Lenin lesen: Woher kommen die Differenzen in der Arbeiterbewegung und wie kann man sie überwinden?

749877.thwSehr ausführlich hat sich Wladimir Iljitsch Lenin zu Beginn des vorigen Jahrhunderts mit den Abweichungen vom orthodoxen Marxismus befaßt. Und diese Abweichungen waren ganz und gar nicht unerheblich. Sie reichten vom Reformismus, der die illegale Arbeit ablehnte, über das Versöhnlertum eines Trotzki und den Anarchismus in allen möglichen Varianten bis hin zum Opportunismus, der sich prinzipienlos den Interessen der Bourgeoisie unterordnet. Der Einfluß bürgerlicher Ideologien auf das Proletariat war schon damals eine objektive Gegebenheit, mit der sich die Bolschewiki auseinanderzusetzen hatten. Wir verweisen hier noch einmal auf den Beitrag der Genossin Ljubow Pribytkowa:

WARUM IST DER KAMPF GEGEN DEN OPPORTUNISMUS HEUTE SO WICHTIG?

In der Zeitschrift „Swesda“ Nr.1 vom 16. Dezember 1910 schreibt Lenin:

I. Woher kommen die Differenzen in der Arbeiterbewegung?

Eine außerordentlich wichtige Ursache, die unter den Teilnehmern der Arbeiterbewegung Differenzen erzeugt, sind schließlich die Veränderungen in der Taktik der herrschenden Klassen im allgemeinen und der Bourgeoisie im besonderen. Wäre die Taktik der Bourgeoisie immer die gleiche oder zumindest immer gleichartig, so würde die Arbeiterklasse rasch lernen, sie mit einer ebenso gleichbleibenden oder gleichartigen Taktik zu beantworten.

In Wirklichkeit bildet die Bourgeoisie in allen Ländern unvermeidlich zwei Systeme des Regierens heraus, zwei Methoden des Kampfes für ihre Interessen und für die Verteidigung ihrer Herrschaft, wobei diese zwei Methoden bald einander ablösen, bald sich miteinander in verschiedenartigen Kombinationen verflechten.

  • Die erste Methode ist die Methode der Gewalt, die Methode der Verweigerung jeglicher Zugeständnisse an die Arbeiterbewegung, die Methode der Aufrechterhaltung aller alten und überlebten Institutionen, die Methode der unnachgiebigen Ablehnung von Reformen. Darin besteht das Wesen der konservativen Politik, die in Westeuropa immer mehr aufhört, die Politik der Grundbesitzerklassen zu sein, die immer mehr zu einer der Spielarten der allgemeinen bürgerlichen Politik wird.
  • Die zweite Methode ist die Methode des „Liberalismus“, der Schritte in der Richtung auf die Entfaltung politischer Rechte, in der Richtung auf Reformen, Zugeständnisse usw.

Nicht aus böser Absicht einzelner Personen und nicht zufällig geht die Bourgeoisie von der einen Methode zur anderen über, sondern infolge der radikalen Widersprüche ihrer eigenen Lage.

Die normale kapitalistische Gesellschaft kann sich nicht erfolgreich entwickeln ohne ein gefestigtes Repräsentativsystem, ohne gewisse politische Rechte der Bevölkerung, die selbstverständlich verhältnismäßig hohe Ansprüche in „kultureller“ Hinsicht stellt. Diese Ansprüche auf ein bestimmtes Minimum an Kultur werden erzeugt durch die Verhältnisse der kapitalistischen Produktionsweise selbst mit ihrer hohen Technik, ihrer Kompliziertheit, Elastizität, Beweglichkeit, mit der raschen Entwicklung der Weltkonkurrenz usw.

Schwankungen in der Taktik der Bourgeoisie, Ubergänge vom System der Gewaltanwendung zum System von Scheinzugeständnissen sind infolgedessen charakteristisch für die Geschichte aller europäischen Länder im letzten halben Jahrhundert, wobei die verschiedenen Länder in bestimmten Perioden vorwiegend die eine oder die andere Methode entwickeln.

Quelle:
W.I. Lenin: Die Differenzen in der europäischen Arbeiterbewegung. In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1962, Bd.16, S.356f.


