Warum ist die SOZIALISTISCHE WIRTSCHAFT die einzige vernünftige Alternative zum Kapitalismus? Und was verstehen wir darunter?

SKL

Im volkseigenen Kombinat Schwermaschinenbau „Karl Liebknecht“ in Magdeburg (DDR)

Die Spezifik der politischen Ökonomie des Sozialismus besteht darin, daß sie einen völlig neuen Typ ökonomischer Verhältnisse untersucht, der sich in den entscheidenden Merkmalen grundlegend von allem ihm vorangegangenen unterscheidet. Wissenschaftlich unhaltbar sind daher auch die Behauptungen, daß es möglich sei, die Gesetze der kapitalistischen Konkurrenz, die Bedingungen der Profitbildung, die Methoden des Einsatzes der Arbeitskräfteressourcen und viele andere spezifische Merkmale der kapitalistischen Ökonomik auf den Sozialismus zu übertragen. Falsch sind auch die Versuche, für den Kapitalismus und Sozialismus einheitliche mathematische Gesetzmäßigkeiten des Wirtschaftswachstums abzuleiten und der sozialistischen Produktion eine zyklische Entwicklung zuzuschreiben, wie sie der kapitalistischen Produktion organisch eigen ist.

I. DER ÜBERGANG VOM KAPITALISMUS ZUM SOZIALISMUS

Im Kapitalismus ist bekanntlich das Mehrwertgesetz das ökonomische Grundgesetz. Infolgedessen besteht auch das Ziel jedes einzelnen Kapitalisten darin, aus den Arbeitern durch Ausbeutung ein Maximum an Mehrwert herauszupressen, diesen bei der Realisierung der Ware in Höchstprofit zu verwandeln, von dem wiederum ein erheblicher Teil zu Kapital wird, das neuen Profit bringt. Die Konsumtion der Werktätigen ist im Kapitalismus nicht das Ziel der Produktion, sondern nur Mittel zur Verwertung des Kapitals: Die Konsumtion interessiert den Kapitalisten nur insoweit, als das für die Akkumulation von Kapital notwendig ist. Völlig anders ist das im Sozialismus…

Was ist das Ziel der sozialistischen Wirtschaft?
Der Sozialismus verändert grundlegend das Ziel der Produktion, ordnet es den Interessen der Werktätigen, des gesamten werktätigen Volkes unter. Das haben die Klassiker des Marxismus-Leninismus bereits lange vor der sozialistischen Revolution vorausgesehen. Wie Friedrich Engels schreibt, schafft der Sozialismus die „Möglichkeit, vermittelst der gesellschaftlichen Produktion allen Gesellschaftsmitgliedern eine Existenz zu sichern, die nicht nur materiell vollkommen ausreichend ist und von Tag zu Tag reicher wird, sondern die ihnen auch die vollständige freie Ausbildung und Betätigung ihrer körperlichen und geistigen Anlagen garantiert“. [1] Und W.I. Lenin bemerkte bereits 1902, daß die Produktion im Sozialismus „zur Sicherung der höchsten Wohlfahrt und der freien allseitigen Entwicklung aller ihrer Mitglieder“ [2] betrieben werden wird.

Warum kann man nicht durch Reformen zum Sozialismus gelangen?
Das ist ganz einfach: Die notwendige Voraussetzung für die Entstehung kapitalistischer Produktionsverhältnisse ist die Trennung des Arbeiters von den Produktionsmitteln, seine Umwandlung in einen Proletarier, der nichts weiter besitzt außer ein paar persönliche Dinge, und der gezwungen ist,  seine Arbeitskraft zu verkaufen, um existieren zu können. Voraussetzung für die sozialistischen Produktionsverhältnisse ist jedoch die Vereinigung der unmittelbaren Produzenten mit  den Produktionsmitteln. Diese Vereinigung kann jedoch in der bürgerlichen Gesellschaft nicht stattfinden. Durch die maschinelle Industrie wird die formelle Unterordnung der Arbeit unter das Kapital in die reelle Unterordnung umgewandelt. Die materielle Grundlage dieses Prozesses ist die Ablösung der für die individuelle Anwendung berechneten Arbeitsmittel durch solche, die nur von einem Kollektiv von Menschen in Bewegung gesetzt werden können. Durch den gesellschaftlichen Charakter der Produktionsmittel ist es unter den Bedingungen des entwickelten Kapitalismus für einen einzelnen Arbeiter unmöglich, diese Produktionsmittel zu beherrschen. Durch ihren objektiven Verlauf erneuert die kapitalistische Reproduktion ständig solche ökonomischen Verhältnisse, unter denen auch das Arbeitsprodukt des Arbeiters Eigentum des Kapitalisten bleibt. Der Arbeiter bekommt lediglich seinen Lohn.

