Streikbrecher – Arbeiterverräter …..

Die Lufthansa-Piloten streiken. Wie zuvor schon die Lokführer. Und die Reisenden müssen darunter leiden – so hetzen die Medien. Warum eigentlich gibt es Streiks? Zuwenig Geld, ungerechte Entlohnung, gekürzer Vorruhestand? Man könnte sich doch friedlich einigen, am Tisch miteinander darüber reden, oder etwa nicht? Schön wär’s! Man muß schon sehr naiv und blauäugig sein, wenn glaubt, daß dies so einfach möglich sei. Vielleicht hat es sich ja inzwischen auch herumgesprochen, daß wir im Kapitalismus leben, wo die private Aneignung der Ergebnisse der Arbeit anderer zum Grundgeschäft gehört. Und daß sich da zwei Klassen gegenüberstehen: Kapitalisten und Arbeiter, die Produktionsmittel-Besitzer und die Klasse der Ausgebeuteten.

Zwei Tendenzen
Jede Firma will  „Gewinne machen.“ Und da gehört die Ausbeutung der Arbeiter (und damit sind alle diejenigen gemeint, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um leben zu können) eben zum Geschäft. Und wenn der Profit eben nicht mehr ausreicht, dann steigen wieder mal die Preise, die Löhne stagnieren, Arbeiter werden entlassen, Ungelernte, Leiharbeiter oder Mini-Jobber werden dafür eingestellt, Produktionszweige werden „ausgelagert“, Betriebe geschlossen usw.  Und am Monatsende bleibt beim Arbeiter immer zu wenig Geld in der Lohntüte. Deshalb wird gestreikt. Die Streikenden haben unsere Solidarität verdient, und nicht abfällige Bemerkungen. (Übrigens: an den letzthin verkündeten Verlusten, die angeblich durch einen Streik entstehen, sieht man mal, wie hoch die täglichen Profite eines Unternehmens geschätzt werden!)

Was ist ein Streik?

Streik (Ausstand): gemeinsame, meist auf der Grundlage des gewerkschaftlichen Zusammenschlusses organisierte Arbeitsniederlegung oder Arbeitseinstellung durch Werktätige eines Wirtschaftszweigs, Betriebs oder Berufs im Kapitalismus, um politische, ökonomische und soziale Forderungen durchzusetzen. Der Streik ist eine Form des Klassenkampfes gegen die kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung, gegen Aufrüstung und Kriegsvorbereitung, für sozialen Fortschritt, Demokratie und Frieden und somit Ausdruck des antagonistischen Widerspruchs zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie. Der Streik wird als Abwehrstreik (zur Abwehr von Verschlechterungen der Arbeits- und Lebensbedingungen) oder als Angriffsstreik (zur Durchsetzung von Verbesserungen der Arbeits- und Lebensbedingungen. sowie gewerkschaftlicher und politischer Rechte der Werktätigen) geführt.

741159 StreikCGT

Welche Möglichkeiten der Arbeitsniederlegung gibt es?

Grundform des Streiks ist die völlige Arbeitseinstellung; die Arbeiter verlassen die Betriebe und nehmen erst nach Erreichung ihrer Kampfziele bzw. nach Beendigung des Streiks die Arbeit wieder auf. Beim Sitzstreik bleiben die Arbeiter an ihrem Arbeitsplatz, verweigern jedoch die Arbeitsleistung bis zur Bewilligung ihrer Forderungen. Entsprechend der verfolgten Taktik werden außerdem Teil- oder Schwerpunktstreik, Kurzstreik sowie Protest- und Warnstreiks angewandt. Beim Generalstreik treten die Arbeiter (und oft auch andere Werktätige) im regionalen oder Landesmaßstab in den Ausstand. Sympathie- und Solidaritätsstreiks bringen die brüderliche Verbundenheit und Hilfeleistung der Arbeiter gegenüber ihren im Kampf stehenden Klassenbrüdern zum Ausdruck.

Wer kann eigentlich Streiks durchführen?

Der Streik erfolgt auf Beschluß der Gewerkschaft, dem die Streikurabstimmung vorausgeht. Der Streikleitung obliegt die Führung des Streiks; den im Ausstand befindlichen oder von der Aussperrung betroffenen Arbeitern wird von der Gewerkschaft (meist entsprechend der Höhe der gezahlten Mitgliedsbeiträge) Unterstützung gezahlt. [1]

Was sind Streikbrecher?