II. Wie kann man die Spaltung der Arbeiterbewegung überwinden?

In den Notizen eine Publizisten beschreibt Lenin ferner, wie die gemeinsame Plattform der Bolschewiki beschaffen sein muß, um die Differenzen in der kommunistischen Bewegung zu überwinden und zu einer einheitlichen Auffassung zu kommen, welche die Voraussetzung ist für den erfolgreichen Kampf gegen die Herrschaft der Bourgeoisie:

So muß die Plattform der Bolschewiki für diese Konferenz sein. Es gilt, die Partei gemäß den Resolutionen vom Dezember (1908) und in deren Sinn aufzubauen. Es gilt, die Sache des Plenums weiterzuführen, bei Durchsetzung der oben angeführten Korrekturen seiner Beschlüsse, die durch den ganzen Verlauf der Ereignisse nach dem Plenum vorgezeichnet sind. Es gilt, alle Anstrengungen auf eine systematische, unermüdliche, allseitige und beharrliche Ausnutzung aller legalen Möglichkeiten zu richten, um die Kräfte des Proletariats zu sammeln, um ihm zu helfen, sich zu gruppieren und zusammenzuschließen, im Kampf gestählt zu werden und seine Glieder zu recken. Es gilt ferner, unermüdlich die illegalen Zellen, die illegalen rein parteilichen und vorwiegend, in erster Linie, rein proletarischen Organisationen wiederherzustellen, wobei wir lernen müssen, sie den neuen Verhältnissen anzupassen. Allein diese illegalen Organisationen sind imstande, die ganze Arbeit in den legalen Organisationen zu lenken, sie mit revolutionärem, sozialdemokratischem Geist zu erfüllen, den unversöhnlichen Kampf gegen die Renegaten und gegen die unabhängigen Legalisten zu führen und die Zeit vorzubereiten, wo unsere Partei, unsere SDAPR, die alle Traditionen der Revolution und der großen Siege des Proletariats im Jahre 1905 gewahrt und die proletarische Armee der Partei gefestigt und vergrößert hat, diese Armee zu neuem Kampf und zu neuen Siegen führen wird.

Quelle:
W.I.Lenin: Notizen eines Publizisten. In: W.I. Lenin, ebd. S.261. (Hervorh. von mir, N.G.)

Nachbemerkung: Angesichts der unklaren politischen Haltung der Zeitung „junge Welt“ und ihrer widerlichen Kampagne gegen den alternativen linken Journalisten Ken Jebsen muß man feststellen, daß sich hier das Fehlen einer führenden Kraft (nämlich einer orthodoxen Kommunistischen Partei) besonders nachteilig bemerkbar macht. Es fehlt einfach ein klarer, antiimperialistischer Klassenstandpunkt, der mit Pazifismus und mit Terrorismus unvereinbar ist. In einer Situation, in der die imperialistischen Kräfte insbesondere der USA und der NATO ihre Desinformation, ihre Kriegshetze und ihre militärischen Provokationen derart verstärken, womit Europa nur knapp an einer atomaren Auseinandersetzung vorbeigeschrammt ist, gießt die Zeitung noch Öl aufs Feuer und spaltet die antiimperialistischen Kräfte, indem sie Jebsen indirekt mit Hitler vergleicht. Das ist eine unglaubliche Diffamierung, die nicht hinnehmbar ist. (Danke an „versprengte Linke“ und an „Theorie & Praxis“ für den Hinweis!)

Siehe auch:
Zwei Ratschläge Stalins

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13 Antworten zu Lenin lesen: Woher kommen die Differenzen in der Arbeiterbewegung und wie kann man sie überwinden?