Das Privateigentum an Produktionsmitteln
Die wichtigste Grundlage der sozialistischen Produktionsverhältnisse ist das allgemeine Volkseigentum an den Produktionsmitteln. Unter kapitalistischen Bedingungen findet jedoch nur eine solche Entwicklung des Eigentums statt, die seinen privaten Charakter nicht beseitigt. Selbst die Umwandlung einiger Produktionsmittel in das Eigentum des kapitalistischen Staates ändert ihren sozialökonomischen Charakter nicht: Das kapitalistische Eigentum wird nicht zum Volkseigentum, da der bürgerliche Staat nur eine Einrichtung zur Leitung der Angelegenheiten der Kapitalistenklasse, des Gesamtkapitalisten ist. Das kapitalistische Eigentum konnte im Schoße des Feudalismus entstehen und neben dem feudalen Eigentum auch nur deshalb existieren, weil beide mit der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen verbunden sind. Deshalb ändert sich beim Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus nur die Form der Ausbeutung, sie selbst aber wird nicht beseitigt. Das gesellschaftliche Eigentum schließt jedoch eine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen von vornherein aus. Es erfordert, im Gegenteil, kameradschaftliche Zusamenabreit statt Konkurrenz und gegenseitige Übervorteilung. Folglich untergräbt die Entstehung des gesellschaftlichen Eigentums die Grundlagen der Ausbeuterordnung. Es ist klar, daß sich das nicht innerhalb der bürgerlichen Ordnung vollziehen kann.

Der Übergang zum Sozialismus
Mit der Eroberung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse und der Schaffung sozialistischer Eigentumsverhältnisse wird die Produktion den Interessen der Werktätigen untergeordnet. Es entstehen völlig neue Möglichkeiten der die Entwicklung der Produktivität und der Effektivität. Das Niveau der planmäßigen Leitung des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses beeinflußt wesentlich Umfang und Tempo der Entwicklung dieser neuen Möglichkeiten und ihre Realisierung in der Wirtschaftspraxis. Alle früheren Produktionsweisen waren Ergebnis der spontanen Entwicklung der Produktivkräfte. Die auf gesellschaftlichem Eigentum beruhende kommunistische Produktionsweise schließt Spontaneität und Anarchie aus. Sie kann nur im Ergebnis hewußten Handelns der Arbeiterklasse und aller Werktätigen entstehen und sich entwickeln. Und nur der sozialistische Staat ist in der Lage, dieses Handeln zu organisieren und zu lenken. Er führt revolutionäre Maßnahmen durch, in deren Ergebnis sozialistische Produktionsverhältnisse entstehen und sich festigen.

Die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten für den Übergang
In der Sowjetunion, die als erstes Land den Weg sozialistischer Umgestaltungen beschritt, begann die Übergangsperiode mit der Oktoberrevolution im Jahre 1917 und dauerte bis Mitte der dreißiger Jahre. Die im Jahre 1936 beschlossene Verfassung der UdSSR verankerte durch Gesetz den Sieg des Sozialismus. In verschiedenen sozialistischen Staaten wurde der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus in kürzerer historischer Frist vollzogen. Die Möglichkeit, diese Frist abzukürzen, hing damit zusammen, daß nach 1945 das sozialistische Weltwirtschaftssystem entstanden ist. Der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus in den verschiedenen Ländern weist allgemeine Gesetzmäßigkeiten auf. Sie bestehen in folgendem:

  1. Führung der werktätigen Massen durch die Arbeiterklasse, deren Kern die marxistisch-leninistische Partei ist, bei der proletarischen Revolution und der Errichtung der Diktatur des Proletariats.
  2. Bündnis der Arbeiterklasse mit der Hauptmasse der Bauern und anderen Werktätigen.
  3. Beseitigung des kapitalistischen Eigentums und Herstellung des gesellschaftlichen Eigentums an den wichtigsten Produktionsmitteln.
  4. allmähliche sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft.
  5. planmäßige, auf den Aufbau des Sozialismus/Kommunismus und auf die Hebung des Lebensstandards der Werktätigen gerichtete Entwicklung der Volkswirtschaft.
  6. sozialistische Revolution auf dem Gebiet der Ideologie und Kultur und die Heranbildung einer der Arbeiterklasse, dem werktätigen Volk und der Sache des Sozialismus ergebenen zahlreichen Intelligenz.
  7. Herstellung von Gleichberechtigung und Freundschaft zwischen den Völkern.
  8. Schutz der Errungenschaften des Sozialismus gegen Anschläge äußerer und innerer Feinde.
  9. Solidarität der Arbeiterklasse des gegebenen Landes mit der Arbeiterklasse der anderen Länder, das heißt der proletarische Internationalismus.

