Warum, wir uns um gute Sprache bemühen sollten…

language-courseDie Sprache ist uns allen ein Mittel der Verständigung. Stalin sagt: „Die Sprache ist ein Mittel, ein Werkzeug, mit deren Hilfe die Menschen miteinander verkehren, ihre Gedanken austauschen und eine gegenseitige Verständigung anstreben.“ Das Wort Verständigung bedeutet einmal: Mitteilung, Gedankenaustausch; es hat noch den zweiten Sinn: Streben nach Einigung, Einigung selbst. Und dieser zweite Sinn steht heute im Vordergrund.

Eine überzeugende, einfache Sprache

Was nun sichert zunächst das Verständnis, sichert das Verstandenwerden? Eine schlichte, klare Ausdrucksweise. Wir wollen unsre Gedanken in eine einfache Form bringen, damit uns jeder verstehe, an den wir uns wenden. Klar, eindringlich und überzeugend zu sprechen und zu schreiben soll unser Ziel sein. Um dies zu erreichen, wollen wir bei den Dichtern und Denkern in die Lehre gehen, die ein gutes Deutsch geschrieben haben, von ihnen wollen wir lernen. Aber die Klarheit des Ausdrucks bedingt nicht nur Schlichtheit und Einfachheit. Wir müssen auch darauf achten, ob das Wort, das wir wählen, das richtige ist, um unsre Gedanken wiederzugeben. Sehen wir uns deshalb den Wortschatz unsrer Sprache etwas genauer an.

Redensarten, Fremdwörter und sprachliche Veränderungen

Zwar ist es sicher, daß es keine Klassensprache gibt, wie J.W. Stalin in seiner Schrift „Der Marxismus und die Fragen der Sprachwissenschaft“ überzeugend nachgewiesen hat. Genauso unbestritten ist es aber auch, daß sich in den einzelnen Sprachen im Laufe der Geschichte gewisse Abweichungen von Provinz zu Provinz herausgebildet haben (die Dialekte) und daß bestimmte Schichten der Gesellschaft versucht haben, der Sprache ihr Gepräge zu geben (Jargons). Denken wir an die höfischen Kreise vergangen er Jahrhunderte, die mit dem einfachen Volk nichts gemein haben wollten und deshalb viele französische Ausdrücke verwendeten oder überhaupt Französisch sprachen. Doch noch in einer anderen Weise spiegelt die Sprache, und zwar bis auf den heutigen Tag, das Bestreben dieser Kreise wider, ihre Überlegenheit zu betonen.

Die Sprache der herrschenden Klasse

Was ist denn ein „edler“, ein „ritterlicher“, ein „vornehmer“ Mensch? Wir stellen uns darunter einen Menschen mit guten Eigenschaften vor, mit dem wir gern zu tun haben. Doch gleichzeitig ist der Edle, der Ritter, der Vornehme seinem Ursprung nach ein Mensch, der den adligen, begüterten Kreisen angehört. Ist es nur ein Zufall, daß uns auf diese Weise durch die Sprache selbst bekundet wird, daß der Mensch, der durch Geburt und Geld in der Gesellschaft obenan steht, auch gleichzeitig der bessere ist? Nein, ein Zufall ist das nicht, sondern hier spiegeln sich in der Sprache Anschauungen der herrschenden Schichten. Dies erklärt sich dadurch, daß jahrhundertelang das Volk in Unwissenheit gehalten wurde und seine Stimme in der Schriftsprache nur wenig zum Ausdruck kam. Die gleiche Erscheinung wie im Deutschen gibt es übrigens auch in anderen Sprachen. Der englische „gentleman“ ist ebenso der Angehörige der gehobenen Stände wie der „Noble“ oder der „Chevalier“ (damit hängt der „Kavalier“ zusammen) im Französischen oder der „Caballero“ im Spanischen. Diese Wörter haben aber bezeichnenderweise ebenfalls den Doppelsinn des anständigen, zuvorkommenden Menschen.

