Wegschauen, weitergehen… Ein Bericht über die soziale Kälte.

wegschauenEine ganz persönliche Beobachtung: Ganz ehrlich – ich weiß nicht, wo ich noch suchen soll, um hier eine Erklärung zu finden. Ist es die Unmenschlichkeit, ist es die Kälte, das Wegschauen, das so betroffen macht? Oder ist es die eigne Sozialisation als DDR-Bürger, der so etwas nicht kannte? Man sieht heute so viele Grausamkeiten, in Berichten und Filmen aus aller Welt. Und überall geht es um Menschenleben, das oft nicht viel mehr wert ist als eine weggeworfene, wertlose Münze.

Und nun gibt es diesen Film: Es ist Winter. Da steht ein Kind mitten in der Großstadt in den USA, dürftig bekleidet, friert und hält ein Pappschild mit irgendeiner Bitte … und die Menschen eilen vorüber, kaum jemand hält inne. Alle gehen sie weiter, ohne das Kind auch nur eines einzigen Blickes zu würdigen. Und man sieht, der Junge friert. Er trägt ein zerrissenes T-Shirt, hat eine Plastiktüte – und sonst nichts. Es sind 5° F (-15° C) …

Dieser Film ist ein „soziales Experiment“. Er findet ein bemerkenswertes, und doch trauriges Ende. Das Geschehen beleuchtet schlaglichtartig die Situation in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft. Jeder ist sich selbst der Nächste, es gibt kein Mitgefühl und keine Solidarität. Nicht einmal Hilfsbereitschaft! Nichts von alledem! Und das, wo doch gerade die Kirche anhand biblischer Geschichten den Menschen immer wieder einzutrichtern versucht, wie doch der heilige Georg seinen Mantel mit einem Bedürftigen teilte. Nichts davon scheint die vorbeieilenden Menschen zu bewegen. Absolut nichts!

Nicht weniger betroffen war ich, als ich 1990 zum ersten Mal in meinem Leben einen Bettler sah. Und das war in einem kleinen Ort in der Nähe von Lübeck. Auf den Stufen eines Bahnhofs. Ich glaube, ich muß hier nicht erklären, daß es in der DDR (wie in den anderen sozialistischen Ländern auch) so etwas nicht gab. Wir hatten keine Arbeitslosen. Wir hatten auch keine Bettler, keine Obdachlosen und keine solche Menschen, die man heute geringschätzig als „Penner“ bezeichnet. Wir hatten keine Drogenabhängigen (weil es keine Drogen gab) und wir hatten eine – im Vergleich zu heute – verschwindend geringe Kriminalität. Es gab auch keine Prostitution, so wie man sie heute erleben kann, wenn man abends spät durch die Straßen einer Großstadt fährt. Was wir hier sehen, das sind die sozialen Verfallserscheinungen einer morbiden und verkommenen Gesellschaft. In der DDR konntest Du schlimmstenfalls irgendwo an der Haustür klingeln, und irgendeine mitleidige Seele hat Dir aufgemacht und hat Dir geholfen. Niemand länger blieb allein…

Natürlich kam das nicht von ganz allein. Auch das was ein langandauernder Prozeß, ehe sich die Menschen füreinander verantwortlich fühlten, einander halfen und kameradschaftlich miteinander umgingen. Der Sozialismus war und ist das komplette Gegenteil der heutigen menschenfeindlichen Gesellschaft. Ich will nicht sagen, daß es überall so war und heute überall so ist, aber so wie es ist, ist es typisch für den Kapitalismus! Denn in der kapitalistischen Gesellschaft sind die als Menschenrechte ausgegebenen Rechte durch das Privateigentum an Produktionsmitteln und den darauf beruhenden Drang nach Profit bestimmt. So werden zwar formal für das Individuum gewisse politische Rechte proklamiert, jedoch nicht solche fundamentalen Rechte, wie das Recht auf ein Leben in Frieden, das Recht auf Arbeit, Bildung und soziale Sicherheit, die ihnen erst Sinn und Realität geben würden. Erst im Sozialismus sind die Menschenrechte gewährleistet.

So – und wer jetzt sagt: „Das ist alles Schwarz-Weiß-Malerei. So schlimm ist der Kapitalismus nun auch wieder nicht.“ Dem kann ich nur erwidern: Doch, so schlimm ist der Kapitalismus! Er ist noch viel schlimmer. Das sehen wir täglich an den Bildern aus den Kriegsgebieten Palästina, Ukraine, Syrien usw., und das sehen wir an den Bilder aus Afrika, wo Millionen Menschen täglich hungern und verhungern! (Kommentar)

Lies auch: Was sind eigentlich Menschenrechte?

