Wie stark ist das Proletariat?

Streik „Mit der Entwicklung der großen Industrie wird also unter den Füßen der Bourgeoisie die Grundlage selbst hinweggezogen, worauf sie produziert und die Produkte sich aneignet. Sie produziert vor allem ihren eigenen Totengräber. Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich.“ [1] schrieben Karl Marx und Friedrich Engels 1948 im Manifest der Kommunistischen Partei.
Gilt das auch heute noch? Gibt es überhaupt noch eine Arbeiterklasse? Darauf gab schon 1973 der Autor Horst Veith die passende Antwort.

Seit Jahr und Tag behaupten die Marktschreier des Monopolkapitals, es gäbe kein Proletariat, keine Ausbeutung und keinen Klassenkampf mehr. Eine neue „Mittelklasse“ sei in der sogenannten Wohlstands- oder Industriegesellschaft entstanden, die proletarische Revolution sei eine Illusion. Vom Kapitalismus, sagen sie, sei nicht mehr übrig als der Name, ansonsten sei die Gesellschaft und ihr Staat „sozial“ und aufs „Gemeinwohl aller“ stets bedacht. Wozu, also noch Klassenkampf? Weshalb Revolution? Und warum Sozialismus?

Lohnt sich denn der Klassenkampf noch?

Mit diesen Fragen wird die Absicht deutlich. Das alles soll nicht sein. Die kapitalistische Profitwirtschaft soll bleiben. Das ist der Grund für all die Theorien und ihre vielen Variationen, die heute so falsch sind wie vor 125 Jahren, als Marx und Engels im „Manifest der Kommunistischen Partei“ schrieben:

„Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat. Mit dem Wachstum des Kapitals entwickelt sich das Proletariat. Die Bourgeoisie produziert vor allem ihre eigenen Totengräber. Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeitlich.“ [3]

Wie ist das heute mit dem Proletariat, mit seinem Leben und mit seinem Kampf?

Gibt es das Proletariat noch?

Das Proletariat kann durch keinerlei Bemühungen und Tricks imperialistischer Ideologen, von rechts- und „links“opportunistischen Theoretikern aus der Welt geschafft werden. Trotzdem versuchen sie es immer wieder. Als Vorwand benutzen sie zum Beispiel die Tatsache, daß im Zusammenhang mit der wissenschaftlich-technischen Revolution die Zahl der körperlich tätigen Arbeiter und ihr Anteil an den Erwerbstätigen zurückgehen, Zahl und Anteil der Angestellten, Techniker und Ingenieure, der unteren und mittleren Beamten, die vorwiegend geistige Arbeit leisten, jedoch rasch wachsen. Sie reduzieren das Proletariat auf die körperlich tätigen Arbeiter – mitunter sogar nur auf die der großen Industrie – und erklären damit sein Verschwinden. Alle anderen Lohnarbeiter werden einer neuen „Mittelklasse“ zugeordnet. Das große Kunststück scheint vollbracht zu sein. Nur hat es mit der Wirklichkeit gar nichts gemein.

Was verstehen wir unter dem Proletariat?

Das Proletariat ist die Klasse der Lohnarbeiter im Kapitalismus, die keine Produktionsmittel besitzen und daher ökonomisch gezwungen sind, ihre Arbeitskraft an die Besitzer der Produktionsmittel, die Kapitalisten, zu verkaufen. Ob sie körperlich oder geistig arbeiten, den Wert ihrer Arbeitskraft in Form des Tages-, Wochen- oder Monatslohns erhalten, ihr Lohn relativ hoch oder niedrig ist, ob sie Arbeiter oder Angestellte genannt werden, ändert nichts an ihrer sozialökonomischen Lage als Proletarier, hebt die Notwendigkeit, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, nicht auf.

Wie stark ist das Proletariat?

ArbeiterklasseDie Zahl der Proletarier und ihr Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung wachsen gesetzmäßig mit der Reproduktion des Kapitals. Als Marx und Engels das „Manifest der Kommunistischen Partei“ schrieben, gab es in der Welt nur etwa 10 Millionen Proletarier. Das waren noch nicht einmal 1 Prozent der damaligen Weltbevölkerung. Im Jahre 1972 erreichte die Gesamtzahl der Lohnarbeiter in den kapitalistischen Ländern bereits mehr als 230 Millionen (Abb.). Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen beträgt in den imperialistischen Ländern heute zwischen 70 und 90 Prozent. In der BRD erhöhte sich die Zahl der Arbeiter, Angestellten und Beamten, die ihrer sozialökonomischen Lage nach zum Proletariat gehören, von rund 14 Millionen 1950 auf über 21 Millionen im Jahre 1972. Die wissenschaftlich-technische Revolution führt also nicht zur Verringerung oder Liquidierung des Proletariats, wie die antimarxistischen Theoretiker behaupten, sondern bewirkt im Gegenteil sein weiteres Wachstum.

Der schädliche Einfluß der imperialistischen Verseuchung

Doch die Stärke des Proletariats hängt nicht nur von seiner zahlenmäßigen Größe ab. Karl Marx hat darauf hingewiesen, daß Zahlen nur dann in die Waagschale fallen, „wenn Kombination sie vereint und Kenntnis sie leitet“. [4] Und W.I. Lenin hat hervorgehoben, daß 51 Prozent Proletarier weniger sein können als 20 Prozent, nämlich dann, „wenn bei 51 Prozent mehr imperialistische Verseuchung und Widerstand des Kleinbürgertums vorhanden ist“. [5] Stark ist das Proletariat vor allem durch seine revolutionäre Kampfpartei, durch seine wissenschaftliche Theorie und Weltanschauung, den Marxismus-Leninismus, und durch seine gewerkschaftliche Organisation.

Quelle:
Gesellschaft ohne Zukunft. Dietz Verlag Berlin, 1973, S.69-71 (gekürzt u. mit Zwischenüberschriften versehen, N.G.)

Zitate:
[1] Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei. In: Werke, Bd.4, S.463, 474.
[2] ebd.
[3] Inauguraladresse der Internationalen Arbeiter-Assoziation. In: Marx/Engels: Werke, Bd.16, S.12.
[4] W.I. Lenin: Erste Skizzen und Plan einer Broschüre über die Diktatur des Proletariats. In: Sowjetwissenschaft, Gesellschaftswissenschaftliche Beitrage, 1970, H.3/4, S.245.

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Eine Antwort zu Wie stark ist das Proletariat?

  1. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    … und diese Arbeiterklasse – das LOHN-ABHÄNGIGE Proletariat – ist in sich nach Religionen, Ideologien, Traditionen, Volks- und National-„Bewusstsein“ gespalten – dieses Problem haben jedoch die Kapitalisten nicht. Deshalb können Wenige über Viele herrschen und sie entsprechend gegen ihre Interessen ausbeuten.

    Am Rande … übrigens muss es im Text 630 und nicht 230 Millionen heißen

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