Klassenunterschiede…

Doch wie sieht es auf der anderen Seite aus? Ein Mensch, der unsre Verachtung verdient, ist „gemein“. Dieses Wort „gemein“ besagte jedoch ursprünglich nur, daß jemand zur Allgemeinheit, zur großen Masse zählte. Ähnlich verhält es sich mit dem Wort „gewöhnlich“, dem die Uberheblichkeit der „feinen“ Leute einen verächtlichen Sinn gegeben hat. Und auch das Wort „grob“ deutete ursprünglich auf das einfache Gewand des Mannes aus dem Volke, ehe ihm der weitere Sinn des unfreundlichen Menschen gegeben wurde. So wurden in die Sprache Klassenunterschiede hineingetragen, die ihr bis auf den heutigen Tag anhaften und die sicher auch die Denkweise weiter Teile des Volkes beeinflußt haben. Eine solche Entwicklung wird man nicht mit einem Schlage ungeschehen machen können, denn eine Sprache ist etwas organisch Gewachsenes. Aber gerade deshalb ist es sehr nützlich, einmal über den Wortschatz der deutschen Sprache nachzudenken.

Der Einfluß der gesellschaftlichen Verhältnisse auf die Sprache

Die gesellschaftliche Entwicklung, die sich bei uns in den letzten Jahren vollzogen hat, wirkt sich selbstverständlich auch auf die Sprache aus. … Unsre heutige gesellschaftliche Entwicklung erfordert deshalb auch, daß wir uns bemühen, uns genau auszudrücken, für jedes Ding den richtigen Ausdruck zu wählen. … Die Pflege unsrer Muttersprache, das Streben nach einem guten deutschen Stil ist ein Gebot im nationalen Sinne, ist ein Gebot der Stunde. Das rechte deutsche Wort ist ein Band, das Ost und West verknüpft; es soll uns auch helfen, das ganze deutsche Volk wieder in einem einheitlichen, demokratischen Deutschland zusammenzuführen, das seinen Platz in den Reihen der friedliebenden Völker einnimmt.

Fremdwörter

Christian Morgenstern hat einmal gesagt: „Es gibt nichts Lohnenderes, als der Schwachheit der Menschen durch ein schönes Wort zu Hilfe zu kommen. Verordne einem Patienten dreimal täglich Manulavanz, und er wird sich über alle erhaben fühlen, die sich bloß die Hände waschen.“ Der eitle Schreiber ahnt gar nicht, wie sehr er dem Spießer ähnelt, der sich geradeso wie er an der Ausgefallenheit eines Fremdworts berauscht und sich damit wichtig macht. In feierlicher Rede oder in einem Gedicht wirkt ein Fremdwort ernüchternd, es zerreißt die Stimmung, ist ein Loch im schönen Webebild des Vortrags. In schlichten, volksnahen Erzählungen, so besonders im Märchen, kann es das ganze traumhafte Gespinst zerstören. Bei Musäus findet man nicht wenige solcher sprachlichen Fremdkörper. Was sollen Wörter wie Sollizitant (Bittsteller), Kustodie (Gefangenschaft), Parentation (Trauerrede) oder kondemnieren (verurteilen), peregrinieren (umherschweifen) und ähnliches Gelichter in den sogenannten „Volksmärchen der Deutschen“, wenn sie für das Volk völlig unverständlich sind? Im Schneewittchen, Dornröschen, Aschenputtel gibt es kein Fremdwort; alles ist einfach gesagt und klar. Darum werden diese Märchen auch zu Deutschen sprechen, solange es eine deutsche Sprache gibt.

Die Arroganz dümmlicher Wortschöpfungen

Und wie mit den Fremdwörtern geht es auch mit den Klischeewörtern. Sie gehören auf die schwarze Liste. Es ist ratsam, sich auf einem Zettel alle Wörter aufzuschreiben, deren Gebrauch Unkultur bedeutet, und die wir darum meiden sollen. Es sind die Klischeewörter und -wendungen: Engpaß*, letzten Endes, geht in Ordnung; hundertprozentig (nur wenn wirklich gezählt wird, einwandfrei, z.B. Der Bauer M. hat sein Soll hundertprozentig erfüllt; dagegen häßlich: Er ist hundertprozentig in sie verschossen), ganz groß, unerfindlich, nicht unflott, in ke.inster Weise, primstens (als Superlativ von: prima), pyramidabel, pfundös, bon komfortionös und was dergleichen Unsinn mehr ist.

