Was verstehen wir unter Humanismus?

9974Was ist eigentlich der Kerngedanke der Menschlichkeit? Ist sie nur Mitgefühl? Beschränkt sie sich auf milde Gaben? Keineswegs. Wir wissen: Die Umwelt formt den Menschen, und sie bringt das Bewußtsein hervor, warum Menschen sich so oder anders verhalten. Wie schon Karl Marx sagte,  »muß man nicht das Verbrechen am Einzelnen strafen, sondern die antisozialen Geburtsstätten des Verbrechens zerstören und jedem den sozialen Raum für seine wesentliche Lebensäußerung geben. Wenn der Mensch von den Umständen gebildet wird, so muß man die Umstände menschlich bilden.« [1] Das ist in vollem Umfang erst im Sozialismus möglich. Denn er beseitigt ein für alle mal den Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit und setzt der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ein Ende. Und so ist die sozialistische Revolution der bedeutendste humanistische Vorgang in der Geschichte überhaupt. Erst von da an verwirklicht sich, wovon die Menschen schon immer träumten: hier sind die Quellen der Unterdrückung und Unfreiheit des Menschen beseitigt, hier ist die Entfremdung überwunden und hier sind die Ursachen für Kriege endlich abgeschafft.

Von Humanismus kann in den kapitalistischen Ländern (von ein paar wenigen Ausnahmen mal abgesehen) schon lange keine Rede mehr sein. Der Kapitalismus entwickelt sich immer mehr zu einem furchtbaren System der Ausbeutung jeglicher menschlicher und natürlicher Ressourcen, zu einem System der gegenseitigen Übervorteilung, des Betrugs und der Unterdrückung. Die Verfolgung und Ermordung derer, die damit nicht einverstanden sind, gehört längst zum Alltag. Nur mühsam läßt sich verbergen, daß die imperialistischen Staaten keinerlei Legitimation mehr haben.

Demokratische Wahlen sind nur noch eine Farce. Da das nicht hilft, versucht man es mit Lügen und Meinungsbeeinflussung, verschleudert die letzten Gelder, um die beunruhigten Massen zu besänftigen. Und am Ende ist Gewalt das einzige Mittel, um die Macht der Bourgeoisie noch aufrechtzuerhalten. Nur diejenigen, die von diesem System profitieren, die Großbourgeoisie, das Finanzkapital, die Oligarchen, die Kleinunternehmer, Beamten und das fest angestellte Kleinbürgertum halten dem Staat die Stange. Und der rauscht mit aller Macht dem Abgrund etngegen. Humanistät ist ein Fremdwort geworden, Menschlichkeit dient der Bourgeoisie allenfalls als Alibi. Jeder ist sich selbst der Nächste. Doch was ist eigentlich Humanismus? Und was wollen wir erreichen?

Humanismus: Streben nach Menschlichkeit (Humanität), nach menschenwürdiger Daseinsgestaltung. Im weiteren Sinne die Gesamtheit jener Ideen und Bestrebungen in der Geschichte der Menschheit, die von der Bildung und Entwicklungsfähigkeit des Menschen. von der Achtung seiner Würde und Persönlichkeit ausgehen und auf die allseitige Ausbildung, die freie Betätigung und Entfaltung seiner schöpferischen Kräfte und Fähigkeiten sowie auf die Höherentwicklung der menschlichen Gesellschaft, auf immer größere Vervollkommnung und Freiheit des Menschengeschlechts gerichtet sind.

Die humanistischen Ideen und Bestrebungen beruhen jeweils auf den konkreten historischen Bedingungen einer Gesellschaftsformation und sind daher in ihrem Inhalt weitgehend durch die Interessen und Bedürfnisse der Klassen geprägt.  Zugleich gibt es aber auch gemeinsame Grundgedanken, welche alle Formen des Humanismus miteinander verbinden. In groben Umrissen lassen sich antiker, bürgerlicher und sozialistischer Humanismus unterscheiden.

  • Der antike Humanismus fand seine umfassendste und höchste Entwicklung in Griechenland (etwa seit 500 v. u. Z.). Er kommt besonders im griechischen
    Bildungsideal zum Ausdruck, mit dem eine Ausbildung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Menschen angestrebt wurde.
  • Der bürgerliche Humanismus entstand, als die kapitalistische Gesellhaft sich formierte, zunächst als Renaissance-Humanismus. Durch ihn wurde die klassische griechisch-römische Kultur wiederbelebt und als Mittel im Kampf gegen den Feudalismus und die geistige Herrschaft der Kirche benutzt. In der Aufklärung, die zugleich eine höhere Form des Kampfes gegen die feudale Gesellschaft darstellte, wurde der bürgerliche Humanismus weiterentwickelt. Er spielte eine wichtige Rolle bei der ideologischen Vorbereitung der bürgerlichen Revolution, prägte weitgehend den Inhalt der  bürgerlichen Kultur und Bildung jener Zeit und übte so vielfältige progressive Wirkungen auf die gellschafrliche Entwicklung aus.

