Grundlagen des Kapitalismus: Die WARENPRODUKTION.

$5 Per 8hr Workday: Ford Labor PolicyDie kapitalistische Produktionsweise mit ihrem Privateigentum  an den Produktionsmitteln ist die Grundlage für die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Sie ist die Grundlage dafür, daß eine Handvoll von Aktionären und Besitzern der Produktionsmitteln immer reicher werden, während die Masse der Arbeiter immer ärmer wird. Um verstehen zu können, wie die kapitalistische Produktionsweise entstanden ist, muß man sich mit politischer Ökonomie befassen. Erst wenn die kapitalistischen Produktionsverhältnisse beseitigt sind, ist eine gerechte Verteilung der Ergebnisse der gesellschaftlichen Arbeit entsprechend der jeweiligen Arbeitsleistung möglich. Erst dann werden die sich immer mehr verschärfenden Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit und die heutigen Probleme der Menschheit lösbar sein. Hier ist nun beschrieben, wie der Kapitalismus entstand…

Die Warenproduktion als Ausgangspunkt der Entstehung des Kapitalismus und als dessen allgemeines Kennzeichen. Die kapitalistische Produktionsweise, die die feudale Produktionsweise ablöste, beruht auf der Ausbeutung der Klasse der Lohnarbeiter durch die Klasse der Kapitalisten. Um das Wesen der kapitalistischen Produktionsweise zu verstehen, muß man vor allem in Betracht ziehen, daß die kapitalistische Ordnung auf der Warenproduktion beruht: hier nimmt alles die Form der Ware an, überall herrscht das Prinzip des Kaufs und Verkaufs. Die Warenproduktion ist älter als die kapitalistische Produktion. Sie bestand in der Sklavenhalterordnung und im Feudalismus. In der Zerfallsperiode des Feudalismus bildete die einfache Warenproduktion die Grundlage für die Entstehung der kapitalistischen Produktion.

Die einfache Warenproduktion unterstellt erstens gesellschaftliche Arbeitsteilung, bei der die einzelnen Produzenten verschiedenartige Produkte schaffen, und zweitens Privateigentum an den Produktionsmitteln und den Arbeitsprodukten. Die einfache Warenproduktion der Handwerker und Bauern unterscheidet sich von der kapitalistischen Produktion dadurch, daß sie auf der persönlichen Arbeit der Warenproduzenten beruht. Dabei ist sie in ihrer Grundlage von gleichem Typus, wie die kapitalistische Produktion, da sie sich auf das Privateigentum an den Produktionsmitteln stützt.

2009-11-01-capitalist-greedDas Privateigentum ruft unausbleiblich Konkurrenz zwischen den Warenproduzenten hervor, die dazu führt, daß sich eine Minderheit bereichert und die Mehrheit ruiniert wird. Deshalb ist die kleine Warenproduktion der Ausgangspunkt für die Enstehung und Entwicklung kapitalitischer Verhältnisse. Im Kapitalismus nimmt die Warenproduktion herrschenden, allgemeinen Charakter an. Der Austausch von Waren, schrieb Lenin, ist „das einfachste, gewöhnlichste, grundlegendste, massenhafteste, alltäglichste, milliardenfach zu beobachtende Verhältnis der bürgerlichen (Waren-) Gesellschaft.“ [1]

Die Ware und ihre Eigenschaften. Der Doppelcharakter der in der Ware verkörperten Arbeit. Die Ware ist ein Gegenstand, der erstens menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt und zweitens nicht für den eigenen Gebrauch, sondern für den Austausch produziert wird.

