wechsel, in der Bewegung, in der Bewegung der Begriffe DIE GLEICHE BEZIEHUNG DER DINGE, DER NATUR, genial erraten“ (L.38, S.187).

4.2. Es gibt keine starren, ewigen Begriffe …
Und diesen Gedanken der Aktivität, der Selbstbewegung der Begriffe wiederholt Lenin mehrfach in den „Philosophischen Heften“: „Die Begriffe sind nicht unbeweglich, sondern – an und für sich, ihrer Natur nach = Übergang“ (L.38, S.217); „die menschlichen Begriffe sind nicht unbeweglich, sondern ewig in der Bewegung, gehen ineinander über, fließen ineinander über; sonst widerspiegeln sie nicht das lebendige Leben“ (L.38, S.239). Und natürlich forderte Lenin von den Wissenschaftlern, daß sie sich bei der Bildung neuer Begriffe von der Forderung der Dialektik leiten lassen, daß die Begriffe „abgeschliffen, zugerichtet, elastisch, beweglich, relativ, gegenseitig verbunden, eins in den Gegensätzen sein müssen, um die Welt umfassen zu können“ (L.38, S.137).


V. DAS BEGREIFEN – EIN KOMPLIZIERTER PROZESS

Das sind die Grundthesen der marxistischen Lehre von den Gesetzmäßigkeiten der Entstehung, Entwicklung und Veränderung des Denkens. Aus der Geschichte der Wissenschaft ist bekannt, daß sich der Prozeß der Entstehung und Entwicklung des einen oder anderen Begriffs über Jahrhunderte und sogar Jahrtausende hinziehen kann. So durchlief die Entwicklung des Begriffsinhalts Atom in 2500 Jahren – von DEMOKRlT, dem Begründer der Atomistik, bis in unsere Tage – einen so komplizierten und widersprüchlichen Weg, daß der heutige Inhalt dieses Begriffs jenen anfänglichen Inhalt „aufhob“. Und es gibt keinen Grund, anzunehmen, daß die heutige Vorstellung vom Begriffsinhalt Atom unverändert bleiben wird. Der Prozeß der Entstehung und Entwicklung des Begriffs, gelenkt durch dialektische Denkgesetze, ist der Weg vom Nichtwissen zum Wissen.

5.1. Der Marxismus ist dialektische Logik
Um tatsächlich einen Gegenstand zu kennen, sagt Lenin, muß man alle seine Seiten untersuchen, alle Zusammenhänge, ihn in der Entwicklung, in der Veränderung, in der Selbstbewegung nehmen; in die Definition eines Gegenstands muß die ganze menschliche Praxis eingehen, da es keine abstrakte Wahrheit gibt. Die Wahrheit ist immer konkret. Mit den allgemeinsten Gesetzmäßigkeiten dieses Prozesses beschäftigt sich auch die Erkenntnistheorie des dialektischen Materialismus. Lenin bezeichnete sie einmal als dialektische Logik, präzisierte jedoch am Ende seiner Überlegung hierzu den Inhalt dieses Terminus und sagte in dem Aufsatz: „Noch einmal über die Gewerkschaften, die gegenwärtige Lage und die Fehler Trotzkis und Bucharins“: „Marxismus, das ist dialektische Logik“. Aber Denken ist nicht nur der Prozeß der Entstehung, Veränderung und Entwicklung der Begriffe.