Manchmal hört man, daß einige Arbeiter (Piloten, Lokführer usw.) sich bereit erklärt haben, freiwillig die Arbeit ihrer streikenden Kollegen zu übernehmen. Man bezeichnet das als Streikbruch. Streikbrecher sind Arbeiterverräter. Sie fallen ihren Kollegen aus egoistischen Gründen in den Rücken. Im politischen Wörterbuch steht, es sind „von Kapitalisten gekaufte Personen, die während eines Ausstandes in einem bestreikten Betrieb arbeiten, dadurch die Wirksamkeit des Streiks verringern und seinen Erfolg gefährden. Um die Arbeitsaufnahme von Streiks zu verhindern, werden Streikposten aufgestellt.“ [2]

Wie ist das bei einem Streik rechtlich geregelt?

Streikrecht: von der Arbeiterklasse erkämpftes Recht in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung auf Arbeitsverweigerung bzw. Arbeitsniederlegung, um die Erfüllung bestimmter politischer und sozialer Forderungen zu erzwingen; immanenter Bestandteil des Koalitionsrechts. Im Verlaufe ihres Klassenkampfes erreichte die Arbeiterklasse vieler kapitalistischer Länder in Gestalt des Streikrechts die juristische Anerkennung des Streiks als legitimes Kampfmittel. Im Imperialismus ist das Streikrecht den verstärkten Angriffen der herrschenden Kreise der Bourgeoisie ausgesetzt. Das staatsmonopolistische Regime betreibt eine Politik der zunehmenden Einschränkung des Streikrechts, um wirkungsvolle politische Kampfaktionen gegen das Profit- und Machtstreben der Monopole von vornherein unmöglich zu machen.

In der westdeutschen Bundesrepublik wird das Streikrecht diffamiert obgleich es in einigen Länderverfassungen (z.B. Hessen, Rheinland-Pfalz, Bremen) ausdrücklich verankert ist und auch aus dem westdeutschen Grundgesetz abgeleitet werden kann. Vor allem wird versucht, Streiks als sogenannte wilde Streiks für ungesetzlich zu erklären; die Gewerkschaften sowie die Streikteilnehmer werden zu materiellen Sanktionen verurteilt bzw. werden ihnen solche zur Abschreckung von den Gerichten angedroht. Die Notstandsgesetze sehen sogar ein Streikverbot vor. Der Kampf für die Verteidigung des Streikrechts ist deshalb wichtiger Bestandteil des allgemeindemokratischen, antiimperialistischen Kampfes in der Gegenwart. [3]

In einem juristischen Wörterbuch der BRD dagegen faßt man sich ganz kurz [4]:

Streik

Warum sind Streiks im Sozialismus überflüssig?

In den sozialistischen Staaten, wo die Werktätigen selbst die Herren der Betriebe und durch vielfältige Formen in die Leitung von Staat und Wirtschaft einbezogen sind, haben der Streik und demzufolge das Streikrecht völlig ihren Sinn verloren; sie würden sich vielmehr gegen die Interessen der Werktätigen selbst richten. [5]  (Kommentar)

* * *

BEGRIFFSERKLÄRUNG:

Arbeiter: Dazu gehören alle Lohnempfänger. Die Arbeiterklasse ist der wichtigste Teil der Volksmassen, eine der beiden Grundklassen der kapitalistischen Gesellschaft, und später Schöpfer der sozialistischen Gesellschaft. Die Arbeiterklasse bildete sich im Prozeß der ursprünglichen Akkumulation heraus. Als Nichteigentümer von Produktionsmitteln müssen die Lohnarbeiter im Kapitalismus dem Eigentümer der Produktionsmittel, dem Kapitalisten, ihre Arbeitskraft verkaufen. Obgleich sie im kapitalistischen produktionsprozeß die unmittelbaren Produzenten sind und den hauptsächlichen teil des gesellschaftlichen reichtums erzeugen, reicht ihr Anteil daran im wesentlichen nur aus, sich und ihre Familien zu erhalten. Die Arbeiterklasse im Kapitalismus wird von der Bourgeoisie sozialökonomisch ausgebeutet, politisch unterdrückt und ideologisch niedergehalten; deshalb besteht zwischen der Arbeiterklasse und der Klasse der Kapitalisten ein unversöhnlicher Gegensatz, der sich unter den Bedingungen der Herrschaft des staatsmonopolistischen Kapitalismus ständig verschärft. [6]

