War Heinrich Himmler ein „liberaler Mann“?

Himmlers Leiche

Himmlers Leiche

Wenn man die Verbrechen der Nazis von 1933-45 richtig beurteilen will, so muß man sie im Zusammenhang sehen. Es ist klar, daß die Advokaten dieser Verbrechen es am liebsten gesehen hätten, den faschistischen Staat (wie es seinerzeit einer der Strafverteidiger der Nazis, Jahrreiß, tat) als eine ausschließlich von Hitler zu verantwortende Ein-Mann-Diktatur hinzustellen, so daß nach Hitlers Selbstmord (und noch dazu dem von Himmler und Goebbels) allenfalls ein Straffall Göring übriggeblieben wäre. Tatsächlich aber handelte es sich bei den Verbrechen der Nazis um die eine gegen den Frieden gerichtete Verschwörung, um ein auf die Erringung der Weltherrschaft gerichtetes Gewaltunternehmen, das bei seiner Vorbereitung und Durchführung „einen konspirativ zusammengeschlossenen Teilnehmerkreis“* voraussetzt. Es versteht sich, daß die Finanzierer und Auftraggeber der Nazi-Diktatur, also das Großkapital (bzw. die Oligarchen) alles Interesse daran hatten, sich von ihren Handlangern rechtzeitig zu distanzieren und nur diejenigen zu decken, die in Fall einer neuen Aggression mit Sicherheit wieder gebraucht würden, vor allem also die führenden Militärs. Der Berichterstatter beim Nürnberger Prozeß, Arkadi Poltorak, schreibt:

Einer der hohen SS-Führer, Obergruppenführer Bach-Zelewski, sagte auf dem Nürnberger Prozeß aus, Himmler habe im Jahre 1941 auf der Wevelsburg von der Aufgabe gesprochen, in der Sowjetunion dreißig Millionen Menschen zu vernichten. Dabei ging es natürlich um die Zivilbevölkerung: denn Himmler sprach in diesem Falle nicht über Kampfhandlungen. An diese Feststellung Himmlers erinnerte sich auch Göring. «Himmler äußerte sich dahingehend, daß dreißig Millionen Russen vernichtet werden müssen.»

Wer ließ in der Sowjetunion Millionen Menschen ermorden?

Der sowjetische Ankläger fragte Bach-Zelewski: «Können Sie wirklich und wahrhaftig bestätigen, daß die von der Wehrmacht in den damals von den Deutschen besetzten Verwaltungsgebieten getroffenen Maßnahmen den Zweck hatten, die slawische und jüdisehe Bevölkerung um dreißig Millionen Menschen zu verringern?»

Und Bach-Zelewski antwortete: «Ich bin der Ansicht, daß diese Methoden wirklich zur Vernichtung von dreißig Millionen geführt hätten, wenn sie so weiter fortgeführt worden wären, und wenn nicht durch die Entwicklung der Lage sich die Situation ganz geändert hätte.»

Himmler – ein eiskalter Rechner über Leichen

Und was schreibt Hans Fritzsche in seinem in Westdeutschland erschienenen Buch «Schwert auf der Waage» über Himmler? «Es war Anfang 1941, als Himmler eines Abends mit einigen Getreuen am Kamin der Wevelsburg saß. Außer Bach(-Zelewski) und Peiper waren noch Heydrich und, Deluege … anwesend. Himmler berechnete an jenem Abend … die möglichen Verluste beider Seiten und bezifferte die der Russen angesichts ihres rigorosen Kampfwillens und im Hinblick auf Seuchen und Hungersnöte auf bis zu 30 Millionen.» Himmler hatte also keine Direktiven gegeben, die slawischen Völker gewaltsam zu vermindern. Er überschlug lediglich, was die Sowjetunion ein Krieg mit Deutschland kosten könne. So fälscht man nachträglich, so werden Tatsachen verdreht.

Ein durch und durch verlogenes Buch

Doch Fritzsche ist nicht der einzige. Gleichfalls in Westdeutschland veröffentlichte Feliks Kersten, der ehemalige Leibarzt Himmlers, ein nicht weniger verlogenes Buch unter dem prätentiösen Titel «Heinrich Himmler ohne Uniform». Darin wird dem Leser vertraulich mitgeteilt, daß Himmler im Grunde ein liberaler Mann war, der sich durch ungewöhnliche Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Güte auszeichnete. Deshalb genoß er angeblich auch unter seinen Soldaten hohes Ansehen. Aus seinem bescheidenen Gehalt habe er seine Soldaten auch materiell unterstützt. Allen Ernstes behauptet Kersten, er habe Himmler einmal eine Uhr für 160 Mark aus Schweden mitgebracht, und dieser sei nicht imstande gewesen, ihm den Betrag sofort zu zahlen. Er gab ihm nur 50 Mark und bat Kersten angeblich, ihm den Rest der Summe bis zur nächsten Gehaltszahlung zu stunden.