  1. Günter Hering schreibt:

    Lieber Sascha,
    bitte gestatte mir diese persönliche Anrede und zwei Bemerkungen zu Deiner vorstehenden Nachbemerkung:
    * Du bedauerst das Fehlen „einer orthodoxen Kommunistischen Partei“. Das ist eine leicht misszuverstehende Formulierung, denn „orthodox“ ist ja umgangssprachlich vor allem negativ besetzt (siehe Duden: intolerant, starr, unduldsam, unerbittlich, unflexibel, unnachgiebig, borniert, engstirnig, halsstarrig, verstockt, dogmatisch, doktrinär, verbohrt, vernagelt). Angesichts der alltäglichen medialen Fehlinterpretationen würde ich statt von orthodox lieber von geradlinig, kompromisslos, unbeugsam sprechen wollen.
    * Zweitens verstehe ich nicht, wieso ein klarer, antiimperialistischer Klassenstandpunkt mit Pazifismus unvereinbar ist. Aber beim Pazifismus ist es wohl ähnlich wie beim Orthodoxen, der Teufel steckt in der Interpretation. Folgen wir der allgemeinen Definition (z.B. Wikipedia: „Unter Pazifismus (von lat. pax, „Frieden“, und facere, „machen, tun“) versteht man im weitesten Sinne eine ethische Grundhaltung, die den Krieg prinzipiell ablehnt und danach strebt, bewaffnete Konflikte zu vermeiden, zu verhindern und die Bedingungen für dauerhaften Frieden zu schaffen.“), so sehe ich kein Problem darin, mich zusammen mit Pazifisten gegen die drohenden Kriegsgefahren zu engagieren.
    Natürlich gibt es viele, gute Einwände gegen den Pazifismus, wenn man sich allein auf ihn beschränkt [„Nichts als Pacifist zu sein – das ist ungefähr so, wie wenn ein Hautarzt sagt: ‚Ich bin gegen Pickel.‘ Damit heilt man nicht“ (Tucholsky); „Pazifismus reicht nicht aus, um ihn (Hitler) zu besiegen. Die Demokratien müssen sich vereinigen, gemeinsam Krieg gegen Hitler und seine Politik führen und die Aufrüstung Deutschlands stoppen“ (Toller)], aber das wollen wir ja nicht. Ich bin nur sehr allergisch gegen die so weit verbreitete Ausgrenzeritis, die uns sehr schwächt und unseren Gegnern hilft.

    • sascha313 schreibt:

      Lieber Günter, danke für deinen Kommentar. Ich weiß, daß diese Formulierung „orthodox“ leicht mißverstanden wird. Und auch die Autorin L.P. ist dafür kritisiert worden. Aber da ich nunmal bei Lenin (z.B. LW, Dietz Verlag Berlin, 1962, Bd.16, S.143, 204 und 208) den Begriff mehrmals nachgelesen habe – und Lenin war ja ein (juristisch!) exakter Fomulierer – habe ich mich entschlossen, den Begriff auch zu verwenden, ungeachtet dessen, was heute darunter verstanden wird. Es ist ja bekannt, daß heute unter der Herrschaft der Bourgeoisie viele Begriffe tw. sogar in ihr Gegenteil verkehrt werden.

      Und mit dem Pazifismus ist es wohl ebenso, daß man ihn falsch versteht (oder aber: falsch verstehen will). Auch wenn es völlig falsch wäre (da hast Du 100% recht!), Menschen auszugrenzen oder sich von ihnen zu distanzieren, weil sie einen pazifistischen Standpunkt vertreten, so muß man doch sagen: Ein Klassenstandpunkt ist ein „bewußter“ Standpunkt. Und damit ist im Sinne der revolutionären Klasse immer auch gemeint, daß es dem gesellschaftlichen Fortschritt nützt. Eine Revolution aber wird nicht mit Pazifismus gemacht (der sich ja irgendwie auch raushält aus den Streitigkeiten), sondern nur mit entschlossenen, vorwärtstreibenden Kräften – die freilich ohne Ansehen der Person auch alle diejenigen mitnehmen sollten, die ebenso an gellschaftlichen Veränderungen (oder genauer: am Sturz der Bourgeoisie) interessiert sind. Schließlich: Die erlebbare Wirklichkeit wird am Ende zeigen, was danach der richtige Weg ist…

      Gerade auch deshalb ist Klarheit erforderlich, was „Opportunismus“ ist und was er will. Von ihm muß man sich deutlich distanzieren!

  2. Harry 56 schreibt:

    Liebe Freunde,
    wenn wir uns die sogenannten „Differenzen“ innerhalb einer sogennannten „Arbeiterbewegung“ ganz aktuell anschauen, dieses für jedermann im Grunde leicht einzusehende Wissen auch noch auf die Vergangenheit übertragen, so benötigen wir keine endlosen rein ideologisch-akademisierenden Abhandlungen ohne Ende – (beinahe gleich einer tibetanischen Gebetsmühle!) – über dieses Thema.