Die nationalen Besonderheiten beim Übergang zum Sozialismus
Die Existenz allgemeiner grundlegender Gesetzmäßigkeiten des Überganges vom Kapitalismus zum Sozialismus bedeutet keineswegs, daß sie alle in den verschiedenen Ländern vollkommen gleich in Erscheinung treten. Je nach den Besonderheiten der historischen Entwicklung des Landes, das den Übergang zum Sozialismus vollzieht, je nach der Spezifik seiner Ökonomik, der nationalen Traditionen, der kulturellen Besonderheiten, des Verhältnisses der Klassenkräfte innerhalb des Landes, der internationalen Lage und anderer Momente wechseln die konkreten Erscheinungsformen der allgemeinen Gesetzmäßigkeiten.

Die Sowjetunion – das erste sozialistische Land der Erde
Die Sowjetunion hatte als erstes Land sozialistische Umgestaltungen verwirklicht, sie ging unerforschte Wege und befand sich lange Zeit hindurch in kapitalistischer Umkreisung. Die Welt des Kapitals konnte sich nicht damit abfinden, daß auf einem Sechstel des Planeten eine neue Gesellschaft entstand, die die Grundfesten des Kapitalismus erschütterte. Daraus erklärt sich die Vielzahl der Versuche der äußeren und inneren Konterrevolution, um jeden Preis die Sowjetmacht zu vernichten. Dieser Umstand erforderte entschiedene Maßnahmen von Seiten des sozialistischen Staates. Somit wurde die sozialistische Gesellschaft im Sowjetland unter Bedingungen der äußersten Zuspitzung des Kampfes gegen die Kräfte der alten Welt durchgesetzt.

Wie war das damals mit der DDR?
Die Revolution in der DDR und den anderen sozialistischen Bruderländern fand in der zweiten Etappe der allgemeinen Krise des Kapitalismus statt, als der Sozialismus in der Sowjetunion bereits gesiegt hatte und die Positionen des internationalen Kapitals ernsthaft erschüttert waren. Während des zweiten Weltkrieges wurden bei entscheidender Rolle der Sowjetunion die Hauptstoßkräfte des internationalen Imperialismus das faschistische Deutschland und das militaristische Japan zerschlagen. Die Schwächung des Weltimperialismus, der Zuwachs der Stärke und internationalen Autorität der Sowjetunion hatten günstige Voraussetzungen geschaffen, um sozialistische Umgestaltungen in verschiedenen Ländern Europas und Asiens durchzuführen. Die von der Sowjetarmee erkämpfte Befreiung der Völker dieser Länder von der faschistischen Versklavung erleichterte es dem Proletariat, im Bündnis mit anderen Schichten der Werktätigen die Macht zu erobern. Die Anwesenheit der sowjetischen Truppen machte der inneren Konterrevolution die Entfesselung eines Bürgerkrieges und dem internationalen Imperialismus eine militärische Intervention unmöglich.

Es gibt kein „Schema F“ für den Übergang zum Sozialismus!
Der Marxismus-Leninismus warnt vor Versuchen, die Eigenart der Bedingungen in diesem oder jenem Land zu ignorieren, und verurteilt entschieden das Bestreben, die Aufgaben beim Aufbau des Sozialismus und Kommunismus nach einer Schablone zu lösen. Wie Lenin lehrte, kommt es darauf an, „daß man es versteht, die allgemeinen und grundlegenden Prinzipien des Kommunismus auf jene Eigenart der Beziehungen zwischen den Klassen und Parteien, auf jene Eigenart in der objektiven Entwicklung zum Kommunismus anzuwenden, die jedes einzelne Land aufweist.“ [3]  Nicht weniger schädlich kann jedoch das andere Extrem – die Ignorierung der allgemeinen Gesetzmäßigkeiten beim Aufbau des Sozialismus, die Überbetonung der nationalen Spezifik – sein. Eine solche Praxis widerspricht zutiefst der Dialektik des Lebens. Denn jedes Land ist anders.

