Der Griff der Kirche nach der Macht. Brauchen wir mehr Religionsfreiheit?

Nazipfaffen

Religion und Politik

In einer überregionalen deutschen Wochenzeitung beklagt sich ein adliger Jesuitenpater über den Mißbrauch der Religion zu politischen Zwecken. Er fürchtet um den Verlust der Religionsfreiheit und der kulturellen Werte. „Wir haben einen christlichen Bildungsnotstand“, so zetert er. Und er verlangt sogar, der Staat müsse „aus Gründen der Selbsterhaltung“ einspringen, um die „Quellen europäischer Kultur“ lebendig zu halten. [1] Eine fürwahr jesuitische Polemik! Nun ist es ja nicht neu, daß Religion von je her durch die herrschende Ausbeuterklasse für politische Zwecke instrumentalisiert wurde. 1912 schrieb Lenin: „Die Nichtteilnahme der Geistlichkeit am politischen Kampf ist eine äußerst schädliche Heuchelei. In Wirklichkeit hat die Geistlichkeit stets versteckt an der Politik teilgenommen, und das Volk wird nur Nutzen davon haben, wenn die Geistlichkeit zu einer offenen Politik übergeht.“ [2]

Zunächst fragen wir: Was ist eigentlich Religion, und woher kommt sie? Darauf gibt uns das Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie die folgende Antwort…

Religion: besondere Aneignungsweise und daraus hervorgehende gesellschaftliche Bewußtseinsform, welche durch phantastische, illusorische, verkehrte Widerspiegelung der objektiven Realität charakterisiert ist.

Die Religion stellt sich dar als Gesamtheit von Anschauungen, Emotionen und Kulthandlungen, deren Wesen in einer phantastisch verzerrten, illusionären Widerspiegelung der Natur und der Gesellichaft im Bewußtsein der Menichen besteht. Die Erscheinungen der Natur und der Gesellschaft nehmen in der religiösen Anschauungen die Form übernatürlicher Vorgänge und Mächte an; zu diesen Mächten verhalten sich die religiösen Menschen gefühlsmäßig und versuchen, sie durch Gebete, Opfer, Kulte, Riten usw. zu beeinflussen. Alle Religionen sind durch grundlegende Elemente charakterisiert:

  • Anschauungen, Emotionen, Kulthandlungen und Institutionen. In frühen Formen der Religion in der Urgesellschaft glaubte man an Magie, Zauber, Totemismus; später entstanden die polytheistischen Stammes- und Volks-Religionen (Polytheismus ist Glaube an viele Götter). Zu den entwickelten Formen des Monotheismus gehören Christentum und Islam (Monotheismus ist Glaube an einen Gott). Die religiösen Anschauungen, insbesondere des Monotheismus, besitzen weltanschaulichen Charakter; da sie den Ursprung und das Wesen der Welt letztlich in einer übernatürlichen geistigen Macht sehen, sind sie ihrem Inhalt nach eng verwandt mit dem objektiven Idealismus.
  • Die Religion geht notwendig aus dem materiellen Lebensprozeß der Menschen hervor. In ihren früheren Formen widerspiegelt sie zunächst die Abhängigkeit der Mensehen von den elementaren Naturgewalten, die sie infolge der geringen Entwicklung ihrer Produktivkräfte noch nicht beherrschen können. Die nicht erkannten, daher noch geheimnisvollen Naturkräfte widerspiegeln sich in den religiöscn Anschauungen als phantastische übernatürliche Mächte, und die Menschen suchen ihre reale Ohnmacht gegenüber diesen natürlichen Mächten auf illusorische Weise zu überwinden, indem sie die Geister (später die Götter) durch Opfer, Beschwörung, Gebete usw. günstig stimmen und um Hilfe bitten.
  • Nach dem Aufkommen der Klassengesellschaft entstand für die Volksmassen eine neue Form der Abhängigkeit und Ohnmacht, die in der weiteren Entwicklung zur wichtigsten Grundlage der Religion wurde: die Abhängigkeit von gesellschaftlichen Mächten, die ihr Leben beherrschten und ihr Schicksal bestimmten.

»Aber bald treten neben den Naturmächten auch gesellschaftliche Mächte in Wirklichkeit, Mächte, die den Menschen ebenso fremd und im Anfang ebenso unerklärlich gegenüberstehn, sie mit derselben scheinbaren Naturnotwendigkeit beherrschen wie die Naturmächte selbst. Die Phantasiegestalten, in denen sich anfangs nur die geheimnisvollen Kräfte der Natur widerspiegelten, erhalten damit gesellschaftliche Attribute, werden Repräsentanten geschichtlicher Mächte.« [3] (Friedrich Engels: Anti-Dühring)

  • Die monotheistischen Welt-Religionen, insbesondere das Christentum, sind ein Erzeugnis der antagonistischen Klassengesellschaft mit ihren Verhältnissen der Ausbeutung und Unterdrückung der Mehrheit der Menschen durch eine Minderheit. Sie entstanden als Ausdruck des Protestes und zugleich der Ohnmacht der ausgebeuteten Volksrnassen.