    Damals wie heute konnten die bürgerlichen Eliten, Herrschaften allein schon auf Grund ihrer zahlenmäßigen Schwäche/Minorität auf Mitmacher, Büttel, Schergen, selbstgefälligen Maulhelden, Vasallen aller Art aus der großen Masse der Besitzlosen nicht verzichten. Und ein ganz besonderes Rekrutierungsfeld boten diesen Eliten zu allen Zeiten gerade die sogenannten „Arbeiterorganisationen“, also „Arbeiterparteien“ und Gewerkschaften, in denen sich Massen an Besitzlosen tummelten, zumeist ausgestattet mit einem gewissen, zumeist eher rein bürgerlichen Bildungsniveau („höheren“ bürgerlichen Bildungsabschlüssen), welche sich so in allen diesen „Eunuchen“-Vereinen schon mal eine nettes Pöstchen als sogenannte „Arbeitervertreter“ ohne wirkliche, mies bezahlte, Schweiß triefende Arbeit ein nettes Dasein innerhalb der ach so „verhassten“ bürgerlichen Klassengesellschaft sicherten und bis zum heutigen Tage sichern. (etwa SPD/Gewerkschaftler-Bonzen aller Art und Herkunft)

    Diese im Grund zumeist höchst arbeitsscheuen, dafür um so mehr eitlen und selbstgefälligen Typen, „gewesene Arbeiter“, sah der berühmte russische Anarchist Michail Bakunin bereits sehr früh äußerst hellsichtig voraus! (siehe MEW, Bd.18) Doch weder Marx und noch mehr der spätere Engels wollten dies wahrhaben. Bakunin behielt recht, insbesondere Engels mit seinem Jubel über immer neue SPD-„Mandaten“ im kaiserlichen Reichstag behielt leider unrecht! Und so verlief die Sache praktisch in allen Ländern bis zum heutigen Tage….

    Und die Bolschewiki in Russland? Warum waren sie erfolgreicher? Allein wegen einem LENIN? Begäben wir uns da nicht schon wieder auf die typisch bürgerliche Personenkults-Masche? Nein. In Russland gab es sehr spezifische Umstände, welche es der kleinen bolschewistischen Partei erlaubten, in einem ganz besonderen geschichtlichen Moment beinahe Putsch-mäßig die Macht zu ergreifen und später zu verteidigen.

    Weder „Revolutionärer Wille“ allein noch ideologische „Sauberkeit“ waren die „Garanten“ für deren Sieg. Mit einer rein ideologisch motivierten Geilheit auf eine „saubere“ kommunistische Partei allein wird es keinen Sturz des Kapitalismus mehr geben. Es sind neue Organisationsformen gefragt. So long! 🙂

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Harry. Dieses Lakaienpersonal ist überall leicht zu haben. Und auch spätestens seit Le Bon wissen wir, wie mit Medien Stimmung zu machen ist. Auch gilt das alte römische Prinzip: Divide et impera! Итак. Ohne eine gewisse Organisiertheit ist aber Macht nicht zu erringen, am Ende geht es zu wie im Hühnerhof, ja – schlimmer noch: jeder gegen jeden! Anarchismus und Terrorismus inbegriffen. Wie also soll es anders laufen, als daß die revolutionären Kräfte, gestützt durch praktische Erfahrungen (Klassenkampf), den Einfluß auf die Hirne der so unterdrückten Massen gewinnen und sich so ihre Übermacht sichern? Der größte Irrtum ist doch der, daß man auf parlamentarischem Weg den Kapitalismus sozusagen „abwählen“ könne…

      • Harry 56 schreibt:

        Lieber Sascha, eigentlich wollte ich bloß sagen, dass das, was Lenin vor bereits über 100 Jahren über die Ursachen des Opportunismus schrieb, schon damals zu 100 % der Wahrheit entsprach, heute aber fast schon jeder BLINDE diesen Sachverhalt erkennen könnte.
        „Arbeitervertreter“, „Linke“ in bürgerlichen Parlamenten……., sie sollen’s bringen, meinten, gaukelten und gaukeln noch immer alle diese kleinbürgerlichen Mandatsjäger ihren zumeist armen lohnabhängigen Wahlvieh vor.
        Gegen den Einwand Bakunins, dass Arbeiter aufhören Arbeiter zu sein, wenn sie denn sich in bürgerlichen Parlamenten und sonstigen bürgerlichen Einrichtungen breit machen, antwortete Marx, dass Bourgeois ja auch nicht aufhören würden, Bourgeois zu sein wenn sie denn in Parlamenten sitzen.
        Klang damals, klingt heute auch noch zunächst sehr logisch, oder?
        Doch worin lag der Irrtum dieser Logik?
        Dieser Irrtum lag einfach darin im Verkennen der Tatsache, dass ein Bourgeois – mit oder ohne bürgerliches Parlamentsmandat ! – immer zu den wirklichen Herren und Gebietern dieser kapitalistischen Gesellschaft gehört, so oder so.
        Ein Arbeiter dagegen früher oder später meistens wirklich aufhört ein Arbeiter zu sein und sich in den meisten Fällen zu einem Lakaien und Verteidiger der bürgerlichen Ordnung mausert.(Ausnahnen ausgenommen wie etwa viele bolschewistische Duma-Abgeordneten)
        Und so lief es von Beginn an bereits in den Gewerkschaften (Trade Unions etc…), später praktisch in allen diesen „Arbeiterparteien“ mit ihren umfangreichen Arbeiter-Bonzen Bürokratien.

        Vielleicht zur musikalischen Illustration nochmals diese wahre Lied aus der Weimarer Zeit:

        Immer noch höchst aktuell, oder?

        Daher steht für moch schon lange fest: Wirkliche revolutionäre Organisationen, welche sich die Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, also den Sozialismus zum Ziel setzen, müssen sich zu allererst aus wirklich werktätigen Menschen zusammensetzen, Menschen, welche mit Hand oder Kopf oder beides zusammen sich durch redliche Erwerbsarbeit ihren Lebensunterhalt verdienen!
        Und die dafür notwendige wissenschaftliche Bildungsarbeit müssen diese wirklichen Werktätigen vor allem wieder selbst organisieren.
        Anders wird es nicht gehen.

        Beste soz. Grüße!

  3. Harry 56 schreibt:

    Vielleicht noch ein kleiner Nachtrag, warum die führenden „Arbeiter“-Politiker der SPD (Wells & Konsorten) und die mit dieser verbandelten damaligen ADGB_Bonzen (Tanner & Konsorten) nach dem Januar 1933 Adolf Hitler so unverschämt und charakterlos in den Arsch krochen.

    Etwa hier:

    Ein wirklicher Kämpfer für den Sozialismus, Albert Norden, enthüllte dieses schäbige schändliche Verhalten in einem seiner wirklich lesenswerten Bücher aus den 50er Jahren der DDR.
    Er schrieb, dass sich 1933 etwa 300 000 Mitglieder der SPD in öffentlichen Einrichtungen tummelten, dort als „gewesene Arbeiter“ (Bakunin) ein behagliches Dasein führten,.
    Klar, nach dem Machtantritt Hitlers zitterten alle diese „gewesenen Arbeiter“ nicht grundlos um ihre zumeist netten Pöststchen, schließlich hatte der Führer ja in seiner NSDAP und SA genügend Anhänger und Mitläufer, welche nicht weniger scharf auf alle diese Pöstchen waren als diese „SPDler“ und „Gewerkschafter“….., und der Führer musste ja schließlich SEINEN Anhängern und Mitläufern auch etwas bieten!
    So wurden denn nach dem 1. Mai, dem „Tag der Deutschen Arbeit“ und SPD-Verbot im Juni 1933, nicht ganz wenige SPDler und Gewerkschaftler – insofern alle diese Arbeiter-Karrieristen nicht in der neuen „Deutschen Arbeitsfront“ oder sonstwo UNTERSCHLUPF fanden, zu „Opfern des Faschismus“…….
    (Lenin und Stalin betonten immer, dass für wirkliche Kommunisten wirklich ALLE Tatsachen auf den Tisch gehören)

    DAS sollten wir niemals vergessen!