Warum braucht der Sozialismus eine „Diktatur des Proletariats“?
Der Begriff klingt nach Gewalt. Das ist richtig! Aber es ist nicht die Diktatur eines Einzelnen oder einer Clique, wie das zum Beispiel im Nazi-Deutschland der Fall war oder derzeit in der Ukraine, wo ebenfalls Faschismus herrscht, wo die Oligarchen und Banderafaschisten die Macht haben; und es ist auch nicht die Macht irgendeiner Partei, sondern es ist die Herrschaft der bisher ausgebeuteten Mehrheit, die Herrschaft des Proletariats, über die Minderheit der bisherigen Ausbeuter, der Oligarchen. Warum ist das so?

Die Staatsmacht in den Händen der Arbeiterklasse
Das Hauptinstrument zum Aufbau der sozialistischen Wirtschaft ist die Diktatur des Proletariats, das heißt die Staatsmacht, die sich in den Händen der Arbeiterklasse befindet. Der Marxismus-Leninismus lehrt, daß die Machtfrage die Grundfrage jeder Revolution ist. Selbst eine Klasse, die die ökonomische Herrschaft in der Gesellschaft errungen hat, kann nicht darauf verzichten, von der Staatsrnacht Besitz zu ergreifen. Nur sie macht diese Klasse zur politisch herrschenden Klasse. Dadurch erhält sie die besten Bedingungen für die weitere Festigung ihrer Stellung im System der gesellschaftlichen Produktion.

Der Widerstand der Kapitalistenklasse muß gebrochen werden
Noch größere Bedeutung gewinnt die Staatsmacht für das Proletariat, das keine Produktionsmittel hat, eine besitzlose, ökonomisch und politisch unterdrückte Klasse ist. Erst nachdem sie ihre Diktatur errichtet und die staatliche Leitung der Gesellschaft gesichert hat, erhält die Arbeiterklasse die Möglichkeit, die Hauptproduktionsmittel in Besitz zu nehmen. W. I. Lenin betonte, daß der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus nicht anders vollzogen werden kann als über die Diktatur des Proletariats, da der Widerstand der Ausbeuter durch niemand anders und auf keinem anderen Wege gebrochen werden kann.

„Seht! Großes wird vollbracht!
Das Volk schafft sich sein Leben.
Und war der Weg auch schwer,
ein Jubel sich erhebt.
Seit euch bewußt der Macht!
Die Macht ist euch gegeben,
daß ihr sie nie, nie mehr
aus euren Händen gebt!“ [4]

Johannes R. Becher

Die Diktatur des Proletariats ist eine prinzipiell neue Form der Macht. Wie
W. I. Lenin lehrte, ist der Staat ein Apparat zur Aufrechterhaltung der Herrschaft einer Klasse über andere Klassen. In allen klassenmäßig antagonistischen Formationen dient die Staatsmacht als Instrument zum Schutz der Interessen der ausbeuterischen Minderheit, zur Unterdrückung der ausgebeuteten Mehrheit des Volkes. Lenin schrieb: „Der Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus muß natürlich eine Fülle und Mannigfaltigkeit der politischen Formen hervorbringen, aber das Wesentliche wird dabei unbedingt das eine sein: die Diktatur des Proletariats.“ [5]

Wozu braucht die Arbeiterklasse eine Diktatur?
Die Arbeiterklasse nutzt die Diktatur des Proletariats aus, um

  1. die bisherige Staatsmaschine zu zerbrechen,
  2. den Widerstand der Ausbeuter innerhalb des Landes zu unterdrücken,
  3. den Schutz des Landes gegen Überfälle von außen zu sichern,
  4. die Werktätigen und die ausgebeuteten Massen endgültig von der Bourgeoisie zu lösen,
  5. ihr Bündnis mit diesen Massen zu festigen,
  6. sie in den sozialistischen Aufbau einzubeziehen und
  7. den Sozialismus zu errichten.

