Zerbricht der Imperialismus an seinen ökonomischen Widersprüchen?

AlterDas Thema ist immer wieder das gleiche, und alles deutet darauf hin, daß man es solange wiederholen muß, bis es auch der letzte kapiert hat: Die Lösung sämtlicher Menschheitsprobleme (sozialer Konflikte, Energieprobleme, hochgradig verschmutzte Umwelt, zunehmende Kriminalität usw.) – ja, die Zukunft der gesamten Menschheit hängt davon ab, wie die Eigentumsverhältnisse beschaffen sind. In wessen Händen befinden sich die Produktionsmittel? Sind sie das Privateigentum einiger weniger? Oder befinden sie sich in den Händen des werktätigen Volkes? Erst wenn die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt ist, werden auch die Menschheitsprobleme lösbar sein. Von allein wird das jedoch nicht geschehen. Der Kapitalismus ist eine Gesellschaft ohne Zukunft. Darüber schreibt der marxistische Philosoph Otto Reinhold:  

In der Tat spielen die ökonomischen Widersprüche für den Untergang des Imperialismus eine zentrale Rolle. Wie die ökonomische Basis die Grundlage für die Entwicklung aller anderen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens ist, so sind die ökonomischen Widersprüche Quelle aller anderen kapitalistischen Widersprüche.

Warum ist ausgerechnet der Sozialismus unsere Zukunftsperspektive?
Bei bürgerlichen und kleinbürgerlichen einschließlich sozialdemokratischen Ideologen finden wir oft die Auffassung, daß der Sozialismus eine Sache der freien Entscheidung und in diesem Sinne eine Frage des subjektiven Willens sei, als ob wir wie im Restaurant die Wahl zwischen verschiedenen Speisen hätten. Der Marxismus-Leninismus weist dagegen nach, daß gerade das Wirken der inneren ökonomischen Widersprüche den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus gesetzmäßig notwendig macht.

Warum verschärfen sich die Widersprüche in der Gesellschaft?
Der Ausgangspunkt der einzelnen ökonomischen wie auch anderer Widersprüche ist der Grundwiderspruch des Kapitalismus, der Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privaten, kapitalistischen Aneignung ihrer Resultate. Die Produktion ist durch die weitgehende Arbeitsteilung und gegenseitige Verflechtung längst zu einer gesellschaftlichen Angelegenheit geworden. Aber alles, was die Arbeiterklasse produziert, eignen sich nach wie vor die Kapitalisten, die Eigentümer der Produktionsmittel, an. Solange Kapitalismus existiert, verschärft sich dieser Grundwiderspruch ständig. Besonders durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt wächst der gesellschaftliche Charakter der Arbeit, und zugleich schreitet die Konzentration der Produktion und des Kapitals in den Händen einer immer kleiner werdenden Zahl von Monopolherren voran.

Wann ist das Limit der Duldung erreicht?
Es wird schließlich jener Punkt erreicht, den Marx so charakterisierte: „Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateure werden expropriiert.“ [1] Zu den Widersprüchen, die das Leben im Kapitalismus und besonders die Lage und die Kampfbedingungen der Arbeiterklasse tief beeinflussen, gehört vor allem der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit. Die Kapitalisten sind bestrebt, ihre Profite auf Kosten der Werktätigen auf vielfältige Weise zu erhöhen; die Arbeiter und Angestellten sind zutiefst daran interessiert, die Ausbeutung einzuschränken und schließlich überhaupt zu beseitigen.

Die nächste Krise kommt bestimmt!
Dieser Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit – der heute vor allem als Widerspruch zwischen den Monopolen und der Mehrheit des Volkes hervortritt – findet in den zunehmenden Streikkämpfen und anderen Klassenauseinandersetzungen seinen sichtbaren Ausdruck. Die Entwicklung der Produktivkräfte, der Wissenschaft und Technik, schafft schon heute die Möglichkeiten, die materielle Produktion rasch zu erhöhen. Aber der Anteil der Arbeiterklasse am gesellschaftlichen Reichtum bleibt in allen kapitalistischen Ländern hinter den Profiten und dem Reichtum des Monopolkapitals zurück. Die Monopole streben nach höchstmöglichen Profiten, und die Kaufkraft der werktätigen Massen reicht unter diesen Umständen nicht aus, um alle Waren profitabel abzusetzen. Daraus erwachsen periodisch Wirtschaftskrisen, Arbeitslosigkeit, soziale Unsicherheit usw., wodurch sich die ökonomischen Widersprüche ebenso periodisch zuspitzen.