Angestellter: vor, neben oder hinter dem eigentlichen Fertigungsprozeß, nicht mit der unmittelbaren Veränderung des Arbeitsgegenstandes, sondern mit der Vermittlung der gesellschaftlichen Produktion Beschäftigter. Die Angestellten sind in allen hochindustrialisierten Ländern ein ständig zunehmender Beschäftigtenkreis, der in diesen Ländern heute 20-30 % aller Beschäftigten ausmacht. Im Kapitalismus stehen die Angestellten wie die Arbeiter im Ausbeutungsverhältnis und sind damit Bestandteil der Arbeiterklasse. Das sich häufig von den Arbeitern unterscheidende Berufsbewußtsein der Angestellten infolge ihrer ursprünglich insgesamt und auch heute noch für bestimmte Angestelltengruppen privilegierten Ste11ung, ihrer im Verhältnis zum Arbeiter anderswertigen Arbeit und ihrer ursprünglich vorwiegend mittelständischen sozialen Herkunft wird vom Monopolkapital und von der bürgerlichen Ideologie bewußt gefördert. Das führt dazu, daß sie, wie auch ein Teil der Arbeiter, nicht immer und in noch nicht ausreichendem Maße ihr gemeinsames Produktionsverhältnis als Ausbeutungsverhältnis erkennen. Dadurch ergibt sich auch ein geringerer Grad der Organisiertheit der Angestellten in der Gewerkschaftsbewegung als bei den Arbeitern. Es gibt zahlreiche selbständige Angestelltengewerkschaften, die in unterschiedlichem Maße mit den Arbeitergewerkschaften gemeinsam kämpfen. [7]

Arbeiteraristokratie: durch spezifische ökonomische, soziale und politische Kriterien bestimmte Schicht der Arbeiterklasse im Kapitalismus; begann sich im vormonopolistiscben Stadium des Kapitalismus (Mitte des 19. Jh.) mit der Entwicklung der Produktivkräfte, deren Gebrauch die höhere Qualifikation eines Teils der Arbeiterklasse erforderte, herauszubilden. Die Arbeiteraristokratie unterschied sich von der Masse der Arbeiter durch höhere fachliche Qualifikation, bessere Bezahlung, z.T. durch Organisierung in speziellen, der Arbeiteraristokratie vorbehaltenen gewerkschaftlichen Organisationen und häufiger durch mehr oder weniger weitgehenden Verlust des proletarischen Klassenbewußtseins. Mit dem Übergang des Kapitalismus entstand in allen entwickelten kapitalistischen Staaten einm Arbeiteraristokraie. Im Gefolge der Technisierung der Industrie wuchs die Arbeiteraristokratie zahlenmäßig. Ihre bessere Bezahlung aus einem geringen Teil der Monopolprofite nutzte die Bourgeoisie bewußt, um die Arbeiteraristokratie politisch zu korrumpieren und auf diese Weise ihren Einfluß in der Arbeiterklasse zu verbreiten und sie im Interesse der Aufrechterhaltung der imperialistischen Klassenherrschaft zu spalten. In der Arbeiteraristokratie liegt eine der sozialen Wurzeln des Opportunismus. [8]

Quellen:
[1] Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1967, S.645f. (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)
[2] ebd. S.646.
[3] ebd. S.646.
[4] Gerhard Köbler: Juristisches Wörterbuch. Verlag Franz Vahlen, München, 1986, S.315.
[5] Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1967, S.646.
[6] ebd. siehe S.47f.
[7] ebd. S.32.
[8] ebd. S.46.

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10 Antworten zu Streikbrecher – Arbeiterverräter …..

