Zur Erinnerung an Karl Marx

Karl Marx (* 5. Mai 1818 in Trier; † 14. März 1883 in London)

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Karl Marx

Was Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: die bisher unter ideologischen Überwucherungen verdeckte einfache Tatsache, daß die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können; daß also die Produktion der unmittelbaren materiellen Lebensmittel und damit die jedesmalige ökonomische Entwucklungsstufe eines Volkes oder eine Zeitabschnitts die Grundlage bildet, aus der sich die Staatseinrichtungen, die Rechtsanschauungen, die Kunst und selbst die religiösen Vorstellungen der be­treffenden Menschen entwickelt haben, und aus der sie daher auch erklärt werden müssen – nicht, wie bisher geschehen, umgekehrt.

Damit nicht genug. Marx entdeckte auch das spezielle Bewegungsgesetz der heutigen kapitalistischen Produktionsweise und der von ihr erzeugten bürgerlichen Gesellschaft. Mit der Entdeckung des Mehrwerts war hier plötzlich Licht geschaffen, während alle früheren Untersuchungen, sowohl der bürgerlichen Ökonomen wie der sozialistischen Kritiker, im Dunkel sich verirrt hatten.

Zwei solche Entdeckungen sollten für ein Leben genügen. Glücklich schon der, dem es vergönnt ist, nur eine solche zu machen. Aber auf jedem einzelnen Gebiet, das Marx der Unter­suchung unterwarf, und dieser Gebiete waren sehr viele und keines hat er bloß flüchtig berührt – auf jedem, selbst auf dem der Mathematik, hat er selbständige Entdeckungen gemacht.

So war der Mann der Wissenschaft. Aber das war noch lange nicht der halbe Mann. Die Wissenschaft war für Marx eine geschichtlich bewegende, eine revolutionäre Kraft. So reine Freude er haben konnte an einer neuen Entdeckung in irgendeiner theo­retischen Wissenschaft, deren praktische Anwendung vielleicht noch gar nicht abzusehen – eine ganz andere Freude empfand er, wenn es sich um eine Entdeckung handelte, die sofort revolutionär eingriff in die Industrie, in die geschichtliche Entwicklung überhaupt. So hat er die Entwicklung der Entdeckungen auf dem Gebiet der Elektrizität, und zuletzt noch die von Mare Deprez, genau verfolgt.

Denn Marx war vor allem Revolutionär. Mitzuwirken, in dieser oder jener Weise, am Sturz der kapitalistischen Gesellschaft und der durch sie geschaffenen Staatseinrichtungen, mitzuwirken an der Befreiung des modernen Proletariats, dem er zuerst das Bewußtsein seiner eigenen Lage und seiner Bedürfnisse, das Bewußtsein der Bedingungen seiner Emanzipation, gegeben hatte – das war sein wirklicher Lebensberuf. Der Kampf war sein Element. Und er hat gekämpft mit einer Leidenschaft, einer Zähigkeit, einem Erfolg wie wenige.

Quelle:
Friedrich Engels: Das Begräbnis von Karl Marx. In: Marx/Engels, AW6, Bd.V, S.507-509.

Siehe auch:
Kurzgefaßt: Was ist Marxismus-Leninismus?

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Eine Antwort zu Zur Erinnerung an Karl Marx

  1. „Marx entdeckte das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: die bisher unter ideologischen Überwucherungen verdeckte einfache Tatsache, daß die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können; daß also die Produktion der unmittelbaren materiellen Lebensmittel und damit die jedesmalige ökonomische Entwicklungsstufe eines Volkes oder eine Zeitabschnitts die Grundlage bildet, aus der sich die Staatseinrichtungen, die Rechtsanschauungen, die Kunst und selbst die religiösen Vorstellungen der be­treffenden Menschen entwickelt haben, und aus der sie daher auch erklärt werden müssen – nicht, wie bisher geschehen, umgekehrt.

    Erstaunlich, dass immer die einfachsten Wahrheiten einen derartigen Widerspruch erfahren, dass sie auch dann noch als „umstritten“ propagiert werden, wenn sich die Wahrheit aus sich selbst heraus beweist.

    Ich würde aber, wie das Essen und Trinken die physischen Grundbedürfnisse eines Menschen sind, allerdings Märchen, Mythen, Kunst und Religon vor Philosophie, Politik und Wissenschaft stellen, da der unwissende Mensch eben die Katastrophen, die er im Laufe der Geschichte erfahren hatte – etwa die kontinuierlich Klimaveränderung der letzten 15.000 Jahre, die ihn immer wieder dazu zwang, seine angestammten Habitate auf der Suche nach Wasser und Nahrung verlassen zu müssen – versuchen musste, sich irgendwie zu erklären. Dies scheint mir im menschlichen Verhaltensprogramm selbst zu liegen.

    Dieses „das kann doch gar nicht sein“ – weil es eben vollkommen unbekannt ist, was einem Menschen widerfährt, ihn aber entweder zum Sterben zwingt oder in das „Wagnis“ in eine andere Gegend zu ziehen, wenn es sich um „dicke“, elementare Katastrophen handelt, die man möglicherweise aus der Erfahrung der Geschichte sogar kommen sehen mag.

    Ansonsten neigen ja bereits kleine Kinder zur Nicht-Anerkennung der Tatsachen, die sie nicht begreifen, wie ich erst neulich wieder beobachtet habe, als die Mannschaft, in der mein siebenjähriger Sohn spielt, das Fußballspiel verlor: erst war es noch ein Unentschieden für ihn, zuhause wurde daraus ein Sieg der eigenen Mannschaft … mit nichts ließ er sich vom Gegenteil überzeugen … die meisten Erwachsenen haben diesen mentalen Zustand ihres Bewusstseins leider auch nie verlassen. In einem gewissen Sinne ist also die Flucht in die Phantasie-Welt eine Form eines Schutzmechanismus …

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