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12 Antworten zu Wegschauen, weitergehen… Ein Bericht über die soziale Kälte.

  1. Emko schreibt:

    Sehr wahr, Zustimmung; nur eine Ergänzung zu „Ist es die Unmenschlichkeit, ist es die Kälte, das Wegschauen, das so betroffen macht? Oder ist es die eigne Sozialisation als DDR-Bürger?“ Letzteres glaube ich kaum, denn aus der Betroffenheit über die Zustände entwickelt sich ja oft erst die Suche nach Lösungen, denke ich. Und die kann nicht anders als „Sozialismus“ lauten, alles andere ist Ablenkung, Fake der Herrschenden, Syriza, LINKE. Jedenfalls war die Betroffenheit über die Zustände bei mir, „West“-Kommunist, ein Auslöser fürs Aktivwerden. Und soeben las ich noch einen sehr betroffen machenden Bericht und weitere Nachrichten aus Spanien, über eine vor die Tür gesetzte Achtzigjährige (Mietschulden) und eine Morgendämmerungs-Brötchendiebin (Hunger…) von gleichfalls betroffenen Genossen von dort.
    (Links: http://www.diario-octubre.com/2015/02/26/madres-robando-pan-en-las-madrugadas-canarias-el-fulgor-de-la-miseria/
    http://periodicodigitalwebguerrillero.blogspot.de/2015/02/a-la-calle-mujer-de-80-anos-en-espana.html )
    Nein, es ist nicht zwangsläufig eine Sozialisation als DDR-Bürger, die einen zum (wahrhaftigen) Menschen macht, aber aus eigenem Interesse hinzuschauen, nachzufragen, sich für sein Umfeld zu interessieren und dadurch auch Betroffenheit und ein Interesse an den Ursachen zu lernen, das sind m.E. Faktoren. Und die will ich auch weitervermitteln.
    Wie immer somit an dieser Stelle:

    Sozialismus statt Barbarei!
    Emko

  2. sascha313 schreibt:

    Danke für den Kommentar! Wie man sieht, hat die soziale Kälte deutlich zugenommen! Es ist freilich richtig, daß es Reste von Mitgefühl auch im Kapitalismus noch gibt. Und der Film zeigt genau, wo es dieses gibt…

    • Emko schreibt:

      Nun, müssen wir nicht unterscheiden? Natürlich gibt es Mitgefühl und Betroffenheit durch alle Klassen hindurch, zumeist allerdings in den marginalisierten Schichten (was der Film ja auch zeigt). Doch gibt es nicht auch viele Leute, die angesichts der Asozialität allein der EU-Verhältnisse anfangen zu denken und verändern zu wollen? Und was wird ihnen von denjenigen, die die „Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus“ studiert haben und eigentlich Antworten zu liefern in der Lage sein sollten, derzeit angeboten?
      Ein (bürgerliches!) Trauerspiel; ein mir lieber Anarcho formulierte dazu: „Jeder Marxist-Leninist seine eigene Partei.“ Wo bleibt da eigentlich die Verantwortung derjenigen, die den Gang der Geschichte und die Funktionsweise der Gesellschaft studiert haben?

      Sozialismus statt Barbarei!
      Emko

      • sascha313 schreibt:

        Stimmt, Emko, Lenin sagte mal: Die Kommunisten sind ein Tropfen im Meer. Ja, und was haben wir denn anzubieten? Der Marxismus-Leninismus ist eine Wissenschaft – und keine Glaubenslehre. Da kann man einen Fisch hinten auf’s Auto kleben und alles ist geklärt. Aber das weißt Du ja auch. Also – diese Wissenschaft gilt es zu studieren, wenn man den Kapitalismus abschaffen will und den Sozialismus aufbauen. Die russischen Kommunisten standen 1917 schließlich ganz allein damit da. Und sie haben gesiegt!!! So wird es wieder sein!