Was geschah mit dem bürgerlichen Humanismus?

Nach der vollen Herausbildung des Kapitalismus mit seinen Klassenantagonismen zeigte sich immer mehr, daß diese auf der Ausbeutung und Klassenunterdrückung beruhende Gesellschaft ihre ehemals selbst aufgestellten humanistischen Ziele nicht verwirklichen konnte. Sie finden ihre Grenzen an den Profitinteressen der herrschenden Klasse, trotz Bestrebungen vieler humanistisch denkender bürgerlicher Persönlichkeiten, die bis in die Gegenwart für Frieden und Fortschritt eintreten.

Der Verfall des Humanismus im Imperialismus

Im Imperialismus offenbarten sich die antihumanen Züge und Ziele des Kapitals immer stärker, was besonders in der Politik der Hochrüstung, der Ideologie des Chauvinismus und Rassismus usw. zum Ausdruck kommt. Mit seinem allgemeinmenschlichen Anspruch dient der bürgerliche Humanismus heute einerseits den Ideologen der Bourgeoisie als Mittel zur Verschleierung ihrer egoistischen Klasseninteressen, andererseits wurden die früheren humanistischen Ideen auch offen zurückgenommen und antihumanistische Ideologien entwickelt.

Der Übergang zu einem neuen, sozialistischem Humanismus

Die konsequenten Verfechter der besten Ideale des bürgerlichen Humanismus in der spätbürgerlichen Kultur gerieten in Konflikt mit dem Imperialismus und der kapitalistischen Gesellschaft überhaupt. Viele von ihnen näherten sich den Positionen der revolutionären Arbeiterklasse, wurden zu deren Verbündeten, und die konsequentesten unter ihnen gingen auf die Positionen des sozialistischen Humanismus über.

Was ist sozialistischer Humanismus?

Der sozialistische Humanismus verkörpert eine neue Qualität in der Geschichte der humanistischen Ideen und Bestrebungen, weil er untrennbar mit der historischen Mission der Arbeiterklasse als Schöpfer der von Ausbeutung und Unterdrückung freien sozialistischen Gesellschaft verbunden ist. (→ Frieden) Er beruht auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen des Marxismus-Leninismus, deshalb werden in ihm nicht nur humanistische Forderungen erhoben, sondern zugleich auch die Bedingungen ihrer praktischen Realisierung bestimmt. Damit erhält der Humanismus ein theoretisches Fundament, das ihn von allen Zügen des Utopismus befreit und ihm wissenschaftlich begründeten Charakter verleiht.

Wer bestimmt die Charakterzüge des neuen Humanismus?

Die Arbeiterklasse wird zum sozialen Träger eines umfassenden und konsequenten Humansimus, weil sie ihre eigene Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung nur erreichen kann, indem sie die Bedingungen aller Ausbeutung und der Existenz von Klassen überhaupt aufhebt und durch den Aufbau des Sozialismus und später des Kommunismus jene ökonomische Gesellschaftsformation schafft, »die mit dem größten Aufschwung der Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit die allseitigste Entwicklung des Menschen sichert«. [2]  Um die freie, allseitige Entwicklung des menschlichen Individuums zu ermöglichen, muß die Arbeiterklasse die gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend verändern und gemeinsam mit allen Werktätigen die sozialistische Gesellschaft aufbauen.

Die gesamten kapitalistischen Verhältnisse umwerfen…

Der sozialistische Humanismus liegt im Wesen der historischen Mission der Arbeiterklasse begründet, »alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist«. [3] Das Proletariat kann »sich aber nicht selbst befreien, ohne seine eigenen Lebensbedingungen aufzuheben. Es kann seine eigenen Lebensbedingungen nicht aufheben, ohne alle unmenschlichen Lebensbedingungen der heutigen Gesellschaft (der kapitalistischen – d. Verf.), die sich in seiner Situation zusammenfassen, aufzuheben.« [4]

… und die Macht der Arbeiterklasse errichten!

Der Sozialismus beseitigt für immer die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und strebt als höchstes Ziel die allseitige freie Entwicklung des Menschen in der Gemeinschaft an. Zugleich schafft er die materiellen und geistigen Bedingungen für allmähliche Realisierung dieses Zieles. Der sozialistische Humanismus ist daher wesentlich, mit dem wissenschaftlichen Sozialismus identisch. MARX bezeichnet den Kommunismus als »realen Humanismus«.