  • Der Gebrauchswert. Die Nützlichkeit eines Dings, seine Eigenschaften, durch die es ein bestimmtes Bedürfnis der Menschen zu befriedigen vermag, machen das Ding zum Gebrauchswert. Der Gebrauchswert kann entweder unmittelbar ein persönliches Bedürfnis des Menschen befriedigen oder als Produktionsmittel zur Herstellung materieller Güter dienen. Brot zum Beispiel befriedigt das Nahrungsbedürfnis, Stoff das Kleidungsbedürfnis; der Gebrauchswert des Webstuhls besteht darin, daß mit seiner Hilfe Stoffe hergestellt werden. Im Laufe der historischen Entwicklung entdecken die Menschen immer neue nützliche Eigenschaften der Dinge und neue Verwendungs möglichkeiten. Gebrauchswert haben viele Dinge, die nicht durch menschliche Arbeit geschaffen wurden, wie zum Beispiel das Wasser einer Quelle oder die Früchte wildwachsender Bäume. Aber nicht jedes Ding, das Gebrauchswert hat, ist Ware. Damit ein Ding Ware wird, muß es das Produkt von Arbeit sein und für den Verkauf produziert worden sein. Der Gebrauchswert bildet den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sein mag.
  • Der Tauschwert. In der Warenwirtschaft ist der Gebrauchswert der Träger des Tauschwerts der Ware. Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, in dem sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen. Ein Beil zum Beispiel tauscht sich gegen 20 Kilogramm Korn aus. In diesem quantitativen Verhältnis der auszutauschenden Waren ist ihr Tauschwert ausgedrückt. Waren in bestimmten Mengen werden einander gleichgesetzt, folglich haben sie eine gemeinsame Grundlage. Diese Grundlage kann nicht eine körperliche Eigenschaft der Waren wie Gewicht, Umfang, Form usw. sein. Die körperlichen Eigenschaften der Waren bestimmen deren Nützlichkeit, deren Gebrauchswert; der Gebrauchswert der Waren aber ist nicht vergleichbar und quantitativ nicht meßbar.

Was geschieht mit der Ware auf dem Markt?

Die verschiedenen Waren haben nur eine einzige, sie beim Austausch miteinander vergleichbar machende gemeinsame Eigenschaft, und zwar die, daß sie Arbeitsprodukte. sind. Der Gleichheit zweier gegeneinander auszutauschende Waren liegt die zu ihrer Herstellung aufgewandte gesellschaftliche Arbeit zugrunde. Sobald ein Warenproduzent zum Zwecke des Austauschs ein Beil auf den Markt bringt, macht er die Feststellung, daß man ihm für dieses Beil 20 Kilogramm Korn gibt. Dies bedeutet, daß das Beil ebensoviel gesellschaftliche Arbeit wert ist wie 20 Kilogramm Korn. Folglich ist der Tauschwert der Ware die Erscheinungsform ihres Werts. Der Wert ist die in der Ware verkörperte gesellschaftliche Arbeit der Warenproduzenten.

Daß der Wert der Waren durch die zu ihrer Herstellung aufgewandte Arbeit bestimmt wird, ist durch allgemein bekannte Tatsachen belegt. An sich nützliche, jedoch keinen Arbeitsaufwand erfordernde materielle Güter, wie etwa die Luft, haben auch keinen Wert. Materielle Güter, die eine große Menge Arbeit erfordern, wie zum Beispiel Gold und Diamanten, haben großen Wert. Viele, ehemals teure Waren sind bedeutend billiger geworden, nachdem sich die zu ihrer Herstellung benötigte Arbeitsmenge durch die Entwicklung der Technik verringert hat.

Wodurch sind die Produktionsverhältnisse entstanden?

Hinter dem Warenaustausch verbirgt sich die gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen den Menschen, die die Eigentümer dieser Waren sind. Indem die Warenproduzenten die verschiedenen Waren einander gleichsetzen, setzen sie auch ihre verschiedenartigen Arbeiten gleich. Somit kommen im Wert die Produktionsverhältnisse der Warenproduzenten zum Ausdruck. Diese Verhältnisse treten im Warenaustausch in Erscheinung.

Wie kann man Arbeit vergleichen?

Die Ware besitzt Doppelcharakter: einerseits ist sie Gebrauchswert, anderseits Wert. Der Doppelcharakter der Ware ist durch den Doppelcharakter der Arbeit bedingt, die in der Ware verkörpert ist. Die Arten der Arbeit sind von ebensolcher Mannigfaltigkeit wie die produzierten Gebrauchswerte. Die Arbeit des Tischlers ist von der Arbeit des Schneiders, des Schuhmachers usw. qualitativ verschieden. Die verschiedenen Arbeitsarten unterscheiden sich durch ihren Zweck, durch die Operationsweise, die Werkzeuge und schließlich durch die Resultate.