* Engpaß ist an sich einwandfrei, aber der übermäßige Gebrauch des Wortes auch dort, wo es lächerlich wirkt, macht es zu einem Klischeewort. Zur Behebung des noch vorhandenen Engpasses in bezug auf Düngemittel … , Als Engpaß ist das Transportproblem zu werten … usw. Ähnlich verhält es sich auch mit den Wörtern: Fingerspitzengefühl, Leerlauf, von Format. „Garant“ sollten wir allein schon darum meiden, weil es eines der Lieblingswörter Hitlers war.

Quelle:
Eduard Koelwel: Wegweiser zu einem guten deutsche Stil. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1954, S.5-7, 55.

Koelwel

P.S. Wenn der Autor E.Koelwel hier schreibt „Eines der wenigen Güter…“ usw. – hat er unrecht. Denn erstens war und ist der Faschismus kein „Wahnwitz“, sondern erneut finstere Realität und zweitens konnte – wie sich nun erwiesen hat – nicht einmal die Sprache vor dem braunen Ungeist bewahrt bleiben, geschweige denn  gerettet werden.

Siehe auch:
Amerikanisierung – ein ernstes Warnungszeichen
Karl Hecht (1969): „Im Sozialismus gibt es keine Amerikanisierung.

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3 Antworten zu Warum, wir uns um gute Sprache bemühen sollten…

  1. Wer klar sagen kann, was er denkt und dabei seinen Blick nicht senkt – hat eine Chance mehr, verstanden zu werden.

  2. Dank dir Sascha, dass du dich eines der wichtigsten Themen überhaupt hier kurz angenommen hast. Unsere Sprache ist zu einer gleichgültigen und unbestimmten Plapperei verkommen. Das Gesagte ist nicht mehr das Gemeinte und das Gemeinte hat keine Bedeutung mehr. Und von früh bis spät wir einem eingehämmert, dass es unwichtig sei, was und wie etwas gesagt wird, damit sich niemand festlegen muss. Dabei galt einmal die Feststellung „Speak German!“ (Shakespeare), womit gesagt war: „Sprich klar, deutlich und für jedermann verständlich.“ So einen hohen Stellenwert hatte einst die deutsche Sprache!

    „Eines der wenigen Güter, die wir noch aus dem faschistischen Wahnwitz retten konnten, ist unsere Muttersprache.“

    Ich denke, das war eine Fehleinschätzung. Im Zusammenhang mit dem Faschismus passt nun so gar nicht die Verwendung der Worte „Güter“ oder „Witz“ und „aus ihm zu retten“ hat es auch nichts gegeben. Unbemerkt – vom Schreiber – bleibt bei einer solchen Formulierung sogar noch etwas Gutes am Faschismus haften.

    „Christian Morgenstern hat einmal gesagt: „Es gibt nichts Lohnenderes, als der Schwachheit der Menschen durch ein schönes Wort zu Hilfe zu kommen. Verordne einem Patienten dreimal täglich Manulavanz, und er wird sich über alle erhaben fühlen, die sich bloß die Hände waschen.“ Der eitle Schreiber ahnt gar nicht, wie sehr er dem Spießer ähnelt, der sich geradeso wie er an der Ausgefallenheit eines Fremdworts berauscht und sich damit wichtig macht.

    Es ging Morgenstern in dem zitierten Satz nicht darum sich mit einem Fremdwort wichtig zu machen, vielmehr weist er damit auf die hilflose Eitelkeit derjenigen hin, die sonst für gar keine Ratschläge offen sind und sich nie etwas sagen lassen, weil sie eh alles besser wissen. In dem Satz steckt ein eine Art beißender Spott über das bornierten Gehabe vieler Deutscher. Übrigens bis heute, aber das hatte ja bereits Marx treffend ausgedrückt, als er die nationale Borniertheit der Deutschen für widerlich erklärte.

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