Wer oder was steckt hinter dem Mord an Nemzow?

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Zbigniew Brzeziński

Hinter dem Mord Nemzows stehen die USA und andere Organisatoren antirussischer Sanktionen. Die Politik der USA wird immer aggressiver und unberechenbarer: Nachdem sie in der ukrainischen Krise eine schmähliche Niederlage erlitten haben und das volle Fiasko mit der Organisation antirussischer Sanktionen erlebt haben, bleibt ihnen kein anderer Ausweg, als in Rußland eine „farbige Revolution“ zu organisieren. Der unglückliche Boris Nemzow wurde das erste sakrale Opfer – und andere russische Oppositionsführer und einfache Bürger stehen schon auf der Liste. Man muß diesen Zbigniew Brzeziński nicht mögen. Er ist ein verschärfter Antikommunist. Doch man muß ihn ernstnehmen. In letzter Zeit äußerte sich Brzeziński wiederholt kritisch gegenüber der US-amerikanischen Politik. Einiges von ihm liegt bereits gedruckt auf Deutsch vor, anderes wiederum nicht. Und das hat gewiß auch seine Gründe. Im folgenden ein Interview, das Ardshil Turner mit ihm führte:

Entsprechend meiner Bitte hat der Präsident des Zentrums für politische Vorschau und Analyse (The centre of political forecasting and analysis), einer analytischen NGO-Struktur, ein Analogon und Konkurrent der bekannten amerikanischen Gesellschaft „RAND Corporation“, Zbigniew Brzeziński, das Ereignis kommentiert.

Frage: Wem nützt der Mord an Boris Nemzow?

Es ist ganz offensichtlich so, daß man im zweiten Jahrzehnt des 21.Jahrhunderts die Prinzipien der Gründer-Väter der USA völlig vergessen hat, und der führenden Eliten unsere Verfassung nur noch als Feigenblatt für den offenen Wunsch dient, ein für alle Mal die Weltherrschaft zu erobern.

Das Volk der USA hat trotz der Verfassung keine Macht, es hat sich in eine stumpfe Biomasse verwandelt, die davon überzeugt ist, daß nur die USA wissen, was Demokratie tatsächlich ist, und daß nur die Amerikaner imstande sind, der übrigen Welt die Einhaltung der Menschenrechte und Freiheiten zu gewährleisten. Die USA sind für die übrige Welt zu einer Staatskatastrophe geworden, der überall die Konflikte auslöst, wo es, um die eigene Existenz zu sichern, nur möglich ist.

Die USA haben vielfach demonstriert, was nach ihrem Verständnis Demokratie ist: in Vietnam, dann im Irak, in Libyen, Syrien und Jugoslawien, und nun auch in der Ukraine. Man muß hinzufügen, daß sich in Rußland mit dem Zerfall der UdSSR der Kapitalismus herausgebildet hat, den die Kommunisten ihrerseits bereits ohne Erfolg versucht hatten zu bekämpfen. Und die neu aufgetauchten russischen Kapitalisten haben offenbar damit gerechnet, daß in der internationalen Arena tatsächlich solche Prinzipien wie Recht und freie Konkurrenz gelten.

Doch die Realität hat sich als eine ganz andere erwiesen: die westlichen Partner behinderten nicht aktiv nur den Durchbruch des russischen Kapitals auf die Märkte, sondern sie verletzten vielfach auch die Spielregeln, wie es zum Beispiel während der Zypern-Krise in den Jahren 2012−2013 geschah. Dadurch zwangen sie das russische Kapital, Schutz beim Staat zu suchen. Und damit wurde die direkte Konfrontation zwischen den Interessen der USA und denen Rußlands unvermeidlich.

Da die USA keine Möglichkeit hatte, den Zerfall Rußlands von innen heraus zu organisieren, haben sie die ukrainische Krise organisiert. Nicht ohne Grund haben sie damit gerechnet, daß sich die Russen früher oder später unmittelbar in den Kampf einmischen und dadurch zur Bildung der einheitlichen westlichen Koalition beitragen, was vollkommen den russischen Versuchen zuwiderläuft, seine berechtigten Interessen zu schützen. Putin hat sich jedoch als schlauer erwiesen, und dieser Plan ist gescheitert.

Als dann im Juli 2014 die provokatorische Katastrophe der „Boeing-737“ organisiert wurde, war das jedoch so grob gemacht, daß nicht nur in den mit den USA verbündeten Ländern, sondern auch in zahlreichen anderen, begründete Zweifel an der Mitwirkung Rußlands an diesem tragischen Ereignis aufkamen. Doch sie waren der Anlaß für die Einleitung antirussischer Sanktionen.