»Die Ohnmacht der ausgebeuteten Klassen im Kampf gegen die Ausbeuter erzeugt ebenso unvermeidlich den Glauben an ein besseres Leben im Jenseits, wie die Ohnmacht des Wilden im Kampf mit der Natur den Glauben an Götter, Teufel, Wunder usw. erzeugt. Denjenigen, der sein Leben lang arbeitet und Not leidet, lehrt die Religion Demut und Langmut hienieden und vertröstet ihn mit der Hoffnung auf himmlischen Lohn. Diejenigen aber, die von fremder Arbeit leben, lehrt die Religion Wohltätigkeit hienieden, womit sie ihnen eine recht billige Rechtfertigung ihres ganzen Ausbeuterdaseins anbietet und Eintrittskarten für die himmlische Seligkeit zu erschwinglichen Preisen verkauft.« [4] (Lenin: Sozialismus und Religion)

Die Religion in der kapitalistischen Gesellschaft

Die wichtigste Grundlage für die Existenz der Religion in der Gegenwart bildet die kapitalistische Gesellschaftsordnung. Die spontan wirkenden Gesetze der kapitalistischen Produktion, die zu sozialer Unsicherheit, zu Arbeitslosigkeit, Krisen und zu verheerenden Kriegen führen, treten den Menschen als unerklärliche Kräfte entgegen. Im religiösen Bewußtsein erscheinen diese Kräfte als überirdische Mächte; die Ohnmacht und Hilflosigkeit der Menschen widerspiegelt sich in den Vorstellungen von einem allmächtigen göttlichen Wesen, dem alle Vollkommenheiten zugeschrieben werden; und das menschenunwürdige Leben der ausgebeuteten Werktätigen im Diesseits erscheint als die Vorstufe eines glücklichen Lebens im Jenseits. So ist die Religion die allgemeine Theorie der menschenunwürdigen Welt der Ausbeutung und Unterdrückung, »ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund«. [5] (K.Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung) Sie ist eine Form des entfremdeten Bewußtseins.

Der Mißbrauch der Religion für reaktionäre Zwecke

Die Ausbeuterklassen haben die Religion immer dazu benutzt, die unterdrückten Massen geistig niederzuhalten. Auch in der Gegenwart mißbrauchen reaktionäre Kräfte die Religion als ideologisches Mittel, die Werktätigen der kapitalistischen Länder von der Erkenntnis ihrer wahren Interessen und vom Klassenkampf abzuhalten, sie mit der kapitalistischen Gesellschaft zu versöhnen und gegen die sozialistische Gesellschaft zu beeinflussen. Verantwortungsbewußte religiöse Kreise aller Konfessionen wenden sich immer stärker gegen den Mißbrauch der Religion für reaktionäre Zwecke. Sie treten aktiv gegen imperialistische Rüstungspolitik, für Verständigung und sozialen Fortschritt ein. In der Gegenwart vollziehen sich in vielen Religionsgemeinschaften bedeutsame Differenzierungsprozesse, in deren Ergebnis besonders ein großes Engagement religiöser Organisationen und Gemeinschaften für den Frieden entstanden ist.

Die Religion in der sozialistischen Gesellschaft (in der DDR)

Die Politik der marxistisch-leninistischen Partei gegenüber religiösen Gemeinschaften ist vor allem von dem Streben bestimmt, die breite Zusammenarbeit aller friedliebenden Kräfte für den Kampf um die Bewahrung und dauerhafte Sicherung des Friedens zu erreichen. Ungeachtet unterschiedlicher weltanschaulicher Positionen, sich wechselseitig zu respektieren und entfaltet die SED beharrlich eine Politik der engen und vertrauenvollen Zusammenarbeit zwischen Marxisten und Christen im Kampf um den Frieden und bei der weiteren Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft. Sie lassen sich dabei von prinzipiellen Erwägungen leiten, die Lenin in folgenden Worten formuliert hat:

»Die Einheit dieses revolutionären Kampfes der unterdrückten Klassen für ein Paradies auf Erden ist viel wichtiger als die Einheit der Meinungen der Proletarier über das Paradies im Himmel.« [6] (W.I Lenin: Sozialismus und Religion)

a) Glaubens- und Gewissenfreiheit

Die langjährigen praktischen Erfahrungen in der DDR zeigen, daß viele Christen den Sozialismus um religiösen Motiven bejahen, aus ihrer Religion Impulse für die sozialistische Umgestaltung des gesellschaftlichen Lebens schöpfen und freundschaftlich mit den Marxisten-Leninisten zusammenarbeiten. Die Partei der Arbeiterklasse tritt für volle Glaubens- und Gewissensfreiheit ein.