5.2. Um etwas zu begreifen, braucht man klare Begriffe  …
In den Denkprozeß gehören auch solche abgeschlossene Operationen wie Begriffsbestimmungen, Einteilung des Begriffsumfangs, Umwandlung eines gegebenen konkreten Urteils, verschiedene Schlußarten wie Induktion, Deduktion, Traduktion u.a., Vergleich bereits ausgeformter Begriffe u.a. Bei diesen Operationen überprüfen die Menschen nicht jedes Mal die Begriffe an der Praxis, sichten nicht alle Varianten, alle Stufen, die dieser Begriff im Prozeß seiner jahrhundertelangen Entwicklung durchlaufen hat. Was würde sich auch in der Tat ergeben, wenn z.B. in dem deduktiven Schluß

„alle materialistischen philosophischen Systeme anerkennen die Materie als primär und das Denken als sekundär“
„die Lehre Demokrits ist ein materialistisches philosophisches System“
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„die Lehre Demokrits anerkennt die Materie als primär und das Denken als sekundär“

der Schließende beginnen würde, den Prozeß der Entstehung, Entwicklung und Veränderung aller in diesem Schluß enthaltenen Begriffe zu reproduzieren? – Solch ein Schluß würde wahrscheinlich Stunden in Anspruch nehmen. Aber das ist, wie die jahrhundertelange Erfahrung zeigt, hierfür nicht erforderlich.

5.3. Die speziellen Gesetze der Logik
In abgeschlossenen logischen Operationen hat es der Mensch mit bestimmten, ausgeformten, stabilen, definierten Begriffen zu tun. Natürlich sind die Gesetze, denen sich diese logischen Operationen unterordnen, andere als die Gesetze der Genese der Begriffe. Die in den philosophischen Kategorien abgebildeten allgemeinsten Entwicklungsgesetze sind das Gesetz der Einheit und des Kampfes der Gegensätze, das des Obergangs von Quantität in Qualität und das der Negation der Negation. Wenn die Erkenntnistheorie des dialektischen Materialismus diese Gesetze untersucht, so wirken in den abgeschlossenen logischen Operationen speziellere Gesetze, z.B. der Satz vom Widerspruch, der Identitätssatz, der Satz vom ausgeschlossenen Dritten, der Satz vom zureichenden Grunde u.a. Das Wirken dieser speziellen Gesetze untersucht eine andere Wissenschaft – die formale Logik, die bereits im 5. und 4. Jahrhundert v.u.Z. entstand.


VI. DIE FORMALE LOGIK

Die formale Logik studierte Lenin eingehend bereits in seiner Gymnasialzeit; er erfaßte sie tiefgehend und verwendete die Kenntnis der formal-logischen Gesetze und Regeln in seinen Arbeiten, Streitgesprächen, im ideologischen Kampf gegen die bürgerlichen Ideologen und unterschiedlichsten Revisionisten mit großer Sicherheit. Die formale Logik bezeichnete Lenin mit einem Wort gewöhnlich als Logik. So verwies er auf dem III. Parteitag der RSDAP in seiner Rede zum Parteistatut auf den logischen Fehler post hoc, ergo propter hoc. Mit der Untersuchung dieses Fehlers und den Maßnahmen, die ihn zu vermeiden ermöglichen, befaßt sich altersher die formale Logik und nicht irgendeine philosophische Lehre und ihre Erkenntnistheorie, da es sich hier nicht um ein allgemeines Gesetz der Entwicklung des Denkens handelt, sondern um eine spezielle Schlußregel.

6.1. Die formal-logischen Gesetze sind zwingend
Da Lenin wußte, daß Verstöße gegen die Forderung der formal-logischen Gesetze den Denkprozeß stören, daß Denken, das nicht die Gesetze der Logik berücksichtigt, schädlich, falsch ist, benutzte stets dieses Wissen bei der Kritik an unlogischen Gedankengängen seiner Gegner. So schrieb Lenin über einen Artikel der Liquidatoren: Das ist „Unsinn vom Standpunkt der elementarsten Logik“ (L.18, S.321). Bei der Kritik an der Broschüre eines Bundisten, die sich durch „haarsträubenden logischen Unsinn“ bei der Behandlung der Frage nach dem Verhältnis von Allgemeinem und Besonderem auszeichnet, erinnert Lenin an die Worte des Mephisto in GOETHES „Faust“: „Mein teurer Freund, ich rat‘ euch drum zuerst Collegium Logicum!“ (L.7, S.87). Es ist klar, daß hier die formale Logik gemeint ist und nicht die Erkenntnistheorie.