  1. rheinlander schreibt:

    Warum sind Streiks im Sozialismus überflüssig?
    Natürlich kann es auch berechtige (also nicht nur die vom Westen finanzierten) Streiks im Soziallismus geben. Was ist, wenn der fleissige Facharbeiter nicht einsieht, dass er in einer im Winter eiskalten bzw. im Sommer überhitzten Werkshalle arbeitet ? Und weniger verdienen soll als ein fauler Akademiker ? Streiks verbieten, heisst meistens, dass Arbeiter von Nicharbeitern niedergeknüppelt werden. Grosse Lohnunterschiede werden immer zu Problemen der beteiligten Gruppen führen. Besonders, wenn es so blödsinnige, antikommunistische Experimente à la NÖP geben wird. Vielleicht war ja NÖP in der konklreten Situation Russlands vor 90 Jahren mal berechtigt. Aber in Kuba oder Nord Korea gabs den kapitalistischern NEP/NÖP Blödsinn bewusst nicht. Fidel sagte : Wenn wir das erlauben, fördern wir nur den Wiederaufbau der Ausbeuterklassen.

  2. sascha313 schreibt:

    Das ist ein typisches, vom Kapitalismus geprägtes Denken, rheinlaender. Gegen wen sollen die Arbeiter im Sozialismus denn streiken? Gegen sich selbst? Sollen sie ihre eigene Produktion lahmlegen? Sollen sie ihrer eigenen Volkswirtschaft Schaden zufügen?

    Im Sozialimus ist der Grundwiderspruch des Kapitalismus, nämlich der Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privatkapitalistischen Aneignung der Ergebnisse der Arbeit, aufgehoben. Es gibt ihn nicht mehr! Weil die Arbeiterklasse die machtausübende Klasse ist, und weil sie Besitzer der Produktionsmittel ist. Und ihre Gewerkschaften (die es nach wie vor gibt!) wirken als Schulen des Sozialismus und nehmen die Interessen der Werktätigen auf neue Weise wahr.

    Das hat im Sozialismus auch so funktioniert. Im Art.21 der Verfassung der DDR war das Recht auf Mitbestimmung und Mitgestaltung (ebenso wie das Recht auf Arbeit!) als umfassendes GRUNDRECHT verankert. Dazu gab es ein Arbeitsgesetzbuch. Da wurden die Löhne eben vorher diskutiert. Und im Betriebskollektivvertrag wurden Arbeitsschutz, Arbeitslohn und Arbeitsbedingungen zwischen Betriebsleitung und Gewerkschaft jährlich neu vereinbart. Dazu gehörten 1.Förderung von Initiativen und Wettbewerb, 2.Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen sowie Verwirklichung des Leistungsprinzips und einer gerechten Entlohnung, 3. Entwicklung eines hohen Kultur- und Bildungsniveaus, 4. Verwendung der betrieblichen Fonds und 5. der Frauenförderungsplan. Besser konnte man das Recht der Arbeiter kaum organisieren. Davon können die Arbeiter heute nur träumen!!! Es gab in der DDR keine Arbeitslosen, und JEDER hatte das RECHT auf einen Arbeitsplatz.

    Die „fleißigen Arbeiter“ haben im Sozialismus eben auch oft mehr verdient als so ein „fauler Akademiker“. Das ist eine Tatsache! Und nebenbei bemerkt – was waren denn die „Streiks“ 1956 in der DDR – sie waren der Versuch eines konterrevolutionären Putsches!

    Was die NÖP betrifft, sollte man sich erst mal schlau machen und aus der Geschichte lernen, bevor man hier voreilig urteilt. Lenin lesen! Bericht über die politische Tätigkeit des ZK der KPR(B), 8. März 1921 (in: Lenin, Werke Bd.32, S.216-232) – oder: Geschichte der KPdSU (B) Kurzer Lehrgang, Dietz Verlag Berlin, 1955, S.322ff.

  3. Vorfinder schreibt:

    Prima erklärt, Sascha! Es ist ja das Elend, dass die Indoktrination der Klassenfeinde, also derer die hinweggefegt gehören, eifrig daran arbeiten die Erinnerung verloren gehen zu lassen wie es im Sozialismus tatsächlich war. Es ist fatal der Mär aufzusitzen, es gäbe Streikgründe im Sozialismus auch, womit ja gesagt sein soll, das war gar kein Sozialismus (z.b. in der DDR).