    • sascha313 schreibt:

      Allerdings, das sollten wir niemals vergessen: ALLE Tatsachen gehören auf den Tisch. Für meine Begriffe setzt sich auch die Erkenntnis (allmählich) durch: Wir leben im Kapitalismus. Der Kapitalimus muß Profit machen. Der Imperialismus, speziell das Imperium (USA), wird immer mächtiger und strebt nach Krieg. Wir wollen keinen Krieg…

      Und nun kommt der Denkfehler, er besteht darin: Wir kaufen den Krieg ja schon am Kiosk (Kriegspropaganda). Wir bräuchten ihn ja nur nicht zu kaufen. Wir bräuchten ja nur NEIN zu sagen! usw. usf. Irrtum, Herr Staatsanwalt, nicht WIR kaufen den Krieg, sondern wir werden für den Krieg GEKAUFT – wie sagte doch Mark Twain: „Die Halbwahrheit ist die feigste der Lügen“.

      Und da gehört es eben dazu, mit ganz einfachen Mitteln das zu erklären, was zum kleinen Einmaleins des Marxismus gehört: Was sind Klassen? Was versteht man unter Ausbeutung? Was ist Imperialismus? Warum war die Oktoberrevolution der erste (überaus erfolgreiche!!!!) Schritt in eine neue Gesellschaftsordnung, die frei von Ausbeutung ist? Und warum hatte Stalin 100%ig recht, als er die Diktatur des Proletariats kompromißlos fortsetzte? Warum war es richtig, den Feinden des Sozialismus kurz, aber öffentlich!, den Prozeß zu machen, die Feinde also zu vernichten? Warum war der Verrat der Chruschtschowisten 1953 ein konterrevolutionärer Putsch, der uns zu dem geführt hat, was wir bereits überwunden geglaubt haben: zu Faschismus und Krieg nämlich? Und warum ist es falsch, die Vergangenheit „hinter sich zu lassen und nur nach vorne zu schauen“? Warum hatte Heinrich Heine recht, als er sagte (und Du kennst das noch gut!): „Der heutige Tag ist ein Resultat des gestrigen. Was dieser gewollt hat, müssen wir erforschen, wenn wir zu wissen wünschen, was jener will.“

  4. Harry 56 schreibt:

    Sascha sagt: „Und nun kommt der Denkfehler, er besteht darin: Wir kaufen den Krieg ja schon am Kiosk (Kriegspropaganda). Wir bräuchten ihn ja nur nicht zu kaufen. Wir bräuchten ja nur NEIN zu sagen! usw. usf. Irrtum, Herr Staatsanwalt, nicht WIR kaufen den Krieg, sondern wir werden für den Krieg GEKAUFT – wie sagte doch Mark Twain: „Die Halbwahrheit ist die feigste der Lügen“.“

    Sehr gut gesagt, sehr präzise!

    So lange das Proletariat, also alle im Grunde Besitzlosen, sich selbst, sich selbst als Ware Arbeitskraft an die Kapitalisten, Kapitalseigner – oder deren bürgerlichen Staat! – verkaufen, verkaufen müssen, also in dieser Ordnung dazu auch gezwungen sind, geben sie ihren Herren Kapitalisten und Imperialisten auch alle Miitel und Möglichkeiten in die Hand für alle ihre Kriege und Verbrechen.
    Die KAPITALISTISCHE Lohnarbeit – (ganz im Gegensatz zur reinen „Übergangs-Lohnarbeit“ in einer frühen, frischen sozialistischen Ordnung, also z.B. DDR etc….!!!) – ist daher auch der Urgrund allen Elends auf diesem Planeten!
    Und Marx sagte dies ganz klar schon vor ewigen Zeiten, siehe etwa MEW Bd. 16……, wörtlich: „Nieder mit der Lohnarbeit!“ (zunächst natürlich unter rein kapitalischen Verhältnissen)

  5. “Nieder mit der Lohnarbeit!” (zunächst natürlich unter rein kapitalistischen Verhältnissen)“

    Gibt es auch noch Lohnarbeit unter nicht-kapitalistischen Verhältnissen? Ist denn nicht grade die Lohnarbeit überhaupt das eigentlich wesentliche Markenzeichen des Kapitalismus?
    Ist eine Kapitalismus ohne Lohnarbeit denkbar? (Ich meine damit natürlich nicht die Zwangsarbeit, wo der Kapitalismus ja nicht mal mehr die notwendige Nahrung zur Verfügung stellt. Da ist ja bewiesen, dass der Kapitalismus ohne Lohnarbeit denkbar ist.)