6.2. Abweichungen von der formalen Logik führen ins Chaos
Lenin wandte nicht nur selbst glänzend die Gesetze der formalen Logik beim Ableiten von Schlußsätzen und bei Beweisführungen an, sondern richtete mehrfach die Aufmerksamkeit aller auf die Notwendigkeit der Beachtung der Forderungen dieser Gesetze in den Schlüssen und Folgerungen, da die kleinste Abweichung von den Gesetzen der Logik zu falschen Folgerungen führt, alle Überlegungen als ganzes anfechtbar macht, und vom Gegner leicht ausgenutzt werden kann. So betrachtete Lenin als die Achillesferse der Plechanowschen Einstellung zu den Wahlen in die Duma die formal-logische Widersprüchlichkeit seiner Beweise. Bekanntlich behauptete dieser, daß die konstitutionellen Demokraten und die Sozialemokraten eine unumschränkte Duma brauchen. Lenin definierte diese These von PLECHANOW als Unsinn und schrieb: „Zu sagen, daß zwei verschiedene Parteien ein und dieselbe Sache brauchen, die ihnen verschieden verstanden wird! Es ist also nicht ein und dieselbe Sache! Jeder erstbeste ertappt Plechanow bei einem logischen Fehler“ (L.11, S.332-333). Lenin kritisierte die elementaren forme, logischen Fehler in den Thesen von G.J. SOKOLNIKOW zum Parteiprogramm (Vermischung der Themen, mangelnde Folgerichtigkeit im Programmaufbau, Durcheinander, das Unvermögen Besonderes und Allgemeines zu trennen) und schrieb in Aufsatz „Zur Revision des Parteiprogramms“: „Das ist der Gipfel der Unlogik und ist nur dazu angetan, den breiten Massen das Verstehen unseres Programms zu erschweren“ (L.26, S.144).

6.3. Mangelnde Folgerichtigkeit führt zu Denkfehlern
Lenin hinterließ, wie gesagt, kein Lehrbuch der Logik, formulierte in seinen Arbeiten nicht nur besonders treffend und außerordentlich exakt das Wesen aller Gesetze der formalen Logik, sondern zeigte auch an zahlreichen Beispielen deutlich ihr Wirken im Denkprozeß der Menschen. Und da, wie die Praxis zeigt, Nihilisten am häufigsten gegen die Gesetze der formalen Logik verstoßen, da das charakteristische Merkmal ihres Denkens der Widerspruch mit sich selbst, die mangelnde Folgerichtigkeit ist, deckt Lenin diesen Fehler in den Schlußfolgerungen seiner Gegner auf. Bekanntlich besagt der formal-logische Satz vom Widerspruch, daß zwei widersprüchliche Gedanken über ein und denselben Gegenstand in ein und demselben Sinne und in ein und derselben Beziehung nicht zusammen wahr sein können. Auf die Wirksamkeit eben dieses Gesetzes lenkt Lenin in seinem Aufsatz „Über eine Karikatur auf den Marxismus und über den ‚imperialistischen Ökonomismus’“ die Aufmerksamkeit, indem er die ihrem Wesen nach falschen und vom Gesichtspunkt der formalen Logik aus fehlerhaften Überlegungen von G.L. PIATAKOW (P. KIEWSKI) kritisiert, der in der Frage nach dem Recht der Nationen auf Selbstbestimmung eine antileninistische Position einnahm. Lenin schreibt in diesem Aufsatz: „’Logische Antinomien‘ dürfen – richtiges logisches Denken natürlich vorausgesetzt – weder in einer ökonomischen noch in einer politischen Analyse vorkommen“ (L.23, S.32)