»Jedem muß vollkommen freistehen, sich zu jeder beliebigen Religion zu bekennen oder gar keine Religion anzuerkennen, d.h. Atheist zu sein, was ja auch jeder Sozialist in der Regel ist.« [7] (W.I. Lenin: Sozialimus und Religion)

b) Trennung von Staat und Kirche

Die sozialistische Gesellschaft sichert durch die Trennung von Staat und Kirche sowie durch die verfassungsmäßigen Rechte allen Bürgern die Glaubensfreiheit und die ungehinderte Ausübung religiöser Veranstaltungen. In der Verfassung der DDR war festgelegt worden:

»Jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hat das Recht, sich zu einem religiösen Glauben zu bekennen und religiöse Handlungen auszuüben. Die Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften ordnen ihre Angelegenheiten und üben ihre Tätigkeit aus in Übereinstimmung mit der Verfassung und den gesetzlichen Bestimmungen der Deutschen Demokratischen Republik.« [8] (Verfassung der DDR, Artikel 39)

Quelle:
Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie, Dietz Verlag Berlin, 1985, S.450-453 (gekürzt und mit Zwischenüberschriften versehen, N.G.)


Einige Bemerkungen und Schlußfolgerungen:

  1. Was die Bildung betrifft: Hat dieser Pfaffe recht? – gibt es einen „christlichen Bildungsnotstand“? Nein. Erstens handelt es sich bei Religion nicht um Bildung, sondern um das genaue Gegenteil. Religion ist keine Wissenschaft, sie ist lediglich ein Glaube, der durch nichts beweisbar ist. Wer z.B. die „10 Gebote“ oder ein biblisches Gleichnis kennt, der kann vielleicht sagen, daß er etwas weiß. Aber ein gebildeter Mensch besitzt wissenschaftliche Kenntnisse. Zweitens: von einem „Notstand“ kann wahrhaftig keine Rede sein! Seitdem es keine klare Trennung mehr zwischen Staat und Kirche gibt, und seit Religion in der Schule als Unterrichtsfach behandelt wird, kann von einer Not längst keine Rede mehr sein. Im Gegenteil, die religiöse Indoktrination hat seit 1990 (nicht nur im Osten Deutschlands) erheblich zugenommen. Zudem gibt es das Fach Ethik, das ähnliche Themen beinhaltet.
  2. Was die Kultur betrifft: Beruht unsere Kultur auf „christlichen Werten“, oder sind wenigstens ihre Quellen auf religiöse Anlässe zurückzuführen? Nein. Es gibt keine allgemeingültigen Werte oder Moralnormen, die man allein auf einen christlichen Ursprung zrückführen könnte. Im Gegenteil: stets war das, was die Pfaffen von der Kanzel herab verkündeten zur Einschüchterung und zur Disziplinierung des Volkes gedacht, während der Klerus sich ganz andere Freiheiten herausnahm. „Die Produktionsweise des materiellen Lebens bestimmt, wie K. Marx schreibt, den gesamten übrigen sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß. Die sittlichen Normen, Prinzipien und Anschauungen widerspiegeln die objektiven Erfordernisse des Zusammenlebens in der menschlichen Gesellschaft, grundlegende gemeinsame Interessen der Gesellschaft oder bestimmter Klassen, ohne deren Berücksichtigung die Gesellschaft sich nicht entwickeln kann.“  [9]
  3. Was die Kunst betrifft: Ist es wahr, daß man Bach, Mozart, Michelangelo, Dürer, Goethe oder Thomas Mann ohne das Christentum nicht verstehen kann? Nein. Das ist eine Zweckbehauptung. Sicherlich haben Künstler vergangener Epochen sich oft biblischer Allegorien und Metaphern bedient. Das ist auch naheliegend, da die Religion jahrhundertelang ihren Einfluß ausgeübt hat. Doch K. Marx und F. Engels haben nachgewiesen, daß es allgemeinmenschliche Werte als konstante Größen nicht gibt. Jede Phase der Menschheitsentwicklung bringt ihre eigenen Merkmale, ihre eigenen künstlerischen Gestaltungsmittel hervor, die dem jeweiligen Stand der Produktivkräfte entsprechen.  Diese konkreten Leistungen, Lebensformen und -beziehungen besitzen für diese Epoche eine allgemeinmenschliche Bedeutung. Es sind die gesellschaftliche Umstände, die Bedingungen jener Zeit, die man verstehen muß (und nicht das Christentum!), wenn man den Sinngehalt der Werke verstehen will.
  4. Was die Moral betrifft: Ist Jesus von Nazareth, wie der Jesuitenpater behauptet, die kulturell wichtigste Persönlichkeit der europäischen Geschichte? Wenn das nicht so lachhaft wäre, müßte man diesem Pfaffen wirklich eine erhebliche geistige Armut bescheinigen.  Doch steckt dahinter ein durchaus ernstzunehmender Sinn – die Behauptung nämlich, daß es angeblich nichts gäbe, was mit dieser fiktiven Gestalt vergleichbar wäre. Damit definiert sich der Alleinvertretungsanspruch der Kirche als ultimative moralische Instanz.
  5. Was die Machtfrage betrifft: Muß der Staat einspringen, wenn es den Kirchen nicht mehr gelingt, Grundinformationen über das „Christentum als Kulturgut“ zu vermitteln? Nein. Mal ganz abgesehen davon, daß man das Christentum nicht als „Kulturgut“ bezeichnen kann, sondern allenfalls als eine ideologische Zeiterscheinung, so ist doch der Staat nichts anderes als das Machtinstrument der herrschenden Klasse. Wenn also die Kirche darauf Anspruch erhebt, daß der Staat einspringt, wo sie selber versagt, so ist das gleichbedeutend mit einem Griff der Kirche nach dem staatlichen Machtinstrument, um sich seiner gegenüber der jeweils unterdrückten Klasse zu bedienen.

