Wie lange noch?

Wie lange sollen wir noch zulassen, daß eine Generation nach der anderen zu Verbrechern erzogen wird und die Menschen dann wie Tiere im Walde gejagt werden, bis sie sich hoffnungslos in den Fallen und Netzen des Gesetzes verfangen? Aber wenn man die Verhältnisse der armen Menschen, die alles ertragen müssen und die niemand bemitleidet, mit der Umwelt jener vertauscht, die selbst im Glanz der Würde und Gerechtigkeit leben, dann würden diese Gerechten auf der Anklagebank und die Verbrecher auf dem Richterstuhl sitzen. (Robert Owen)

Quelle:
Vom Sinn Deines Lebens. Verlag Neues Leben, Berlin (DDR), 1959, S.28.


(c) Robert Owen Memorial Museum; Supplied by The Public Catalogue FoundationWer war Robert Owen?

Robert Owen (1771-1851) war ein englischer utopischer Sozialist. Er versuchte seine Ideen durch genossenschaftliche Teilnahme der Arbeiter an der Produktion und durch kulturelle Erziehung in seinem Betrieb „New Lanark“ zu verwirklichen. Er scheiterte. Auch der Versuch in Amerika („New Harmony“) scheiterte.

Marx und Engels würdigten stets das Verdienst der utopischen Sozialisten – vor allem von Claude-Henri Saint-Simon (1760-1825), François Marie-Charles Fourier (1772-1837) und Robert Owen (1771-1858). Die utopischen Sozialisten kritisierten schonungslos die kapitalistische Gesellschaft. Das war ihr Hauptverdienst. Sie träumten davon, daß eine neue, bessere Ordnung an die Stelle dieser kapitalistischen Ordnung treten werde; aber sie wußten keinen realen Weg zu dieser neuen Ordnung. Sie glaubten, daß durch die Einsicht der Reichen oder durch Anderung der Verfassungen die neue Gesellschaftsordnung herbeigeführt werden könne. Der französische utopische Sozialist Fourier war lange Zeit der Meinung, daß die neue Gesellschaft errichtet werden könne, wenn es ihm gelänge, den Bankier Rothschild von der Unsittlichkeit der kapitalistischen Ausbeutung zu überzeugen.

Wer ist imstande, den Kapitalismus zu beseitigen?

Die utopischen Sozialisten erkannten nicht, daß die Arbeiterklasse die einzig reale gesellschaftliche Kraft ist, die den Kapitalismus zu beseitigen vermag. Zu dieser Erkenntnis drang der deutsche utopische Kommunist Wilhelm Weitling (1808-1871) vor. Er verstand jedoch wegen seines religiös gefärbten Utopismus nicht, einen wissenschaftlich begründeten Weg zur Befreiung der Arbeiterklasse auszuarbeiten. So entwickelten sich auf der einen Seite die Arbeiterbewegung und der proletarische Klassenkampf, und getrennt davon, auf der anderen Seite die utopischen sozialistischen und kommunistischen Lehren. Arbeiterbewegung und Sozialismus waren nicht miteinander vereinigt.

Die Arbeiterklasse braucht eine wissenschaftliche Weltanschauung

Es entstand die dringende Notwendigkeit, der sozialistischen Theorie eine wissenschaftliche Grundlage zu geben und mit der Arbeiterbewegung zu vereinigen; d. h., es entstand die Notwendigkeit, der Arbeiterklasse eine wissenschaftliche Theorie des Sozialismus zu geben, die ihr den Weg zum Sturz des Kapitalismus und zur Schaffung der sozialistischen Gesellschaftsordnung wies. Das getan zu haben ist das historische Verdienst von Marx und Engels.

Quelle:
Lehrbuch Staatsbürgerkunde für Klassen 11 und 12 (DDR), Dietz Verlag Berlin, 1979, S.89/90. (Ja, das haben bei uns in der DDR schon die Schulkinder gelernt!)


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2 Antworten zu Wie lange noch?

  1. … nun ja, nur weil jemandes idealistisches Werk gescheitert ist, heißt das ja nicht das er gescheitert ist. Sonst kommen noch irgendwelche Deppen auf die Idee zu behaupten, Marx sei gescheitert, weil er den frühen Tod von dreien seiner Kinder erlitt, oder dass Lenin und seine Frau Nadeschda Krupskaja keine Kinder hatten.

    Außerdem wurden – aus meiner Erinnerung heraus – seine beiden Projekte zum Scheitern gebracht.

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