Wie soll das vor sich gehen?
Die genannten Aufgaben können nur im konsequenten Klassenkampf gelöst werden, der nach Errichtung der Diktatur des Proletariats nicht etwa aufhört, sondern neue Formen annimmt. Das Proletariat kann sich nach der Revolution also nicht zur Ruhe setzen. „Die Diktatur des Proletariats“, schrieb W. I. Lenin. „ist ein zäher Kampf, ein blutiger und unblutiger, gewaltsamer und friedlicher, militärischer und wirtschaftlicher, pädagogischer und administrativer Kampf gegen die Mächte und Traditionen der alten Gesellschaft.“ [6] Im Verlaufe dieses Kampfes festigt sich die Arbeiterklasse auch als Kraft, die den Aufbau des Sozialismus leitet. Das hauptsächliche Wesen der Diktatur des Proletariats liegt aber nicht in der Gewalt, sondern in der organisierenden Kraft der Werktätigen bei der Eroberung der politischen Macht und beim Aufbau der neuen Gesellschaft. Mit dem Staat schafft sich das Proletariat ein völlig neues Machtinstrument.

Und wer führt die Arbeiterklasse im revolutionären Kampf?
Die Arbeiterklasse kann die vor ihr stehenden Aufgaben nur unter Führung der marxistisch-leninistischen Partei lösen, deren Bedeutung in der Epoche der Diktatur des Proletariats noch mehr anwächst. W. I. Lenin lehrte, „daß die Diktatur des Proletariats nicht anders als durch die kommunistische Partei möglich ist.“ [7] Ohne eine im Kampf gestählte, mit der Theorie des wissenschaftlichen Kommunismus ausgerüstete Partei, die es versteht, auf die Stimmung der Masse zu achten und sie zu beeinflussen, kann das Proletariat seine Hauptrolle, seine organisatorische Rolle in der sozialistischen Revolution nicht erfolgreich verwirklichen. W.I. Lenin hat das große historische Verdienst, eben eine solche Partei geschaffen zu haben. Es handelt sich dabei um eine Partei völlig neuen Typs.

II. DIE GRUNDLAGEN DER SOZIALISTISCHEN WIRTSCHAFT

Die Umwandlung der wichtigsten Produktionsmittel in staatliches Eigentum ist kein Willkürakt, sondern eine objektive Notwendigkeit. Sie resultuiert aus dem gesellschaftlichen Charakter dieser Produktionsmittel, aus ihrem Entwicklungsstand, der eine vom Volk getragene Leitung notwendig macht. Aber nicht alle Produktionsmittel haben einen solchen Entwickluingsstand erreicht. Ein bedeutender Teil von ihnen hat individuellen Charakter, d.h. ist für den Gebrauch durch eine einzelne Person berechnet. Sie gehören Kleinproduzenten – Bauern, Handwerkern und Heimgewerbetreibenden. Diese Produktionsmittel können ihrem Charakter nach nicht nationalisiert und in Eigentum des sozialistischen Staates umgewandelt werden. Sie werden auf anderem Wege vergesellschaftet. Sie werden eine andere Form des sozialistischen Eigentums.

Der proletarische Staat übernimmt die Kommandohöhen der Wirtschaft

Mit der Nationalisierung nimmt die Diktatur des proletariats die kapitalistische Industrie, das Transportwesen, das Nachrichtenwesen, die Banken, den Außenhandel und den Binnengroßhandel in Besitz. Die Etappen, Methoden und das Tempo dieser Umgestaltungen können in den verschiedenen Ländern unterschiedlich sein, aber ihr Inbalt ist überall derelbe. Er besteht in der Beseitigung des kapitalistischen Eigentums und in der Schaffung des Eigentums des sozialistischen Staates.

Wird im Sozialismus das gesamte Privateigentum enteignet?

Nein natürlich nicht. Wie die revolutionäre Praxis gezeigt hat, sind prinzipiell folgende Methoden der Nationalisierung möglich. Da gibt es verschieden Möglichkeiten:

  • Konfiskation, d.h. die entschädigungslose Enteignung der im Besitz der Bourgeoisie befindlichen Produktionsmittel;
  • Auskauf der Produktionsmittel durch teilweise Entschädigung der Besitzer für den Wert des nationalisierten Vermögens;
  • allmähliche Umwandlung des kapitalistischen Eigentums an den Produktionsmitteln in sozialistisches Eigentum über verschiedene Formen des Staatskapitalismus.

Die Anwendung der einen oder der anderen Methode richtet sich nach den konkreten historischen Bedingungen, unter denen sich die sozialistische Revolution entwickelt. Das hängt insbesondere ab vom Entwicklungsstand der Produktivkräfte in dem betreffenden Land, vom Verhältnis der K!assenkräfte, von der internationalen Lage und anderen Momenten. Die konkreten Methoden der Nationalisierung richten sich in entscheidendem Maße nach dem Verhalten der Bourgeoisie.

Wie verlief die Nationalisierung damals in der Sowjetunion?

