Wem gehört die Ukraine? (Teil 2)

UkrainagranizyDie Geschichte der Ukraine ist kompliziert. Und man wird, ohne diese geschichtlichen Hintergründe und die territorialen Veränderungen zu kennen, kaum die richtigen Schlußfolgerungen ziehen können. Wem also gehört die Ukraine? Es ist erwiesen, daß die Große Sozialistische Oktoberrevolution 1917 nicht nur auf die Arbeiterklasse in Deutschland einen großen Eindruck machte, sondern auch in der Ukraine und in aller Welt. Natürlich vollzog sich die Entwicklung nicht überall so, wie es sich die bislang ausgebeuteten und unterdrückten Klassen gewünscht hatten. Die Novemberrevolution in Deutschland scheiterte, in anderen Ländern wurden Aufstände blutig niedergeschlagen.

Auch in der Ukraine kam es zu blutigen Kämpfen. Die Arbeiterklasse begann sich zu formieren und setzte sich gegen ihre Ausbeuter zur Wehr, bewaffnete sich und bildete überall Sowjets (Arbeiter- und Bauernräte). Auf der Gegenseite spielten hier die Weißgardisten (deren Nachkommen und Anhänger ja auch heute wieder im Donbass  und in Rußland aktiv sind! z.B. dieser Strelkow)  eine reaktionäre und volksfeindliche Rolle. Immer ging es um die Macht. Schließlich wurden die nationalistischen Kräfte der Westukraine von der deutschen Bourgeoisie gebraucht, um von dort aus den Einfluß Deutschlands auf die Ukraine geltend zu machen. Doch nach dem Sieg des Sozialismus gehörte nun auch die Ukraine erstmals wirklich dem Volk. Denn die entscheidenden Produktionsmittel befanden sich in den Händen des Volkes, und nicht mehr in den Händen der Monopolbourgeoisie und der Kulaken. Hier nun einige Aussagen über die Ukraine während der Sowjetmacht:

Die Volksmacht in der Ukraine

Im Ergebnis der Erfüllung des 2. Fünfjahrplanes erreichte die ukrainische Industrie einen Produktionsstand, der dem des gesamten vorrevolutionären Rußland gleichkam. Zugleich siegte die Kolchosordnung: 1937 waren 96,1 % der Bauernhöfe mit 99,7% der Anbaufläche in Kolchosen vereinigt. Der wirtschaftliche Aufschwung war verbunden mit einer Kulturrevolution. Das. Analphabetentum wurde völlig beseitigt; in beträchtlichem Maße stieg die Zahl der Hoch- und Fachschulen, der allgemeinbildenden Schulen, der wissenschaftlichen Forschungsinstitute, Bibliotheken, Theater usw. Die durch den Aufbau des Sozialismus eingetretenen Veränderungen fanden ihren Niederschlag in der neuen Verfassung der Ukrainischen SSR von 1937.

Wie war das mit der Westukraine und der Nordbukowina?

Von den Erfolgen des Sozialismus in der Sowjetukraine ging ein revolutionierender Einfluß auch auf die Westukraine aus. Unter Führung der Kommunistischen Partei der Westukraine (die zur Kommunistischen Partei Polens gehörte) entwickelte sich eine Befreiungsbewegung für die Errichtung der Sowjetmacht und den Anschluß an die Ukrainische SSR. Nach dem Überfall des faschistischen Deutschlands auf Polen übernahm im September 1939 die Sowjetarmee den Schutz der westukrainischen Bevölkerung. Am 1.November 1939 wurde vom Obersten Sowjet der UdSSR ein Gesetz über die Eingliederung der Westukraine in die UdSSR und ihre Wiedervereinigung mit der Ukrainischen SSR angenommen. 1940 wurde auch die Nordbukowina mit der Ukraine wiedervereinigt, die jahrzehntelang von Rumänien okkupiert worden war.*

Nach dem Überfall des faschistischen Deutschland

Das friedliche Aufbauwerk des ukrainischen Volkes wurde durch den Überfall des faschistischen Deutschlands auf die Sowjetunion unterbrochen. Schon am ersten Kriegstag (22.Ju!i 1941) entbrannten heftige Kämpfe an den Westgrenzen der Ukraine. Mit 57 Divisionen und 13 Brigaden sowie 1300 Flugzeugen setzte der Angriff der faschistischen Heeresgruppe „Süd“ ein. Gemeinsam mit allen Völkern der Sowjetunion erhob sich das ukrainische Volk gegen die faschistischen Eroberer. Unter den Millionen Ukrainern, die in den Reihen der Roten Armee kämpften, waren 236.000 Kommunisten, d.h. 45% des gesamten Mitgliederbestandes der KP der Ukraine. Über 2 Monate lang (bis zum 19. September 1941) verteidigten die Sowjettruppen und Kämpfer der Volkslandwehr die ukrainische Hauptstadt Kiew gegen den Ansturm der faschistischen Armeen, die hier fast 100.000 Soldaten verloren. 73 Tage lang (5. August bis 16. Oktober 1941) wurde Odessa heldenhaft verteidigt. 250 Tage lang hielten die Seeleute der Schwarzmeerflotte und Truppenteile der Belagerung Sewastopols durch die Faschisten stand.