Der Tischler bedient sich solcher Werkzeuge wie des Beils, der Säge und des Hobels; er produziert Gegenstände aus Holz: Tische, Stühle und Schränke. Der Schneider stellt mit Hllfe von Nähmaschine, Schere und Nadel Kleidungsstücke her. Somit ist in jedem Gebrauchswert eine bestimmte Arbeitsart verkörpert: im Tisch – Arbeit des Tischlers, im Anzug – Arbeit des Schneiders, im Schuhwerk – Arbeit Schuhmachers usw. Die in einer bestimmten Form aufgewandte Arbeit ist konkrete Arbeit. Die konkrete Arbeit schafft den Gebrauchswert der Ware.

Was haben alle Produkte miteinander gemeinsam?

Beim Austausch werden die mannigfachsten, von verschiedenen Arten der konkreten Arbeit geschaffenen Waren einander gegenübergestellt und gleichgesetzt. Also verbirgt sich hinter den verschiedenen konkreten Arten der Arbeit etwas Gemeinsames, was jede Arbeit kennzeichnet. Tischlerarbeit wie Schneiderarbeit, obgleich qualitativ verschiedene Arbeiten, sind beide produktive Verausgabung von menschlichem Hirn, Nerv, Muskel usw. und in diesem Sinne gleichartige menschliche Arbeit, Arbeit überhaupt.

Die Arbeit der Warenproduzenten, die Verausgabung menschlicher Arbeitskraft überhaupt darstellt, unabhängig von ihrer konkreten Form, ist abstrakte Arbeit. Die abstrakte Arbeit bildet den Wert der Ware. Abstrakte und konkrete Arbeit sind zwei Seiten der in der Ware verkörperten Arbeit. „Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert. Alle Arbeit ist andrerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besondrer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.“ [2]

Der Widerspruch in der Warenproduktion

In einer Gesellschaft, in der das Privateigentum an den Produktionsmitteln herrscht, bringt der in der Ware verkörperte Doppelcharakter der Arbeit den Widerspruch zwischen der privaten und der gesellschaftlichen Arbeit der Warenproduzenten zum Ausdruck. Das Privateigentum an den Produktionsmitteln trennt die Menschen, macht die Arbeit des einzelnen Warenproduzenten zu einer privaten Angelegenheit. Jeder Warenproduzent führt seine Wirtschaft isoliert von den anderen. Die Arbeit der einzelnen Produzenten ist nicht im Maßstab der gesamten Gesellschaft koordiniert. Anderseits aber bedeutet die gesellschaftliche Teilung der Arbeit das Vorhandensein eines allseitigen Zusammenhangs zwischen den Produzenten, die füreinander arbeiten. Je ausgeprägter die gesellschaftliche Arbeitsteilung, desto mannigfaltiger die von den einzelnen Produzenten hergestellten Erzeugnisse, desto umfassender die gegenseitige Abhängigkeit der Produzenten. Somit ist die Arbeit der einzelnen Warenproduzenten im Grunde genommen gesellschaftliche Arbeit, ein Teil der Arbeit der gesamten Gesellschaft.

Der Widerspruch der Warenproduktion besteht folglich darin, daß die Arbeit der Warenproduzenten, die unmittelbar deren Privatangelegenheit ist, zugleich gesellschaftlichen Charakter trägt. Dieser gesellschaftliche Charakter der Arbeit im Produktionsprozeß bleibt jedoch so lange verborgen, bis die Ware auf den Markt kommt und gegen eine andere Ware ausgetauscht wird. Erst im Austauschprozeß zeigt sich, ob die Arbeit dieses oder jenes Warenproduzenten für die Gesellschaft notwendig ist und gesellschaftliche Anerkennung erhält.

[1] W.I. Lenin: Zur Frage der Dialektik; Philosophische Hefte. In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1989, Bd.38, S.340.
[2] Karl Marx: Das Kapital“, Erster Band. In: Marx/Engels Werke, Dietz Verlag Berlin, 1981, Bd.23, S.61.

Quelle:
Politische Ökonomie, Lehrbuch. Dietz Verlag Berlin, 1955, S.81-84.

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2 Antworten zu Grundlagen des Kapitalismus: Die WARENPRODUKTION.

  1. rheinlaender schreibt:

    Hallo Sascha,
    wie findest Du dieses Video über den Kapitalismus ?

  2. Pingback: Warenproduktion — ein notwendiges Übel? | Sascha's Welt

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