        Und um aus dem Kapitalismus herauszufinden, braucht man eben vor allem Wissen – sagte übrigens auch schon Assad (!) – da ist es ein Irrtum, wenn man glaubt, es gäbe mehrere „Marxismen“. Die Wahrheit ist unteilbar. Auch wenn wir davon ausgehen, daß es immer wieder Irrtümer und Abweichungen geben wird. Meist ist das aber nur auf Unkenntnis oder auf Vorurteile zurückzuführen (manchmal auf Unbelehrbarkeit!), wenn es Streitigkeiten unter Kommunisten gibt. Trotzki war so ein Beispiel. Kommt noch dazu, daß er sehr arrogant war. Zu einer kommunistischen Persönlichkeit gehört neben dem Wissen vor allem auch Mitgefühl, und eben Charakter. Der Kapitalismus hat vieles zerstört, besonders die Menschlichkeit…

        Und was diejenigen betrifft, die mal ML studiert haben, so frage ich mich das auch. Da gibt es allzuviele, bei denen zwischen Denken, Reden und Tun riesengroße Unterschiede klaffen. Und dann gibt es solche, die heute alles anders sehen als 30 Jahre zuvor. Und solche, deren Leben eine einzige Lüge ist…

  3. „Er ist noch viel schlimmer.“

    … noch viel schlimmer!
    Über 16.000.000 Menschen wurden von den verschiedenen Geheimdiensten der USA mit den Unterschriften von Clinton, Bush und Obama weltweit ermordet. Morde mit Drohnen ist nur eine der wenigen Methoden, die es manchmal in die Schlagzeilen „als bloße Information“ schaffen.
    Über 24.000.000 Tote, 48.000.000 Krüppel und 72.000.000 Witwen und Waisen haben die Kriege der USA und ihrer Vasallen in den letzten 15 Jahren hinterlassen.
    Seit 1994 sind durch direkte und indirekte Beteiligung der USA bei den Völkermorden in Burundi, Ruanda, Kongo und Sudan mindestens 12.000.000 Menschen ermordet worden. [ich lebe seit 1994 große Zeitabschnitte in Uganda auf einer Farm im Westen, nahe zum Kongo und nur ein paar Stunden von Ruanda entfernt und habe viele dieser Opfer kennengelernt]
    Seit 1994 wurden viele Medikamente gegen Krebs patentiert, deren Wirkstoffe aus der Pflanze Artemisia Annua L. gewonnen werden. Diese Pflanze wurde nach einen „Donnerwetter“ Maos durch chinesische Wissenschaftler als Heilpflanze gegen Malaria wiederentdeckt. Der Große Vorsitzende muss wohl wirklich getobt haben, endlich ein wirksames Mittel gegen Malaria zu finden. Jedenfalls hat der Wirkstoff Artemisinin in der Pflanze mittlerweile mindestens drei Milliarden Menschen Leben gerettet. Und der Anbau der Pflanze gibt 100.000 Farmern in China Arbeit und Brot.
    Der Skandal ist, dass trotz der Medikamente, die gegen Krebs patentiert wurden, allein in Deutschland in den letzten 15 Jahren 7.500.000 Millionen Menschen an Krebs dahingesiecht sind, denn an einem Krebspatienten werden etwa 300.000 Euro verdient, während die Behandlung mit der Pflanze nur ein paar Pfennige kosten würde.

    Ich studiere seit 40 Jahren die Geschichte der Menschheit. In der gesamten Geschichte der letzten 5000 bis 6000 Jahren habe ich von einer derartig finsteren Zeit, wie sie den von der Schuldkultur, seinem Kapitalismus und irreligiösen Wahn beherrschten Menschen der „Jetzt-Zeit“ auch nur den Gerüchten zur Folge etwas gelesen oder vernommen. Und das sogenannte westliche „Christentum“ war in seiner jetzt 1400 jährigen Geschichte schon immer nicht zimperlich bei der Ausrottung ganzer Völker … Hitler? ein kleiner Vorgeschmack, was noch zu erwarten ist …

    • sascha313 schreibt:

      Ja, Georg. Das ist eine erschütternde Bilanz. Der Hauptgrund dafür ist, daß (wie Marx gezeigt hat) mit steigender Arbeitsproduktivität der Anteil an lebendiger Arbeit immer geringer wird, und damit aufgrund des Privateigentums an den Produktionsmitteln im Kapitalismus zugleich auch die Arbeitslosigkeit rasant anwächst. So entsteht ein riesiges Heer von Arbeitslosen und notleidenden Sozialhilfeempfängern. Und das alles nur, um wieder neuen Profit zu erzeugen. Das ist das mörderische Gesetz der kapitalistischen Wirtschaft.