    Die gegenwertigen Streiks unter den herrschenden Verhältnisse sind ökonomische Streiks. Systemüberwindend werden die Streiks erst, wenn wir zu politischen Streiks kommen.

    Gewaltsame Konfrontationen zwischen Arbeitern und Unternehmern, wie sie im 19. Jahrhundert relativ alltäglich waren, sind zugunsten routinisierter Formen des Streiks und der Konfliktverhandlungen zurückgegangen.

    Marx hat eine kumulative Zunahme des Protestes der Arbeiterklasse mit der Entwicklung des Kapitalismus antizipiert. Der moderne Kapitalismus hat jedoch eine hohe Anpassungsfähigkeit gelernt und ist sehr wirksam im korumpieren und zersetzen der Arbeiter und Gewerkschaften. Die Gewaltsamkeit des Klassenkonfliktes hat abgenommen und ist von formalisierten Methoden z.B. der Schlichtung ersetzt worden. Wenn es zum Kampfmittel Streik kommt, sind die Streiks kaum noch als Kampfmittel kenntlich. Gewöhnlich verlaufen die Streiks ohne heftige Zusammenstöße mit der Bourgeoisie. Der Interessenkonflikt ist anerkannt und formalisiert worden und kann dadurch in Schach gehalten werden. Der durchaus wirksame Trick der Bourgeoisie ist die Aufsplitterung des Klassenkonflikts in industriellen Konflikt und politischen Konflikt.

    Das Auftreten von Krisen und die Zusammenbrüche, die sie hervorrufen, sind ein entscheidender Motor für die Konzentration und Zentralisation des Kapitals. Die Streiks von Piloten und Lokführern zeigt andererseits durchaus die Verwundbarkeit des kapitalistischen Systems. Wenn aber eben z.B. tausende Arbeiter entlassen werden oder wie gerade, Werke (Opel) dicht gemacht werden, gehen die Arbeiter halt ins sog. Jobcenter, statt das Werk zu besetzen. Die Gewerkschaften haben in all den Jahrzehnten der kap. BRD nicht an Schlagkraft und Konsequenz gewonnen.

    Nach der Marxschen Auffassung ist Bewußtsein keine Wirkung menschlicher Tätigkeit in der gegenständlichen Welt, sondern Sinngebung, die Verhalten leitet, und ist von diesem Verhalten nicht zu trennen. Der Kapitalismus als Klassengesellschaft basiert auf einem Interessenkonflikt zwischen Kapital und Lohnarbeit. Dieser Klassengegensatz wird in der Theorie von Marx als letzte Ursache der besonderen sozialen und ökonomischen Widersprüche angesehen, durch das Anwachsen eines Komplexes von Produktivkräften, die zugleich Ausgangspunkt des Sozialismus sind. Haben die Gewerkschaftsführer davon schon gehört?

    Der kapitalistischen Gesellschaft sind Klassenkonflikte immanent. Bleiben diese Konflikte ungelenkt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Arbeiterklasse zur Revolution schreitet. In gewaltsamen Klassenkämpfen steht die AK im Gegensatz zum gesellschaftlichen Umfeld. Die Bourgeoisie hat vorsorglich ihre Abwehrinstrumente perfektioniert. Unterschiedliche Klasseninteressen werden per Konfliktverhandlungen formalisiert. Dies dient dazu, solche Konflikte zu kontrollieren und ihnen ein Ventil zu geben und untergräbt so das revolutionäre Potential der Arbeiterklasse.

    Gerade gestern gab es hier wieder eine Diskussion, die zeigte, viele Arbeiter sind inzwischen vergiftet von dem Irrweg, der verstärkt von der PdL ausgeht, es könne eine Aussöhnung mit der Bourgeoisie geben. Das Herr Ramelow im Namen der PdL die sozialistische DDR verleugnet, die vom Klassenfeind erfundene „Unrechtstaat“ Unterstellung gegen die DDR zu seiner Maxime macht, Ministerpräsident ist, der ausdrücklich nicht den Sozialismus herbeiführen will, sondern darauf setzt den Kapitalismus zu reparieren (ach, zum Wohle unserer Menschen), haben wir als eine weitere Niederlage zu sehen. Allerdings wird der Ministerpräsident Ramelow vom Fortschreiten der Widersprüche nicht verschont bleiben. Je weiter die PdL sich von der Verantwortung gegenüber der AK entfernt, desto eher wird sie von der Arbeiterklasse selbst weggefegt werden. Nur die AK selbst wird Mobilisierung zur revolutionären Tat erzwingen können. Ich glaube durchaus Johannes R. Becher: „Keiner ist so blind, dass er letzten Endes nicht noch sehend werden könnte.“