Von hier ab wurde der Text des philosophischen Wörterbuchs verändert aus folgenden Gründen verändert:

  1. Der Sieg der Sowjetunion über den deutschen Faschismus am 9. Mai 1945 hatte zwar entscheidend dazu beigetragen, daß die humanistische Prinzipien des Sozialismus auch in den Urteilen des Nürnberger Gerichts verwirklicht werden konnten.  Jedoch wurde der feindliche Einfluß des Imperialismus ebenso wie auch die Wirkung der inneren Feinde des Sozialismus unterschätzt.
  2. Die revolutionäre Wachsamkeit der Arbeiterklasse ließ nach. Sie machte einer kleinbürgerlichen Zufriedenheit Platz, die in der Folgezeit zur Abkehr von den Grundsätzen des Sozialismus führte. Die Zerstörung des Sozialismus hatte katastrophale Folgen für die Menschheit. Es gab zahlreiche neue Kriege und Kriegsverbrechen. Und es gibt wieder Faschismus.
  3. Humanistische Prinzipien, die durch den Sieg des Sozialismus gesetzt worden waren, werden mehr und mehr mißachtet. Dennoch kann der Sozialismus, wenn man einmal von den Fehlern und Irrtümern absieht, die zu seiner Zerstörung geführt hatten, bis dahin als Beispiel dienen.

Das Beispiel des Sozialismus bis 1989/90

Unter den damaligen Bedingungen wurde der sozialistische Humanismus vor allem durch schöpferische Arbeit zur weiteren Gestaltung und zur Vervollkommnung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft in den Ländern der sozialistischen Staatengemeinschaft praktisch verwirklicht. Der sozialistische Humanismus war seit der Existenz der sozialistischen Gesellschaft in der Sowjetunion und in den anderen sozialistischen Ländern nicht nur eine theoretische Vorstellung, sondern zugleich geschichtliche Realität. Er verkörperte sich in den großen sozialen Errungenschaften und in den Werten der sozialistischen Gesellschaft. Der sozialistische Humanismus fand seinen Ausdruck vor allem im Kampf der sozialistischen Länder um den Frieden, um die friedliche Koexistenz zwischen Staaten unterschliedlicher Gesellschaftsordnung und in der solidarischen Unterstützung der nationalen Befreiungsrevolutionen.

Was ist die Aufgabe der Gegenwart?

In der weltweiten Klassenauseinandersetzung mit dem Imperialismus setzt die revolutionäre Arbeiterklasse die großen humanistischen Traditionen der Geschichte der Menschheit auf historisch und theoretisch höherer Stufe fort. Sie verbündet sich mit allen humanistisch gesinnten Kräften, um die Existenz und die friedliche Zukunft der Menschheit zu sichern. Sie führt einen unversöhnlichen ideologischen Kampf gegen jede Preisgabe und Verfälschung des Humanismus durch die imperialistische Bourgeoisie und ihre Ideologen, insbesondere gegen alle Formen des Antihumanismus.

Quelle:
Alfred Kosing: Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosphie. Dietz Verlag Berlin (DDR), 1985, S.234-236.

Hinzuzufügen ist hier unbedingt: Das Proletariat muß endlich wieder seiner historischen Rolle als revolutionäre Kraft bei der Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft gerecht werden. Dazu bedarf es einer führenden Kraft, einer einheitlichen kommunistischen Partei, die als Vorhut, theoretische und praktische Führerin im Kampf gegen die derzeitigen Machthaber in der Gesellschaft fungiert, im Kampf vorangeht und die Massen überzeugt und mitreißt.

Zitate:
[1] Karl Marx: Die heilige Familie. In: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Dietz Verlag Berlin 1957, Bd.2, S.131-142.
[2] Karl Marx: Brief ein die Redaktion der „Otetschestwennyje Sapiski“. In: ebd. Bd.19, S.111.
[3] Karl Marx: Zur Kritik der Hegeischen Rechtsphilosophie. In: ebd. Bd.1, S.385.
[4] Friedrich Engels und Karl Marx: Die heilige Familie. In: ebd. Bd.2, S.38.

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Eine Antwort zu Was verstehen wir unter Humanismus?

  1. „Das Proletariat muß endlich wieder seiner historischen Rolle als revolutionäre Kraft bei der Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft gerecht werden. Dazu bedarf es einer führenden Kraft, einer einheitlichen kommunistischen Partei, die als Vorhut, theoretische und praktische Führerin im Kampf gegen die derzeitigen Machthaber in der Gesellschaft fungiert, im Kampf vorangeht und die Massen überzeugt und mitreißt.

    Aber wie soll es dieser historischen Rolle als revolutionäre Kraft bei der Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft gerecht werden, wenn es sich darüber nicht einmal mehr bewusst ist? … und wer ist das Proletariat in der Faschistischen BRD?

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