6.4. Warum man die Begriffe genau definieren muß …
In derselben Arbeit kritisiert Lenin KAUTSKY wegen seines Verstoßes gegen ein anderes Gesetz der formalen Logik, gegen den Identitätssatz, der verlangt, daß jeder Gedanke, der in einer gegebenen Gedankenfolge auftritt, bei Wiederholung ein und denselben bestimmten stabilen Inhalt hat. Unter Hinweis auf die Fehlerhaftigkeit der Definition des Begriffs Imperialismus durch KAUTSKY schreibt Lenin: „Es wäre natürlich unvernünftig, um Worte zu streiten. Den Gebrauch des ‚Wortes‘ Imperialismus in diesem oder jenem Sinne zu verbieten, ist unmöglich. Aber es ist notwendig, die Begriffe genau zu klären, wenn man diskutieren will“ (L.23, S.34). Als zur Zeit des Boykotts der Dumawahlen PARVUS auf eigene Weise den Begriff Boykott zu interpretieren begann und beteuerte, daß er diesem Begriff einen bestimmten Inhalt gäbe, trat Lenin kategorisch gegen eine derartige Diskussionsweise auf. „Um Worte werden wir nicht streiten, aber politische Termini, die sich in Rußland, am Ort der Handlung, bereits eingebürgert haben, sind eine vollendete Tatsache, mit der man rechnen muß …. Parvus hätte das volle Recht, den Terminus zu kritisieren, seine bedingte Bedeutung abzulehnen oder anders zu deuten usw., aber sie zu ignorieren oder die bereits eingebürgerte Bedeutung zu entstellen heißt Verwirrung in die Frage hineinzutragen“ (L.9, S.163).

6.5. Über die richtige Identität der Begriffe
Lenin lenkte immer wieder die Aufmerksamkeit darauf, daß die Menschewiki ihre falschen Überlegungen durch Unterschieben von Begriffen verdecken, wogegen sich bekanntlich der Identitätssatz richtet. Bei der Kritik an einem der menschewistischen Aufsätze schrieb Lenin: „Die Hauptentstellung, mittels derer die Martowleute die Partei nasführen, … ist erstens die Verdrehung der wirklichen Quellen und Ursachen der Differenzen unter den Iskristen. Das ist zweitens die Verdrehung der Begriffe Zirkelwesen und Desorganisation, Sektierertum und Parteiprinzip“ (L.7, S.122).

6.6. Die Logik vom ausgeschlossenen Dritten
Lenin nutzt oft in der Polemik mit seinen ideologischen Gegnern die Kenntnis und die Wirkung des Satzes vom ausgeschlossenen Dritten der formalen Logik, der besagt, daß zwei kontradiktorische Gedanken über ein und denselben Gegenstand, genommen in ein und derselben Zeit und in ein und demselben Sinne sowie in ein und derselben Beziehung nicht zusammen falsch sein können– wenn einer von ihnen falsch ist, so ist der andere wahr, ein Drittes kann es nicht geben. Als einer der angesehenen Parteifunktionäre der konstitutionellen Demokraten N.N. KUTLER im Projekt des Agrarprogramms den Versuch machte, bei zwei Alternativen einen dritten Lösungsweg zu finden, entlarvte L. diese himmelschreiende Unlogik. „Von zwei Dingen eins, Herr Kutler: entweder ist die Duma selber eine politische Bedingung – und dann steht es einem Demokraten nicht an, sich darein zu schicken und sich den Beschränkungen anzupassen, die noch von anderen ,politischen Bedingungen‘ ausgehen können. Oder die Duma ist keine ,politische Bedingung‘ … und dann haben wir kein Recht, Volksvertreter zu markieren“ (L.12, S.279).