Zitate:
[1] Die Zeit, Nr.21 vom 21. Mai 2015.
[2] W.I. Lenin: Die Geistlichkeit und die Politik. „Prawda“ Nr. 106, 1. September 1912. In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1971, Bd.18, S. 301f-302.
[3] Friedrich Engels: Anti-Dührung. In: MEW, Bd.20, S.294.
[4] W.I. Lenin: Sozialismus und Religion. In: LW, Bd.10, S.70/71
[5] Karl Marx: Zir Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. In: MEW, Bd.1, S.378.
[6] W.I. Lenin: Sozialismus und Religion. In: LW, Bd.10, S.74.
[7] W.I. Lenin: Sozialismus und Religion. In: LW, Bd.10, S.71.
[8] Verfassung der DDR vom 6.April 1968, Staatsverlag der DDR, Berlin 1969, Artikel 39, S.36-37.
[9] Kulturpolitisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin, 1979, S.378.

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7 Antworten zu Der Griff der Kirche nach der Macht. Brauchen wir mehr Religionsfreiheit?

  1. rheinlaender schreibt:

    Ich hab Respekt, vor denen, die ihren Glauben ehrlich leben.
    Aber: Ein Pollakken-Papst hat sich mal gerühmt, dass die Kirche dem Sozialismus den Todesstoß gegeben habe. Das sagt eigentlich alles. Die Hofnarrenkritik, wie: Im Kapitalismus gibt es zu wenig Behindertenparkplätze oder WIR müssen auf ekelige Fair Trade Produkte umsteigen – macht sich schon selbst lächerlich.
    Aber gerade christliche Religion ist tatsächlich – für die Kapitalisten – eine ausgelaufene Mode, und heute stehen die ehemaligen Christen auf Maya Kalender, Buddismus, Scientologie, Yoga, Jahrmarkts-Wahrsager oder teuren Ayuveda-Schwachsinn. Hauptsache der Schwachsinn ist kommunistenfeindlich, individualistisch, teuer und man kann sich als Franchise Guru die Taschen auf Kosten der armen, beknackten Anhänger füllen.

    • Harry 56 schreibt:

      Religionsfreiheit?
      rheinlaender schreibt:
      2. Juni 2015 um 22:06
      „Aber: Ein Pollakken-Papst …..“

      ????????????…………. 😦

  2. Samy Yildirim schreibt:

    Lieber Norbert,

    Immanuel Kant lehrte uns u.a., dass es „Freiheit“ als solche nicht gibt, mithin jeder a priori verdaechtig ist, der von „Freiheit“ als solcher spricht. Man muss solche Leute (und sich selbst !) immer wieder fragen, was genau sie meinen:
    -> Wessen Freiheit? Also: Freiheit fuer wen?
    -> Freiheit von was?
    -> Freiheit zu was?