      Wer das einmal begriffen hat und diese riesige soziale Kluft ebenfalls für menschliches Unrecht hält, der kann gar nichts anderes tun, als diese Ursache mit allen Mitteln (und mit Klugheit!) zu bekämpfen! …und nicht etwa nur was gegen die Armut, gegen die Herzlosigkeit und gegen die soziale Kälte usw. zu unternehmen. Man kann den Kapitalismus nicht „reformieren“ oder auf die Milde der Besitzenden hoffen!

    • Harry 56 schreibt:

      Diese Bilanz, lieber Georg, ist wirklich erschütternd.
      Der Kapitalismus als verbrecherisches, oftmals so menschenfeindliches Weltsystem gehört in der Tat unwiderruflich ausgerottet.
      Hier gibt es nichts zu reformieren, zu verbessern.
      Auch moralisierende Flennerei bringt nichts, wie wir aus den letzten Jahrzehnten doch nur all zu gut wissen.
      Je früher desto besser sollten allen diesen angeblichen „Eliten“ und Dienern dieses Systems das Handwerk gelegt werden.

      In diesem Sinne allen hier beste sozialistische Grüße!

  4. nwhannover schreibt:

    Zitat“Erst im Sozialismus sind die Menschenrechte gewährleistet.“
    Das ist so formuliert ein Schlag ins Gesicht aller Honecker,Ulbricht u.a. Opfer, aller mit Gewalt weggenommenen Kinder, nach Ausreiseantrag und so weiter.
    Der Satz oder die Aussage sollte fairerweise Differenzierter ins Feld geführt werden. Das was jetzt hier abgeht ist nicht ok.aber was ich als „Ossi“ bis zur Wende erlebte war nicht alles rosig.

    Desweiteren befindet sich im Text der Hinweis auf die politische Freiheit im Sozialismus. Die haben wir jetzt nicht und damals auch nicht.
    Eine Lösung habe ich nicht.

    • sascha313 schreibt:

      Wieso ist das „ein Schlag ins Gesicht aller Honecker-, Ulbricht- u.a. Opfer“? Und wer sind denn diese? Und was haben Honecker und Ulbricht damit zu tun? Insbesondere hatte die DDR ja auch genügend Feinde. Und warum hätte man gerade denen in der DDR besondere Freiheiten einräumen sollen? Das ist nicht einzusehen. Schließlich war es die Aufgabe des Staates, deren politische Freiheit zu unterdrücken. Und das geschah auch. – Eine Lösung? Wer den Kapitalismus nicht will, der darf den Sozialismus nicht ablehnen. Einen dritten Weg gibt es nicht. Und es ist doch so: Erst im Sozialismus sind die Menschenrechte gewährleistet! Allerdings ist der Sozialismus eine „Übergangs-gesellschaft“, und noch mit allen Schwächen und Problemen der alten Gesellschaft behaftet. Und wenn Ihnen das zu pauschal erscheint, dann verraten Sie doch mal, was Sie mit den Oligarchen machen wollen?

  5. Klaus Koch schreibt:

    Sehr interessante Diskussion. Es ist natürlich für einen DDR-Kritiker schwer einzugestehen, dass der gelobte Westen auch nicht besser, vielleicht sogar noch schlechter ist. Egoisten hatten es in der DDR schwer, das große Schaufenster BRD vor Augen, mit der mehr oder weniger Mangelwirtschaft klarzukommen. Es war leichter zu versuchen, ins gelobte Land, das mit Marshallplan zum Wirtschaftswunder und Vasallenstaat der USA wurde, zu gelangen, anstelle gemeinsam mit vielen Menschen, die versuchten, eine Alternative zum kriegsverbrecherischen Imperialismus unter den Bedingungen von Wirtschaftsblockade, Sanktionen, Abwerbung von Arbeitskräften, vom Krieg völlig zerstörter Industrie und mit Verbündeten, die genauso aussahen und die größten Lasten des 2.WK zu tragen und zu kompensieren hatten, eine neue Welt aufzubauen. Dazu hätte man Geduld gebraucht. 40 Jahre haben unter diesen äußeren Bedingungen nicht ausgereicht. Ich sage damit nicht, dass keine Fehler gemacht wurden. Aber es war ja auch der erste Versuch. Vielleicht wird der zweite erfolgreicher. Warten wir`s ab.

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