6.7. Zwei Arten von Widersprüchen
In einer Mitteilung an J.O. MARTOW darüber, daß der Bund der russischen Sozialdemokraten im Ausland die Auslandsabteilung des Organisationskomitees anerkennt, gibt Lenin den Rat: „Äußerst wichtig ist es, von Anfang an den richtigen Ton zu treffen und so aufzutreten, daß die Stellung klar zutage tritt: entweder Anerkennung dieses OK und Unterordnung unter dieses oder Kampf. Tertium non datur“ (L.Briefe I/S.266). Von großer Bedeutung für die richtige Interpretation des Gegenstandes der Erkenntnistheorie des dialektischen Materialismus und des Gegenstands der formalen Logik war der Hinweis von Lenin auf die Notwendigkeit, zwei Arten von Widersprüchen genau zu unterscheiden: den dialektischen und den formal-logischen.

6.8. Widersprüche in der Natur oder nur ein Denkfehler?
Der erste Widerspruch, sagt Lenin, ist der Widerspruch, der in der Natur, in der Gesellschaft und im Denken objektiv existiert und der die innere Entwicklungsquelle der materiellen und der geistigen Welt ist, das ist der „Widerspruch des lebendigen Lebens“. Der zweite Widerspruch ist der Widerspruch, der durch einen Fehler im Denken hervorgerufen wurde, das ist „der Widerspruch einer unrichtigen Überlegung“ (L.17, S.85). Daher ist es verständlich, daß Lenin in der Praxis des Denkens stets mit großer Genauigkeit den dialektischen Widerspruch vom logischen Widerspruch trennte. So schrieb er in dem Aufsatz „Über das Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion“: „…Ein lebendiger Widerspruch und kein Widerspruch in Worten, kein ausgedachter Widerspruch“ (L.15, S.49). Andererseits wies Lenin bei der Analyse der Aporie „fliegender Pfeil“ von ZENON auf die besonderen komplizierten Fälle im Erkenntnisprozeß hin, wenn die formal-logischen Widersprüche nicht einfach zufällige Fehler sind, sondern sich aus der Unvollkommenheit des gegebenen Erkenntnisstadiums ergeben und in angenäherter Formtiefe, wesentliche, dialektische Widersprüche der Erkenntnis und letztlich auch der zu erkennenden Objekte widerspiegeln (Antinomieproblem).

6.9. Welche Bedeutung hat die formale Logik für den Erkenntnisprozeß?
In der philosophischen Literatur stößt man immer wieder auf Erklärungen, daß sich die formale Logik dadurch von der philosophischen Lehre vom Denken, d.h. von der Erkenntnistheorie, von der dialektischen Logik unterscheidet, daß man in ihr nicht die Gesetze der Dialektik anwenden, nicht dialektisch denken kann, da das angeblich entweder eine Unterschiebung der formalen Logik der Erkenntnistheorie sei oder hier, wie diese Philosophen sagen, umgekehrt eine ihrer Ansicht nach ebenso unerwünschte Dialektisierung der formalen Logik beginne. Lenin vertritt hierzu die direkt entgegengesetzte Ansicht. In „Materialismus und Empiriokritizismus“ schreibt er: „In der Erkenntnistheorie muß man, ebenso wie auf allen anderen Gebieten der Wissenschaft, dialektisch denken…“ (L.14, S.96). Und die formale Logik ist ein Gebiet der Wissenschaft. Die Leninschen Ideen weisen den Weg für die weitere Entwicklung der Logik und für ihre Anwendung in Wissenschaft und Technik, in der gesamten gesellschaftlichen Tätigkeit der Menschen.

Zitate:
W.I. Lenin, Werke: Gesamtausgabe, Dietz-Verlag, Berlin, 1961.

Quelle:
N.I. Kondakow: Wörterbuch der Logik. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1978, S.270-276. (Gliederung und Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Download: Kondakow Lenin und Logik (pdf-Datei)

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2 Antworten zu N.I. Kondakow: Lenin und der Wert des logischen Denkens

  1. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Walter Friedmann rebloggt und kommentierte:
    Nikolai Iwanowitsch Kondakow

  2. Pingback: Entdeckt: Das einzige Lenindenkmal in den USA! | Sascha's Welt

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