In der Sowjetunion zum Beispiel wurde ursprünglich der Auskauf der im Besitz einiger Kategorien von Kapitalisten befindlichen Produktionsmittel als einer der möglichen Wege nicht ausgeschlossen. So sah das Dekret des Rates der Volkskommissare vom 13.12.1911 vor, Prozentsätze entsprechend den Fonds, den Dividenden, Aktien und entsprechend den Anteilen der kapitalistischen Betriebe zu zahlen. Da jedoch die UdSSR das erste Land war, in dem die sozialistische Revolution stattfand, glaubte die Bourgeoisie nicht daran, daß die sozialistischen Errungenschaften von Dauer sein könnten. Sie wartete Tag für Tag auf den Untergang der jungen Sowjetmacht und trat, in dem Bestreben, deren Sturz zu beschleunigen, sofort als aktive konterrevolutionäre Kraft auf. Das machte schnelle und entschiedene Gegenmaßnahmen der Diktatur des Proletariats notwendig. Deshalb wurden die wichtigsten Produktions- und Zirkulationsmittel im Sowjetland in historisch kurzer Frist durch Konfiskation des privatkapitalistischen Eigentums nationalisiert.

III. DIE FUNKTIONSWEISE DER SOZIALISTISCHEN PRODUKTION

Während im Kapitalismus der spontan in die Breite und Tiefe wachsende Markt die organiserende Hauptkraft in der Wirtschaft ist, wird unter sozialistischen Bedingungen die bewußte Tätigkeit der Werktätigen immer wichtiger.  Die Schaffung einer planmäßig organisierten Wirtschaft hielt W.I. Lenin für die Hauptaufgabe der Werktätigen in der sozialistischen Revolution. Das führt zu einer grundlegenden Änderung der ökonomischen Bedingungen. Im Sozialismus wird der Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privatkapitalistischen Form der Aneignung beseitigt. Friedrich Engels schrieb:

„Das Proletariat ergreift die öffentliche Gewalt und verwandelt kraft dieser Gewalt die den Händen der Bourgeoisie entgleitenden gesellschaftlichen Produktionsmittel in öffentliches Eigentum. Durch diesen Akt befreit es die Produktionsmittel von ihrer bisherigen Kapitaleigenschaft und gibt ihrem gesellschaftlichen Charakter volle Freiheit, sich durchzusetzen. Eine gesellschaftliche Produktion nach vorherbestimmtem Plan wird nunmehr möglich.“ [8]

Es entsteht die objektive ökonomische Notwendigkeit und Möglichkeit, die Produktion unmittelbar gesellschaftlich und planmäßig von einem einheitlichen ökonomischen Zentrum aus zu organisieren, wodurch das einheitliche Ziel, die grundlegenden materiellen und kulturellen Interessen der Werktätigen gesichert, verwirklicht werden können.

Wie funktioniert die Planwirtschaft?

Jeder Werktätige hat im Sozialismus das Recht – und in steigendem Maße auch die Pflicht – zur Teilnahme an der Leitung der sozialistischen Wirtschaft, sowohl auf der Ebene der gesamten Volkswirtschaft, als auch auf der Ebene des Betriebes und im unmittelbaren Produktionskollektiv. Die Teilnahme der Werktätigen an der Leitung der sozialistischen Wirtschaft ist Ausdruck der realen Demokratie, wie sie im Kommunismus verwirklicht wird. Ihre Bedeutung liegt darin, daß sie ein wichtiger Faktor zur Beschleunigung der wirtschaftlichen Entwicklung, zur Herausbildung neuer sozialer Beziehungen und bei der Entwicklung sozialistischer Persönlichkeiten ist. Die Teilnahme der Werktätigen an der Leitung der sozialistischen Wirtschaft geschieht nicht im Selbstlauf, sie ist an Voraussetzungen gebunden, die bewußt zu schaffen sind. Die Einbeziehung der Werktätigen in die Leitung wird damit selbst zu einer Leitungsaufgabe jedes sozialistischen Leiters. Die mittelbare und unmittelbare Teilnahme der Werktätigen an der Leitung erfordert Wissen und vielfältige Kenntnis der aktuellen betrieblichen Probleme. Sie ist Ausdruck und Bestandteil der sozialen Würde des Arbeiters in der sozialistischen Gesellschaft.

Und wie ist das mit der Bürokratie?