… doch es gibt keinen Ausweg aus der Krise!
Auch im Kapitalismus wächst objektiv die Notwendigkeit, die wirtschaftliche Tätigkeit im internationalen Maßstab immer enger untereinander zu verflechten. Viele Probleme in Forschung und Produktion können nicht mehr im Rahmen eines Landes gelöst werden. Die einzelnen Monopole und die imperialistischen Staaten stellen diese objektive Notwendigkeit in den Dienst ihrer Profitinteressen. Sie sind bestrebt, ihren internationalen Einfluß zu erhöhen, neue Absatzmärkte und Rohstoffquellen zu erobern und ihren Machtbereich zu erweitern. Zwangsläufig ist somit im gegenwärtigen Kapitalismus dieser Prozeß der Internationalisierung mit einer Verschärfung der Widersprüche und des Kampfes zwischen den Monopolen und den imperialistischen Staaten verbunden. Währungskrise und Handelskrieg zwischen den drei Hauptzentren des Imperialismus sind ein Ausdruck dieser Tatsache.

Warum bringt der Krieg keine Lösung?
Die einzelnen ökonomischen Widersprüche des Kapitalismus haben unterschiedlichen Charakter. Zum Beispiel kann der Widerspruch zwischen Produktion und Markt, der unmittelbar zu den periodischen Wirtschaftskrisen führt, momentan gelöst werden, wenn die Produktion eingeschränkt wird, die Arbeitslosigkeit wächst und die Krisenfolgen auf die Werktätigen abgewälzt werden. Nach kurzer Zeit spitzt sich dieser Widerspruch erneut zu. Demgegenüber kann es für den Grundwiderspruch des Kapitalismus nur eine dauernde Verschärfung geben; infolgedessen wächst die Labilität des kapitalistischen Systems und die Existenzunsicherheit der Werktätigen.

Die Kapitalisten suchen durch Expansion, durch höhere Ausbeutung (wenn nicht anders möglich auch durch Teilzugeständnisse) durch den Abbau der demokratischen Rechte und – wenn es ihnen gelänge – auch mit Hilfe eines Krieges einen Ausweg aus ihren Widersprüchen. Wie die Praxis zeigt, konnten dadurch die Widersprüche nicht nur nicht gelöst werden, sondern haben sich noch weiter verschärft.

Kann man den Kapitalismus „transformieren“?
Der USA-Imperialismus, einst als Beispiel einer „Wohlstandsgesellschaft“ gepriesen, ist vor allem durch die Vertiefung seiner ökonomischen Widersprüche zum Krisenzentrum der kapitalistischen Gesellschaft geworden. Heute wagen es deshalb nur noch wenige, die imperialistische Ordnung offen zu verteidigen: Die bürgerlichen Ideologen reden immer häufiger von einer angeblichen Wandlung, von einer „Transformation des Kapitalismus in eine neue Gesellschaft“. Der Imperialismus hat durch das Wirken der ökonomischen Widersprüche schon längst jenen Punkt erreicht, an dem seine Beseitigung und der Übergang zum Sozialismus zur gesetzmäßigen Notwendigkeit wird. In diesem Sinne zerbricht der Imperialismus an seinen ökonomischen Widersprüchen. Der Marxismus-Leninismus wendet sich jedoch gegen alle Vorstellungen, das könne irgendwie automatisch geschehen.

Ob und wann die Verschärfung der Widersprüche tatsächlich zum Sturz des Kapitalismus in dem jeweiligen Land führt, hängt allein davon ab, ob sich unter der Führung der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Partei die gesellschaftlichen Kräfte zusammenschließen, die diese historische Gesetzmäßigkeit vollstrecken, den Kapitalismus stürzen und die neue Gesellschaft, den Sozialismus, errichten.

Quelle:
Gesellschaft ohne Zukunft. Dietz Verlag Berlin, 1973, S.64-68. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

 [1] Karl Marx: Das Kapital. Erster Band. ln: Marx/Engels: Werke, Bd.23, S.791.

Dieser Beitrag wurde unter Arbeiterklasse, Kapitalistische Wirklichkeit veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s