Die Evakuierung der Ukraine nach 1941

Um die schlimmsten Folgen aus der drohenden Okkupation abzuwenden, wurden Millionen Menschen zusammen mit ihren Betrieben und Einrichtungen, ebenso Getreidevorräte, Vieh usw. nach dem Osten evakuiert. 1942 war die gesamte Ukraine von den Faschisten okkupiert, die hier ein Schreckensregime errichteten: 4,5 Millionen Menschen wurden getötet, mehr als 2 Millionen zur Zwangsarbeit nach Deutschland versohleppt. Die Ukraine wurde in 3 Teile zerrissen: ein Teil der Westgebiete wurde dem sogenannten polnischen Generalgouvernement angegliedert; das Territorium zwischen Dnestr und Bug nahmen die rumänischen Besatzer für ein eigenes Generalgouvernement in Beschlag; aus dem übrigen Gebiet wurde ein Reichskommissariat unter Leitung des berüchtigten Henkers Koch gebildet.

Der antifaschistische Widerstandskampf gegen die Okkupanten

Unter Führung der Kommunisten wurde über die Ukraine ein weites Netz von Untergrundorganisationen gespannt: 23 illegal wirkende Oblastkomitees, 650 Stadt- und Rayonkomitees, über 4300 Grundorganisationen der Partei und viele Komsomolorganisationen (wie die Gruppe „Partisanenfunke“ im Dorfe Krymka, Oblast Nikolajew, oder die legendäre „Junge Garde“ in Krasnodon). 1941/42 entfaltete sich die Massenbewegung der Partisanen. Als 1943 die Sowjettruppen den Kampf um die Befreiung. der Ukraine aufnahmen, erwiesen ihnen die Partisanen unschätzbare Hilfe durch mutige Aktionen im Rücken des Feindes.

Die Befreiung der Ukraine vom deutschen Faschismus

Am 23. August 1943 wurde Charkow, am 23. September Poltawa, am 25. Oktober DnepropetrowSk und am 6. November Kiew freigekämpft. 1944 ging die Sowjetarmee an der gesamten ukrainischen Front zur Offensive über, in deren Ergebnis der Gegner in einer Reihe von großen Operationen vernichtend geschlagen wurde. Odessa wurde am 10.April, Lwow am 27. Juli befreit. Am 14. Oktober 1944 war das gesamte Territorium der Sowjetukraine in Händen der Sowjetarmee. Im Oktober 1944 wurde auch die Karpatoukraine befreit. Die Wiedervereinigung dieses Gebietes mit der Ukrainischen SSR, die durch den sowjetisch-tschechoslowakischen Vertrag von 1945 besiegelt wurde, brachte den historischen Prozeß der Vereinigung aller ukrainischen Gebiete in einem einheitlichen ukrainischen Staat zum Abschluß.

Die Verwüstungen durch die Nazis und der Wiederaufbau 

Gewaltig waren die Schäden, die die faschistischen Eroberer der Ukraine zugefügt hatten. 714 Städte und Siedlungen städtischen Typs und 28.000 Dörfer waren niedergebrannt und vernichtet. 10 Mill. Menschen obdachlos geworden. 16.000 Industriebetriebe, fast alle Kolchose, Sowchose und MTS waren zerstört. Auf die Wiederherstellung der Volkswirtschaft konzentrierten sich nach der Befreiung des Territoriums alle Anstrengungen in der Republik. An der Wiederingangsetzung der Schachtanlagen des Donezbeckens beteiligten sich auch Bergarbeiter aus dem Moskauer Gebiet und dem Kusnezkbecken, an der Wiederherstellung der Hüttenwerke Arbeiter aus dem Ural. Mit der Erfüllung des 4. Fünfjahrplanes (1946/50) wurde der Vorkriegsstand (1940) der Industrieproduktion bereits um 15 % übertroffen. Wesentliche sozialistische Wandlungen vollzogen sich nach dem Kriege in den Westgebieten der Ukrainischen SSR. Es entstanden neue Industriezweige, Lwow wurde zu einem bedeutenden Industriezentrum. Die werktätigen Bauern schlossen sich zu Kolchosen zusammen.

Die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik stabilisiert sich

Auch nach der Wiederherstellung der Volkswirtschaft dauerte der steile ökonomische Aufschwung fort. 1968 erzeugte die ukrainische Industrie 58 mal mehr als 1913. 1970 lieferte sie mehr Erzeugnisse als 1940 die gesamte UdSSR. Die Ukraine verfügt über eine mächtige Industrie, die ihrem Produktionsumfang nach den 2. Platz hinter der RSFSR einnimmt, eine entwickelte sozialistische Großraumlandwirtschaft sowie über bedeutende wissenschaftliche und kulturelle Potenzen. Am 19. Februar 1954 wurde auf Beschluß des Obersten Sowjets der UdSSR die Krim aus dem Bestand der RSFSR herausgelöst und in die Ukrainische SSR eingegliedert.

Quelle:
Handbuch. Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1971, S.821f. (Im Anhang der vollständige Beitrag!)

* Anmerkung: Am 1. November 1939 entsprach die 5. Außerordentliche Tagung des Obersten Sowjets der UdSSR dem Ersuchen der Nationalversammlung der West-Ukraine um Aufnahme in die UdSSR und Wiedervereinigung mit der Ukrainischen SSR. Nach der Unterzeichnung des Vertrages vom 28. Juni 1940 über die Rückgabe des im Jahre 1918 von den Rumänen besetzten Bessarabiens an die Sowjetunion wurden ein Teil Bessarabiens sowie die auf Grund des genannten Vertrages von Rumänien abgetrennte Nordbukowina der Ukrainischen SSR angegliedert. Auf Grund eines Abkommens zwischen der UdSSR und der Tschechoslowakei wurde am 29. Juni 1945 die Transkarpaten- Ukraine (jetzt Transkarpaten-Gebiet) ein Teil der Ukrainischen SSR.
(Große Sowjet-Enzyklopädie, a.a.O., Bd.II, S.1891)

Anhang: Geschichte der Ukraine (pdf-Datei)

Siehe auch:
Wem gehört die Ukraine? Eine geschichtliche Betrachtung.

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