Die Teilnahme der Werktätigen an der Wirtschaftsleitung ist auch ein wirksames Mittel gegen bürokratische Entartung in der Leitung. Obgleich die sozialökonomischen Grundlagen sozialistischer Wirtschaftsleitung Bürokratie als wesensfremd ausschließen, bedeutet das nicht gleichzeitig die Eliminierung jeglicher Erscheinungsformen der Bürokratie. Lenin kämpfte mit aller Schärfe gegen auftretende Tendenzen bürokratischer Entartung sozialistischer Leitung und deckte die wichtigsten Ursachen für diese Erscheinung auf. Dieser Kampf Lenins war gleichzeitig von prinzipieller ideologischer Bedeutung, weil bei den antikommunistischen Ideologen der Vorwurf des Bürokratismus stets zu den beliebtesten Argumenten gegen den real existierenden Sozialismus gehört. Ihnen geht es dabei nicht um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit eventuell noch vorhandenen bürokratischen Erscheinungsformen, sondern um den Versuch der Verleumdung der proletarischen Macht und insbesondere der Leitung der sozialistischen Wirtschaft durch den Staat. Dabei ist die Grundlage ihrer Argumentation bürgerlich borniert, weil sie sich zentrale Leitung stets nur als verbürokratisierte Leitung vorstellen können und damit versuchen, Wesensmerkmale des Kapitalismus in den Rang einer allgemeinen Erscheinung jeglicher Leitung zu erheben.

Bereits in seiner Kritik des Hegelschen Staatsrechts unternahm Karl Marx eine gründliche gesellschaftskritische Analyse des Bürokratieproblems und erkannte dabei die aus dem Ausbeutungsverhältnis entspringende Trennung von Macht und Volk als Grundursache der Bürokratie und charakterisierte sie als Wesenszug jeder Ausbeuterordnung. Als Voraussetzung ihrer Überwindung nannte er, „daß das allgemeine Interesse wirklich und nicht, wie bei Hegel, bloß in Gedanken, in der Abstraktion zum besondren Interesse wird, was nur dadurch möglich ist, daß das besondere Interesse wirklich zum allgemeinen wird.“ [9]  Mit dem Sturz der kapitalistischen Ordnung wird somit gleichzeitig die Hauptursache des Bürokratismus beseitigt; das aber bedeutet nicht automatisch die restlose Beseitigung aller bürokratischen Erscheinungsformen in der sozialistischen Gesellschaft.

Zitate:
[1] Friedrich Engels: Anti-Dühring. In: Marx/Engels, Werke, Bd. 20, Dietz Verlag, Berlin, 1962, S.263/264.
[2] W.I. Lenin: Entwurf des Programms der SDAPR. In: W.I. Lenin, Werke, Bd.6, Dietz Verlag, Berlin, 1956, S.13.
[3] W.I. Lenin: Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus. In: W.I. Lenin, Werke, Bd. 31, Dietz Verlag, Berlin 1959, S.76.
[4] J.R. Becher: Seid euch bewußt. In: Aus deutscher Dichtung. Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1969, S.230. (Dieses
Lesebuch wurde im Literatur-Unterricht für die 12. Klasse der zwölfklassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule benutzt.)
[5] W.I. Lenin: Staat und Revolution. In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1960, Bd.25, S.425
[6] W.I. Lenin: Der „linke Radikalismus“, a.a.O. S.29.
[7] W.I. Lenin: Schlußwort zum Bericht des ZK der KPR(B). In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag, Berlin, 1961, Br.32, S.200.
[8] F. Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft. In: Marx/Engels, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1952, Bd.19, S.228.
[9] K. Marx: Kritik des Hegelschen Staatsrechts. In: Marx/Engels: Werke, Berlin: Dietz Verlag 1972, Bd.1, S.250.

Quellen:
Politische Ökonomie des Sozialismus, Verlag Die Wirtschaft, Berlin, 1973 (Auszüge).
Leitung der sozialistischen Wirtschaft, Verlag Die Wirtschaft, Berlin, 1976 (Auszüge).
Alle Auszüge wurden gekürzt, bearbeitet und Zwischenüberschriften eingefügt. (N.G.)

DOWNLOAD:
Warum ist die SOZIALISTISCHE WIRTSCHAFT (pdf-Datei)

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12 Antworten zu Warum ist die SOZIALISTISCHE WIRTSCHAFT die einzige vernünftige Alternative zum Kapitalismus? Und was verstehen wir darunter?