    Mal ist diese positiv und jene negativ: Freiheit von Sklaverei – Freiheit zu Sklaverei.
    Mal ist es genau umgekehrt: Freiheit von eigenstaendigem Denken – Freiheit zu eigenstaendigem Denken.

    Es mangelt in diesem Lande – sowohl D als auch NL – nicht an Freiheit ZU (insbesondere: organisierter und offenbarter) Religion, sondern an Freiheit VON (insbesondere: organisierter und geoffenbarter) Religion.

    Fiat Lux!

    Samy Yildirim

    Zaandam / Nordholland / Niederlande

    • sascha313 schreibt:

      Ja, richtig, Samy. Die Frage ist ungenau. Gemeint ist aber wohl Freiheit für die Religion. Jedenfalls hat der Jesuit das Gefühl, in seiner Freiheit der Religionsausübung eingeschränkt zu sein, so behauptet er zumindest…

  3. Samy Yildirim schreibt:

    Immanuel Kant hatte sicher nicht das historische Copyright auf die Erkenntnis, dass man bei Leuten, die dauernd von „Freiheit“ sprechen, genauer hinschauen muss. Er hatte es bloss griffig und gueltig formuliert, und das ist ja auch etwas. In seinen „Maximen der Lebensweisheit“ weist Goethe darauf hin, „dass doch nirgends so viel von Freiheit die Rede ist, als wenn die eine Partei sich anschickt, die andere zu unterjochen“. Auch hierzu lassen sich Vorlagen finden.

    Immanuel Kant hatte auch nicht das historische Copyright auf die Widerlegung der Gottesbeweise; das hatten schon die mittelalterlichen Theologen-Philosophen besorgt. Konsequenterweise wurde das Credo des heiligen Augustinus „Credo ut intelligam.“ [= „Ich glaube, weil dies der Vernunft entspricht.“] gegen Ende des 14. Jahrhunderts ersetzt durch „Credo quiae absurdum.“ [ = „Ich glaube, obwohl – und eigentlich: gerade deshalb -, weil ich es nicht beweisen kann.“] Aber ihm gelang im 18. Jahrhundert eine besonders elegante Formulierung dieser Widerlegungen. So fiel ihm zum Ontologischen Gottesbeweis des Heiligen Anselmus von Canterbury ein: „Hundert GEDACHTE Thaler sind KEINE Hundert WIRKLICHEN Thaler.“

    Immanuel Kant hatte auch nicht das historische Copyright auf den Sinn und Zweck der Aufklaerung. Abemals gelang ihm „nur“ die seitdem gueltige griffige Formulierung in seiner diesbezueglichen Broschuere von 1784″: „Aufklaerung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmuendigkeit.“ Dieser wahre Gedanke wird in den folgenden Saetzen entwickelt, und diese Formulierung ist auch heute noch gueltig.

    Immanuel Kant hatte natuerlich seine Begrenzungen. (Welcher Mensch denn nicht?) So war er in der Tat Rassist: er schaute auf American Natives, Aboriginees und Schwarzer herab. Das tat aber auch Carl von Linne. Ist dessen „Natuerliches System“ der Benennungen von Tieren und Pflanzen deswegen ein rassistisches Machwerk und also zu verwerfen? Wie war das doch gleich bei Hegel und dessen (Hin)Aufheben von Erkenntnissen? Und war Hegel selbst nicht ein Anbeter des Preussischen Absolutismus? Muesste man deswegen mit Hegels System nicht auch seine Methode verwerfen? Aber was taten stattdessen Marx und Engels?

    Mir faellt hierzu eine Bemerkung von Wilhelm Busch ein: „Die Wissenschaft // sie ist und bleibt // was der eine ab- // vom andern schreibt.“

    Auch was Grover Furr schreibt, ist nicht neu. Mit ein wenig Mittelschulmathematik haette man auch vor „Oeffnung der Archive“ im Jahre 1990 herausfinden koennen, dass die von den diversen „Schwarzbuechern des Kommunismus“ behaupteten Opferzahlen nicht stimmen konnten. Die Argumentationsmuster dieser Machwerke finden sich bereits in den Anti-Lincoln-Buechern, mit denen suedstaatliche Autoren sich und ihre Landsleute ueber den Verlust von Civil War, Vorherrschaft ueber die USA und Sklaven hinwegtroesten wollten. Aehnlich schrieben die Autoren von Anti-Haiti-Buechern ueber die Selbstbefreiung der Sklaven auf Haiti. In der „Collectie Bijzondere Boeken“ (Amsterdam-Mitte, Oude Turfmarkt 139) findet man mehr davon.

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