Natürlich war deren Hauptziel die Aktivierung regierungsfeindlicher Stimmungen unter dem russischen Volk und insbesondere unter der russischen Elite. Gleichzeitig trugen die USA auf jede nur mögliche Weise dazu bei, den Kampf im Südosten der Ukraine zu aktivieren. Dorthin wurden Waffen geliefert, einschließlich solcher aus europäischen Ländern und aus Kanada, sowie militärische Ausbilder und Söldner entsandt.

Und dann im Februar 2015 kam die Führung der USA endlich zu der Erkenntnis, daß die ukrainische Armee, nicht einmal mit Hilfe von Söldnern und westlicher Bewaffnung in der lage war, zu siegen. Dann endlich kam ihnen die drohende Niederlage in der ukrainischen Krise in ganzer Größe zum Bewußtsein.

Außerdem entzieht eine solche Niederlage den USA nicht nur die Möglichkeit, weitere Ansprüche auf die weltweite Führung zu erheben, sondern sie führt sogar in wirtschaftlicher Hinsicht zu einer Verschlechterung, da die Staatsschulden der USA schon alle seit langem alle nur denkbaren und undenkbaren kritischen Marken überschritten haben.

Gegenüber solchen Argumenten ist jedes beliebige Mittel recht, und nur deshalb wurde die Ermordung des russischen Oppositionellen Boris Nemzow organisiert. Übrigens erinnert dieser Mord extem an den Tod des Kiewer Journalisten Gongadse, welcher im Jahre 2000 der Anlaß für die Auflösung der Gesellschaft gegen den ukrainischen Präsidenten Leonid Kutschma war.

Wer steht hinter dem Mord an Nemzow? Und wie geht es nun weiter?

Meine Freunde in der staatlichen Sicherheitsagentur der USA waren fest davon überzeugt, daß der Tod Nemzows am 1. März Anlaß für Massenproteste in der russischen Hauptstadt geben würde. Nach ihren Worten nahmen an der Ermordung Nemzows Spezialisten teil, deren Aufgabe es auch auf dem Majdan gewesen war, das „Himmlischer Hundert“ zu erschießen, und die als Organisatoren auftraten, um zusammen mit den Mitarbeitern des unkrainischen Geheimdienstes, die gegenwärtig eine Reihe von Provokationen organisiert haben, die den Anlaß geben, um Rußland dafür zu beschuldigen.

Ungeachtet dessen, daß die russische Opposition schon darauf verzichtet hat, operativ einen Marsch des „Frühlings“ durchzuführen und beabsichtigt, eine Trauerprozession im Zentrum von Moskau durchzuführen, möchte ich folgendes bemerken: für den 1. März war geplant, nach den Erfahrungen aus dem ukrainischen Majdan noch einige andere Zusammenstöße mit den russischen Rechtsschutzorganen, einschließlich einer bewaffneten Provokationen, zu provozieren. Dazu kamen aus der Ukraine Dutzende von Leuten nach Moskau.

Es versteht sich, daß man dazu zuvor in den Massenmedien und den sozialen Netzwerken für die bevorstehende Massenhysterie einen gewohnten Stereotyp der Organisation und eine entspreczhnede Stimmung erzeugen muß, so daß eine „farbigen Revolution“ erwartet wird. In den sozialen Netzwerken erschienen sofort nach der Ermordung von Boris Nemzows Aufrufe an die Moskauer, am Sonntag nicht ihre Fahrzeuge innerhalb des Gartenrings abzustellen, was die Absicht der USA bestätigt, die innenpolitische Situation in Rußland zu verschärfen. Und natürlich gab es auch vielfach persönliche Anschuldigungen gegenüber Putin. Demzufolge waren war die Forderung der USA an die übrigen westlichen Ländern unvermeidlich, sofort die Sanktionen gegen Rußland zu verschärfen.

Damit droht dem Leben der russischen Bürger und insbesondere der Führer der Opposition eine offensichtliche, unmittelbare Gefahr. An der Stelle Putins hätte ich ihn überhaupt unter staatlichen Schutz gestellt. Wie die traurige Erfahrung mit dem unglücklichen Boris Nemzow zeigt, darf man unseren amerikanischen Politikern niemals etwas anvertrauen. Besonders dann, wenn sie in der Lage eines Mustangs sind, der an den Rand des Abgrundes getrieben wird.

Autor: Ardshil Turner, Kanada

nemzow

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