  1. Pingback: Die arbeiterfeindlichen Ansichten des Ludwig v. Mises | Sascha's Welt

  2. Martin Emko schreibt:

    Hallo Sascha,
    Danke v.a. für deinen Artikel! Finde ich gelungen,
    ich werde ihn mir kopieren + aufheben.
    Sozialismus statt Barbarei!
    Emko

    • Aysel G. schreibt:

      Sozialismus IST Barberei, denn jeder Zwang, jede Diktatur ist Barberei. Die Sowjetunion war ein menschenverachtender Staat, wie auch die gesamte sozialistische Idee zutiefst menschenverachtend ist, reduziert sie den Menschen doch auf ein Wesen, dass größtenteils Essen, Trinken, und Wohnen muss, mehr nicht.
      Mir ist die Freiheit im Kapitalismus so viel mehr wert als die Knechtschafft im Kapitalismus, ich würde eher töten bis ich getötet werde als mich von so einem System knechten zu lassen.

      • sascha313 schreibt:

        Wie kommen Sie denn auf die Idee? Haben Sie den Verstand verloren??? Sie sollten mal einen Psychiater aufsuchen…

      • Harry 56 schreibt:

        Jahr für Jahr Millionen von Toten durch Hunger, Not, Elend, Verbrechen, angezettelten Kriegen und Bürgerkriegen, „Regime changes“, „farbigen Revolutionen“, imperialistischen NGO´s etc….., ja, ja und nochmals ja, DAS ist die vielgelobte, vielgepriesene „Freiheit“ des/im Kapitalismus!

        Noch nicht genug davon?
        Dann halt wohl bekomm´s…….. 😦

      • Aha! Die Knechtschaft im Kapitalismus hat also einen Wert für Sie. Interessant. Dieser Wert liegt für Sie in der Freiheit der Knechtschaft. Das ist wirklich als eine ausgesprochen brillante Logik zu definieren. Ein echter Klassiker: Sklaverei ist Freiheit. Krieg ist Frieden. Mord ist Leben zeugen. Lüge ist Wahrheit und Wahrheit ist Lüge. Sie sind ein richtiges Genie. Darauf kommen nur ganz wenige Menschen. Sie sollten darüber ein Buch verfassen. Was sage ich, ein Buch? Nö, besser gleich ein Evangelium!

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  6. Stefan schreibt:

    Hallo Leute,
    lasst Euch doch nicht von einem total verblödeten und geltungssüchtig-provozierenden Gehirn-Dünnschiss eines gewissen „Aysa Sonstwieblöd“ konfus machen. Er oder evtl. ja auch sie bietet doch die optimalste Lösung des „Problems“ schon selbt im Dreizeiler an: Lieber tötet mich! Und schwuppdiwupp = „Problem“ effektiv in jeglicher Hinsicht aus der Welt geschafft. Will heißen, die Kosten für eine völlig hoffnungslose psychiatrische Behandlung einer irreparablen „Gehirn“-Deformation gespart! So einfach ist das. Ihr wisst doch, was Albert Einstein über die Unendlichkeit und die menschliche Dummheit gesagt hat … ein Mathematiker würde sagen: w.z.b.w. („was zu beweisenwar“). Akte geschlossen. ;-))

    PS: Wie schön wäre es doch wenn sie alle (Ihr wisst schon …) so einfach bereit wären, freiwillig abzutreten ! Manchen „potentiellen Knechten“ kann man eben keine Bitte abschlagen, besonders wenn diese sa artig einstudiert (nachgeplappert), demagogisch-logisch (bar jeden Funken Verstandes) und nicht zuletzt so herzzerreißend affig vorgetragen wird … da löst sich ja der befreiende Schuss nahezu von allein aus dem Magazin … rein physikalisch wird der Zunahme der Entropie Genüge getan – vom gesamtgesellschaftlichen Nutzen mal ganz abgesehen. Man könnte es (auch wenn es ein Amerikanismus ist) als eine Win-Win-Situation ansehen … Why not ?

    • sascha313 schreibt:

      Klar, Stefan, so manche „Kinder des Kapitalismus“ haben die Dummheit bereits mit der Muttermilch eingesogen. Das führt dann zu solch hirnrissigen Veranstaltungen, wo bspw. so ein Geisterfahrer wie Varoufakis mal schnell die (kapitalistische) Welt retten will: „Wenn wir jetzt nichts tun, fällt die EU auseinander.“ – und Hunderte ebenso verblödeter „Weltverbesserer“ jubeln ihm zu… eine Idee, die schon die Nazis hatten, und eine Gesellschaftsstruktur, deren Todeszuckungen schon nicht mehr zu übersehen sind!

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