Das sind die Märchen Kerstens! Und die Tatsachen?

Himmler war bereits tot, als man bei Berchtesgaden seinen Schatz fand: 25 935 englische Pfund, 8 Millionen französische Franken, 3 Millionen marokkanische Franken, 1 Million Reichsmark, 1 Million ägyptische Pfund, 2 Millionen argentinische Peso, eine halbe Million Yen und andere Valuta.

Quelle:
Arkadi Poltorak: Nürnberger Epilog. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, 1984, S.48/49.

* siehe: Der Nürnberger Prozeß. Aus den Protokollen, Dokumenten…, Bd.I, S.26.


Himmler
Quelle: BI Universal-Lexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig (DDR), Bd.2, S.412.

P.S. Hier sieht man, was wirklich unter „liberal“ zu verstehen ist!!! In diesem Sinne kann man nur sagen: „Ja, Himmler war ein ‚liberaler Mann‘ – nämlich ein Massenmörder, ein Schwerverbrecher!“

Dieser Beitrag wurde unter Faschismus, Geschichte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu War Heinrich Himmler ein „liberaler Mann“?

  1. „der sich durch ungewöhnliche Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Güte auszeichnete.“ die sehr typische Maske aller Liberaler Wölfe im Schafspelz. Heute kleiden sie sich mit „Demokratie“ und „Freiheit“, was unter „Wohlstand für Alle!“, unter „Sozialer Marktwirtschaft“ sowie „Recht“ und „Rechtsstaatlichkeit“ – „wo niemand über dem Gesetz steht“ / vermarktet wird.

    Schauen wir uns mal die Gleichheit vor dem Gesetz ganz praktisch an. Vielleicht erkennt dann der eine oder die andere, dass es „Verträge“ gibt, die noch über dem GG, der Verfassung oder der Rechtsprechung selbst stehen.

    Aus dem Konkordat mit Hindenburg & Hitler und dem Papst (Pseudonym: „Deutsches Reich“ und „Heiliger Stuhl“)

    Artikel 5
    In Ausübung ihrer geistlichen Tätigkeit genießen die Geistlichen in gleicher Weise wie die Staatsbeamten den Schutz des Staates. Letzterer wird gegen Beleidigungen ihrer Person oder ihrer Eigenschaft als Geistliche sowie gegen Störungen ihrer Amtshandlungen nach Maßgabe der allgemeinen staatlicher Gesetzgebung vorgehen und im Bedarfsfall behördlichen Schutz gewähren.

    Artikel 6
    Kleriker und Ordensleute sind frei von der Verpflichtung zur Übernahme öffentlicher Ämter und solcher Obliegenheiten, die nach den Vorschriften des kanonischen Rechtes mit dem geistlichen Stande bzw. dem Ordensstande nicht vereinbar sind.
    Dies gilt insbesondere von dem Amt eines Schöffen, eines Geschworenen, eines Mitglieds der Steuerausschüsse oder der Finanzgerichte.

    Artikel 7
    Zur Annahme einer Anstellung oder eines Amtes im Staat oder bei einer von ihm abhängigen Körperschaft des öffentlichen Rechtes bedürfen Geistliche des Nihil obstat ihres Diözesanordinarius sowie des Ordinarius des Sitzes der öffentlich-rechtlichen Körperschaft.
    Das Nihil obstat ist jederzeit aus wichtigen Gründen kirchlichen Interesses widerrufbar.

    Artikel 8
    Das Amtseinkommen der Geistlichen ist in gleichem Maße von der Zwangsvollstreckung befreit wie die Amtsbezüge der Reichs- und Staatsbeamten.

    Artikel 9
    Geistliche können von Gerichtsbehörden und anderen Behörden nicht um Auskünfte über Tatsachen angehalten werden
    , die ihnen bei Ausübung der Seelsorge anvertraut worden sind und deshalb unter die Pflicht der seelsorgerlichen Verschwiegenheit fallen.

    https://www.ibka.org/artikel/ag97/reichskonkordat.html

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s