    • Sergej schreibt:

      Erinnern wir uns an ein Wort Abraham Lincolns: „Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allzeit, aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht.“

      • Vorfinder schreibt:

        „Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allzeit, aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht.“
        Wohl wahr! Auch dazu gibt es diesen Blog, wenn auch nicht zuerst von Abraham Lincoln motiviert. (Eine Auffälligkeit der Zeit, einige wenn sie sozialistische Positionen bestätigen wollen, zitieren dazu Akteure der Bourgeoisie. Auch die Bourgeoisie kann Einsichten haben, allerdings sollten wir vermeiden zu suggerieren, unsere Klassiker stehen den Köpfen der Bourgeoisie nachgeordnet.) Es geht JETZT nicht mehr darum ob und wer bloß zum Narren gehalten wird. Der Imperialismus will Krieg, er treibt aktuell unmittelbar in den finalen Krieg, weil er die Menschheitsfragen nicht lösen kann und weil Krieg ihm Systemimmanent ist . Es geht nun um die Frage der Fortexsistenz der Welt. Und wenn die Welt bestehen bleibt ob in imperialistischer Barbarei oder in Sozialismus. Dies sage ich so entweder oder, weil es entweder oder steht.

  4. rheinlaender schreibt:

    Hallo Sascha,
    entschuldige meine Wortwahl. Ich hab auf das Streikrecht im Sozialismus zu empfindlich reagiert, Hintergrund : Vor 1989 war ich auf einem UZ Pressefest. Einem Referenten der UDSSR und auch einem DKP Leiter wurde von einem MPLDler die Frage zu eben diesem Streikrecht gestellt. Die beiden konnten nur stammelnd sagen, dass Streiks im Sozialismus unnötig sind und der rhetorisch unbegabte aber ehrliche MLPD Mann (ein befreundeter Sportskollege) ging als KO Sieger in der Diskussion hervor. Mit den Lohnunterschieden sollte NUR ein Beispiel sein. Es sollte weder Arbeiter glorifizieren, noch Akademiker diskriminieren. Und die NÖP mag ja zur damaligen Zeit in einem rückständigen Land richtig gewesen sein. Hab das von Lenin NOCH nicht gelesen. Aber von Fidel – und das mit meinem schlechtem Spanisch – sehr gut verstanden. Obwohl ich ja den DDR Verfassungsartikel 14 ( Selbständigkeit auf ÜBERWIEGEND eigener Arbeit ) persönlich mag.Mir gehts, wie ich es schon in Deinem vorherigen Blog beschrieben hab, darum, wie man ehrlich und erfolgreich auf der Strasse oder mit Bekannten argumentiert ! Da müssen wir uns doch fragen, warum funktioniert das geografisch rohstoffarme,unterdrückte kleine Inselland Kuba IMMER noch? Was hat Fidel, was die gelehrten Klassiker nicht haben ? Castro ist für mich kein Gott, aber ist es eine Schande von ihm zu lernen ?

    • Doed schreibt:

      Über Kuba erfährt man herzlich wenig. Und wenn, dann ist es Propaganda. Ich kann mich noch an Dokus erinnern, wo es um die Diskriminierung von Transvestiten ging. Natürlich wieder so dargestellt, als wäre die Regierung dafür verantwortlich. Letztes Jahr habe ich erfahren, dass die Tochter von Raúl Castro(!) in einem Verein ist, der gegen diese Diskriminierung arbeitet. Dieser existiert seit, ich glaube, Anfang der 90er.

  5. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Attac-Gruppe Baden-Baden rebloggt und kommentierte:
    Der Streik als eine Form des Klassenkampfes

  6. Pingback: Auf Arbeitssuche im goldnen Westen… | Sascha's Welt

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