    Ist die Lohnarbeit nieder, so ist ja die Basis des Wesens des Kapitalismus zerstört. Deshalb nehme ich das wortwörtlich. Nieder mit der Lohnarbeit! Also muss sie gesetzlich verboten werden und damit zu einem Rechts-Gut werden.

    • sascha313 schreibt:

      Lieber Georg, es wird sich nicht umgehen lassen, in die Sache tiefer einzudringen, als nur hie und da ein bißchen an der Oberfläche zu kratzen. Man kann freilich nicht alles wissen, muß sich erklärtermaßen auf einige Schwerpunkte beschränken, sollte sich aber auch nicht treiben lassen und über jedes Stöckchen springen, daß die Lakaien der Bourgeoisie mal wieder ausgegraben haben.

      Also nun konkret: Als Marx von April 1849 an seine Vorträge zu „Lohnarbeit und Kapital“ in der Neuen Rheinischen Zeitung veröffentlichte, schrieb er: „Es galt vor allem den Klassenkampf in der Tagesgeschichte zu verfolgen…“ – nachzuweisen, was es mit der Unterjochung der Arbeiterklasse auf sich hat, wie dieselbe geschieht und wie im einzelnen der Kapitalist sich bereichert. Das hat Marx sehr schön erklärt und Engels faßt das im Vorwort noch einmal zusammen. Besser kann man es nicht sagen.

      Da das zu allen Zeiten im Kapitalismus so war, ergibt sich: Wer das einmal verstanden hat, weiß auch woher die unermeßlichen Reichtümer kommen, mit denen die Bourgeoisie heute in der Lage ist, Kriege zu führen, die Arbeiterklasse zu manipulieren und weshalb sie schließlich auch in der Lage war, den Sozialismus noch einmal zu stürzen. Nämlich, weil den Ausgebeuteten genau diese Tatsache ihrer Ausbeutung nicht bewußt war, weil sie nicht begriffen hatten, was schon im Manifest steht: „die Bedingung des Kapitals ist die Lohnarbeit. Die Lohnarbeit beruht ausschließlich auf der Konkurrenz der Arbeiter unter sich. Der Fortschritt der Industrie, dessen willenloser und widerstandsloser Träger die Bourgeoisie ist, setzt an die Stelle der Isolierung der Arbeiter durch die Konkurrenz ihre revolutionäre Vereinigung durch die Assoziation.“ (MEW, Bd.4, S.459-493). Und genau damit produziert sie ihre eigenen „Totengräber“.

      Am besten liest man das im Original – denn gültig ist das alles bis heute. (K.Marx: Lohnarbeit und Kapitals. In: MEW, Bd.6, S.397-423)

      • Lieber Sascha,
        meine Fragen waren rhetorischer Art. Ich nahm Anstoß an: „(zunächst natürlich unter rein kapitalistischen Verhältnissen)“, war empört und fühlte mich verschaukelt. Denn wenn unter Sozialisten nicht einmal mehr klar ist (oder sein sollte), dass es in einem Sozialistischen Staat einfach KEINE Lohnarbeit geben darf, weil das der Totengräber einer sozialistischen Gesellschaft ist, kann ich mir jede weitere Diskussion mit den Leuten sparen, die sich Marxisten, Kommunisten, Leninisten und Sozialisten nennen – das sind dann auch nichts weiter als Opportunisten, die nicht begriffen haben, dass der Kapitalismus immer in den reinen Faschismus führt, der den Untergang der Ganzen Menschheit zur Folge haben wird, nicht nur ein paar Juden oder Kommunismus – ganze Völker werden von ihm ausgerottet. Ist den der II.Weltkrieg nichts Beweis genug, braucht es erst in jedem Dorf ein Auschwitz, um zu begreifen, was der Kapitalismus, was „Kirche“ ist?

  6. sascha313 schreibt:

    Klar, Georg. Nur – der Kapitalismus „muß“ nicht zwangsläufig in den Faschismus führen. Es hängt immer von den Völkern, von den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen ab. In der Ukraine hatte sich das ja lange vorher schon angedeutet…

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